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Der Staubsauger

Von Juliane Brumberg

Zwölfter Beitrag aus der Serie „Küchengeschichte(n) – wie Haushaltsgeräte die Care-Arbeit veränderten und verändern“

Den Fußboden habe ich noch nie gerne sauber gemacht. Fegen geht ja noch, aber wenn man dann das Häufchen aus Sand, Brötchenkrümeln, Wollmäusen und irgendwelchen Kleinstteilen beieinander hat, muss es auf das Kehrblech bugsiert werden. Dabei bleibt immer irgendein Rest, der nicht auf die Schaufel will und dann – bei mir zumindest – mit einer ärgerlichen Bewegung wieder auf dem Fußboden zerstäubt wird. Außerdem setzen sich die ekligen Staubflusen am Besen oder dem Handfeger fest und müssen mit der Hand abgepflückt werden. Macht nicht wirklich Spaß.

Multipler Staubsaugereinsatz Anfang der 1990er Jahre.        Foto: privat

Insofern ist der Staubsauger schon ein Gewinn und beschleunigt die Hausarbeit. Er saugt alles ein, auch den Staub vom Teppichboden, und die Hände bleiben sauber. Die ersten Modelle in den 1950er Jahren waren noch schwer und unhandlich und machten einen unangenehmen, schrillen Lärm. Ab 1970 kamen dann die komfortablen – nicht ganz billigen – Modelle zum Hinterherziehen auf. Mich haben sie immer genervt: das Saugteil an einer aus zwei chromglänzenden Teilen zusammengesteckten Stange, an dieser wiederum ein Schlauch, mit dem man das unförmige Motorteil hinter sich herzog. Über den Schlauch gelangte das dreckige „Futter“ in den Staubbeutel, der seinen Platz im Motorteil hatte. Diese Staubsaugertüten waren und sind richtig teuer und außerdem verbreiten sie einen unangenehmen Geruch, verursacht durch die darin eingesaugten und abgelagerten Essensreste. Das saugende Gebläse wiederum verteilt diesen abgestandenen Geruch im ganzen Raum. Ärgerlicherweise sind zudem die alten Staubsaugertüten grundsätzlich bei einem neuen Modell nicht mehr verwendbar.

Als Fortschritt galt es, wenn das lange Kabel, durch das das Motorteil mit der Steckdose verbunden wurde und das man also auch noch hinter sich herzog, auf Tastendruck in das Motorteil eingeschlürft und versenkt werden konnte. Bei mir verklemmte es sich fast immer und ich musste händisch nachhelfen. Es dauerte also immer, bis dieser raumgreifende Staubsauger wieder verräumt war und viel Platz brauchte er auch noch. Wen wunderts, dass Staubsaugen für mich eine Arbeit war, die ich gerne – so vorhanden – den Männern überlassen habe. Und wer Glück hat, hat vielleicht sogar eine Putzhilfe, die sich damit herumquält.

In den 1980er Jahren waren eine Zeit lang kleine Akku-Tischstaubsauger en vogue, mit der die Krümel aufgesaugt werden sollten, noch bevor sie auf den Boden fallen konnten. Der hat sich bei uns nicht bewährt. Entweder hat er die Krümel gar nicht richtig aufgesaugt oder sie fielen wieder heraus, sobald das Teil abgeschaltet wurde. Als er relativ bald seinen Geist aufgab, haben wir ihn nicht ersetzt. Nur das Aufladeteil in der Speisekammer erinnerte uns noch einige Zeit an ihn. Die Tischdecke mit den Bröseln wurde wieder im Vorgarten ausgeschüttelt.

Foto: Juliane Brumberg

Aber jetzt! Habe ich einen wunderbaren Staubsauger! Ohne Kabel! Ohne Schlauch! Ohne dickbauchiges Motorteil. Ohne Staubbeutel! Ohne Geruch! Aber mit kleinen Rädern unter und einem Lichtband (!) an der Saugfläche. Ich kann den ganzen Dreck und Staub noch einmal sehen, bevor mein neuer Staubsauger ihn auffrisst! Überhaupt, der kleinste Dreck in der hintersten Ecke wird angeleuchtet! Was für ein befriedigendes Gefühl, dabei zuzuschauen, wie dieser ratzfatz eingesaugt wird. In einen durchsichtigen Behälter, den ich mit zwei Handgriffen abnehmen und direkt in die Mülltonne entleeren kann. Anschließend hänge ich meinen perfekten Staubsauger an die Steckdose in der Speisekammer und der Akku wird aufgeladen. Was den Stromverbrauch angeht ist dieser, ja, wie bei jedem Staubsauger, durchaus messbar, aber es ist nicht mehr und nicht weniger als bei meinem alten Teil. Was außerdem gut ist: der Akku hat Power für 15, maximal 20 Minuten Saugen – und länger habe ich sowieso keine Lust dazu.

Hat das neue Haushaltsgerät unseren Alltag verändert? Ja, hat es. Erstens ist es sauberer geworden bei uns, weil man diesen Staubsauger schnell und unkompliziert in die Hand nehmen und ruckzuck den Sand im Hauseingang oder die Krümel unter dem Esstisch wegsaugen kann. Zweitens: da es eben auch ein bisschen Spaß macht und auf gewisse Weise befriedigend ist, damit zu hantieren, war zum Beispiel über die Weihnachtstage deutlich zu beobachten, dass auch Familienmitglieder, die sonst nicht gerade „hier“ schreien, wenn es um Hausarbeit geht, schnell mal zugepackt und ein paar Tannennadeln oder Plätzchenkrümel unter dem Kaffeetisch weggesaugt haben.

Bisher sind in dieser Serie erschienen:
Der Herd
Der Kühlschrank
Das Bügeleisen
Die Waschmaschine
Der Mixer
Die Getreidemühle
Die Geschirrspülmaschine
Das Handrührgerät
Die Kaffeemaschine
Der Thermomix
Der Wasserkocher

Autorin: Juliane Brumberg
Redakteurin: Jutta Pivečka
Eingestellt am: 25.01.2023
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • ursula sagt:

    Liebe Juliane, ich teile deine Begeisterung.

  • Maria Drexler sagt:

    liebe Juliane,

    du hast sehr ausführlich und genau ein ganzes Staubsaugerzeitalter beschrieben… bis der Akku Sauger kam. ja ich hatte dieselben leidigen Probleme mit schwerem Gerät, Kabeln, die sich nicht aufrollen wollen usw. Letztlich hatte ich auch nie einen Platz, wo er mit Saugschlauch gut stehen konnte, ohne dass alles umfiel.

    Da ich immer schon in Wohnungen oder Häusern mit Holz- oder Steinboden wohne, ist es für mich inzwischen ein Leichtes den Besen rauszuholen, zusammenkehren und mit dem Handfeger die Wollmäuse in den Müll zu befördern. und das alles in Ruhe, ohne Lärm
    Für mich ist wichtig, dass ich einen guten Besen aus Rosshaar und einen Handbesen aus eben diesem Material habe. ja die muss ich auch pflegen, ausstauben, ab und an mal waschen. Sie tun seit -zig Jahren ihren Dienst. Alles ohne Stromverbrauch und mir wird sogar warm bei dieser Hausarbeit.

    Wo mir manchmal ein Sauger abgeht – das ist bei Kästchen, Geschirrschubladen o.ä. der. Fall, wo ich mit Saugen mehr Erfolg hätte, als mit Auswischen kleiner Flächen mit Ecken und so.
    Bei Teppichen ist er sicher auch gefragt.
    Wie haben das die Berber in ihren Zelten früher eigentlich gemacht?

    Ich bin gespannt auf weitere Kommentare.

    Viele Grüße
    Maria

  • Dr. Gisela Forster sagt:

    Interessant, dass es anderen Menschen mit den Staubsaugern auch so schlecht ging.

    Bei mir kam noch eine Hausstauballergie dazu, die rebellierte, wenn der Dreck, den herkömmliche Staubsauger hinten wieder rauspusten, in meiner Nase landete und diese zu Juckorgien und Nießanfälle stimulierte. Mit dem Erfolg, dass ich Staubsaugen irgendwann ganz aufgab.

    Meine sehr einfühlsame Mutter meinte, die Staubnester in den Ecken wären sehr hilfreich gegen Kleinstbakterien, die sich darinnen verfangen.

    Mein Hals-Nasen-Ohrenarzt empfahl mir schließlich einen Staubsauger, bei dem der Staub im Wasser hängen bleibt und dann mit dem Wasser ausgeschüttet werden kann. Ich habe den nun: Ist zwar auch ein unhandliches Ding, aber es funktioniert: Staub wird keiner hochgewirbelt und Staub kommt nirgends heraus. Alles bleibt im Wasser. Und wenn man dieses Wasser anschaut, dann weiß man wieviel Staub sich darinnen versammelt hat: Solche Massen, dass das ganze Wasser zu einer dunkelgrauen Brühe versumpft – und sich lange Schluderiane und Schlinggebilde darinnen sammeln. Alles glücklicherweise im Wasser und nicht in meiner Nase.

    Dies meine Erfahrungen, aber ich lerne gerne dazu.

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