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Ich bin dein Mensch, und ich bin ziemlich gut programmiert

Von Antje Schrupp

Was erwarten wir von einer Beziehung, und sind Roboter vielleicht die besseren Beziehungspartner:innen? Mit solchen Fragen beschäftigt sich der neue Film von Maria Schrader.

Alma genießt das Zusammensein mit Roboter Tom – und findet das gleichzeitig erschreckend. | Foto: Filmpresskit

Alma (Maren Eggert) ist Archäologin, Single, Mitte vierzig, und nimmt als Wissenschaftlerin an einer interdisziplinären Studie teil. Drei Wochen lang soll sie mit einem humanoiden Roboter namens Tom (Dan Stevens) zusammenleben, um anschließend ein ethisches Gutachten darüber zu schreiben, ob Maschinen wie er als Beziehungspartner:innen zugelassen werden sollen. Toms künstliche Intelligenz wurde von seiner Herstellerfirma, die die Humanoiden vermarkten möchte, darauf programmiert, Almas Bedürfnissen bestmöglich zu entsprechen. Da Alma dem Projekt aber skeptisch gegenübersteht, gestaltet sich der Beginn des Experiments schwierig. Doch Toms Algorithmus passt sich immer besser an Alma und ihre Bedürfnisse an, bis schließlich das Zusammenleben mit ihm für sie tatsächlich attraktiv wird. Als sie das bemerkt zieht sie die Reißleine und gibt Tom zurück.

Auf den ersten Blick greift Regisseurin Maria Schrader hier ein Thema aus der Science Fiction auf, das schon häufig im Film bearbeitet wurde: Beziehungen zwischen Mensch und Maschine. Doch während es sonst um die Frage ging, welche Rechte Roboter haben können, wie in der berühmten Star-Trek Folge „Wem gehört Data?“, oder ob es moralisch erlaubt ist, künstliche Intelligenzen zu diskriminieren, wie in der schwedischen Serie „Real Humans“, geht Maria Schrader das Thema von der anderen Seite an: Sie lotet aus, welche Bedürfnisse von Menschen an Beziehungen durch Roboter möglicherweise besser erfüllt werden können als durch „echte“ andere Menschen.

Schon heute verhelfen ja roboterisierte Kuscheltiere alten und demenzkranken Menschen zu Austausch und Kontakt, Algorithmen von Dating Apps berechnen die besten Matches zwischen Partnersuchenden, und auch der Verkauf von Sexpuppen boomt. Es gibt einige interessante Szenen in dem Film, die genau dieses thematisieren: Einmal trifft Alma, die von ihren Erfahrungen mit Tom hin und hergerissen ist und sich schon entschlossen hat, aus dem Experiment auszusteigen, auf der Straße einen Kollegen, einen Mann in mittlerem Alter, klein, mit ausgedünnten Haaren und im Großen und Ganzen das, was man (nach menschlichen Maßstäben) eben als nicht attraktiv verstehen würde. An seinem Arm eine wunderschöne Frau, freundlich ihm zugewandt – und natürlich ein Roboter. Dieser Kollege, der genauso wie Alma an diesem Experiment teilnimmt, ist im Gegensatz zu ihr vollkommen begeistert. Zu lange hat er nämlich schon erfolglos versucht, bei Frauen zu „landen“, jetzt fühlt er sich nicht ständig taxiert und beurteilt. Man könnte das abtun als typisch männliche Anspruchhaltung, aber ich denke, der Stress, den Menschen einander mit ihren Erwartungen und kritischen Beurteilungen bereiten, ist ein allgemeines Phänomen.

Auch die unvermeidliche Sexszene zwischen Tom und Alma verläuft anders, als man es vermutlich erwartet (ich erzähle sie hier nicht, um nicht zu spoilern, lasst euch überraschen). Jedenfalls ist der Punkt in diesem Film nicht, dass die Roboter den Menschen möglichst ähnlich werden sollen oder wollen, sondern dass sie gerade nicht so sind wie die Menschen mit ihren Fehlern und ihrer großen Fähigkeit, andere zu verletzen. Wenn Alma in ihrem Auto sitzt, sich grade entschlossen hat, das Experiment mit Tom abzubrechen, und dann von unangenehmen Rasern und Hupern um sich herum genervt ist, fühlt man als Zuschauerin unweigerlich mit und stellt sich eben die Frage, warum genau eigentlich Tom nicht die bessere Alternative ist.

Was sehen wir in anderen Menschen? Was interessiert uns an andern Menschen? Wenn es nämlich nur Gesellschaft, Konversation, Bestätigung, Spiegelung oder Sex ist, dann ist das nicht genug. Das alles können Roboter besser. Was aber ist es dann? Was ist unser gemeinsames menschliches Inter-Esse, das sich nicht durch einen gut programmierten Algorithmus befriedigen lässt? Diese Frage, darauf stößt uns dieser Film, ist, wenn wir ehrlich sind, gar nicht so leicht zu beantworten.

Das Drehbuch, das Regisseurin Schrader zusammen mit Jan Schomburg geschrieben hat, basiert auf einer Kurzgeschichte von Emma Braslavsky. Auch dank der sehr überzeugenden Hauptdarsteller:innen, witziger Dialoge und vieler überzeugender Regieeinfälle ist dieser Film ein intelligenter wie unterhaltsamer Beitrag zu aktuellen Debatten über künstliche Intelligenz. Die Beziehungsdynamiken zwischen Mensch und Maschine werden uns noch lange beschäftigen.

„Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader kommt am 1. Juli in Deutschland in die Kinos.

Hier der Link zum Trailer.

Autorin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 22.06.2021

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Elfriede Harth sagt:

    Das muss ich mir anschauen! Danke für den Hinweis! Spannendes Thema, das gerade auch im Zusammenhang mit dem Menschenbild in unserem Gesellschaftssystem für mich von großer Aktualität ist.

  • Michael Rostalski sagt:

    “Wenn jeder so wäre, wie ich sein sollte” wie langweilig wäre das?
    Künstliche Intelligenz bestimmt schon heute unser Leben, ohne dass uns dies bewusst wird. Deshalb ist diese scheinbar logische Konsequenz als Film interessant anzusehen. Ich freue mich auf diesen Film

  • Großes Thema.
    Freut mich, wenn es gut umgesetzt ist.

    Sehr passend zu diesem Zeitpunkt, wenn uns die “anderen Menschen” wieder näher auf die Pelle rücken. Mit all den nervigen Nebeneffekten.

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