beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Rubrik erinnern

Kapitel 4: Mütter und Kinder: mütterliche Autorität stärken

Von Andrea Günter, Antje Schrupp, Dorothee Markert

Zum 20. Jubiläum der Flugschrift „Liebe zur Freiheit, Hunger nach Sinn. Flugschrift über Weiberwirtschaft und den Anfang der Politik“ wurde das Büchlein im Christel Göttert Verlag neu aufgelegt und wird hier im Forum auch erstmals online veröffentlicht (hier der Link zum Anfang). Dies ist das 4. Kapitel: Mütter und Kinder.

Die Wahl, Kinder zu bekommen oder nicht, gehört zu den wichtigsten Entscheidungen, die Frauen treffen. Die Entscheidung für Kinder ist heute längst keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern von vielerlei Faktoren beeinflusst: von der Abwägung zwischen Erwerbsarbeit und Erziehungsarbeit, von den materiellen Ressourcen, von Hoffnungen und Wünschen für die Zukunft. Sie ist immer mehr auch eine persönliche, oft sogar eine einsame Entscheidung.

Mütter tragen die volle Verantwortung für ihre Kinder. Sie leben jedoch mehr und mehr in dem Bewusstsein (und werden darin von der patriarchalen Propaganda ständig bestärkt), sie seien dazu nicht in der Lage und müssten sich von Männern helfen lassen bzw. seien auf die Anleitung und Unterstützung staatlicher Institutionen angewiesen. Dies macht sie unsicher und entscheidungsschwach, gerade auch in ihrem Erziehungsverhalten.

Wie in jeder Beziehung geht es auch zwischen Müttern und Kindern darum, authentisch zu sein. Die Verunsicherung vieler Mütter durch überfordernde Mütterbilder führt jedoch dazu, dass hier eine gelingende Beziehung häufig nicht ausgehandelt und erarbeitet, sondern nur vorgetäuscht wird. Mütter machen sich zu Mitteln zum Zweck der Erziehung, indem sie die Souveränität der Kinder oder von außen angetragene Erziehungsziele in den Vordergrund stellen, statt die Beziehung in den Mittelpunkt zu rücken.

Die Kinder, vor allem die Söhne, werden so in dem Glauben gehalten, sie könnten in einer gelingenden Beziehung leben, ohne selbst etwas dazu beizutragen. Spannungen aufgrund enttäuschter Erwartungen bei den Müttern wie den Kindern sind so vorprogrammiert. Die gesellschaftlichen und kulturellen Probleme, die aus einer solchen Sozialisation insbesondere der Jungen folgen, sind offensichtlich.

Wenn Frauen sich ihrer vollen Verantwortung für die Beziehung zu ihren Kindern bewusst werden und ihre Entscheidungsmacht wie auch ihre eigenen Wünsche und Maßstäbe bejahen, wird ihr Leben leichter. Sie sind nun in der Lage, ihr Leben mit Kindern nach ihren eigenen Vorstellungen in Auseinandersetzung mit den realen Notwendigkeiten und den Bedürfnissen und Wünschen der Kinder zu gestalten, statt phantasierten Autoritäten und sogenannten „Experten“ für eine „richtige“ Erziehung die Führung zu überlassen. Auf dieser Basis können sie andere, die dies wollen, in ihre Erziehungsaufgaben einbeziehen: Ehemänner und Beziehungspartner, Freundinnen, lesbische Lebenspartnerinnen, und natürlich auch Eltern und Schwiegereltern.

Aus: Ulrike Wagener, Dorothee Markert, Antje Schrupp, Andrea Günter: Liebe zur Freiheit, Hunger nach Sinn. Flugschrift über Weiberwirtschaft und den Anfang der Politik. Christel Göttert Verlag, Rüsselsheim 1999, Neuauflage 2019

Weiter zu Kapitel 5

Autorin: Andrea Günter, Antje Schrupp, Dorothee Markert
Eingestellt am: 15.05.2020
Tags:

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Anne Newball Duke sagt:

    “Die Kinder, vor allem die Söhne, werden so in dem Glauben gehalten, sie könnten in einer gelingenden Beziehung leben, ohne selbst etwas dazu beizutragen.” Dieser Satz hat mich gerade berührt. Der Beitrag der Kinder (ich sehe jetzt mich als Tochter) zu einer gelingenden Beziehung… warum habe ich da gerade keine richtige Idee? Oder besser gesagt, habe ich so viele sehr unterschiedliche, dass ich nicht recht weiß, was genau das nun wäre? Ich muss mehr darüber nachdenken. (Gibt es eventuell irgendwelche Denkanregungen?)

Verweise auf diesen Beitrag

Weiterdenken