beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Neueste Kommentare

  • Anne Lehnert sagt:

    Oja, das Thema Geld ist auch bei uns gerade eine große Belastung! Vor allem seit ich entschieden habe, weniger in meinem Beruf, also bezahlt, zu arbeiten, um für meine vier Kinder und den Haushalt besser sorgen zu können. Da ich oft mit oder ohne Kinder einkaufe und auch Karten für Theater und Konzerte besorge, muss ich meinen Mann dauernd um Geld bitten. Das finde ich entwürdigend. Auch wenn ich mir mal was gönne, möchte ich mich nicht rechtfertigen müssen. Sicher liegt es daran, dass wir als Paar die neue Einkommenssituation noch nicht berücksichtigt haben, aber grundsätzlich finde ich ein Wirtschaftssystem falsch, das die meist von Frauen geleistete Care-Arbeit nicht würdigt!

    Artikel: Vom Versagen der Kleinfamilie

  • Antje Schrupp sagt:

    @Anja - Ah, danke, so verstehe ich es besser!

    Artikel: Ein Plädoyer für die Kunst des Balancierens über den Abgrund

  • Schier, Johanna Helen sagt:

    An Feiertagen stöbere ich gern in älteren Artikeln von "Beziehungsweise weiterdenken" und lese den Beitrag von Juliane Brumberg von 2011. "Was fehlt, ist Vertrauen." Es geht um das Vertrauen zwischen Patient_innen und Ärzt_innen. Die Kommentare habe ich nicht gelesen... Hinzufügen möchte ich spontan: "Was Du willst, was man Dir tu, das füg auch jedem anderen zu." Patient_innen sollten davon ausgehen können, dass sie so behandelt werden vom Arzt, wie er selbst in einer vergleichbaren Situation behandelt werden möchte.

    Artikel: Was fehlt, ist Vertrauen

  • Anja sagt:

    Liebe Stefanie, jetzt erst hatte ich Zeit, deinen Text aufmerksam zu lesen (noch nicht die Kommentare dazu). Nur diese Bemerkung: Ich verneige mich vor dir und deiner inneren Stärke! Der in meinen Augen wichtigste Satz ist dieser: Männer sind keine Tiere. Alles andere wird sich daraus ergeben. Der Weg ist vielleicht deswegen noch so lang, weil es für dein Ziel eben nicht um uns geht, sondern um die Heilung der kollektiven Wunden bei den Männern. Da können wir nur zweitrangig aktiv werden. Das ist Männerarbeit. Aber da tut sich jetzt auch etwas!!!! Lyla June, indigene Aktivist in, hat gerade ein Lied gemacht zur Heilarbeit für Europa mit Blick auf die Hexenverbrennungen. Und sie hat auf den bisher völlig tabuisierten Aspekt der Traumatisierung der Männer DIESER Frauen hingewiesen. Das ist völlig unterbelichtet bisher. Ein Mann, der aufgrund von institutioneller Übermacht seine Lieben nicht schützen kann, ist ein traumatisierter Mann. Und meiner Meinung nach ist diese "Art" Trauma der Kern der rechten Bewegung, die wir gerade erleben ...

    Artikel: Warum ich Sperma-Care nicht für theologisch oder sonst wie begründbar halte

  • Anja sagt:

    ... und natürlich kann ich das Modell auch andersrum nutzen: warum du, Antje, keinen Bock hast, mit einem Nazi zu reden, ist mir klar, aber warum sieht die andere Frau nicht die Gefahr in dem, sondern vielleicht den starken Mann? Vielleicht gibt es zu ihrer Rechten ein starkes Bedürfnis nach Schutz und das sucht nach Abhilfe. Diese Frau steckt noch im patriarchalen Denken, wonach Schutz für Frauen von starken Männern kommt (sie erfährt die aktuelle Gesellschaft und ihre eigenen Kräfte nicht als stark und beschützend genug um allein darauf vertrauen zu können). Das wissend könnten wir auf sie zugehen und sagen: das BGE wäre ein struktureller Schutz für dich ... wäre das nicht verlockend?

    Artikel: Ein Plädoyer für die Kunst des Balancierens über den Abgrund

  • Anja Boltin sagt:

    Liebe Antje danke für Dein Interesse und die Auseinandersetzung mit meinem Text! Das was ich ausdrücken will, tangiert einen Überschneidungsbereich von psychologischen, politischen, theologischen und philosophischen Themen. Ich habe im Text alles anklingen lassen (insbesondere, wenn man den zweiten auch liest). Um dir zu antworten, würde ich mich aber gern auf den psychologischen Aspekt konzentrieren. Nur in dem Sinne verstehe ich das Balancieren auf der Münze, als inneren Prozess, den jede für sich allein zu tun hat. Es ist eine Aufforderung zur Beschäftigung mit sich selbst, mit dem „Einüben“ von Selbstreflexion bezüglich der Frage: Wo ist mein inneres "Links" (meine Wohlfühlzone, all das wozu ich entspannt und ohne Stess "Ja!" sagen kann, was mich stärker ins Vertrauen bringt etc.) und wo genau habe ich mein inneres "Rechts", also all das, was mich in eine unangenehmere Gemütsverfassung bringt, was mir auferlegt, mich zum Beispiel selbst wieder zu beruhigen oder beruhigende Informationen einzuholen oder andere um Unterstützung zu bitten. Da ist erst einmal gar nichts politisch gemeint! Auch Rechte haben eine Wohlfühlzone, einen Bereich in dem sie problemlos "Ja!" sagen und voll "im Vertrauen" sind (vielleicht so: "Der gehört zu uns! Den hab ich - strategisch - im Griff ... was weiß ich, kann mich da nicht so gut reinversetzen) und einen Bereich wo es für sie innerlich brenzlig wird ("Der gewalttätige linke Aff sagt Nazi zu mir, dabei ist der voll naiv, den schlag ich mit seinen eigenen Waffen!" oder so ... wie gesagt …). Natürlich spiele ich in dem Bild auch mit den politischen Lagern, aber darum geht es mir nur am Rande. Ich will werben für das Know-How von Psychotherapeuten, deren Kernkompetenz es wohl ist, JEDE/N noch so Verrückten verstehen zu wollen/können/müssen, ohne dabei als gesunder Mensch im Sumpf von krankhaften Mechanismen zu versinken. (Ich meine „psychisch krank“ definiert sich schon auch durch kranke Mechanismen, die aber keinesfalls dem kranken Menschen anzulasten sind! Bitte mich da nicht falsch verstehen!). Mir scheint es halt angesichts des Rechtsrucks und der veränderten Debattenkultur dringend geboten, solch ein Wissen auch in die gesellschaftlichen Diskussionen hineinzutragen. Und da sind wir ganz beisammen! Mein Kern ist nämlich genau dein Ansatz von „radikal sein“: Wie viel kann ich meinem Gegenüber gerade noch zumuten, ohne die Beziehung zu ihm/ihr zu riskieren? Wie kann ich im "Vermittelnden Modus" bleiben, ohne mich dabei "verrückt machen" zu lassen?

    Artikel: Ein Plädoyer für die Kunst des Balancierens über den Abgrund

  • Antje Schrupp sagt:

    Liebe Anja, danke für den Text, den ich interessant finde. Sehr gut nachvollziehen kann ich das Bild mit der Balance bei vielen Themen, die auf eine falsche Pro-Contra-Weise diskutiert werden, und wo mein Lieblingsmotto ja ist "Das Gegenteil ist genauso falsch". Also etwa zur Zeit die Frage: "Sollen Frauen sich bei sexualisierten Übergriffen selber wehren oder soll man eine sturkturelle Kulturdebatte führen". Oder "Soll man mit Rechten reden oder nicht". Es gibt sehr viele Debatten, wo die Antwort nicht Entweder-Oder (oft aufgeladen in der Logik von "Rechts-links") ist, sondern Sowohl-als-auch (Was ja auch ein Stichwort im ABC des guten Lebens ist: https://abcdesgutenlebens.wordpress.com/category/sowohl-als-auch/ Wenn es aber nicht um konkrete Themen geht, sondern um eine allgemeine politische Positionierung "Links" oder "Rechts", dann verstehe ich das Bild mit dem Balancieren auf der Seite der Münze nicht. Denn zwischen Links und Rechts gibt es ja so ganz allgemein keine Grenze, sondern es ist ein Diskursfeld mit allen möglichen Positionen. Was für die einen links ist, ist für andere rechts, und nicht zufällig ist ja die Frage, wo genau "die Mitte" ist, sehr umkämpft. Momentan zum Beispiel wird die diskurisive "Mitte" deutlich nach rechts verschoben. Wobei dann dein Bild wieder einiges erklärt: Leute, die mit ihren Positionen vor drei Jahren noch auf dem Rand mittig balancierten, sind jetzt links runtergefallen, weil die Münze insgesamt nach rechts gewandert ist. Dennoch empfinde ich die Positionierung zwischen Links udn Rechts im politischen Diskurs nicht als Balancieren, sondern man kann ja herumwandern. Mein Ideal ist eher "radikal" zu sein, in dem Sinne, dass ich an die Wurzeln eines Themas gehe und nicht auf einem oberflächlichen Pro-und-Contra verharre, wobei der Maßstab dafür aber in der Beziehung liegt, denn Politik ist etwas Zwischenmenschliches: https://antjeschrupp.com/2011/03/09/wie-man-radikal-ist/ Das Balancieren wäre dann für mich eher zwischen dem konkreten Konflikt/Dissens mit der Person, mit der ich gerade spreche, und dem Aufrechterhalten des Gesprächs/Der Beziehung....

    Artikel: Ein Plädoyer für die Kunst des Balancierens über den Abgrund

  • Anja Boltin sagt:

    Schade, dass ich für diese Debatte ein bisschen zu spät komme, aber die würde ich gern noch mal aufnehme . Da hat mein "heimliches Steckenpferd", die Polyvagaltheorie von Steven Porges nämlich was beizutragen.

    Artikel: Warum ich Sperma-Care nicht für theologisch oder sonst wie begründbar halte

  • -Ute Plass sagt:

    "Sie unterscheidet Gefühle anhand von Bewertungen, die jedem Gefühl zugrunde liegen, und fragt zum einen, ob die Bewertung, für die wir uns in einer Situation entscheiden, angemessen ist, und zum anderen, ob wir die dem Gefühl innewohnende Kraft aktiv nutzen oder ihr in ihrer Schattenform passiv ausgeliefert bleiben." Erinnert mich an das Zitat von Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach: "Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.", welches darauf verweist, wie wichtig es ist nicht die Empfindung als richtig oder falsch zu be-werten, sondern diese zu reflektieren im Sinne einer lebensdienlichen Haltung. Nicht einfach, mit all den innewohnenden Ambivalenzen, jedoch wohl not-wendig.

    Artikel: Ein Plädoyer für die Kunst des Balancierens über den Abgrund

  • Kalle Link sagt:

    Ein kluger und sehr mutiger Text. Mutig?! Ja, weil uns die Autorin viel von ihrem persönlichem, verletzlich Teil erzählt. Ich möchte gern mehr davon lesen.

    Artikel: Ein Plädoyer für die Kunst des Balancierens über den Abgrund

  • Andrea Günter sagt:

    Bitte reißt meine Aussagen nicht aus ihren Zusammenhängen!! Meine Antwort gilt für die Frage nach der Philosophie der Moderne. Diese unterscheide ich von der Postmoderne. In der Philosophie der MODERNE (bis um 1900!!!) gibt es keinen Diskurs ÜBER Gerechtigkeit. Sehr wohl gab es Auseinandersetzungen mit der immensen Armut, diese wurden u.a. als Problematik von staatlicher (aufgeklärter!) Herrschaft diskutiert. Außerdem habe ich die sozialen Bewegungen unter diversity gezählt, also den Begriffen der Politik der Pluraltät und damit der Postmoderne zugeordnet... Mein Thema ist die Unterscheidung modern-postmodern und wie man diese heute sinnvoll zieht - jenseits des eingespielten Gebrauchs, siehe meine exemplarische Kritik an Gabriels Aussagen. Ein neues Fass aufzumachen wäre es, die Texte über Gerechtigkeit, die im 20.Jhd geschrieben wurden, daraufhin zu überprüfen, ob sie dem Komplex diversity, Pluralität und soziale Bewegungen gerecht werden. Da habe nicht nur ich bei einigen Bedenken, ähnlich Plogges Kritik an Rawls...

    Artikel: Wohin soll unsere Gesellschaft sich entwickeln? Diversity, Demokratie und die gerechtigkeitsorientierte Rekonstruktion des Geistig-Ökonomischen

  • -Ute Plass sagt:

    "Es gibt keinen Diskurs, der mit dem Begriff Gerechtigkeit arbeitet. Ich kenne keinen Titel in der Philosophie, der diese Kategorie in den Fokus nimmt." Wer bestimmt die "Titel in der Philosophie"? https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechtigkeitstheorien Was ist mit den Kämpfen der Frauenbewegung-en für Gerechtigkeit?

    Artikel: Wohin soll unsere Gesellschaft sich entwickeln? Diversity, Demokratie und die gerechtigkeitsorientierte Rekonstruktion des Geistig-Ökonomischen

  • Ina Praetorius sagt:

    John Rawls' "Eine Theorie der Gerechtigkeit" (1971) ist doch eines der meistdiskutierten philosophischen Werke unserer Gegenwart, oder nicht? http://www.suhrkamp.de/buecher/eine_theorie_der_gerechtigkeit-john_rawls_27871.html

    Artikel: Wohin soll unsere Gesellschaft sich entwickeln? Diversity, Demokratie und die gerechtigkeitsorientierte Rekonstruktion des Geistig-Ökonomischen

  • Gesa Ebert sagt:

    Sehr interessant. Vielen Dank für diese Schilderung

    Artikel: #MeToo-Debatte, Glaubwürdigkeit und Wertschätzung

  • Andrea Günter sagt:

    Es gibt keinen Diskurs, der mit dem Begriff Gerechtigkeit arbeitet. Ich kenne keinen Titel in der Philosophie, der diese Kategorie in den Fokus nimmt. Das heißt nicht, dass es keine sozialen Fragestellungen, im Gegenteil. Sie wurden aber anders eingeordnet, nämlich als Staatskritik, Stichwort Leviathan, dem "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" entgegensetzt wurde, oder als Herr-Knechts-Herrschaftsstruktur wie bei Hegel und späer Marx. Andere Kategorisierungen aber setzen andere Akzente, wie wir wissen. Meine These ist daher, dass ein Gerechtigkeitsdiskurs als Zeichen der Binnendifferenzierung des Demokratischen verstanden werden kann (was sich auch mit Platons Politeia so einkreisen lässt.)

    Artikel: Wohin soll unsere Gesellschaft sich entwickeln? Diversity, Demokratie und die gerechtigkeitsorientierte Rekonstruktion des Geistig-Ökonomischen

  • Jutta Pivecka sagt:

    @Antje Zu Chebli: Ich kann die Geste des "Sich Wehrens" in ihrem Handeln nicht mal ansatzweise erkennen. Vielmehr stellt es sich mir so dar, dass sie das Verhalten dieses Mannes vor Ort eben gerade akzeptiert (oder toleriert) hat, um sich dann bei Facebook "schockiert" zu zeigen. Wer ein solches Verhalten nicht will, muss seine Macht auch nutzen, um es zu unterbinden. Deine Deutung ihres Verhaltens leuchtet mir in keiner Weise ein. Wenn sie und andere etwas nicht mehr wollen, müssen sie dafür einstehen und ein anderes Verhalten einfordern. Dazu hätte sie Gelegenheit gehabt, die sie aber nicht wahrnehmen wollte. Das nehme ich zur Kenntnis und finde es sehr schwach und ärgerlich. Kein Vorbild, finde ich. @ Zum Bösen. Ich weiß, dass es das Böse gibt. Aber es hat als Kategorie für mich in politischen Diskursen nichts zu suchen. Schlicht: Ich greife politische Gegner nicht als Inkarnation des Bösen an. Denn "das Böse" ist auch Teil von mir und dir. (Vor allem aber aus pragmatischen Gründen, weil ich die Konsequenzen, die dann zu ziehen wären, gar nicht ziehen kann. Mit "dem Bösen" redet man nämlich nicht nur nicht. "Das Böse" ist kein Problem der Diskurshoheit.) @ Zum Ausschluss: Das habe ich in meinem Text vielleicht nicht deutlich genug gemacht. Gerade in diesem Punkt sehe ich eine wichtige Differenz zu anderen ausgeschlossenen Gruppen: Denn Frauen sind in ihren Gesellschaften immer zugleich innen und außen; verwoben durch bedeutende Beziehungen; sie sind nie einfach "anders", sondern gehören auch zu dem konstruierten "wir" der Gemeinschaft. Gerade das wollte ich mit der Verkürzung: "Frauen sind keine Minderheit" ausdrücken. Auch diese Zugehörigkeit in ihrer Bedeutung zu reflektieren halte ich für wichtig, denn sie bedeutet mir etwas. "Die Anderen" sind eben in vielerlei Hinsichten auch für mich "die anderen" und in Verhandlungen kann ich sinnvoll nur eintreten, wenn ich mich eben nicht ständig von mir selbst distanziere (z.B. von mir als europäischer, weißer Frau, die viele europäische Traditionen und Normen schätzt und sich mit ihnen identifiziert).

    Artikel: Frauen sind keine Minderheit. Über das Unbehagen an Pussy-Hats und anderem

  • Schier, Johanna Helen sagt:

    Super geschrieben und "gut gemeint". Hilfreich? Ich glaube, es ist zu spät für einen wirklichen Wandel. "Nude- Look"??? Kann man in jeder Dogerie im Regal mit den Teintgrundierungen,Mascaras UND DEM HAUCH VON HAARTÖNUNGEN FINDEN. Besonders diese Produkte sind extrem teuer im Vergleich zu herkömmlicher Kosmetik.

    Artikel: Endlich hässlich!

  • Heinz Mauch-Züger sagt:

    Ein toller Beitrag! Ich gratuliere zum Mut und zur Offenheit! Ich meine, dass wir nur gemeinsam aus unseren Klischees und der damit verbundenen Weltanschauung heraus kommen. Glaubwürdigkeit und Wertschätzung ergänze ich mit Respekt und Lernfreude, die es braucht, um gemeinsam neue Verhaltensweisen einzuüben. Vielen Dank für Ihre Gedanken! (ein älterer Herr)

    Artikel: #MeToo-Debatte, Glaubwürdigkeit und Wertschätzung

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Ja,ohne Männer und deren Willen und Fähigkeit und Zuören und dann auch hoffentlich angemessenem Handeln geht's nicht!

    Artikel: #MeToo-Debatte, Glaubwürdigkeit und Wertschätzung

  • von Raison sagt:

    Ich bin auch an der Checkliste interessiert und würde mich sehr über Unterstützung freuen.

    Artikel: Weibliche Initationsriten oder: Was braucht es, um Frau zu werden?

  • -Ute Plass sagt:

    "In der Moderne aber gab es keinen Diskurs über Gerechtigkeit." Kann das so pauschal behauptet werden?

    Artikel: Wohin soll unsere Gesellschaft sich entwickeln? Diversity, Demokratie und die gerechtigkeitsorientierte Rekonstruktion des Geistig-Ökonomischen

  • Maria Fischer sagt:

    Brave new world gelesen? Wohl eher nicht...

    Artikel: Endlich hässlich!

  • -Ute Plass sagt:

    Kurze Anmerkung, liebe Andrea, zu "Moderne-Postmoderne". Dass du als Philosophin Gabriels "Analyse" für eigene, weiterführende, vertiefende Reflexionen mit Freude aufgreifst kann ich nachvollziehen. Meine Bemerkung bezüglich "Geschwätz" bezog sich daher auch nicht auf deine Einlassungen , sondern auf den SPD-Politiker Gabriel, der in seiner "Analyse" seine, bzw. die Politik seiner Partei außen vor und damit Verantwortungsübernahme vermissen lässt für die vermeintlich postmodernen Verwerfungen, die er beklagt. Mit "Rechten reden" könnte Herr Gabriel z.B. darüber, wie das gute Leben für ALLE gelingen könnte. :-)

    Artikel: Wohin soll unsere Gesellschaft sich entwickeln? Diversity, Demokratie und die gerechtigkeitsorientierte Rekonstruktion des Geistig-Ökonomischen

  • -Ute Plass sagt:

    "Passen nun auch Grüne ihren politischen Stil ans Harmoniemilieu an? Muss man dagegen nicht aufstehen? Bleibt einem dann nicht nur das Verschärfen von Positionen und das Provozieren, um deutlich zu machen, dass man wirklich etwas will?" Ja, unbedingt gilt es aufzustehen gegen diese Art von Schein-Harmonie, die ablenkt von der vorherrschenden Bedrohung des (Welt) Friedens. Antje Vollmer sagt in dem u.a. Gespräch: "Als Pazifistin und Befürworterin einer modernen Entspannungspolitik sind Sie innerhalb der Grünen heute ein Alien von einem fernen Stern." https://www.nachdenkseiten.de/?p=43655#more-43655

    Artikel: Wohin soll unsere Gesellschaft sich entwickeln? Diversity, Demokratie und die gerechtigkeitsorientierte Rekonstruktion des Geistig-Ökonomischen

  • Anja Boltin sagt:

    "Indem sie veränderte, Pluralität realisierende Verhältnisse auflösen wollen, agieren Rechte paradoxerweise postmoderner als postmoderne Denkerinnen und Denker. Und sie laufen genau in die Fallen, die sie der Postmoderne bzw. dem Klischee „postmodern“ vorwerfen." Vielen Dank für diesen Text. Regt mich zum Nachdenken an. Und ich bin immer sehr froh über jeden Ansatz, der die schwarz-weiß-stupide "Rechte vs. Linke-Logik" mal überraschend gegen den Strich bürstet!

    Artikel: Worüber mit der neuen Rechten kommunizieren?

  • Heidi Schiess sagt:

    Danke für die Anregung. Ich werde das Buch lesen. Bin gespannt! Wärmstens zum Thema zu empfehlen: Christian Felber, Gemeinwohlökonomie www.gemeinwohl-oekonomie.org

    Artikel: Die Donut Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört.

  • Susanne Graf sagt:

    Nach der Erfindung des Priestertums für alle braucht es jetzt diese Reformation zur Ökonomie für alle. Die veränderten globalen Kommunikationsmöglichkeiten lassen hoffen dass die „Ökomation“ in Form dieses Donuts turboschnelle Verbreitung findet. Stellt euch vor, die feiern um 2520 500 Jahre Donut-Reformation... das geht nur wenn wir uns JETZT dazu aufmachen. Geistig und körperlich.

    Artikel: Die Donut Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört.

  • Antje Schrupp sagt:

    @Jutta - Hier noch zu dem ersten Thema. Ich sehe das auch wie du, dass diese Kategorie "Weiß - Nicht-Weiß" ein reines Konstrukt ist, anders als die Geschlechterdifferenz, die real ist (Darüber hatte ich hier schonmal gebloggt: https://antjeschrupp.com/2015/06/20/die-geschlechterdifferenz-gibt-es-eine-rassendifferenz-gibt-es-nicht/= ) Und natürlich kommt die Verbundenheit mit "Nicht-Weißen" nicht von inhaltlicher Übereinstimmung, das allerdings stimmt auch für die Verbundenheit mit Frauen, meine politische Verbundenheit ist zum Beispiel mit bestimmten Männern viel größer als mit bestimmten Frauen. Die "natürliche Verbundenheit" kommt genau aus dem Konstrukt unserer Kultur, eine bestimmte Form des Menschseins (bürgerlicher weißer Mann) zur universalen Norm zu erklären und die anderen Menschen zu "anderen" zu machen. Historisch eindeutig etwa im gemeinsamen Ausschluss von Frauen und Nicht-Weißen von den bürgerlichen Rechten, was durch die Emanzipation eben nicht nachgeholt wurde, sondern die Gewährung der Rechte wurde in beiden Fällen an die Assimilation geknüpft: Wir haben die Rechte nicht als Frauen, sondern als weibliche Variante der Männer, um es etwas zugespitzt zu sagen. Ohne diesen Ausschluss, der uns gemeinsam ist, verbindet uns natürlich nichts, aber ich halte das bei bestimmten Themen für wichtig. Die Unfähigkeit, Differenz zu verhandeln, ist das große Problem unserer Kultur, die nämlich stattdessen zwischen Universalismus und Relativismus hin und her eiert. Du akzentuierst mehr die Kritik am Relativismus, ich die am Universalismus, aber es ist beides falsch. Was die Ablehnung des Dagegen-Seins betrifft: Da bin ich in der Tat anderer Meinung als du, was mit der Frage zusammenhängt, ob es das Böse gibt. Ich denke nämlich, Ja, es ist nicht alles nur besser oder schlechter, sondern es gibt an irgendeiner Stelle einen qualitativen Sprung. Es ist natürlich sehr wichtig, hier genau zu sein. Aber zu dem Thema hatten wir hier vor zehn Jahren schon einmal eine intensive Debatte: http://www.bzw-weiterdenken.de/2008/10/uber-das-bose/

    Artikel: Frauen sind keine Minderheit. Über das Unbehagen an Pussy-Hats und anderem

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Danke Ina für diese diene Kritik diese Buches und Ansatzes! Ehrlich gesagt habe ich beim Lesen eher an 'Do & do not' gedacht, als an das Ami-Gebäck. Wèrde ja auch irgendwie passen; -nicht: Was dem WOhlergehen des Paneten und siener BewohnerInnen zuträglcb ist und wasnicht ...

    Artikel: Die Donut Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört.

  • Antje Schrupp sagt:

    @Jutta - nur kurz zu deinem Beispiel der Geschichte von Sawsan Chebli: Dieser Vorwurf von "älteren Feministinnen, die sich wehren können" an die "jungen Feministinnen, die sich als Opfer inszenieren" ist ja momentan ein verbreitetes Narrativ, neulich hat Jan Fleischhauer erst seine SPON-Kolumne drüber geschrieben, udn auch bei de "Aufschrei"-Debatte war das ja schon THema. Aber ich glaube, das ist eine falsche Alternative, bzw. die Jüngeren haben heute einfach mehr Ansprüche: Ja klar kann man sich wehren, aber es ist trotzdem nicht okay. Sie wollen diese Art von männlichem Verhalten nicht mehr tolerieren, auch wenn man sich natürlich wehren kann. Es ist eben der Anspruch, das Thema nicht mehr dem individuellen Verhandeln an Ort und und Stelle zu überlassen, sondern es als gesellschaftlich nicht mehr akzeptabel zu markieren, und neue Norm im Umgang mit (auch jungen) Frauen zu etablieren. Was nicht heißt, dass man sich nicht auch konkret wehrt, aber gleichzeitig geht es darum, für eine Kultur zu kämpfen, in der das gar nicht mehr nötig ist. Sie wollen mehr als die Älteren, nicht weniger. Das finde ich gut.

    Artikel: Frauen sind keine Minderheit. Über das Unbehagen an Pussy-Hats und anderem

  • Schier, Johanna Helen sagt:

    Juliane Brumberg."Nicht gegen Institutionen vorgehen, sondern sich den Institutionen entziehen", "vielmehr sich mit den besten Männern zusammenschließen." Was für ein kraftvoller Ausdruck von Sprache und Lebenserfahrung. Wie priviligiert söllten wir sein, um auf diese Art und Weise leben und arbeiten zu können?

    Artikel: Freiheit

  • Ulrike Eichler sagt:

    Ein toller Text! Wunderbar, das Sekbstverständliche nicht als selnbstverständlich gelten zu lassen, nämlich die männliche Verunsicherung für eine unzumutbare und also klarerweise inakzeptable Folge der öffentlichen Zurückweisung sexueller Gewalt durch Frauen zu halten. Sobald dieser Konsens durchbrochen ist, wird alles auf die schönste Art einfach und die Klugheit wieder frei. Ein Labsal, das Beharren auf sexueller Differenz. Herzlichen Dank an Susann Tracht! Ulrike Eichler

    Artikel: #metoo: Ja, Männer, seid verunsichert ... und schaut, wie genau daraus das Angemessene entsteht

  • Juliane Brumberg sagt:

    Ich habe mir auch noch einige Gedanken von Luisa Muraro aus der Diskussion nach dem Vortrag in Rüsselsheim notiert: - Glaubwürdigkeit und Wertschätzung ist mehr Wert, als Rechte zu haben. - Wenn wir wirksam sein wollen, müssen wir auf den männlichen Teil der Menschheit einwirken. - Nicht die Institutionen verändern, sondern uns mit den besten Männern zusammenschließen. - Die symbolische Unabhängigkeit von den Institutionen erreichen. - Nicht gegen Institutionen vorgehen, sondern sich den Institutionen entziehen. - Ein Maximum an Autorität mit einem Minimum an Macht gewinnen. - Es ist eine symbolische Vergewaltigung, wie Männern manchmal reden und handeln.

    Artikel: Freiheit

  • Juliane Brumberg sagt:

    Liebe Jutta, nachdem ich Deinen Text und deine Antwort - danke dafür - ein paar Tage habe „sacken“ lassen, bleibt bei mir als wichtigste Botschaft, dass Du Dich mit Deinem Text gegen Polarisierungen, gegen vereinfachende Schwarz-Weiß-Lösungen) aussprichst und stattdessen für ein immer wieder neu differenzierendes Verhandeln bist. Pussy-Hats oder Netzwerke, die für viele Menschen oder Gruppierungen sprechen, vereinfachen die Kontroversen in Deinen Augen in „dafür“ oder „dagegen“ und vermeiden den diffenrenzierteren Austausch. Dies beobachtest Du auch bei manchen Feministinnen und ziehst Dich deshalb zurück. Habe ich Dich so richtig verstanden? Deshalb finde ich Deinen Text sehr bedenkenswert. Und daran müsste weiter gearbeitet werden: Wie beziehen ich klar Stellung und solidarisiere mich von Fall zu Fall, ohne zu simplifizieren oder auszugrenzen?

    Artikel: Frauen sind keine Minderheit. Über das Unbehagen an Pussy-Hats und anderem

  • Dorothee Markert-Knüfer sagt:

    @Johanna Helen Schier: Autorität zirkuliert, wenn ich, der Autorität zugesprochen wird, wiederum anderen Frauen, mit denen ich zu tun habe, Autorität zuspreche, insbesondere auch dann, wenn ich nicht mit ihnen einverstanden bin. Dass ich mich ernsthaft mit dem auseinandersetze, was ihnen wichtig ist, wofür sie „brennen“.

    Artikel: Freiheit

  • Schier, Johanna Helen sagt:

    "Akzeptiert jegliche Autorität, die euch zugestanden wird, nehmt sie an, aber haltet sie nicht fest, lasst sie zirkulieren". "Lasst sie zirkulieren"... Der Sinn will sich mir gerade nicht erschließen. Was könnte gemeint sein?

    Artikel: Freiheit

  • Dorothee Markert sagt:

    Hier noch einige Aussagen von Luisa Muraro als Antwort auf Nachfragen zu ihrem Vortrag, die ich mir notiert habe: Differenz 'zwischen' versus Differenz 'in': Differenzen 'zwischen' sind Ergebnisse von Interpretationen der inneren Differenz. Globalisierung: Die ganze Menschheit der Frauen im Auge behalten, sich für weibliche Freiheit aller Frauen dieser Welt einsetzen Transsexualität: So wie alle (jeder und jede) den Sinn dessen finden müssen, was sie sind, müssen das auch die Transsexuellen. Auch ich, sagt Luisa, bin auf der Suche, Körper und Psyche zusammen zu bringen. Vielleicht können Transsexuelle dafür ein Modell sein. Luisa ist dankbar für die Frau, die einverstanden ist mit dem, was sie sagt. Und sie ist ebenso dankbar für die Frau, die sagt: "Ich bin nicht einverstanden". Und weiter: "Wenn ich von Frauen spreche, dann spreche ich gut von ihnen, das entspricht der symbolischen Ordnung, für die ich mich einsetze". Und dann noch ein Rat: "Akzeptiert jegliche Autorität, die euch zugestanden wird, nehmt sie an, aber haltet sie nicht fest, lasst sie zirkulieren."

    Artikel: Freiheit

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Juliane, über Deinen Kommentar habe ich mich gefreut, weil er mir Gelegenheit gibt, die Differenzen vielleicht noch ein bisschen schärfer zu akzentuieren - und das war und ist ja die Absicht dieses Textes. :-) Wie Du glaube ich, dass die wenigsten Trägerinnen symbolischer Kleidung diese tragen, um sich durch sie abzugrenzen. Aber die Botschaft, die sie senden, wirkt dennoch - auch - so. Der Pussy-Hat ist ein Bekenntnis - zur Gegnerschaft mit Trump und zur Bewegung der Women Marches. Damit fühle ich mich nicht im Einklang, von Anbeginn an nicht. Dabei weniger - das scheint mir ein Missverständnis - weil an dieser Bewegung auch Gruppen und Einzelpersonen teilhaben, mit denen ich nicht in jedem Punkt einer Meinung bin, sondern um derentwillen, die er ausgrenzt, z.B. den Feminismus, für den Alice Schwarzer steht, der in dieser Bewegung weniger willkommen zu sein scheint als Linda Sarsour oder die Boykott-Bewegung gegen Israel. Diese unterschiedliche Bewertung verstehe ich z.B. nicht. Es scheint mir letztlich nichts diese Bewegung zu vereinen als die Gegnerschaft zu Trump (und anderen "Rechten") und die vorgebliche oder tatsächliche Erfahrung der Diskriminierung (in völlig unvergleichbaren Zusammenhängen), also ein Sammelsurium von Minderheiten mit starken, auch symbolisch demonstrierten Identitäten. Das Bedürfnis, sich gegen "die Bösen" zu positionieren, habe ich längst nicht mehr; eine Einteilung der Welt in "gut" und "böse" entspricht längst nicht mehr meinen Erfahrungen als erwachsene Frau und meiner Selbstanalyse. Ich suche nicht nach Antworten/Ansätzen, die dem Schema gut/böse folgen, sondern dem des besser/schlechter. Zur Symbolik des Diakonissen-Gewands: Ich finde das vergleichbar mit dem Hijab von Musliminnnen, der aus meiner Sicht ähnlich aufgeladen ist, da er ja auch permanent als religiöses Bekenntnis getragen wird. Insofern halte ich das schon für aktuell. Die Zeile "Jede/r soll willkommen sein." lese ich in den sogenannten Leitlinien nicht als individuelle Einstellung, sondern als politische Forderung nach offenen Grenzen. Diese Forderung lehne ich jedoch ab. Denn ich glaube, dass es gegenwärtig nicht beides geben kann: Offene Grenzen und einen Sozialstaat, der ein Minimum an Teilhabe sichert. Zugleich bedeutet unregulierte Zuwanderung offensichtlich faktisch die überproportionale Zuwanderung junger Männer. Studien (Collier u.a.) zeigen, dass unregulierte Migration sowohl bei den Migrant_innen, also auch in deren Herkunftsländern und den Einwanderungsländern sehr negative Folgen hat/haben kann. Ich finde nicht, dass es gegenwärtig in "unserem" Milieu möglich ist, über Einwanderung und deren Regelung kritisch nachzudenken, ohne des Rassismus geziehen zu werden. Auch im Kampf gegen Rechtsextremismus sehe ich mögliche Verbündete nicht unbedingt und zwingend bei jenen, die sich selbst als Diskriminierte inszenieren, wie beispielsweise die Islamverbände. Allzu oft erscheint mir deren Weltbild doch gar zu kompatibel mit dem der Rechten und ich sehe viel eher die Notwendigkeit, sich mit liberalen Demokratinnen zu verbünden als mit denen. In dieser Haltung bestätigt mich zunehmend, dass säkulare Migrantinnen aus muslimisch geprägten Herkunftsländern sich häufig von "uns" und "unserem" Milieu im Stich gelassen fühlen. Das erlebe ich im Freundeskreis und in meinem beruflichen Alltag. Zu #metoo: Während es am Anfang darum ging, Machtmissbrauch im Geschlechterverhältnis anzuprangern und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, kam es im Verlauf der Kampagne m.E. immer mehr dazu, Frauen ganz generell als Opfer sexistischer Verhältnisse darzustellen, in denen sie immer oder fast immer mehr oder minder hilflos den Übergriffen von Männern ausgeliefert sind. Meiner Ansicht nach ist das eine fatale Perspektive, die Handlungsfähikgkeit und -möglichkeit von Frauen untergräbt und leugnet. Richtig schlimm wird es dann, wenn "mächtige" Frauen diese Perspektive für sich einnehmen und verantwortungslos agieren. So z.B. Sawsan Chebli, die bei Facebook "schockiert" postete, dass ein pensionierter Botschafter sie, die Staatsekretärin bei einer Veranstaltung nicht erkannt und mit dem verunglückten Spruch begrüßt habe, er habe nicht gewusst, dass sie so "jung und schön" sei. Chebli war bei dieser Veranstaltung die ranghöchste anwesende Person. Es war ihre Verantwortung, für ein angemessenes Verhalten zu sorgen. Das hätte sie in ihrer Funktion durch eine entsprechende Richtigstellung/Ansprache vor Ort tun können und müssen, statt sich hinterher als Opfer zu inszenieren. Die Botschaft, die sie gesendet hat, war stattdessen aber: Egal wie hoch die Position einer Frau ist, sie kann einfach nichts machen. Solche Botschaften sind während dieser Kampagne immer häufiger gesendet worden und ich finde es nicht erstaunlich, dass viele ältere Frauen, die sich in ihrem Umfeld Respekt verschafft und Verantwortung übernommen haben, dadurch zunehmend abgestoßen gefühlt haben. Leider wurde auch auf deren Einspruch nur mit Häme und moralischer Selbstgerechtigkeit reagiert. Meiner Meinung nach ist das kein reines Medienphänomen, sondern eines des Teils von Feminismus, der die Identitätspolitiken unterstützt und sie zu seinen "natürlichen" Verbündeten erklärt hat. Für mich hat mit alle dem ein Prozess der Entfremdung und inneren Distanzierung begonnen.

    Artikel: Frauen sind keine Minderheit. Über das Unbehagen an Pussy-Hats und anderem

  • Juliane Brumberg sagt:

    Liebe Jutta, danke für Deinen Text, der vielfältige Denkanstöße enthält. Ich teile Deine Definition von bzw. Deine Erwartungen an Feministinnen, wie Du sie im Text und insbesondere im letzten Absatz Deines Artikel beschreibst, voll und ganz. Ich teile auch Deine Haltung, dass Feminismus sich nicht als Sammelbewegung von Minderheiten begreifen sollte. Und ich teile Deine Unbehagen an der zunehmenden Polarisierung, die ja nicht nur unter Feministinnen zu beobachten ist. Geschürt wird diese Polarisierung, so wie ich das beobachte, aber weniger durch sich vernetzende Feministinnen oder eine symbolische Kopfbedeckung wie den Pussy-Hat. Geschürt und gefördert wird sie hauptsächlich durch Medien, die aus einer Diskussion oder einem Konflikt gerne ein großes Schwarz-Weiß-Szenario konstruieren und dieses in einer Schlagzeile anbieten. Ein großer Streit verkauft sich einfach besser, als eine diffizile Diskussion. Und billige Antworten auf die Sehnsucht nach einfachen Lösungen auch. Schwer tue ich mich mit Deinen Beispielen, weil ich dazu eine ganz andere Wahrnehmung habe, zum Beispiel was den Pussy-Hat angeht. Ich habe einen Pussy-Hat. Eine Freundin, die nicht aus dem feministischen Milieu kommt, hat ihn für mich und auch noch für andere Freudinnen gestrickt. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mich dadurch irgendeiner Gruppe zugehörig zu fühlen. Ich ziehe diese Mütze nicht oft an und wenn ich es tue, aus dieser „Grap him back“ - Perspektive der Frauen, die Dir ja auch gefallen hat. Ich hatte keine Minute das Gefühl, mit dem Pussy-Hat hinter EINER Identität zu verschwinden. Dann führst Du das Beispiel der Diakonisse mit ihrer Tracht an und wie sie sich ohne Tracht verändert hat. Ich finde, dass das ein sehr extremes Beispiel in der heutigen Zeit ist. Tatsächlich kommt es sehr selten vor, dass Frauen sich heute dazu entschließen, Diakonisse zu werden und dadurch in der Tat eine sehr deutlich sichtbare Gruppenzugehörigkeit erwerben. Ich denke, dass die meisten Menschen sich heute ganz bewusst, so wie Du, als vielschichtige einzigartige Persönlichkeit wahrnehmen und auch so leben – und eben nicht Diakonisse werden. Das schließt nicht aus, dass sie sich von Fall zu Fall das T-Shirt ihres Sportvereins oder das Gewand ihres Kirchenchors anziehen. Zu dem Zeitpunkt identifizieren sie sich mit dieser Gruppe und deren Ziel (ein gemeinsames Volleyballspiel oder ein gemeinsames Konzert) – aber sie sind trotzdem noch viel mehr. Dass sie durch die gemeinsame Kleidung für diese Situation Sicherheit gewinnen, da würde ich Dir zustimmen. Aber ich nehme das nicht als ausgrenzend oder wie einen Panzer wahr. Wenn ich wollte, könnte ich mich ja auch diesem Chor oder Sportverein anschließen, aber ich möchte das gar nicht, weil andere Interessen Priorität haben. Und ich finde auch nicht, dass bei Kleidung mit politischer oder religiöser Symbolik Individualität verloren geht. Die Kleidung steht für einen Aspekt, die dieser Person wichtig ist, aber ich weiß, dass jeder Mensch aus viel mehr als aus einem Aspekt besteht. Ich kenne viel zu viele unterschiedliche Türkinnen mit Kopftuch, um auf die Idee zu kommen, dass sie nicht sehr individuelle Charaktere sind. Problematisch finde ich symbolische Kleidung allerdings dann, wenn sie zwangsweise getragen werden muss. Du kommst dann auf deine Zugehörigkeit oder Nicht –Zugehörigkeit zur Frauenbewegung. Das ist bei mir irgendwie anders. Ich engagiere mich seit mehr als 20 Jahren in unterschiedlichen Gruppierungen für feministische Anliegen. Aber nicht, weil ich dazugehören möchte, sondern weil mir die Anliegen am Herzen liegen. Und da mache ich in dieser Gruppe mit und bei jener Aktion, aber ohne dabei jemals das Gefühl gehabt zu haben, mich selber aufzugeben oder in einer Gruppierung zu verschwinden. Deinen Eindruck, dass manche politische Akteure, nicht nur feministische Aktivistinnen, mit ihren Aktionen zur Selbstgerechtigkeit neigen, teile ich. Manchmal habe ich, insbesondere bei überheblichen Medienkommentaren gegenüber Trump, gedacht: „Mensch, der Mann ist der Präsident der Vereinigten Staaten. Wir als Ausländer_innen sollten ihm als Allersterstes Respekt bezeugen. Was wissen wir schon von Amerika, um so despektierlich über ihn zu sprechen.“ Was überstürzte Reaktionen und Einordnungen der Silvestervorgänge in Köln angeht, da ging es mir so, dass ich erstmal nur gelesen, beobachtet und abgewartet habe, bevor ich versuchte, mir ein vorsichtiges Urteil zu bilden. Und ja, natürlich sind mir Mörder in Deutschland nicht willkommen. Trotzdem möchte ich es mir bewahren, auf neue / fremde Menschen zwar vorsichtig, aber unvoreingenommen zuzugehen. Oder: Das Thema Prostitution ist nur ein Beispiel für einen von vielen Bereichen, die ich so diffizil finde, dass ich mir gar nicht zutraue, darüber eine abschließende Meinung zu haben. Gruppierungen, die andere Meinungen als „moralisch nicht diskurswürdig“ abwehren, sind mir genauso suspekt wie Dir und ich halte mich lieber fern von ihnen. Trotzdem habe ich vielleicht zu bestimmten ihrer Anliegen dieselbe Meinung wie sie. Und trotzdem kann ich mir vorstellen, mich von Fall zu Fall in einer Gruppierung gemeinsam mit ihnen zu engagieren, zum Beispiel, wenn es darum geht, ein Zeichen dagegen zu setzen, wenn Frauen in althergebrachte Rollen zurückgedrängt werden sollen. Damit gebe ich aber meine eigene, möglicherweise differenziertere Meinung nicht auf. Und klar, ich bleibe wachsam, um nicht für etwas, was ich nicht will, vereinnahmt zu werden. Denkst Du wirklich, Frauen, die sich im Rahmen der #Metoo-Kampagne geoutet haben, ging es um Zugehörigkeit? Ich denke, es ging darum, ganz massiv zu demonstrieren: Ja, so wird gespielt in der Welt viel zu vielen Männer und wir wollen das nicht mehr. Trotzdem finde ich Deinen Artikel sehr bedenkenswert. Meiner Beobachtung nach teilen viele Frauen Dein Unbehagen und sprechen deshalb nicht von sich selbst als Feministin, obwohl ihnen die Freiheit der Frauen ein Anliegen ist. Sie haben Angst vor Vereinnahmung und können sich mit bestimmten schrillen Tönen der Frauenbewegung nicht identifizieren. Das hat sicher auch mit dem Alice-Schwarzer-Feminismus zu tun, der ja immer sehr polarisierend war und ist. Und auch hier sind es wieder die Medien, die sich, wenn es um Feminismus geht, weitgehend auf Alice Schwarzer oder Themen wie #Metoo gestürzt und differenziertere Feministinnen außen vor gelassen haben.

    Artikel: Frauen sind keine Minderheit. Über das Unbehagen an Pussy-Hats und anderem

  • Eveline Ratzel sagt:

    Über "die weibliche Seite von 68" ist in der Ausstellung des Karlsruher Stadtmuseums, die am 26.4. eröffnet wird, nicht viel zu sehen, dafür ist die Frauenbewegung unter dem Titel "...und die Folgen" als eines unter sechs Kapiteln vertreten. Auch im reichhaltigen Begleitprogramm sind einige feministische/lesbische Veranstaltungen vertreten. Unter anderem ein Stadtspaziergang (Sonntag, 27.5., 11-13 Uhr, Treffpunkt Jubez-Cafe), den Ute Reisner und ich anbieten.In der Ausstellung sind Interviews von Zeitzeuginnen zu hören, u.a. auch von mir zum Thema Walpurgisaktion für ein Karlsruher Frauennachttaxi und zum Thema Gewalt gegen Frauen und die Gründung des Karlsruher Notrufs.Beim Karlsruher Stadtmuseum (Leiterin Alexandra Kaiser) sind Flyer zum gesamten Programm zu bekommen. Keine Frage: Die institutionellen Museen stellen die 68er Männer deutlich als führend in den Vordergrund. und deshalb sind solche Ausstellungen wie die von Ruth Westerwelle ein Stern am Himmel, der ungetrübt zum Feminismus führt.

    Artikel: Die weibliche Seite von 68

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Antje, Du benennst, glaube ich, genau die Punkte, über die wir uneinig sind. Schon die Formulierung "Nicht-Weiße" zeigt ja, dass sich diese allein auf die Norm "weiß" bezieht. Unabhängig davon ist die Kategorie komplett sinnlos. Genau hier sehe ich den wesentlichen Unterschied. Frauen gibt es auch ohne Bezug auf die Norm "Mann", schlicht als Differenz. Ich fühle mich auch "Nicht-Weißen" in keiner Weise verbundener als Weißen. Warum auch? Ich anerkenne, dass es Differenzen gibt, aber mir sind nicht alle Unterschiede gleich lieb. Es kann sein (und ist so!), dass mich mit einem alten, weißen Liberalen deutlich mehr verbindet, als mit einem jungen, schwarzen HipHop-Texter, der Sexismus verherrlicht. Mich verbindet auch mehr mit einer säkularen Iranerin, die ein selbstbestimmtes Sexualleben führt, als mit einer türkischen AKP-Wählerin, die Sex außerhalb der Ehe für eine schwere Sünde hält. Wer könnten also die "natürlichen" Verbündeten sein? Alle, die Trump hassen? Oder die neuen und alten Rechten hassen? Das reicht mir nicht, um mich solidarisch zu engagieren. Dann sitze ich nämlich zügig im Boot mit Putin-Unterstützerinnen, tumbem Anti-Amerikanismus oder Antisemitismus. Auch strategisch und taktisch halte ich die Position, sich schlicht "dagegen" zu positionieren und dafür Zeichen zu setzen, gegenwärtig nicht (mehr) für sinnvoll. Viel eher halte ich Selbstkritik für angebracht. Welche Zumutungen und Überforderungen für wen enthalten unsere Forderungen und Positionen? Wie können wir uns da besser erklären und vermitteln? Wo haben wir selbstgerecht und herablassend gewirkt? Wie homogen ist der Lebensstil in unseren Kreisen? Welche "Vielfalt" wollen wir, wen grenzen wir aus und wie? Wo haben wir die Inszenierung von Bedürftigkeit stärker gefördert als die Selbstermächtigung?

    Artikel: Frauen sind keine Minderheit. Über das Unbehagen an Pussy-Hats und anderem

  • Antje Schrupp sagt:

    Liebe Jutta, danke für den Text, bei dem ich vieles teile, aber manches auch nicht oder eher: einen anderen Aspekt wichtig finde als du. Zum Beispiel beim Pussy-Hat, den ich selbst nicht trage, um Zugehörigkeit zu einer feministischen Bewegung zu fühlen, dieses Gefühl der "politischen Einengung" ist mir genauso unangenehm wie dir. Sondern ich trage ihn (manchmal) trotz dieses unangenehmen Gefühls, weil ich es momentan wichtig finde, ein sichtbares Zeichen nach außen zu senden, auf welcher "Seite" ich stehe in genau diesem Konflikt (gegen Trump, gegen Rechtsextreme usw.). Entsprechend habe ich auch die Debatten "nach Köln" anders in Erinnerung. Ich weiß diese Tage noch sehr genau, weil ich damals am 4. Januar etwas gebloggt hatte, das dann sehr viel Respons bekommen hat und mich entsprechend beschäftigte. Was damals zuerst kam, war die Instrumentalisierung von Gewalt gegen Frauen für rechte und rassistische Hetze gegen Merkels Flüchtlingspolitik. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie wütend es mich gemacht hat, dass das Leid der betroffenen Frauen hier so vereinnahmt wird, dass man sich eben genau nicht damit beschäftigt, sondern versucht, es zur Legitimation für eine rassistische Anti-Merkel und Anti-Flüchtlinge-Propaganda zu machen. Das war der Kontext, in dem dann auch manche falschen Relativierungen von feministischer Seite kamen. Aber die standen eben nicht im luftleeren Raum, sondern waren eine Reaktion auf eine sehr bedrohliche Welle von rechts, die bis heute anhält und die sich überhaupt nicht für eine ernsthafte Analyse sexueller Gewalt im migrantischen Milieus interessiert. Du hast natürlich recht, dass Frauen niemandem etwas schulden und auch weiße Frauen nicht, das ist ein Argument, das man öfter betonen sollte. Ich glaube aber dennoch, dass es natürliche Verbündete gibt nämlich darin, dass die Geschlechterdifferenz sozusagen die "Blaupausen" für Differenz schlechthin, für das Nicht-Normative im Bereich des Menschlichen ist. Es ist die grundlegende Differenz und die Gewähr dafür, dass Menschsein pluralistisch ist, und damit gibt es sehr wohl eine Verbindung zu den politischen Debatten über andere Hierarchien usw. Natürlich geht es dabei um das Symbolische. Die "nicht-weißen"-Menschen zum Beispiel sind ja auch keine Minderheit, zahlenmäßig.

    Artikel: Frauen sind keine Minderheit. Über das Unbehagen an Pussy-Hats und anderem

  • -Ute Plass sagt:

    Eine so wichtige und notwendige Arbeit, die Barbara Linnenbrügger leistet. Großes Danke.

    Artikel: Tragik für die jüdischen Kinder und ihre Eltern

  • Amelie Himmel sagt:

    Spontan fiel mir gerade zu Deinem Satz : für den Begriff „Vaterland“ gibt es dagegen keinen sachlichen Grund ... ein DOCH ein, es gibt einen sachlichen Grund. Ich behaupte mal, dass so wie ein großer Teil der Verantwortung in der Kindererziehung nach wie vor bei den Frauen liegt (Kommunikation), der Anteil der Männer nach wie vor in der Verantwortung für den Besitz liegt (Grundstücke, Land, Haus,Wohnungen) - daran hat sich meines Erachtens bei Familien mit Kindern wenig geändert. So jedenfalls kann meines Erachtens der Text der Hymne bis heute als gültig verstanden werden - verrückt und gewiss kein Grund irgendetwas zu besingen. Stimmt! Ich habe gerade erst die Seiten des bzw. entdeckt und finde sie sehr anregend.

    Artikel: "Prüde", "verklemmt", "humorlos", "realitätsfern", ...

  • Schier, Johanna Helen sagt:

    Liebe Juliane Brumberg, "das Versagen der Kleinfamilie"... Ich erwarte gespannt die Vorstellung!

    Artikel: Lebenselixier Freundschaft

  • Eveline Ratzel sagt:

    Barbara Linnenbrügger betont die Wichtigkeit von Bildern. Ihre Zusammenstellung und die Texte dazu lassen die langen Jahre intensiver Forschungsarbeit einer kompetenten Frauengeschichtsforscherin erkennen. Darüber hinaus richtet sie den Blick auf ihre eigene Familiengeschichte. Und bestätigt damit die Forschung, die die Auswirkungen des Schweigens der Eltern auf ihre Kinder und Kindeskinder untersucht. Beides macht das Buch "Lebenslinien" zu einem sehr guten Buch. Das Wichtigste ist noch nicht gesagt. Es ist der lebendige Atem, der durch die Lebensgeschichte der Margarete Oppenheimer-Krämer weht, der Pulsschlag der Lebendigkeit, der durch ihr Leben pocht: Wie sie als junge Frau in verschiedenen Städten Naturwissenschaften studiert, wie sie überall, wo sie war, Kontakte knüpft, die sie dann nutzt, um mit ihren Kindern nach der nötig gewordenen Trennung in Briefkontakt bleiben zu können, wie sie ihnen Bilder ihrer Schwester, der Hobbyfotografin Liese, auf die Reise nach England mitgibt. Welch eine kluge, mutige und umsichtige Heldin des schrecklich gewordenen Alltags, die Margarete! Dieses ihr Leben ist es, das über ihre Tochter Ruth und über Barbaras Forschungsarbeit über Jahre hinweg die Familie langsam und immer deutlicher zusammen gebracht hat. Sicher haben die vielen Gespräche der Familienmitglieder, die Reisen, die Barbara mit ihnen unternahm, ein Eigenleben entwickelt, das es ermöglicht hat, die Lebendigkeit Margaretes über ihren gewaltsamen Tod hinaus für die Familie wach zu halten. Dass ich 1950 in Regensburg geboren bin, war das Ergebnis von Internierung und Flucht. Ich habe als Kind erlebt, wie wir geringschätzig als Flüchtlinge angeschaut wurden und gleichzeitig erlebt, wie meine Großmutter ihre Töchter und ihre Enkelinnen mit Sicherheit, Stolz und Lebenswillen ummantelt hat. Als Jugendliche habe ich in der Schule nicht viel über die schreckliche Zeit gehört - irgendwann prägte sich das Wort "Auschwitz" in mein Gedächtnis mitsamt den Schreckensbildern. Viele Jahre später erst machte ich die für mich wichtigste Erfahrung während einer Ausstellung in einer Synagoge über jüdisches Leben vor dem Holocaust. Ich sah auf den Fotos würdig dreinschauende Väter, lächelnde stolze Mütter, ausstaffierte junge Mädchen mit kecken Hüten auf dem Kopf, deren erwartungsvolle Blicke auf ihre Zukunft gerichtet waren, energiegeladene Kinder, die dem Fotografen standhalten mussten, um sogleich nach dem Knipsen wieder herumrennen zu können. So lebendig, so lebensschön. Das hat mich wie der Blitz getroffen.Wie betäubt bin ich aus der Synagoge in den hellen Tag der Gegenwart hinaus getreten. Und dann kamen alle Emotionsfelder von Freude, Staunen, Wut, Dankbarkeit und das Verstehen, dass es nichts Wichtigeres als das Leben selbst gibt und kein größeres Verbrechen als das, es gewaltsam zu beenden. Es ist der nicht zu bändigende Lebenswille, das "Sei-en", das uns dazu bringt, uns gegen jedwedes Unrecht zu stellen und das Leben zu feiern. Barbara Linnenbrüggers Buch atmet dieses Wissen aus allen Poren, und ich danke ihr dafür.

    Artikel: Tragik für die jüdischen Kinder und ihre Eltern

  • Elisabeth Schrattenholzer sagt:

    Zum Urteil:Bereits die Formulierung, es wäre keine "Geringschätzung des ANDEREN Geschlechts", sagt viel darüber aus, wer da spricht. Und: Selbst wenn wir das "Voralthochdeutsche" dazurechnen, gibt es die deutsche Sprache noch lange keine 2000 Jahre. So einen Sachfehler sollte sich ein Gerichturteil nicht leisten dürfen. Ich wollte ein ironisches Gedicht über die Behauptung schreiben, dass die Sprache neutral "ist", kam aber zu dem Schluss, maximal "(n)i(e)st" die Sprache neutral. Die Sprache niest neutral zwar fräulein nicht männlein aber die sprache die sprache niest neutral zwar herrlich und dämlich aber die sprache die sprache niest neutral die sprache niest nicht sexistisch bloß maître/mätresse die sprache niest neutral "männleinwunder" frauschaft männerheldin frauhaftigkeit derbürgerderleserdersprecherderclown diestudentendiezuschauerdiewähler -innen -innen - innen „diese Menschen und ihre Frauen und Kinder“ DIE SPRACHE IST NEUTRAL neutral wie ein maschinengewehr wie ein computer wie rattengift neutral O unauslöschliches gelächter der seligen göttinnen FRAUGOTTNOCHEINMAL

    Artikel: Ob der männliche Leserin jetzt wohl befriedigt ist?

  • Juliane Brumberg sagt:

    Vielen Dank für Eure Rückmeldungen zu meinem Artikel über Freundschaft. Daraus wird deutlich, dass für jede von uns Freundschaft ein wenig anders gesehen, definiert und gelebt wird. Und das finde ich gut. Wir sind alle unterschiedlich und können Freundschaften unterschiedlich ausfüllen. Und, Dorothee, den Gedanken finde ich wichtig: wir können nicht alle Freundschaften mit dem gleichen Maßstab messen. Bei der Erfahrung von Gisela Forster, die für uns Leserinnen ja eher ein Gedankenspiel ist, finde ich es auch noch einmal hilfreich, die Frage umzudrehen. Für wen, für welche meiner Freundinnen, Freunde oder Verwandte würde ich mich spontan ins Auto setzen und über 1000 Kilometer weit nach Sizilien fahren, um sie in einem Notfall zu unterstützen? – Zu der Frage der Tragfähigkeit von Freundschaften, konventioneller Ehe und Kleinfamilie, die Johanna Helen Schier angesprochen hat, ist kürzlich ein interessantes Buch von Mariam Irene Tazi-Preve, (Das Versagen der Kleinfamilie), erschienen, das ich demnächst auf bzw-weiterdenken vorstellen werde.

    Artikel: Lebenselixier Freundschaft

  • Dorothee Markert sagt:

    Heute fand ich auf einem alten Flugblatt noch dieses Frauenzeichen, bei dem die Faust den Kreis, den Spiegel, das alte Frauenzeichen ... sprengt. (Ich hab es noch in meinen Text eingefügt).

    Artikel: Ein vergessenes Frauenzeichen taucht wieder auf

  • Barbara Höhfeld sagt:

    Treffend, witzig und dennoch zornig, Deine Reaktion. Das Urteil fügt sich ein in andere Verlautbarungen unserer Zeit: in das Nationalistische vor allem, das im Außenamt ebenso wie in der hohen Gerichtsbarkeit noch wie selbstverständlich bewahrt wird, und im Bundestag wieder Einzug gehalten hat. Was sonst bedeutet der Bezug auf ein angeblich 2000 Jahre altes Deutsch?? An allen diesen Stellen und an anderen geht es um die Zurückweisung der Frauen, das heißt darum, dass Männer sich von ihnen bedroht fühlen. Mag sein, dass sie das tatsächlich als zu kompliziert empfinden! Was? Nun, dass Frauen gleiches Recht beanspruchen. In manchen Frauen steigt da Mitleid auf, und Darin besteht die wirkliche Gefahr für unsern Rechtsstaat. Oder?

    Artikel: Ob der männliche Leserin jetzt wohl befriedigt ist?