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Bitter geschmeckt

Von Ursula Knecht-Kaiser

Die Berichte, Analysen und kritischen Anmerkungen zum „Muttergipfel“ erinnerten Ursula Knecht an ihre eigene Begeisterung und Entdeckungsfreude, als sie sich vor vielen Jahren erstmals mit Mariarchat(en) befasste. Damals, vor 23 Jahren, schrieb sie dieses Gedicht.

Labyrinthbitter geschmeckt
eure pillen
aus messen und wägen
verachtung und herrschaft

lebensbrunnenvergiftung

mitgespielt im wettkampf
wo keiner gewinnt
und alle verlieren

opfer dargebracht
euerm grössenwahn kult

mich aufgesplittert
in eure kategorien
entlang eurer skala
meine zeit eingeteilt

doch

hindurchgesaust
durch eure parameter
hinuntergestürzt
in meine eigene quelle
von der göttin beschützt

dort wird meine zeit
nicht an eurer gemessen
und eure tabellen richten mich nicht

tag und nachtkurz
gebär ich meine eigene lust
sekundenlang
wart ich
auf eure erlösung

schwer wiegt mir
eure leicht fertigkeit
mit der ihr
die erde erwürgt

und lächerlich leicht
eure rüstung
aus stahl und beton
tarnung eurer verzweiflung

wenn das mondlicht euch streift
zerfällt euer panzer
in asche und staub

bleibst zurück
nur du
einsamer gott
vater heimatlos

ich schenk dir
den tod
aus erbarmen

mit deinen geschöpfen

und führ dich
ins reich meiner mütter

lern dich
die sprache der wurzeln
die kraftvollen sätze
meiner gewaltlosen geschwister

ich zeig dir
das spiel
vom wind und den wellen
in dem jeder gewinnt
und keiner verliert

ich nähr dich
vom tau meiner weisheit
und weihe dich ein
ins geheimnis des kosmos

ich strick dir
ein kleid aus verschwendung
das trägst du
zurück auf die erde
zum fest
des lebens

Autorin: Ursula Knecht-Kaiser
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 30.06.2008

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