beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Neueste Kommentare

  • Brigitte Leyh sagt:

    Danke für diesen tollen - traurigen - Artikel! Ich war sofort an das "IHHH nein!" einiger Jungen in meiner Klasse erinnert, wenn ich ein Mädchen neben sie setzte. Ich habe das als Lehrerin nicht durchgehen lassen und gefragt, ob sie auch so reagieren würden, wenn ich einen farbigen Jungen neben sie setzen wollte. Wenn dann die Antwort "Natürlich nicht" kam, wurde ihnen die Beleidigung des Mädchens erst bewusst. Hielt aber nicht lange...

    Artikel: Auch eine Deportation: In eine Männlichkeit, die von der Welt der Frauen getrennt ist

  • Angelika Luckner sagt:

    Ein sehr kluger Artikel, dem viele Leserinnen und Leser zu wünschen wären. Letztlich brauchen wir eine Carevolution! Solange Care-Arbeit gesamtgesellschaftlich nicht mehr Wertschätzung erfährt und wir nicht zu einer gerechten Verteilung der Care-Arbeit kommen (30 -Stundenwoche für alle) wird sich auch an den Zuständen in der Plege demenzkranker Menschen nichts ändern.

    Artikel: Frauen pflegen Frauen mit Demenz – Plädoyer für Fassungslosigkeit statt Gewalttätigkeit.

  • Ute Plass sagt:

    "Hat der kleine Junge bis dahin gern der Mutter bei der Care-Arbeit geholfen und war stolz auf sein Können in diesem Bereich, muss er sich nun hüten, dass es jemand mitbekommt, wenn er einen Besen in die Hand nimmt." Klingt etwas verstaubt für hiesige Verhältnisse. Italien hinkt da möglicherweise hinterher? Wir alle kennen doch mittlerweile nicht wenige Männer, die Care-Arbeit leisten. Gespannt können wir sein, was 'nach Corona' passieren wird.

    Artikel: Auch eine Deportation: In eine Männlichkeit, die von der Welt der Frauen getrennt ist

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Liebe Frau Strack Ökofeminismus ist mehr als die Verehrung von 'Mutter Erde'. In Ihrer Literaturliste fehlt der Hineis auf die Überlegungen dazu der feministischen Theologin Dr.Dorist Strahm. Hier der Link auf einen aktuellen Text von ihr zum Thema in der Ausgabe 'Ökofeminismus' der Zeitschrift 'Neue Wege': https://www.neuewege.ch/oekologie-und-feminismus-eine-zukunftsweisende-verbindung Freundlich grüsst Sie Esther Gisler Fischer.

    Artikel: Brief der Erde an uns Menschen

  • Juliane Brumberg sagt:

    Liebe Dorothee, es hat mich sehr beeindruckt, wie Du die Gedanken von Luisa Muraro zur Deportation der kleinen Jungen aus der mütterlichen Welt weitergedacht hast. Da trifft es sich gut, dass just in diesen Tagen ein Buch von dem Feministen Nils Pickert mit dem Titel Prinzessinnenjungs (https://pinkstinks.de/blick-ins-buch-prinzessinnenjungs/) erschienen ist. Ich habe es noch nicht gelesen, doch ich bin sehr gespannt darauf, wie er als Mann dieses Thema entwickelt. An den Rollenbildern von Männern zu arbeiten halte ich für eine ganz wichtige Aufgabe in unserer Gesellschaft. Du gibst mit Deinem Artikel einen fundierten Anstoß dazu.

    Artikel: Auch eine Deportation: In eine Männlichkeit, die von der Welt der Frauen getrennt ist

  • Anne Newball sagt:

    Liebe Juliane, vielen Dank für das Zusammenbinden von Corona-Krise und dem ABC des guten Lebens! Dein Text strahlt so viel Ruhe aus... und das in Zeiten, wo eine aufregende/aufgeregte Meldung die nächste jagt... ich empfinde es als so wohltuend, einen Text zu lesen, von dem aus das Denken wieder ruhig und tief atmen kann und von dem aus die Gedanken ganz unaufgeregt reisen können.

    Artikel: Wenn geschieht, was sich niemand vorstellen konnte

  • Ute Plass sagt:

    Pflege-Gettos 'alten Zuschnitts' gruseln mich. Das hier klingt anders: Alzheimer Dorf bei Amsterdam https://www.deutsche-alzheimer.de/unser-service/archiv-alzheimer-info/de-hogeweyk-das-alzheimer-dorf-bei-amsterdam.html Hoffe sehr, dass die aktuelle Krise dazu führt, dass Pflege/Fürsorge...endlich den ihr gebührenden Stellenwert erhält.

    Artikel: Frauen pflegen Frauen mit Demenz – Plädoyer für Fassungslosigkeit statt Gewalttätigkeit.

  • Ute Plass sagt:

    @Johanna Helen Schier: "Corona steht vor der Tür!" brachte mich zum Schmunzeln. :-) Und ja, gut, sich nicht ständigen Corona-Katastrophen-Meldungen auszusetzen.

    Artikel: Wenn geschieht, was sich niemand vorstellen konnte

  • Marion Schirling sagt:

    Ein Artikel, der realitätsnah, umfassend und punktgenau die Situation vieler Demenzerkrankten in so manchen Einrichtungen wiedergibt und der meinen Erfahrungen als betreuende Angehörige nahekommt. Eine weite mediale Verbreitung wäre ihm sehr zu wünschen. Vielen Dank!

    Artikel: Frauen pflegen Frauen mit Demenz – Plädoyer für Fassungslosigkeit statt Gewalttätigkeit.

  • Johanna Helen Schier sagt:

    "Corona steht vor der Tür!" Ich schaue nach Möglichkeiten, mich abzulenken. Nach der selbstverordneten "Informationswut" habe ich heute entschieden, nur noch zu einer bestimmten Tageszeit die katastrophalen Meldungen zur Kenntnis zu nehmen. Ansonsten: "No risk, no fun!"

    Artikel: Wenn geschieht, was sich niemand vorstellen konnte

  • Ute Plass sagt:

    Mit einem BGE durch die Krise.... https://www.change.org/p/finanzminister-olaf-scholz-und-wirtschaftsminister-peter-altmaier-mit-dem-bedingungslosen-grundeinkommen-durch-die-coronakrise https://www.musikrat.de/aktuelles/detailseite/coronakrise-deutscher-musikrat-fordert-befristetes-grundeinkommen

    Artikel: Wenn geschieht, was sich niemand vorstellen konnte

  • Ute Plass sagt:

    "Merkel hätte gestern verkünden können, dass noch in diesem Jahrzehnt der alltägliche Pflegenotstand in deutschen Krankenhäusern überwunden würde. Das wäre doch mal ein greifbares Ziel – auch und vor allem in Zeiten von Corona. Doch all dies habe ich in ihrer Rede irgendwie verpasst. Selbstkritik? Fehlanzeige! Die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen? Fehlanzeige! Irgendwelche konkreten Maßnahmen? Fehlanzeige! Und die Medien? Die sind vor lauter Begeisterung förmlich aus dem Häuschen – Kanzlerin, wir folgen Dir! Alle sagen Ja! Es ist zum Verzweifeln." https://www.nachdenkseiten.de/?p=59423#more-59423

    Artikel: Wenn geschieht, was sich niemand vorstellen konnte

  • Ute Plass sagt:

    Ein weiterer 'Augenöffner' "Heuchler, Profiteure und andere Menschenfreunde – „Corona“ als Anlass für kollektive demokratische Selbstorganisation" https://www.nachdenkseiten.de/?p=59428#more-59428

    Artikel: Wenn geschieht, was sich niemand vorstellen konnte

  • Juliane Brumberg sagt:

    Liebe Anne, toll, was Du mit Deinem Text und der Weiterentwicklung in Deinem Kommentar alles aus einem vermeintlichen Kinderfilm herausholst und ihn mit der ganz aktuellen Krise verbindest. Ich habe beide langen Texte mit großem Interesse gelesen. Danke dafür!

    Artikel: Zwei Schwestern – dann eine Weile nichts. Nachdenken über E. und A. und die Wiederentdeckung von Hans Christian Andersens 'Die Schneekönigin'

  • Heinz Mauch sagt:

    Das ABC des Lebens - nach wie vor eines meiner Lieblingsbücher, das immer mal wieder den Weg in meine Hände findet. Und ja, es bietet sich gegenwärtig die Chance, das Leben "neu zu buchstabieren". Dafür bietet das kleine Werke eine Fülle von Anstössen mit der Chance, dann, wenn das hier vorbei ist, nicht einfach wieder in den alten Trott zu verfallen. Wer das Buch nicht kennt - kennenlernen lohnt sich!

    Artikel: Wenn geschieht, was sich niemand vorstellen konnte

  • Ute Plass sagt:

    "Und jetzt ist sie staatlich verordnet. Wir können erleben, ohne was alles ein gutes Leben möglich ist. Wir werden gezwungen und haben die Chance unsere Routinen zu hinterfragen und das Zusammenleben in unserem Umfeld neu zu gestalten." Die staatliche Verordnung, die vorgibt, die Alten, Schwachen, Vorgeschädigten.... zu schützen, das ist zu schön um wahr zu sein. https://www.rubikon.news/artikel/die-gesundheitsdiktatur https://hinter-den-schlagzeilen.de/der-neue-totalitarismus

    Artikel: Wenn geschieht, was sich niemand vorstellen konnte

  • Hiltrud Warntjen sagt:

    Sehr guter Beitrag, danke. Hilft mir grad sehr beim Denken und Verarbeiten. Würde ich gern in meinem Blog rebloggen bzw. veröffentlichen. auf https://mikesch1234.wordpress.com Ist das erlaubt / o.k.? LG, Hiltrud

    Artikel: Wenn geschieht, was sich niemand vorstellen konnte

  • Anne Newball Duke sagt:

    Das freut mich sehr, liebe Dorothee, vielen Dank! Liebe Christel, vielen lieben Dank auch für deine Anmerkung. Interessant, was du sagst über die Rettung Arendelles. Ich habe dieses Unbehagen mit meiner etwas "diebischen" Freude über einen eventuellen Untergang Arendelles auch im Freundeskreis schon öfter vernommen. Märchen haben ja u.a. eine hoch symbolische und metaphorische Sprache. Das macht sie für die Interpretationen so beweglich. "Zerstörung im Sinne einer Rache". Hmmm. Nein, ich sehe Zerstörung hier nicht als etwas Destruktives, sondern als Chance für das Entstehen von etwas Konstruktivem und eben Utopischem. In meiner Deutung gibt es beispielsweise gar keinen Grund für Rache. Wenn die Arendeller*innen tatsächlich von Rachegefühlen erfüllt wären, weil Anna den Staudamm zerstört hat, dann ist das genau wieder dieses unverdaute Gewaltpotential (indem das Wissen um die eigene Schuld wieder verdrängt und am liebsten vergessen wird), von dem ich immer in Bezug auf die Arendelle'sche Gesellschaft spreche. Wie gesagt, Menschen wären nicht zu Schaden gekommen; sie sind evakuiert. Eine Zerstörung der Stadt/des Staates würde die Chance für neue Umgangsformen, neue Formen des Wirtschaftens, neue Architekturen der Stadt/des Staates in sich tragen; eine Chance, die dann "einfach so" da wäre. Bestimmte Architekturen – seien es einzelne Häuser oder auch gleich größer angelegte stätdeplanerische Überlegungen - fördern ja ganz bestimme Formen des hierarchischen oder eben nicht-hierarchischen Denkens und des Miteinander-in-Beziehungen-Kommens beispielsweise. Ich denke also sehr "abstrakt" im Sinne von: wenn der Gesellschaft von Arendelle eine gewisse Gewalt inhärent ist (Elsa durfte ihre Magie nicht zeigen; auch am Anfang des zweiten Teils traut sie sich nur mit Mühe unter die Leute, und am Ende will sie immer noch nicht in Arendelle wohnen): was ist notwendig, damit sich auch eine Elsa in Arendelle wohl und frei fühlen kann? Das ist im Grunde meine Frage. Es reicht ja anscheinend nicht, nur ein bisschen mehr Diversität zuzulassen; so nach dem Motto: "Sie kann ja meinetwegen 'anders' sein, aber sie soll es bitte nicht nach außen tragen, damit ich mich als 'normale' Bürgerin' nicht gestört fühle." Also ist die Frage, wie viel an der Arendelle'schen Gesellschaftsstruktur grundsätzlich hinterfragt werden sollte. Natürlich kann an verschiedenen Rädchen gedreht werden – hier und da, und mal gucken, ob dies oder das funktioniert – aber im Sinne der Revolution frage ich eben: was für Chancen böte ein kompletter Neuaufbau? Die Menschen sind gesund und munter, sie haben ihre Vergangenheit aufgearbeitet, sind also von historischen "Altlasten" befreit, sie haben ihre Fehler erkannt (wenn sie Rachegelüste hätten, dann wäre genau das nicht der Fall): optimale Voraussetzungen meines Erachtens, um nicht wieder in den alten Trott zu verfallen, sondern um die "nächsten Schritte" zu tun. Es gibt so viel Wissen, so viel Hoffnung und so viel Intuition, dass ein anderes Wirtschaften und Gesellschaften funktionieren könnte! Nutzen wir dieses in uns angelegte Dreierlei doch mal in diesem Sinne!!! Nichts anderes haben Anna und Elsa getan! Es fehlt doch eigentlich nur "Erfahrung". Also los, dann machen wir die jetzt! Einzige Vorgabe ist: ein gutes Leben für alle Lebewesen und im Einklang mit dem planetarischen Ökosystem denken und handeln. Packen wir es an! Sicher ist es kaum möglich, der Corona-Krise – gerade jetzt, gerade wenn ich heute (Stand 18.03.20) nach Italien und an die Grenzen Europas schaue, und wo die Todeszahlen stetig steigen und das Grauen immer größeren Platz im Körper einnimmt – irgendwelche positiven Aspekte abgewinnen zu wollen. Dennoch ist so viel "neues" Denken im Umlauf, das anscheinend schon lange und tief in uns schlummert: Zum Beispiel war doch eine Überschrift vor zwei Tagen, dass Macron das neoliberale System grundsätzlich in Frage stellen möchte. Oder Nachrichtensprecher*innen können kaum noch den abgrundtiefen Zynismus und auch die Verzweiflung in ihren Stimmen verhehlen, wenn sie sagen: "Menschen bleiben draußen, aber Waren dürfen die europäischen Außengrenzen weiter passieren." Wie ist es möglich, dass ein/e Nachrichtensprecher*in überhaupt so einen Satz sagen muss? Welche Gesellschaft ist das, in der so ein Satz "richtig" ist? An welchen Rädchen also müssen wir denn alles drehen, damit solche Sätze nicht mehr "einfach so" "richtig" sind? Das sind Fragen, die ich mir stelle. Noch vor der Corona-Krise ist alles dafür getan worden, diesen gewaltvollen Aspekt der Globalisierung möglichst nicht (ständig) ins Bewusstsein der Menschen der westlichen Sphäre zu bringen. Nun werden solche Sätze plötzlich zur besten Sendestunde gesagt, und dabei schwingt zudem dieser Unterton mit: 'Wir wissen, während wir es aussprechen, dass das falsch ist, aber so ist es. Und das ist es, was wir gerade gewaltvoll bewahren und eben auch bewahren müssen, damit es uns hier innerhalb der Grenzen weiter gut geht und es uns auch in der Krise an nichts fehlt.' Nach mir und hinter den Grenzen die Sintflut. Ich finde diesen Satz selbst und den mitschwingenden Unterton einen Fortschritt. Ich würde mir wünschen, dass nach der Krise eben nicht wieder zum business as usual zurückgekehrt wird, sondern dass solche Sätze, die die Gewalt voll und ganz klar in sich tragen und unverschlüsselt aussprechen, sich derart aktivierend verhaken, dass die hier lebenden Menschen sagen: Nie wieder. Wir haben aus den letzten Wochen die Erfahrung mitgenommen, dass es auch anders gehen könnte. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es möglich sein muss, unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu verändern, denn die mit ihr verbundene Gewalt, die sitzt auch in meinem Körper. Und Schluss dann auch mit lähmenden Schuldgefühlen! In diese Richtung, meine ich, müssen wir nun "Schritte" unternehmen, in diese Richtung müssen wir denken. Die möglicherweise jetzt freiwerdende Zeit, die wir zuvor oftmals dafür genutzt haben, den Kapitalismus zu retten, sollten wir nun dafür nutzen zu überlegen, was wirklich gut und wertvoll und wichtig ist. Ich will damit nicht – bitte nicht falsch verstehen –, die Krise verharmlosen. Sondern ich möchte, dass beide Aspekte, die womöglich gerade in uns aufploppen, sehr ernst genommen werden und Raum in unserem Denken und Wahrnehmen bekommen: Zum einen das Gute zulassen und dem nachspüren, das sich z.B. in der #coronahilfe zeigt (Kooperation, Solidarität, Selbstlosigkeit, Mitgefühl usw.usf.). Und zum anderen aber auch die plötzlich ganz klar vor Augen geführte Brutalität, die Gewalt, das Gefühls des Ausgeliefertseins, des Grauens, der Einsamkeit usw. usf. direkt anzuschauen und "nein" zu all dem zu sagen. Laut und deutlich: "Wenn ich und meine Lieben heil aus dieser Krise herauskomme, dann will ich das nicht mehr, koste es, was es wolle. Und ich fange schon jetzt damit an." (Nichts anderes hat Anna mit der Zerstörung des Staudamms getan.) Was aber bedeutet dieses "Nein"? Was ist damit verbunden? Das sind interessante Fragen, denen wir hinterherspüren sollten. An dieser Stelle in ganz kurzer Exkurs: Gestern (17.03.20) ging das "Philosophische Kopfkino" auf 3Sat der Frage nach, was überhaupt Sinn sei und ob die Suche nach Sinn überhaupt Sinn mache. Ludwig Wittgenstein war dann der philosophische Ratgeber. Das Kopfkino endet mit folgenden Worten: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Auch Wittgenstein. Stimmt." Nein, das stimmt eben nicht. Leider kein sehr anregendes Kopfkino. Würden wir diesem Ratgeber folgen, dann würden wir den oben angeregten Fragen nämlich nicht hinterherspüren. Denn es gibt für ein solches Denken nicht den einen vorgegebenen Weg, so richtig können wir also noch nicht darüber sprechen. Aber immerhin gibt es doch schon so viele angedachte Wege, erdacht zumeist von mutigen Menschen, die sich nicht das Schweigeverbot auferlegt haben. Der ganze Feminismus wimmelt gerade durch diese Menschen nur so von bereits angelegten Pfaden. Es gibt also sogar schon Menschen mit Erfahrung! Mit ihrer Anleitung könnten wir einfach mal beginnen, die Pfade zu gehen und zu denken, zu denken und zu gehen. Bei Zweifeln tasten wir uns einfach nochmal zurück, oder probieren einen Abzweig aus, der sich gerade auftut und sich einfach gerade gut anfühlt. Langsam und sehr kommunikativ bewegen wir uns. Mit dem unbedingten Willen und dem Vertrauen, dass wir nach und nach Ungedachtes denken können und sogar Worte finden werden. Wir praktizieren. Routiniert. Regelmäßig. So wie Anna und Elsa es auch gerade tun. :) In diesem Sinne bin ich voll bei dir, liebe Christel: Märchen sollten immer gut ausgehen. Aber was ist gut? Und was böse? Was ist falsch? Und was richtig? Legt das Märchen den Fokus auf die in einer Zerstörung möglicherweise angelegte Wut, auf die Gründe für den Hass und die Rache, die in Menschen daraus erwachsen können, oder legt es den Fokus auf die Chance, die ein Neubeginn bergen kann (den Aufbau einer nun möglichst gewaltfreien Gesellschaft)? Wenn ich jetzt nochmal an die Märchen denke, die traurig enden und die mich zutiefst geprägt haben: "Die kleine Meerjungfrau" und "Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern", übrigens beide auch wieder Hans Christian Andersen…, dann muss ich schon sagen, dass diese Märchen mich sehr in meinem Denken vorangebracht haben. Würde ich jetzt mal so behaupten. Ich weiß noch ganz genau, wie ich die Frage immer und immer wieder in meinem kleinen Kinderkopf hin- und herwälzte: Wie können diese Menschen in ihren Häusern fröhliche Weihnachten feiern, während das Mädchen an ihrer Türschwelle erfriert? Warum ist sie allein? Warum muss sie da draußen in der Kälte diese Hölzer verkaufen? Warum sorgt niemand für sie, warum sorgt sich niemand um sie? Warum SEHEN sie sie nicht??? Wie ist das möglich? Warum ist so etwas überhaupt gleichzeitig möglich: die feiernden Menschen im Warmen und das sterbende Mädchen direkt vor ihrer Tür? Es war nicht zu vereinbaren für mich gedanklich, ich wollte und konnte es nicht zusammen denken. Schon da formierte sich wahrscheinlich das "Nein" in mir. Nochmals: Vielen Dank für die äußerst anregenden Anmerkungen!

    Artikel: Zwei Schwestern – dann eine Weile nichts. Nachdenken über E. und A. und die Wiederentdeckung von Hans Christian Andersens 'Die Schneekönigin'

  • Fidi Bogdahn sagt:

    „…dass die Worte sich nahe bei den Dingen halten und dass zwischen Worten und Dingen ein Austausch besteht…“ Luisa Muraro zeigt mir diesen Weg immer wieder; dafür lieb ich sie. Und dir, Dorothee danke ich!

    Artikel: Die Macht des Symbolischen und die „sozial organisierte Macht“

  • Christel Pellmann sagt:

    Liebe Anne, mir gefällt der Artikel sehr, sehr gut, das Lesen deiner Interpretation hat mir viel Freude bereitet und ich bin sehr bei dir. So viele gute Überlegungen und Folgerungen. Ein anderer Gedanke von mir zur Rettung Arendells: Die Rettung durch Elsa finde ich wunderbar, weil immer eine Rettung sein sollte, wenn es irgend möglich ist, eine Zerstörung i.S. einer Rache (?) zu vermeiden, weil es nichts gebracht hätte als die Zerstörung. So bedeutet die Rettung eine friedliche Brücke zwischen dem Volk der Nordhuldra und Arendelle. Und die Fähigkeit zur Rettung hat Elsa mit ihrer „Herkunft“ und ihren Fähigkeiten, die sie anwendet. Das wissen nun die Bewohner von Arendelle auch und können es hoffentlich werten...ja und ein Märchen sollte doch gut ausgehen...

    Artikel: Zwei Schwestern – dann eine Weile nichts. Nachdenken über E. und A. und die Wiederentdeckung von Hans Christian Andersens 'Die Schneekönigin'

  • Jutta Pivecka sagt:

    Toll, das klingt, als könnte ich auf jeder 2. Seite rufen: "Genau. Das kenne ich." Vielleicht, nehme ich an, habe ich selbst doch noch mehr Sympathie für Maryam und sage sogar öfter mal statt "so nicht": "Genau so!" Kann ich mir zumindest vorstellen. Habe ich gleich mal bestellt und werde von meinen Eindrücken berichten.

    Artikel: Wie es mit Meryam und Anne weiterging

  • Ute Plass sagt:

    'Mit der Liebe zu den Dingen', so wie du das verstehst, klingt natürlich ganz wunderbar. Dass aus dieser Liebe auch so etwas wie Pflicht erwächst ist für mich kein Widerspruch. Erinnert mich an Exuperys kleinen Prinzen, wo es heißt: "Du bist verantwortlich für das, was du dir vertraut gemacht hast".

    Artikel: Kapitel 2: Freiheit und In-der-Welt-Sein: aus Beziehungen und vermittels Bindungen leben

  • Dorothee Markert sagt:

    Ja, aber wir wollten das mit dem "Eigentum verpflichtet" nicht von einer Pflicht herleiten, sondern von der Bindung an Dinge, die mit der Liebe zu den Dingen zu tun hat. Also beispielsweise die Liebe zu einem schönen Haus, einem schön angelegten Garten, einem mit viel Herzblut verwirklichten Projekt, einem Fabrikgebäude, wie es in den Gründerjahren gestaltet wurde, mit einer Arbeitersiedlung daneben ...

    Artikel: Kapitel 2: Freiheit und In-der-Welt-Sein: aus Beziehungen und vermittels Bindungen leben

  • Ute Plass sagt:

    "Bindung" bedeutet dann auch "Sozialbindung" im Sinne von 'Eigentum verpflichtet'?

    Artikel: Kapitel 2: Freiheit und In-der-Welt-Sein: aus Beziehungen und vermittels Bindungen leben

  • Dorothee Markert sagt:

    Danke, liebe Anne, für das politische Feuer in diesem Text, der zwar lang, aber trotzdem nicht mühsam zu lesen ist. Ich hab auch öfter mal gelacht über deine erfrischenden Formulierungen. Und die Bilder helfen ebenfalls zu mehr Lesegenuss (Dank an deine Töchter fürs Ausmalen!) Meiner bisherigen Erfahrung mit Filmbesprechungen nach hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ich deinen Gedankengängen zu den beiden Filmen, die ich nicht gesehen habe und mir wahrscheinlich auch nicht anschauen werde, so problemlos folgen könnte. Bin schwer beeindruckt!

    Artikel: Zwei Schwestern – dann eine Weile nichts. Nachdenken über E. und A. und die Wiederentdeckung von Hans Christian Andersens 'Die Schneekönigin'

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe Ute Plass, wenn ich mich richtig erinnere, waren die konkreten Beispiele, durch die wir zu dieser Aussage kamen, in etwa folgende: Wir dachten an Familienbetriebe, bei denen es in der Gründergeneration noch eine enge Bindung an das Aufgebaute gab und einen verantwortlichen Umgang, auch mit den Mitarbeitenden, oder an Häuser. Und dieser verantwortliche Umgang ging dann oft verloren bei der Erbengeneration, die nur noch möglichst viel Geld rausziehen wollte, weil keine Bindung an die Dinge mehr bestand. Statt das Aufgebaute zu pflegen und zu erhalten, wurde spekuliert und an die Meistbietenden verkauft.

    Artikel: Kapitel 2: Freiheit und In-der-Welt-Sein: aus Beziehungen und vermittels Bindungen leben

  • Ute Plass sagt:

    "Die persönliche Bindung an Dinge zum Maßstab für Weltgestaltung zu machen, könnte bedeuten, dass beispielsweise ein Erbanspruch von der Bindung an das zu erbende Ding abhängig gemacht würde." Familienbetriebe/Unternehmen begründen doch oft mit Bindung/Tradition daran ihren Erbanspruch. Zum besseren Verständnis bitte ich um konkrete Beispiele.

    Artikel: Kapitel 2: Freiheit und In-der-Welt-Sein: aus Beziehungen und vermittels Bindungen leben

  • Monika Krampl sagt:

    Liebe Frauen, ich möchte mich heute für die vielen Kommentare und besonders auch für die Lebenserzählungen bedanken. Ist es doch eine wunderbare Bereicherung über die vielfältigen Lebensentwürfe und gelebten Leben von Frauen zu erfahren. Vor allem über die Vielfalt - haben wir doch verschiedene Kindheits- und Lebensgeschichten, verschiedene Verhaltensweisen und Wünsche. Vor allem aber auch sind die Erzählungen Momentaufnahmen. In den meisten Fällen wissen wir ja nicht, was und wie die Frauen vor 10 Jahren, vor 5 Jahren gelebt haben – und wie sie zu den Entscheidungen gekommen sind, über die sie gerade in dieser einen Erzählung berichten. So manches Mal macht mich dies sehr neugierig. Jedoch, auch wenn ich den Hintergrund nicht kenne, respektiere ich das jeweilige Handeln / das jeweilig Erzählte. Mit Schmunzeln erinnere ich mich daran, wie wir, eine Gruppe von engagierten Frauen, 1989 in Hollabrunn (für die nicht österreichischen Mitleserinnen – eine Kleinstadt im ländlichen Weinviertel in Niederösterreich), eine Frauenberatungsstelle eröffneten. Ich kam als engagierte Feministin und dachte, ich weiß jetzt wie das Leben einer Frau gehen kann – nein „muss“ – und scheiterte gnadenlos. Meine Vorstellungen hatten mit dem Leben der Frauen nichts, aber auch gar nichts, zu tun. Eine sehr wertvolle Erfahrung und Zurechtstutzung für das Thema „Vielfalt der Frauenleben und Bedürfnisse“. Ich bin sehr dankbar über die Erzählungen von allen möglichen Arten von gelebten Frauenleben. Ich wünsche mir, dass noch viel mehr Frauen den Mut und das Vertrauen haben, über sich zu erzählen. Und - ich bemühe mich dazu beizutragen, dass Frauen sich sicher fühlen können, indem ich mich immer wieder daran erinnere, die verschiedenen Erzählungen respektvoll anzunehmen. Möge die Übung gelingen! Mit lieben Grüßen Monika Lebe ich heute so wie ich gelebt haben möchte wenn ich eines Tages oder morgen sterbe (M.K., 02 11 2019)

    Artikel: Hineinwachsen in mich – mein 70. Geburtstag – ein neuer Lebensabschnitt

  • Diana Engelhardt sagt:

    Ihr Lieben Frauen, ich melde mich nochmals zu Wort, weil ich bemerkt habe, dass mein voriger Aufhänger „mich nicht leer zu machen, um mich bei Weisen belehren zu lassen“ (Wegen der Beispielgeschichte) Das war zu spontan und missverständlich formuliert, insofern ich es mit einer anderen Aussage verwoben habe. Lassen wir´s so stehen. Drum lege ich nun meinen Schwerpunkt auf meine ermunternden Erfahrungen das Hadern zu vermeiden obwohl oder gerade wegen der Vergangenheitsbewältigung durch Schreiben. Das bedeutet eben nicht „in der Vergangenheit zu leben“ und die feministische Literatur, die mich seit Jahrzehnten begleitet hat, die bearbeite und ergänze ich unentwegt, weil sie sogar meine Töchter und Enkeltöchter noch (leider) mit Gewinn lesen können. (Obwohl sie alle „emanzipierte“ d.h. helfende Partner gewählt haben: Eine Enkeldoktorandin hat sogar einen Partner, der 1Jahr Elternzeit genommen hat. Als vermutlich einziger Kapitän!) Und mein Enkelsohn ist ein echter Frauenversteher! Natürlich findet und geht jede Frau ihren eigenen Weg. Mein Weg könnte Mut machen für alle, die gern schreiben und nicht so gern wegwerfen. Ich bin Jahrgang 1943 und Urgroßmutter und kann versichern, dass ich mir mein gelebtes Leben – und mein jetziges Leben –.immer bewusst mache. Ich reflektiere es gern, gerade um immer wieder „Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden“ (Beurteilungssatz schon in Grundschulberichten) und schöpfe, wie schon geschrieben, aus der Fülle des Lebens und hoffe, dabei. zu reifen. Vergangenheitsbewältigung tut nur zeitweise nicht gut, aber sind wir damit voran gekommen, dann erkennen wir: „ Mist ist ein guter Dünger“. (Bauernweisheit) Wir können uns freuen, dass wir durch die Bearbeitung unseres Ackers mithilfe dieses Düngers stark geworden sind. Ich war seit 1946 meist krank. (Die Krankheit, die Teil meines Lebens wurde) Ich trug Verantwortung für meine traumatisierte Mutter. (Nur 18 Jahre älter als ich) Ich hatte eine fürchterliche erste Ehe in viel zu jungen Jahren zu ertragen, denn ich „musste heiraten“ sozusagen. (Meiner Mutter Leben und dieses Fiasko brachten mich dann zur feministischen Arbeit) und heute (obwohl früher schon als Einzelkind sehr allein) genieße ich eine große Familie und ich gebe weiterhin feministische Frauenseminare. Trotz aller Um- und Irrwege fühle ich mich gestärkt und zufrieden (Nachzulesen in meinem Buch: BLICK ZURÜCK NACH VORN Ich mach mir einen Reim auf´s Leben) Ich weiß, dass ich bis zum Ende nichts, was mir in der Vergangenheit wichtig erscheint, fortwerfe, sondern weiter überprüfe, warum ich so geworden bin wie ich bin, und – ob ich bis zum letzten Atemzug noch etwas daran verändern sollte… Ich konnte nach jeder schriftlichen Reflexion meine Vergangenheit „gut sein lassen“ und sie dankbar in mein jetziges Leben integrieren. Und der Akt des Aufräumens als Akt der Liebe, für mich selbst und für meine Liebsten, den werde ich ganz zuletzt noch gänzlich erledigen. Nachdem ich alles Unwichtige dauernd entrümple, aber Wichtiges geordnet und gebunden und verschenkt habe. Nur Mut, anere warten auch auf eure vielschichtigen Erfahrungen! Herzlichst Diana Engelhardt

    Artikel: Hineinwachsen in mich – mein 70. Geburtstag – ein neuer Lebensabschnitt

  • Dorothee Markert sagt:

    Auch ich bin gerade 70 geworden und kann viel mit Monikas Text anfangen, auch wenn ich meine Tagebücher ganz bestimmt (noch) nicht wegwerfen werde. Im Lauf des letzten Jahres hab ich mich gegen ein Buchprojekt entschieden, in dem ich die am Ende des 2. Weltkriegs geschriebenen Verlobungsbriefe meiner Eltern mit meinen Erinnerungen an unser Familienleben in den 50er- und 60er-Jahren zusammenbringen wollte. Als ich die ersten Episoden zu Papier gebracht hatte, merkte ich, dass mir der Aufenthalt in dieser Vergangenheit überhaupt nicht gut tat. Monikas Text bestärkt mich in dem Entschluss, mich von dem Projekt endgültig zu verabschieden. Mir haben gegen das Hadern über mein Leben mehrere Interviews zu meinen politischen Aktivitäten geholfen, besonders das von Juliane Brumberg hier auf bzw-weiterdenken. So kann ich meine Vergangenheit nun endlich "gut sein lassen" und mich an dem freuen, was jetzt noch kommt.

    Artikel: Hineinwachsen in mich – mein 70. Geburtstag – ein neuer Lebensabschnitt

  • Christine Varwick zu Stirpe sagt:

    Liebe Monika, dein beeindruckender Beitrag erreicht mich gerade in dem Moment, wo ich mich mit "döstädning" beschäftige, der Kunst, das Wesentliche zu erkennen und mich von Überflüssigem zu trennen. Welch eine "Duplizität der Fälle" in meinem Leben! Margareta Magnusson schreibt ih Ihrem Buch, wie wohltuend die schwedische Kultur des "Döstägnings" sich auswirken kann, auf das eigene Leben aber auch auf die Leben derjenigen, die nach unserem Ableben unseren Nachlass abarbeiten werden. Die Autorin schreibt unter anderem darüber, die persönlichen Notizen, Tagebücher, Arbeitsbücher schon mal in Liebe loszulassen, auch als Fürsorge für die Nachwelt. Dein Artikel, liebe Monika, motiviert mich jetzt noch zusätzlich. Mein Leben wird klarer, wenn ich meine schriftlich fixierten durchgemachten Entwicklungen ziehen lassen, in Dankbarkeit und Liebe. Und meinen Kindern bleibt es später erspart, sich in meine längst unwichtig gewordenen seelischen Erdbeben hineinziehen zu lassen. Aufräumen und Loslassen als Akt der Liebe, für mich selbst und für meine Liebsten. Herzlichen Dank!

    Artikel: Hineinwachsen in mich – mein 70. Geburtstag – ein neuer Lebensabschnitt

  • Diana Engelhardt sagt:

    Danke für deinen Beitrag,Monika, ich habe einiges mit dir gemeinsam, jedoch musste ich für mich deinen Text umschreiben...Vielleicht interessiert es dich? Ich koche meinen Tee selbst und trinke ihn - mit mir und oft mit anderen Mein Gefäß ist nicht voll,es hat ein großes Fassungsvermögen. Ich verarbeite mit Hirn und Herz Erlebtes und Empfundenes.Ich verdichte es auch in Versen und Prosatexten des Schmerzes, des Leids und der Verzweiflung genauso wie die der Sehnsucht, der Liebe, der Freude und der Glücksmomente; das Entdecken und Freilegen des verschütteten Selbst in den Jahren der Selbsterfahrung und der Therapien; das Lernen und das Wachstum auf vielen Ebenen über die Jahre. Ich sehe meine Schrift, wie sie sich über die Jahrzehnte verändert hat, so wie Themen und Inhalt sich wandelten; Ich schaue in Fotoalben, sehe meine Zeichnungen und Texte an, aber mit jeweils ganz neuen Augen und Einsichten. Auch die, die ich über meine Mutter geschrieben habe – wie habe ich mich an ihr abgearbeitet – mein Ringen, geliebt und gesehen zu werden (was ihr erst – aber immerhin – kurz vor ihrem Tod möglich war)! Ich lasse meine Vergangenheit bei alledem los, indem ich sie durchschaue. Das bringt mich weiter, ich kann abhaken und freue mich über neue Erkenntnisse. Mein Leben – mein tägliches Leben – in den wenigen Jahren, die mir bleiben – dem gebe ich mich natürlich oft und ganz im jeweiligen Augenblick hin. Selbstverständlich entsorge ich auch Überflüssiges in meinem Haushalt und Leben. Jedoch das Wichtigste, langjährig Durchdachte lasse ich binden und ordne es ein. Ich möchte bis zuletzt mein aufarbeitendes Lesen und Schreiben fortsetzen um Neues zu erkennen. Ich lerne weiter daraus. Natürlich lerne ich auch von Mitmenschen, von den Erfahrungen, die ich mit ihnen mache. Ich bin ganz bei ihnen, aber nicht leer. Ich werde immer neugierig, interessiert und wissbegierig bleiben… zum Glück ist Lernen mein größtes Hobby geblieben, das Schreiben auch. Dadurch wird mein ganzheitliches Ich, welches – mein gelebtes Leben – und mein jetziges Leben – beinhaltet, immer wundervoller. Es wird bewusster, und ich schöpfe aus der Fülle. Ich nenne das Reifen. Wahrscheinlich werde ich, so reifer werdend, noch öfters stiller sein, zuhören, abwägen und reiflich darüber nachdenken. Das mag ich, denn ich habe (noch als Urgroßmutter) stets neue Aufgaben zu lösen – ich werde leben, um die zu sein, zu der ich geworden bin …auch für andere… das macht mich aus. Hoffentlich bis zum Ende.Diana Engelhardt

    Artikel: Hineinwachsen in mich – mein 70. Geburtstag – ein neuer Lebensabschnitt

  • ClaudiaBerlin sagt:

    Alle Achtung vor diesem Schritt - in diesem Alter!!! Im Umgang mit alten Verwandten lernte ich schon als Kind, dass alte Menschen anscheinend in der Vergangenheit leben. Das wollte ich für mich nicht. Im mittleren Alter begann ich, zu entsorgen - immer bei Umzügen, zunehmend auch die "Herzblut-Inhalte", alte Briefe, Fotos, kreative Werke etc. Ich wollte durch diese Maßnahme verhindern, dass überhaupt Stoff da ist, mit dem ich "in der Vergangenheit versacken" könnte. Nun bin ich 65 und merke, dass ich gut daran tat, es rechtzeitig zu tun! Ich weiß nicht, ob ich es heute noch schaffen würde, soviel wegzuwerfen, wie in jüngeren Jahren. Dein Text berührt sehr - ich wünsche dir viele schöne Jahre in der Gegenwart!

    Artikel: Hineinwachsen in mich – mein 70. Geburtstag – ein neuer Lebensabschnitt

  • Johanna Helen Schier sagt:

    Im vergangenen Jahr wollte eine Freundin ihre gesamte feministische Literatur, die sie Jahrzehnte begleitet hatte, abgeben, ich konnte das nicht nachvollziehen. Jetzt habe ich selbst meine feministischen Bücher aussortiert, die zu einem großen Teil noch aus der Unizeit (80er Jahre) in meinen Regalen standen. Voraussichtlich, wenn keine sie geschenkt will, landen sie im öffentlichen Bücherschrank unserer ländlichen Gemeinde.

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  • Edeltraut Winder-Schobel sagt:

    Liebe Frauen! Euer Wunsch, die Tagebücher los zu werden, kann ich nachvollziehen. Was mir aber nicht gefällt , ist, dass ihr sie zerreißen wollt. Ich finde es wichtig, sich von diesen Büchern in Dankbarkeit zu verabschieden. Sie haben euch lange Jahre einen wichtigen und guten Dienst getan. Dann könnt ihr sie ja (ev. auch nur symbolisch) kompostieren oder verbrennen, sodass die Bücher/euere Geschichte euch nährt bzw. wärmt, euch Kraft für die Gegenwart gibt und so zur Ruhe kommen kann. LG Edeltraut Winder-Schobel

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  • Johanna Helen Schier sagt:

    Herzlichen Glückwunsch! Ansonsten: kein weiterer Kommentar. Johanna Helen Schier

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  • Susanne Voß sagt:

    Liebe Monika - Ma Prem Chandana, vielen Dank! Du tust mir mit diesen Deinen Worten einen großen Gefallen. Über hundert Tagebücher, alle geschrieben für den Moment, haben mir geholfen, meine Wirklichkeit zu erfahren, mich "abzuarbeiten" an den Verletzungen und mich zu heilen, durch Verstehen und Vergeben und ins eigene Sein finden. Beim Lesen in manchen Tagebüchern begegnete ich der Fremden in mir, der Weisen, immer auf der Suche nach mir selbst. Beim Umzug versuchte ich, mich von meinen Tagebüchern zu trennen, das war vor drei Jahren. Ich hatte Zweifel als ich Mehrere zerrissen hatte. Jetzt fühle ich, dass ich von diesem geliebten, gelebten Leben Abschied nehmen kann. Mit Deinen Worten wird mir die Frage in mir bewußt und ich bekomme auch die Antwort, die Freiheit bedeutet und Unabhängigkeit. Das, was das Schreiben bewirkt und ermöglicht, das geschieht und ist geschehen. Das Gewordene ist verinnerlicht. Für wen oder wozu sind die Tagebücher da? Um geschrieben zu werden. Das ist der Sinn. Durch das Schreiben erfüllt sich das Erlebte zum Eigenen. Die Dokumente des Vergangenen sind verinnerlicht, integriert. Ich habe mit dem Tagebuch begonnen mit der Absicht zu leben, mit dem Entschluss, weiter zu leben. Jetzt bin ich 71 und das Leben ist noch nicht fertig. Es war und ist eine ständige Bemühung - schreibend - unterwegs zu sein, zu mir und zu all den Anderen. Dass es eine Verbündete gibt im Tagebuchschreiben, das freut mich sehr. Liebe Grüße Susanne Ma Yogadevi

    Artikel: Hineinwachsen in mich – mein 70. Geburtstag – ein neuer Lebensabschnitt

  • Elfriede Harth sagt:

    Inzwischen wird Gewalt an Frauen immer mehr angeprangert, von #NiUna Menos bzw #NiUnaMas in Lateinamerika zu #MeToo, #Aufschrei, die Gewalt, die Frauen angetan wird, wenn sie daran gehindert werden, eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden aber auch die gegenwärtige Debatte um die obstetrische Gewalt (also die Gewalt im Kreisssaal). Alles Formen der Gewalt, die mit dem Körper von Frauen zu tun haben, Körper, die - wie ein Territorium - enteignet, in Besitz genommen, ausgebeutet, misshandelt, verwertet werden.... Ich frage mich immer wieder, ob es sich mit all diesen Gewaltformen nicht letzten Endes um eine Art unbewussten Uterusneids handelt.... Wut darüber, dass der eigene Körper nicht schwanger werden kann, nicht Leben hervorbringen kann. Also der Drang, sich zu beweisen, dass "man" dennoch die Kontrolle, die Herrschaft hat.

    Artikel: Tanz auf dem V-ulkan

  • Sammelmappe sagt:

    Ist schön zu lesen, wie Du so zurückblicken kannst. Ich habe diese früheren Zeit leider mit zu vielen Männer verbracht. Mathematik, Informatik, Systemadministration. Zweiter Bildungsweg, große Liebe, großes Leid, immer finanziell unsicher. Die besseren Menschen habe ich immer gesucht und manchmal gefunden.

    Artikel: Sind Frauen (nicht) die besseren Menschen?

  • Dorothee Markert sagt:

    Ja, lieber Uli, so sehen das wahrscheinlich die meisten Männer und auch einige Frauen. Falls dich eine andere Sichtweise interessiert, empfehle ich dir das Buch von Diotima: "Macht und Politik sind nicht dasselbe", Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach/Taunus 2012

    Artikel: Wie eine Deportation

  • Ulrich Wilke sagt:

    Politik besteht aus Maßnahmen und Unterlassungen, welche Macht erringen oder bewahren. Macht ist die Möglichkeit, über andere zu herrschen. Insofern verwechsle ich nicht Politik und Macht.

    Artikel: Wie eine Deportation

  • Sammelmappe sagt:

    Beim Lesen des Artikels muss ich ein bisschen Schmunzeln: "Da politisch engagierte „ältere“ Frauen sich weniger auf diesen modernen Plattformen bewegen, ging das Problem zunächst an vielen vorbei." Vielleicht denkt sich da irgendwo eine jüngere Frau: Mich als junge Frau besorgt dabei, wie ganz freiwillig auf Erfahrungen in neuen Kommunikations- und Netzwerkmöglichkeiten verzichtet und sich in eine genarationenbeschränkte Isolation begeben wird.

    Artikel: Aktueller denn je: Rollenbilder von Mädchen und Jungen, Männern und Frauen

  • Bettina Schmitz sagt:

    Danke für die Reaktionen auf meinen Bericht! Die Empörung der ersten Nachricht hat mich schon überrascht. Ich bin mit einigen christlichen Menschen befreundet und diese empfinden mein Suchen und Finden des weiblichen Göttlichen keineswegs als Provokation, sondern sogar häufig als Bereicherung. Auf der institutionellen Ebene und historisch gesehen sind die meisten christlichen Kirchen leider keineswegs immer so friedlich wie die frohe Botschaft, die sie verkünden. Auf dem Holle-Fest sind auch Christ*innen herzlich willkommen.

    Artikel: Mit Frau Holle ins Neue Jahr

  • Ute Plass sagt:

    Schließe mich dem Kommentar von @Gisela Forster nur zu gerne an. Wünschenswert, dass allüberall viele Frauen-Freiluft-Galerien entstehen. :-)

    Artikel: Liebe zur Arbeit der Frauen: Die Museumskuratorin Elisabeth von Dücker

  • Ju Sp-St sagt:

    @Marie-Dorothee: wenn die 'christliche Botschaft von Liebe, Nächstenliebe und Feindesliebe (...)allen „germanischen Gottheiten“ turmhoch überlegen' ist, dann sollte sie erfreut darüber sein, Bereicherung zu erfahren, von so viel älteren und naturverbundenen Erzählungen, Mythen und Religionserfahrungen unserer Vorfahren. Schade, dass Sie sich so angegriffen fühlen ...

    Artikel: Mit Frau Holle ins Neue Jahr

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    @ Marie-Dorothee: Sorge und Fürsorge sind nicht dem Xtum vorbehalten. Wie die germanische Religion so wurden weltweit auch andere frauenfreundliche Weisheitstraditionen marginalisiert. Es ist Zeit, dass sie wiederentdeckt und -belebt werden!

    Artikel: Mit Frau Holle ins Neue Jahr

  • Gabriele Menzendorf sagt:

    Herzlichen Dank für den warmen und interessanten Bericht, der mich bereichert und anregt, mal wieder in Vera Zingsems Buch zu lesen. Schade, Marie-Dorothee, daß Sie andere Erfahrungen anscheinend sofort ausschließen.

    Artikel: Mit Frau Holle ins Neue Jahr

  • Marie-Dorothee Herder sagt:

    Hallo Bettina, dass die Anbetung angeblicher "germanischer Gottheiten" dem seit dem Jahr 1000 lebendigen Christentum und dem lebendigen christlichen Glauben komplett ins Hesicht schlägt, kommt Ihnen nicht in den Sinn? Die christliche Botschaft von Liebe, Nächstenliebe und Feindesliebe ist allen "germanischen Gottheiten" turmhoch überlegen, die keinerlei tiefgehende Botschaft haben!

    Artikel: Mit Frau Holle ins Neue Jahr