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Neueste Kommentare

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Und wenn ich aus deinem Artikel, Andrea, nur diese Worte lesend bewege „...mein Verständnis des Religiösen konnte sich ausdehnen…“ und ich dabei merke, wie leicht ich in dem Moment Luft bekomme -vor allem diese ganz schnöde Atemluft-, dann braucht´s mir zum Ende meines Lebens wirklich nicht Bange werden: „Ich ziehe das Ausdehnen ins Transzendente vor“, danke. Howgh!

    Artikel: Pucki, Allerleirauh und Winnetou. Als Leserin die Ambivalenz von Texten genießen

  • Hannah Lenz sagt:

    Da ich morgen einen Vortrag über Heilarbeit halten werde, wollte ich noch einmal im Netz nach Marianne Wex "schauen". Vor ein paar Jahren hatten wir noch telefoniert, uns davor Mitte der 90-er Jahre in Altenbücken kennen gelernt. Ich lud sie damals nach Schwerin ein, um einen Vortrag über "Parthenogenese" zu halten, und organisierte hier zentrale Räumlichkeiten. Gewohnt hat Marianne währenddessen bei mir zuhause, in einem winzig kleinen Häuschen auf dem Land, dass ich damals mit meinem Mann und den fünf Kindern teilte. "Der Laden - am Abend der Veranstaltung im Schleswig-Holstein-Haus - war voll", denn viele Schweriner Frauen waren Anfang der 90-er Jahre lern-lustvoll, es war eine gute Aufbruchstimmung. Später im Leben konnte ich die bei Marianne gelernte feinstoffliche Energiearbeit auch innerhalb meiner logopädischen Arbeit anwenden. Erstaunlich war und ist, dass ich offenbar bei anderen Menschen das mentale Farbempfinden steigern kann, obwohl ich selbst nichts davon sehe. Als Kind war ich Synästhetikerin. Ich werde das Wissen, welches mir durch Marianne vermittelt wurde, immer weiter tragen. Als ich heute die eine Tochter fragte, die inzwischen selbst zwei Kinder hat, ob sie sich an Marianne Wex erinnert - denn damals war sie gerade sieben Jahre alt - antwortete sie: "Ja, das war doch die Frau, die einen Salbeitee trinken wollte, und mich bat, aus unserem Kräuterbeet ein großes Blatt zu holen. Davon machte sie sich einen Liter Tee!" Wer Marianne kannte weiß, dass sie praktisch "von nichts" leben konnte, und dennoch eine wunderbare Energie verströmte. Es ist Zeit, erneut von ihr zu lernen! Danke Marianne, ich werde morgen von deinem Leben erzählen!

    Artikel: Sie war eine, die genau hinschaute. Ein Nachruf auf Marianne Wex.

  • Jutta Pivecka sagt:

    Danke für diesen schönen, klugen und differenzierenden Text. Wie anders als durch eine solche Perspektive ließe sich z.B. erklären, warum meine Lieblingsautorin bis zum heutigen Tag Jane Austen ist. Ich habe jeden ihrer Romane viele Male gelesen und finde immer wieder neue Aspekte darin. "Große Literatur" (-ich weiß nicht, ob ich Karl May dazu zählen würde) zeichnet sich wohl dadurch aus, dass in ihr menschliche (darunter weibliche), existentielle Fragen/Haltungen/Wahrnehmungen/Beziehugnen zeitlos (dar-)gestellt werden und gleichzeitig in ihrer gesellschaftlichen Bedingtheit verstanden werden können. Immer wieder neu. Hilary Mantel, die große Autorin, die in der vergangenen Woche starb, hat einmal geschrieben: "A novel should be a book of questions, not a book of answers." -- Deshalb lese ich Literatur. Ich suche in ihr keine Antworten, sondern immer neue Fragen.

    Artikel: Pucki, Allerleirauh und Winnetou. Als Leserin die Ambivalenz von Texten genießen

  • Anne Newball Duke sagt:

    Mmmhhh... naja, vielleicht begreift man die "woke Cancel-Kultur" nicht, wenn man keine Betroffene von in Literatur diskriminierten, rassistisch ausgestalteten Charaktereigenschaften in Figuren ist; wenn man sich also nicht selbst in den stereotypisierten Frauenfiguren erkennt oder sich mit ihnen identifiziert bzw. identifizieren muss, es aber z.B. schwarzen Leser*innen demgegenüber kaum andere "Identifikationsluft" lässt. Klar kann ich als schwarze Leser*in sagen, ich identifiziere mich mit Pippi, aber dennoch bleibt mir dann irgendwas Unerklärliches im Halse stecken, wenn ich noch keine Begrifflichkeiten und Verstehensmöglichkeiten von Rassismus habe. Als ich (als Weiße) irgendwann als schon fast Erwachsene das erste Mal Pippi Langstrumpf las, war ich schon begeistert, aber so komisch teils... ich weiß ich noch, wie ich über den Moment stolperte, als sie Meduzin (oder irgendwie anders falsch von Pippi ausgesprochen) kaufte und dann in den Gulli goss für die Menschen... ich weiß nicht mehr, wie sie benannt wurden... ich mag es auch gerade nicht heraussuchen. Eben noch kaufte sie den ganzen Süßigkeitenladen für alle Kinder ihrer Stadt auf, dann gießt sie Meduzin in den Gulli für die Kinder auf der andern Seite der Welt. Hä? Ich war darüber schon damals ziemlich verwirrt; und als dann vor einigen Jahren die Diskussion aufkam um all die rassistischen Elemente in Pippi - die nicht nur Elemente mal hier und mal da sind, sondern Pippis ganzes Dasein, ihr Reichtum, ihre Möglichkeiten für Freiheit beruhen ja auf kolonialer Ausbeutung, fiel es auch mir dann wie Schuppen von den Augen - da erinnerte ich mich sofort wieder an diese Gulli-Szene. Natürlich bin ich als Leserin zu Ambivalenz fähig. All die Märchen von Aschenputtel, Allerleirauh, Die Prinzessin mit dem goldenen Stern auf der Stirn, der Salzprinz, Die sieben Raben, die zwölf Schwäne... besonders, wenn Frauen sich auf eine abenteuerliche Reise machen mussten, war ich Feuer und Flamme, auch wenn sie - wie ich schon in einem anderen Artikel schrieb - das am Ende nur taten, um Ende ihrer langen beschwerlichen Reise vom Prinzen vor sich aufs Pferd gehoben zu werden. Wussten sie das, als sie sich auf die mühevolle Reise begaben, was am Ende stehen würde und wofür sie es taten? Ich habe bis heute zumindest Hoffnung bei Aschenbrödel. Denn sie heiratet zwar auch, aber sie hat auf dem Weg zur Hochzeit ihr eigenes Pferd, und sie reitet ihm auf diesem auch auf dem Weg zur Hochzeit vorneweg und davon. Ich wünschte ihr immer, dass sie sich dieses Voraussein, die Freiheit und Frechheit und eine gewisse Kindlichkeit in der Ehe und in den ganzen neuen Ämtern am Schlosse bewahren kann. Und ich konnte es kaum bezweifeln, denn sie war so gut in allem, so weit überlegen in der Schnelligkeit (Reiten, Denken), in der Präzision (Schießen), Ausdauer (so präzises Schießen muss sie ja erstmal so gelernt haben), im genauen Hinschauen und Erkennen und vor allem in dem kompromisslosen Verlangen, dass dies auch ihr Zukünftiger können muss: "Ich heirate dich nicht, wenn du mich nicht erkennst", sagt sie ihm ja. Vor allem das gibt mir Hoffnung bis heute. ;) Ich frage mich tatsächlich ziemlich oft, ob nicht dieses "Eheziel", die "Zähmung" all dieser wilden, so freiheitshungrigen Frauenfiguren am Ende aller Geschichten nicht "etwas" - und was dieses "Etwas" ist, das würde jetzt zu weit führen, dem nachzugehen - mit mir gemacht hat. Ich glaube schon, dass auch die Märchen ein ganz klein bisschen daran Schuld sind, dass ich das Patriarchat lange unterschätzt habe. Dass ich dachte, kluge, schöne, wilde, mutige Frauen heiraten eben und sind dann in der Ehe genauso glücklich und wild und frei. Ich würde die Wirkung von den sehr klaren "Empfehlungen" in den literarischen Texten nicht unterschätzen. In der Masse kann es schon fatal sein, und es hatte für mich und nach meinem "feministischen Erwachen" (was ja auch teils nur bedeutet, endlich Begriffe und Erklärungen und Muster für immer schon vorhandene Verwirrtheit und Unwohlsein zu finden) die Folge, dass ich meinen Töchtern nicht ein Märchen von Prinzessinnen und klugen Bauerstöchtern usw. vorlas, ohne diese am Ende zu kommentieren und andere Wege aufzumachen als die der Ehe. Ich konnte also die Ambivalenz erst später erkennen und identifizieren, aber ich glaube nicht, dass ich als Kind schon diese Kompetenz hatte. Und ich musste sie mir mühsam erarbeiten, um dann all die ambivalenten Gefühle identifizieren zu können. Also frage ich mich schon: warum nicht gleich feministische Märchen und natürlich auch andere Literatur? Warum jetzt noch Trotzkopf, wo schon die Bezeichnung der Frau eine Beleidigung ist und schon der Titel also in sich trägt, wie die Frauenfigur gezähmt werden muss? Es gibt sie - "Frozen/Die Eiskönigin" ist eine aktuelles Beispiel dafür - und es gab sie auch davor, aber oftmals wurden sie patriarchal überformt. Denn wer weiß, was die Frauen, von denen die Grimms und andere Märchensammler die Geschichten haben, wirklich erzählt haben, und was dann aus ihnen gemacht wurde im Laufe der Verschriftlichung. Ich habe zum Beispiel auch die Trotzkopf-Bände noch verschlungen. Aber ich würde sie meinen Töchtern nicht mehr empfehlen. Sie liegen in einer Kiste auf dem Dachboden. Zur selben Zeit las ich auch alle Bände von "Anne auf Green Gables". Diese stehen im Gegensatz dazu im Bücherregal meiner Tochter, und sie hat den ersten Band schon 3 mal gelesen. Es gibt nun mal Bücher, die Frauen viel viel viel mehr empowern, das Gehirn anregen und weiten, die ihnen GLEICH gutes Rüstzeug auf dem Lebensweg mitgeben, ohne sich noch auch in der Literatur durch unentdecktes und unidentifiziertes, verschlüsseltes, metaphorisiertes usw. patriarchales Land zu schlagen. Warum also ihnen nicht gleich feministische Lebenswege und Figuren in der Fiktion anbieten - die müssen doch deswegen nicht langweilig und eindimensional sein!, ganz im Gegenteil! Warum erst mit patriarchalem Müll belasten? Ich wäre gern unbelasteter, und ich hätte viele Bücher, die ich jetzt erst lese, die es aber schon viele Jahrzehnte gibt, schon gern als Jugendliche gelesen. Ich hätte dafür auch auf so manch anderes Buch verzichten können. Um es mal so zu sagen: patriarchale Erzählungen - auch wenn sie feministische oder sonstwie mich bewegende Momente enthalten! - und mein Nachdenken und meine Suche nach mir selbst in ihnen (was nicht oft zur Folge hatte, dass ich mich dafür verformen musste, um mich ein bisschen darin zu finden) hat mir alles in allem viel Zeit gestohlen. Patriarchale Literatur ist eine Zeitdiebin, würde ich sagen. Dasselbe gilt für Literatur, die Rassismus, Homophobie, usw. usf. in sich tragen. Wir können sie lesen, um unser "altes Ich" besser zu verstehen; unsere Mütter und Großmütter usw. Aber für ein gutes leben für alle braucht es feministische Literatur, und zwar von frühestem Kindesalter an.

    Artikel: Pucki, Allerleirauh und Winnetou. Als Leserin die Ambivalenz von Texten genießen

  • Anke sagt:

    Danke für diesen klugen Text über kluge Leser*innen. Ich habe auch alles verschlungen als Kind, als Mädchen, als junge Frau - bis heute. Pucki, Nesthäkchen, Pippi Langstrumpf, Karl May, da mit Vorliebe die ganz alten Ausgaben, dann Berte Bratt-Bücher rauf und runter, Dolly, Hanni und Nanni, dann wieder Hermann Hesse, Thomas Mann, Theodor Fontane, alle Bronte-Schwestern, Georgette Heyers Romane - gemischt mit Comics über Micky und Minni, Lucky Luke, Tim und Struppi bis zu Marvel.... und ja, ich habe es damals als kindliche und jugendliche Leserin schon sehr sehr genau analysiert und durchdacht, was ich da alles durcheinander gelesen habe. Es hat mir auf meinem feministischen Entwicklungsweg nicht geschadet, Stereotype zu lesen. Feministische Bücher habe ich erst viel viel später entdeckt. Und Reflexion im Elternhaus gab es nicht für mich, meine Mutter hat Utta Danella und Schlimmeres gelesen und ein bisschen Zeitung, mein Vater höchstens Sachbücher. Reflexion auch nicht in der Schule, da gab es Goethes Faust mit pädophil-geneigtem Deutschlehrer. Ich war eine Allein-Leserin aber mit städtischer kostenloser Leihbücherei. Und meinen eigenen Kindern habe ich alle meine alten Kinderbücher in der alten Rechtschreibung zu lesen gegeben, auch wenn sie in der Schule die neue Rechtschreibung gelernt haben. Hat ihnen gar nicht geschadet. Auch meine Jungs lesen Bücher. Also - diese woke Cancel-Kultur der Verlage begreife ich überhaupt nicht....

    Artikel: Pucki, Allerleirauh und Winnetou. Als Leserin die Ambivalenz von Texten genießen

  • Elfriede Harth sagt:

    Liebe Andrea, - auch ich bin Märchenfan, habe Karl May mit Begeisterung gelesen und darin viele positiven Dinge gefunden. Ich sehe in diesen Texten mehrere Schichten, die eben unterschiedlich interpretiert werden koennen. Es sind darin Erfahrungen aus anderen Zeiten, die jedoch in mir resonieren, weil sie Botschaften enthalten, denen ich Positives abgewinnen kann. Durchaus vielleicht in dem Bewusstsein, dass ich manches anders sehe oder kenne. Manchmal ist es einfach interessant, wie weit entfernt gewisse "Wirklichkeiten", die in Geschichten berichtet werden, sind. Dass es solche "Wirklichkeiten" vielleicht mal geben konnte, aber (zum Glueck oder leider) inzwischen nicht mehr gibt, weil sich so vieles gaendert hat. Ich glaube, es gibt auch einen "historischen Eurozentrismus", wenn ich das mal so benennen kann, mit dem Texte aus frueheren Zeiten gelesen werden koennen.... wer weiss, wie unsere Narrative in 50 oder 150 Jahre wirken....

    Artikel: Pucki, Allerleirauh und Winnetou. Als Leserin die Ambivalenz von Texten genießen

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Kathleen, vielen Dank für Deinen Beitrag. Die Kaffeemaschine darf in dieser Reihe nicht fehlen! Im Beruf erlebe ich täglich, für wie viele Menschen der Kaffee inzwischen von einem Genussmittel zu einem "Lebens"-Mittel geworden ist, von dem behauptet wird, dass man ohne es, also ohne seinen Kaffee, gar nicht arbeitsfähig sei. Dazu kommt die Vielfalt an Sorten und Zubereitungsweisen, um die geradezu "Glaubenskrise" geführt werden. ... Ich selbst, allerdings, habe das nie nachvollziehen können. Mir schmeckt Kaffee nicht. Als ich ein Kind war, gab es Kaffee nur zu ganz besonderen Gelegenheiten. Üblich war "Muckefuck" aus der Caro-Dose. Das Getreide-Pulver wurde einfach übergebrüht. Den mochte ich ganz gern. Kaffee dagegen war bitter und sonst nix. Kaffee ist für mich ebensowenig ein Genuss wie z.B. Tabak. Staunend nehme ich wahr, was für Preise für Kaffeemaschinen gezahlt werden. Und welche tödliche Stimmung entsteht, wenn bei uns im Lehrerzimmer die Kaffeemaschine mal ausfällt... In unserer Küche daheim haben wir nur eine, weil mein Mann Kaffee trinkt - und weil Besuch kommt, für den ohne Kaffee - siehe oben - gar nichts geht. Mein Gerät dagegen - und das fällt mir erst durch deinen Text so stark auf - ist der Wasserkocher. :-)

    Artikel: Die Kaffeemaschine

  • Jutta-Lotte sagt:

    Vielen Dank für den Beitrag, der mich, 'erreicht' und nachdenklich gemacht hat. Ich selbst bin als OMA GEGEN RECHTS aktiv und habe einmal mehr gedacht, dass unsere Solidarität als OMAS mit der Generation, die so viel jünger ist als wir, doch noch viel größer werden könnte und sollte.

    Artikel: Wer ist eigentlich „Ihr“?

  • Dolors Zoé sagt:

    Liebe Heike, liebe Kommentatorinnen Mich macht dieser Artikel etwas ratlos... Ich habe drei Fragen oder Einwände: 1. Generationelle Differenzen mit dem Hinweis auf die Geschichte zu erledigen, hilft meines Erachtens nicht weiter, die aktuelle Situation zu verstehen. Die Frauenbewegung befindet sich das erste Mal in der Geschichte in der jetzigen Situation. Was wir heute an Auseinandersetzungen erleben, ist meines Erachtens ein total ungeklärter Streit zwischen verschiedenen (es sind mehr als zwei!) feministischen Ansätzen in der sogenannten Postmoderne. Diese Auseinandersetzung hat sich im US-amerikanischen Feminismus schon in den späten 1980ern angebahnt (der Band "Streit um Differenz" (1993) von Benhabib/Butler/Cronell/Fraser zeugt davon). Wenn ich das richtig sehe, hat diese Debatte im deutschsprachigen Raum aber nie (oder noch nicht?) so richtig Feuer gefangen und darum fliegt uns heute möglicherweise die ungeklärte Subjektfrage des Feminismus um die Ohren. Und diese Frage hat sich den Feministinnen eben noch nie in derselben Weise gestellt. 2. Weil sich uns diese Frage noch nie in dieser Weise gestellt hat, reicht es meines Erachtens eben nicht, einfach Achtung voreinander zu haben. Was wir brauchen, ist eine kultivierte feministische Streitkultur - auch in der medialen Öffentlichkeit. Was im Moment an gegenseitigem Bashing in Feuilletons quer durch alle Zeitungen und natürlich im digitalen Raum veranstaltet wird, macht mich wütend und hilflos. Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass der Feminismus hier eigentlich von mehrheitlich männlich dominierten Redaktionen vorgeführt oder instrumentalisiert wird. Oder ist es wirklich im Sinne des Feminismus, dass sich hier zwei "verfeindete Lager" derart (negativ) profilieren? Eine konstruktive feministische Debatte sieht für mich irgendwie anders aus. Und: "Mehr Differenz bitte!" Es gibt doch viel mehr feministische Themen und Auseinandersetzungen als als "Queers vs. TERFs". 3. Womit wir beim Stichwort wären: TERF ist eine zwar deskriptiv scheinende, aber abwertend gemeinte Bezeichnung aus dem Queer-Feminismus. Er bezeichnet sicher nicht alle "Alt"-Feministinnen und auch nicht alle radikalen Feministinnen, weder der zweiten Welle noch heute. Ich wehre mich dagegen, dass dieses Akronym, das wie alle Akronyme unscharf ist, jetzt für alle "Alt--feministinnen gelten soll. 4. Und zuletzt möchte ich noch die folgende Frage in den Raum stellen: "Welche Generationenbeziehungen unter Frauen wollen wir?" Achtung, Respekt, Solidarität, ja, natürlich, sofort! Aber da ist noch mehr: Generationenbeziehungen gestalten sich meiner Erfahrung nach durch gegenseitiges Fragen und Zuhören, durch kritisches Mit-, Gegen- und Weiterdenken, durch einen gemeinsamen Alltag und geteilte Räume, in denen Euphorie, Kraft, Wut, Widersprüche, Ängste etc. noch anders kommuniziert und verhandlet werden können, als "nur" verbal. Achtung klingt für mich da zu distanziert, ich würde eher sagen: "Hands on!" - mehr Berührung, mehr Reibung, mehr Handshakes zwischen Frauen!

    Artikel: Schwierige Themen zwischen den Generationen gab es schon immer, vielleicht sind wir, die Boomer, jetzt mal dran, es besser zu machen?

  • Corinna Voigt-Kehlenbeck sagt:

    Liebe Heike, ich füge deinen Ausführungen folgenden Aspekt hinzu. Es geht m.E. nicht um die Bewertung, sondern um die Unterstützung des Protestes. Es ist ja auch das Klima nicht das Thema der jungen Menschen, sondern unser gemeinsames Thema. Und natürlich habe ich Respekt vor Trans Menschen und ihren Anliegen! Es ist falsch, den Jugendlichen den Protest zu überlassen und uns die Rolle der Bewertung anzumaßen. Es geht doch noch immer um das Gleiche Problem, nämlich den patriarchal geprägten Kapitalismus , der exkludiert und Vielfalt und Lebendigkeit beschränkt. Wir sollten nach Formen der Unterstützung suchen, nicht nach Bewertung. Wir sollten weiter denken und mit den jungen Menschen gemeinsam die Veränderungen be- denken! Und beteiligt und nachdenklich sein, so wie ich für mich sagen kann, dass ich dies immer war und bleiben werde.

    Artikel: Schwierige Themen zwischen den Generationen gab es schon immer, vielleicht sind wir, die Boomer, jetzt mal dran, es besser zu machen?

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Ja,“ wir sollten uns (wirklich) nicht auseinander dividieren lassen“ (Bari) Als alte Mathelehrerin sage ich: dividieren wir doch selbst! Da wo es nötig ist, um für uns selbst unsere je EigenArt zu ergründen; weg von verbrauchten Bequemlichkeitsbegriffen wie „Alten" und „Jungen". So erhalten wir in doppeltem Sinn „lebendige, kraftvolle Vielfalt.“ (Heike)

    Artikel: Schwierige Themen zwischen den Generationen gab es schon immer, vielleicht sind wir, die Boomer, jetzt mal dran, es besser zu machen?

  • Brigitte Leyh sagt:

    Wahrscheinlich werde ich schon aufgrund meines Alters als TERF eingeschätzt = trans-exkluding radical feminist. Das eigene Identitätsgefühl zu respektieren erschien mir auch lange wichtig, aber wenn auffallend viele Mädchen in diesen Tagen das Bedürfnis anmelden ihre Geschlechtsrolle wechseln zu wollen, dann bin ich alarmiert. Zehnmal so viele junge Mädchen wie Jungen wollen angeblich das Geschlecht wechseln, wer Skepsis anmeldet, bekommt schnell das einschüchternde Urteil "Transphob!" um die Ohren gehauen.

    Artikel: Schwierige Themen zwischen den Generationen gab es schon immer, vielleicht sind wir, die Boomer, jetzt mal dran, es besser zu machen?

  • Heike Brunner sagt:

    Liebe Frauen, Danke Euch allen, die so schnell geantwortet haben für Euer Feedback. Und liebe Bari, ich persönlich denke es ist einfach so, Störung hat Vorrang, so heißt es im Coaching. Wenn die Debatte jetzt von den "Jungen" z. B. zur kulturellen Aneignung auf den Tisch kommt, ist das jetzt der Zeitpunkt. Genau da liegt glaube ich der Hase begraben, es geht einfach weiter und wird weiter gedacht, das braucht es auch. Ich finde es sehr berfruchtend, dass all diese Debatten entstehen. Jede Bewegung war sich glaube ich immer nur für einen Bruchteil einer Sekunde "eins", sage ich jetzt mal so, zumindest habe ich es so erlebt. Es lebe die Vielfalt, das hat auch sehr viel Kraft.

    Artikel: Schwierige Themen zwischen den Generationen gab es schon immer, vielleicht sind wir, die Boomer, jetzt mal dran, es besser zu machen?

  • Bari sagt:

    Liebe Heike finde ich richtig und wir sollten uns nicht auseinander dividieren lassen im Kleinkrieg um die einzig richtige Methode . ich glaube ohne das Engagement von uns Alten, sähe es jetzt überall viel schlimmer aus, wenn ich allein an die Luftverschmutzung in Europa denke. Aber es hat definitiv nicht gereicht und deshalb ist es gut , dass die jungen Menschen weitermachen mit ihrer Art des Protestes. Was m.E. nicht hilft sind Nebenkriegsschauplätze aufzumachen wie der Streit um kulturelle Aneignung, das bindet wie ich finde Kräfte an der falschen Stelle. Zusammenarbeit für die Zukunft ist erfolgreicher, wenn wir über Generationen, Geschlechter und Kulturen zusammenarbeiten und keine ideologischen Grenzen ziehen. liebe Grüße Bari

    Artikel: Schwierige Themen zwischen den Generationen gab es schon immer, vielleicht sind wir, die Boomer, jetzt mal dran, es besser zu machen?

  • Elfriede Harth sagt:

    Liebe Heike, ich, als noch viel aeltere als Du, bin der Meinung, dass wir unbedingt Mut machen sollten. Momentan herrscht Apathie, Lethargie... wahrscheinlich eine emotionale und gesellschaftliche Form von Long-Covid, fuer die nicht das Virus als solches, sondern die stattgefundene koerperliche Abstandhaltung bei gleichzeitiger massiver Verlagerung der menschlichen Interaktion in das Virtuelle (komisch, dass "Virus", "Vir" (Mann) und "Virtuell" die gleiche Stammwurzel haben!) verursachend scheinen. Wie irgend jemand mal sagte, Zaertlichkeit und Gewalt unterscheiden sich durch die Dosierung von Naehe und Abstand. Waehrend Zaertlichkeit die groesstmoegliche Naehe bei Beibehaltung des groessmoeglichen Abstands (also Respekt vor d: Anderen) ist (siehe Streicheln) ist Gewalt die abstandslose Naehe (siehe eine Ohrfeige). Unsere Seelen brauchen die Nahrung koerperlicher Naehe, brauchen Beruehrung. Wie organisieren wir das? Das muessen wir gemeinsam herausfinden. Zwischen Jung und Alt.

    Artikel: Schwierige Themen zwischen den Generationen gab es schon immer, vielleicht sind wir, die Boomer, jetzt mal dran, es besser zu machen?

  • gudrun barwig sagt:

    liebe heike, du sprichst mir so aus dem herzen! bleiben wir in bewegung und bewegen diese welt weiter! mit anarcha-feministischen grüßen, immer noch. gudrun

    Artikel: Schwierige Themen zwischen den Generationen gab es schon immer, vielleicht sind wir, die Boomer, jetzt mal dran, es besser zu machen?

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe Fidi, in einer Mail ging Chiara Zamboni auf deinen Kommentar ein. Sie schrieb (meine Übersetzung): „Grundsätzlich stimmt das, aber es gibt kostbare Gedanken in den Büchern, mit deren Hilfe wir uns aus den Gemeinplätzen und der herrschenden Sprache herauslösen können, die sich uns sonst aufdrängen. Diese Gedanken ermöglichen uns, anders in der Natur und in der Welt unterwegs zu sein.“ „In fondo è vero, ma ci sono idee preziose nei libri, per togliersi fuori dai luoghi comuni, dal linguaggio dominante, che altrimenti si impone. E che ci permettono di camminare diversamente nella natura e nel mondo.“

    Artikel: Merleau-Ponty 2: Farben. Die Unbewusstheit der Wahrnehmung. Natur und Sprache. Mensch und Tier.

  • Johanna Helen Schier sagt:

    Liebe Jutta. Wer hätte d a s gedacht! Ich brauchte im Mai dieses Jahres unerwartet und dringend einen Kühlschrank, um nach einer OP zu k ü h l e n. Bis zu dem Zeitpunkt war ich kein einziges Mal in dieser Situation. Interessanter Nebeneffekt: Ich gönne mir nun Speiseeis in großen Behältern. Im Keller würde es nach und nach schmelzen. Bis dahin reichte mir ein Eis "auf der Hand". Wie schnell sich Bedürfnisse wandeln können...

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • Dr. Gisela Forster sagt:

    Danke an Juliane Brumberg für den einfühlsamen Kommentar zu dem oben bezeichneten Buch. Viele Menschen wissen in der Tat nicht, wie sie mit Sterbenden umgehen sollen und schieben diese in den letzten Minuten des Lebens noch in ein Krankenhaus ab. Das muss nicht sein, denn Sterben zu Hause kann so schön sein: Die Intensivgeräte, die vielen Schläuche und Infusionen sind nicht mehr an und im Körper, der Mensch kommt allmählich zur Ruhe, die Organe geben nacheinander ihren Lebenswillen ab, und so kann Mensch in eine schmerzfreie Ruhe versinken. Lässt man der Natur ihren Lauf, stört man die Wege der Natur nicht, dann ist Sterben nicht problematisch: Die Natur ist nicht grausam, grausam ist nur der Mensch, wenn er zu viel in den Sterbeprozess eingreift. Nach dem Todeseintritt ist es gut, bei dem Menschen zu bleiben und die Transzendenz und Entspannung des Verstorbenen mitzufühlen. Tote dürfen viele Stunden zu Hause gelassen werden, Notärzte sollten nicht gerufen werden, es besteht die Gefahr, dass sie den Toten wiederbeleben, also gelassen die Todesstunden abwarten, am Bett sitzen, ein Lied gemeinsam hören, Verwandte und Bekannte fragen, ob sie dazu kommen wollen, die nächste Nacht den Verstorbenen im Familienkreis lassen und erst am folgenden Tag bei dem Bestatter anrufen. Verstorbene strahlen so viel Ruhe und Gelassenheit aus, dass zu keinem Zeitpunkt Hektik und Aktionismus eintreten müssen, sondern dass sich vielmehr die Begleiterinnen und Begleiter ruhig selbst diesem Frieden des Todes hingeben können, ohne die Angst haben zu brauchen, irgendetwas zu versäumen oder irgendetwas falsch zu machen. Dies schreibe ich, weil ich seit vielen Jahren eine ambulante Altenpflegefirma habe und Angehörige immer wieder ermutige, einen natürlichen Sterbeprozess zuzulassen und sich Zeit für diesen Lebensabschnitt zu nehmen.

    Artikel: Den Tod ins Leben holen

  • Sonja sagt:

    Habe mir erlaubt, den Link mit der schönen Buchbesprechung in mein Blog zu holen. Ich hoffe, das geht in Ordnung! Gruß von Sonja

    Artikel: Den Tod ins Leben holen

  • Gesa Ebert sagt:

    Liebe Dorothee Markert, interessante Gedanken. Vielen Dank dafür. Besonders berührte mich der letzte Absatz, auch ich bin immer noch damit beschäftigt, meiner Mutter verzeihen zu können. (Ich habe eine Schwester und fünf Brüder; das soll zur Erklärung genügen.) Und gleichzeitig hoffe ich, dass mir meine drei Töchter so manches verzeihen können, was mir in der Erziehung mißlungen ist. Das schöne ist, dass ich mit ihnen über das Vergangene offen reden kann. Gesa Ebert

    Artikel: Ein Lied über weibliche Autorität und Mutterliebe

  • Antje Schrupp sagt:

    Liebe Bettina - danke dass du dich nochmal gemeldet hast, es lag an der Urlaubszeit, ich hab deinen Kommentar jetzt freigeschaltet, sorry!

    Artikel: Putin, der Böse

  • BettinaS sagt:

    Liebe Frauen, ich hab vor einer Weile einen Kommentar geschrieben und vermisse ihn hier. Gibt es einen Grund? Liebe Grüsse Bettina

    Artikel: Putin, der Böse

  • BettinaS sagt:

    Ich finde diesen Beitrag beunruhigend unterkomplex. Wie die Autorin selbst sagt, ginge es darum, genau hinzuschauen. Das passiert hier gerade nicht. Zuerst wird die Beobachtung gemacht, dass Putin von vielen dämonisiert wird. Es wird eine Parallele gezogen zu Hitler (gewagter Sprung...). Auch dort wurde eine Dämonisierung betrieben, u.a. um die eigene Mitschuld nicht anzuerkennen. Vor diesem Hintergrund und mit diesem historischen Wissen wird ein genaues Hinschauen gefordert. Und jetzt kommt der grosse Sprung: Wir sollten die russische Bevölkerung verstehen suchen, die zu 80% diesen Krieg will, aus historischen Gründen und weil sie u.a. Mühe hat den Verlust ihrer weltpolitischen Grösse anzuerkennen. Bitte?? Erstens gibt es noch ganz andere Erklärungen, warum 80% der Bevölkerung diesem Krieg scheinbar zustimmen. (Z.B. werden sie telefonisch dazu befragt und geben sich dann sicher nicht als Kriegsgegner:innen zu erkennen.) Zweitens: Wenn es so wäre, dass sie aus den genannten Gründen diesem Krieg zustimmen, dann wäre das meines Erachtens Anlass für vehemente feministische Kritik. (Das ist doch genau toxic masculinity, um diesen Begriff einmal zu brauchen: den Verlust der eigenen "Grösse" nicht verkraften zu können.) Der ganze Text macht m.E. genau das, was eigentlich kritisiert werden soll: personalisiert, psychologisiert und simplifiziert eine hochkomplexe geopolitische Situation, die nach dem russischen Überfall auf die Ukraine entstanden ist. Es wird mit ideologischen Bilder operiert, z.B. das des bösen Westens, der seine demokratischen Werte nur so vor sich herträgt, dabei eigentlich nur das Gas will. Dass dann das "gute Leben für alle" als Fazit kommt, möchte ich stark kritisieren. Es ist an uns Feministinnen, dass diese wichtige Forderung nicht zur abgedroschenen Phrase wird. Sie darf nicht einfach verwendet werden, um einen unausgegorenen ideologischen Kommentar zu machen. Einspruch!

    Artikel: Putin, der Böse

  • Claudia von der Tauber sagt:

    Ja ein sehr informatives Buch mit vielen beeindruckenden Fotos. Die Göttin ist mit diesen Bildern noch da. Das Buch liegt ganz Nahe an meinen Forschungen dazu. Hessen grenzt an Baden-Württemberg, wo ich im Taubergebiet forsche und ähnliche Bilder finde. Auch die Frau Holle Verehrung ist noch in vielen Sagen und Gewannnamen vorhanden. Der Kosename der Tauber ist Melusine und kommt in Geschichten und Bildern vor. Die Erde/ Frau Holle umarmt uns poetisch

    Artikel: Viele Spuren der alten Göttin

  • Ulrich Wilke sagt:

    Ein wertvoller Hinweis. Ich werde schauen, ob in Preußen auch etwas zu entdecken ist. Ebenfalls beachtenswert ist die antike Hekate; im Pergamonmuseum ist ein Steinbild von ihr.

    Artikel: Viele Spuren der alten Göttin

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Danke liebe Juliane für deinen Kurzrezension dieses Buches kurz vor 'Maria Himmelfahrt'; irgendwie die Inthronisation einer christlichen Göttin. ;-) Kürzlich ist eine wichtige Vertreterin solcher Forschungen in der Schweiz verstorben: Carola Meier-Seethaler. Hier noch ein spannender Beitrag von ihr zum Thema 'Matriarchatstheorie und feministische Geschlechterforschung: Eine Positionsbestimmung': http://www.theoriekritik.ch/?author_name=carola-meier-seethaler Und hier der Link auf ein sehr schönes Zeitdokument von 1998 mit ihr; der Sternstunde Philosophie: https://www.srf.ch/play/tv/redirect/detail/f81df00f-cf3d-451f-b6a8-5b92ecde841d

    Artikel: Viele Spuren der alten Göttin

  • Sigrid Werner sagt:

    Vielen Dank für diesen sehr guten Artikel, dem ich auch vollkommen zustimme.

    Artikel: Putin, der Böse

  • Monika Krampl sagt:

    Danke für dieses Malerinnenporträt. Sie erinnerte mich an Paula Modersohn-Becker, 1876 - 1907, deren Biographie, geschrieben von Kerstin Decker, ich vor zwei Jahren las. Was sie verbindet ist nicht ihr Malstil, sondern die Schwierigkeit als Malerin in dieser Zeit zu leben und wahrgenommen zu werden. Decker schreibt: "Jetzt am 25. Mai 1936 in der Avenue du Maine in Paris, malt - wohl zum allerersten Mal - eine Frau sich selbst: hüllenlos. Der erste weibliche Selbstakt entsteht." Ob sich die beiden Malerinnen wohl gekannt haben?

    Artikel: Bildnisse wie aus der Zeit gefallen.

  • Eveline Ratzel sagt:

    Wenn ich die Feindschaft gegen den Kriegstreiber Putin verstehen will, etwa im Vergleich mit Nixon, den Bushs etc, die ungleich mehr Verderben den Menschen in Vietnam, Irak, Lybien und vielen anderen mehr zugefügt haben, möchte ich gerade aus deutscher Sicht das Erdgeschoss verlassen und in einen tief gelegenen dunklen Keller steigen. Lediglich eine Funzel wirft ein erahnbares Licht auf tiefgelegene Ängste, Vorurteile, Rassedenken. Da ist DER RUSSE (die Russin gibt es nicht), der russische BÄR; tapsig, grob, kulturlos, gefährlich. In seiner Gefolgschaft die minderwertigen Slawen, Tschechen, Polen, DIE Jugoslawen und unter ihnen die Schlimmsten, die Fahrenden, die Zigeuner. Sehe ich hier die Millionen russischer Menschen, Opfer des 2. WK? Nein, aber DIE russischen Soldaten als Vergewaltiger deutscher Frauen. Ich sehe nicht die US-Soldaten, als Vergewaltiger, die haben UNS Nylonstrümpfe, Schokolade und Zigaretten geschenkt. Und uns vor der russischen Revolution gerettet. Wir vergessen nicht, wer die Guten und wer die Bösen sind - welche Rolle spielen da die Fakten? Irgendwie gehören die Slawen der minderwertigen Rasse an, das haben wir gründlich verinnerlicht. Und irgendwie sind sie auch dunkelhäutiger als WIR (egal ob sie das sind). Gerade haben die Sinti und Roma in Auschwitz ihrer gequälten und ermordeten Menschen gedacht. Das bleibt UNS merkwürdig fremd. Merkwürdig? (Ich erinnere an das Buch: "Europa erfindet seine Zigeuner"). Infolge des 2.WK's war fast ein Drittel der deutschen Bevölkerung auf der Flucht. Vergessen, verdrängt, tabuisiert. Nein, sie waren in UNSEREM Bewusstsein keine Flüchtlinge. Die hatten WIR allerdings auch. Das waren diejenigen Geflüchteten, die an der Aussprache zu erkennen waren: "Stanislav, wo kummsch du dann her?" Als Kind stand ich neben meiner Großmutter im Laden, wir waren an der Reihe. Die nette Bäckerfrau verkaufte uns ein Brot, es war das letzte im Regal. Hinter mir eine Stimme: "Immer die Flüchtlinge..." Wenn ich die Kellertreppe hochsteige und im Sonnenlicht die oberste Etage sehe, UNSERE Regierung, die aufrüstet, Waffen liefert, UNSERE Rüstungsindustrie, seit vielen Jahren milliardenschwer, packt mich die Wut. Das ist keine Zeitenwende, das ist Rückfall in Zeiten, als die deutsche Sozialdemokratie Kriegskrediten zugestimmt hat. Und heute hat die SPD an ihrer Seite die Grünen, während ihrer Gründungszeit Friedenspartei. Heute schreien sie so laut sie können nach Waffenlieferungen in die Ukraine. 1937 hatte Bertrand Russell mit vielen Prominenten, u.a. Einstein, einen Offenen Brief verfasst, in dem er warnte: Im Zeitalter von Atomwaffen muss unter allen Umständen ein Krieg vermieden werden, es kann nur Verhandlungslösungen geben. Ich wünsche, dass Viele mutig in den Keller gehen .

    Artikel: Putin, der Böse

  • Anna Blietschau sagt:

    Liebe Juliane, ich sehe das genau so. Nur eine Person! Und die wird ständig dämonisiert. Er ist ein Autokrat, keine Frage. Aber das sind andere auch mit denen weiter Geschäfte gemacht werden. Und der Angriffskrieg gegen die Ukraine, war nicht der erste, den wir erleben. Aber keiner wurde medial dermaßen skandalisiert und kommuniziert. Ja, bitter, aber Mariopol sieht genau so zerstört aus wie Rakka oder Aleppo. Ich denke, wir leben auf einem Kontinent mit Rußland und müssen miteinander zurecht kommen. Ach ja, Saudi-Arabien führt seit etlichen Jahren einen Stellvertreterkrieg im Jemen. Da wurden nie Sanktionen verhängt. Ich denke dann: Es gibt recht unterschiedlich kommunizierte Angriffskriege. Das ist bedenklich.

    Artikel: Putin, der Böse

  • Hannelore Hutzler sagt:

    Ich finde die Diskussion sehr interessant und weiterführend, vermisse aber einen Aspekt, den ich nicht biologistisch nennen möchte, sondern auf die Sozialisation von Menschen bezogen, die sich in ihre Körper einschreibt. Wir haben ja keine Spaltung zwischen unseren einzelnen Aspekten, sondern haben Sozialisationserfahrungen, die mit unserer jeweiligen Gesellschaft zu tun haben, in unsere Körper aufgenommen. Der Körper ist eben nicht einfach etwas Biologisches, sondern bereits selbst politisch-gesellschaftlich-biografisch geformt. M.E. gibt es eine zunehmende Verachtung dieser Erfahrungen, die sich auch in der Formung des Körpers (besonders wohl immer noch bei alternden Frauen) zeigt. Dabei wird der Körper wie eine Art Rohmaterial betrachtet und nicht wirklich mit all seinen Erfahrungen geliebt.

    Artikel: Anderes Frau-Sein verstehe ich nicht – da haben wir doch etwas gemeinsam

  • Brigitte Leyh sagt:

    Was für ein schönes Buch und was für eine schöne und produktive Beziehung von Mann und Frau uns da vorgelebt wird. Das lässt hoffen! Vielen Dank, Adelheid Ohlig.

    Artikel: Das Ende eines langen, gemeinsamen Lebens

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe Birgit, weiterdenken setzt voraus, der anderen Person zuzuhören und erstmal bei sich ankommen zu lassen, was diese gesagt oder geschrieben hat. Es ist nicht möglich, wenn eine Aussage oder ein Text nur als Stichwortgeber genutzt wird, um ihm die eigenen fertigen Theorien (oder Vorurteile) entgegenzuhalten. Wenn ich deine beiden Kommentare lese, frage ich mich, ob du Antjes Buch wirklich gelesen hast, sogar in Bezug auf meine Rezension habe ich da Zweifel. Würdest du dich auf das beziehen, was Antje und ich geschrieben haben, hättest du beispielsweise gemerkt, dass es hier um eine andere Freiheit geht, die die Ungleichheit in Bezug auf das Schwangetwerdenkönnen miteinbezieht. Und du hättest den letzten Abschnitt deines Kommentars (über deine Utopie über ein gutes Aufwachsen von Kindern) nicht so geschrieben, als ob Antje etwas ganz anderes wolle. Was du über die Aufsplitterung in die vielen Elternschaften schreibst, einschließlich der Angestellten der Reproduktionstechnik, klingt in meinen Ohren sehr giftig, nach absichtlichem Missverstehenwollen, wie es bei einem Streit typisch ist.

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Antje Schrupp sagt:

    Hallo Birgit, da ich gerade im Urlaub bin, kann ich dir leider nicht so ausführlich antworten, wie ich möchte. Ich habe allerdings den Eindruck, dass du bei der Argumentation sehr bei deinen Wünschen und Eindrücken und Wissensständen bist. Das gibt dann halt ein Ping Pong - du bist der Meinung, trans Männer, die gebären, sollten sich nicht so nennen, naja, die sind aber der Meinung, dass sie sich so nennen wollen. Da ist man dann in einem Patt, und es braucht Argumente. Ich finde die Idee ganz charmant, den Begriff „Mutter“ mit „Gebären“ zu verbinden, dann muss man ihn aber von Weiblichkeit trennen, und ich bin mir nicht sicher, ob das gelingt. Die trans Männer und nicht binären Menschen, mit denen ich das diskutiert habe, haben mir jedenfalls gesagt, dass sei den Begriff ablehnen, weil sie meine Vorstellung, Mutterschaft über Weiblichkeit hinaus zu denken, für unrealistisch halten, und ich könnte mit dem Vorschlag ja wiederkommen, wenn sich die symbolische Ordnung soweit geändert hat, für den Moment wollen sie halt nicht so genannt werden. Und ich finde, es ist schwierig, Menschen mit Begriffen zu bezeichnen, die sie explizit ablehnen, bloß weil ich selbst diesen Begriff passend finde. Das ist übergriffig. So wie ich ehrlich gesagt auch deine Belehrung darüber, dass ich das Thema nicht hätte auf die ersten neun Monate bis zur Geburt beschränken dürfen, übergriffig, wenn nicht gar unverschämt finde. Dass ich einen Aspekt in diesem Buch nicht behandle, bedeutet ja nicht, dass ich der Meinung bin, dass dieser Aspekt bedeutungslos ist. Auch hier setzt du wieder deine Wünsche absolut und akzeptierst einfach nicht, dass andere Leute, in dem Fall ich, vielleicht andere Wünsche haben und andere Schwerpunkte setzen. Echt, du musst mal ein bisschen über deinen Tellerrand rauskommen, finde ich.

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Birgit Kübler sagt:

    Liebe Antje, ich möchte nicht missverstanden werden. Das Aufbrechen von Genderfixierungen finde ich großartig und ich könnte, was mich betrifft, nicht EINE Kategorie auswählen, so oft hat sich mein Selbstverständnis und mein Begehren gewandelt. Heute kannst du mich als Cis, 60, benennen. Außerdem gehöre ich zu den Frauen, die bereits in den 90-ern Gen-und Reprotechnik beobachtet haben und dabei festgestellt haben, dass männliche Gebärfantasien ein starkes Motiv darstellten. Ich möchte auf keinen Fall transfeindlich rüberkommen, weil ich es nicht bin. Und ich möchte auch nicht homophob rüberkommen, weil ich Reproduktionstechnik generell in Frage stelle. Wenn es so wäre, dass diese speziell für homosexuelle Männer entwickelt worden wäre, wunderbar! Aber so ist es nicht. Meine Kritik an dem Begriff trans Mann, der Kinder bekommen kann/will, bezieht sich darauf, dass in diesem Begriff die biologisch (heute oft) gegebene reproduktive Differenz nicht fassbar ist. In meinen Augen ist ein Mensch, der einen anderen Menschen auf die Welt bringt, eine Mutter, eine männliche trans Mutter, eine intersexuelle Mutter... jedenfalls kein Mann und kein Vater. "Normalität" war nicht MEINE Frage, sondern du begründest deine Differenzierung der Elternfunktionen damit (S.76?) Mir geht es, im Gegenteil, nicht um solch übergeordnete Ideen, sondern um Lebenspraxis. Ich wollte eigentlich deutlich machen, dass "Normalität" immer hinterfragbar ist, wenn man sich, wie ich das tue, für LebensPRAXIS interessiert. Und da auch kann Umdenken entstehen. Dass wir über Kinder nichts wissen, stimmt nicht. Es gibt weite wissenschaftliche Bereiche, die sich mit dem Kindeswohl befassen, allen voran Pädagogik und Psychologie. Das derzeitige System ist in vielerlei Hinsicht nicht gut für Kinder. Ich schrieb ja, das ich die Kleinfamilie keinesfalls idealisieren möchte. Allerdings gibt es auch schreckliche Geschichten von Kommunen und anderen Kollektiven/Institutionen. Gemeinschaften sind sicherlich nicht per se besser. Über Matriarchate wissen wir nur sehr wenig, aber ich finde die Zeugnisse, die sie hinterlassen haben, auch toll. Genauso die wenigen bekannten, heutigen Gemeinschaften. Hier stehen "Mütter" im Zentrum, wie der Begriff uns sagt. Wie du über menschliche Reproduktion nachdenken kannst und dabei "herkömmliche Mutter" ausschließlich auf die ca. neun Monate reduzierst, in der eine Frau ein Kind, um dessen Entstehung es dir geht, in sich trägt und das dann auch noch feministisch nennst, ist mir wirklich schleierhaft. Für mich ist diese reduzierte Sichtweise auf eine Frau, die Gefäß für ein Kind ist, und mehr ist sie in deiner Abhandlung leider nicht, eine zutiefst patriarchale Sichtweise: Wem "gehört" das Kind alles und wann und worin? Wenn man der Meinung ist, die Tatsache, dass Menschenaffen in ihrer Entwicklung zu Menschen ihr Fell verloren haben, woraufhin es Frauen nicht möglich gewesen wäre, gleichwertiger Teil ihrer Gemeinschaften zu sein, sei an all der patriarchalen Misere schuld, ein biologistischer Gedanke, übersieht kulturelle Errungenschaften und Bedeutung von Frauen. (Hab das in letzter Zeit irgendwo gelesen, leider weiß ich nicht mehr wo. Es gibt so viele Theorien...) Es verkennt und übersieht, was Frauen in der Welt können, kennen und geleistet haben, auch im Hinblick auf menschliches Wohlbefinden und Freiheit. Es ist unhistorisch und verkennt kulturelle Komplexität und die Vielfalt an Kulturen. So geht es mir auch mit Frau Stoverock - es ist einfach ein Tor zur absoluten Beliebigkeit, wenn ich irgendwo aus der Geschichte ein Verhalten herauspicke und sage: Schaut, so isses eigentlich gedacht. In genannten Falle: Weibliches Begehren an und für sich als kulturelle Dominanz. Und das nimmt sie nicht einmal aus menschlichen Kulturen, sondern aus dem Tierreich! Ich kann das nur als Provokation und als Sehnsucht verstehen, Punk auf eine Art, da finde ich das gut. Aber nicht als Weltenerklärung. Und auch nicht als Utopie. Mein Wunsch: Dass Frauen und alle Menschen, die gebären können, frei entscheiden können, ob sie einem Kind das Leben schenken oder nicht. Dass sie frei ihre Beziehungen zu ihrem Wohl und dem ihres Kindes gestalten können. Und wenn sie sich von der Verbundenheit mit ihrem und der Verantwortung für ihr Kind überfordert fühlen, Menschen und Orte für ihre Kinder finden, die den Kindern wohltun. Das wäre mir schon Utopie genug.

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Antje Schrupp sagt:

    Danke Birgit für deinen langen Kommentar, ich möchte auf einige Punkte eingehen: Ich denke nicht, dass bei dem Thema neue Begrifflichkeiten nötig sind, weil sich trans Menschen sonst gekränkt fühlen - in Wirklichkeit sind sie nötig, weil wir eine gesellschaftliche Wandlung hinter uns haben, auch Dank der Frauenbewegung, die eine Realität hervorgebracht hat, in der die alte patriarchale Ordnung (Frau = Schwangerwerdenkönnen = Mutter, Familie = heterosexuelles Paar = biologisch eigene Kinder = Vater Oberhaupt der Familie) nicht mehr stimmt. Das fing schon bei der Einführung der Scheidung an, und wird jetzt mit den Reproduktionstechnologien und der Hinterfragung von Geschlechterkonzepten nochmal dynamischer. Aber ich bin der Meinung, dass genauere Begrifflichkeiten notwendig sind, um die Dinge überhaupt besprechen zu können. Warum du mit der Begrifflichkeit trans Mann ein Problem hast, habe ich nicht verstanden. Ich finde trans Männlichkeit derzeit ein recht spannendes politisches Phänomen, ebenfalls nicht binäre Geschlechtlichkeit. Für mich als cis Frau ist es intereressant, in der Beziehung zu diesen Menschen eine andere Form von Männlichkeit als die bisherige cis Männlichkeit zu erleben, und ich bin gespannt, wie sich das kulturell weiter entwickelt. Aber das alles betrifft auch deine Frage von „Normalität“. Natürlich geht es darum, die „bisherige“ (patriarchale) Normalität zu hinterfragen, aber eine Gesellschaft, in der es gar keine Normalität gibt, existiert nicht. Normen gibt es immer, von daher ist es auch politisch sinnvoll, eine „neue Normalität“ zu postulieren. Und das ist nicht nur eine Frage von Mehrheiten. Auch Minderheiten können „normal“ sein. Mit diesen Vokabeln diskutieren Gesellschaften das, was für sie akzeptabel ist, was sie nicht stigmatisieren wollen. Auf der anderen Seite ist es wichtig, um zu zeigen, dass die bisherige heterosexuell-binäre „Normalität“ auch nciht einfach naturgegeben, sondern gesellschaftlich hervorgebracht ist, sie existiert in vielen Gesellschaften (z.B.Matriarchaten) nicht. Es ist das christliche Ehemodell, das sich für gottgewollt ausgegeben hat und dann global hegemonial wurde. Zu deiner Frage nach der Perspektive des Kindes: Die ist wichtig, und ich bestreite das nicht, ich bestreite aber, dass wir die kennen können. Zum Beispiel dein Einwand, dass im derzeitigen System Kinder „wissen, an wen sie sich wenden können“, das bedeutete auch, dass Kinder mit missbrauchenden Eltern sich an NIEMANDEN wenden konnten. Das derzeitige System war NICHT gut für Kinder, jedenfalls nicht pauschal. Und schon jetzt ist die Mehr-Eltern-Familie ja Realität, wie gesagt, nicht erst seit kurzem, sondern schon seit der Einführung der Ehescheidung. Die ganzen Fragen, die du für eine neue symbolische Ordnung stellst, müssen natürlich beantwortet werden, das ist ja genau mein Punkt, und zwar im Sinne des Kindeswohls. Meine These ist, dass wir genau das versäumen und nicht ernst nehmen, solange wir behaupten, wir hätten schon die ideale Lösung und alles andere wäre „unnormal). Zur Frage der Wertschätzung der Mütter - ja, die fehlt in meinem Büchlein (und auch schon in dem davor), weil ich es vom Thema her auf die Fortpflanzung selbst beschränkt habe. Es endet deshalb bei der Geburt und deutet die Fragen für die Zeit danach nur an. Vielleicht schreib ich ja doch irgendwann mal eine „Feministische Ethik der Generationenbeziehungen“ - da würde es dann um sowas gehen. Auch dein letzter Punkt, eine Ethik des Schwangerseits, ist noch ein Desiderat. Aber den Begriff der „Freiheit“ würde ich da verteidigen wollen. Deinem Satz „Eine schwangere Person ist nicht frei“ stimme ich ganz und gar nicht zu, genau das ist patriarchale Kernlogik, die Freiheit als etwas bestimmt hat, das nur Männer = unabhänigige Indiduen haben können, was ja dann dazu führte, dass schwangerwerdenkönnende Menschen zu prinzipiell Unfreien erklärt und dann auch gemacht wurden. Mir geht es gerade darum, dass Freiheit als Konzept nur etwas taugt, wenn sie auch für Schwangere und potenziell Schwangere gilt!

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Birgit Kübler sagt:

    P.S.: Wir haben die Angestellten der Reproduktionslabore vergessen. Sie sind auch "Eltern".

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Birgit Kübler sagt:

    Liebe Antje, danke für das klare und informative Büchlein "Reproduktive Freiheit - Eine feministische Ethik der Fortpflanzung". Ich verstehe es als einen Anfang, der zusammenträgt, was alles bedacht werden kann, wenn biologisch weibliche Menschen (und - kleine Zukunfts"musik" - maschinelle Uterusse) schwanger werden können und Kinder gebären. Du hast auf den Begriff "Menschen mit Uterus" verzichtet und das habe ich als sehr angenehm empfunden. Dieses Buch war für mich wesentlich angenehmer zu lesen als sein Vorgänger. Ich habe gar nicht gewusst, WIE sehr mich diese Begrifflichkeit gestört hat. Und nun mache ich selber so ein Wortungetüm! "Biologisch weibliche Menschen". Diese Begriffe sind nötig geworden, weil trans Männer sich übersehen und gekränkt fühlen, wenn von "Frauen, die gebären", die Rede ist. Sie werden übersehen, weil sie eine so kleine Minderheit sind und ich kann die Kränkung darüber verstehen. Und diese Minderheit ist häufig Gewalt ausgesetzt, deshalb ist der Kampf der trans Menschen um Sichtbarkeit und Respekt sehr wichtig und ich möchte ihn unterstützen. Aus meiner Sicht jedoch ist der Begriff "trans Mann" nicht richtig. Hier müsste es trans Mensch heißen - ein "trans Mensch, der sozial als Mann gelesen wird/werden möchte" oder "ein männlicher trans Mensch". Ich kann aus Höflichkeit so tun, als würde ich zustimmen, dass ich ihn für einen Mann halte, zeitweise mag seine Performance auch so überzeugend sein, dass ich ihn für einen Mann halte. Ich würde höflich sein, weil er sich das so sehr wünscht, aber ich sehe diesen Menschen als einen besonderen Menschen an, nicht als Mann. Das Problem, das sich nun bis in diese kleine Ethik verzweigt, ist das Problem, dass der männliche trans Mensch oder der weibliche trans Mensch mit mir und meinesgleichen haben: dass ich sie nicht für "normal" halte und sie es doch so sehr sein wollen. Doch anstatt das Konzept der "Normalität" aufzubrechen und die Wirklichkeiten zu hinterfragen und dafür Bewusstsein zu schaffen, will man den Begriff der "Normalität" behalten und nur neu definieren, wieder einen Kodex erstellen. (Letzthin hatte ich eine heftige Gender-Diskussion mit einem Taoisten, der irgendwann kicherte, weil er im Gespräch mit mir erkannte, dass auch er streng genommen nicht klar in eine Geschlechterkategorie passt - er hatte die Vorstellung, mit einem energetischen "Kind" schwanger zu sein...) "Reproduktive Freiheit" breitest du ausgehend von einer Freiheit der Frauen aus, keine Kinder haben zu müssen, hin zur Freiheit aller, auch queerer Menschen, Kinder haben zu können. Du beschreibst das kritisch, benennst die ausbeuterischen Wesensmerkmale der kapitalistischen Verwertung weiblicher Ressourcen durch die Reproduktionstechnik. Du verweist, wiederum kritisch, auf alle möglichen damit einher gehenden soziokulturellen Erscheinungen: Die Ermöglichung später Schwangerschaften, was es Karrierefrauen schwer macht, frühzeitig Familien zu planen; die Ermöglichung der Schwangerschaft für Unfruchtbare, was den Druck auf alle erhöht, diese körperlich und psychisch schwer belastende Technik zu nutzen; die Ermöglichung von Schwangerschaften für Paare, die keine biologische Differenz aufweisen. Dies sind nun alles tiefgreifende Veränderungen in den Beziehungen zwischen den Generationen und den Geschlechtern, die einen mag frau begrüßen, die anderen gefallen frau nicht. Es ist sehr wertvoll, zu klären, wer nun alles in den Elternstand EINES Menschen kommen kann (S.76): • die genetischen Eltern • die Person, die das Kind in sich getragen hat und es geboren hat • die Menschen, die ein Kind wollen • juristische Eltern mit staatlichem Sorgerecht • soziale Eltern, die sich um das Kind kümmern In unserer Gesellschaft handelt es sich hier überwiegend, wenn auch nicht mehr normalerweise, um Funktionen EINES Elternpaares. Das können diese Eltern gut machen oder schlecht. Ich will das hier in keiner Weise idealisieren. Kinder wissen m.E. von wem sie abstammen, wer sie auf die Welt gebracht hat, wer sich um sie kümmert und wer für sie juristisch verantwortlich ist. Sie wissen, an wen sie sich wenden können und müssen. Nun gibt es den "postpatriarchalen" Wunsch, "Geschlechtlichkeit, Elternschaft, Familienformen generell zu ent-binarisieren". Warum? Um "von der Gegenüberstellung "normal" und "unnormal" wegzukommen" (S.76). (Sic!) "Normal" sein wollen, so sein wollen, wie alle anderen, ist aber nun gerade für Kinder vom späten Kindergartenalter bis zum Beginn der Pubertät ein Riesenthema. Sollen wir Erwachsenen wirklich auch so argumentieren? Und kann dann ausgerechnet die Reproduktionstechnik (Wir sollten aufhören von "Medizin" zu reden.) hierfür nützlich sein? Eine Technik, die, wie du, Antje, auch ausführt, soziale Ungleichheit unter weiblichen Menschen ausbeutet, die in der Lage ist, extrem kontrollierend (Genetik) zu wirken, was Rassismus befördert und die als ein Auswuchs der neoliberalen, spätkapitalistischen, patriarchalen Wissenschaft gelten kann, der es grundlegend an demokratischen, ethischen Kontrollmechanismen und Mitwirkungsrechten fehlt! Mit fehlt in dieser Ethik der Reproduktiven Freiheit die Position des Kindes. Und ich fühle mich äußerst unwohl, wenn ich mich damit zwangsläufig in einer Ecke mit konservativen Kreisen wiederfinde, die als einzige als Verfechterinnen des sog. Kindeswohls benannt werden. Ein Kindeswohl, das vorgeschoben ist, um die Freiheit der körperlichen Selbstbestimmung der Frauen anzugreifen. Ich stelle aber hier nichtsdestotrotz Fragen: Wohin soll das Kind sich wenden, wenn es eine solche Vielzahl Eltern hat, wenn jede dieser o.g. Funktionen personalisiert ist? Vielleicht gelingt es einer Ethik der Reproduktiven Freiheit mit der Zeit eine Gewichtung vorzunehmen, samt rechtlicher Absicherungen etc., aber macht das für einen jungen Menschen oder ein Kind Sinn? Es steht im Extremfall im Lauf der Jahre vor sechs bis neun Personen, hat Sympathien und Abneigungen und an wen wird es sich wenden? An die No.1 auf der noch zu erstellenden Liste? Die Bindungsforschung hat gezeigt, wie wichtig Bindungserfahrungen für kleine Menschen sind. Und das bereits ab der ersten Minute unterm Erdenlicht! Und welche schlimmen Folgen es für Kinder hat, wenn Bindung nicht gelingt... Hier eine künstliche Trennung zu machen und einen "Übergang" von "körperlichen" in einen "sozialen" Zustand (S.69) zu konstruieren, mag richtig "gedacht" sein, ist aber fern einer wünschenswerten Lebenspraxis von (Gebär-)Mutter und Kind. Die Geburt selbst wird vergessen. (Ja, glaubt man denn, eine Geburt wäre etwa vergleichbar dem Kuchen, den man aus dem Backofen holt? Offenbar. Vielleicht spiegelt sich hier die mit fast 30% unnötig oft in Deutschland praktizierte Kaiserschnittgeburt. Dies ist tatsächlich eine Sectio.) Ich bin davon überzeugt, dass es vielfältige Möglichkeiten des Zusammenlebens von Menschen gibt, die für Kinder ganz wunderbar sind. Aber ich frage mich gerade, ob es nicht für Kinder besser wäre, nicht nur der Reproduktionstechnik Widerstand entgegen zu setzen, sondern auch auf solch eine Ethik zu verzichten, die Elternschaft filetiert und das Leben für Kinder äußerst kompliziert machen wird. Es gibt noch etwas, das mir in dieser Ethik fehlt. Es ist eine Würdigung und Wertschätzung der Mütter, die Kinder auf die Welt bringen. Sie wird zwar dem Ganzen vorangestellt, aber es scheint mir doch eher ein Lippenbekenntnis zu sein, da ich im weiteren Verlauf den Eindruck hatte, dass im Schwangersein mehr ein Opferstatus erkannt wird, was es ja in manchen historischen Zeiten und in anderen Weltregionen durchaus war und ist. Möglicherweise spiegelt auch dies den Zeitgeist wieder, in dem junge Frauen sich schlecht fühlen und kritisiert werden, wenn sie die ersten Jahre ihre Kinder begleiten wollen und sie nicht bald in die Krippe geben. Was ist nötig, damit Frauen und männliche trans Menschen selbstbestimmt schwanger oder nicht schwanger sein können? Was ist nötig, damit Menschen, die sich ihren Kindern umfassend widmen und sie solange als "Eltern" begleiten, wie dies (immer mal wieder) von den Kindern gewünscht wird, ein gutes Leben haben können? Was ist das für ein besonderer Zustand, den Schwangere und ihre Ungeborenen miteinander teilen? Was ist die tiefe Verbindung zum Leben und seine Bejahung, die sich in dieser Praxis zeigen kann? Und findet sich dies auch in den Kühlschränken der Reproduktionslabore und den Pipetten der Laborant*innen? Und was bedeutet das für eine Freiheitliche und feministische Ethik der Reproduktion? Wie kann unsere Gesellschaft lebensbejahend und lebensbewahrend werden? Müssen hierzu alle Eltern werden können? Oder ist das nicht eher zu materiell gedacht? Sitzt diese Ethik nicht einem konsumorientierten Machbarkeitswahn auf? Und wäre es, global gedacht, nicht an der Zeit, das Anything Goes zu wenden? Was ist das für ein besonderer Zustand, den Schwangere und ihre Ungeborenen miteinander teilen? Die Symbolische Ordnung der Mutter leitet sich aus dieser primären Erfahrung ab. Die erste Gabe, die wir erhalten, ist unser Leben. Es ist eine Erfahrung, die alle Menschen teilen, aber nur eine Hälfte der Menschheit kann diese Gabe weitertragen. Wie wäre eine Gesellschaft, die dieses kreative und lebenserhaltende Geben im Kern ihrer Matrix hätte? Nicht nur praktisch, denn es ist bereits so, sondern auch symbolisch! Wenn sie das verstünde? Ob das wohl in einer "Ethik der Reproduktiven Freiheit" Platz hat? Mir erscheint der Begriff "Freiheit" an dieser Stelle nicht passend. Eine schwangere Person ist nicht frei, keine Minute. Sie ist neun Monate engst mit einem anderen Menschen verbunden, zumindest körperlich. Hier fände ich es spannend, weiterzudenken.

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Eine von Milliarden sagt:

    Wenn ich noch einmal irgendwo "Menstruierende" lese als Sammelbegriff für Betroffene in Zusammenhang mit Endometriose-Fachartikeln, ... Ich, Frau, 24 Jahre, leide an Endometriose und menstruiere nicht mehr. Wenn man nur endlich mal zu den wissenschaftlichen Tatsachen zurückkehren könnte. Man schadet damit dem Selbstwertgefühl junger Mädchen und Frauen. Frauen werden wieder verdrängt aus der Gesellschaft, diesmal unter dem Slogan der "Diversität". Es ist unglaublich, wie viele "wisssenschaftliche" Artikel den "Begriff Frau" in letzter Zeit zu ersetzen versuchen. Potenziell schädlich, denn man spielt auch mit der Gesundheit der Mädchen und Frauen.

    Artikel: Ich bin keine menstruierende Person.

  • juliane Brumberg sagt:

    Ich habe das Büchlein auch gerade gelesen, und zwar ruckizucki in einem Zug einfach so weggelesen. Das Thema hat mich eigentlich gar nicht so interessiert, aber so kompakt und gut erklärt, wie Antje es dort vermittelt hat, fand ich es doch plötzlich ziemlich interessant und wichtig.

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Siegrun Laurent sagt:

    Endlich, Argumente ohne Ende. Kann doch kein Mann und keine Frau mehr sagen, dass wir als erste Handlung das Patriarchat überwinden müssen. Und zwar das innere und das äußere Patriarchat. Für das nächste Jahr muss ich nicht mehr darüber nachdenken was ich verschenke.

    Artikel: Teures Patriarchat

  • Brigitte Leyh sagt:

    P.S. Die WELT vom 22. 10.14 führte den dänischen Politikwissenschaftlicher Lomborg an: Er schätzte, dass die Gewalt gegen Frauen und Kinder weltweit jedes Jahr 8 Billionen Dollar koste, in Deutschland allein 3,8 Milliarden.

    Artikel: Teures Patriarchat

  • Ulrich Wilke sagt:

    Claire Waldoff hat das Problem schon besungen: "Ach, was sind die Männer dumm!" (Selbstverständlich auf Berlinisch)

    Artikel: Teures Patriarchat

  • Bettina Melzer sagt:

    Im Osten hieß das Ding RG 28 - war ebenfalls orange und unverwüstlich. 2016 gab es dazu den charmanten (Dokumentar) Film: "Kommen Rührgeräte in den Himmel?" https://barnsteiner-film.de/kommen-ruehrgeraete-in-den-himmel/

    Artikel: Das Handrührgerät - leuchtend orange und unverwüstlich

  • lydia elmer sagt:

    @anne newball duke: Konsequent am Kriegsdenken vorbei denken. Sich von diesen (Kriegs)logiken fernhalten. Eine andere Ebene finden als jene des Mainstream. Das ist doch weibliche Autorität, die du da ausübst. "Disertare la scena" nennen das die Italienerinnen. Ida Dominijanni: Es braucht neue soziale Allianzen. Denn Opfer gibt es viele. Solidarisch sein mit den UkrainerInnen, und mit den russischen Soldaten, mit den ukrainischen Frauen, die im europäischen Care-Sektor tätig waren, mit den Hungernden in Afrika und in Europa u.a.m.

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Vera Bianchi sagt:

    Liebe Juliane, vielen Dank für den Artikel samt Fotos! Ich als Kind der 70er bin mit diesen gelben und orangenen Küchenhelfern aufgewachsen - wir hatten sogar ein Gerät in genau diesem Sonnengelb, mit dem meine Mutter 6 Gläser Joghurt gemacht hat! Mir ist es als Teenager einmal passiert, dass die Sahne beim Schlagen zu Butter wurde: als ich bei Gewitter Sahne geschlagen habe für die Torte zum Geburtstag meines Großvaters. Die Warnung hat also Berechtigung! Als ich von zuhause ausgezogen bin, hat mir meine Großmutter ihr allererstes Handrührgerät geschenkt - mit dem dazugehörigen Rezeptheft. Damals, Ende der 1950er, musste der Bevölkerung noch erklärt werden, wozu ein Handrührgerät gut sein soll - deshalb befand sich neben der üblichen Bedienungsanleitung ein kleines Rezeptheft für einen Kuchen und drei weitere Gerichte. Das fand ich ein echtes Alltagszeitzeugnis.

    Artikel: Das Handrührgerät - leuchtend orange und unverwüstlich

  • Sandra Divina Laupper sagt:

    Liebe Anne! Zuerst einmal vielen Dank für Deinen so langen und ausführlichen Kommentar! Ich habe ihn ein paar Mal durchlesen müssen, um das Gefühl zu bekommen, das passt, jetzt glaube ich schon, eine Vorstellung davon bekommen zu haben, was Du mir sagen möchtest. Aber ich schließe nicht aus, dass ich mich irre! Ein Punkt, in dem ich glaube, dass ein Missverständnis vorliegt, besteht darin, dass Du der Tatsache, dass ich das Bedürfnis habe, den Altersunterschied zwischen Maria und mir zu unterstreichen (wie übrigens Antje Schrupp auch!), eine andere Bedeutung beimisst als ich. Maria meint, sie kann nicht verstehen, warum es Menschen gibt, die gegenüber Leuten, die sich mit einem anderen Geschlecht identifizieren als jenem, das ihnen bei ihrer Geburt aufgrund ihrer körperlichen Merkmale zugeschrieben worden ist, diskriminatorische Positionen vertreten: Laut Maria drängen diese Menschen jene Leute gewaltsam in eine Geschlechtlichkeit, die diesen nicht entspricht. Ich kann mir Marias Nicht- Verstehen (wie, glaube ich, auch Antje Schrupp) nur damit erklären, dass sie so viel jünger ist als ich. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, Transsexualität zu akzeptieren, genauso, wie es für sie sicher auch selbstverständlich ist, Homosexualität zu akzeptieren. Für Menschen in meiner Generation - und da können sie in vielen Bereichen schon von Jugend auf noch so tolerant aufgetreten sein, wie sie wollen - ist es das nicht. Es hat für mich z.B. einen langen Weg gebraucht um zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die sich von Menschen ihres eigenen Geschlechts erotisch angezogen fühlen und sich dessen nicht schämen, sonderen offen dazu stehen wollen. Ich finde es eine gute, aber auch sehr überraschende Entwicklung, dass es im Alltag immer öfter vorkommt, dass homosexuelle Paare als solche akzeptiert werden - sogar in vielen Familien. Homosexualität galt Leuten meiner Generation - wenn sie sie nicht rundweg verurteilten und dabei auch normalerweise mit Pädophile gleichstellten - im besten Fall als mehr oder weniger harmlose Marotte von irgendwelchen exzentrischen Künstlern oder dekadenten Adeligen. Es war für mich spannend, im Laufe der Jahre (bzw. Jahrzehnte) zu entdecken, dass Homosexualität auch etwas ganz Alltägliches sein kann. Ich habe in der Zwischenzeit auch entdeckt, dass es unter meinen vielen Freundinnen nicht viele gibt, die nicht in der einen oder anderen Form Erfahrungen mit Homosexualität gemacht haben. Ich glaube, aus dem Text von Maria Coors herauslesen zu können, dass es für sie anders war und ist. Und, wie gesagt, ich glaube, dass das an unserem Altersunterschied liegt. Deshalb habe ich gemeint, es könnte für sie vielleicht hilfreich sein, eine Erklärung dieser Art für das Fehlverhalten gewisser Leute - zumindest wenn sie der gleichen Generation angehören wie ich - zu bekommen. Persönlich erkläre ich mir diese "stille" Revolution, die in der Öffentlichkeit zu einer immer größeren Akzeptanz von Homosexualität und Transsexualität geführt hat, u.a. auch damit, dass durch den Aufbruch des traditionellen Rollenverständnisses von Mann und Frau, der dank der Kämpfe der Frauen um ein freies, selbstbestimmtes Dasein stattgefunden hat, auch Homosexualität (und Transsexualität) einen anderen Stellenwert bekommen hat in der Gesellschaft. Ich habe aber den Eindruck, dass wir "alte" Feministinnen - im Unterschied zu den jungen - selber ein bisschen überrascht sind von dieser Entwicklung - und manchmal wohl auch etwas überfordert. So, jetzt muss ich schlafen gehen, aber ich hoffe, mich wenigstens in einem Punkt etwas deutlicher ausgedrückt zu haben! Liebe Grüße, Sandra

    Artikel: Ruthie

  • Gesa Ebert sagt:

    Danke für diese Besprechung. Wenn ich die Zahl richtig im Kopf habe, wird in Deutschland etwa jeden dritten Tag eine Frau ermordet, etwa 130 Frauen jedes Jahr. - Jedesmal, wenn an islamistische oder rechts-terroristische Anschläge oder an Amoktaten öffentlich erinnert wird (mit weniger Toten im Jahr), wie neulich wieder, muß ich daran denken: Diese Morde an Frauen gehen einfach so unter in der Politik, in den Medien, in der Öffentlichkeit, in unserem Bewußtsein. Wohl, weil es immer "nur" eine Frau, nur ein einziger Mensch ist, plus manchmal auch deren Kinder. Aber auch der Mord an diesen Kindern regt nicht groß auf, m. W. auch nicht die sogenannten Lebensschützer. Mit den einzelnen Unfalltoten des Straßenverkehrs ist es ja genauso. Ein Flugzeugabsturz oder ein Eisenbahnunglück dagegen schlägt ein wie eine Bombe. Wie ist das zu ändern, wie schaffen wir mehr Bewußtsein dafür? Braucht es dafür die Kommunikations-Wissenschaft?

    Artikel: 139 Frauen.

  • Brigitte Leyh sagt:

    Endlich, endlich, endlich wird der Femizid als gesellschaftliches Problem erkannt und der Massenmord auf Ratenjetzt (s.o.) sogar in Buchform dargestellt. Danke, danke, danke. Als ich 2015 "Sonst bring ich dich um!" schrieb, fühlte ich mich mit dem Thema noch allein auf weiter Flur.

    Artikel: 139 Frauen.