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Forum für Philosophie und Politik

Neueste Kommentare

  • Dorothee Markert sagt:

    Da das Übersetzen, Zusammenfassen und gegebenenfalls auch Kommentieren eines Diotima-Buchs eine viel anstrengendere Arbeit ist als die reine Übersetzung und zudem den Vorteil hat, dass die Gedanken schneller in die deutschsprachige Welt kommen, als das mit dem langwierigen Prozedere einer Übersetzung plus Publikation möglich wäre, wirkt es ziemlich demotivierend auf mich, dass die einzigen Kommentare hier meine (geschenkte) Arbeit abwerten, indem sie das Ergebnis gegenüber einer wörtlichen Übersetzung als etwas Minderwertiges hinstellen. Auch zeigen die Verkaufszahlen bei den bisher schon von uns übersetzten Büchern und die wenigen Reaktionen darauf nicht gerade, dass es nichts Dringenderes zu tun gibt, als solche Übersetzungen zu liefern. Ich bemühe mich sehr, das Wesentliche der Texte herüberzubringen. Bei "Das Fest ist hier" schickte ich meine Texte sogar an Chiara Zamboni mit der Bitte, mich auf etwaige inhaltliche Fehler hinzuweisen. Ich denke zudem, dass diese kurzen zusammengefassten Texte den Lesegewohnheiten vieler heutiger LeserInnen eher entgegenkommen als die Idee, ein ganzes Buch mit auch in einer guten Übersetzung immer noch recht schwer verständlichen philosophischen Texten lesen zu müssen.

    Artikel: Diana Sartoris Einleitung: Ein Mehr an Feminismus

  • Fidi Bogdahn sagt:

    …unter der Überschrift Alles begann mit einem „Niemals“ und einem „Ja“ ...

    Artikel: Eine Bewegung, die sich Schritt für Schritt selbst formuliert

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Alles, was dann unter der Überschrift steht, erkenne ich wieder in meiner christlichen Prägung. Und das ist gut so!

    Artikel: Eine Bewegung, die sich Schritt für Schritt selbst formuliert

  • claudia l sagt:

    Super artikel,wie gut finde ich mich in den worten wieder: Aber wir wissen, dass es mit jenem ersten Ja zusammenhängt, das ein symbolischer Antrieb für unser Handeln in der Welt ist. Eingestimmt auf dieses Anfangs-Ja, haben wir einen Schwung, der uns davor bewahrt, dass unsere Kritik am Existierenden, unsere sakrosankte Wut über Ungerechtigkeit und unser Argumentieren mit dem Negativen der Realität in den geistigen Negativismus unserer Zeit hinübergleiten. wie oft habe ich mich gefragt ,warum setzt du dich immer wieder den angriffen aus, wenn du dich matriarchal/ feministisch engagierst? jetzt verstehe ich es mit freuden, danke für die schöne übersetzung claudia von der tauber

    Artikel: Eine Bewegung, die sich Schritt für Schritt selbst formuliert

  • Bettina Schmitz sagt:

    auch von mir herzlichen Dank für diesen Bericht / Überblick. finde es sehr schade, dass es keine deutsche Übersetzung geben wird und kann die Gründe dafür sehr gut verstehen. dann folge ich mal den Darstellungen und lese vielleicht doch mal wieder auf Italienisch ... und sende erstmal Grüße und Dank auch an Antje Schrupp, durch die ich auf den Text aufmerksam wurde, obwohl ich schon regelmäßig bzw wie eine wunderbare Ärztin konsultiere :)

    Artikel: Diana Sartoris Einleitung: Ein Mehr an Feminismus

  • Boris Büche sagt:

    @Brigitte: "Ich wäre dafür Prostuierte zu qualifizieren, mit öffentlichen Mitteln zu bezahlen, damit sie ihren Kunden beibringen, wie sie einer Frau Lust verschaffen können!!!" Das schleicht sich schon ein, auch ohne staatliche Intervention: https://www.kaufmich.com/Gf6_Sophia/blog/Anruf_von_der_Ehefrau

    Artikel: Sexarbeit und bürgerliches Frausein: Unterwegs im Rotlichtmilieu

  • Friederike Wolf sagt:

    Auch Nora Bossong gelingt es nicht, sich ihrem Gegenstand wirklich zu nähern. Weite Bereiche der Sexarbeit bekommt sie gar nicht mit, und so verwundert es nicht, dass sie auf das unglückliche Geschöpf Huschke Mau hereinfällt, die sie übrigens niemals trifft, sondern nur am Telefon erlebt. Nora Bossong merkt gar nicht, dass sie ihre Kernthesen von einer Telefonstimme bezieht. Im Übrigen haben wir es hier it dem typischen Dilemma des Feminismus zu tun, der zwischen der Forderung gleicher Rechte und Pflichten für Frauen und der Forderung eines Verbots der Fabrikarbeit für Frauen schwankt. Ich bin selbst Prostituierte und erlebe die Welt des Rotlichts völlig anders als die "linken und feministischen Ökonominnen", als Nora Bossong und auch als Antje schupp, die ja selbst schreibt, dass sie diese Welt überhaupt nicht erlebt hat.

    Artikel: Sexarbeit und bürgerliches Frausein: Unterwegs im Rotlichtmilieu

  • Ute Plass sagt:

    Nicht wenige Frauen engagieren sich außerparlamentarisch und leisten Arbeit an der Basis, auf der so etwas wie Demokratie erst wachsen kann: https://buechel atombombenfrei.jimdo.com/gruppen/marion-k%C3%BCpker/

    Artikel: Schön wie noch nie: Demokratietheorie und Frauenschicksal

  • Boris Büche sagt:

    Ach, und ich habe es ausprobiert. Ein paar Mal. Es ist nur Sex - ganz gut, aber geht besser. Ist ähnlich wie one-night-stands, bloß mit gesicherter Rahmenvereinbarung für beide Seiten. Das Salär ist gleichzeitig eine Art Anti-Beziehungsversicherung (beidseitig wirksam). Bei Frauen, die sich nicht aus Not prostituieren (nicht wenige!), ist das vermutlich der Hauptgrund für die Entscheidung, nicht privat, sondern als "Hure" auf Piste zu gehen. Schlampe bist'e in beiden Fällen, im zweiten Fall aber wesentlich diskreter . . .

    Artikel: Sexarbeit und bürgerliches Frausein: Unterwegs im Rotlichtmilieu

  • Boris Büche sagt:

    Liebe Antje Schrupp, dies ist nun die dritte oder vierte Rezension dieses Buches, die ich lese, und die interessanteste. Besonders der Vergleich mit einer historischen Position zur Fabrikarbeit von Frauen ist frappierend. "Mal reinschauen" ist auf jeden Fall besser als nur spekulieren, aber, sie sagen es: Man sieht nur was man kennt. Oder: Was man glaubt, zu kennen. Ich war früher gegen Prostitution eingestellt, bis ich privat mit einer Frau bekannt wurde, die "Hure" war. In meinem Bekanntenkreis gab/gibt es seitdem noch weitere Vertreterinnen dieser Zunft, und meine Ersteinschätzung wurde bestätigt: Probleme gibt es einige in der "Prostitution". Prostitution selbst ist kein Problem - es sei denn, auf der individueller Ebene. Also eigentlich wie andere Arbeit, nur verschärft durch gesellschaftliche Verfolgung / z.T. prekäre Lebenslagen. Dadurch, dass Prostituierte und ihre KundInnen überwiegend "unsichtbar" sind, bleibt viel Raum für Phantasien. Doch scheinen diese noch plausibel, wenn wir uns klar machen: Jede/r Erwachsene mittleren Alters dürfte mindestens zehn "Freier" in ihrem/seinem Bekanntenkreis haben. Sie/er kennt ziemlich wahrscheinlich auch eine "Hure" außerhalb des beruflichen Zusammenhangs. Es ist bemerkenswert, wie stark ihrem Eindruck nach Frau Bossong von Huschke Mau beeinflusst worden ist. Frau Mau bedient Angstphantasien, und hat es leicht, weil erstens die Bereitschaft verbreitet ist, dies zu glauben, zweitens eigenes Erleben kaum relativieren kann ("Unsichtbarkeit"), drittens: Wer das selbst erlebt hat . . . Das letztere halte ich von Beginn an für vorgespiegelt. Frau Mau hat sich bisher allen skeptischen Nachfragen entzogen. Personen, die sie aus der Nähe gesehen haben, überzeugte sie menschlich nicht. Ihr facebook-account wurde Mai 2016 von FB deaktiviert. Hintergrund: Sie hatte FB nicht überzeugt, dass sie echt ist. Es ist NICHT so, wie "Huschke Mau" behauptet. Hätte sie Recht, unser Land wäre voller Monstren, und ich müsste auswandern.

    Artikel: Sexarbeit und bürgerliches Frausein: Unterwegs im Rotlichtmilieu

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe @Gudrun Nositschka, leider wird es bei dieser zusammenfassenden Übersetzung und kapitelweisen Veröffentlichung auf bzw-weiterdenken bleiben, da ich mich dem unendlichen Ärger mit dem italienischen Verlag wegen der Lizenz und den Mühen der Geldbeschaffung nicht mehr aussetzen werde. Nur zu übersetzen, das wäre wunderbar!

    Artikel: Diana Sartoris Einleitung: Ein Mehr an Feminismus

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Und wann dürfen wir auf Deine Übersetzung ins Deutsche hoffen und auf die Publikation, liebe Dorothee? Schade, dass ich das Buch nicht auf der Stelle lesen kann!

    Artikel: Diana Sartoris Einleitung: Ein Mehr an Feminismus

  • Margot Müller sagt:

    Der Frauenanteil in den Parlamenten ist seit einigen Jahren wieder rückläufig. Das hat die alten, bekannten Gründe: Beruf, Hausarbeit, Sorgearbeit, Kinder geringeres Einkommen und daher weniger Kraft, Zeit und Geld für eine politische Arbeit nebenher. Es hat aber auch neue Gründe: der in den Medien subtil geschürte Hass gegen erfolgreiche Frauen, die elektronischen Hassangriffe auf Feministinnen oder auch nur Genderwissenschaflerinnen in den neuen Medien und sozialen Netzwerken, der politisch geschürte Frauenhass von Rechts... Und neue alte Gründe: Die Direktkandidatin der Feministischen Partei DIE FRAUEN in Berlin-Steglitz hat schon zweimal eine Geheimhaltung ihrer Adresse beantragt. Vorgelegt hat sie Hasspamphlete, die bei der Feministischen Partei DIE FRAUEN in Berlin eingingen: "Ihr Feministinnen sollt alle in den Ofen". Das wurde bisher zwei Mal abgelehnt. Mit der Begründung, dass seien keine Drohungen gegen sie persönlich. Das Frauen, insbesondere Feministinnen viel gefährdeter sind, wenn sie sich öffentlich exponieren, ist schon gar kein kein Grund für Überlegungen zur öffentlichen Gewaltprävention und zum Schutz von Kandidatinnen. Demokratie ist schön. Für Männer. Von den schlichten Anfängen an der Basis bis hin zur Spitze.

    Artikel: Schön wie noch nie: Demokratietheorie und Frauenschicksal

  • Ute Plass sagt:

    "....die Demokratie funktioniert nur, wenn genug Menschen daran glauben." Lesens- bzw. hörenswert: http://www.deutschlandfunk.de/historiker-philipp-blom-zeit-fuer-eine-neue-europaeische.694.de.html?dram:article_id=381698

    Artikel: Schön wie noch nie: Demokratietheorie und Frauenschicksal

  • Ute Plass sagt:

    Ob Frau Merkel sich mit dem amtierenden US-Präsidenten über die 'Schönheit der Demokratie' ausgetauscht hat wissen wir nicht. Bekannt ist lediglich, dass beide für die gemeinsamen sog. demokratischen Werte streiten wollen. http://www.rationalgalerie.de/home/halleluja-trump-fuer-nato.html

    Artikel: Schön wie noch nie: Demokratietheorie und Frauenschicksal

  • Brigitte Leyh sagt:

    Liebe Antje,wir sollten auch an die Ehefrauen denken, denn für mich dient die Prostitution der Zerstörung der Beziehung zwischen der (Lebens-)Partnerin des Mannes und ihm! Indem die Prostituierte dem Manne ihre Begeisterung vorgaukelt (weil es ihr Job ist), macht sie partnerschaftliches Einvernehmen im Ehebett unerfreulich,anstrengend und setzt die unbefriedigte Partnerin ins schlechte Licht, lässt sie unfair erscheinen, nörgelig und frigide, wo die Prostituierte doch immer sagt "Oh, wie bist du toll!" Das hört der Mann natürlich immer wieder gern, und das Millionengeschäft der Prostitution funktioniert weiter. Ich wäre dafür Prostuierte zu qualifizieren, mit öffent-lichen Mitteln zu bezahlen, damit sie ihren Kunden beibringen, wie sie einer Frau Lust verschaffen können!!! Liebe Grüße Brigitte

    Artikel: Sexarbeit und bürgerliches Frausein: Unterwegs im Rotlichtmilieu

  • Ute sagt:

    Zu wahr, um schön zu sein. Toller Artikel.

    Artikel: Schön wie noch nie: Demokratietheorie und Frauenschicksal

  • Jutta sagt:

    ein sehr 'schöner' Beitrag, der deutlich macht, wie wichtig es ist, die Sicht auf die Welt und das Geschehen um uns herum aus feministischer Perspektive immer wieder ins Bewusstsein zu rücken...!

    Artikel: Schön wie noch nie: Demokratietheorie und Frauenschicksal

  • Ute Plass sagt:

    Könnte sein, liebe Andrea Günter, dass der Sohn sich für die Anstalt-Sendung interessiert, in der gezeigt wird, wie Demokratie in der EU funktioniert. https://www.youtube.com/watch?v=PB1tQHofs_Y Und das *Zentrums für politische Schönheit* zeigt mit seinen provozierenden Aktionen, was notwendig ist, damit die Demokratie schön zum Leuchten kommen kann. http://www.politicalbeauty.de/index.html So ärgerlich die TTT-Sendung über die Schönheit der Demokratie auch sein mag, folgender TTT-Beitrag zeugt von Vielfalt und fem. Engagement. http://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Poetisch-politisch-feministisch-Die-/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=38212412

    Artikel: Schön wie noch nie: Demokratietheorie und Frauenschicksal

  • Antje Schrupp sagt:

    @Cornelia Roth - Ja, das ist eine entscheidende Frage, aber die Verantwortung dafür, das (negative Frauenbild) zu ändern, liegt so oder so meiner Ansicht nach NICHT bei den Sexarbeiterinnen. Sondern ich sehe es anders herum: Wenn wir die symbolische Ordnung entsprechend geändert haben, dann wird es auch keine Prostitution in diesem negativen Sinn mehr geben. Oder noch andersrum: Die Situation von Frauen in prekären Lebensverhältnissen ist für mich die oberste Messlatte, um politische Maßnahmen zu empfehlen. Das ist der Unterschied zur sexistischen Werbung, die wir deshalb meinetwegen ruhig verbieten können. Es nimmt keine Frau was weg, wenn die verboten wird.

    Artikel: Sexarbeit und bürgerliches Frausein: Unterwegs im Rotlichtmilieu

  • Margot Müller sagt:

    Es gibt den Beruf des Soldaten. Auch eine widerwärtige und unnötige Dienstleistung. Es gibt Männer und Frauen, die diesen Beruf ausüben wollen. Oder müssen, um z. B. der Armut in den Slums zu entkommen. Wie steht deren Freiheit im Krieg legal Menschen umbringen zu dürfen zu der Freiheit derjenigen, die unter dem Krieg oder seinen Folgen leiden müssen? Der Konflikt lässt sich nur lösen in dem wir beides abschaffen. Die Armut und den Krieg.

    Artikel: Sexarbeit und bürgerliches Frausein: Unterwegs im Rotlichtmilieu

  • Gabriele Schärer sagt:

    Danke Antje für deine differenzierte Darstellung der Leserin, das ist spannend. Zu den beiden Kommentaren fällt mir wieder mal auf: Ich frage mich wieso sich kaum Frauen auf das beziehen, was die Sexarbeiterinnen selbst sagen. Viele üben diesen Beruf gerne aus und kämpfen für seine Legalisierung. madonna e.v.: "Wenn Sex als Beruf anerkannt wäre, könnte es etwa so sein ... Sexarbeit ist eine höchstpersönliche Dienstleistung, über deren Inhalt und Ausmaß nur die Prostituierten selbst entscheiden. Sexarbeit kann selbständig und in einem Arbeitsverhältnis ausgeübt werden. Voraussetzung sind einvernehmliche Verträge zwischen den Beteiligten und die Einhaltung gesetzlicher Mindestvorgaben...." Pauschale Gleichsetzung von Sexarbeit mit einem kriminellen Milieu verhindert die Betrachtung des Menschenhandels als Straftatbestand und der Sexarbeit als legale Tätigkeit!

    Artikel: Sexarbeit und bürgerliches Frausein: Unterwegs im Rotlichtmilieu

  • Cornelia Roth sagt:

    Mir scheint die schwierigste Frage die Behauptung, dass das Vorhandensein von Prostitution nicht nur der einzelnen betroffenen Frau schadet, sondern die Freiheit aller Frauen beschränkt, weil es sich auf die symbolische Ordnung auswirkt. Also dass Frauen als benützbares Objekt gelten. Vielleicht in ähnlicher Weise, wie sich sexistische Werbung auswirkt. Wie steht dies im Verhältnis zu der Freiheit von Frauen, die diesen Beruf aus verschiedenen Gründen ausüben müssen oder ausüben wollen?

    Artikel: Sexarbeit und bürgerliches Frausein: Unterwegs im Rotlichtmilieu

  • Margot Müller sagt:

    Ich stimme Antje zu. Ich denke, das wir aber immer aufpassen, dass auch wirklich die Lage der Frauen im Fokus unserer Aufmerksamkeit steht, die keine andere Möglichkeit sehen als die Prostitution, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Letzteres gilt es zu Verändern. Ebenfalls denke ich, dass tatsächlich viel zu grosse Hoffnungen auf das Sexkauf-Verbot gesetzt werden. Das Sexkauf-Verbot, wird nicht den Untergang der Prostitution verursachen solange deren Ursachen, die Not und Armut von Frauen sowie die Unterdrückung von Frauen durch das Patriarchat weiterbestehen. Eine Einführung des "Schwedischen Modells" wird aber den, bei uns blühenden, professionellen Frauenhandel und dessen Exzesse eindämmen, das dadurch verursachten Absinken der Honorare für diese unnötige und widerwärtige Dienstleistung beenden und die Position der Prostituierten gegen über ihren Kunden stärken. Das jedenfalls legen die schwedischen wissenschaftlichen Studien nahe. Statt staatlicher Kontrolle der Prostituierten wird es staatliche Hilfe zum Ausstieg geben. Auch wenn das "Schwedische Modell" noch verbesserungsfähig ist, ist das doch auch schon mal was. Besonders wichtig ist, dass wir Feministinnen gegen die patriarchale Spaltung in anständige Frauen und Huren kämpfen. Denn diese Spaltung ist der tiefere Sinn der Prostitution. Sie dient der Aufrechterhaltung der patriarchalen Sexualmoral.

    Artikel: Sexarbeit und bürgerliches Frausein: Unterwegs im Rotlichtmilieu

  • Dominique Bediako sagt:

    Sie bauen Ihre Argumentation auf einer Analyse der Machtverhältnisse im Kapitalismus auf - mir fehlt hier allerdings die feministische, patriarchatskritische Perspektive - von der argumentieren nämlich Befürworterinnen des Nordischen Modells, in dem Menschenrechte in einer gleichberechtigten Gesellschaft im Vordergrund stehen.

    Artikel: Sexarbeit und bürgerliches Frausein: Unterwegs im Rotlichtmilieu

  • patrizia caputo sagt:

    Autorität ist für Frauen oft eine Beziehungsform von Ungleichheit, die dem Privaten zugestanden oder oft zähnknirschend erduldet wird, nicht aber dem Politischen, Sozialen und Öffentlichen. Als Frau gilt es sich mit einer zweifachen Differenz auseinander zu setzen. Die erste ist, Frau ist DIE Andere in einer Welt, wo das 'Männliche' als Leitgrösse gilt. Die zweite Herausforderung, die oft schwieriger sich zu zugestehen und diese auch in der vollen Wucht gelten zu lassen ist, dass wir Frauen uns zu Einander unterscheiden. So viel wird gemacht, um diesen anscheinenden Makel gar nicht in Erscheinung treten zu lassen....denn wenn dieses Anderssein im Raum steht, gibt es Frauen, die ein Mehr besitzen, und dieses absolute, nicht wegrationalisierbare Mehr, besitzt auf einer elementalen Ebene eine jeder Mutter, sie ist die erste Autoritas, die Autoritas par Excellence und das ist oft für viele Töchter, die wir alle Töchter von Müttern sind, ein harter Brocken, umso mehr, als dass das Patriarchat alle Kräfte mobilisiert hat, um diese Diade, Mutter-Tochter zu sprengen, zu diskreditieren und zu zerstören. Geblieben ist ein privatisierter Knäuel aus Gefühlen, Emotionen, der verhindert, dass die Mutter als eine elementale Funktion erkannt werden kann, dass die Mutter immer eine soziale, politische und somit höchst öffentliche Dimension hat. Es wäre dies unsere erste und wichtigste Autoritasbeziehung, -Erfahrung, die eben nicht nur eine reine persönliche, emotionale ist, sondern, immer eine soziale und somit höchst politische Dimension und Sprengkraft hat. Doch aus Angst vor dieser Urgewalt, lassen wir diese wichtigste Autoritasbeziehung ins Private schrumpfen, sperren sie ein und versuchen sie klein zu halten, dass ja nichts in die Öffentlichkeit kommt. Den Preis, der dann zu zahlen ist, ist, keine wirkliche mächtige Vertretung in der Welt zu haben auf die wir uns als Frau, als Tochter beziehen können. Denn alle anderen 'männlichen' Ersatzautoritäten haben mit uns auf radikal, elementaler Ebene nichts zu tun....Wir verbauen uns so, sowohl Autoritas und Macht zu haben, wie auch, solche in unser einer mit Dankbarkeit anzuerkennen und als das Mehr zu sehen, dass unser Wachstum erst möglich macht, um dann selber zur Autoritas heranzuwerden. in dankbarkeit den frauen della libreria di milano gewidmet deren wunderbares buch, wie weibliche freiheit entsteht, ich nie müde werde, immer wieder zu lesen patrizia

    Artikel: Weibliche Autorität in der Welt stärken

  • Anne-Käthi Zweidler sagt:

    Ganz herzlichen Dank für die Vernetzung. Wir brauchen sie dringend. Anne-Käthi

    Artikel: Feministisches Netzwerk: Aktionen bündeln und international Solidarität zeigen

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Wirklich ein schönes und reichhaltiges Buch. Und natürlich bin ich froh, dass es der Gerda-Weiler-Stiftung ein Vergnügen war, bei den Druckkosten behilflich zu sein.

    Artikel: Wer er-kennt sie schon, die alten Göttinnen?

  • c. sagt:

    to Inga Thies: Erfahrung als prekär-Einsam-VersorgerIn = das "sozial-fitte" und "beziehungsstarke" networking o.g. Frauen reduziert sich (zwangsläufig) auf small-Pflicht-talk mit Leuten bei der "Tafel" und "jobcentern". Ohne Geld sind Beziehungen ....ALLES ...kaum möglich (s. Exklusion)

    Artikel: Alleinerziehende oder Einsamversorgerin?

  • Dr. Gisela Forster sagt:

    Ihr sprecht mir aus der Seele...war selbst 20 Jahre lang Einsamversorgerin, habe alles alleine machen und auch alleine zahlen müssen, weil der Vater immer wieder ausgewichen ist. Meine Mutter sagte, ich solle nicht juristisch gegen ihn vorgehen, sonst wird alles emotional noch viel schlimmer. Schutz und Hilfe gibt es für Einsamversorgerinnen in Deutschland praktisch nicht. Dr. Gisela Forster

    Artikel: Alleinerziehende oder Einsamversorgerin?

  • Inga Thies sagt:

    "allein ver-sorgende" Mütter nenne ich die Frauen in Mutter-Kind-Familien, denn so einsam wie in der Ehe sind die allermeisten Frauen mit ihren Kindern nach der Trennung nicht. Einsamkeit weckt wenig hilfreiches Mitleid bis hin zu Klischees "Naja, selber schuld..." Nach meiner Erfahrung vernetzen sich die allein ver-sorgenden Mütter (zwangsläufig) & werden oft zu sozial fitten & beziehungsstarken Frauen, allerdings meist in - staatlich gewollter - skandalöser materieller Armut. Insofern sind viele reich & arm zugleich. Mehr Geld für a l l e Kinder = Kindergrundsicherung ist d i e Wirksame "Raus aus der Armut Lösung".

    Artikel: Alleinerziehende oder Einsamversorgerin?

  • c. sagt:

    es ist die größte Schande in BRD, dass jedes 5. Kind in Hartz4-Umständen aufwächst (d.h. Kind von EinsamversorgerIn, die von prekären Jobs oder AufstockerHartz4 lebt, mit wenig bis null Altersvorsore) dann muss das Kind später selbst im eigenen Leben hohe Sozialabgaben an die Gesellschaft zahlen, die es in Armut gedeihen ließ. Die Einsamversorgerin setzt ihr Armutsleben als Rentnerin nahtlos fort (es gibt von Rentenkasse 30 Euro monatl. pro Kind angerechnet). Das nette Umformulieren von alleinerziehen zu einsamversorgen bleibt hier irrelevant - Armut ist "grausig".

    Artikel: Alleinerziehende oder Einsamversorgerin?

  • Anja sagt:

    Das ist ein wunderbarer Begriff, eine sehr nützliche Verschiebung des Blickwinkels! Toll.

    Artikel: Alleinerziehende oder Einsamversorgerin?

  • Juliane Brumberg sagt:

    Ich denke auch, dass wir Leichtigkeit und Zuversicht brauchen - und dass es auch positive Anzeichen gibt, dass wir sie haben können. Das Erschrecken über das Ergebnis der Präsidentenwahl in Amerika und das europaweite Erstarken rechter Gruppierungen hat bei vielen älteren und jüngeren Menschen zu neuem politischen Interesse geführt. Und die Bereitschaft, politisch mitzumischen wächst. So las ich in unserer (fränkischen) Regionalzeitung heute von verstärkten Parteieintritten bei SPD, Grünen, Liberalen und Linken (nur nicht bei der CSU, da treten oder sterben sie aus) seit den amerikanischen Wahlen.

    Artikel: Sich "Die Leichtigkeit" erhalten

  • patrizia caputo sagt:

    ich möchte an dieser stelle mary daly aus einem interview zitieren: 'See, right now, I would be totally joyous to have a great community of women—whether men are somewhere out on the periphery or not. I don't have this goal of: "Oh, then we can all get together again!" That doesn't seem to be a very promising future. So why would I think about it? I think it's pretty evident that men are not central to my thought.' viele frauen in büchern, texten und referaten haben begonnen frauen zu referenzieren und sich auf sie zu beziehen, hinzuweisen. das scheint mir das wesentliche....pflegen wir doch das mal intensiv und extensiv und kümmern uns mal einfach ein paar jahrhunderte lang nicht, was oder wen sie aufführen, denn ich habe schon lang aufgehört texte jeder art, mit paar wenigen ausnahmen, von männern zu lesen. sie sind einfach langatmiger, komplexer, kommen nicht zur sache, oft fehlt der praktische, unspekatkuläre und doch wesentliche bezug zum lebendigen. mich kümmert es nicht, ob und wen sie lesen. mir ist es auch gleich, ob ich da was verpasse. ein paar ausnahmen, von männern, die kluges schreiben gibt es, doch oft sind auch diese in ihrem männerkokon verfangen und verwoben. jahrhundert langes training dieser fellows unter sich zu sein, geht nicht spurlos vorbei und so schnell und freiwillig werden sie es nicht aufgeben. schon gar nicht in zeiten der gefährdung, wo doch das 'patriarchat zu ende ist' wie luisa muraro so treffend schreibt. aber schaut euch um, allein in diesem blog der reichtum an guten, wichtigen, wesentlichen texten, vorträgen von vorfrauen, von heutigen frauen geschrieben oder vorgetragen. diese welt ist so reich, nahrhaft, vielfältig. wir haben genau genommen gar keine zeit diese art der inklusion des männlichen zu machen. ob in den rechtswissenschaften, ob in der ökonomie, ob in der geschichte, philosophie, anthropologie, sozialwissenschaften aller art, in der technologie.schaut, hört was die frauen zu sagen haben, die haben echt was drauf....klar das man, die nicht gerne mitreinbringt.

    Artikel: Warum lesen Männer kaum feministische Bücher?

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Wenn wir etwas Grossartiges erleben,auch heutzutage,müssen wir gleichzeitig die Vorgeschichte ausfindig machen,kennen,und innerhalb dem Gelungenen,die Vorgeschichte, "Pioniertaten" im Ganzen platzieren und erwähnen.Damit unsere Denkräume sich nicht verkleinern und verkürzen.Denn neue Machtsituationen können sich neu etablieren,auch ganz unerwartet.Achtsam sein auf den echten Austausch von beide Seiten.Dazu gehört auch unmittelbar im Geschehen,das Soziale,bei Gebrechlichen die Hilfeleistung.Ohne den andern in seinem/ihrem "Roten-Lebens-Faden",was Leben erhält,zu bedrängen.

    Artikel: Sich "Die Leichtigkeit" erhalten

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Auch bei uns in Deutschland gibt es nationalistisch gesinnte Gruppen, deren Anhang Hasskommentare und Fakes verbreiten - und es stehen wichtige Wahlen an. Wieso hofften wir, dass die Folgen des zerstörischerischen Patriarchats samt entfesseltem Kapitalismus uns verschonen würden? Ob Leichtigkeit und Schönheit reichen, unsere und die Würde anderer zu bewahren?

    Artikel: Sich "Die Leichtigkeit" erhalten

  • Elfriede Harth sagt:

    Es ist immer wieder schön und ermutigend zu sehen, wie Menschen, die dem Tod in die Augen gesehen haben, die Kostbarkeit des Lebens auf eine ganz besondere Weise entdecken. Ich lasse mich immer wieder gerne von dieser melancholischen Freude anstecken.

    Artikel: Sich "Die Leichtigkeit" erhalten

  • Susanne Blume sagt:

    kann nur auf diesen Blog und seine Inputs hinweisen - Rente, Allter, Kinder- Mütter- Familienfeindlichkeit... z.B. https://kreidfeuer.wordpress.com/tag/rentensystem/

    Artikel: Weibliche Autorität in der Welt stärken

  • Dorothee Markert sagt:

    Hallo @Eveline, hab mal gegoogelt. Hier gibt es zumindest eine Kurzfassung: http://blog.feministische-studien.de/2016/03/kontroversen-zur-kohabitation/

    Artikel: Weibliche Autorität in der Welt stärken

  • Eveline Ratzel sagt:

    Hi Dorothee, wie komme ich an den Vortrag von Thuermer-Rohr? Viele Grüße, Eveline

    Artikel: Weibliche Autorität in der Welt stärken

  • Brigitte Leyh sagt:

    Danke für diesen Artikel. Besonders betroffen machte mich die Aussage über Beauvoir, dass sie nach "Das andere Geschlecht" Autorität "verlor" und "die Welt" das Interesse an ihr als Philosophin auch "verlor". Diese Formulierungen sind mir zu schicksalhaft, nein, das ist eine Kampfform der hegemonialen Männlichkeit: Die, die sich um Frauenthemen kümmert, wird quasi mit Stigmatisierung bestraft. Das ist heutzutage teilweise auch noch so, auch heute noch wollen Frauenthemen riskiert sein und erfordern Courage. Als ich für eine akademische Woche Menschenrechte für Frauen vorschlug, kam die unwidersprochene (!) Antwort eines ehemaligen Staatsanwalts "Mensch, geh bloß weg mit diesem Gender-Scheiss!" Fortschritte sehe ich in der Integration von Frauenthemen an der Uni. Wir dürfen einfach nicht lockerlassen und die Unterdrückung von Frauen immer wieder thematisieren, bis das Thema wirklich überflüssig geworden ist!!! Nur Mut! Brigitte Leyh

    Artikel: Warum „weibliche Autorität“ und nicht „Autorität von Frauen“ ?

  • Elfriede Harth sagt:

    Die Anthropologin/Soziologin Virginia Gutiérrez de Pineda veröffentlichte 1963 (!) eine Studie über die Vielfalt der Familien in Kolumbien. Und folglicherweise über die Vielfalt der Geschlechterbeziehungen. Denn in einer Familie leben ja Menschen zusammen, die mindestens zwei unterschiedlichen Generationen angehören und häufig auch unterschiedlichen Geschlechtern. (Damals zumindest war eine Schwangerschaft undenkbar ohne sexuellen Vollzug zwischen zwei Personen gegensätzlichen Geschlechts) Sie beschreibt vier unterschiedliche Modelle, die sich jeweils gehäuft in vier unterschiedlichen geographischen Regionen vorfanden. Soweit ich mich erinnere (leider habe ich keinen Zugriff auf ihr Buch und nur noch auf mein Gedächtnis) gab es das “andinische” Modell, das “afrikanische” Modell, das Modell der großen Savanne (zwischen den Flüssen Orinoco und Amazonas) und noch ein viertes, das ich nicht mehr zusammenbekomme. Kurz skizziert (und natürlich sehr vereinfacht überzeichnet) sah das folgendermaßen aus. 1. Das “andinische” Modell war sehr stark an dem Tabu der Jungfräulichkeit und der Sexualität orientiert. Es herrschte ein großer Kult der Mutter bei gleichzeitiger Geringschätzung sämtlicher anderer Frauen. Die Mutter wurde als Heilige verehrt und in den Himmel hochgehalten. (“Hurensohn” galt als das schlimmste Schimpfwort). Aber alle anderen Frauen waren minderwertig und bekamen ihren Wert nur dadurch, dass sie früh (mit 14-16 Jahren) und als Jungfrau heirateten und dann viele Kinder gebaren. Das Verhältnis von Vater und Sohn war schlecht. Der Sohn liebte und verehrte seine Mutter, aber hasste seinen Vater, wohl auch, weil dieser ihm ein sehr strenges liebloses Männerbild eintrichterte. Dennoch reproduzierte sich das Geschlechterstereotyp. Frauen waren sehr fromm und mit das größte war es, mit einem Priestersohn “gesegnet” zu werden. Es gab sehr viele Priesterberufungen in diesen Familien. Auch viele Berufungen zur Nonne. (Mit Verzicht auf Sexualität, oder vielleicht als gute Möglichkeit, eine völlig tabuisierte Homosexualität auszuleben). 2. Das “afrikanische” Modell war dadurch gekennzeichnet, dass eine Familie aus der Diade Mutter-Kind bestand. Der Vater war nur ein unwichtiger, wenngleich für die Zeugung notwendiger Anhängsel. Jungräulichkeit war unwichtig. Und Polyandrie die Regel, d.h. Frauen (natürlich auch Männer) blieben nicht monogam, sondern hatten sehr häufig für jedes Kind einen anderen Vater. Frauen waren die Autorität und das Zentrum der Familie. Trotzdem bekamen Männer häufig das größte Stück Fleisch aus der Suppe, während Frauen sich mit weniger begnügten. Der älteste Sohn war wohl der wichtigste Mann in der Familie, die sonst aber total auf Frauen zentriert war. 3. Das Modell der Savanne wieder ganz anders. Dieses Gebiet wurde eigentlich erst seit ca. 150 Jahren besiedelt. Denn die Lebensverhältnisse dort sind äußerst schwierig, aus klimatischen Gründen. Erst seit die moderne Medizin gewisse tropische Krankheiten (Malaria, Gelbfieber, Dengue, etc..) in Schach halten kann, werden immer mehr Gebiete besiedelt. Vielfach flohen Menschen dorthin, die anderswo nicht leben konnten, weil sie entweder etwas verbrochen hatten und Rache fürchteten oder weil sie aus politischen oder anderen Gründen verfolgt wurden. Frauen waren sehr emanzipiert. Auch hier spielte Jungfräulichkeit keine Rolle. Im Gegenteil. Ein Mann bevorzugte eine Frau, die ein Kind in die Beziehung mitbrachte, weil sie damit bewies, dass sie stark genug war, für sich und ein Kind zu sorgen. Oft waren Frauen daher auch älter als Männer. Es gibt noch eine ganze Reihe Ethnien, die abseits der “modernen” Welt leben. Und unter diesen gibt es eine, die Emberas, die – ganz unabhängig von irgendwelchen afrikanischen oder islamischen Einflüssen – ebenfalls die Genitalverstümmelung von Frauen betreiben, wie erst vor gar nicht lange Zeit publik wurde (oder hoffentlich betrieben, es werden Versuche unternommen, diese Praxis auszurotten). Warum ich das alles schreibe? - Weil unsere Vorstellung von Geschlechterverhältnissen oft sehr davon bestimmt ist, was wir selbst kennen. Dieser Ethnozentrismus beeinflußt unsere Sicht der Dinge nicht nur was andere gegenwärtige Kulturen betrifft, sondern oft auch was andere geschichtliche Epochen unserer eigenen Kultur betrifft. Ich will nicht verneinen, dass das Patriarchat überall auf der Welt zu finden ist, aber so wie es unterschiedliche Feminismen gibt, so gibt es auch unterschiedliche Patriarchate.... Und daher gibt es auch unterschiedliche Formen von “weiblicher Autorität”. Je nach Kontext. Denken wir z.B. an das Mittelalter, in dem eine Frau mit 12 Jahren volljährig wurde, ein Mann erst mit 15 Jahren. An die Beginen, etc... Um auf weibliche Autorität zurückzukommen..... Für mich war z.B. die Beobachtung von ganz einfachen, armen Frauen aus dem Volk grundlegend wichtig. Meine Mutter nahm mich als Kind manchmal mit auf den Markt. Dort saßen die Marktfrauen, analphabetische Bauernfrauen, auf dem gestampften Lehmboden und hatten vor sich ihre Kartoffeln, ihr Obst und ihr Gemüse ausgebreitet. Sie enthülsten Erbsen in einen verbeulten Topf oder lösten Maiskerne aus ihren Kolben, während sie ihre Ware anpriesen und mit den Kundinnen feilschten. Um sie herum krabbelten oder spielten verrotzte, von Schmutz starrende Kleinkinder, nur mit einem Hemdchen bekleidet, das gerade ihren nackten Unterleib verdeckte. Manchmal schmiegten sie sich an die Mutter und diese bot ihnen die Brust, ohne dabei von ihrer sonstigen Beschäftigung abzulassen, weiter zu feilschen oder zu fluchen, wenn jemand einfach zu wenig für ihre Ware bot. - Als ich mich Jahre später in Paris zum ersten Mal mit meiner neugeborenen Tochter alleine vorfand und vor der Riesenverantwortung erschauerte, die ich nun trug, die Verantwortung für ein hilfloses kleines Bündel menschliches Leben, da gab mir die Erinnerung an diese Marktfrauen ganz viel Kraft und Selbstvertrauen. Wenn sie ihre Kinder groß bekamen in ihren, in meinen Augen prekären Umständen, dann mußte ich doch auch dazu in der Lage sein. Und ich fühlte mich stark, weil ich eine Frau war. Und es war eine beglückende Erkenntnis.

    Artikel: Warum „weibliche Autorität“ und nicht „Autorität von Frauen“ ?

  • Heinz Mauch-Züger sagt:

    Ein aus meiner Sicht hervorragender Beitrag. Er lässt erahnen, was uns noch alles bevorsteht, sollte der Prozess der Neuformung von Rollen in Bezug auf das Geschlecht weitergehen. Es wird deutlich, dass die Weltanschauung und die damit verbundenen Rollenausprägungen weiblich - männlich nicht mehr genügen und sich ein Feld auftut, wo sich Qualitäten neu definieren können. Daran müssen alle arbeiten. Ich kriege Verständnis dafür, dass es Menschen gibt (Frauen und Männer und alle dazwischen), die sich von der Entwicklung her gefährdet fühlen, weil sich ihre Identität mehr an hergebrachten Werten orientieren als sie meinen. Auch Werte, die wir ablehnen, tragen ja zur Stabilisierung bei. Was ist ein Mann - was ist männlich? Was ist eine Frau - was ist weiblich? Ist ein Mann einfach männlich? Ist eine Frau einfach weiblich? Und wenn nicht - was dann? Bei mir wurde etwas erschüttert und ich freue mich auf die weitere Entwicklung, die hoffentlich auch von meiner geschlechtlichen Seite konstruktiv mitgestaltet wird - dann ist sehr viel möglich.

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  • Christine Jung sagt:

    Liebe Dorothee, gut, dass diese Worte eine Frau gesagt hat. ;) Du hast es wunderbar auf den Punkt gebracht.

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  • Andrea sagt:

    Was ich mich beim Lesen des Artikels aber gerade frage, muss ich als Frau Hosenanzüge unbedingt schlecht finden? Ich frage mich sowieso woher die starke Trennung der Kleidung nach Geschlecht kommt. Auf der einen Seite kann ich einige Ansichten dieses Artikel nachvollziehen. Bleibe jetzt aber auch mit der Frage zurück, was genau hier mit "weiblich " gemeint ist. Und woran würde man "weiblich" , mal abgesehen vom Körper definieren, wenn die Sozialisation eines Mädchens nicht wär: sei leise, dräge dich nicht vor, trete nicht zu dominant auf, sei beziehungsorientiert, trage gerne Kleider, kümmere Dich zuerst um andere etc. Eine Frage die sich für mich in diesem Zusammenhang stellt. Ich persönlich kann für mich als Frau nicht behaupten, dass ich auch sogenannte "männliche" Verhaltensweisen für mich als unattraktiv sehen würde. Ich will mir persönlich eigentlich gar nicht so einen großen Kopf darum machen müssen. Im Grunde will ich Respekt als Mensch, so wie es ein Mann wahrscheinlich auch will. Ich will die Möglichkeit für mich sorgen zu können, ich will aber auch die Möglichkeit haben Geschehen beeinflussen zu können, Grenzen zu setzten aber auch meine Sexualität zu leben, ohne dass ich hier stärker diszipliniert werde als es bei Männern der Fall ist. Genauso wichtig finde ich es aber auch für mich, dass ich Gefühle zeigen kann, aber auch Macht zu haben finde ich attraktiv. Das alles natürlich mit meinem Körper. Ich will aber auch nicht, nur aus dem Grund, weil ich ein Kind gebären kann, dafür bestimmt werden, dass ich mich deshalb vorrangig um Beziehungen und Care arbeiten kümmere. Auch nicht, wenn das jetzt gut bezahlt wäre. Ich persönlich habe bei mir noch niemals so einen großen Abgrenzungsbedarf vom Mann festgestellt, wie ich es aber umgekehrt bei manchen Männern feststelle. Wenn es darum geht als Autorität wahrgenommen zu werden, dann hat das im Grunde aber auch etwas mit Selbstbewusstsein, das eine Person zeigt zu tun. Die Wurzeln, dass alles, was eine Frau tut allgemein als weniger wertvoll gesehen wird, liegt weit in der Vergangenheit. Wurde in meinen Augen aber durch Religion aber auch Philosophische Strömungen teilweise sehr auch mit Hilfe von Angst in die Köpfe der Menschen indoktriniert. Ein Mensch, der mich nicht anerkennen will, weil ich eine Frau bin, der wird das nicht tun, egal ob ich männlich oder weiblich auftrete. Ich sehe das aber als Problem dieses Menschen selbst. Ich weiss aber auch nicht, ob ich mit diesem Menschen beispielsweise einen Kontakt pflegen möchte. Ich habe meinen Kommentar mit der Kleidung begonnen habe möchte ich damit noch abschließen. Ich bin im Grunde gar kein Fan von Dresscodes. Es fühlt sich für mich an, als würde man mir damit die Luft zum Atmen nehmen. Ich könnte mir auch hier die Welt für Frauen und für Männer viel bunter vorstellen. Vielleicht ist das ja etwas, das man jetzt als "weiblich" bezeichnen würde. Bestimmt gibt es aber auch Männer, die gar nicht so viel Lust auf diesen schwarz-grauen Krawatten-Anzugslook haben, aber irgendwie es auch nicht schaffen hier die Krusten aufzubrechen. .

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  • c. sagt:

    ja- danke, schön (sorry) es noch einmal klar + deutlich zu lesen, wie das so ist/war. danach immer: schweigen. mit niemanden reden, nur mantras im kopf "selber schuld, pech gehabt, dumm gelaufen, besser aufpassen...." eine "gleichgesinnte" sagte mal: nun bist du eine gebrandmarkte. stimmt - irgendwie ist die "unschuld" futsch für immer. c.

    Artikel: Vergewaltigt vor 44 Jahren

  • Antje Schrupp sagt:

    @Bari - Ja, ich glaube auch, dass die Wahrnehmung immer geschlechtlich differenziert, aber hier gemeint ist die Eigendarstellung. Zum Beispiel wenn eine Frau sich bemüht, ihre Weiblichkeit herunterzuspielen oder unsichtbar zu machen, etwa wenn sie dezidiert männliche Sprechformen für sich verwendet (nicht aus Gewohnheit, sondern um etwas damit zu sagen), oder indem sie sich in Bezug auf Kleidung oder Auftreten an dem orientiert, was Männer üblicherweise tun. Oder, was ja auch oft geschieht, wenn sie explizit sagt, dass Frausein (oder Geschlecht) keine Rolle spielt.

    Artikel: Geballte weibliche Autorität ist in der Welt, …

  • Johanna Beyer sagt:

    Herzlichen Dank für diesen Bericht, der zeigt, wie eine Debatte als ganzheitliche Erfahrung organisiert werden kann. Nach dem Lesen dieses Textes werde ich noch mal im Bayerischen Rundfunk nachhören, da gab es heute einen Beitrag zu Autoritas und Potestas, und wie Autorität sich in Macht verfestigen kann. Wenn ich mich selbst lese, dann deutet einiges darauf hin, dass ich wohl Lust gehabt hätte, bei dem Tag dabei zu sein. Gut, dass es den Bericht und auch das Referat zum Nachlesen gibt.

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  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Ein toller Bericht über eine tolle Tagung an einem tollen Ort: Danke!

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