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Rubrik denken, handeln

Der Kopf muss an den Körper ran (und in ein unbequemes Bett?)

Von Anne Newball Duke

Der Unterschied zwischen Dichtung und Rhetorik/ ist die Bereitschaft/ dich selbst/ zu töten/ statt deine Kinder.

erste Zeilen aus dem Gedicht “Macht” von Audre Lorde; in: Macht und Sinnlichkeit ([1983] 1986), S. 109

Abbildung: rawpixel.com

Auf der Denkumenta 2019 gab es in der PowerPoint-Präsentation eines Vortrags symbolische Abbildungen von Menschen. Nach dem Vortrag wurde angemerkt, dass zum einen viel mehr Männersymbole genutzt worden waren, obwohl Frauen gleichermaßen oder sogar mehr gemeint waren. In dem dabei entstehenden lachenden Meinungsgewühl rief plötzlich eine Teilnehmerin: “Und der Kopf muss an den Körper ran!” Sie bezog sich darauf, dass Symbole in der Präsentation verwendet wurden, bei welchen der Kopf ein paar Millimeter über dem restlichen Körper schwebt. Der Einwurf wurde mit viel Zustimmung und weiterem Lachen quittiert. Er ist für mich zu einer Art Symbol geworden immer dann, wenn ich über das Verhältnis zwischen Wissen und Verstehen und Handeln nachdenke. Wir wird Wissen in Verstehen umgewandelt, entsteht Letzteres überhaupt notwendigerweise aus Ersterem, und welches Wissen bringt Menschen ins Handeln?

Ich fühle, also kann ich frei sein (Audre Lorde)

Ich erinnerte mich an einige interessante Aussagen zu Wissen und Verstehen von Audre Lorde, die ich in dem kleinen Büchlein Macht und Sinnlichkeit (1983) vor einiger Zeit gelesen hatte. Und ich las ergänzend dazu noch ihren Artikel “Vom Nutzen der Erotik: Erotik als Macht” (In: Sister Outsider 2021). Sie unterscheidet zwischen “Belege”-Wissen einerseits und einem “echten” oder auch “intuitiven” und “spontanen” Wissen andererseits. Letzteres zeige sich beispielsweise “in der Aussage, etwas fühle sich ‘richtig an’; dieses Gefühl ist das erste und hellste Licht auf dem Weg zum Verstehen.” (“Vom Nutzen der Erotik”, S. 55)

Das “spontane”, “intuitive”, oder auch das “echte” Wissen ist der Wahrnehmung nahe. Über diese Art von Wissen schreibt sie weiter: “[Das Denken] war wirklich ein mysteriöser Vorgang für mich. Und letztlich einer, dem ich misstraute, weil ich gesehen hatte, wie viele Irrtümer in seinem Namen begangen wurden – und so hatte ich den Respekt dafür verloren. Auf der anderen Seite macht mir das Denken aber auch Angst, denn inzwischen war ich zu einigen unausweichlichen Schlussfolgerungen oder Überzeugungen über mein eigenes Leben und meine Gefühle gelangt, die dem Denken spotteten. Und ich war nicht bereit, sie aufzugeben. Sie waren zu kostbar für mich. Sie waren mein Leben. Nur dass ich sie nicht analysieren und verstehen konnte, weil sie nicht die Art und Logik ergaben, die ich – nach allem, was man mich gelehrt hatte – vom Verstehen erwarten durfte. Es gab Dinge, die ich wusste und nicht ausdrücken konnte – ich konnte über sie nichts sagen, aber ich wusste sie. Nur verstehen konnte ich sie nicht. ” (Macht und Sinnlichkeit, S.34)

Ich denke, auch Peter Levine, Biologe, Physiker, Psychologe und Traumaforscher, bezieht sich auf dieses Wissen, wenn er schreibt: “Wenn wir Kinder fröhlich miteinander spielen oder morgens Tautropfen auf einem Grashalm funkeln sehen, wissen wir […] auch ohne Erläuterungen eines Nobelpreisträgers, dass das Leben mehr ist als lediglich die Summe seiner chemischen und physikalischen Teile. Doch woher wissen wir das? Wir wissen es, weil wir es fühlen. Wir fühlen in einem vitalen, empfindenden, pulsierenden, wissenden Körper, was es heißt, lebendig und real zu sein. Wir erfahren uns als lebendige Organismen.” (Sprache ohne Worte, S. 347; Hervorh.i.O.)

Dieses “echte”, “spontane” oder auch “gefühlte” Wissen würde ich im ganzen Körper verorten; so wie auch das entsprechende Verstehen keinen richtigen Sitz hat; es sind vielmehr Körper-Nomaden, unruhig, immer auf der Suche, ein dynamischer, fluider, immer in Bewegung befindlicher Strom an Empfindungen und Gedanken von der Kopfdecke bis zur Fußsohle. Um etwas verstehen zu können, muss in meinem Verständnis der ganze Körper befragt werden; Wissen muss also auf die Reise durch den Körper geschickt werden.

“Echtes” Wissen und Verstehen brauchen Intuition und das vielgerühmte Bauchgefühl. Intuition aber wiederum bildet sich unter anderem aus vorgänglich durch den Körper geschickten Verstehensprozessen und merkt sich unter anderem auch Körperbeschlüsse, die von vielen Körperorten über die gesamte bisherige Lebensdauer als “gut und richtig” befunden wurden.

Peter Levine schreibt zu Intuition und Bauchgefühl: “Wir alle haben in unserem Leben schon einmal die Erfahrung gemacht, dass wir etwas ‘aus dem Bauch heraus wussten’. Ohne dass die Dinge einen ‘logischen’ Sinn ergaben, ja, oft sogar jeder Logik widersprachen, wusste wir einfach, dass sie richtig waren. Wenn wir diesem Bauchinstinkt nicht folgten, hatte das oft unangenehme Folgen. Wir bezeichnen diese Form der Vorahnung als ‘Intuition’. Ich glaube, Intuition beruht auf der nahtlosen Verbindung von instinktiven Körperreaktionen und Gedanken, inneren Bildern und Wahrnehmungen. Wie dieses ganzheitliche ‘Denken’ funktioniert, bleibt (obwohl es darüber viele Spekulationen gibt) ein Mysterium, was auch in den Schriften des homöopathischen Arztes Dr. Rajan Sankaran deutlich wird: ‘Empfindung ist der Verbindungspunkt zwischen Geist und Körper, der Punkt, an dem physische und mentale Phänomene dieselbe Sprache sprechen, wo die Grenzen zwischen diesen beiden Reichen fallen und man tatsächlich wahrnehmen kann, was für das ganze Wesen wahr ist.’ Das ist die Essenz tiefer Intuition.” (Sprache ohne Worte (2010), S. 340)

Ich denke, also bin ich

Abbildung: flaticon

Mit dem “Belege”-Wissen verhält es sich anders. In einer meiner sehr einfachen und sicher pauschalisierten Vorstellung ist der Sitz des “Belege”-Wissens zunächst einmal ausschließlich der Kopf. Auch Wissensaneignung spielt sich im Kopf ab. Und “Belege”-Wissen ist auch nicht immer “gut und richtig”; Wissenschaft unterliegt Mythos und Ideologisierung, das hat u.a. Evelyn Fox Keller in Liebe, Macht und Erkenntnis (1985) eindrücklich herausgearbeitet. Wahrscheinlich meinen wir auch eher dieses “Belege”-Wissen, wenn wir sagen, “Wissen ist Macht”, denn es sind gerade diese Wissensformen, das als kulturelles Kapital und (machtvolles) Distinktionsmittel genutzt werden.

Und deswegen möchten die meisten Menschen gern viel wissen. Die Klimakrise, um die es mir – wie schon öfter zuvor in meinen Texten und sicherlich auch nicht das letzte Mal – gehen wird, ist von einer so motivierten Wissensaneignung nicht ausgeschlossen. Meine Unruhe resultiert aus einem Nichtverstehen folgenden Moments: Wenn ich an Ver- und Bekannte und Freund*innen, die nicht in irgendeiner Form klimaaktiv sind, Informationen, Texte, News, wasauchimmer zur Klimakrise weiterleite oder sich im Verlaufe einer Unterhaltung ein Klimathema ergibt, dann bekomme ich oft eine Rückmeldung dieser Art: “Ja, das habe ich schon gelesen” oder “Ja, das weiß ich schon”. Und interessanterweise ist es dann oft so, dass jene, die am meisten über die Klimakrise wissen – oft mehr als ich – am wenigsten mit mir über die Möglichkeiten eines eigenen politischen Handelns und somit körperlichen Involviertwerdens nachdenken wollen.

Das Gespräch verläuft sich zumeist dann, wenn alles Wissen erschöpfend ausgetauscht wurde. Manchmal frage ich in diese Stille am Ende hinein, warum dieses Wissen die Person nicht aktiviert. Dann kommt meistens – oft im Rechtfertigungsmodus – eine lange Auflistung all der Dinge, die die Person im Privaten schon macht; oder warum es gar nichts (mehr) bringt, etwas zu tun; oder warum es der Person nicht möglich ist, aktiv zu werden; oder warum es nicht ihre Aufgabe, sondern “Aufgabe der Politik” sei, etwas zu tun. Symptomatisch hierfür ist folgendes Erlebnis: Einmal fragte ich zwei mir bekannte Jungs im Alter von etwa 10 und 12 Jahren, ob sie mit zum globalen Klimastreik am Freitag kämen. Sie hatten eigentlich leuchtende Augen, aber sie drucksten herum, bis ihre Mutter hinzukam und meinte, sie müssten erstmal lernen, den Müll ordentlich zu trennen, bis sie auf eine FFF-Demo gehen dürften.

“Ich bin links/grün” versus “Ich kämpfe für …”

Dazu passt, was Dietmar Dath über sich politisch “links” (und “grün”, würde ich ergänzen) einordnende Menschen schreibt:

“Die eigentlich öffentlichen Belange, etwa die politischen, aber werden zu Fragen des Innenlebens, der Einstellung, des Gefühls etc. umgebogen, sodass die vom Syndrom betroffenen Menschen auch gegenüber politisch tätigen Leuten, etwa Entscheidungsträgern und Machthabern, die Sorte Verhältnis pflegen, die bei Freud zwischen Introjektionen und Ich-Instanzen, Projektionen, Übertragungen, Fantasien und libidinösen Energien waltet. Es kommt also etwa darauf an, dass ich mein ökologisches Bewusstsein durch das Auswaschen meines Joghurtbechers demonstriere, und der Einwand, dass niemand so viele Joghurtbecher auswaschen kann, dass es nicht mehr nötig wäre, große Chemiefirmen daran zu hindern, den Planeten in einem Ausmaß zu versauen, das keine individuelle Ökobußübung ausgleichen kann (und wären alle Kleinbürgerinnen und Kleinbürger damit beschäftigt), erreicht mich gar nicht mehr. Eine Partei wie die GRÜNEN ist zunächst ein Gefühl, die Stimmung eines Milieus, keine Organisation zur Durchsetzung eines Programms, sonst hätte sie spätestens nach ihrer ersten bundesdeutschen Regierungsbeteiligung bei ihrer Stammwählerschaft erledigt sein müssen, als aus ‘ökologisch, sozial, gewaltfrei’ geworden war: Dosenpfand, Hartz IV, erster Kriegseinsatz der Bundeswehr. Was diese Leute tun, ist egal, solange sie das bleiben, was sie sind – die Zustimmungsempfangseinrichtungen anderer, die ‘links sind’, müssen auch ‘links sein’, mehr und anderes ist nicht verlangt, […].” (Niegeschichte, S. 460)

Zuvor beschreibt er, was heute “links sein” bedeutet:

“Man sagt […], ‘ich bin links’ statt ‘ich kämpfe für den Sozialismus’, und auch wenn Letzteres nicht unbedingt klüger oder wirklichkeitshaltiger war, weil es zum Beispiel oft nicht mehr bedeutete, als dass jemand Zeitungsartikel oder Flugblätter schreibt, Demonstrationen besucht und an Diskussionen teilnimmt, so kennt es doch noch einen Unterschied zwischen einer Person, einem sachlichen Ziel (‘Sozialismus’), während ‘ich bin links’ das alles loslässt und sich die Erlösung vom irdischen Übel nach dem Muster der buddhistischen Auflösung der leidenden Person im Nirwana zu denken scheint, im ‘Sein’ eben, wie der Nazibuddhist Martin Heidegger seine eigene Gouache aus ineinander verschmierten Inner und Outer Space nannte.” Dath spricht bei dieser “Verwandlung” von “für den Sozialismus kämpfen” zu “Linkssein” von einem “Zusammenbruch der Vermittlung”; Ziel dieses Zusammenbruchs sei “Leidensablass, Überwindung dessen, was man kaum aushält, nämlich, dass man sehr viel weiß, aber nichts tun kann – Aufklärung wird Mythos, sagen Adorno und Horkheimer dazu” (Niegeschichte, S. 459).

Und auch Dietmar Dath bringt sodann noch die psychologische Ebene rein, indem er mit Leon Festinger von “kognitiven Dissonanzen” spricht, “die reduziert werden müssen, wenn eine Vermittlung von Außen und Innen, Handeln und Wissen nicht mehr gelingt.” (Niegeschichte, S. 462)

Peter Levine befasst sich auch mit der Unfähigkeit von Menschen, tief ins Innere ihres Körpers hineinzuspüren, was zu einer Entkörperung führt, wodurch wiederum die Grundinstinkte verzerrt werden können (vgl. Sprache ohne Worte, S. 343). Wenn er davon spricht, dass die (betroffenen) Menschen dann zu einer Verkörperung zurückfinden müssen, muss ich spontan an Donna Haraways Aufruf zur (Wieder-)Verweltlichung denken (hier schrieb ich u.a. darüber). Das Ganze sehen und fühlen zu können, betrifft eben nicht nur die Welt, sondern auch den eigenen Körper.

Für mich zeigt sich diese Form des Zusammenbruchs der Vermittlung in dem schulterzuckenden Endes des Gesprächs zur Klimakrise. Denn meinem Empfinden nach müsste der Inhalt des Besprochenen einen Sturm auslösen, heiß und unruhig müsste es werden im Körper, unter den Füßen, in eine Aufbruchstimmung führen.

Allerdings ist sicher richtig – aber das betrachte ich in diesem Artikel nicht –, dass viele Ausreden keine Ausreden sind. Woher sollen z.B. Mütter von Klein- und mittelgroßen Kindern neben Lohnarbeit; Hausarbeit und Pflege der Partner*innen- und Freund*innenschaften noch die Zeit und Kraft hernehmen, um in der Klimabewegung aktiv zu werden? Ich habe in den letzten zwei Jahren viele daran scheitern sehen; es lag oft nicht am Willen, sondern daran, keine Superwoman zu sein. Jeder Versuch – egal wie lang er manchmal gut geht – wird irgendwann mit Burnout-Formen quittiert. Das Problem ist längst erkannt; zuletzt hat Gabriele Winker den Zusammenhang zwischen Care und Klima verdeutlicht (hier habe ich eine Zusammenfassung ihres Buches geschrieben).

Das Fehlen von Zeit und Energie sind aber eben nicht die einzigen Gründe, warum nicht in den Aktivmodus gewechselt wird. Immerhin gibt es ja auch viele Menschen im Rentenalter, die durchaus Zeit und Energie aufbringen könnten. Und wenn junge oder mittelalte Menschen – durchaus auch in der beruflichen und familiären Rush Hour des Lebens – erleben würden, dass Klimaaktivismus für sie möglicherweise mehr self care- Gefühle weckt als eine kerzenreiche Badewannensession, dann könnten auch sie Wege ins politische Aktivsein finden. Ich will beides aber nicht gegeneinander ausspielen (viel lieber würde ich dann ja einige bullshittige Lohnarbeiten in Frage stellen wollen), nur möchte ich darauf hinweisen, dass derartiges politisches Engagement nicht nur Energie kostet und noch eine Badewannensession extra vonnöten macht, sondern dass bei richtiger Tätigkeit und netter Gruppe so viel Liebe und Glück fühlbar wird, dass es die Glücksgefühle von self care-Momenten sogar übertrumpfen kann.

Als könnte man das Leben auf die eine Art betrachten und auf die andere Weise leben (Audre Lorde)

Ich nähere mich noch einmal dieser “zusammengebrochenen Vermittlung zwischen Wissen und Handeln”, die mich interessiert: wie lässt sie sich thematisieren? Oder erstmal so gefragt: Wozu dient den Menschen eigentlich die Aneignung von Faktenwissen zur Klimakrise, wenn es nichts direkt mit ihrer Lohnarbeit zu tun hat? Mein Eindruck ist, dass sich viele Menschen ein oftmals dezidiertes Detailwissen wie eine Art kulturelles, intellektuelles Schutzschild umlegen, das sie vor tieferen Tauchgängen in von ihnen wirklich wahrgenommenen, also gefühlten Sphären des Politischen schützt, so kommt es mir vor, á la “Ich weiß das alles, also do not touch me!”

Audre Lorde sagt in dem Interview mit Adrienne Rich in Macht und Sinnlichkeit: “[…] Belege helfen nicht wahrnehmen. Sie helfen dir bestenfalls, Wahrnehmungen zu analysieren. Und schlimmstenfalls schirmen sie dich davor ab, dich auf deine eigentliche Eingebung zu konzentrieren und ihr in die Tiefe zu folgen, um zu sehen, wie sie sich wirklich anfühlt. Wieder einmal Wissen und Verstehen! Sie können Hand in Hand gehen, aber sie ersetzen sich nicht.” (S. 53) Dieses Wissen könne zu Scheuklappen führen und nutzlos sein. Braucht es also ein detailliertes Faktenwissen zur Klimakrise gar nicht, um Prozesse des Verstehens und Handelns im Körper auszulösen?, wäre dann die provokative Frage. Und was dann?

Ich gehe noch einmal von mir aus: Ich eigne mir Wissen aus unterschiedlichen Motivationen heraus an. Manches eigne ich mir mit Leidenschaft und Liebe und aus einem inneren Drang heraus an, und dieses Wissen bereichert mich dann in der Art, dass es mein emotionales und mentales und kognitives Fundament vergrößert und zumeist mein “echtes”, “intuitives” Wissen stützt. Und anderes Wissen eigne ich mir an, weil ich es für die Arbeit brauche, weil es gerade aktuell ist, weil alle Freund*innen eine Meinung dazu haben, also muss/will ich das auch; oder weil ich up to date sein will oder sein muss; oder weil ich auch wirklich das Thema “ganz generell” wichtig finde, auch wenn es mich nicht im Innersten berührt.

So gesehen gehen übrigens auch das faktenbasierte Klimakrisenwissen und ich eine sehr ungünstige Allianz ein: ich möchte mir das Wissen eigentlich nicht aneignen. Zum einen belastet mich das Wissen um die Zerstörung sehr und lässt mich oft eher in depressive, passive als in aktivierende Moods und Modi fallen. Zum anderen mag ich es einfach nicht, Sachen, Fakten, aber auch Argumente, Rhetorik, Regeln auswendig zu lernen. Ich habe dann immer das (an Schule und die nervigen Seiten vom Studium erinnernde) Gefühl, ich müsste für eine Klausur lernen, und die Lerninhalte interessieren mich nur für eine gute Note oder für’s Bestehen, darüber hinaus – etwa “für’s ganze Leben” – sicher nicht. Da ich als eine Parents for Future im September auf einer Podiumsdiskussion eingeladen bin, überlege ich mal wieder, ob ich einen von den For-Future-Bewegungen angebotenen Workshop besuche, in welchen Aktivisti lernen, mit Politiker*innen zu sprechen. Manchmal darf ich nicht genauer darüber nachdenken, wie absurd mir das eigentlich vorkommt. Ich schrieb schon einmal in einem anderen Zusammenhang über “die Sprache als Waffe”, und sehr viel in mir rebelliert gegen diese Art von Sprachverwendung.

Und ich habe mich auch schon öfter gefragt, was das denn eigentlich für meine Wissensvermittlung auf der Straße zum Beispiel zu bedeuten hat, wenn ich dort mit Wissen hantiere, das schon ich mir ungern aneigne, und wie ich denn dann wirksam und “von Herzen” die Inhalte anderen Menschen so vermitteln soll, dass sie im besten Falle aktiv werden.

Die Mobilmachung der Happyland-Systemgrenzen

Was passiert, wenn “Belege”-Wissen und “echtes” Wissen im Sinne Audre Lordes aufeinandertreffen? Zum einen kann es sein, dass das Fakten- oder “Belege”-Wissen diesem meinem “echten” Wissen attestiert, dass es “falsch” ist. Audre Lorde sagt, dass genau dieses Attest, dieses Sich-nicht-Wiederfinden in der sie umgebenden Realität zu einer jahrelangen Sprachlosigkeit geführt hat. In “Vom Nutzen der Erotik” schreibt sie, dass wir gelernt haben, “das Tiefste in uns mit Misstrauen zu betrachten. Genau auf diese Weise lernen wir, uns gegen uns selbst zu stellen – gegen unsere Gefühle.” (S.50)

Das “Belege”-Wissen um die Klimakrise widerspricht aber nun meinem “echten” Wissen nicht; es bestätigt dieses vielmehr. Es sagt laut und deutlich: Die Klimakrise ist mitten unter uns. Es sagt mir, dass unsere Art zu leben unsere Lebensgrundlagen zerstört. Nun frage ich mich, wie das “intuitive”, “echte” Wissen anderer Menschen auf das “Belege”-Wissen reagiert. Ich habe das Gefühl, die kognitive Dissonanz entsteht dadurch, dass viele ihr “echtes” Wissen nicht gern zu diesem Faktenwissen in Beziehung setzen möchten; sie müssten das Faktenwissen dafür ja auf die Reise durch den Körper schicken – u.a. auch zum “echten” Wissen. Das gibt ihnen das Gefühl, dass Kopf und Körper überfordert würden. Das wäre wahrscheinlich auch nicht nur ein Gefühl, sondern diese Wissensreise könnte tatsächlich zu Übelkeit usw., aber dann auch zu einer Mobilisierung und zu Veränderungswillen führen. Damit genau das nicht passiert, geschieht hier die ungesunde Aufspaltung; der Kopf wird also fein säuberlich vom Körper getrennt. Das Wissen – sollte es einmal aus Versehen den Weg in den Körper gefunden haben – wird wieder relativ gewaltvoll aus dem Körper gezerrt und zurück in die hinterste Kopfschublade gestopft und einmal mehr mit einem Zettelchen versehen: “Bitte zukünftig nicht mehr durch den Körper schicken, bitte jegliche womöglich wiederauftretenden Sende-Informationen ignorieren, verzerren, vergleichgültigen, relativieren, … Im Namen der Gesundheit und des Willens zum Verbleib in Happyland (ich entlehne den Begriff von Tupoka Ogette aus Exit Racism).”

Entscheiden sie sich dann doch anders und wollen das Faktenwissen mit ihrem echten Wissen in Einklang bringen, so stoßen sie nun plötzlich an bisher nie erfahrene und wahrgenommene, aber weiterbestehende Happyland-Systemgrenzen. Und diese Grenzen machen massiv mobil: sie versuchen von nun an, die Sich-verändern-Wollenden immer wieder hübsch in ihre althergebrachte Systemlaufbahn zurück in der Systemmitte zu bringen. Wer hat die Energie und den Mut und die (auch finanziellen) Ressourcen und dazu noch einen Ideenkatalog, auf dem “Strom drauf” ist (siehe “Begehren” im ABC des guten Lebens, hier eine Rezension von Chiara Zamboni), um gegen diese sich in allen Lebensbereichen abspielende Mobilmachung anzugehen?

Das echte und das metaphorische (un-)bequeme Bett

Seit ich vor etwa zwei Jahren ein paar Bücher von und über Alexandra Kollontai gelesen habe, muss ich ständig über folgende Aussage einer ihrer Protagonistinnen – sicher hieß sie Wadja – nachdenken (ich habe lange in meinen Büchern von ihr gesucht; leider habe ich diese Stelle nicht wiedergefunden; ich nehme daher an, es war ein ausgeliehenes Buch): diese sagt bei Betrachtung ihres unbequemen, Schmerzen verursachenden Bettes, dass sie sich dennoch kein bequemes Bett wünscht, weil sie sonst nicht davon hochkäme und nicht kämpfen würde für den Sozialismus. “Sozialismus” bedeutete für sie, für ein gutes Leben für alle Würdeträger*innen dieser Welt zu kämpfen. Das hatte mich nicht nur deshalb so stark berührt und zwickt und knapst seitdem ständig an mir, weil ich just, als ich das Buch las, mit meinem Mann ein wahnsinnig großes und bequemes Bett gekauft hatte. Schon allein deswegen habe ich ihr in den letzten zwei Jahren widersprochen: “Nein Wadja, der Mensch braucht ein bequemes Bett, denn nur mit gutem Schlaf und tiefen, mir so wichtigen Träumen sind gute energiegeladene Taten und Tätigkeiten am Tag möglich! Und außerdem, bei mir ist das so: je bequemer das Bett, desto länger kann ich darin umso unbequemere Bücher lesen und seltsame Gedanken denken!” Und dann sehe ich aber im wohlhabenden, westlichen Teil der Welt all die bequemen Betten, Sofas, Autositze, Flugzeugsitze, Bürostühle, Bürobälle, bequeme Sitzgelegenheiten… überall!! Sitzen und schlafen wir vielleicht doch viel zu bequem, um uns die weltbewegenden Fragen von dort aus wirklich nicht mehr stellen und bearbeiten zu können? Hat Wadja recht?

Wie um mir für diesen Artikel noch einen Gefallen zu tun, hat auch Audre Lorde in “Vom Nutzen der Erotik” das Bett erwähnt, sie schreibt: “Unser gesamtes Tun zielt darauf ab, unser Leben und das unserer Kinder zu erleichtern und zu bereichern. Indem ich das Erotische in all meinen Bemühungen feiere, wird meine Arbeit zu einer bewussten Erfahrung, zu einem langersehnten Bett, in das ich mich dankbar hineinlege und aus dem ich ermächtigt wieder aufstehe.” (S. 53) Die Arbeit an der bewussten Erfahrung, am echten Wissen, wird also zu einem metaphorischen Bett. Die harte Arbeit, von der Alexandra Kollontai Wadja sprechen lässt, ist bei Audre das Bett. Und diese Arbeit ist zwar sicher auch für Wadja voller Erotik, aber sie kann eben auch unbequem und ungemütlich sein, so wie ihr echtes Bett. So gesehen ergänzen sich die beiden Denker- und Versteher- und Handlerinnen: es ist zunächst einmal unbequem, Körpererfahrungen und “echtes” Wissen zuzulassen und dann aktiv zu werden. Aber wenn diese Hürde genommen ist, werden wir das Zulassen der Verbindung zwischen den beiden Wissensformen, zwischen “Geist und Körper”, wie es Peter Levine und Rajan Sankaran ausdrücken, und die daraus entstehenden Erfahrungen als “langersehntes Bett” empfinden.

Peter Levine schreibt passend hierzu: “Wenn wir unserem Körper Aufmerksamkeit schenken, wenden wir das beste Werkzeug an, das uns für die Auflösung verschiedenster körperlicher, emotionaler und psychischer Symptome zur Verfügung steht. Solche eine ‘Kur’ ist jedoch keine Behandlung im traditionellen Sinne. Es geht hier nicht um die bloße Linderung von Beschwerden, sondern vielmehr um das Einlassen auf Bereiche unseres Seins, die uns fremd sind und mit denen wir uns lieber nicht beschäftigen wollen – Teile von uns, von denen wir uns abgeschnitten haben und die wir an irgendeinem Punkt unseres Lebens ‘beschlossen’ haben, aus unserer Sicht zu verbannen und nicht mehr daran zu rühren. Sie verbergen sich in der Welt der ‘Nicht-Erfahrung.” (Sprache ohne Worte, S. 352)

Klimakatastrophe ok, aber bitte mit Sahne

Viele sagen, es müsse erst wieder ein Katastrophe kommen, dann würde es wieder mehr Menschen in der satten, westlichen Welt geben, die ihre bequemen Betten für die Arbeit an “echtem”, “spontanem”, “intuitivem” Wissen nutzen. Wenn ihr Haus in den Fluten versinkt oder die Wohnung im Dachgeschoss wegen Hitze nicht mehr bewohnbar ist (2050 wird es in der Region um Stuttgart ca. siebzig Tage im Jahr wärmer als 30 Grad werden, hier nachzuhören – der Beitragstitel ist passenderweise “Es wird bald sehr ungemütlich werden” –; gut geeignet, um das “Belege”-Wissen zur Klimakrise weiter auszubauen), dann nutzt auch kein bequemes Bett darin, dann wird es ganz unmetaphorisch richtig unbequem und ungemütlich. Gibt es keine Möglichkeit, dass es uns in unseren gemütlichen, weich ausstaffierten Wohn-, Arbeits- und sonstigen Wirkstätten schon vor irgendwelchen Katastrophen piekst und knapst und zwickt und stößt und drückt und quetscht, sodass wir uns stöhnend erheben und sagen: “Na gut! Okay! Dann lasst uns die Transformation halt aktiv gestalten, statt dass uns die Katastrophe überrollt und wir in Chaos, Krieg und Not geraten.”

Dann denke ich an Doris Lessings Memoiren einer Überlebenden und dass die Protagonistin dort jeden Zustand, und wurde er auch noch so unerträglich, “einfach so” weiter ertragen hat, und gegen keine Verschlimmerung der Situation je aufbegehrt hat, sondern sie sehr schnell als “neue Normalität” akzeptiert hat, in ihr kognitives Dissonanznetz hineinweben konnte, bis es plötzlich wirklich nur noch um das nackte Überleben ging. Das stimmt mich nicht gerade optimistisch. Auch weil ich genau das aktuell beobachte, wenn ich mir anschaue, wie die Corona-Krise zwar im weiten Feld des “Belege”-Wissens schon mit der Umwelt- und Klimakrise verbunden wurde, aber dies bisher trotzdem nicht zum Wendemanöver führt. Lieber glaubt die kognitive Dissonanz in unseren Körpern, dass wo Klimapolitik draufsteht, auch Klimapolitik drin sein wird, aber doch bitte mit Sahne, also äh vereinbar mit meinem business as usual vor Corona please. Das kann ich doch haben, oder? Und wenn nicht, dann bist du Schuld, Politiker*in, Partei, weroderwasauchimmerichjedenfallsnicht, weil du hast “Klimapolitik” gesagt und es dann nicht gemacht. Der Schuss, er wird nicht gehört, er ertönt nicht im Körper. Wir sind in Doris Lessings Roman, wir sind längst die Frau, um uns herum das sichtbar zerfallende Reale; aber unser Bett ist immer noch zu bequem, und ganz plötzlich, schleichend, dunkel war’s, der Mond schien helle, für die einen heute und für die anderen morgen, wird es von gestern an über die nächsten Jahrzehnte ums nackte Überleben gehen.

Ich wünsche mir, dass es vorbeigeht mit der kognitiven-Dissonanz-Manager*in, der “Ich-bin-links”-Kopfträger*in. Der Kopf soll bei allen an den Körper, endlich verbunden, endlich in Bewegung, Schubladen fallen auf und zu, bis dato fein säuberlich voneinander getrennt aufbewahrte Denkbereiche purzeln durcheinander, zersplittern, Türen ziehen sich zusammen, das entstehende Chaos und das wieder Neu-Zusammensetzen ist produktiv und sinnvoll usw. usf. Hier beginnt Politik, hier entsteht sie, das ist ihre Quelle.

Das Bild (von) der Frau

Gekritzel fragezeichen Kostenlosen Vektoren
Abbildung: rocketpixel

Eine Anmerkung zu einer (kostenlosen) Grafik, die ich gerne an dieser Stelle gehabt hätte, die ich aber in über neunzig Minuten im www nicht gefunden habe: Ich wollte eine weibliche Person, die “den Kopf am Körper hat”, zudem keinem Klischee oder sonst einem Bild entspricht, das ich nicht will (also: keine Hackenschuhe, nicht im BH oder nackig, keine Businessfrau, nicht romantisch verliebt, keine curvysexy Posen, nix zu Gesundheit oder Diät, nix mit Yoga oder Meditation, nicht zu kitschig, ….), aber ich bin NICHT fündig geworden; keine hat meinen Ansprüchen genügt, und mehr Zeit wollte ich für die Suche nicht aufbringen. Deswegen habe ich mich an dieser Stelle für simple Fragezeichen entschieden; und weil ich zum Abschluss – schöne Überleitung – noch Fragen habe an euch Leser*innen.

Ich bin mir dabei bewusst, dass bei den Fragen der Eindruck entstehen könnte, dass es so klingt wie: Meine Aktivseinsformen = richtig und gut; alle anderen = dösig und joghurtbecherisch. Aber die Fragen sind teils in Präteritum und Präsenz formuliert; mich interessieren einfach eure Erfahrungen dazu sehr, und momentan finde ich keine andere Form als die, diese Fragen zu stellen, ich hoffe, ihr verzeiht. Wenn ihr sie als zu aufdringlich und lehrerinnenmäßig empfindet, dann einfach überspringen und noch das Ende lesen.

Wie hältst du es insgesamt mit dem Klimakrisenwissen? Gibt es verschiedene Orte zum Klimakrisenwissen bei dir im Körper?/ Wie läuft bei dir körperliches Verstehen der Klimakrise ab?

Brauchst/bräuchtest du körperliches Erleben, um aktiv werden zu können? Oder reicht/e dir das “Belege”-Wissen im Kopf, um aktiv zu werden/geworden zu sein?

Was fehlt dir aktuell, oder was müsste geschehen, damit die Klimakrisenfrage in aller Konsequenz von dir bearbeitet würde? “In aller Konsequenz” bedeutet für mich: Sie so weit verstanden zu haben, dass dir klar geworden ist, dass auch du politische (und nicht nur joghurtbecherauswaschende) Aktivseinswege finden musst? Und welche Aktivseinsformen hast du/könntest du dir vorstellen?

Und an Klimaaktivist*innen habe ich noch speziell folgende Frage: Die Klimabewegung fährt in ihrem Versuch, Menschen zu überzeugen/Menschen die Klimakrise zu vermitteln, immer noch so auf Wissenschaft und Technokratie ab; fokussiert sich also sehr darauf, die Menschen durch “Belege” und machbare technische Lösungen abzuholen. Aber wie Audre schon sagte: “Belege helfen nicht wahrnehmen.” Was machen wir mit dieser Erkenntnis?

Ich überlasse Aurde Lorde die letzten Worte:

“Diese archaische Angst vor der totalen Realität einer Macht, die gegen dich ist… […] Wie lässt du dich auf eine zutiefst bedrohliche Andersartigkeit ein, ohne getötet zu werden oder zu töten? Wie gehst du um mit Dingen, an die du glaubst – wie lebst du sie nicht als Theorie, nicht einmal als Emotion, sondern auf der direkten Linie von Handeln, etwas bewirken, Veränderung schaffen? […] [Es ist] absolut schwierig, aber absolut entscheidend, sich zu stellen, zu tun, was getan werden musste, immer und überall – und dass es den schlimmsten Tod bedeutete, es nicht zu tun! Sich zu stellen, ist, als würdest du ein Stück deiner selbst töten, in dem Sinn, dass du etwas Vertrautes und Verlässliches töten, beenden, zerstören musst, damit etwas Neues in dir selbst und in unserer Welt entstehen kann. […] Wenn du erst einmal irgendeinen Teil deiner Vision auslebst, setzt es dich fortwährenden Übergriffen aus – von Notwendigkeiten, von Horrorgefühlen, aber auch von Wunderbarem, […] von wirklich Wunderbarem und von Möglichkeiten! Wie Meteorschauer, ständig ein Bombardement – das Aufgehen immer neuer Zusammenhänge… Und dann der Versuch, das, was für dich zum Überleben nützlich ist, von dem zu trennen, was eine Verfälschung und für dein eigentliches Selbst zerstörerisch ist.” (Macht und Sinnlichkeit, S. 57f.)

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Als ich den Titel las, wusste ich, das kann nur von Dir sein. Du spannst einen weiten tiefen Bogen, lässt Spielraum und fixierst uns in eine Klemme ( die wahrscheinlich noch nicht weh genug macht). Holst Audre und andere in das „intervitale Gespräch „ (ich zitiere Dich damit) und legst einzelne Worte auf den Tisch, wie Karten, von denen Du jeweils die eine und andere Seite mit in den Tag und/oder ins Bett nehmen kannst. Um etwas mit mir werden zu können und zu wollen. Radikal könnten Eltern hineinfühlen, gefragt werden, ob sie das bequeme Bett mehr lieben als ihre Kinder und deren körperliche Zukunft. Wer traut sich in diese Sprachlosigkeit, wie Audre ( ich kenne sie) , wenn Du Deine wirkliche Macht (Power), dessen wer Du bist, wie Du fühlst und liebst, so empfindest, als seist Du die Schöpfung selbst und voller vitaler Ideen. Und alles abprallt und die schönsten Worte und Wahr- Gebungen ins Leere laufen, in diese graue Masse von „Belegten“. Es gab einen Tag wo ich nicht mehr ins Auto steigen wollte und weinte, weil mir körperlich bewusst wurde, was der Abrieb der Autoreifen, als Feinstaub mit unseren Grundwasser macht und unserer Luft.
    Ich musste wieder den Schleier davorziehen, um zu starten.

    Täte ich all das, was ich wahrnehme und empfinde und weiß, könnte ich nicht mehr arbeiten gehen und den ganzen Tag so leben (das braucht viel Zeit) der Erde nichts mehr wegzunehmen, sondern konsequent zur Gebenden Regeneration werden. Wie geht das? Dann würde ich keine Rentenpunkte mehr sammeln und suchte nach dem Weg, diese auch nicht mehr zu brauchen, weil Leben mit der Erde und Tieren, Natur, Menschengemeinschaften funktioniert und für alle gesorgt ist.
    Jeder Mensch bringt so eine unverwechselbare Seele mit, deren Ausdruck zu sein, für mich der Sinn ist , auf diesem Planeten zu sein und daraus sprechen zu können. Und unser Club hier, der des Weiterdenkens und von sich selbst ausgehen , von anderen und der weiblichen Freiheit und Souveränität muss, darf, kann gefährliche Fragen stellen, irritierende Antworten anbieten und den ewig gleichen Download derselben Gedanken horizontal der Verstörung auszusetzen, bis Schweigen und Stille einsetzen. Ich hatte mit 16 in einem unbequemen Bett klare Ansagen ( von Oben) , mehrmals ( meine Schwester war ausgezogen und ich hatte endlich Raum) wie alles zusammenhängt, was das Patriarchat bedeutet, Muttersein darin und welcher Weg mir bevorstünde, wenn ich Kinder bekäme, vorallem Jungs.
    Dass ich einen anderen Weg vor mir habe und mich nicht rumschlagen will auf der Ebene, so hab ich entschieden nicht schwanger zu werden, so früh. Ich habe das für als 100 % wahr genommen. Und so schwieg ich viele Jahre, bis ich mit 20 zur Uni ging und Bücher von Audre und vielen anderen fand.

    Was würden wir Kollektiv tun , wenn wir für wahr halten was wir schon wissen? Hören, innen? Fang an bei Dir , was weißt Du und wie radikal verstörend ist es?

    Du sagst es. Danke, dass Du schreibst wie Du schreibst. Und wir entscheiden können, wie wir es hinbekommen in Strukturen zu leben, die unsere Tugenden fördern und abrufen.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Wow, liebe Regina, was für eine Energie und Kraft und Tiefe in deiner Antwort, das haut mich gerade voll um. Ich danke dir sehr… sehr sehr sehr. Ich werde sie noch oft lesen.

  • Christel Pellmann sagt:

    Mit deinem Beitrag sprichst du das brennende und ewig aktuelle Problem an: Warum führt Wissen nicht zu echt wirkungsvollem Handeln.
    Weil das Handeln „mein“ Leben verändern würde, sehr deutlich. Aktivität erzeugt ein gutes Gefühl, doch oft gefolgt von Verzweiflung, Ohnmacht, Enttäuschung bis hin zur persönlichen Befeindung durch Andersdenkende. Das ist gut zu antizipieren und deshalb die ohnmächtige Frage: will ich das fast täglich, ein Verdrängen ist dann kaum noch möglich, man wird zum(r) Aktivist(-in) auf welcher politischen Ebene auch immer, gegen Hunger, Krieg, Klimawandel. Könnte das jeder Mensch, der das Wissen dazu hat? Und außerdem: wenn die Wissensaneignung für die Allgemeinheit so einfach wäre bei so vielen Quellen, die verlockende Verharmlosungen/Verfälschungen beinhalten (scheinbar gut bewiesen…) und geschickt verpackt werden, um Aktivitäten zu behindern, dagegenzuwirken.
    Die Glücksgefühle bei größeren und auch bei bescheideneren Erfolgen in einer politisch organisierten Gruppe sind nicht zu unterschätzen, wie du auch schreibst und diese Organisation ist ein wichtiger Punkt, sie gibt Halt und Kraft. Die Aktiven brauchen die aktuelle Unterstützung der Gleichgesinnten, die, warum auch immer, gleich denken aufgrund ihrer Wissensaneignung, jedoch keine Initiatoren sind, d.h. Gleichgesinnte, die an Demonstrationen teilnehmen, sich für die Ziele in Diskussionen einsetzen und die durch eigenes Handeln ausstrahlen. In sehr kurzer Zeit hat sich hier schon ein Wandel im Denken der Allgemeinheit ergeben. Doch die Zeit drängt, es braucht mehr Aktive, deshalb deine Fragen gegen Ende deines Beitrages, die den Kern treffen. Ich versuche, sie zu beantworten:
    Das Verstehen der Klimakrise mündet bei mir körperlich in tiefsitzender Angst, Schlaflosigkeit, Hoffnung auf den Verstand der Menschen, auf das Gute in ihnen, das sie teilnehmen lassen soll an Veranstaltungen zum Thema. Außerdem, dass sie die „richtige“ Partei wählen und nach außen ihre Meinung vertreten und die wissenschaftlichen Erkenntnisse weitergeben.
    Für mich besteht eigenes Aktivsein darin, mit meiner Auffassung auszustrahlen, mit meinem Wissen aus Kopf und Bauch. Aktivisten wünsche ich mir und unterstütze sie.
    Es mag banal klingen, aber Aktivsein kann jeder dort am besten, wo er arbeitet, diskutiert, sich vergnügt. Wort und Tun in Einheit, einfach und deutlich, so, wie ich es schon mehrfach erlebt habe.
    Ich denke, dass körperliches Erleben nicht unbedingt für das Aktivsein erforderlich ist, ich bräuchte dieses Erleben nicht, allerdings würde es eine Verstärkung erfahren. Aktive Kriegsgegner vor den Weltkriegen benötigten nicht das Kriegserlebnis, um zu handeln. Deren Handeln führte oft in die Verfolgung durch die Kriegsbefürworter und den eigenen Tod. Hier ergibt sich für mich die Frage: warum gab es so wenige Unterstützer? Gibt es gegen den Klimawandel schon genug Unterstützer? Haben die vorhandenen Belege die Menschen erreicht? Wie kann das verbessert werden.
    Der Erkenntnis von Aurde Lorde „Belege helfen nicht wahrnehmen“ kann ich so isoliert gesehen nicht zustimmen, vielleicht liegt es an dem Wort „helfen“, da Belege die absolute Voraussetzung sind, wenn man in einem Land relativ ohne Not lebt. Woher will ich sonst mein Wissen beziehen?
    Wichtig ist, dass die Gegner des Wissens zum Klimawandel nicht stärker werden und ausstrahlen. Deren Motivationen müssen deutlicher bewiesen und dargestellt werden, die in Kapitalsucht, persönlicher Vorteilsnahme irgendeiner Art oder auch Verblendung (manipuliertes, scheinbares Wissen) bestehen. Hier werden noch weit mehr Belege benötigt. Besonders gegen Letzteres kann „jeder“ aktiv etwas unternehmen, überzeugen mit guten Argumenten im eigenen Umfeld.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Christel, vielen vielen Dank für deine Antworten. Es ist komisch zu sagen, aber es tut gut, aus so persönlicher Sicht – nicht etwa aus psychologischen Studien usw. – heraus zu LESEN (mündlich höre ich es oft, aber nicht so ausführlich dargelegt), warum du meinst, dass Menschen das verdrängen.
    Zum Zitat Von Audre Lorde: Es ist natürlich aus einem umfänglichen Kontext gezogen, in welchem sie beschreibt, wie sie zu dem Schluss gekommen ist. Und in dem Artikel schaue ich diesmal nicht auf die, die zu wenig “Belege”-Wissen haben – davon gibt es natürlich wahrscheinlich noch weit mehr – sondern auf jene, die dieses Wissen bereits haben. Wir hatten letztens am Stand eine Person, die meinte, aber CO2 Bräuchte es doch in der Luft, warum wir denn hier stünden und so einen Heckmeck deswegen veranstalten würden. Um diese Menschen ging es mir hier nicht. Denn klar, um Wissen anzulegen, ja, auch um aufzuklären und das Problem zu vermitteln, und in die Köpfe sowie in die Körper zu bringen, dafür stehen wir ja hauptsächlich da. Das Problem ist natürlich da, dass viele “Starkregen” nicht mit “Klimakatastrophe” zusammensetzen KÖNNEN, weil sie das “Belege”-Wissen nicht haben, aber es gibt ja die, die das Wissen haben, und es aber aus verschiedenen Gründen nicht in die Köpfe und Körper bringen wollen und selber auch nicht in ihrem haben wollen. Nur… bleibt halt die Frage… wenn wir Letzteres weiter betreiben, dann werden wir immer weiter in die Katastrophe rutschen. Und vielleicht ist das meine Frage: wie auch ein Armin Laschet z.B. dazu bewegt werden kann, Klimaforschungsergebnisse anzuerkennen, Starkregen direkt mit Klimakatastrophe in Verbindung zu bringen und dann aus diesem Anerkennen uns Aussprechen heraus die Konsequenzen im politischen Handeln zu tragen. Denn in welcher Welt würde er denn gern 2050 oder 2100 leben wollen, in welcher würde er gern Politik machen, Kanzler werden? Wie sickert so ein Denken durch? Wie erreichen wir sie? Denn dieses Durchsickern brauchen wir jetzt so so dringend…

  • Anne Lehnert sagt:

    Hm, auch beim zweiten Lesen bleibe ich an deinen Fragen hängen und weiß nicht, ob meine Handlungen dem Joghurtbecherauswaschen entsprechen – oder darüber hinausgehen… Ich fahre Rad und Bahn statt Auto, auch mit vier Kindern. Das sollte eine meiner politischen Taten sein. Hier im Saarland ist das oft anstrengend, oft auch schön – das merke ich, wenn ich im Auto mitgenommen werde und es dann schade finde, in einer Blechkiste eingesperrt zu sein statt den Wind zu spüren. Bei Regen ist es nochmal anders…
    Was mir schwer fällt, ist, mit anderen darüber zu sprechen, warum ich das tue – und andere dazu zu gewinnen, das auch zu tun. Nacheifern tut mir bisher keine, so scheint mir, und oft fühle ich mich einsam dabei.
    Auch andere Taten, Solawi, Ernährungsgewohnheiten, Einkaufsverhalten – ist das politisch, reicht das? Ich weiß es nicht. Nur dass mir dazu, anderweitig politisch aktiv zu sein bisher Lust und Zeit fehlten.
    Seit 30 Jahren warte ich sozusagen, dass “die anderen” erstens einsehen, was Not tut und zweitens meinem tollen Beispiel folgen – wahrscheinlich ist das doch eher naiv und unpolitisch als Haltung, und natürlich auch überheblich… (Jetzt muss ich schlafen, weil wir morgen mit der Bahn in Urlaub fahren. :-)

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Anne, sehr interessant, was du schreibst. Ich würde Politischsein mittlerweile schon da verorten, wo sich in Gespräche und Begegnungen gewagt wird, in denen politisch relevante Themen verhandelt werden. Wie kann mensch in den eigenen vier Wänden und im eigenen Kopf allein politisch sein? Politische Momente entstehen in gesellschaftliche Begegnungen, geplant und ungeplant; ich würde so z.B. auch ein Gespräch über Klima oder natürlich auch andere Themen am Nachbarszaun als politisch verstehen.

    Ich bin auch mittlerweile kein Fan mehr vom “Vorbildsein”. Das ist ein langer Weg gewesen für mich zu der Erkenntnis. “Vorbildsein” trägt wieder Hierarchie in sich; die Person, die meint, Vorbild zu sein, denkt, sie wäre in einer bestimmten Sache “besser” oder “weiter” und verlangt auch bewusst, andere sollten (wenn sie klug sind, ist ja dem auch irgendwie inhärent) von ihr lernen. Das ist irgendwie… mit dieser Einstellung bin ich nicht gut in Gespräche gekommen. Deswegen hat mir auch der Ansatz der Diotima-Frauen so gefallen, die meinten – jetzt schlecht wiedergegeben – mensch müsse die Leute da abholen, wo sie gerade sind; nur so ist wahrhaftiges Ins-Gespräch-Einlassen und Wahrheit-Finden möglich. Wir bauen alle Mist, keine einzige Person in wohlhabenden westlichen Gefilden kann gerade in irgendeiner Weise CO2-neutral leben, und wir können uns gegenseitig dafür kasteien und uns das vorwerfen: du hier nicht, ich da nicht, aber weniger als du, blablabla. Ich finde das keinen guten Weg. Es ist eine riesige Gesellschaftsaufgabe; individuelles Tun ist da einfach sehr… ja bissn irrelevant. Wir alle gemeinsam, sonst am Ende ja niemand, egal, wieviel die Person im Privaten den fossilen Fußabdruck reduziert. Und wenn es aus mir heraus entsteht, dass ich kein Fleisch mehr essen will, dann gut, dann hilft das auch irgendwie. Aber nur, weil ICH es will oder einfach nicht mehr wie gehabt weitermachen kann, weil Verstehen dann auch von mir privat Veränderung erfordert. Nicht als Vorbild. Sondern es einfach leben, ohne viel Tadamm und ungefragte und ungebetene Lehrstunden drumrum. Das ist teils auch viel eindrücklicher. Ich denke, so berührt mensch andere Menschen eher. Wenn jemensch dann das merkt und fragt, “aber warum isst du eigentlich kein Fleisch mehr?”, dann gehe ich eher auf den Prozess ein, darauf, wie ich dahin gekommen bin und wie ich es auch noch nicht komplett “geschafft” habe, und warum ich mich im Prozess befinde, aber ohne erhobenen Zeigefinger, und auch ohne den unbedingten Willen, mein Gegenüber davon überzeugen zu müssen. So kommen aber wunderbare Gespräche zustande, ganz auf Augenhöhe. Ganz einfach ist das nicht, weil ja die Zeit drängt, und ich merke auch, dass ich von einigen Menschen mehr erwarte als von anderen. Da schaue ich noch, warum das so ist, da bin ich noch in der Analysephase ;).

    Warum fällt das In-Gespräch-Kommen so schwer? Weil es schwer ist. Weil es anstrengend ist. Weil wir diese Art von Gesprächen noch nie geführt haben. Weil es besser und gesünder wäre, wenn es egal wäre, wie das Gegenüber reagiert, aber jetzt geht es um nichts weniger als unsere Lebensgrundlagen. Das ist harter Tobak. Es geht um viel, eigentlich um alles. Wie führe ich so ein Gespräch? Was passiert, wenn mein Gegenüber nicht nur das Gespräch, sondern auch den Kontakt abbricht? Was, wenn ich es falsch angehe, wenn ich “überreagiere”, “zu emotional” werde, doch den Zeigefinger erhebe, obwohl ich mir vorher eingebleut habe, es nicht tun zu wollen usw. Da ist ganz viel Fingerspitzengefühl und sehr viel Praxis vonnöten. Als ich mein erstes “gutes” Gespräch hatte, war ich danach wie high. Ich war total fertig und müde, aber gleichzeitig habe ich ganz viel Energie in Form von Mut und Lust auf neue Gespräche erhalten. Ich war wild darauf zu analysieren, was genau ich diesmal anders gemacht hatte und warum es also funktioniert hatte. Das war aufregend. Ja, den ersten Schritt zu tun, in die Gänge zu kommen, ist schwer. Ich habe darüber ja auch schon geschrieben, wie das bei mir war. Aber es hilft ja nix. Ich habe entschieden, dass ich das tun muss, und da ich es nur tun kann, wenn auch ich Energie bekomme, probiere ich weiterhin aus, was hoffentlich wirksam ist UND mir Spaß macht und mich nicht emotional total fertigmacht. Aber eins ist klar: vorbei an Gesprächen oder Begegnungen welcher Art auch immer komme ich dabei nicht.

    Noch ein Punkt zur Einsamkeit: Ich bin dieser entkommen, weil ich jetzt eine Gruppe habe, mit der ich nicht nur Aktionen plane und durchführe, sondern wir sind füreinander auch eine Art Selbsthilfegruppe. Wir haben alle ähnliche Erfahrungen gemacht von Ignoranz und Gleichgültigkeit um uns herum, aber vor allem von verschiedensten Formen des Verdrängens. Und wir wissen, um was es es jetzt geht und haben Panikattacken usw.; jede/r einzelne von uns. Und das hilft. Wenn eine/r plötzlich losweint, dann wissen wir alle, wie und woher das kommt. Wir können trösten und Beistand geben. Bis ich eine solche Gruppe hatte, und bis dann dieses Vertrauen da war, das hat gedauert. Aber ohne Bewegung, ohne einen Anfang zu machen, wäre ich nicht dahingekommen. Das wichtigste ist: anfangen.

  • Juliane Brumberg sagt:

    Liebe Anne, seit der Artikel erschienen ist, rumort er in mir. Jetzt will ich doch versuchen, Dir eine Antwort zu geben. Eine Ursache, warum ich gern einen Bogen um dieses Thema mache ist, dass ich ein grundsätzlich optimistischer und positiver Mensch bin. Und immer versuche, aus allem Schlimmen und Schweren, das mir begegnet, zu lernen und es über die Zeit in etwas Positives zu verwandeln. Oder, wenn das nicht möglich ist, einen Neuanfang in Erwägung zu ziehen. Nur, bei der Klimakatastrophe funktioniert diese Strategie nicht. Sie ist unumkehrbar. Da blicke ich nur in die Katastrophe und das löst Unbehagen aus. ich vermeide es also, das zu tun. Der zweite Grund ist, dass mir die Aufgabe, die Klima-Katastrophe weltweit aufzuhalten, so riesig erscheint, das ich mit nicht vorstellen kann, wie das gehen soll. Ich fühle mich da ratlos und machtlos. Die einzige Möglichkeit, diese riesige Aufgabe zu bewältigen, die ich sehe, ist, diese Aufgabe in ganz viele kleine Stückchen zu zerteilen. Und jede und jeder tut am jeweiligen Platz, was sie und er können. Und da sind wir wieder bei den Joghurtbechern…. Es ist halt nicht jederfraus Sache, als Aktivistin Demos zu organisieren. Wir brauchen Ingenieure und Ingenieurinnen mit neuen Ideen und Manager*innen und Investor*innen, die diese dann umsetzen usw. . Insofern stimme ich Dir zu, Anne, mit dem Schlusswort Deines letzen Kommentars: ANFANGEN. Das hast Du mit Deinem langen Artikel, in dem noch so viel mehr drinsteckt, gemacht und dafür danke ich Dir.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Juliane, vielen Dank für deine Gedanken.
    In den auch persönlichen Rückmeldungen auf den Text ist mir wieder bewusst geworden, wie “übergriffig” er ist, denn er WILL unbedingt etwas von den Leser*innen haben. Worüber und wie ich schreibe, das ist nicht leicht integrierbar in das eigene Denken; mensch kann nicht sagen “Ja, so ist es, danke schön für diese Bereicherung meines Denkens!” Das ist dem Klimathema einfach inhärent, dass es mehr von uns verlangt als wir zu geben bereit sind, und vielleicht auch, als wir zu leisten fähig sind. Ich und auch sonst kein Mensch macht je genug, auch wenn wir schon Dinge tun. Alles ist zu wenig.
    Und dann aber auch wieder nicht, ich finde, hier muss wirklich mal die Perspektive gewechselt werden. Es geht ja nicht darum, im Alleingang die Welt zu retten, sondern ja auch darum, im gemeinsamen Tun ein gutes Leben zu finden, in dem all die kommenden Katastrophen vorkommen und nicht weiter verdrängt werden. Auf was bereiten wir unsere Kinder, die kommenden Generationen vor, wenn nicht auf diese Veränderungen? Wenn wir Yoghurtbecher auswaschen, helfen wir ihnen nullkommanixzeronientenada. Dann sagen sie kurz vorm Untergang, “Ach, das war vielleicht gut gemeint damals mit den Yoghurtbechern… aber jetzt mal ganz in echt: Warum habt ihr euch nicht die Zeit genommen, und euch die Köpfe darüber zerbrochen, wie die Welt für uns lebenswert zu erhalten ist, warum war das kein Gedanke, mit dem ihr frühmorgens aufgewacht seid und der euch bis in eure Träume verfolgt und panisch daraus hat aufschrecken lassen, warum seid ihr in vielfältigen Yoghurtbecherauswaschübersprungsreaktionen verharrt, in dem Glauben, das würde ja auch schon irgendwie bestimmt ganz sicher nützen? Wo war eure Intelligenz, wofür habt ihr sie genutzt, wo war euer Bauchgefühl, all euer Wissen, wozu hat es denn genützt, wenn nicht dafür, für unser Überleben zu sorgen? Warum war das alles, was euch dazu eingefallen ist? Warum habt ihr nicht mehr gegeben? Ihr habt eh wenige Jahre später alles verloren, was euch zu dem Zeitpunkt wichtig und erhaltenswert erschien, aber da konntet ihr euch noch einreden, es nicht zu wissen, oder eh nicht handeln zu können, weildiesweildasweiljenes, obwohl doch alle Karten auf dem Tisch lagen, jahrzehntelang, und selbst, als ihr noch eine minimale Chance hattet, wenigstens das Allerschlimmste abzuwenden, selbst da habt auch dann einfach weiter Yoghurtbecher ausgewaschen?”
    Wenn ich glaube, es ist zu groß, übersteigt meine Kräfte, oder wenn ich mir glauben mache, einen richtigen Weg kann es jetzt nicht mehr geben, mache ich es mir dann nicht zu einfach? Wir haben doch Verantwortung. Und das Eingangszitat von Audre Lorde… sagt ja auch schon viel.
    Ich glaube, es ist grundsätzlich ein Fehler zu glauben, dass jene, die die Demos organisieren, dafür ein “Faible” haben oder ihnen das liegt. Eine Demo muss wie jede andere Veranstaltung organisiert werden. Angemeldet werden, Werbung gemacht werden, mobilisiert werden, Regeln eingehalten werden. Die Vorgänge sind nicht anders als bei anderen Veranstaltungen. Ich hatte ja geschrieben, dass ich bis vor etwa 2 Jahren auf fast keiner Demo war, weil ich dachte, das ist nix für mich, ich leiste meinen Beitrag wieauchimmer aber aufalleFälle anders. Ich mag es bis heute nicht, meine Mistreiter*innen wissen das. Aber kann das noch ein Argument sein, nicht aktiv zu werden? Es muss ja nicht jemensch eine Demo organisieren, aber zumindest hingehen? Sich zwei Stunden Zeit nehmen und hingehen? Was wäre, wenn jetzt zum nächsten globalen Klimastreik zwei Tage vor der Bundestagswahl nicht 1,4 Millionen Menschen demonstrieren gingen, sondern 10,4 Millionen? Und auch danach immer weiter die Forderung der Eindämmung der Erderhitzung auf – jetzt schon von vielen Forscher*innen als nicht mehr erreichbare – 1,5 Grad aufrecht erhalten? Indem sie spenden, indem sie kleine Aufgaben übernehmen, indem sie von außen den Druck aufrecht erhalten, indem sie klar sagen, dass kein einziges Parteienprogramm aktuell Maßnahmen vorlegt, die eine Erderhitzung auf über 2 Grad verhindern? In den letzten zwei Jahren habe ich von fast allen Lokalpolitiker*innen dasselbe gehört: wenn ihr von der Straße her keinen Druck macht, können wir auch unsere Politik nicht groß ändern. Es geht nichts daran vorbei, dass wir mehr werden müssen, nicht nur qualitativ, auch quantitativ. Im Verborgenen fleißig Yoghurtbecher auswaschen kostet ja auch Zeit. Es ist nur sinnlos, denn diese schwimmen mit oder ohne Yoghurtreste später im Meer rum und verstopfen ganze Inseln und Flüsse und Fischkörper undundund. Dann doch lieber die Zeit verwenden, um nachzudenken, wie zumindest die Yoghhurtbecherauswaschzeit sinnvoll und nach bestem Wissen und Gewissen eingebracht werden kann.
    Huch, ich hoffe, das war jetzt nicht zu hart. Ich habe jetzt nicht nur dir geantwortet, liebe Juliane, sondern irgendwie waren jetzt viele Stimmen von Menschen in meinem Kopf, mit denen ich in letzter Zeit Gespräche hatte. Und es war schon wieder tendenziell übergriffig, ich weiß. Das wird vielleicht ein Thema eines kommenden Texts: von der Notwendigkeit des Über-Griffs. ;)

  • Antje Schrupp sagt:

    @Anne – Ich habe eine Frage: Worin liegt für dich der Unterschied zwischen zur Demo gehen und Yoghurtbecher Auswaschen? Für mich ist, ehrlich gesagt, das eine so nutzlos (oder eben auch nützlich) wie das andere. Vielleicht liegt es daran, dass ich seit 40 Jahren auf Demos herumlaufe und letztlich bewirken die auch nullkommanixzeronientenada. Zumindest die linken, die rechten Querdenkerdemos führen sofort zu Handeln seitens der Regierung. Also ist die Demokratiesimulation, die Demonstrationen ja auch immer sind, nicht genauso eine Übersprungshandlung und ein Gewissenruhigstellen? Jedenfalls merke ich, dass für mich zwischen beidem kein großer emotionaler Unterschied ist, weshalb ich beides (Yoghurtbecher und Demonstrieren) mal mache und mal nicht, aber mit keinem davon verbinde ich mehr einen moralischen Imperativ.

    Aber das Thema ist sehr interessant, wir haben am vorigen Wochenende ein Treffen der ABC-Autorinnen gehabt und dabei auch lange über dieses Thema diskutiert, und ähnlich kontrovers wie hier (Schade, dass du, Anne, nicht dabei warst, es hätte so gut gepasst). Ich habe dabei ein anderes Wort, das wir im ABC-Kreis schonmal diskutiert haben (aber wurde noch nicht schriftlich festgehalten), starkgemacht, und zwar: souveräne Kapitulation. Wie, wenn wir uns eingestehen müssen, dass der menschengemachte Klimawandel nicht aufgehalten wird? Ist das eine Möglichkeit? Können wir uns Freiräume verschaffen, indem wir aufhören, uns Erfolgschancen zu simulieren, an die wir vernünftigerweise nicht mehr glauben können?

    Dann werden nämlich genau die Fragen, die du stellst, auf andere Weise relevant: “Es geht ja nicht darum, im Alleingang die Welt zu retten, sondern ja auch darum, im gemeinsamen Tun ein gutes Leben zu finden, in dem all die kommenden Katastrophen vorkommen und nicht weiter verdrängt werden.” – wir haben beim Treffen dann über eine Art “Linkes/feministisches Preppertum” gesprochen. Also wenn die Welt zur Katastrophenumgebung werden könnte, was bedeutet das für uns als Ältere im Umgang mit den Jüngeren? Was genau geben wir ihnen mit, welche Fähigkeiten, Ressourcen, sind da realistischerweise möglich?

    Mir fällt in dem Zusammenhang noch ein anderes ABC-Wort ein, über das wir seit dem Erscheinen diskutiert haben (es ist auch nicht im ersten ABC drin), und zwar: Hadern. Ich denke, momentan sind wir in der Phase des Haderns, des Haderns damit, dass die Menschheit so bescheuert ist wie sie ist. Aber dauerhaftes Hadern lähmt eben, und unsere Idee (die noch zu frisch ist, als dass ich sie hier anpreisen wollte, aber ich möchte sie als Denkmöglichkeit in den Raum und zur Diskussion stellen) war eben, dass “Souveräne Kapitulation” eine Möglichkeit ist, das Hadern in ein sinnvolles, aber eben realistisches Handeln weiterzuführen…

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Antje, huiiii da habe ich so viel zu zu sagen, aber jetzt nur ein Zeitfenster von 15 Minuten, aber ich starte mal:
    Das mit den linken und rechten Demos: da bin ich komplett bei dir. Was Klima-Demos angeht… da weiß ich es noch nicht. Wie das Klimathema in den letzten Jahren die Menschen eingenommen und verändert hat, egal auf welche Weise – auch Verleugnen o.ä. ist ja ein Verhalten zum Thema -, ist schon krass. Also es bewegt sich wahnsinnig viel in einer geschichtlich gesehen sehr kurzen Zeitspanne.

    Das Zerreißthema für Klimaaktivist*innen ist folgendes: die Klimaforschung sagt, es gibt noch ungefähr knapp 6 Jahre Zeit, um die THG-Emission so einzudämmen, dass die Erderhitzung auf unter 2 Grad möglich sein KÖNNTE. Diese 6 Jahre machen uns wahnsinnig. Wenn es dieses letzte Ultimatum nicht gäbe, könnten wir ja loslassen und uns bereits jetzt auf ein gutes Leben in der Apokalypse vorbereiten (sry, Übertreibung). Nun gibt es aber diese 6 Jahre. Und das bringt uns dazu zu schreien, zu kämpfen, alles zu tun, was in unserer Kraft und Ideengabe liegt, mit dem Ziel: Wacht auf, Verdammte dieser Erde!! Wir denken halt, es gibt noch Hoffnung, und was es “lediglich” braucht, ist die Überzeugung aller Menschen dieser Erde. 6 Jahre Hoffnung. Alle, die wissen, wie lange ein solch fundamentaler Wandel höchstwahrscheinlich dauert – und ich rede hier nicht von Verfünffachung oder wasauchimmerverfachung der Stromerzeugung aus unerschöpflichen Energiequellen, denn dieser Zubau wäre ja grundsätzlich erstmal vielleicht möglich -, sondern WIE DIE LEUTE ÜBERZEUGEN, DAMIT diese Maßnahmen überhaupt angegangen werden. Und wir beide wissen ja auch, dass ja cool wäre, wenns nur um Stromerzeugung ginge, aber dass es ja eine andere Gesellschaftsform bräuchte/gebraucht hätte, um das Klimathema in den Griff zu bekommen, und was sind da bitte 6 Jahre… 6 Generationen wären noch zu wenig, hehehe.

    Das Klimathema ist vor allen anderen also wie jedes andere keines der Überzeugung, sondern ein Thema der Vermittlung. (Und es ist – da sind wir beim Anfang und bringen Demos was… – eigentlich ein durch und durch linkes Thema, nur mit linker Politik zu händeln, aber das wollen selbst sehr viele Klimaaktivist*innen immer noch nicht wahrhaben.)

    Und wir hier in bzw wissen, dass überzeugen also nicht gut genug ist, sondern nur vermitteln, gemeinsam Wahrheit suchen. Und wir wissen, wie viel Zeit diese Form von Vermittlung braucht. Und ich kämpfe mit mir jeden Tag – trotz besseren Wissens -, ob ich nicht JETZT lieber 6 Jahre lang überzeuge und nicht vermittle, aber das ist ja Quatsch, sag ich mir dann, weiß ich ja auch, hätte ja keinen Erfolg usw. Also: 6 Jahre Vermittlung… bringt nichts, um die Katastrophe abzuwenden. (Klimakatastrophen – natürlich nur im eigenen Land (Sry Zynismus) – bringen eher was.)

    Und trotzdem halte ich die jetzige Form der Vermittlung – also z.B. das intensive Reden auf der Straße – für sinnvoll, weil es m.E. schon auf die kommende Katastrophengesellschaft vorbereitet und… weil es da eben dieses Fünkchen Hoffnung gibt, dass wir es doch noch schaffen. Die Hoffnung ist da… aber näher drüber nachdenken darf ich nicht, dann falle ich ins Bodenlose. Aber ich kann nicht davon ablassen, und ich SAGE diesen Satz jedes Mal auf der Straße, und er ist irgendwie ja richtig: “Noch haben wir die Chance, das Schlimmste abzuwehren.” Ja, wir haben noch 6 Jahre. Ich merke, ich beginne mich zu drehen. Was ich meine: ich befinde mich noch innerhalb dieser 6 Jahre, und mein Agieren wird außerhalb dieser 6 Jahre ein anderes sein. Oder vielleicht auch nicht, weil es ums selbe eigentlich geht: Das zunehmend alltägliche Leben in katastrophalen Zuständen. Wir haben es bereits seit anderthalb Jahren. Corona ist bereits Teil dieses Zustands.

    Ich glaube, diese Langzeit- und Kurzzeitperspektive ist wichtig zu verstehen. Es gibt also die eine Kurzzeitperspektive von 6 Jahren, in der ich einfach “all in” geben will, und dann gibt es die Langzeitperspektive, die auch bereits in mir ist, zusammen mit der Kurzzeitperspektive, und diese reicht weit über meinen Tod hinaus, und sie hat sehr viel mit dem Leben, also einem lebenswerten Leben, meiner Töchter und der Gesellschaften, in denen sie leben werden/zu leben haben, zu tun.

    Heute gehe ich wieder auf die Straße, und für mich gilt: wenn ich in den 2 Stunden, die ich da stehe, 2 gute, intensive Gespräche geführt habe, dann war das für mich eine erfolgreiche Aktion.

    Und… ja… , nochmal zum Anfang: und ich gehe schon auch – nicht ganz so pessimistisch wie du, Antje – davon aus, dass die Parteienpolitik ihren Kurs ändert, sobald mehr Druck von der Straße kommt. Ja, die Hoffnung habe ich auch noch.
    Vielleicht klingt das alles schizophren, aber so ist das. Und das ist vielleicht auch die harte emotionale Arbeit, durch die Klimaaktivist*innen tagtäglich gehen. Denn alle haben das irgendwie mehr oder weniger aufm Schirm, und jemensch kämpft mit den eigenen Dämonen in der Beziehung.

    Das war jetzt bissn durcheinander und doppelt teils… und aufs Hadern und auf die “souveräne Kapitulation” komme ich nochmal zurück.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Warum gehe ich davon aus, dass die Politik ihren Kurs durch mehr Druck von der Straße ändern könnte? Weil die Klimakrise auch CDU-Wähler*innen usw. betrifft. Weil die Klimakrise zwar nach linker, feministischer Politik schreit (intuitiv wissen das auch die Rechten und Konservativen, nehme ich an, deswegen müssen sie sie ja immer noch leugnen und kleinreden), aber BETROFFEN sind auch rechte und konservative Menschen. Das ist schon tricky. Bei typisch linken Themenfeldern wars ja so, dass diese die Rechten und Konservativen einfach nicht persönlich, körperlich tangiert haben. Das ist hier anders. Und deswegen meine ich, könnte hier Druck von der Straße was bringen. Was? Tja. Aber hier – in diesem Riss – sollten schon (Vermittlungs-)Ideen geköchelt werden, finde ich.

  • Antje Schrupp sagt:

    @Anne – danke, das mit den sechs Jahren finde ich plausibel!

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Danke euch allen für die Einblicke in das, was ihr denkt und fühlt,
    was ihr fürchtet und hofft!

    Ich lese es mit großer Aufmerksamkeit und auch mit all der notwendigen Offenheit. Und je mehr ich alles “in meinem Herzen bewege“, umso mehr wird mir eine Parallelität zu meiner Lebenssituation sichtbar: auch ich habe nur noch begrenzte Zeit zu leben. Und so wie das bei mir doch ein natürlicher Prozess ist, irgendwann mit dem Leben aufhören zu können / zu müssen, so frage ich mich, ist es nicht auch mit uns als Menschheit genauso vorgegeben begrenzt?! Ich erlebe diese an allen Ecken und Enden sichtbare Vergänglichkeit von uns Menschen im Gegensatz zu den zeitlichen Dimensionen des sonstigen Universums (und meine wunderschönen, ca.150 Millionen Jahre alten Versteinerungen aus dem Jura sind doch wirklich so gesehen sehr sehr jung).

    Das Leben d.h. auch das Sterben kann so grausam sein, wenn ich das nur vom Ende her betrachte und mich dagegen zu wehren versuche, weil ich es nicht mehr ertragen kann.
    Nein, das ist und war doch nicht mein Leben – denn ich hatte für mich die Freiheit erkannt, die in dem alltäglichen Weg liegt,
    heute zu “leben im sterben“…
    in der Gewissheit: das trägt mich und somit Leben weiter,
    weiter als in alle Ewigkeit!

    Bloß, Anne, wie sollte ich das auf ein Plakat für eine Demo schreiben? :-)

  • MechthildE sagt:

    Seit einigen Tagen ist diese Seite als Tab offen und ich überlege zu antworten. Ich bin immer noch zornig. Mag sein, dass mir als Ingenieurin viele Codes entgehen und ich die Trennung Kopf/Bauch persönlich kaum wie beschrieben erlebe… das Handeln in der Klimakrise ist zu wichtig, hier also meine 2cents:

    Zornig bin ich ob der Resignation, die sich aus hier aus einem Wissens- und Kopfdefizit ergibt. Öko-Theater wie Joghurtbecherspülen hat nichts mit Handeln gegen die Klimaerhitzung zu tun. Auch demonstrieren alleine, wenn eine über 30 ist, und an irgendeiner Stelle in der Welt wirkt, ist Nichthandeln. (Natürlich habe ich an FFF-Demos teilgenommen, wunderte mich dort über Kolleg:innen, die ich als nicht-handelnd erlebe. Es hält sie niemand ab, selber Verantwortung zu übernehmen.)

    Mein Thema ist zB Landnutzung und Bauen, letzteres ein wesentlicher Faktor und längst nicht auf dem Pfad einer effektiven Reduktion. In Fachkreisen werden Maßnahmen breit entwickelt. Zum Beispiel: mit vorhandener Fläche klarkommen, Bestand ertüchtigen, Ressourcen schonend, Mobilitätskonzepte umsetzen usw. usf.
    Es gibt in der Bevölkerung sehr wenig Wissen, welche Bereiche Klimaerhitzung wie verursachen. Informationen sind auch nicht einfach verfügbar und oft nur schwer einzuordnen. Ich bin mal beruflich in den Bereich Klimaschutz und Ernährung eingetaucht (Ergebnis: stark betroffen von Klimaerhitzung, wenig Hebel für Klimagaseinsparung, abseits Regenwaldrodung und Bodenvernässung, verkürzt).

    Es wäre lohnend zu betrachten, welche Denk-/Fühlmuster uns hindern, zu differenzieren und objektivieren, grade mit der Expertise aus den Religionswissenschaften. Wir fallen in Muster von Selbstkasteiung, greifen im Angesicht der Endzeitstimmung auf Bekanntes zurück wie Speisevorschriften, verfallen in vorzeitige Resignation, in einem Meer von An- und Wehklagen. Stopp. Bitte. Nutzt den großen Platz im Netz für das, was in den nächsten Jahren getan werden muss, die Pfade, die gebahnt werden können, wie jede einzelne auch an ihrem Platz wissen kann, was ihr effektiver Hebel grade ist. ‘Politik’ ist nur zu einem sehr kleinen Teil, was in einem Parlament beschlossen wird. Wirksames Handeln ist möglich, jetzt.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Antje, ich habe über das Wochenende viel über das Hadern (das ich immer noch nicht ganz zu interpretieren weiß, wie du das meinst) und die “souveräne Kapitulation” nachgedacht. Meine Antwort hatte intuitiv immer nur vier Buchstaben: “nein” ;). Weil es noch zu viel zu retten gibt, um jetzt zu kapitulieren. Jedes zehntel Grad, das wir nicht erreichen, rettet so viel “Welt”, wie wir sie kennen und wie wir sie zum Leben brauchen. Und da ist es JETZT noch lange nicht zu spät. Es gilt, in den vielen Katastrophen, die kommen werden, wirklich noch Unterschiede herauszukämpfen und dafür zu sorgen, dass einige vielleicht nicht eintreten.
    Es gibt in Donna Haraways “Unruhig bleiben”, über das ich schon in der “Arrival”-Trilogie so viel geschrieben habe, am Ende eine kleine Science Fiction-Geschichte über verschiedene (weibliche) Generationen von Camilles. Ich gucke jetzt nicht nochmal ins Buch und gebe nur weiter, was hängengeblieben ist. Die Camilles sind dafür da, für die Arterhaltung der Monarchfalter zu sorgen, dafür werden sie auch mit Cyborgtechnik ausgestattet (um die Falter besser zu verstehen, wahrzunehmen, selber mitfliegen zu können? das weiß ich nicht mehr genau). In der dritten oder vierten Generation der Camilles sterben die Monarchfalter dennoch aus; trotz der ganzen Mühen. Und die Moral von der Geschichte ;) ist dann, dass diese Reise, dieser unbedingte Wille der Erhaltung unbedingt gut war und wichtig und richtig; es hat sich dennoch gelohnt. Ich habe wenige Tage später nach dem Lesen dieser Geschichte durch Zufall gelesen (ich glaube, es war in den “Lateinamerika-Nachrichten”, wo sonst bekomme ich solche Nachrichten…), dass wieder zwei Monarchfalter-Aktivist*innen getötet wurden; es ist so massiv politisch und tödlich, so etwas “Simples” wie die Erhaltung der Monarchfalter!! Und die Geschichte von Donna Haraway singt und klingt seitdem in mir. Weil es wichtig ist, erstmal aus dem Töten herauszufinden, aus diesem tödlichen Umgang mit unserer Welt. Und da ist Kapitulation, so souverän wie sie auch sein mag… ich halte das (noch) nicht für richtig, auch weil Kapitulation – also ich setze es jetzt gleich mit… “Aufgeben” und “Nixmehrtun”, sicher ist das so radikal von dir auch nicht gemeint, ich überspitze provokativ ;) – ja das Ende des menschlichen Lebens in Kauf nehmen würde, einfach so. Ich verweise nochmal auf diesen Artikel: https://utopia.de/zusammenbruch-zivilisation-klimakrise-prognose-klimawandel-193842/, denn manchmal denke ich selbst: Was rede ich denn da? Bin ich jetzt doch einer (Klima-)Verschwörungstheorie auf den Leim gegangen? (Da hat mir dann die Lektüre von Amitav Ghosh rausgeholfen, um zu verstehen, wie undenkbar die Klimakrise immer noch ist für die wohlhabende westliche Welt, und wie leicht ich immer noch glauben kann und will und darf, “das kann doch alles nicht so schlimm werden”.) Aber das ist es nunmal, was kommen wird, wenn wir jetzt aufhören oder gar nicht erst richtig beginnen, uns mit aller Kraft gegen die Erderhitzung zu stemmen.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Fidi,
    wie meinst du das mit der “Begrenztheit der Menschheit”? Ich komme da ins Hadern. Weil ich glaube, dass eine andere Philosophie von der Welt und vom Leben uns gar nicht auf solche tödliche Pfade gebracht hätte. Ob wir davon noch abkommen… tja. Ebenfalls in dem Donna-Haraway-Buch und auch in Roman Krznaric’ “The Good Ancestor. How to think long term in a short-term world” werden andere Philosophie-Modelle vorgestellt und vorgeschlagen. Die der sieben Generationen ist in der tieferen Klimabubble (ich glaube, Maja Göpel hat sie auch schon aufgenommen) in aller Munde: Es gibt in der nicht-westlichen Welt die Idee, für nachfolgende Generationen (also über den eigenen Tod hinaus!) vorzusorgen und vorzudenken mit der Frage – ich hole sie jetzt auch nur aus den Untiefen meines Kopfes, ohne nochmal nachzulesen: “Wie erhalten wir ein gutes Leben für die siebte nach uns kommende Generation?” Die Menschheit vom Tode her zu denken, ist schon… traurig und trägt bereits die Zerstörung in sich, oder nicht? Das muss doch nicht sein. Was gibt denn mehr Leben, was macht mehr Lust auf ein gutes Leben: das Leben zu denken und dafür zu sorgen; oder den Tod (der ganzen Menschheit) zu denken und dagegen nichts zu tun?
    Und nebenbei – aber das meintest du sicher nicht so – finde ich es auch.. etwas… schwierig, weil: ich kann am Ende meines Lebens sagen: Ich habe – immerhin! wie (lange) auch immer! – gelebt! Aber das können nach uns kommende Generationen eventuell nicht mehr sagen. Ich finde das nicht ok. Dass wir ihnen – z.b. der siebten Generation von jetzt an ;) – diese Möglichkeit eventuell nehmen, das sagen zu können: Ich habe gelebt! Es ist ein bisschen so wie… “nach mir die Sintflut, Hauptsache, ich habe (noch) gelebt”.

    Ach, liebe Fidi, und für die Demo schreibst du den Gedanken aufs Plakat, den du gerade als richtig und wichtig empfindest. Feel free!! Ich bin viele Klima-Demos lang z.B. mit “Wirtschaft ist Care” aufm Plakat rumgelaufen, und habe dafür nur fragende Blicke bekommen, aber auch einige gute Gespräche.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe MechthildE,
    ich verstehe deinen Zorn so gut. Und Zorn kann – gut eingesetzt und in produktive Bahnen gelenkt – sicher auch Vermittlerin sein. Ich hadere (schon wieder ;) aber an DIESER Stelle am meisten: Dass mir die Vermittlung oft einfach nicht gelingt. Am deutlichsten sichtbar darin, dass mich Menschen aus meinem Umfeld “anfeuern” im Sinne von “geh, mach dein Ding, mach es, rette du mal die Welt, und ich stärke dir den Rücken, wenn das Thema so wichtig für dich ist”. Es war für mich ein weiter Weg zu verstehen (bin immer noch unterwegs ;), was mich daran so verletzt und eben auch so derartig wütend gemacht hat: “FÜR MICH wichtig.” Ich will immer fragen: “Und für dich nicht? Und erwartest du jetzt, dass ich die Welt für deine Kinder mit rette oder wie habe ich das zu verstehen?” Ich verstehe es einfach nicht, und mir wurde auch erst vor ein paar Tagen wieder mal gesagt, dass ich zu wenig zuhören würde und ich deswegen gewisse Leute nicht erreiche. Da ein Großteil meines Denkens ja genau darum kreist, ist das schon auch immer wieder bitter. Ich frage mich dann: Aber immerhin denke ich seit vielen Monaten darüber nach, wie die Vermittlung funktionieren könnte. Aber vielleicht läuft es nicht, wenn nur ich losgehe mit meinen multiplen Vermittlungsweisen im Gepäck? Wenn meinem Gegenüber es entweder egal ist, ob’s abgeholt wird oder nicht, oder wenn es meint, es sei allein meine Aufgabe, dass es von mir abgeholt wird? Ist es für mein Gegenüber nicht auch komfortabel zu sagen: “Hey, du holst mich einfach nicht da ab, wo ich bin, gib dir mal mehr Mühe?” Wie schaffe ich es überhaupt, dass Menschen abgeholt werden wollen?
    Ansonsten bin ich total d’accord mit dir, es gibt so viele Möglichkeiten, jetzt aktiv zu werden, let’s do it.

  • MechthildE sagt:

    Liebe Anne Newball Duke,
    Vermittlung ist imo wesentlich für das Darstellen der wirkungsvollen Hebel, für Klimaschutz, eben Energiesektor und alles, was dran hängt, und Mobilität. Wie ist Dein Werkzeugkoffer gefüllt? Meine Idee wäre, Ziele zu formulieren und wie als Spielergebnis Erfolge, und Scheitern zu benennen, und das laufend. Kommune, Firma xy ist auf Spur, ist schneller usw. Es passiert auf Bundes- und Sektorenebene, muss aber herunter gebrochen werden.
    Ich habe lange versucht, zu überzeugen um quasi gemeinsam zu gehen (warum?). Dabei unsäglich Energie verschwendet. Es ist ein Spiel, das ich nicht mehr mitspiele. Eine Aufmerksamkeitsdusche, für Leute, die genau nur das wollen: es ist ein Trick ‘fast bin ich überzeugt, erklär doch noch ein wenig länger.’ Um dann immer wieder mit Abers und Hmms zu antworten. Zack, Jahre sind vergangen und ich mache den Abwasch immer noch alleine.
    Ich konzentriere mich auf die, die in Resonanz gehen, und zB deren Sichtbarkeit zu stärken. Neu ist für mich auch, zu sehen und danach zu handeln, was Energie raubt, was schwächt, was stärkt.
    Alles Gute!

  • Antje Schrupp sagt:

    @Anne – ja, ich verstehe, Momentan nur so viel: Nach der Kapitulation macht man nicht nichts mehr, sondern was anderes, man geht von einem anderen Standpunkt aus. Beziehungsweise geht es vielleicht auch gar nicht darum, was man tut, sondern eher, was man sich davon erhofft, also mit welcher Perspektive und mit welchem Ziel. Von daher gefällt mir die Geschichte mit den Monarchfaltern schon sehr gut. Denn genau so ist es ja: Das Erhalten ist sinnvoll, auch wenn es nicht gelingt. Was haben die Camilles in der Geschichte denn dann gemacht, nachdem die Monarchfalter ausgestorben waren? Wie haben sie weiter gelebt?

  • Anne Newball Duke sagt:

    @Antje, hier Auszüge aus dem letzten Kapitel mit der Überschrift

    “Starhawks Lied, wie es von den SprecherInnen der Toten gelehrt wird

    Atme tief.
    Fühle den Schmerz
    wo er tief in uns lebt
    denn wir leben, noch immer,
    in den rohen Wunden
    und der Schmerz ist Salz, das in uns brennt.
    Spüle es aus.
    Lass den Schmerz zum Klang werden,
    ein lebendiger Fluss auf dem Atem.
    Erhebe deine Stimme.
    Schreie. Kreische. Klage.
    Wehklage und trauere
    über die Zerstückelung der Welt.

    Und so erbte Camille 5 eine kraftvolle Aufgabe von Camille 4 – für die Toten zu sprechen, verlorene Lebenswege in aktiver Erinnerung fortdauern zu lassen und präsent zu halten, damit andere symbiotische und sympoietische Engagements nicht verzagten. Zentral für diese Aufgabe war es, nicht den Gestank der Luft zu vergessen, der von der Verbrennung der Hexen herrührt, nicht die Morde an menschlichen und nichtmenschlichen Wesen während der Großen Katastrophen namens Plantagozän, Anthropozän, Kapitalozän, ‘wehzuklagen und zu trauern über die Zerstückelung der Welt’. Sich vom Trauern zum Wiederpräsentmachen und hin zu einer Praxis der lebendigen Erinnerung zu bewegen, war die Aufgabe der SprecherInnen für die Toten. Es war ihr Auftrag, die Heilung zu unterstützen, die überall auf der Erde an Schwung gewann. Camille 4 und Camille 5 reisten beide viel (dank des Erbes der Monarchensymbiose), um Praktiken der Heilung und des Fortdauern in den Wirbelstürmen immer noch andauernder Zerstörung und des teilweisen Wiederauflebens zu erlernen und weiterzugeben. Bevor Camille 5 pers Aufgabe (Anmerkung Anne: ‘per’ hat Haraway als Possesivpronomenersatz für jetzige Genderteilungsgeschichten… nenne ich es jetzt mal… übernommen aus Marge Piercys “Woman on the edge of time”/”Frau am Abgrund der Zeit”) – für die Toten sprechen – aufnahm, erinnerte per sich an Verbindungen, die mehr als zwei Jahrhunderte vorher geknüpft worden waren. (…) Zur Zeit von Camille 5 waren Millionen Spezies und Kritter verschwunden, sowohl menschliche als auch nichtmenschliche, und es gab viel für die SprecherInnen für die Toten zu tun; nämlich: Mut und Verstand derjenigen zu befüllen, die weiterhin in all den Turbulenzen unruhig blieben; die aber auch weit über das Jahr 2400 hinaus die zerfetzten Freuden des normalen Lebens und Sterbens genossen. (…) Die SprecherInnen für die Toten haben auch den Auftrag, die neuen Dinge auf der Erde in die Köpfe und Herzen zu bringen. Sie erzählen nicht nur von den Symbionten und Symanimagenen, von ihren Gemeinschaften und Korridoren, sondern auch von den entstehenden Wesen und Lebensweisen einer sich immer weiterentwickelnden Heimatwelt. Die SprecherInnen für die Toten setzen die Energien des vergangenen, des aktuellen und des zukünftigen Chthuluzäns frei, mit seinen unzähligen Tentakeln einer opportunistischen, gefährlichen und generativen Sympoiesis. Die Kinder der Kompostisten werden an der vielschichten, neugierigen Praxis des Mit-Werdens mit anderen festhalten: für eine bewohnbare, aufblühende Welt.” Das ist dann auch der Schlusssatz des Buches :) Ich liebe den Ausdruck “zerfetzte Freuden des normalen Lebens und Sterbens”…

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe MechthildE,
    ja, wie ich im Text auch schreibe, fülle ich meinen Werkzeugkoffer vor Aktionen mit Belegewissen auf… ohne das geht es ja nicht. Ich habe viel rumprobiert, in welchen Bereichen ich mich wohl fühle. Strom ist bei mir drauf bei der Verknüpfung von Care und Klima, mein Herz schlägt bei der Vertiefung des Verständnisses von Klimagerechtigkeit. Das ist unter Klimaaktivist*innen noch viel zu wenig ausgebaut, da fehlen noch Zusammenhänge usw. Momentan arbeite ich sehr daran, selber erstmal zu verstehen, warum sich Menschen nicht mit Klima auseinandersetzen wollen; warum viele meiner Gespräche scheitern oder Unwohlsein beim Gegenüber verursachen; das Schreiben ist für mich im Werkzeugkoffer :).

    Es gibt so viele Formen der Klimaarbeit. Meines Erachtens mangelt es an der Übersetzung, an der Vermittlung. Da, wo du müde wirst oder verzweifelst, warum das Gegenüber nicht verstehen will oder kann… das ist momentan so meine denkerische Baustelle. Momentan machen wir Parents in Esslingen so eine Aktionsreihe “10 Wochen – 10 Fragen” (bis zur Bundestagswahl), und stellen Passant*innen Fragen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, und zwar auf Augenhöhe, also wir bewegen uns hinein in deren Umlaufbahn und schauen, wo sie stehen, was sie bewegt, lassen sie viel reden und schauen dann, ob und wo wir sie abholen können eventuell (sie bleiben ja aus einem bestimmten Grund stehen, also…). Wir haben sehr gute Resonanzen auf diese Art. Ich glaube aktuell, dass ein Faktenhagel über all die Zerstörung die Menschen eher verschließt. Und ich glaube, dass ein Faktenhagel über all das, was möglich ist und die schlimmsten Klimakrisenfolgen abmindern kann, immer mit einer Form der… ja… einer Beschäftigung auf Augenhöhe geschehen muss. Also: wofür brennst du? Und vielleicht kannst du dieses Brennen auch in der Klimaarbeit unterbringen? Welches Knowhow hast du? Vielleicht findest du Zeit, es der Klimabewegung zur Verfügung zu stellen? Oder deiner Firma? Welches Empowerment brauchst du, um dich zu trauen, solche Gespräche bei dir auf Arbeit zu beginnen?
    Niedrige Hemmschwellen verdeutlichen. Das ist auch in meinem Werkzeugkoffer. Kein Mensch muss perfekt sein, um mitzumachen. Ich glaube, da lernt die Klimabewegung gerade ganz viel dazu. Weg vom Dozent*innenmodus (mein Wissen ist richtig, deins falsch, du hörst jetzt mal zu) und damit weg von Wissenshierarchien, die hier enthalten sind. Viele Menschen gehen wegen dieser “Arroganz” und des “Vonobenherab” der Klimaaktivist*innen auf Abstand. Keine pauschalen Verurteilungen. Wege aufzeigen aus dem jeweils Eigenen heraus.
    Weil… mit dem Ansatz, die Menschen über reines Faktenwissen abzuholen (Klimaforschung sagt diesdasundjenes)… ich glaube, da sind alle abgeholt, die damit abholbar waren. Von nun an wird es trickyer.

    Bei dem Überlegen, was eine gute Aktionsform vor der Bundestagswahl wäre, halfen uns so Zahlen: 50% aller Wähler*innen sind über 50 Jahre. Was bedeutet das für unsere Arbeit? Wir müssen an die “Alten” ran. Die Jungen müssen mit den Alten reden, aber wie? Das haben wir jetzt viel gemacht: Jungen Menschen Werkzeug gegeben und empowert, Gespräche mit ihren Großeltern zu suchen: es ist mir nicht egal, welche Partei du wählst. Dein Kreuz entscheidet auch mit über meine Zukunft, die nicht mehr deine sein wird.
    Ich arbeite viel “am Faktenwissen vorbei” in gewisser Weise; ich finde es richtig und gut und wichtig, technologische Möglichkeiten auszuloten, aber das ist nicht meine Stärke; ich bin dankbar, wenn das andere tun. Ich war jetzt z.B. lange in einer AG, wie in unserer Stadt mehr Photovoltaik auf die Dächer kommt… aber das ist nicht das, wo ich brenne. Ich finde es nur wichtig. Die Frage, über die ich am liebsten auf der Straße im Rahmen unserer Aktionsreihe “10 Wochen – 10 Fragen” geredet hätte, konnte ich nicht durchsetzen: “Würdest du dich für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit einsetzen, wenn du mehr Zeit hättest?” Aber ich habe jetzt mit meiner Parents-Gruppe weiter gerungen, und konnte dann doch noch Mitstreiter*innen für diese Frage gewinnen; es wird also einen elften Straßentermin geben. :)

  • Anne Lehnert sagt:

    Vielleicht ist “Souveräne Kapitulation” so ähnlich wie das, was Jonathan Franzen meint in seinem Essay “Wann hören wir endlich auf uns etwas vorzumachen” (What if we stopped pretending), siehe unten.
    Ich mochte auch die These von Waltraud Schwab in der taz:
    “Moderne Kassandras machen Vorschläge, für die viele PolitikerInnen keinen Mut haben. Dabei unterschätzen diese die Bevölkerung. Die will gewaltige Aufgaben meistern, wie die Freiwilligen, die in die Flutgebiete fahren, um zu helfen, zeigen. So entsteht ein Wirgefühl. Warum macht die Politik den Menschen nicht klar, dass alle bereits im Wasser stehen und es in ihrem Interesse ist, gemeinsam zu handeln.” (https://taz.de/Die-These/!5791020/)

    Dieses gemeinsame Handeln ist das, was ich wichtig finde, und zu sehen, was schon da ist, wie Eva von Redecker das in ihrer “Revolution für das Leben” schreibt: “Die zweite Sehnsucht, die die Revolution für das Leben leitet, vermisst also, was sie noch gar nicht kennen kann: eine Welt, in der wir pflegen, statt zu beherrschen, teilen, statt zu verwerten, regenerieren, statt zu erschöpfen, und retten, statt zu zerstören. Alles, was wir brauchen, ist da.” Das klingt ein bisschen pathetisch, aber von Redecker entwickelt dieses Fazit aus vielen konkreten Betrachtungen. Das Buch möchte ich gern auch noch hier vorstellen. (Bei Palais F*luxx habe ich es kurz getan: https://palais-fluxx.de/lesen-oder-lassen-2-eva-von-redecker/

    Jonathan Franzen:
    “All-out war on climate change made sense only as long as it was winnable. Once you accept that we’ve lost it, other kinds of action take on greater meaning. (…) In this respect, any movement toward a more just and civil society can now be considered a meaningful climate action. ” (https://www.newyorker.com/culture/cultural-comment/what-if-we-stopped-pretending)

  • Eva Gerich sagt:

    Liebe Anne,
    mich beeindruckt das sehr und ich finde es toll und inspirierend, wie Du Deine Gedanken und unterschiedliche Kontexte zusammen bringst. Seit ich den Artikel gelesen habe, denke ich viel drüber nach und ich habe in Diskussionen darüber, wo es mit unserer Welt eigentlich grade hin geht (unter Freunden oft Thema – und wie beängstigend das grade ist) auch anderen die Frage gestellt: Was bräuchte es, damit wir selber mehr aktiv werden. Ich habe gehört “die Politik müsste…” bis “ich weiss nicht wo ich anfangen soll” bis “dafür habe ich keine Zeit” oder “ich tu doch schon…” etc.

    Meine eigene Antwort ist, dass ich nicht weiss, wo anfangen bzw. wo mich einbringen und auch, das Gefühl von Ohnmacht, das mich lähmt. Ich bin nicht gut als “Mobilmacherin”, ich reisse nicht durch Motivationsreden Leute mit. Was ich kann, ist anderen den Rücken stärken, unterstützen, beim Entfalten helfen. Aktivseinsformen, die das beinhalten, wären etwas, was mich mobilisiert bzw. wonach ich tatsächlich suche. Und ja, ich versuche auch in meinem Job mich einzubringen, wo es um NAchhaltigkeitsziele und so geht, da passiert grade ein bisschen was.
    Auf Belegewissen würde ich gern mehr zurück greifen können in Diskussionen mit Menschen, die die Dringlichkeit noch nicht so sehen, also auch wie Du sagst, um zu überzeugen mit Argumenten. Und um Wirksamkeit einschätzen zu können, um bewerten zu können, was was bringt und wie effektiv ist.
    Und ich wünschte mir mehr Informationen über Anstrengungen und Bewegungen für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit, die es schon gibt und vielleicht Möglichkeiten, mit zu machen.

    Ein Paar Gedanken von mir noch zu der Zweiteilung von Wissen, die mich ja auch schon eine Weile beschäftigt. Wie Du schreibst, gibt es da ja unterschiedliche Konstellationen; solche, wo der Kopf den Körper bestärkt oder andersrum und solche, in der sich die beiden widersprechen. Über letzteres wäre auch einiges zu sagen, aber um die geht es hier ja nicht…
    Ich teile Deine Ansicht, dass es doch eigentlich zu Veränderungsbereitschaft und Aktivität führen müsste, wenn Kopf UND Körper sich einig sind und man genau so stark spüren kann wie man es “nur” weiss, dass wir auf die Katastrophe zulaufen.

    Meine erste Hypothese ist, dass nicht allen Menschen dieses “durch den Körper Schicken” wie du es beschreibst, als Fähigkeit überhaupt zur Verfügung steht. Die Aufspaltung zwischen Kopf und Körper hat in unserer Welt ja eine lange Tradition (schreibst Du auch ). Wir sind es gewohnt, Körpersignale auszuschalten, nicht hin zu hören. Ich selber habe meinen Körper lange in erster Linie als Objekt mit dem es etwas zu machen gilt, der so und so sein soll betrachten. Und ich glaube das geht vielen so, dass wir ihm (oder ihr : )) oft mit Misstrauen begegenen und das Verhältnis zwischen Geist und Körper eher nicht “auf Augenhöhe” statttfindet. Mir den Zugang zum Fühlen und zum Körperwissen (wieder) zu erarbeiten, war lange harte (und andauernde) Arbeit. Dass Abspalten von bestimmten Empfindungen rührt ja oft aus ganz frühen Erfahrungen oder solchen, die unsere Mütter und Väter gemacht haben. Hier wirken kollektive Traumata, die darauf beruhen, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt für uns (vielleicht überlebens-) notwendig war, diese Art von Fühlen taub zu machen. Davon handeln die Arbeit von Peter Levine auch – und Gabor Maté und anderen Akteuren, die sich mit Körperarbeit oder “Embodiment” beschäftigen.
    Ein zentrales Element bei deren Praktiken ist es, einen sicheren Raum, ein Gefühl von Sicherheit im eigenen Körper/im eigenen Empfinden zu schaffen, um sich von da aus auf das einzulassen, was das Körperwissen u.U. zu Tage befördert.
    Hier ist eine Verbindung zu dem Bett, oder? Wir brauchen ein Stück weit Geborgenheit und Sicherheit, um den Mut aufzubringen, uns unser Körperwissen aufzuschliessen. Was es zu Tage bringt ist ja nicht immer Glück und Sonnenschein. Ich erinnere mich, wie ich bei meinen ersten Meditationsretreats tagelang weinen musste – ohne genau zu wissen warum. Dass da eine tiefe Traurigkeit sich Bahn gebrochen hat, der ich in dem Moment auch nur Raum geben konnte, weil ich nicht in meinen üblichen Alltag von Arbeit und sozialem Leben eingebunden war. Natürlich gibt es auch positive Gefühle, die durch den Körper wahrgenommen viel intensiver und schöner sind, das soll hier nicht unterschlagen werden. Aber was kommt, wenn man damit erstmal anfängt, ist eben ungewiss.

    Zum Thema mit dem Körper wahrnehmen und verstehen kommt mir noch das Konzept von “Resonanz” in den Sinn. Es erfordert die Offenheit, sich von Außen, von Menschen, der Welt berühren zu lassen. Mir passiert es immer öfter, dass ich beim Anblick von bettelnden Menschen oder Obdachlosen in der Stadt tief getroffen bin. Flaschensammler an der Isar, die unter der Brücke wohnen und “chillenden” Insta-Städtern das Müllwegbringen abnehmen für 15 Cent Pfand pro Flasche. Unwillkürlich stelle ich mir vor, wie sich das Leben für diese Frau oder jenen Mann anfühlen muss und muss weinen über die Ungerechtigkeit und die Kälte, die wir diese Menschen spüren lassen. Dieses “in Resonanz gehen” habe ich lange Zeit den Menschen vorbehalten, die mir sehr nahe stehen, z.B. FreundInnen. In Alltagssituationen wie Arbeit oder beim Durch-die-Stadt-Laufen etc. hatte ich es unbewusst “abgeschaltet”. Je mehr ich das in Resonanz gehen als Fähigkeit übe, umso mehr kommt die Empathie mit fremden Menschen quasi als Nebenwirkung dazu. Und ich glaube das Prinzip Resonanz kann noch viel mehr…uns in Verbindung bringen mit Lebewesen aller Art, mit der Natur, dem Planeten.

    Zum Aktivwerden und Kämpfen wollen: Die Klimakatastrophe ist ja eine reale Bedrohung, die auch wenn wir nicht unmittelbar von Feuer, Wasser oder Dürre bedroht sind unbewusste Mechanismen in uns auslösen – Stichwort fight, flight, freeze. Die eine geht in den Kampf, andere verfallen in Fluchtzustände (gedanklich) oder Erstarren im Denken oder Nicht-Handeln.

    Und noch ein Gedanke: Sind wir nicht – obwohl wir in unseren bequemen Betten liegen – in unseren Micro-Leben (grade z.B. in Zeiten der Pandemie) trotzdem ganz oft in Alarmbereitschaft und ständig damit beschäftigt, uns aus irgendwelchen Bedrohungslagen zu bringen?
    Und rührt es vielleicht auch aus der kontinuierlich zu leistenden Anpassung an “new normals”, dass wir die Kapazität und den Mut nicht aufbringen, uns aufs Erspüren der großen Katastrophe einzulassen? Ich gebe zu, dass ich mich oft vor Gesprächen mit GreenPeace, Unterschriftensammlern, Fundraisern etc. auf der Straße “drücke”, weil ich gefühlt dafür in dem Moment nicht die gedankliche und emotionale Kapazität habe. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch bei Deinen Diskussionen/Gesprächen auf der Straße der Fall ist. Dass Menschen sich zwischen Erledigung A und Termin B nicht in der Lage fühlen, sich den bedrohlichen Gedanken und Gefühlen auszusetzen, die ein Gespräch mit einer Umweltaktivistin mit sich bringen würde.

    Zurück zur Frage: Was braucht es also, damit die Integration von Belege- und Körperwissen zu Aktivität führt und mehr Menschen ihr Handeln auf die großen Fragen lenken? Eine Antwort können Räume und “geschützte” Rahmen sein, wo das Fühlen von Emotionen aller Färbungen möglich ist, wo Resonanz stattfinden und dann zum Handeln mobilisiert. Das Netzwerk von beziehungsweise weiterdenken und Gemeinschaften von AktivistInnen (wie Du sie beschreibst) sind wohl solche Inseln und leisten in der Hinsicht wichtige Beiträge.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Eva, vielen vielen Dank für deine so wichtigen Ergänzungen, gerade zu Trauma und Resonanz. Und da habe ich auch gar nicht viel zu ergänzen. Ich VERSTEHE, warum Menschen verdrängen und ignorieren (wollen), aber mir widerstrebt es – aus all den Gründen, die ich nenne – das zu akzeptieren. Das ist wahrscheinlich der Grund, dass ich in meinen Texten des öfteren “attackiere”, weil wenn es um “pick your fights” geht, also darum, wo ich wie meine Energie einsetze, dann muss meinem Gefühl nach die Priorität bei vielen Menschen eben vielviel mehr da sein, sich über Trauma-Arbeit und das Zulassen von Resonanz auch über den Kreis der eigenen Lieben hinaus zu begeben, auch aus der eigenen Comfort-Zone weitweitweit hinaus. Wir werden es uns sonst später nicht verzeihen, wir werden sonst in wenigen Jahren unser Zögern, unsere jetzigen Fokussierungen (vieles ist – aus der Zukunft betrachtet – dann sehr banal, und wir werden uns schämen) zutiefst bereuen. Und auch uns nicht mehr wiederfinden in unserem alten Ich, nicht mehr ihm d’accord sein, und – sich daraus ergebend – mit neuen Traumata zu kämpfen haben. Ich kann in eine Zukunftsglaskugel schauen, hehehe, ich weiß das schon ;).

    Was du über Resonanz schreibst, erinnert mich auch stark an Empathie. Rutger Bregmann legt in “Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit” Empathie ja eher als etwas Negatives aus, weil er sagt, es stürzt uns durch das tiefe Hineinversetzen in anderes Leben und Leiden und Sterben erst recht in eine Lethargie und Depression. Er möchte viel mehr von Mitgefühl reden, die aktiv werden lässt. Ich mag das Wort “Empathie” weiterhin, weil für mich ist es ein wichtiger Zwischenschritt und eine Begleitung des politischen Handelns. Gerade, weil ich so eine privilegierte Frau bin, und weil für mich als eine Frau, die alles hat, was sie sich nur wünschen kann – sogar genügend Zeit für feministische Klima-Arbeit -, Empathie ja ein Zugang zur Welt und damit auch zu meinem Begehren ist.

    Das, was du schreibst zum Rücken-Stärken, hat mich sehr bewegt. Es kann sein, dass ich mich hier noch differenzierter ausdrücken muss. Ich halte das Rückenstärken für sehr politisch und sehr wichtig. Oha… ich merke gerade, dass sehr sehr viele Fenster und Dimensionen bei mir, in mir aufgehen… das ist anscheinend ein großes Feld in mir, das ich vielleicht nochmal extra bearbeiten möchte. Aber gut, ich versuche, mich kurz zu fassen: Ich kann für mich sagen, dass… ja… also dass wer Rücken stärken möchte, vielleicht die Person, der sie den Rücken stärken möchte, fragen sollte, in welcher Form das Rückenstärken für sie Sinn macht. Ich muss hier wieder an Tupoka Ogettes “Happyland” (siehe mein neuer Artikel zum Unpolitischsein) denken: also wenn der/die Rückenstärkende nicht weiß, was jene, die da vorne” an vorderster Front kämpft” (blöde Kriegsmetapher, aber mir fällt grad nix besseres ein), braucht, dann bringt es nicht viel. Wie ich oben schon schrieb: wenn mir zb gesagt wird: “Go Anne!”, dann fühle ich mich einsamer, weil ich sozusagen ins “Alleine-gehen” hinein motiviert werde, aber ich will ja gerade das nicht: alleine gehen! Ich will ja, dass ihr alle mitkommt! Genau das zu erreichen, darin besteht nahezu all meine Denkarbeit! Also fühle ich mich nicht verstanden; meine Message scheint nicht anzukommen. Was dann dazu führt, dass ich noch vehementer und evtl. nerviger auftrete. Das hat so eine komische Wechselwirkung dann.
    Und Rückenstärken ist auch eine Sache des Moments, also wenn du mich HEUTE fragst, wie du mir den Rücken stärken kannst, dann würde ich dir ganz klar heraus sagen: Tatsächlich, indem du zum Streik am 24.9. gehst. Und da muss ich lachen, weil du schreibst ja, dass das jetzt vielleicht nicht deine Ausdrucksform ist; auch nicht die von Juliane zb. Aber wenn ihr mir vertraut, dass ich gerade weiß, was gut ist, was dieses Land, die Welt braucht, wenn ihr meine Arbeit wertschätzt, und ich euch sage, dass diese zwei Stunden auf der Demo mitmarschieren in deiner Stadt mir so viel gibt, vielviel mehr als jedes tiefe Gespräch mit euch, von dem ich jedes einzelne so liebe und schätze, was dann?
    Ich sage euch noch, warum ich die Demo für so wichtig halte: weil es junge Leute gibt, die seit Wochen im Hungerstreik sind, hier in Deutschland. Weil es überall auf der Welt Menschen gibt, die unter der Klimakrise so sehr leiden und schon sterben. Die Bäume pflanzen an Orten, die in 10 Jahren ausgetrocknet sein werden. usw. usf. Und sie brauchen dieses Zeichen, gerade von uns. Es gibt Mut und Kraft zum Weiterkämpfen. Wir Aktivist*innen fühlen uns sonst wie Don Quijote: wir strampeln und wir mühen uns ab, wir organisieren diese durchaus auch symbolische Aktion, sie ist das Herzstück der ganzen Klima-Arbeit; und dann dafür, dass wir dann drumherum die Leute sagen hören: “Ach das ist doch Quatsch, das bringt eh nix, die Politik ändert sich dadurch nicht, haben wir doch gesehen, 2019, nicht mal 1,4 Millionen reichen, um die Politik zu ändern.” Wisst ihr, wie ich mich dann fühle? Also dann denke ich: Ja genau, weil die so denken (- dabei handelt es sich doch nur um zwei Stunden!!, die “uns” geschenkt werden müssten!!), weil sie die tiefere Dimension des Streiks noch nicht verstanden haben, weil sie den gesellschaftlichen Prozess nicht ernst nehmen, in dem wir uns gerade befinden und zu dem es eben auch gehört, stark aufzutreten bei den Streiks, auch wenn es noch Jaaaahre dauert, bis die Politik sich ändert, weil sie nicht verstanden haben, was er jenen bedeutet, die ihn für wichtig halten inklusive mir, weil es um (politisch) sichtbares Mitgefühl mit allen geht, die schon leiden und sterben und verstanden haben, worum es hier geht – geht es bergab mit der Welt. Dann werde ich zynisch und bitter. Weil mehr als den Arsch aufreißen kann ich mir ja nicht. Und zu Don Quijote werde ich nur, wenn du, wenn ihr alle, nicht kommt. Ansonsten sind wir nämlich alle da und stärken uns alle gegenseitig zwei Stunden den Rücken; du mir sicherlich mehr als ich dir, und dafür würde ich dir von Herzen danken.

    Oha, jetzt habe ich mich wieder reingeredet, entschuldige. Ich danke dir sehr für all deine Punkte. Ich könnte eeeewig weiterreden jetzt, aber nicht allein ;). Aber das verschieben wir auf ein andernmal. :)

Weiterdenken