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Rubrik denken, erinnern, leben

DER HERD

Von Jutta Pivecka

Erster Beitrag aus der Serie: “Küchengeschichte(n) – wie Haushaltsgeräte die Care-Arbeit veränderten und verändern

“Eigner Herd ist Goldes wert…”

Als ich ein Kind war, standen in der Küche meiner Großmutter zwei Herde neben einander: der alte Holz betriebene aus Gusseisen mit den Herdringen und ein neuerer elektrischer. Dem aber, so ließ die Großmutter durchblicken, sei nicht ganz zu trauen. Weswegen jeder Morgen damit begann, den alten Herd anzuheizen. Den ganzen Tag über verlangte der bollernde Herd ihre Aufmerksamkeit, denn es war wichtig, dass er nie ausging. Holzscheite mussten nachgelegt, die Glut überprüft werden. Die Großmutter entfernte sich selten längere Zeit weit von der Küche. Ich dachte als Kind nicht darüber nach, dass es der Herd war, der sie an diesen engen Radius band und ihren Bewegungsspielraum einengte. Sie hat sich auch nie darüber beklagt. Stattdessen näherte sie sich nur widerwillig der Ingebrauchnahme des neueren (damals längst nicht mehr neuen) elektrischen Herds. Stets wurde geprüft, ob die Ergebnisse dem Althergebrachten standhalten konnten und nicht selten war sie nicht ganz überzeugt. Für die Großmutter erfüllte ein Herd seinen Dienst am besten, wenn die Gerichte so schmeckten, wie sie sie seit jeher gekannt hatte. Abweichungen stand sie skeptisch gegenüber. Einmal hatten mein Bruder und ich einen Ferienkochkurs besucht und wollten der Großmutter zeigen, was wir gelernt hatten, nämlich italienische Pizza backen. Sie ließ uns zunächst gewähren und war nicht wenig erfreut, dass wir beim Vorbereiten des Hefeteigs ganz so vorgingen, wie sie es gewohnt war. Aber als wir den Teig, wie wir es gelernt hatten, ganz dünn auf dem Blech ausrollen wollten, griff sie ein. Ein guter Hefeteig brauche eine gewisse Höhe. So wurde unsere Pizza hoch wie ein Zwetschgenkuchen. Den Belag aus Tomatensauce, Salami und Käse akzeptierte sie als eine exotische Variante: „Schmocht net schlecht.“, sagte sie, nachdem sie probiert hatte. 

Wie noch die Frau den Herd versah….da stand es gut um uns.” (Goethe)

Ein solcher Herd, wie die Großmutter ihn hatte, erinnerte noch schwach an die doppelte Bedeutungen des Wortes im Alemannischen und in den verschiedenen nordischen Dialekten: Erdreich und Feuerstatt. Für sie war der Herd der Mittelpunkt und Fixpunkt ihres (Erd-)Reiches, von dem aus sich ihre Welt erschloss. Und auch die Feuerstatt, deren Glut am Leben zu halten war, die gleichzeitig Wärme spendete und der Zubereitung von Mahlzeiten diente. Anderseits war in ihrer Lebenswelt der Herd zugleich das Symbol einer patriarchalen Ordnung, der sie sich klaglos unterwarf. Denn der Herd war in den tausenden Jahren des Patriarchats zum exklusiven Ort der Frau geworden, die in seinem Radius zu verbleiben hatte, damit der Mann sich immer weiter davon entfernen konnte. Für die Frau blieb der Herd mithin ein realer und bindender Fixpunkt, während er für den Mann zum symbolischen Ort seines „Heimes“ und seines Besitzes wurde: „Eigner Herd ist Goldes wert.“ Das Sprichwort hing in nicht wenigen Küchen meiner Kindheit gestickt im Rahmen an der Wand. 

Das Blaue Kochbuch

Meine Mutter dagegen war stolz darauf, in ihrer Küche im eigenen Heim von Anfang an einen modernen elektrischen Herd zu haben. Sie kochte nach dem blauen, millionenfach aufgelegten Kochbuch „Das elektrische Kochen“, das die Berliner Kraft- und Licht-Aktiengesellschaft (BEWAG) herausgab. (Auch heute noch ist es ein Bestseller.) Als ich meinen eigenen Hausstand gründete, erbettelte ich mir das Buch von meiner Mutter und ich habe jahrelang damit gekocht. Die Ausgabe, die ich besitze, ist von 1966 – also ein Jahr nach meiner Geburt erschienen und schon die 27. Auflage. Im Vorwort wird darauf eingegangen, dass das „Blaue Kochbuch“ seit über 30 Jahren „mit dem elektrischen Kochen auf das Engste verbunden ist.“ Das Blaue Kochbuch machte es sich zur Aufgabe, „alle Vorteile der Elektroküche“ aufzuzeigen. 1966 schrieb die Herausgeberin: „Die ständige Weiterentwicklung der Technik, die neuesten Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft und vor allem auch das Bestreben des menschlichen Geistes, Neuerungen zu schaffen, die die Lebensbedingungen verbessern und die tägliche Arbeit erleichtern, machen es gerade dieses Mal erforderlich, den technischen Teil umfangreich zu ändern und zu ergänzen.“ Von Technikskepsis war 1966 nichts zu spüren, vielmehr zeigt das Buch die anhaltende Begeisterung für die Erleichterungen im Arbeitsalltag durch die Elektrifizierung für „die Hausfrau”. Als Vorteile des elektrischen Kochens erscheinen der Verzicht auf „viel Zusatz von Wasser“, wodurch die Gerichte ausgelaugt würden, wie es „bei der früheren Kochweise” nötig gewesen sei. Auf den ersten Seiten des Buches wird die genaue Funktionsweise verschiedener Herdtypen der damaligen Zeit erklärt und in einer Tabelle die unterschiedlichen Kochvorgänge den jeweiligen Bereichen der Automatik-Kochplatten zugeordnet. Ähnlich gründlich werden die damals gebräuchlichen Formate elektrischer Backöfen erklärt. Was bei diesem Kochbuch auffällt im Vergleich zu allen neueren Kochbüchern, die ich kenne (und ich besitze nicht wenige), ist, wie eindeutig es sich an „die Hausfrau“ wendet und deren Beruf als eigenständigen ernst nimmt. Es gibt technische Gebrauchsanleitungen, ökonomische Tipps zum sparsamen und nachhaltigen Kochen, genauso wie umfangreiche Tabellen zur Warenkunde. Erst dann beginnen die Rezepte. 

Das “blaue Kochbuch” von 1966

“Das bisschen Haushalt…”

So belegt das Buch für mich einerseits, wie in den 60er Jahren „die Hausfrau“ noch ein vollkommen anerkannter Beruf war, andererseits aber die Rationalisierung der Hausarbeit, die es propagiert, auch dazu beigetragen hat, dem Beruf Schritt für Schritt genau diese Anerkennung zu entziehen. 1977 sang dann schon Johanna von Koczian: „Das bisschen Haushalt…“ und dokumentierte damit in satirisch überspitzter Form, wie die Elektrifizierung aus männlicher Perspektive die Hausarbeit so sehr erleichtert hatte, dass sie als eigenständiger Beruf immer weniger anerkannt wurde.

Tatsächlich ist das Kochen mit Hilfe des elektrischen Herdes viel effizienter und zeitsparender zu bewältigen. Meine Mutter wäre niemals freiwillig zum alten Holzherd zurückgekehrt. Das „elektrische Kochen“ sicherte ihr – im Vergleich zu meiner Großmutter – einen Zugewinn an frei verfügbarer Zeit und Bewegungsfreiheit. Was den elektrischen Herd so attraktiv machte, waren zwei Aspekte (die – soweit ich das einschätzen kann – auch für den Gasherd gelten, auf den einige Kochaffine in meinem Umfeld schwören): Er ist sofort ohne Vorbereitung einsatzbereit und man kann ihn sorglos zurücklassen, wenn man sich weiter und länger von zuhause fortbewegen will. Der alte Holzherd hatte für das „große Haus“ getaugt, in dem eine größere Zahl von Menschen die Verantwortung übernehmen konnten: die Hausfrau, die (Schwieger-)Töchter, sowie die Mägde und Knechte. In der Kleinfamilie, wie sie das Zusammenleben im Haushalt seit spätestens den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts auch auf dem Land prägte, blieb die Verantwortung für den Herd an der einen Hausfrau hängen und band sie an ihn.

Der “eigne Herd” und die Freiheit der Hausfrau

Meine Generation ist die letzte, die die alten mit Holz betriebenen Herde noch im Alltagsbetrieb in ihrer Kindheit erlebt hat. Ich verbinde nichts Nostalgisches damit, sondern nur Frühaufstehen, Plage und Einschränkung. Nun könnte man sich ein Plädoyer für die Rückkehr zu einem (neu gedachten)„großen Haus“ (z.B. in Wohnprojekten) vorstellen, eingedenk der Symbolik, die der „eigne Herd“ für die patriarchalische Ordnung hat und die es zu überwinden gilt. Doch – wie immer – liegen die Dinge kompliziert: Der „eigne Herd“ ist eben nicht nur und ausschließlich Symbol männlicher Herrschaft über die Familie, sondern sicherte auch vielen Frauen endlich Unabhängigkeit von der (Schwieger-)Familie, von der Überwachung durch den Familienclan oder die weitere Community, die den Zugriff auf den Gemeinschaftsherd regelte. Wieviel Wert die meisten Menschen (und vor allem Frauen) auf den „eigenen Herd“ legten und noch immer legen, zeigt sich in Gesprächen mit geflüchteten Frauen. Fast wortgleich habe ich Frauen, die am Ende des 2.Weltkrieges ihre Heimat verloren und Flüchtlingsfrauen, die vor wenigen Jahren aus dem Nahen Osten nach Deutschland kamen, darüber klagen hören, dass nichts schlimmer gewesen sei, als sich in einer Gemeinschaftsunterkunft den Herd mit anderen teilen zu müssen. Immerzu habe es Streit und Missgunst gegeben. Mag der „eigne Herd“ aus einer patriarchalischen Perspektive bloß die Metapher für den Besitz des Herrn sein, so bedeutet es für viele Frauen ganz offenbar den realen, uneingeschränkten Zugriff auf das eigene Arbeitsgerät, die Souveränität über die eigene Arbeitsweise, Zeiteinteilung und Qualitätskontrolle. Den „eignen Herd“ will eine offenbar, hat sie ihn einmal gehabt, nicht teilen. Auch in WGs, so meine Erfahrung, löst das Teilen des Herdes (neben der des Kühlschranks) nicht selten Konflikte aus (eingebrannte Reste auf den Platten, Töpfe, die ungeleert tagelang stehen bleiben…). Man teilt den Herd nur, wenn man muss, befürchte ich, aus ökonomischen Zwängen. In allen Wohnprojekten, die ich kenne, in denen Menschen leben, die mehr Einkommen haben als typische Studenten, gibt es zwar eventuell eine Gemeinschaftsküche für größere Veranstaltungen und besondere Gelegenheiten, aber selbstverständlich hat jede Wohneinheit auch ihren „eignen Herd“. Gemeinschaftliches Kochen ist ein populärer, spaßorientierter Freizeitevent für gehobene Schichten, aber keine freiwillige Option für den Care-Alltag, scheint mir.

Anzeigenseite aus dem “Blauen Kochbuch” von 1966

94% aller Haushalte haben einen elektrischen Herd

Der elektrische Herd wurde bereits um 1850 erfunden, breite Verbreitung in den Haushalten fand er aber erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Noch bis weit nach dem 2. Weltkrieg gab es in vielen Haushalten aber auch, wie das Beispiel meiner Großmutter zeigt, Holz befeuerte Öfen. Heute dagegen ist der elektrische Herd aus den privaten Haushalten in Deutschland nicht mehr wegzudenken: 94% sind mit einem ausgestattet. Etwa 10% des Gesamtstromverbrauchs eines durchschnittlichen Haushalts gehen auf seine Rechnung. Gusseisenplatten haben dabei den höchsten Verbrauch, während Ceranfelder und Induktionsfelder sich nur geringfügig im Verbrauch unterscheiden. Je älter der Herd ist, desto mehr Strom verbraucht er. Sehr moderne Herde kommen mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 0,4 Kilowattstunden aus (bei älteren Herden liegt dieser Wert bei rund 1,6). Elektroherde sind in jedem Fall (selbst wenn der Strom nicht ausschließlich aus erneuerbaren Energien gewonnen wird) wesentlich umweltfreundlicher als die alten Holzherde mit ihren gesundheitsschädlichen Emissionen. Auch hier, wie meist, ist ein verklärender, romantisierender Blick in die Vergangenheit unangebracht. 

Sprechende Herde? 

Als wir um die Jahrtausendwende umzogen und eine neue Küche aussuchen mussten, wurde mir in einem exquisit ausgestatteten „Küchenstudio“, in dem ununterbrochen eine sanfte Melodie aus den Lautsprechern dudelte, vom engagierten Verkäufer ein „smarter Herd“ angeboten, der Kochvorgänge speichern und eigene Rezeptvorschläge unterbreiten könne, ferngesteuert zu bedienen sei und sogar mit mir sprechen könne. Ich fragte, ob der Herd auch Möhren putzt und Kartoffeln schält und entschied mich dann, weil das verneint wurde, gegen das smarte Gerät. Nichts, was dieser Herd konnte, befriedigte irgendein Bedürfnis bei mir: Weder macht es mir Mühe Rezepte nachzuschlagen (sondern eher Freude), noch möchte ich mit meinem Herd reden. Ich bin froh, wenn er Ruhe gibt. Die „smarte“ Küche wird kommen, aber mir persönlich fällt gegenwärtig noch nichts ein, womit ein digitalisierter Herd mich beglücken könnte. Vielleicht beweist dieses Skepsis aber nur, dass nun ich die Position meiner Großmutter eingenommen habe und dem Neuen nur mit geringer Aufgeschlossenheit begegne.

Seit 6 Jahren leben wir nun wieder in einer neuen Wohnung und haben den Herd der Vorgängerin übernommen. Mir gefällt er nicht, denn er hat keine Drehknöpfe, sondern Touchscreen neben den Platten und piepst gefühlt dauernd, was ich fast so schlimm finde, wie wenn er sprechen würde. Ich habe die Konsequenz gezogen und mich weitgehend vom Herd verabschiedet. Das Kochen hat mein Mann übernommen. 

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Juliane Brumberg sagt:

    Liebe Jutta, das sind ja viele Beobachtungen zum Herd, die Du da zusammengestellt hast, vielen Dank! Obwohl ich mehr als 10 Jahre älter bin als Du, kenne ich den mit Holz selbst geheizten Herd nur noch aus Freilandmuseen in den alten Bauernhäusern und aus Romanen oder Kinderbüchern (Astrid Lindgren?), in denen die Magd frühmorgens als Erste den Herd anheizen musste, eine eher dreckige Arbeit. Was mich an den alten Herden beeindruckte ist, dass sehr häufig ein Wassertank direkt neben der Feuerstelle integriert war und also als Nebeneffekt immer heißes Wasser zur Verfügung stand.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Oha, liebe Jutta, das Ende kam unerwartet! Einerseits deine Liebe zu, Kochrezeptenachschlagen und somit ja auch zum Kochen, und dann kann ein piepsender Herd dich komplett davon abbringen? Fehlt dir es dir jetzt, das Kochen? Oder zumindest das “alte” Kochen? Und wäre ein neuer schweigender Herd vielleicht eine gute Anschaffung? Und wie ist dein Gefühl: ist es nur eine kochfreie Phase, kommt das Kochen irgendwann zu dir zurück? Liegt die Herdabstinenz wirklich nur am piepsenden Herd, der tippend, möglichst mit fettfreien und trockenen Fingern, bedient werden will? Entschuldige, das Ende provoziert in mir Fragen über Fragen. ;)

    Dass mich mein Herd zu ständiger Achtsamkeit mit ihm durch verschiedene Piepstöne auffordert, nervt mich übrigens auch total. Ich schimpfe dann zurück, meist wie ein pubertäres Kind: “Ist ja gut, ich mach ja schon das Wasser weg, jetzt reg dich ab, halt die Klappe mensch!” Aber gleichzeitig bin ich voller Dankbarkeit. Ich bin dankbar, dass ich es gelernt habe, generell mit ihm umzugehen, dankbar dafür, dass er funktioniert. Ich bin keine leidenschaftliche “Kocherin”… oder … “Kochende”… hmmmm… also “Köchin” wäre nun wohl zuviel gesagt, das klingt mir zu sehr nach Profession, da habe ich viel zu viel Respekt vor, hehe, … ich koche, weil ich gerne esse, und weil ich gern das esse, wie ich und was ich koche, auch wenn es sich fast immer ähnelt. Dann weiß ich, was drin und dran ist; ich weiß, wann ich was versaut habe, ich bin meine ärgste Kritikerin vor anderen und habe wenig Koch-Selbstbewusstsein, aber ich bin gleichzeitig sehr tolerant mit mir selber, wenn ich nur für mich koche, was ich mittags beinahe täglich tue. Mein Lieblingsmoment ist immer der, wenn Zwiebeln und Knoblauch im Öl anfangen zu duften; auf höchster Stufe, und dann gehe ich beständig die Nummern runter, je mehr Dinge in die Pfanne wandern…

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Anne, es fehlt mir nicht, das Kochen, weil ich noch lieber esse als koche – und mein Mann kocht einfach besser und auch abwechslungsreicher als ich. Ich stöbere aber gern in Kochbüchern und zeige ihm dann Rezepte, die er ausprobieren könnte…;-).
    Einen piepsenden Herd werden wir uns nicht wieder anschaffen, wenn ich mitzureden habe, aber wer weiß, ob es dann – wenn dieser mal den Geist aufgibt – überhaupt noch “nicht sprechende Herde” gibt???
    Für mich war das Kochen, mindestens seit meine Kinder geboren sind, vor allem eine Pflicht. Da ich immer erwerbstätig war, musste alles immer schnell gehen. Später kamen die ganzen Termine dazu, die die Kinder hatten, zu denen ich sie oft bringen oder holen musste. Ich habe in diesen Jahren als “Teilzeit”-Hausfrau nie Muße gehabt, das Kochen lieben zu lernen. Deshalb war mir auch der Abschnitt über die Wertschätzung der “Hausfrau” so wichtig. Ich gehöre zu einer Generation, die die “Abkehr vom Herd” als Befreiung gedacht hat, nämlich als Möglichkeit berufstätig zu werden und – in einem gewissen Rahmen – sogar sowas wie “Karriere” zu machen. Inzwischen denke ich oft, dass das zu schlicht gedacht war. Denn die Abwertung des Berufs der Hausfrau hat eben nicht nur befreiend auf Frauen gewirkt. Diese Arbeiten können von einer kleinen Gruppe sehr gut situierter Hausstände outgesourcet werden, bei allen anderen werden sie “entprofessionalisiert”. Man weiß nichts mehr über Warenkunde oder die genaue Funktionsweise von Geräten, über schonende Verfahren etc. Es ist ein Hobby für Reiche und eine Pflicht für die anderen geworden, die sie möglichst schnell weg organisieren müssen. Oder man vergesellschaftet es halt – und alle essen in Kantinen (mein Graus! ). Auch gegenwärtig werden politische Diskussionen ja weiterhin im Wesentlichen so geführt, als sei der Hausfrauen-Beruf eine 100% zu vermeidende, diskriminierende Situation für Frauen: “Teilzeitfalle” etc. Dabei ist die Falle ja nicht der Beruf, sondern seine mangelnde Absicherung. Selbstverständlich darf es keinen Zwang für ein Geschlecht geben, diesen Beruf zu ergreifen. Mir fehlen einige Talente, um ihn in allen Aspekten gut auszufüllen. Aber ich hätte mir rückblickend doch gewünscht, dass dieser Teil meiner Arbeit mehr wertgeschätzt worden wäre, vor allem von mir selbst. Dann hätte ich vielleicht auch mehr Freude am Kochen gehabt.

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Juliane, das mit dem Wassertank ist mir völlig neu. Das hatten wir daheim nicht. Ich kann mir das auch noch gar nicht so vorstellen, wo der integriert war. Das ist aber spannend. Im Grunde könnte man sich ja die Integration einer Art Warmhalteflasche am modernen Herd vorstellen, oder? Das Wasser würde während des Kochvorgangs durch die Abwärme erhitzt und warm gehalten? (Start-up-Idee?? ;-))

  • Anne-Käthi Zweidler sagt:

    Liebe Jutta. Deine Gedanken und Erfahrungen machen mich grad etwas traurig, weil meine verinnerlichte “Geringschätzung der Hausfrauenarbeit” auch mir möglicherweise vor dem Glück stand. ich koche gerne und noch mehr interessiert mich die Geschichte der Nahrungszubereitung und der Lebensmittel. Da wurde mir vor ca. 10 Jahren im Rundfunk der Job der Kochredaktorin angeboten. Wie gerne hätte ich diese Chance ergriffen. Doch ich bekam Angst, dass ich dann von den Kolleginnen und Kollegen nicht mehr als kritische und ernstzunehmende Journalistin gelten würde – und verzichtete auf diese Aufgabe. Erst dank der Bewegung “Care ist Wirtschaft und Wirtschaft ist Care” habe ich gemerkt, wie ich trotz meines jahrzehntelangen feministischen Engagements diese Abwertung der Hausarbeit verinnerlicht habe.
    Inzwischen verneige ich mich vor allen Köchinnen und Hausfrauen, die trotz dieser allgegenwärtigen Diskriminierung die Freude am Kochen nicht verloren haben – und bitte sie um Entschuldigung für meine Dummheit.

  • Kathleen Oehlke sagt:

    Liebe Jutta, danke für deinen Beitrag, der auch bei mir Erinnerungen weckt. Auch ich (Jg. 1981) kenne noch alte Kohleherde. Bei meinen Großeltern waren sie noch in Betrieb (jeweils neben Elektroherden) und als meine Eltern kurz vor der Wende umgebaut haben, haben sie wirklich einen Kohleherd eingebaut – zusätzlich zum elektrischen natürlich. Der Gedanke dahinter: Wenn mal der Strom ausfällt, können wir trotzdem noch kochen. Außerdem diente (und dient) er als Wärmequelle in der Küche.
    (Anmerkung: Ich bin in einem alten Bauernhaus aufgewachsen; Platz gab es also reichlich.)
    Ich meine mich auch zu erinnern, dass meine Großeltern immer einen großen Topf mit Wasser auf dem Herd stehen hatten. Es gab in der einen Küche aber auch gar kein warmes Wasser aus der Leitung und in der anderen nur das wenige, das der kleine Boiler auf einem Mal erwärmen konnte und für einen großen Abwasch nie gereicht hat.

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Kathleen, den großen Wassertopf auf dem Herd kenne ich auch noch.
    Die Vorsorge für den Stromausfall kann ich nachvollziehen, gesamtgesellschaftlich ist es keine Option. Denn die alten Kohleherde waren ja nicht “nur” fürs Klima schädlich, sondern auch unmittelbar für die Gesundheit. Die Rückkehr zum Kohleherd können wir uns nicht leisten. Und ich glaube, immer mehr Menschen auf der Welt (vor allem auch Frauen) werden einen elektrisch betriebenen “eignen Herd” wollen. Denn das darf man nicht vergessen: Viele haben den längst noch nicht. Auch in diesem Bereich gilt also: Die klimaneutrale Stromproduktion muss enorm gesteigert werden, um diesen Bedarf zu decken, selbst wenn es gelingt, noch energiesparendere Herde zu entwickeln.
    Nostalgische Erinnerungen sind das eine (und ich schwelge manchmal gerne in ihnen) – das andere (und wichtigere, wie ich finde) ist: Wir können nicht erwarten, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung sich von dem technischen Fortschritt, den wir genießen, ausschließen lassen wird.
    Für mich ist das ein wichtiger Aspekt dieser Reihe: Zu erkennen, wie viele Bereiche es gibt, in denen der Degrowth-Ansatz nicht funktioniert. Es wird mehr Elektro-Herde geben müssen, nicht weniger. Einmal weil sie tatsächlich aufgrund ihrer Technik den Aktionsradius von Frauen erweitern und andererseits, weil der “eigne Herd” ein Bedürfnis ist, das die meisten haben.

  • Kathleen Oehlke sagt:

    Liebe Jutta, da klang jetzt bei mir wohl doch zu viel Nostalgie durch. So war das nicht gemeint. Auf keinen Fall will ich Kohleherde irgendwie beschönigen und finde es eher Besorgnis erregend, dass es da evtl. zumindest in bestimmten Kreisen gerade einen Trend in diese Richtung zu geben scheint*. Die Gründe dagegen nennst du ja, und ich stimme dir vollkommen zu. Außerdem wäre bei Stromausfall ja z.B. ein kleiner Camping-Gaskocher locker ausreichend, um irgendwas Warmes auf den Tisch zu bekommen.

    Es ist ja schon einigermaßen verrückt, welchen Hype Holzöfen erleben. Dass es auch wieder Modelle für die Küche gibt, hab ich vorhin erst gesehen. Dieses ständige Holz holen und aufs Feuer aufpassen finde ich extrem lästig, verstehe aber auch, dass es für einige einen gewissen Reiz hat, so ganz unmittelbar zu erfahren, wie es sich anfühlt mit eigenen Händen ein warmes Heim und warmes Essen zu organisieren. Auch hier will ich nichts beschönigen und schon gar nicht romantisieren. Vielmehr war ich kurz davor, das abzuwerten und habe versucht, mir vorzustellen, warum manche einen Holzofen hier und heute für etwas Schönes halten. Dazu kommt, dass ich mir nicht mal sicher bin, ob in Mehrpersonenhaushalten diejenigen, die den Ofen haben wollen und u.U. finanzieren auch diejenigen sind, die den Dreck wegmachen, den das Holz und die Asche in der Wohnung verursachen. Und noch weiter gedacht: Könnte es sogar sein, dass Leute sich mit so einem Ofen (unbewusst) etwas ins Haus holen, um das sie kreisen können? Das vielleicht den Takt vorgibt. Das organisiert werden muss. Das schafft ja evtl. auch Distanz zwischen Menschen, denen zu viel emotionale Nähe nicht ganz geheuer ist. Man stelle sich nur mal vor, die Zeit, die für Holzbeschaffungsrecherchen und -diskussionen draufgeht, würde mit wirklicher Begegnung verbracht werden. Hm, es wird wohl solche und solche Haushalte geben. Ich kenne eher welche, in denen das Einheizen müssen tendenziell für weniger Entspannung gesorgt hat. Vielleicht gibt es hier ja auch andere Erfahrungen.

    Nochmal zur technischen Seite: Es muss ja im Sinne von Modernisierung nicht unbedingt ein Elektro- statt Kohle/Holzherd sein. Mir fallen Projekte ein, in denen die Nutzung und Verbreitung von sogenannten Solarherden gefördert wird. Dies besonders in Regionen, in denen bisher über offenem Feuer gekocht wird / wurde und Strom eher nicht regelmäßig verfügbar ist. Das scheint mir aus technischer Sicht eine gute Sache zu sein und das Leben derjenigen, die ansonsten weite Strecken zu Fuß zurücklegen müssten, um Feuerholz zu holen, erheblich zu vereinfachen.
    Mehr klimaneutrale Stromproduktion brauchen wir natürlich trotzdem.

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Kathleen,

    von diesen Projekten hatte ich noch nicht gehört, aber genau solche Überlegungen finde ich wichtig. Ich habe jetzt mal recherchiert und z.B. das hier gefunden: https://wiki.lowtechlab.org/wiki/Four_solaire_(cuiseur_type_boîte)/de Es scheint für ärmere Gesellschaften ein guter Zwischenschritt zu sein. Das ist, was ich mir von dieser Serie erhoffe: Solche “Entdeckungen” – und die Diskussion darüber, wie weit z.B. solche Modelle tragen.
    Ohne eine technische Aufwertung, glaube ich jedoch, dass die meisten sich den Komfort eines Elektroherdes weiterhin wünschen werden (den sie sich bloß noch nicht leisten können bzw. für den die Stromversorgung noch fehlt) und dass in den Industrieländern außer einer kleinen Gruppe von Enthusiasten kaum jemand auf Solarmodelle auf diesem Entwicklungsniveau umsteigen wird.
    Das ist, was mich umtreibt: Wie schwer es uns fällt, uns einzugestehen, dass der Lebensstil, den wir erreicht haben, tatsächlich für viele, viele aus guten Gründen als erstrebenswert gilt (und eben nicht nur wegen “kapitalistisch” fehlgeleitetem falschem Bewusstsein). Weil dieser Lebensstil tatsächlich eine hohe Bequemlichkeit und viel zeitliche Souveränität miteinander verbindet – was wir weder selbst einfach aufgeben werden, noch anderen vorenthalten können.
    Umso eigenartiger ist, was Du in Deinem Kommentar auch ansprichst: Dass gegenwärtig besonders Privilegierte sich dann zusätzlich noch z.B. Kamine in Wohnzimmern etc. gönnen, die umwelt- und gesundheitsschädlich sind, um dabei nostalgischen Gefühlen frönen. Meiner Wahrnehmung nach sind das sogar nicht einmal selten Menschen, die gleichzeitig sich als sehr umweltbewusst wahrnehmen, hochpreisige Fahrräder fahren, Plastiktüten ätzend finden und im Reformhaus einkaufen. Ich meine das gar nicht zynisch. Es zeigt für mich nur, dass Lösungsvorschläge, die beim individuellen Lebensstil ansetzen, fast immer doch nur auf Distinktionsgewinne zielen und für ein “besseres Lebens für alle” gar nichts bringen.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Jutta, nochmal zu unserem kleinen Strang… ;) ich kenne das so gut, meine Mutter hat nie gern gekocht, aber sie hat immer gekocht; immer dieselben Gerichte, aber sehr lecker, sie wollte mit den Gerichten immer erreichen, dass wir Kinder zufrieden sind. Jetzt in Rente hat mein Vater komplett das Ruder bzw die Bedienung des Herdes übernommen. Für meine Mutter hat es wohl auch sehr viel Stress bedeutet, sie hatte gefühlt immer mehr als einen 120%-Lohnjob, also neben Haushalt und Familie, und wenn sie jetzt kochen müsste (ab und zu tut sie es natürlich noch, aber dann mit so einer selbstironischen Art… uns Kindern oder den Enkel*innen zuliebe… und nur alte “Nostalgie”gerichte…), dann bekommt sie immer noch diese Stressfalte von früher ins Gesicht… ich finde das auch schade, aber dafür macht sie so viele andere Dinge mit sehr viel Liebe. :)
    Alles andere, was du dann schreibst, finde ich auch. Und gefühlt sind wir da ja noch mittendrin in dieser Anerkennung. Ich finde es ziemlich spannend, wie eine Feministin auf Twitter z.B. an einem Tag dies (Anerkennung der Care-Arbeit), am nächsten Tag das (z.B. über “Teilzeitfalle”) schreiben kann, ohne zu merken, dass das irgendwie nicht zusammengeht… und dann aber doch irgendwie langsam die kognitive Dissonanz zu knistern beginnt… und ich glaube auch, dass dies langsam aber stetig mehr Feministinnen zum care-zentrierten Wirtschaftsansatz treibt… hoffen wir mal. Denn ohne einen solchen bleiben wir knallhart in dieser Dissonanz stecken, und dann zerreißen sich gerade die Mütter in der rush hour des Lebens weiter zwischen beiden irgendwie als richtig und feministisch empfundenen Konzepten, denen sie somit auch am liebsten beiden gleichzeitig gerecht werden würden.
    Kantinenessen kann im Übrigen auch liebevoll gestaltet werden, Ich bin eine große Liebhaberin von Kantinen und Mensen, sie sind doch äußerst lebendige soziale Orte. Das Klappern, die Geräusche, das Lachen und Reden, alle 2 Minuten fällt was runter, und alle zucken zusammen und an jedem Tisch so “Huch, ohjeh, ich möchte das jetzt nicht aufwischen müssen…” Und in dem Sinne würde ich auch in dem vereinzelten, je individuellen Kochen nicht die ganze Zukunft sehen. Ich könnte mir vorstellen, den Herd zu teilen, wenn daran schöne Dinge geschehen, Geschichten erzählt würden, Austausch da ist, mir etwas mitgekocht würde… Das wäre dann ein ganz anderes Wohnen und Leben, klar. Aber es löst mehr Wärme in mir aus, als das Bestehen auf “Meinmeinmein”: mein Herd, meine Sauberkeit, mein Essen. Vielleicht wird es so kommen, dass wir uns von den “Meins” in “meiner” Küche auch wieder ein Stückweit entfernen wollen. Ich könnte es mir jedenfalls vorstellen.

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Anne, die Sehnsucht nach diesem “andere Wohnen und Leben”, das Du imaginierst, das Gemeinschaftliche, teilen ja zumindest theoretisch nicht wenige Menschen, aber nur ganz wenige setzen es auch um. Für mich gilt: Ich sehne mich nicht nach größeren “Gemeinschaften” beim Wohnen. Mit vielen Menschen “den Herd” (und also den Wohnraum) zu teilen, ist für mich ein Alptraum. Ich möchte einfach nicht gezwungen sein, so vielen Menschen täglich zu begegnen. Genau deshalb mag ich ja Kantinen nicht. Als ich noch im Büro gearbeitet habe, bin ich in der Mittagspause immer spazieren gegangen, um die Zeit ohne Kolleg_innen zu verbringen. WG-Leben war ok, aber wohler gefühlt habe ich mich immer in der Kleinfamilie (meiner Herkunftsfamilie und meiner eigenen) oder zu zweit. “Geselligkeit” ertrage ich nur “dosiert”, zeitlich begrenzt und nicht “zuhause”. Vielleicht kommt das auch, weil ich die Großfamilie, das Dorf und die damit verbundenen Übergriffigkeiten noch erlebt habe, wie eben auch die Flüchtlingsfrauen häufig, von denen ich im Text erzähle. In mir gibt es da weder eine nostalgische Sehnsucht zurück, noch ein Begehren, in größeren, frei gewählten Einheiten (wie Kibbuze o.ä.) zu leben. Viel eher könnte ich mich mit so einem Tiny House-Konzept anfreunden, in dem ein oder zwei ganz zurückgezogen für sich leben auf kleinen Raum. Gerade das ist ja an dieser Reihe auch interessant: Wie unterschiedlich die Vorstellungen von einem guten Leben sind. Für mich würde jedenfalls dazu gehören, dass ich nur mit ganz wenigen Menschen einen gemeinsamen Herd teilen müsste.

  • Anne Lehnert sagt:

    Liebe Jutta, das ist ein ganz spannender Text über den Herd und seine Bedeutung für die Frauen im Lauf der Geschichte. Den Kohleherd kenne ich nur noch aus Erzählungen meiner Mutter und von Aufenthalten bei meiner Komtemplationslehrerin, wo ich mit einem solchen heizte und kochte und das gemütlich fand. Aber das war auch nur für ein paar Tage, und ich hatte ja (außer beten) nicht anderes zu tun. Zum Heizen neben der Arbeit in Berlin fand ich den Kohleofen ene Zumutung.
    Gemeinsam geteilte Herde im Studium fand ich schön. Einige der engsten Kontakte, die mir aus dieser Zeit geblieben sind, stammen aus meiner Zeit im Wohnheim. Allerdings war das ein Wohnheim mit Putzfrau, so dass Ekel über dreckige Kochplatten oder Streit ums Putzen weitgehend entfiel. In WGs war das schon schwieriger – aber, so finde ich, eher wegen des Abwaschens und Putzens als wegen des gemeinsamen Kochens und Essens.
    Mensa-Essen fand ich auch gut (in Freiburg, hier in Saarbrücken eher nicht), aber eher wegen des Essens und der Arbeitsersparnis, der Lärm störte mich meist. Draußen auf der Wiese vor der Mensa zu sitzen fand ich von daher schön.
    Trotzdem habe ich es in meiner ersten eigenen Wohnung genossen, selbst entscheiden zu können, wann ich allein kochen und essen möchte und wann ich mir Gesellschaft einlade.
    Inzwischen bin ich recht lange Mutter und dadurch noch einmal anders mit dem Haushalt und Herd verbunden als zuvor. Das Kochen ist der Teil der Hausarbeit, der mir am meisten Freude macht, und nachdem meine Kinder zehn Jahre lang die Woche über außer Haus in Kita und FGTS gegessen haben (und ich auch oder aber nur für mich und meinen Mann gekocht habe), war es für mich im letzten Jahr eine neue Erfahrung, dass ich es wirklich schön finde, für die ganze Familie zu kochen und am Mittag gemeinsam zu essen.
    Mir macht das Kochen Freude, sowohl allein, wenn ich so vor mich hinschnippele und dabei nachdenken oder Podcasts hören kann, als auch zusammen mit einem meiner Kinder. Auch das Weiterführen und Abwandeln von Familientraditionen aus meiner Herkunftsfamilie bei der Auswahl der Gerichte sowie auch die Einführung von neuen Traditionen gefällt mir.
    Die sogenannte “Herdprämie” fand ich viel zu niedrig angesetzt, aber prinzipiell würde ich mir eine finanzielle Absicherung dieser Tätigkeit wünschen.
    Sehr fremd war mir die Argumentation bei einem Rohkost-Kurs. Da ging es nicht um Gemüseschnitze zusätzlich zum Butterbrot, wie ich es kenne, sondern um Breie, Torten, Spaghetti, Kekse, alles roh oder maximal gedörrt, also eine komplett rohe und kalte Ernährung. Das ist mir, auch wenn vieles davon lecker war, ein Graus: immer nur kalt, brr. Und dass man dadurch unabhängiger von einem Gerät wie dem Herd würde, fand ich abstrus, weil gleichzeitig ein leistungsstarker Mixer und am besten noch ein Dörrgerät nötig sind.

Weiterdenken