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Rubrik denken, erinnern, erzählen

Das Handrührgerät – leuchtend orange und unverwüstlich

Von Juliane Brumberg

Achter Beitrag aus der Serie “Küche(n)geschichten – Wie Haushaltsgeräte die Care-Arbeit veränderten und verändern”

Immer, wenn eines seiner vielen Patenkinder sich verlobte, schenkte mein Vater dem jungen Paar den Krups-Handmixer. Das ist das erste, woran ich denke, wenn das Wort „Handrührgerät“ fällt. Ob er das auch bei den männlichen Patenkindern tat, erinnere ich nicht. Auch ich bekam eines zu meiner Verlobung im Jahr 1977. (Ja, damals verlobte man sich bei uns in der Familie noch). 

Das schöne orangene Gerät mit den dazugehörigen Schüsseln im 1970er Jahre Design ist nun 45 Jahre alt und tut immer noch seinen Dienst ohne zu mucken. Ich nutze es sicher zwei- bis dreimal in der Woche, heute hauptsächlich zum Schlagen von Eischnee oder Schlagsahne und auch bei der Zubereitung der Lieblingsnachspeise „Bananenquark“. Unsere Kinder sind auf andere Weise mit dem Handmixer groß geworden: Wenn sie auf der Fensterbank in der Küche saßen und mir in die Töpfe schauten, gab es ab und an etwas zum Ablecken. Zum Glück waren es immer zwei Sahneschläger oder Knetarme, sodass ich beiden Geschwistern etwas in die Hand drücken konnte – was sie nicht daran hinderte, zu verhandeln, wer das Teil mit der weißen und wer das mit der grauen Markierung bekommen würde. Grau war weniger beliebt. 

Dass der Krupsmixer in der jungen Bundesrepublik so gut einschlug, hängt wohl auch mit den Zusatzteilen zusammen, die sehr zur Erleichterung der Hausarbeit beitrugen. Neben den Sahneschlägern und den Knetarmen gehören zu meinem Gerät ein Starmix-Aufsatz, mit dem ich die Früchte beim Marmelade kochen zerkleinere. Wie haben die Frauen eigentlich früher den dafür erforderlichen Obstbrei hergestellt, frage ich mich? Dann gibt es ein Teil mit einer formschönen Spirale, das ich aber noch nie benutzt habe, ich vermute, es soll das Passieren durch ein Sieb unterstützen; und einen Pürierstab, der mir unentbehrlich war für das Pürieren von Möhren, Kartoffeln und anderem Gemüse, als meine Kinder noch Babies waren. Er eignet sich aber auch hervorragend zum Pürieren von Suppen aller Art.

Was ich zunehmend lästig fand war, dass ich bei der Arbeit mit dem Handmixer beide Hände brauchte: eine für das Rührgerät und eine, um die Schüssel festzuhalten. Es dauerte etliche Jahre, bis dann eine richtige Küchenmaschine Einzug in unseren Haushalt hielt, die rührte oder knetete, während ich nebenbei etwas Anderes machen konnte. 

Dem Internet entnehme ich, dass es den Krups-Handmixer seit 1959 gibt und dabei steigt ganz wage die Erinnerung auf, dass auch meine Mutter sehr glücklich war, als sie in den 1960er Jahren so ein Gerät bekam. Damit durfte ich als Kind manchmal die Sahne schlagen und es hieß immer: Pass auf, dass die Schlagsahne nicht zu Butter wird. Das ist jedoch eine Erfahrung, die ich nie gemacht, sondern nur als Warnung im Ohr habe. Wer weiß denn heute überhaupt noch, dass Butter durch das Schlagen des Milchrahms hergestellt wird? Als junge Journalistin arbeitete ich mal an einer Reportage über historische bäuerliche Tätigkeiten in der Fränkischen Schweiz. Die Bäuerinnen saßen breitbeinig über großen Butterfässern aus Holz und verrührten darin die Sahne mit einem Holzstampfer. Es war ein lang andauerndes und geselliges Unterfangen, bei der die Frauen durchaus ihren Spaß hatten und ihr Tun mit deftigen Sprüchen begleiteten: „Butter, Butter, rühr‘ di zsamm, wie die Frau mit ihrem Mann.“ 

Das Handrührgerät mit seinem entsprechenden Zubehör vereinfacht die Küchenarbeit ganz erheblich und ich möchte es nicht missen. Wenn ich heute in wenigen Minuten meine Schlagsahne oder meinen Eischnee fertig habe, denke ich oft dankbar, wie mühsam und kräftezehrend es wäre, müsste ich das mit einem einfachen Schneebesen machen, der ja auch schon eine geniale Erfindung ist. Kein Wunder also, dass es in adligen und großbürgerlichen Haushalten früher Köchinnen und Küchenmädchen für diese Tätigkeiten gab.

Bisher erschienen in der Reihe:

  1. Der Herd
  2. Die elektrische Getreidemühle
  3. Der Kühlschrank
  4. Die Waschmaschine
  5. Der Mixer
  6. Die Geschirrspülmaschine
  7. Das Bügeleisen

Liebe Leserinnen, wir freuen uns über weitere Beiträge zu der Serie. Welche elektrischen Küchen- und Haushaltsgeräte sind für Euch/Sie besonders wichtig? Was haben sie im Alltag verändert? (Zum Beispiel bisher völlig außen vor: Digitalisierung im Haushalt. Welche Erfahrungen gibt es damit?) Wer einen Beitrag besteuern möchte, kann über die Kommentarfunktion Kontakt mit Jutta Pivečka, der Redakteurin, die diese Serie betreut, aufnehmen.

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Vera Bianchi sagt:

    Liebe Juliane, vielen Dank für den Artikel samt Fotos! Ich als Kind der 70er bin mit diesen gelben und orangenen Küchenhelfern aufgewachsen – wir hatten sogar ein Gerät in genau diesem Sonnengelb, mit dem meine Mutter 6 Gläser Joghurt gemacht hat!
    Mir ist es als Teenager einmal passiert, dass die Sahne beim Schlagen zu Butter wurde: als ich bei Gewitter Sahne geschlagen habe für die Torte zum Geburtstag meines Großvaters. Die Warnung hat also Berechtigung!
    Als ich von zuhause ausgezogen bin, hat mir meine Großmutter ihr allererstes Handrührgerät geschenkt – mit dem dazugehörigen Rezeptheft. Damals, Ende der 1950er, musste der Bevölkerung noch erklärt werden, wozu ein Handrührgerät gut sein soll – deshalb befand sich neben der üblichen Bedienungsanleitung ein kleines Rezeptheft für einen Kuchen und drei weitere Gerichte. Das fand ich ein echtes Alltagszeitzeugnis.

  • Bettina Melzer sagt:

    Im Osten hieß das Ding RG 28 – war ebenfalls orange und unverwüstlich. 2016 gab es dazu den charmanten (Dokumentar) Film: “Kommen Rührgeräte in den Himmel?”

    https://barnsteiner-film.de/kommen-ruehrgeraete-in-den-himmel/

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