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Rubrik erinnern, erzählen

Die Geschirrspülmaschine

Von Anne Lehnert

Sechster Beitrag aus der Serie: “Küchengeschichte(n) – wie Haushaltsgeräte die Care-Arbeit veränderten und verändern“

Laver-ver, laver-ver, laver la vaisselle,
les ga-ga, les ga-ga, les ga-les gamelles.
C’est charmant d’essuyer les assiettes,
les couteaux, les fourchettes, les cuillères,
et ça fait passer l’temps et le mal de tête,
c’est l’meilleur des médicaments car…


(Ungefähre Übersetzung: Geschirr spülen, und Schüsseln. Es ist reizend, die Teller abzutrocknen, die Messer, die Gabeln, die Löffel, und es vertreibt die Zeit und die Kopfschmerzen, das ist die beste Medizin, denn… )

Dieses französische Geschirrspüllied, das bei jeder Wiederholung schneller zu singen ist, wie ich mich zu erinnern meine, habe ich beim Schüleraustausch kennengelernt und seither immer wieder mal gesungen, wenn wir hier mit der Familie besonders viel spülen mussten, weil die Spülmaschine kaputt war. Und ja: es kann Spaß machen und ein gemeinschaftliches Erlebnis sein, von Hand abzuwaschen und abzutrocknen, mit mehreren Familienmitgliedern gemeinsam, und dabei vielleicht gar zu singen. Dorothee Markert berichtete darüber, dass sie früher, während sie mit ihrer Schwester den Abwasch erledigte, politische und philosophische Fragen besprachen. Meine Kinder fangen bisher eher an zu argumentieren, wer wie viel helfen muss, oder finden etwas anderes, worüber sie in Streit geraten.

Wie der Liedtext sagt: Zeit geht auf jeden Fall drauf, und vielleicht hilft es auch gegen Kopfschmerzen – meistens aber nehmen wir uns diese Zeit eben nicht und sind sehr froh, dass die Spülmaschine das meiste erledigt. Daher ersetzen wir, ähnlich wie Anne Newball Duke es über die Waschmaschine schreibt, die defekte Spülmaschine schnellstens wieder, weil wir sie dringend brauchen.

Oder zu brauchen meinen, denn natürlich ließe sich der Abwasch auch immer anders, also von Hand, organisieren. Aus dem Erziehungsratgeber „Leitfaden für faule Eltern“ von Tom Hodgkinson erinnere ich mich an die Empfehlung, gemeinsames Abwaschen als Methode zu nutzen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Spaß zu haben. Während ich viele seiner Empfehlungen zur Entschleunigung und als Gelegenheit zum Kontakt untereinander, mit anderen Menschen, mit der Umgebung um uns herum durchaus schätze und bereits vor der Lektüre des Buches praktizierte, hat sich das gemeinsame Abspülen bei uns nicht durchgesetzt. Jedenfalls nicht für den gesamten Abwasch. Selbst mit der Erleichterung einer Spülmaschine bleiben in unserem Sechs-Personen-Haushalt genug Haushaltspflichten übrig, falls uns mal langweilig sein sollte. Zugegebenermaßen kommt man nicht bei allen davon so gut ins Gespräch.

Unsere erste Spülmaschine schafften wir an, als ich mit Zwillingen schwanger war. Damals fand ich, dass die Gelegenheit gekommen sei, das zeitaufwändige Abwaschen von Hand aufzugeben. Davor hatte ich mich selbst bestraft, indem ich die Anschaffung einer Spülmaschine an die Aufnahme einer bezahlten Arbeit geknüpft hatte. Da es mit der Stelle nichts wurde, mussten wir erst mal weiter von Hand abwaschen.
Als wir die Maschine dann anschafften, merkte ich, dass ich auch Geschirr und Besteck dazukaufen muss, damit wir die Maschine nicht halbleer laufen lassen müssen. Wie schön sauber dieses dann aus der Maschine kam und dass es bis dahin in der Maschine verborgen war anstatt wie sonst dreckig in der Spüle oder auf der Arbeitsfläche zu stehen, bis wir es am Abend abwuschen, erfüllte mich mit großer Zufriedenheit. Erst in der Folge bemerkte ich die Kehrseite dieser strahlenden Sauberkeit: das lästige Säubern der Geschirrspülmaschine. Das Sieb, die Innenseiten und die Gummidichtungen der Maschine zu reinigen, wo sich rosa Schmutz ansammelt ekelt mich manchmal so sehr, dass ich das Maschinenspülen an sich in Frage stelle. Wie bei vielen Haushaltstätigkeiten wurde auch hier zur Regelmäßigkeit geraten, durch die sich gar nicht erst so viel Schmutz ansammelt, dass es eklig wird. An für sich überzeugt mich dieses Argument, in der Praxis vergesse ich das dann meist doch wieder.


Bei der Nutzung der Spülmaschine habe ich Unterschiede festgestellt: Freund:innen muten auch geerbten Tellern mit Goldrand den Spülwaschgang zu, die bei uns aus diesem Grund kaum noch genutzt werden. Meine Eltern lassen die Maschine nur robusteres Geschirr spülen, und das spülen sie von Hand vor, damit sie die Maschine nicht so oft laufen lassen müssen und das Glasprogramm ausreicht. Meine Freundin, die wegen ihrer Neurodermitis das Abwaschen von Hand meidet, spült dagegen grundsätzlich alles mit der Maschine, auch Töpfe und Plastikgefäße. Wir praktizieren eine Art Mittelweg: Da die Töpfe viel Platz wegnehmen und auch nicht immer sauber werden, die Plastikgefäße oft umkippen und daher selten trocknen, spüle ich diese meist von Hand oder lasse das meine Kinder tun. So besteht also die Gelegenheit zum Austausch. Oder zum Streiten, wie gesagt.

Text und Lied:
https://www.planetanim.fr/chant/laver-la-vaisselle/

Bisher erschienen in der Reihe:

  1. Der Herd
  2. Die elektrische Getreidemühle
  3. Der Kühlschrank
  4. Die Waschmaschine
  5. Der Mixer

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Ines Heimberg-Henselmeyer sagt:

    Da kommen doch so viele gute Erinnerungen hoch, liebe Frau Lehnert, wenn ich über Ihre Geschirrspülmaschinenerfahrungen lese. Meine unterscheiden sich von Ihren doch ein bisschen.

    Eins ist aber klar: Der Geschirrspüler hat der Fronarbeit der Frau ein Ende bereitet. Nicht für jede, sicher. Immer noch gibt es genug Haushalte jenseits der Mittelschicht, die sich kein solches Gerät leisten können. Und ich fürchte, es gibt nach wie vor Männer, die ihn ablehnen.

    Ich jedenfalls habe zu meinem Geschirrspüler ein inniges Verhältnis. Unter dem Motto: Alles rein in das gute Stück, das mir in meinem Haushalt das liebste ist. Auch jeder kleine Plastiklöffel und jede Glasscheibe aus dem Kühlschrank und selbstverständlich sämtliche Gasherdzubehörteile und die Katzenfutterschälchen dazu.
    Tür zu, Knopf drücken und los geht’s.
    Das “gute” Geschirr kümmert mich nicht. Das sollen die Kinder benutzen, wenn ich tot bin.
    Als ich noch sehr viel jünger war, vor gefühlt 50 Jahren, kaufte ich mir den ersten. Ich war mit meiner Tochter schwanger. Und in mehrfacher Hinsicht ein glücklicher Mensch. Endlich frei!

    Davor war das völlig anders: Seit Kindertagen gab es riesige Geschirrberge in meiner Herkunftsfamilie. Natürlich haben wir auch gesungen “Ein feste Burg ist unser Gott” und “Drei Chinesen mit dem Kontrabass”. Aber all das klingt bei weitem nicht so gut wie das Signal meines Geschirrspülers, wenn er mir kund tut, dass die Arbeit getan ist. Selbst wenn es nachts um halb zwei ist und mein erster Schlaf unterbrochen wird.

    Ein Tipp ganz zum Schluss: Rosa Schimmel muss nicht sein. Immer zum Monatsanfang eine Tüte Reinigerpulver rein, einmal drum herum wischen, vorher das Sieb reinigen. Das sollte in einem Sechs-Personen-Haushalt reichen.

  • Anne Lehnert sagt:

    Vielen Dank für diese schöne Rückmeldung, die so gute Laune macht in Bezug auf die Benutzung der Spülmaschine. Ja, sie ist eine große Erleichterung.
    Danke für den Tipp mit dem Reinigerpulver. Das probiere ich aus, wenn es mir nicht zu umweltschädlich scheint. Die schlechtere Umweltbilanz ist das andere Hindernis, das mir im Weg stand bei der Entscheidung, mit Maschine zu spülen. Stimmt aber gar nicht, soweit ich weiß.

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