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Aus der Zeit gefallen (4) – Wir sprechen über “Schlafen werden wir später” von Zsuzsa Bánk

Von Kathleen Oehlke

Das Thema Freundinnenschaft ist hier auf bzw-weiterdenken ja nicht neu und beschäftigt uns immer mal wieder. Mit dem Roman „Schlafen werden wir später“ von Zsuza Bánk als Grundlage haben wir uns diesem Thema einmal mehr genähert.

Der Brief- bzw. Email-Roman zwischen Márta und Johanna lässt die Leserin über drei Jahre und 688 Seiten hinweg tief in das Leben und Erleben der beiden Frauen eintauchen, die sich seit ihrer Kindheit kennen und mittlerweile in ihren Vierzigern angekommen sind. Die eine mit Familie und Geldsorgen in der Großstadt, die andere als Lehrerin mit überstandener Krebserkrankung im ländlichen Schwarzwald. Beide haben beruflich mit Literatur, insbesondere Lyrik, zu tun und behalten einen sehr poetischen Schreibstil auch in ihrem Briefwechsel bei.

Wir Bzw-Redakteurinnen konnten uns unterschiedlich gut mit Johanna und Márta identifizieren. Mit der Sprache der beiden sind einige von uns nicht so recht warm geworden, während andere das Eintauchen darin sehr genossen haben. Und dann waren da noch unsere eigenen Gedanken und Erfahrungen mit Freundinnenschaften, Überlegungen zu Freundinnenschaften im Patriarchat und abschließend ein ganz altes Bild, das Freundinnen zeigt.

Doch seht bzw. hört selbst:

Oben: Maria und Kathleen, unten: Juliane und Anne

Zum Weiterlesen und Schauen:

Christa Mulack, Die Wurzeln weiblicher Macht, Kösel Verlag München. 1996

Juliane Brumberg, Lebenselixier Freundschaft, https://www.bzw-weiterdenken.de/2018/03/lebenselixier-freundschaft/

Gabriele Meixner, Frauenpaare in kulturgeschichtlichen Zeugnissen, Verlag Frauenoffensive München, 1996   (Da wir darüber gesprochen haben, dass es in der patriarchalen Kultur, aus der wir kommen, wenig  oder fast gar keine Vorbilder für starke Frauen- oder Freundinnenbeziehungen überliefert werden, ist das Buch von Gabriele Meixner interessant, das zeigt, dass es starke Freundinnenbeziehungen sehr wohl in der Vergangenheit gegeben hat.)

Autorin: Kathleen Oehlke
Redakteurin: Kathleen Oehlke
Eingestellt am: 13.12.2020
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Katja Dobrocsi sagt:

    Hallo Kathleen und Ihr anderen,
    ich habe euch noch nicht angeguckt/zugehört, aber ich muss gleich mal loswerden, dass sich gerade sowas wie ein Kreis schließt: Ich habe heute Nachmittag ein anderes Buch von Zsuzsa Bánk angefangen, Sterben im Sommer. Es gibt viele Parallelen zum ungarischen Teil meiner Familie, und ich kann nur ganz langsam lesen. Und jetzt finde ich euren Beitrag. Das finde ich schön – und bin gespannt.
    Herzliche Grüße
    Katja

  • Dorothee Markert sagt:

    Euren Podcast über Freundinnenschaften habe ich mir sehr gern angeschaut. Diesmal kannte ich endlich auch einmal das Buch, um das es ging. Sehr beeindruckt hat mich, dass ihr das Unbehagen darüber zugelassen habt, dass sexuellen Beziehungen auf jeden Fall Priorität eingeräumt wird, auch dort, wo sie längst nicht so tragend und unterstützend sind wie die Freundinnenschaft. Und dass die Freundinnenschaften dadurch sehr oft auseinandergebracht werden, auf jeden Fall räumlich, aber manchmal auch komplett, falls die jeweilige Liebesbeziehung es nicht aushält, dass eine noch andere zentral wichtige Beziehungen im Leben hat. Ich glaube übrigens nicht, dass das bei gleichgeschlechtlichen Liebespaaren grundlegend anders ist. Auch da ist es ein besonderes Glück, wenn eine Liebesbeziehung es ermöglicht, dass beide sich entwickeln und miteinander, voneinander und auch von anderen lernen.
    Woher die große Konfliktscheu in Freundinnenschaften kommt und warum man die andere eher in ihr Unglück rennen lässt, als ihre Entscheidungen zu kritisieren, habt ihr eigentlich indirekt auch beantwortet. Denn meiner Erfahrung nach ist es eher selten, dass eine Freundinnenschaft sich durch einen durchgestandenen Konflikt vertieft, häufiger zerbricht sie daran.
    Womit ich in eurem Podcast aber gar nicht einverstanden bin, ist die Behauptung, Beziehungen mit der Affidamento-Qualität bzw. Beziehungen, in denen weibliche Autorität eine Rolle spielt, seien nicht “auf Augenhöhe”, (wobei diese Metapher ja sowieso ein sehr ungenaues Schlagwort ist). Wachsen am “Mehr” einer anderen Frau ist überhaupt nicht möglich ohne gegenseitigen Respekt und beidseitigen Gewinn, da ja beider Begehren in die gleiche Richtung geht. Ich denke, die Scheu, weibliche Autorität wirksam werden zu lassen, ist das patriarchale Element in Freundinnenschaften, der Grund dafür, dass, wie Anne es ausdrückte, dort nichts vorangeht, dass sie beide in ihren Glaskugeln bleiben. Ich habe auch solche Freundinnenschaften, vor allem mit Frauen, die ich von ganz früher her kenne. Und die will ich auch nicht verlieren. Doch ich bin heilfroh um die anderen Frauenbeziehungen, in denen ich etwas lernen und andere dabei unterstützen kann, ihr Begehren in die Welt zu bringen.

  • Antje Schrupp sagt:

    Zum Affidamento – Liebe Dorothee, ich stimme dir einerseits zu, ich denke auch, dass “Affidamento” und gegenseitiger Respekt oder “Augenhöhe” in einer Freudschaft sich nicht gegenseitig ausschließen, ich stelle mir eine Freundschaft ohne das gegenseitige Anvertrauen von Begehren auch recht langweilig vor. Das ist es ja gerade, was eine Freundschaft spannend macht: Unterschiede in “Affidamento” umzuwndeln anstatt sie in Streit und Trennungen zu verwandeln (wenn man das gemeinsame Begehren in einem Konflikt findet, kann es gelingen, und gerade in einer Freundschaft, wo man sich mag und sympathisch ist, stehen die Chancen dafür doch eigentlich gut). Allerdings würde ich sagen, gibt es Affidamento auch ohne diese Gegenseitigkeit und damit auch ohne Freundschaft, zum Beispiel durch die Autorität einer Autorin, die ich gar nicht kenne, oder zu einer Person, die die Beziehung zu mir verweigert, vielleicht auch wegen Arroganz oder weil sie “von oben herab” auf mich blickt, von der ich aber dennoch etwas für den Weg meines Begehrens lernen kann. Ich würde sagen: Freundinnenschaft und Affidamento passen prima zusammen, ob es auch (gute) Freundinnenschaft ohne Affidamento gibt, bin ich mir grade nicht so sicher, aber es gibt jedenfalls auch Affidamento ohne Freundinnenschaft…

    Aber generell: Ich fand euer Gespräch sehr interessant, ob wohl ich das Buch nicht kenne!

  • Juliane Brumberg sagt:

    Ich stimme Euch zu, gegenseitiger Respekt ist selbstverständlich die Voraussetzung für eine Freundinnenschaft und für eine Affidamento-Beziehung. Und der Begriff Augenhöhe ist in der Tat schwammig. Für mich ist der Unterschied zwischen einer Freundinnenschaft und einer Affidamento-Beziehung der, dass es in der Affidamento-Beziehung gezielt um das ‘Mehr’ einer anderen Frau geht, an dem ich wachsen möchte. Sie muss also in bestimmten Bereichen ein ‘Mehr’ haben, mir etwas voraus haben, weshalb ich mich mit ihr (noch) nicht auf ‘Augenhöhe’ fühle. In einer Freundinnenschaft kann die Freundin auch ein ‘Mehr’ haben, an dem ich wachsen kann, aber das ist nicht der ausschließliche Grund, weshalb ich mit ihr befreundet bin. Da gibt es noch viele andere Dinge, die ich mit ihr teile und mit ihr unternehmen möchte usw. Diese andere Dinge spielen aber in einer oder für die Affidamento-Beziehung nicht so eine Rolle.

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