beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Neueste Kommentare

  • Antje Schrupp sagt:

    @Maria - Das ist eine interessante Frage, ob gesellschaftliche Mütterlichkeit und konkrete Mütterlichkeit sich gegenseitig ausschließen oder zumindest behindern. Ganz sicher ist das in der „gegebenen“ (patriarchal geprägten) Realität so, aber war das nicht ein Trick, die „Mütterlichkeit“ auf die Familie, das Private zu lenken und damit für einzelne Pater Familias verfügbar und kontrollierbar zu machen? Wäre diese KOnkurrenz auch in einer wirklich postpatriarchalen Gesellschaft noch gegeben? Oder hätten wir (bzw. die mütterlichen Menschen) verstanden, dass IHRE Kinder nur ein gutes Leben haben können, wenn ALLE Kinder eines haben? Bakunin hat mal geschrieben, „Ich kann nur frei sein, wenn alle anderen Menschen um mich herum auch frei sind“. Ich glaube, dass das stimmt, bin mir aber nicht ganz sicher, ob es nicht vielleicht nur ein frommer Wunsch ist...

    Artikel: Die feministische Mutter als soziale Utopie. Einige Gedanken, angeregt von dem Film „(M)other“.

  • Antje Schrupp sagt:

    @Mechthild - „gewaltförmige Zuschreibung von Mutterschaft“ ist zum Beispiel, wenn junge Frauen ständig gefragt werden, wann sie denn Kinder haben können. Oder wenn kleine Mädchen (Kinder, von denen man annimmt, sie haben einen Uterus) dazu gedrängt werden, fürsorglich, sauber, selbstlos etc. Zu sein. Oder wenn Mütter mit Ansprüchen konfrontiert werden, sich auf eine bestimmte Weise „mütterlich“ zu verhalten. Ich denke schon, dass man sagen kann, dass unsere Kultur in dieser Hinsicht sehr gewaltförmig war und immer noch ist, auch wenn es heute der Frauenbewegung sei Dank schon sehr viel besser geworden ist.

    Artikel: Die feministische Mutter als soziale Utopie. Einige Gedanken, angeregt von dem Film „(M)other“.

  • Ulrich Wilke sagt:

    Solange es schlechterzogene, kriminelle Männer gibt, ist das Problem nicht anders lösbar als 1.) gefährliche Orte zu meiden, 2.) mit "Leibwächter*innen" zusammen zu sein, 3.) sich zu bewaffnen. Mir missfällt die Überschrift: "Frauen*bewegungsFreiheit". Was unterscheidet "Frau*" von "Frau" und "Mann*" von "Mann"? (Ich vermute: nichts.) Warum schreibt Susann Tracht "Freiheit" groß? Bin ich der einzige, der das nicht versteht? Gemeint ist laut Inhalt: "Frauenbewegungsfreiheit" oder "Die Würde einer Frau sei unantastbar".

    Artikel: Für Frauen*bewegungsFreiheit in Wald und Parks

  • Judith sagt:

    es kann wirklich nicht die lösung des problems sein, seinen freiraum, also den von frauen insbesondere immer weiter einzuschränken. aber mir ist es auch durchaus nicht fremd dazu zu neigen, einfach um mich zu schützen, eine mögliche schutzstrategie sozusagen. als naturliebhaberin, und mensch mit wenig finanziellen möglichkeiten, in einer zeit wo die wohnungsnot immer mehr zunimmt, und das schöne wohnen mit garten, mir wie ein luxusgut einer weniger bevorzugter menschen erscheint, und verstärkt durch diese corona-krise unterwandert, nimmt die sehnsucht in mir überhand, nach grün und natur, nach einem garten, ein ort im grünen auch mal nur für mich allein. ein kleiner garten für mich allein! ich saß auch mal an einem einem öffentl. platz, sehr zurückgezogen, sehr versteckt und musste erleben, wie ein liebespaar doch auch diese stille und zurückgezogenheit aufsuchen musste, nur um dann demonstrativ direkt vor meinen augen mir ihre liebe zu präsentieren,(nein, es kam nicht zum äußesten, aber ich käme nie auf solch eine idee, wäre ich in umgekehrter position gewesen, und nein die waren jetzt keine teenies mehr...)od. war zielscheibe von männern die meinten, eine frau allein im park, müsse doch scheinbar unbedingt kontakt haben wollen zu einem männlichen wesen, und dessen kontaktversuchen, sprich balzgehabe dann ungewollt ausgesetzt, und wollte eigentlich nur meine ruhe haben, und fühlte mich in meinem frieden gestört. auch konnte ich mich mal nicht mal eben so ohne weiteres auf einer bank ausruhen, ohne daß mir einer zurief, also einer aus einer gruppe von radlern; bin noch zu haben! also ich war damit gemeint, und weil ich allein unterwegs war, und ohne begleitung war ich scheinbar wie freiwild in seinen augen. das ist zwar noch alles milde, gegen das eigtl. thema, nämlich das der tatsächlichen vergewaltigung von frauen, aber schön ist es trotzdem nicht. auch die möglichkeit in frauengruppen den schutzraum zu finden war für mich leider nie eine bewährte option, einfach aus dem einfachen grund weil ich von dieser frauensolidarität immer sehr wenig gespürt/erlebt habe, leider!

    Artikel: Für Frauen*bewegungsFreiheit in Wald und Parks

  • Bari sagt:

    Ja es reicht! ich habe mich im Wald meist sicherer gefühlt als in der Stadt und nachts unsicherer als bei tag. aber das Gefühl sicher zu sein in meiner Stadt habe ich eigentlich nie völlig. Ich scanne immer alles automatisch nach Gefahren. Meine Freundin ist da anders, die macht sich da keinen Kopf. Jetzt finde ich , dass mal Zeit wird, dass die Männer sich ändern. Mit rigorosen Strafen ohne Bewährung für Gewaltdelikte. keine Entschuldigungen mit schwerer Kindheit. ich hatte auch ne scheißkindheit und bin nicht gewalttätig geworden. Das sollen Männer gefälligst auch. Soll es doch mal ein Ausgehverbot für junge gewaltbereite Männer geben. so das war jetzt jahrzehntelanger Frust, der mal raus wollte. Bari

    Artikel: Für Frauen*bewegungsFreiheit in Wald und Parks

  • Maria Coors sagt:

    Liebe Antje, vielen Dank für dein (fortgesetztes) Nachdenken über Mütterlichkeit. Aus meinem Erleben stimme ich dir voll zu – Mutterdenken und Mutterhandeln ist die politische Revolution, die die Welt braucht. Aber, und an dieser Stelle komme ich selbst nicht richtig weiter, konkretes Mutterhandeln ist eine politische Sackgasse. Wie meine ich das? Diese totale Empathie und Verantwortlichkeit, die mensch in der mütterlichen Fürsorge für ein Kind praktiziert (also im fast utopischen Idealfall) ist eine Haltung, die gegenüber der Welt im Ganzen eingenommen, ein wirklich massives Umsturzpotential hat. Und sosehr ich das hasse mit „Du, als Mutter…“ adressiert zu werden, manchmal kann ich etwas wohlwollender einen Punkt dabei sehen. Weil so eine wirkliche Öffnung für einen anderen Menschen lässt sich aus meiner Erfahrung schwer vollziehen, wenn man das exklusiv auf eine Person richtet. Irgendwie kommen dabei auch immer „fremde“ Empathieinfos durch. Und für einige Menschen (mich eingeschlossen) ist konkrete Mutterschaft die Beziehungserfahrung, in der man diese Haltung das erste Mal konsequent aktiv lebt – mindblowing, auch politisch. So, und andererseits geht die absolute Fürsorge für die Bedürfnisse eines Menschen und konkret eines Kindes auch mit ständigen Entscheidungen für dieses Kind und gegen andere Interessen einher. Sowas scheinbar Triviales wie Schulwahl z.B.: Das mütterliche Handeln einem Kind gegenüber legt es dann etwa nahe, alle zur Verfügung stehenden Ressourcen dafür einzusetzten, dem Kind Zugang zur für seine Bedürfnisse besten Schule zu verschaffen. Mit diesem Handeln stütze ich aber ggf. in vielerlei Hinsicht ein ungerechtes System und handle gegen meine eigenen politischen Überzeugungen. Um bei dem Beispiel zu bleiben heißt das Dilemma dann: Möglicherweise habe ich erst durch die mütterliche Empathieerfahrung ein wirkliches Bewusstsein dafür, wie ein „gutes System Schule für alle“ aussehen könnte. Aber meine konkrete Mütterlichkeit konterkariert das. Oder, jetzt mal andere kritische Punkte an der Person außen vor, wäre Mutter Theresa Mutter Theresa, wenn sie die (soziale) Mutter eines bestimmten konkreten Kindes gewesen wäre? Den Film seh ich mir jedenfalls an. Danke!

    Artikel: Die feministische Mutter als soziale Utopie. Einige Gedanken, angeregt von dem Film „(M)other“.

  • Maria Coors sagt:

    Vielen Dank euch, für eure Kommentare und das Weitergedachte zum Verhältnis von Erklären und Vermitteln!

    Artikel: ein komisches vermittlungslehrstück

  • Mechthild Auf dem Berge sagt:

    Einerseits finde ich es schön, dass die Tätigkeit des "Mutterns", des mütterlichen Handelns, so detailliert herausgearbeitet wird und deutlich wird, wie essentiell diese Mütterlichkeit als Grundbedingung für unser aller Leben und für jedes neue Leben ist - aber leider gesellschaftlich zu wenig als "systemrelevante" Leistung wahrgenommen und anerkannt wird. Toll, dass auch in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen wird! Anderseits verschwindet leider für mein Empfinden abrupt die sprachliche Verbindlichkeit, die beim überzeugenden Beschreiben des mütterlichen Handelns (sehr schön: "Expertise") menschliche Wärme spürbar werden lässt, beim Thema Mutterschaft. Plötzlich mutet die Sprache fast technisch an: "Mutterschaft ist nicht nur eine gewaltförmige Zuschreibung, die Leuten mit Uterus gegen ihren Willen übergestülpt wurde (obwohl sie das natürlich auch ist),..." Puh. Das will erst mal verstanden und verdaut werden. - Wie habe ich eine "gewaltförmige Zuschreibung von Mutterschaft" zu verstehen? - Was meint "Leute mit Uterus"? Wenn damit gebärfähige Frauen gemeint sind, könnte ich emotional besser im Inhalt des Gesagten bleiben, wenn die Frauen um die es hier geht, würdevoller bezeichnet würden. Ich würde es bei dem für mich heiligen Thema des "Lebengebens" im Sinne der Schöpfungskraft der Frauen (vgl Hanna Strack: Die Frau als Mitschöpferin) angenehmer finden, wenn die lebengebende Eigenschaft von gebärfähigen Frauen auch im gesellschaftlichen/politischen Kontext entsprechend respektvoll bezeichnet würde. Es gibt Worte, die weniger technisch sind: - weibliche, fortpflanzungsfähige Frauen/Menschen - Frauen/Menschen mit lebengebenden Eigenschaften Spannend finde ich an der Rezension des Films den Hinweis darauf, dass "Mutterschaft ein widerständiges Potential gegen das Partiarchat" besitzt! Hier ist meine Neugierde geweckt und ich würde dazu gerne mehr erfahren! Den Film werde ich mir jedenfalls gerne ansehen, danke für den Tipp!

    Artikel: Die feministische Mutter als soziale Utopie. Einige Gedanken, angeregt von dem Film „(M)other“.

  • Mechthild Auf dem Berge sagt:

    Hallo Dorothee Markert, auch wenn ich in meinem Umfeld vor 20 Jahren erleben durfte, dass meine Töchter - damals Schülerinnen - ein selbstverständliches Miteinander mit Mitschüler*innen anderer sexueller Orientierung hatten - anders als eure Erfahrungen es schmerzlicherweise damals waren, sehe ich es genauso wie du und bin der klaren Überzeugung, dass diese menschlich positive Entwicklung zu den Früchten der Frauenbewegung zählt. Es war und ist so herzerwärmend für mich, mich an dieser neuen Realität zu erfreuen. Wie es zum Beispiel beim Mädchen-/Frauenfußball war (auch in hiesigen Vereinen mit zahlreichen lesbischen Sportlerinnen) - die Fröhlichkeit der Jugendlichen und ihre Selbstgewissheit: Wir sind Powerfrauen! Ich bin sicher, dieses Gemeinsame hat alle geprägt, ganz gleich welche sexuelle Orientierung eine hatte. Ich könnte noch weitere Beispiele nennen. Dabei leben wir hier eigentlich ehr konservativ geprägt, auf dem Lande. Jedenfalls haben mich die Aussagen des Textes irritiert, gerade, weil es schon länger soviel Positives gibt! Beim Thema Frauen mit oder ohne Kindern und dem behaupteten gegenseitigen Nichteinbeziehen, einer Kommunikationsbarriere zwischen ihnen, was mir sehr wehtut, kann ich ja das Gegenteil berichten. In den mir bekannten Freundinnenkreisen, wo es gut gelingt, unterschiedliche Erfahrungen mitzutragen, erkenne ich eine gewisse Achtsamkeit. Es wird meist darauf geachtet, die eigenen Themen nicht zusehr in den Vordergrund zu stellen oder sogar die eigene Lebensform als Ideal darzustellen. Das ist für mich allerdings eigentlich kaum der Rede wert, gehört es nicht zum empathischen Freundinsein dazu? Manchmal kann Sehnsucht nach Kindern/Enkelkindern oder andersherum nach einer tollen Karriere ja unbewusst hinter Neidgefühlen versteckt sein oder eine tiefe Trauer vorhanden sein. Das möchte ich nicht unnötig triggern. Ich fänd es sehr merkwürdig, wenn sich meine Freundinnenschaften nach der Kategorie Mutter oder Nichtmutter sortiert hätten. Es geht mir doch jeweils um die eine Frau, die eine Freundin.

    Artikel: Kapitel 6: Freundinnenschaften und Konflikte unterschiedlicher weiblicher Lebensmodelle

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Sandra, vielen Dank für deinen - irgendwie mich auch irritierenden ;) - Kommentar. Zunächst einmal: vielleicht könntest du ein Beispiel nennen, wo du glaubst, dass ich eine Metapher nicht bewusst einsetze? Zum "Wir": Ehrlich gesagt verwende ich das ganz ganz bewusst. Zumeist kennzeichne ich, welches "Wir" ich gerade meine, und manchmal lasse ich das ganz bewusst offen. Mal verwende ich "wir" z.B. für zwei Personen, mal für die ganze Menschheit, mal nur für "uns Westler*innen". Kein "Wir" ist aus Versehen entstanden. Manchmal möchte ich, dass die Leser*in echt nicht weiß: bin ich jetzt grad auch "wir" - weil eben war ich es noch gefühlt - oder bin ich gerade draußen? Wenn dich das irritiert: das mache ich absichtlich. Als ich mit der Wir-Form anfing, war das intuitiv, dann habe ich mich mal kurz erschrocken und das stark hinterfragt, aber ich bin immer wieder dazu gekommen, dass es meine Haltung wiederspiegelt und einfach meinem Denken entspringt. Also muss ich dich schon mal enttäuschen, dass ich deinen vielleicht gut gemeinten Ratschlag nicht annehmen werde, das "Wir" von nun an zu vermeiden, wenn es für mich einen Sinn erfüllt; und momentan ist das "Wir" noch sehr sehr fruchtbar für mich und ich bin noch lange nicht fertig mit ihm. Ich will radikal ganzheitlich denken, ich will immer alle Menschen mitdenken. Das ist natürlich total too much und unmöglich und eine eitle Anmaßung, aber ich nehme meine Lust am "Wir" ernst und versuche, ihr gerecht zu werden. Insgesamt möchte ich sehr gern irritieren, das finde ich gar nicht schlimm. Ich habe schon von mehreren Seiten gehört, dass gerade dieser Text irgendwie "irritiert" oder es dem Gegenüber schwer fiel zu sagen, was gefiel und was nicht gefiel. Wenn ich nun erreicht hätte (noch habe ich das nicht, denn du lehnst es noch völlig ab), dass du darüber nachdenkst, warum du meine "Wir"-Verwendung so unmöglich findest, vielleicht können wir dann nochmal zusammen weiterdenken? Achso, und was ich mit dem Artikel wirklich sagen will, das sage ich eigentlich in ihm, denn weil ich das Begehren hatte, über das Thema so und nicht anders zu schreiben, habe ich mit ihm gesagt, was ich dringend sagen wollte. Da fällt mir jetzt keine andere Antwort drauf ein, außer zurückzufragen: Wie würdest du denn über das Thema schreiben, wenn du ganz von dir ausgehen würdest? Danke auf alle Fälle für deinen Kommentar!

    Artikel: Tod und Rose

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Maria, danke für den Text, ich wusste davon noch nichts, und habe selbst mitgelacht, weil ich so verstehe, was dich daran zum Lachen bringt. Ich hätte so viele Anknüpfungspunkte, aber ich bleibe nur beim Themenkomplex Erklären und Vermitteln, weil mich das selbst seit Monaten umtreibt, und ich allein zu meinen Nachdenkprozessen zu dem Thema viele viele Seiten füllen könnte - das heißt, obwohl ich jetzt wahrscheinlich viel schreiben werde, fasse ich mich kurz, hahaaaa. Erklären hat für mich immer ein Von-oben-nach-unten. Ich erkläre etwas, was eine anderer noch nicht weiß oder versteht. Damit Erklären funktioniert, muss das Gegenüber die Bereitschaft haben, verstehen zu wollen. Es muss im Grunde sogar darum bitten. Es muss bereit sein, Informationen anzunehmen und – wenn nötig – bisheriges Wissen auszutauschen oder zumindest in Frage zu stellen. Beim Vermitteln hingegen geht es mir als Vermittlerin – so sehe ich das intuitiv – selbst um etwas. Wenn ich diejenige bin, die etwas vermitteln möchte, dann ist es mir nicht egal, ob mein Gegenüber es versteht oder nicht; also ich möchte, dass es etwas Bestimmtes versteht. Hier geht es nicht mehr nur um Wissen, sondern um den Willen, ein tieferes Verstehen anzuregen. Erklären kann erstmal nur auf der "Ok-hab-kapiert-ich-guck-was-ich-damit-mach"-Körperebene ankommen – sozusagen in einer Ankunftshalle vor den Verstehens"räumen" – und ich als Erklärerin wäre zufrieden und fände das total okay. Als Vermittlerin aber möchte ich, dass etwas, an dem mir viel liegt, tiefer im jeweils Gegenüber-Körper verstanden wird, also die Ankunftshalle passiert und weiter in innere Körpersphären vordringt. In letzter Zeit denke ich so viel drüber nach, weil es mir als relativ "neue" Klimaaktivistin darum geht, dass Menschen beginnen, den Gedanken tief in sich zuzulassen, dass auch sie eventuell jetzt aktiv werden müssen, um unsere Welt noch halbwegs lebenswert für nächste Generationen zu erhalten. Manche Gespräche scheitern fatal, andere funktionieren. Und mittlerweile – nach einem Jahr von try and error, einigen Workshops zu diesem Thema und aufmerksamem, sensiblem Lesen (in Büchern und Gesprächen etcpp.) diesbezüglich – erkenne ich doch, wann ich größere Chancen habe, mein Gegenüber zu erreichen. Leider – oder auch nicht leider – geht das nicht ohne großen persönlichen Einsatz. Ich muss sehr viel von mir geben. Ich muss mich öffnen und hoffen, dass das Gegenüber damit umgehen kann. Waltraud, meine Mitstreiterin, über die ich schon einmal hier eine "Lobeshymne" verfasst habe (https://www.bzw-weiterdenken.de/2020/05/meine-heldin-des-corona-alltags/), sagte mir einmal, nachdem meine Vermittlungsversuche mal wieder polternd gescheitert waren und ich ein Häufchen Elend war und als solches bei ihr anrief: "Wir sind wie Polypen: wir drehen unser Innerstes nach außen, und die anderen wissen es noch nicht mal. Und wir müssen es trotzdem tun, weil wir nun mal so sind, uns so entschieden haben. Und ein Zurück gibt es nicht. Weil wir wissen, dass wir nur so vorwärts kommen können." Also ist es hart für uns emotional, wenn wir scheitern, weil wir so viel in die Schale geworfen haben, wir uns umgekrempelt haben, und der Versuch – ob selbst verursacht oder nicht, ist vorerst gar nicht wichtig – dennoch danebenging. Aber es ist eben das größte Glück, wenn so ein Versuch funktioniert. Vor zwei Wochen hatte ich ein solches Erlebnis. Mein Cousin – zu meiner Linken sitzend – und seine Partnerin – zu meiner Rechten sitzend, fragten mich zu fortgeschrittener Stunde nach einem insgesamt sehr geselligen Abend zuvor, was sich denn gerade eigentlich so beruflich tue. Wir hatten uns viele Jahre nicht gesehen. Und ich stellte bewusst mein Engagement für Klimagerechtigkeit in den Mittelpunkt meiner Antwort. Ich wollte einen Versuch starten, ich hatte, gefühlt, durch den schönen Abend, Energie dafür. Ich erzählte, wie ich dazu gekommen sei usw. usf. Ich verlangte nichts von den beiden, aber ich hatte wieder das Gefühl, alles zu geben. Nach ein paar flapsigen Sprüche á la "ich möchte mir natürlich nicht gern verbieten lassen, Fleisch zu essen" wurden die beiden doch nachdenklicher. Und irgendwann sagte seine Partnerin, an ihn gewandt: "Ja aber guck dir doch mal die Bäume in Berlin an! Eigentlich überall! Wenn man genauer hinschaut, das sieht doch nicht gut aus, sei ehrlich! Guck die vertrocknete Wiese an, auf der wir gerade sitzen!" Mein Cousin ließ ein grunzendes "Mmh" verlauten. Und dann sagte er mit einem unsicheren Lachen: "Na im Grunde versuche ich, das zu verdrängen und hoffe, dass alles nicht so schlimm wird, wie die Klimaforschung sagt." Ich hatte in dem Moment das Gefühl, all mein Einsatz hatte sich gelohnt. Ich hatte das Gefühl, etwas im Inneren angestoßen zu haben, und das – gefühlt – ganz, ohne irgendetwas erklärt zu haben. Vielleicht habe ich dazwischen schon ein oder zwei Zahlen genannt, aber die standen nicht im Mittelpunkt, sondern haben nur dafür gedient, verständlich zu machen, warum ich aktiv geworden bin. Adrienne Rich und Audre Lorde haben mir in dem wunderbaren kleinen Buch "Macht und Sinnlichkeit" (1983) – herausgegeben von Dagmar Schultz – so viel geholfen, die Beziehung zwischen Informationen, Wissen und Verstehen zu verstehen. Audre Lorde schreibt an einer Stelle: ""Einige Leute können vielleicht ganze Stöße von Informationen weitergeben, aber das war nicht meine Sache. Lernprozesse sind etwas, das man anstiften, buchstäblich anstiften kann wie einen Aufstand. Und möglicherweise, hoffentlich, schlägt es dann Wurzeln und setzt sich fort." (S. 45) Vielleicht ist die Beziehung zwischen Wissen und Verstehen ähnlich wie zwischen Erklären und Vermitteln. Adrienne Rich schreibt z.B.: "Eine wirklich lohnende Politik und wirklich lohnende Beziehungen verlangen, dass wir noch weiter gehen, noch tiefer graben. (…) Es bedeutet, dass ich meist begierig darauf bin und mich nach Möglichkeiten sehne, dir etwas zu sagen. Dass diese Möglichkeiten vielleicht beängstigend, aber nicht zerstörerisch für mich sind. Dass ich mich stark genug fühle, um deine suchenden, tastenden Worte anzuhören. Dass wir beide wissen, wir bemühen uns unausgesetzt weiter um die Möglichkeit der Wahrheit zwischen uns. Die Möglichkeit von Leben zwischen uns." (S. 182f.) Wissen und Verstehen – so sagt Audre Lorde – müssen ineinandergreifen. "Was durch Verstehen in Gang kommt, ist, dass wir uns unser Wissen für den täglichen Gebrauch verfügbar machen, und das ist der eigentliche Drang, das gibt den Anstoß, den Drive." (S. 59) Sie selbst musste also verstehen, was sie wusste, und genau dies auch anderen verfügbar machen; und dies wurde ein untrennbarer Prozess. Zuvor aber musste sie sich allerdings immer erst vergewissern, dass sie es wusste; und das wiederum hieß, dass sie es erst einmal fühlen musste. (ebd.) Gehen wir so vor in der Vermittlung – denke ich mir dann –, so verändert dies die Landschaft des Wissens selbst. Wie Donna Haraway sagen würde: Es ist von Gewicht, welche Wissensformen Wissen wissen. Ich könnte noch so viel mehr dazu schreiben.. und zur "Generationenfrage" und so… aber… aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Danke nochmal für den tollen Denkanstoß, auch den anderen Kommentiererinnen! :)

    Artikel: ein komisches vermittlungslehrstück

  • Voke sagt:

    Liebe Antje Schrupp, danke für diese interessante Rezension des Films. Ich möchte zu bedenken geben, dass auch feministische lesbische Mütter noch einmal interessant wären zu befragen, gerade wenn die eine das Potenzial des Gebärens nutzt, und die andere dieses ungenutzt lässt . auch hier entfaltet sich Mütterlichkeit, und diese ist durchaus auch als Idee des role models feministisxhe Mütterlichkeit noch einmal interessant, weil sich hier nicht Elternschaft aus dem bipolaren Mutter und Vater Konstrukt entwickelt. Gerade auch hetero feministische Perspektiven noch einmal gegen zu denken durch lesbisch feministische Lebensweisen, finde ich immer wieder interessant, weil sie mich als Hetero in meiner begrenzten denke auch offenbart. Gruß Corinna

    Artikel: Die feministische Mutter als soziale Utopie. Einige Gedanken, angeregt von dem Film „(M)other“.

  • Anne Lehnert sagt:

    Als Mutter von vier Kindern und als Feministin wünsche ich mir einen feministischen Blick auf Mutterschaft und eine gesellschaftliche Wertschätzung. Und merke an mir selbst, wie schwierig das ist. Es fällt mir schwer zu benennen, was die spezifischen Fähigkeiten einer Mutter ausmachen. Eher sehe ich, was ich als Mutter nicht tun kann: beruflich mehr und Neues ausprobieren, Freundschaften und Interessen pflegen... Aber das kann auch mein individuelles Versagen sein. Und ich sehe, was mir nicht oder nur schwer gelingt: bedingungslos für meine Kinder da sein, in allen Krankheiten, Nöten, Sorgen und Launen. Ich bin zur vierfachen Mutterschaft so ähnlich gekommen, wie die zitierte Leihmutter: Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit fielen mir leicht und schienen mir zu liegen. Jetzt, wo die Kinder im Grundschul- und Jugendalter sind, fordert das Muttersein mich auf ganz andere Weise, und fällt mir eher schwer. Und auch der Verzicht auf eigene Interessen dauert mir zu lange. Das sei ja meine freie Entscheidung gewesen, höre ich oft. Aber wer kann wirklich die Tragweite so einer Entscheidung ermessen, und kann sich die eigene Einstellung nicht auch wandeln, in immerhin anderthalb Jahrzehnten? Das finde ich schwierig am Muttersein, was natürlich auch an meiner traditionellen Zweierbeziehung liegen kann. Ich wünsche mir mehr gesellschaftliche Wertschätzung, auch mehr finanzielle Absicherung, und mehr Austausch darüber, was Mutterschaft ausmacht und wie sie erleichtert werden kann.

    Artikel: Die feministische Mutter als soziale Utopie. Einige Gedanken, angeregt von dem Film „(M)other“.

  • Sandra Divina sagt:

    Liebe Anne, dein Text spricht Themen an, über die ich mich gerne mit dir unterhalten würde, auch weil du dir da offensichtlich auch einige tiefer gehende Gedanken gemacht hast. Aber die Form des Textes! Oh je! Durchwegs verwendest du dieses irritierende "wir", das offensichtlich metaphorisch gemeint ist. Aber eine Metapher wofür?! Du thematisiert im Text teilweise die Metaphern, die verwendet werden, verwendest selbst aber ziemlich viele Metaphern auf ganz unüberlefte Weise. Was willst du mit diesem Artikel WIRKLICH sagen?! Es tut mir Leid, dass es aufgrund der geographischen Distanzen für mich wahrscheinlich nie möglich sein wird, das zu erfahren... Bitte, vermeide in Zukunft beim Schreiben von Artikeln dieses undifferenzierte "wir" !!! Ich hoffe, noch viel Interessantes von Dir zu lesen zu bekommen. Liebe Grüße, Sandra Divina Laupper

    Artikel: Tod und Rose

  • Kathleen Oehlke sagt:

    Ich sehe es auch so, dass diejenigen die Macht haben, die sich aussuchen können, ob sie vermitteln oder nicht. Und wenn sie sich dagegen entscheiden, ist das vielleicht der Punkt, an dem Macht zu Gewalt wird oder sich die beiden zumindest vermischen? Gilt dasselbe auch fürs Erklären? Ist es im selben Maß gewaltvoll, jemandem eine Erklärung zu verweigern? Annahme: Während beim Vermitteln der Perspektivwechsel wichtig ist, steht bei Erklärungen die Sachinformation im Vordergrund. Und natürlich ist es u. U. sogar bedrohlich, in einer bestimmten Situation eine bestimmte Sachinformation nicht zu bekommen (Wo ist der Notausgang?). Aber: Die Sachinformation kann man zumindest theoretisch noch irgendwo anders herbekommen. Beim Perspektivwechsel geht es ja um die Perspektive einer bestimmten Person oder Personengruppe. Oh, ich merke grad, damit bin ich ja bei Antjes Beispiel mit dem Lexikon angekommen. Und weiter komme ich jetzt grad nicht. Also ist das Vermitteln bzw. dessen Verweigerung näher an Gewalt als eine (unterlassene) Erklärung?

    Artikel: ein komisches vermittlungslehrstück

  • Antje Schrupp sagt:

    Liebe Maria, danke für den Text, ich musste auch sehr lachen über diese Jugendwort-Geschichte, und finde deine anschließenden Überlegungen dazu sehr interssant. Ich bin mir übrigens gar nicht sicher, ob alle unserer Leserinnen wissen, wer die "Boomer" sind, auch das ist ja ein Wort, das aus einem bestimmten Kontext stammt, und wenn man den Kontext nicht kennt, versteht man es nicht. Ich denke, der Knackpunkt ist der Zusammenhang von Bedeutungen und Beziehungen. Und der Fehler bei dem Konzept, ein Jugendwort zu suchen, ist (neben dem "Othering", das du beschreibst), ist die Idee, zu glauben, man könne die Sprache von "anderen" verstehen, ohne wirklich mit ihnen in Beziehung zu treten, also quasi in Form eines Lexikons. Natürlich sind Lexika praktisch, aber sie "erklären" eben nur, sie "vermitteln" nicht. Wenn man ein Wort im Lexikon nachgeschlagen hat, hat man es noch nicht verstanden, aber vielleicht ist es ein erster Schritt zum Verstehen, weil man mit diesem Wissen dann zu den Leuten gehen kann, die es verwenden, und anfangen kann, mit ihnen zu kommunizieren, weil man einen Einstieg hat. Im Internet ist das Ganze natürlich noch einmal dynamischer, weil das Community-Building schneller und leichter geht udn vor allem weil es nicht nur unter anderem auch, sondern in allererster Linie über Sprache geht. Wörter zu haben, die andere nicht verstehen, ist der einfachste Weg dazu (neben dem Bekenntnis zu einer inhaltlichen Position, worüber wir in dem Zoom-Cast gesprochen haben), also du gehst in eine Gruppe, sagst "Schabernack", und alle lachen und wissen, zu gehörst dazu. Das Alter ist dabei eigentlich nebensächlich, Jugend hat halt nur immer dazu tendiert, sich über die Verwendung von Worten von den "Alten" abzugrenzen. Aber es gibt das auch in politischen Gruppen, wenn du durch eine bestimmte Sprache zeigst, dass du "woke" bist, und sowieso nur Leute reinkommen, die wissen, was "woke" ist und dass man das sein muss... Ich bin der Meinung, dass diese Dynamik einfach zeigt, dass Sprache nicht nur eine Möglichkeit zur Vermittlung ist, sondern eben auch eine Möglichkeit der Distinktion und des Ausschlusses, was wir im Grunde wissen, seit die Oberschicht früher Französisch parlierte oder der Klerus Lateinisch oder whatever. Nur dass diese Möglichkeit der Distinktion (jetzt mehr als früher?) nun auch andere haben können, und zwar durch das Internet sichtbar. Jugendliche haben sich vermutlich schon immer über das "Jugendwort" lustig gemacht, heute können sie es aber mitten in den relevanten Debatten tun und also so, dass wir es mitbekommen. Zum Unterschied von erklären und vermitteln. Ich bleibe dabei, dass "Erklären" eigentlich etwas mit Macht verbundenes ist, wenn du anderen Leuten etwas erklärst, bedeutet das, dass deine Interpretation bzw. Wahrheit gültig ist und der*die andere es nur noch nicht versteht. Es hängt mit Macht zusammen. Vermitteln hingegen bedeutet, dass du auf eine vielfältigere Weise versucht, etwas "rüberzubringen", und zwar nicht nur durch Erklären, sondern durch Anknüpfen an die Realität des Gegenübers: Warum versteht sie es nicht, was wäre ihr Begehren darin, wie kann ich ihr Interesse wecken usw. Und das Tolle am Vermitteln ist, dass du es auch aus einer Position der Ohnmacht heraus zumindest versuchen kannst. Du schreibst: Wenn mir jemand nicht zuhört, kann ich nichts vermitteln, was natürlich stimmt, aber ich würde sagen, dann kannst du vor allem nichts erklären. Das ist aussichtslos, denn um etwas zu erklären, muss gegenüber jemand sein, die*der verstehen will. Da Vermittlung sich aber auf die Beziehungsebene begibt, ist es auch dann eine Option, weil es bedeutet, dass ich versuche, herauszufinden, wo ich mein Gegenüber erreichen kann. und das ist unabhängig von (Deutungs)-Macht, ALso letztlich, krass mit Elly Hillesum gesagt: Sie kann auch als Jüdin im Gestapo-Verhör versuchen, einem Nazi etwas zu vermitteln. Sie kann ihm aber natürlich nichts erklären. Das Perfide ist, dass Aufforderungen, etwas zu "erklären" heute im politischen Diskurs oft als Erwartung an Machtlose herangetragen werden, nach dem Motto: "Ihr redet so kompliziert, kein Wunder, dass niemand auf euch hört". Im Prinzip ist das aber oft eine Lüge, die Leute wollen dann gar nicht verstehen, sie wollen nur die Verantwortung für ihr Desinteresse abgeben. Sich dann zu verweigernt, den "Erklärbär" zu machen, kann ich gut verstehen, und sie ist natürlich unser gutes Recht, wenn Leute Dinge nicht verstehen wollen, sind sie selber schuld, und es ist nicht meine Verpflichtung, irgendwem Feminismus zu erklären. Aber auch das ist eben schon eine privilegierte Haltung, weil ich es mir offenbar LEISTEN kann, dass mein Gegenüber in Bezug auf Feminismus dumm bleibt. Ich bin dann, um mit Diotima zu sprechen, nicht mehr auf der Ebene der Politik, sondern der der Macht. Oder: Ich bin nicht mehr in der völlig ohnmächtigen Position von Etty Hillesum gegenüber dem Nazi von der Gestapo, wo sie es sich nämlich NICHT leisten konnte, es mit der Vermittlung nicht einmal zu versuchen. Sehr interessantes Thema, vielleicht können wir dazu auch mal zoomen!

    Artikel: ein komisches vermittlungslehrstück

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Was vermittelt mir das Wort VERMITTELN eigentlich? Ich hör es nicht, seh es nicht; ich komm da nicht weiter...

    Artikel: ein komisches vermittlungslehrstück

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Juliane, ich finde nicht, dass dein Text in eine andere Richtung geht; ich finde in ihm - mit Verlaub ;) - für mich mehr Anknüpfungspunkte zum Weiterdenken. Den wichtigsten Punkt sprichst du an, Juliane, wenn du schreibst: "Sehr wichtig ist auch, dass ich mich in einer Freundschaft auf mein Gegenüber verlassen kann, dass ich keine Angst haben muss, hintergangen zu werden." Auch diesen Absatz fand ich ganz toll: "Fragwürdig sind auch Freundschaften, in denen aufgerechnet oder konkurriert wird. Das ist oft der Anfang vom Ende einer Freundschaft. Das heißt nicht, dass wir über bestimmte Eigenheiten unserer Freundin oder unseres Freundes auch ein bisschen lästern dürfen – solange Achtung und Respekt sichtbar bleiben. Doch wenn eine freundschaftliche Beziehung von Konkurrenz überlagert wird, geht das sich-angenommen-Fühlen verloren." Vielleicht sind mir diese Aspekte, in denen es im weitesten Sinne um Vertrauen geht, so wichtig, weil ich das Vertrauenschaffen mit Frauen - gerade im jüngeren Jahren - nie einfach fand. Wenn ich mehr hineingegeben habe zum Beispiel, und diese Hoffnung auf Freundschaft sich dann doch nicht erfüllt hat. Wenn alles überstanden ist, nicht schlimm, und mit zunehmendem Alter fast kein Thema mehr, aber gerade in der Pubertät haben sich da große Dramen abgespielt, die im Körpergedächtnis interessanterweise bis heute weiter ihr Unwesen treiben. Maria, deswegen ist es auch bei mir so, dass in meinem Leben liebeskummer- und sogar eifersuchtstechnisch Beziehungen mit Freundinnen eine viel größere Rolle als (Liebes-)Beziehungen mit Männern spielen. Vor allem, wenn es ein langer quälender, von viel Unsicherheit geprägter Prozess war/ist. Ich wusste dadurch lange nicht, wozu Frauenfreundschaften in der Lage sind, wie weit es möglich ist, sich fallen zu lassen oder auch Fehler machen zu können; wie sie das Leben beleben und einfach lebenswert machen; das überwältigt mich oft immer noch. Als eine, die selbst erst aus der jahrelangen intensiven Kleinkindmutterphase aufgetaucht ist, habe ich viel Verständnis für das Abtauchen von Frauen in Mutterrollen. Am erfrischendsten aber ist es, wenn ich es schaffe, solche Freundinnen dann doch mal einen Abend von ihren kleinen Kindern wegzuziehen. Dieses kurze Erwachen zeigt meist, dass ihr Abtauchen nur vorübergehend ist/sein wird. Und solange es Frauen so schwer gemacht wird, in diesen Phasen länger als einen Abend mal aufzutauchen, und zwar ohne schlechtes Gewissen, sondern einfach weil sie die Kinder wo-und-bei-wem-auch-immer gut aufgehoben wissen, und so lange diese ganzen komplexen Formen von schlechtem Gewissen in jungen Müttern von allen Seiten auf vielen Ebenen gehegt und genährt und gefüttert und gepflegt werden, so lange kann ich ihnen daraus nicht wirklich einen Vorwurf machen. Mir sitzt selbst noch in den Knochen, wie endlich die Energie (für eventuelles - manchmal nicht mal innen gespürtes, sondern nur von außen aufgedrängtes - Aufbegehren) eines Tages und der meist schlaflosen Nächte ist. Hier müssen gemeinsam gesellschaftliche Lösungen gefunden werden. Mutter-Bashing - jetzt mal provokant ausgedrückt - hilft da gar nix, sondern in diesem "Othering" steckt genau das, was ich beispielsweise an der Linken so nervig finde: statt sich auf die gemeinsamen Ziele zu konzentrieren, erschöpfen wir uns in gegenseitigen Schubladen-, Vorurteilen- und Vorwurfshaltungen. Aber ich bin in der Beziehung insgesamt wohlgemut: Wir schaffen das. Denn Freundinnenschaften sind stark und mächtig, und sie werden es immer mehr, da es mittlerweile viel mehr Vorbilder und Erfahrungen gibt, die weitergegeben werden; und sie nehmen - wie ich das jetzt beobachte - nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ zu; und das, liebe Dorothee, verbuche ich ganz eindeutig als Erfolg der Frauenbewegung, aber auch der sehr anregenden und in meinem Falle zumindest sehr fruchtbaren Vermischung von Freundinnenvorstellungen von Ost und West.

    Artikel: Kapitel 6: Freundinnenschaften und Konflikte unterschiedlicher weiblicher Lebensmodelle

  • Anne Newball Duke sagt:

    Meine liebe Maria, ja was machen wir jetzt damit, hehehe. Ich antworte jetzt auch mal in Halb-Prosa-Form ;) Was ist schon ein fertiges Leben. Ich bestaune immer mehr diese "erwachsenen Eltern" – so nannte sie letztens eine Freundin –, die auch in Corona-Zeiten mit ihren Kindern immer sanft und lieb und ausgeglichen umgehen. Threema-Chat-Ausschnitt zweier Freundinnen, die eine im Zug: "Neben uns eine nette Familie mit Würsten, Tupperware, Müllermilch, Mutter mit Diddl-Gesichtsmaske. Alle voll nett miteinander." Die andere: "Solche Familien bringen uns immer über lange Bahnfahrten, weil unsere Kinder da oft mitspielen." Erstere: "Ihre 16-Jährige malt jetzt Mandalas aus. Meine Jungs gucken nen Film und ich höre Podcast über eine Kindsmörderin." Ich bestaune "Diddl-Masken-Mütter", weil sie über jeden Zweifel erhaben scheinen. Weil es immer so wirkt, als drehe sich die ganze Welt wirklich nur in einer Familie. Als wäre selbst das Unfertige immer schon Teil des Fertigen. Als wäre die Fünfschichtentorte, die sich die Älteste ganz selbstverständlich zu ihrem Geburtstag in der Mitte der nächsten Woche wünscht und welche die Mutter selbstverständlich verspricht, schon längst gebacken. Eine These unter vielen, die ich habe (und der ich auch demnächst intensiver nachspüren möchte): Unser Leben – also ich verallgemeinere und pauschalisiere jetzt mal ganz grob dein und mein ;) Leben und packe es zusammen und lese dabei ganz stark aus meinen Körper und dem, was mich gerade umtreibt, heraus – ist unfertig, weil die Welt um uns herum verletzt ist und wir diese Verletzungen wahrnehmen. Wir haben nicht nur ein Wissen, sondern auch ein Gefühl dafür, wie diese Verletzungen entstehen und entstanden sind, und wir wittern und riechen bereits "Verletzungsgefahren", wenn diese für andere überhaupt noch nicht wahrnehmbar sind. Viel zu oft werden diese Verletzungen für viele Menschen nie sichtbar; nicht mal, wenn sie auf dem Silbertablett in den Abendnachrichten präsentiert werden. Kommt ja dann doch letzten Endes immer auf den Privilegiertheitsgrad der jeweiligen Person und ihrer "Lust" an, sich mit diesen Verletzungen verantwortungsbewusst auseinanderzusetzen. So lange die Menschheit nicht geschlossen auf dem Wege dahin ist, diese Welt zu retten, springen nun Leute wie wir hier hin und dort hin und wollen heilen und salben. Aber unser Heilen und Salben reicht halt hinten und vorne nicht, und das macht uns fertig und unser Leben immer unfertig. Dennoch tun wir es. Wir können aus irgendeinem Grund nicht anders. Wir suchen uns "zwanghaft" ;) Arbeiten oder Tätigkeiten, die gut und sinnvoll für die Welt sind. Und wir sind natürlich "Sensibelchen": wir wollen immer Frieden um uns, wir brauchen zwischenmenschlich optimale Arbeitsbedingungen. Gibt’s da irgendwie unlösbare Konflikte (trotz "Traumjob"), macht auch das wiederum uns fertig und unser Leben unfertig. Gibt's also energiesaugende "Meinungsverschiedenheiten" mit der Chef*in oder Konflikte mit den Kolleg*innen (und auch Freund*innen oder Familie), sind wir am Boden. Wir kündigen. Eine neue sinnvolle Arbeit finden und mit ihr auch noch irgendwie Geld verdienen, ohjeh. Weltheilung wird allgemein schlecht und oft gar nicht bezahlt. Fuck unfertiges Leben. Und dann hören wir uns – masochistisch veranlagt wie wir sind – feministische Podcasts darüber an, wie wir Frauen am besten und bitte auch ganz schnell lernen, mit Geld umzugehen. Warum fühlt sich das für mich so falsch an, obwohl es doch "richtig" und notwendig zu sein scheint? Warum setze ich "falsch" nicht in Anführungsstriche, "richtig" aber schon? Das sind so Fragen… hehehehe. Das liegt einfach daran, dass ich gern diese Notwendigkeit skippen würde. Können wir bitte gleich in eine geldlose Gesellschaft übergehen? Dann muss ich mir dieses eigentlich doch total bescheuerte und sinnlose Wissen zur Lebens- und Altersabsicherung und/oder Machtgenerierung über monedas nicht noch eintrichtern. Und ehrlich jetzt mal: Wie soll denn ein Leben überhaupt je fertig sein? Und hör mal dem Klang nach: "ein fertiges Leben". Klingt ja schon nach Ende aller Geschichten und Gedanken und nach Tod. Und ich konstatiere weiterhin unversöhnlich: Ein fertiges Leben ist so gefährlich für die Welt. Also muss ich noch weiterlaufen im Verstehen. Ich setze nochmal an: Wir sollten unser unfertiges Leben nicht zu scheiße finden, aber es auch nicht zu sehr romantisieren oder melancholisieren. Wir stecken momentan noch fest in den Verletzungen dieser Welt, und wir dürfen dennoch darüber nicht verzweifeln. Denn wem ist dann geholfen. Also feiern wir doch zwischendurch mal unser unfertiges Leben. Vielleicht ist es zwar irgendwie unfertig und passt nicht recht in die momentane Ordnung der Dinge und der Welt, und moneymäßig gibt's kaum was zu holen, aber vielleicht ist es dafür zumindest richtiger (und ich lasse jetzt ganz bewusst und selbstbewusst die Anführungsstriche bei "richtiger" weg). Es muss schon allein deswegen richtiger sein, weil wir nicht mehr mitmachen in der Ordnung des Gewinnens und Verlierens, der Konkurrenz und des Wettkampfes. Wir sind raus. Kein Wille mehr da, den eigenen Wert ständig allen unter die Nase reiben zu müssen. Richtiger ist es, diese weltzerstörende Ordnung laut und deutlich so wenig wie möglich zu unterstützen und laut und deutlich an einer neuen rumzubasteln, als weiter unbesorgt und/oder verdrängend die weltlichen Verbindungen aufzutrennen. Gleichzeitig aber könnte das Gefühl eines halbwegs fertigen – und damit meine ich weniger verletzungsanfälligen – Lebens so viel Ruhe reinbringen. Lust zu haben und zudem die Ruhe in sich zu tragen, eine Fünfschichtentorte zu backen, muss doch genial sein. Aber nein. Nochmal unversöhnlich gesprochen: Eine Fünfschichtentorte backen, während um uns herum Verschwörungstheorien und Antisemitismus usw. usf. aufblühen und wir gleichzeitig tatenlos zusehen, wie die Wälder brennen und sterben, das ist für mich ein Schlag ins Gesicht. Wir haben keine Zeit, komplizierte, zeitaufwändige Torten zu backen, verdammt nochmal, möchte ich der von mir gebackenen Klischeemutter zurufen und sie dabei schütteln. "Handle, dann tanze!", stand auf einem Plakat auf einer FFF-Demo im letzten Jahr. Aber das Handelnmüssen hört ja nie auf. Wir werden in unserer Lebenszeit nicht fertig damit, die Welt zu heilen. Momentan fucken wir Menschen sie ja noch so richtig ab. Nix Heilung. Sollen wir also nie mehr tanzen, nie mehr Fünfschichtentorten backen? Quatsch natürlich. Ein gesundes Mittelmaß finden. Ja genau. Hahaaaa. Das ist natürlich ganz einfach. Wir setzen heute mal kurz aus, die Verletzungen der Welt zu fühlen und sind einfach mal entspannt nicht mit dem Heilen oder Verdrängen des Schlimmsten beschäftigt. Einfachste Übung. Aber einmal tief geatmet, die Ironie herausgenommen und es klappt; ich spreche jetzt versöhnend: Vielleicht können wir es so sehen: Diese "erwachsenen Eltern" geben uns Ruhe und helfen uns aber eben auch – halb-metaphorisch gesprochen – mit Trampolins im Garten über lange Coronazeiten oder mit Tupperwareninhalten über lange Zugfahrten zu kommen. Und dann nehme ich wahr, wie sie von Dingen und Situationen erregt werden, für die ich gar keine Erreger in mir trage. Wie viele Gespräche mit "Diddl-Masken-Müttern" hatte ich bereits, die mir tränenüberströmt erzählten, dass die schlechten schulischen Leistungen eines ihrer Sprösslinge nur dadurch zu erklären sind, dass die Lehrer*innen einfach nicht dessen Art verstehen. Dann bin ich es, die trösten kann, indem ich sage: "Das ist nicht so schlimm. Zum Leben gehört auch dazu, mit Menschen klarzukommen, die einen nicht immer voll und ganz verstehen und die eigene Art wertschätzen können. Wir können unsere Kinder nicht vollends schützen, aber wir können sie auf solche sozialen Situationen vorbereiten, indem wir sie tolerant und empathisch erziehen, ihnen nicht nur mit dem Zeigefinger die Vielfalt zeigen, die es gibt, sondern sie mitten hineinwerfen, sie ihr aussetzen. Solche schwierigen Situationen – gut und weitsichtig von uns Eltern gehändelt – helfen den Kindern, an ihnen zu wachsen und klug, empathisch und mit offenen Augen durch die Welt gehen. Mit sozialen Kompetenzen ausgestattet, lernen sie, sich zurechtzufinden, sich zu orientieren und – hoffentlich!; es ist ja nur eine meiner kruden Thesen! – die Welt wirklich und wahrhaftig zu sehen und wahrzunehmen. Und schon können sie gar nicht mehr anders, als die für uns Menschen so lebensnotwendigen weltlichen Verbindungen zu erhalten." Huch, siehst du, das liegt mir am Herzen; seit Jahren beschäftigt mich dieses Thema, wofür wer Tränen vergießt. Klar stecke ich jetzt fest in einem fetten, klebrigen Klischeezuckerüberzug (die fünfte Schicht auf der Torte, hahaaa), wenn ich sage, dass alle Mütter mit Diddl-Masken oder mit Trampolin hinterm Halbe-Million-Euro-Haus dazu neigen, ihre Kinder überbeschützen zu wollen, und es sie schier krank macht, wenn es einen Bereich gibt, indem sie sich nicht schützend vor sie werfen können. Aber hey, wie gesagt, Überspitzungen sind doch bitte erlaubt, wenn sie das Ziel der Vermittlung haben, oder? Klar, mein Versöhnungs- und Vermittlungsgesuch geht nicht so weit zu sagen, dass wir bitte alle bleiben, wie wir sind, weil dann zerstören wir weiter: einige mehr die weltlichen Verbindungen, andere mehr ihren eigenen Körper, die meisten aber eh beides gleichzeitig. Ich sage klar und deutlich: Ich wünsche mir, es möge mehr Diddl-Masken-Mütter, mehr "erwachsene Eltern" geben, die über Verletzungen der Welt Tränen vergießen, welche ihr so überbehütetes Kind bereits in 10 Jahren nicht mehr wird heilen können. Tränen über die Millionen von Menschen, die nicht die finanziellen Mittel besitzen, um vor den Konsequenzen der Erdüberhitzung zu fliehen. Tränen über das Elend und das Leid von Millionen von Menschen durch Kriege, die wer weiß für welche Vormachtstellungen und letzten Ressourcen geführt werden. Tränen über die Wälder, die weltweit brennen oder anderweitig sterben, auch vor unserer heimischen Haustür. Tränen über den Anblick der zerschossenen Tür der Synagoge in Halle. Tränen über die sterbenden letzten Korallenriffe. Tränen über das schmelzende Eis an den Polkappen und auch vor unserer heimischen Haustür in den Alpen. Tränen eben über all die komplexen weltlichen Verbindungen, die wir gerade dabei sind aufzutrennen. Usw. usf. Mein Wunsch ist es, dass diese "erwachsenen Eltern" mit ein bisschen weniger Sicherheit umgehen lernen können. Oder dass sie zumindest ihren Kindern Werkzeug und Methoden in Hand und Kopf geben, die es ihnen ermöglicht, ihre eigene menschliche Lebensgrundlage zu erhalten; aber nicht nur für sich selbst, sondern für das gute Leben aller Lebewesen dieser Erde. Da die Zeit knapp ist, müssten die Eltern aber halt eben selber schon aktiv werden, sonst nutzt das ganze Werkzeug-und-Methoden-in-Hand- und-Kopf-Gegebe nix mehr. Dass also einfach die ganze Familie die Kraft findet, die ja momentan nur heil scheinende Welt des Hauses mit Trampolin ab und zu verlassen zu können. Ich wünsche mir also, dass wir alle zusammen ein bisschen offener den Verletzungen der Welt gegenüber werden – in unterschiedlichen Maße, aber doch bitte alle ein bisschen! – dann gäbe es keine "erwachsenen Eltern" mehr und kein fertiges Leben, aber ein bisschen mehr Weltsicht und Weltheilung. Die Frage ist ja immer die: Wie wollen wir leben? Welches Leben wünschen wir uns für unsere Kinder? Was sind wir bereit, für ein gutes Leben für alle zu geben/ aufzugeben und dafür zu bekommen? Ich im Gegenzug finde genau dann, wenn ich solcherlei Bewegungen in die Richtung wahrnehme, die Ruhe in mir, um die Verletzungen der Welt nicht tagtäglich so intensiv zu fühlen. Denn je mehr Leute laut und entschieden weltheilend aktiv werden, desto mehr Vertrauen bekomme ich, dass wir das Ruder noch rumreißen. Und mit diesem Vertrauen und mit der hoffentlich dadurch in mich schwappenden Ruhe finde ich vielleicht die Muße, die ja sicher notwendig ist, um mir vielleicht irgendwann mal eine Maske selber zu nähen oder einer meiner Töchter eine Fünfschichtentorte zum Geburtstag zu backen. (Metaphorisch gesprochen. Hüstel) Es muss ja kein Diddl-Maus-Motiv sein, und vielleicht… äh… reichen ja zwei Tortenschichten auch. Drei Tage nach dem Geburtstag, am Wochenende gebacken. So, und jetzt, liebe Maria, stücknrück auf deiner Balkonbank und her mit einer bösen Fluppe. Ich stehe nämlich auch auf der Kippe, wie du weißt.

    Artikel: Auf der Kippe

  • Simone Curau-Aepli sagt:

    Ich bin seit wenigen Tagen am Lesen des Buches aufgrund einer Empfehlung. Es ist sehr lesenswert, einfach geschrieben und gut verständlich. Maja Göpel geht behutsam vor, weil es ihr darum geht, dass wir unser jetziges System verstehen, dass wir die Details bzw. die grundlegenden Fehler des jetzigen Systems erkennen. Ich empfehle es allen*, die daran glauben, dass alle Menschen persönlich und vorallem wir im Kollektiv Veränderungen anstossen und verwirklichen können. Viele konkrete Ansätze gibt es bereits. Es gibt viel zu denken und zu tun.

    Artikel: Nachdenkliches zur Gestaltung der Zukunft

  • Juliane Brumberg sagt:

    Heute habe ich mir die Zeit genommen, Euch zuzuhören. Ein tolles kluges Gespräcbh, ich habe viel gelernt. Einmal mehr habt Ihr die Bedeutung einer guten Vermittlung aufgezeigt und gleihchzeitig genau diese geliefert. Danke!

    Artikel: Aus der Zeit gefallen (2): Wir sprechen über "Kill all Normies" von Angela Nagle

  • Monika Krampl sagt:

    Danke für diese Buchempfehlung, liebe Adelheid Ohlig. Mit den Gedanken Göpels stimme ich vollkommen überein. Ich habe in meinem Blogbeitrag "Reflexionen über über-lebensnotwendige Lebensveränderungen und Verzicht" u.a. geschrieben: "Es ist noch immer nicht im Allgemeinbewusstsein angekommen, dass wir alle – und damit meine ich wirklich „alle Menschen“ – etwas verändern müssen. „Uns geht’s doch gut! Warum etwas verändern?“ Ja, aber … Jetzt, zur Coronazeit und der Klimaveränderung, die nicht irgendwann kommt sondern die bereits begonnen hat, wäre es dringend notwendig sich Fragen zu stellen – was brauche ich zu einem guten Leben? brauche ich das was ich bereits habe wirklich alles? worauf kann ich verzichten? was kann ich verändern in meinem Leben? (...)Für mich persönlich gehört zu einem guten Leben, dass ich nicht über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg in gleichen Alltagsgewohnheiten versinke und mir der vielen anderen Lebensmöglichkeiten gar nicht mehr bewusst bin. Jahreszeiten verändern sich / unsere Leben verändern sich / Lebensrhythmen werden mit den Jahren anders. Ja, werden sie das? Nur wenn wir uns selbst und unsere Umgebung mit Achtsamkeit wahrnehmen. Ich habe immer wieder Neues ausprobiert und möchte auch weiter Neues ausprobieren. Ja, ich möchte sagen – ich muss – weil ich mich verändert habe und daher liebe, alte und wohlbekannte Lebensgewohnheiten nicht mehr stimmen. Es passt einfach nicht mehr. Wie ein Kleid, das nicht mehr richtig passt …" "Immer wieder die Welt neu denken" - und dazu muss ich auch immer wieder mich selbst neu denken ...

    Artikel: Nachdenkliches zur Gestaltung der Zukunft

  • Juliane Brumberg sagt:

    Auch wenn das ein bißchen in eine andere Richtung geht, erinnere ich hier einfach nochmal an meinen Artikel über Freundschaft: https://www.bzw-weiterdenken.de/2018/03/lebenselixier-freundschaft/

    Artikel: Kapitel 6: Freundinnenschaften und Konflikte unterschiedlicher weiblicher Lebensmodelle

  • Maria Coors sagt:

    oh, der text ist so kurz...könnt ihr in der aktualisierten ausgabe nicht noch einen ratgeberteil anschließen? :) mich spricht das sehr an. ich habe festgestellt, dass ich in meinem leben schon sehr viel mehr liebeskummer wegen freundinnen hatte, obwohl ich ziemlich hetera bin. ich weiß auch nicht ob (nicht)mutterschaft und die wahl der paarbeziehung die wichtigsten trennungen begründen. ich mache am liebsten das patriarchat verantwortlich. aber das hilft ja dann praktisch nichts. also so ein praxis- und lebensnahes: "how to build and obtain female companionship against all odds of live and patriarchy" wäre das eine auftragsarbeit, die ihr annehmt? :)

    Artikel: Kapitel 6: Freundinnenschaften und Konflikte unterschiedlicher weiblicher Lebensmodelle

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Anne, vielleicht ist es aber auch gerade diese Vielfalt, die wir immer brauchen, die sich gar nicht in einem Konsens auflösen darf, damit wir beweglich bleiben, nicht unbedingt als Einzelne, sondern als Gesellschaft. Ich glaube das: Dass für das Ganze das Beharren, die Verantwortung für das zu Bewahrende genauso wichtig ist wie der Drang und die Bewegung hin zur Veränderung und Umbrüchen. Ich traue da meinem Gefühl, dass ich jetzt und in dieser Frage und diesem Kontext mehr beizutragen habe, wenn ich beharre. Hier habe ich - vor nurmehr schon wieder 4 Jahren - schon einmal aufgeschrieben, was mir zu dem Thema wichtig bleibt: https://gleisbauarbeiten.blogspot.com/2016/06/frausein-ein-gesprach-mit-antje-schrupp.html

    Artikel: Ein gutes Leben für alle erfordert ein neues Zukunftsdenken und Zukunftssprechen.

  • Dr. Gisela Forster sagt:

    Klingt sehr spannend und interessant. Mit schwebt vor, dass versuchsweise eine Woche der ganze Bundestag ausgewechselt wird: Auf jeden Männerplatz kommt eine Frau und auf jeden Frauenplatz ein Mann. Dann wären auf einen Schlag (ja es wäre ein Schlag) etwa 400 Frauen im Saal, auf dem Gängen, am Rednerinnenplut, in den Ausschüssen, in dem Beschlussorganen. ...ein schönes Bild und vielleicht so schön und effektiv, dass man diese Frauenherrschaft (besser: Frauenfrauschaft) beibehalten würde.

    Artikel: „Dich kriegen wir auch noch klein“

  • Dorothee Markert sagt:

    Doch, @Mechthild Auf dem Berge, in unserem Umfeld war das vor 20 Jahren so, wie wir es beschrieben haben. Ausgehend von unseren eigenen Erfahrungen dachten wir damals über dieses Problem nach und schrieben darüber. Sicher wäre auch eine wissenschaftliche Untersuchung interessant, aber die müssten andere durchführen oder anregen. Dass du in deinem Umfeld heute ganz andere Erfahrungen machst, ist ja sehr erfreulich. Wenn du nicht behaupten würdest, vor 20 Jahren könne es auch nicht anderes gewesen sein, würde ich dies glatt als Erfolg der Frauenbewegung verbuchen.

    Artikel: Kapitel 6: Freundinnenschaften und Konflikte unterschiedlicher weiblicher Lebensmodelle

  • rita Bake sagt:

    Liebe Juliane Brumberg, habe ganz vielen Dank für dieses Interview. Darf ich es in die Hamburger Frauenbiografiendatenbank stellen - natürlich mit Angabe der Quelle und Verlinkung - in der die Kurzviten verstorbener Frauen, die in Hamburg gelebt bzw. gewirkt haben, nachzulesen sind? Damit auch darüber das feministische Wirken von Elisabeth verbreitet und erinnert wird. Herzlichen Gruß Rita Bake

    Artikel: Liebe zur Arbeit der Frauen: Die Museumskuratorin Elisabeth von Dücker

  • Mechthild Auf dem Berge sagt:

    Woraus wird abgeleitet, dass es eine Kluft, ja eine Kommunikationsbarriere, zwschen Müttern und Nichtmüttern geben soll? Woran wird festgemacht, dass die "Institution Tante" verloren gegangen ist und Freundinnen und Tanten "verprellt" werden? Gibt es Untersuchungen dazu, dass es eine Auseinandersetzung zwischen lesbischen und heterosexuellen Frauen über unterschiedliche Lebensentwürfe angeblich nicht gibt? Mich wundern diese Feststellungen. Sie entsprechen nach meinem Erleben nicht der Lebensrealität von Frauen in unserer Gesellschaft. Meine Beobachtungen zeigen das Gegenteil. Frauen sind keineswegs voneinander getrennt durch das Kinderkriegen oder ihre sexuelle Orientierung. Sowohl in meiner Generation als auch bei jüngeren Frauen in der vorhandenen oder nicht vorhandenen Familienzeit, bei Schülerinnen und Studentinnen beobachte ich Gemeinsamkeit und Zusammenstehen. Das bezieht sich bei mir auf eigene Familienzusammenhänge und auf Familien von Freundinnen und verwandten Frauen, auf Nachbarschaften in städtischen und ländlichen Umgebungen. - Tanten mit oder ohne eigene Kinder sind beliebte Familienmitglieder, sind eingebunden und gefragte Ratgeberinnen. - Jahrzehntelange Freundinnenschaften zwischen Müttern und Nichtmüttern überdauern die Familienzeiten von Müttern und werden weitergeführt, wenn die Interessen weiter geteilt werden. - In Schule und Studium, beim Sport und in der Freizeit gibt es Freundinnencliquen, in denen selbstverständlich lesbische und heterosexuelle junge Frauen zusammenbleiben und sich natürlicherweise über ihre Lebensentwürfe austauschen. - In meinem vor- bzw. politischen Engagement erlebe ich ebenfalls keine Unterscheidung zwischen gleichgeschlechtlichen Frauen und HeteroFrauen, zwischen Müttern und Frauen ohne Kinder. Es spielt keine Rolle! Wie gesagt, diese erfreulichen Umstände kann ich überall sehen und es wird mir erzählt. Freundinnenschaften können sich verändern, klar, aber wohl ehr aus Interessenverlagerungen. Ich habe da auch so meine schmerzlichen Erfahrungen gemacht, die aber absolut nichts damit zu tun hatten, ob eine Freundin Mutter war oder nicht oder eine andere seuelle Orientierung als ich hatte. Ich frage mich, woher die Annahmen aus dem Kapitel "Freundinnenschaften" stammen, dass es zwischen Frauen diese Klüfte und Kommunikationsbarrieren geben soll? Ob es persönliche Erlebnisse oder kollektive Erfahrungen bestimmter Gruppen sein können die als allgemein gültig gesetzt worden sind? Damit müsste aber vorsichtig umgegangen werden, finde ich. Es kann auch nicht sein, dass die Frauenwelt vor 20 Jahren (Veröffentlichung) so anders gewesen sein soll, denn die Familien-, Freundschafts-, Nachbarschafts-, bürgerschaftlich/politisch engagierten Zusammenhänge, die alleine ich beobachte und kenne sind wesentlich älter. Freundinnenschaften beruhen auf Zugewandtheit und Empathie für das Gegenüber. Ich sehe und spüre mit Freuden, dass die Zuneigung von Frauen zueinander nicht schwindet wenn eine Mutter oder Nichtmutter ist oder eine andere sexuelle Orientierung hat.

    Artikel: Kapitel 6: Freundinnenschaften und Konflikte unterschiedlicher weiblicher Lebensmodelle

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Regina, vielen Dank für deine schönen Beschreibungen. Ich bin da ganz bei dir. Während ich das las, musste ich an Monique Wittig denken und wie sie in einem ihrer (fiktiven) Bücher beschrieb, wie Frauen, gedacht in einer Welt und als eine Art Amazonen ihre Menstruationstage feiern, wie die Frauen jene Frau, die sie gerade hat, umpflegen und in dieser turbulenten Körperinzeit mit ihr sind. Ich habe zuvor so etwas noch nie gelesen (Menstruation als etwas zu sehen, das wir feiern könnten, in der wir uns gut fühlen und eventuell auch mehr von uns finden können, das nicht nur als "störend" in der eigenen Körperin vercodet ist) und mir so etwas dadurch auch noch nie vorstellen können. Es hat mir gezeigt, dass da noch ganz viel ist, was wir nicht wissen und was noch erkundschaftet werden möchte und auch noch zu Leben kommen und mit Leben gefüllt werden will. Danke für deinen Beitrag! Liebe Jutta, ach ja... Dissens... ich habe mehr und mehr Lust, diese Dissens... wie kann ich das nennen... Dissensfokussierung ;) aufzulösen und mehr hin zu einem Verstehen umzuwandeln. Also zum Beispiel: Ich möchte verstehen, warum du so denkst und fühlst, und ich möchte gern auch verstanden werden. Dann ist Dissens gar nicht mehr so wichtig. Natürlich fühle ich mich mehr an einem denkerischen und fühlerischen Standort verwurzelt, aber dennoch habe ich ja die Möglichkeit, mich aus mir kurzzeitig hinauszudenken und in andere hineinzudenken, wenn mir Schlüssel angeboten werden. Und dann eine gemeinsame Sprache zu finden, in der (wichtige, ja oftmals viel wichtigere) Dinge (die dann ja oft nicht bearbeitet werden durch irgendeinen Dissens) vorangebracht werden können über einen wo und wie auch immer gelagerten Dissens, das finde ich mittlerweile viel wichtiger. Also... die Frage: Was ist wirklich wichtig? Welcher Dissens spielt wann eine wichtige Rolle, und wann aber ist dieser Dissens echt mal egal, und sollten wir echt großzügig mit ihm in uns sein? Das Vorankommen, das Weiterdenken ist mir halt wirklich immens wichtig, und das geht ja nur mit anderen, und zwar über Dissens hinweg. Damit halt eben wirklich wichtige Dinge gemeinsam und nicht getrennt weitergedacht werden können. Ist es nicht schade, wenn am Ende steht: Wir haben Dissens. Punkt. ? Sind wir dann vorangekommen? Ich denke mehr und mehr, es ist eine Frage, ob vorangekommen werden will oder nicht. Ich will, dass einfach ganz viel in Bewegung kommt etcpp. Und deswegen: Wenn wir am Ende eines schönen langen Gesprächs weiter in Dissens verweilen, dann bin ich also etwas unbefriedigt, hihi. Aber ja, das ist ok. Vorerst. ;)

    Artikel: Ein gutes Leben für alle erfordert ein neues Zukunftsdenken und Zukunftssprechen.

  • Yvonne Renne sagt:

    Liebe Antje und alle anderen, ich fand die Überschrift total gut, weil ich mich gerade viel mit dem Thema "Frauen unter sich" beschäftige. Da ich Co-Mutter war und jetzt Co-Oma bin, mache ich die Trennung nicht an Heterosexualität fest. Ich habe es selbst erlebt im Kinderalltag zu verschwinden, weil keine Energie für was anderes mehr da war, und ich habe es genossen. Es tut mir heute noch gut, den Kontakt zu den Kindern und Enkeln zu haben. Das heißt,ich habe dafür Verständnis,- was nicht heißt, dass es mich nicht manchmal nervt bei Freundinnen. Ich selber habe mich mit 17 gegen das Kind entschieden und hätte auch keins gebären wollen. Was ich viel schwieriger finde ist, es als Lesbe meiner heterosexuellen Freundin in ihren "sich-in Beziehung behaupten-müssen" Prozessen zusehen zu üssen und nicht viel machen zu können.... Was mir aber gerade mehr auf der Seele liegt ist, dass ich von der Art und Weise wie mittlerweile in lesbischen und auch in queeren Kreisen miteinander umgegangen wird, so abgenervt bin, dass ich von meiner langjährigen Idee in eine Frauenkommune zu ziehen Abstand nehme (es gibt auch keine,leider, alle haben sich wieder aufgelöst) aber auch eine zu gründen , weil ich das Gefühl habe, ich will diese Formen der Auseinandersetzung nicht mehr. Vielleicht ist es da in der gemischten Gruppe mit mehr Abstand, leichter ???? Ich weiß es nicht, werde es aber ausprobieren, obwohl mein Herz dabei blutet. Ich würde mir eine nährende und achtsam streitende Lesbenkommune, die ähnlich wie die Kommune in Niederkaufungen aufgebautist sehr wünschen. Ich habe das Gefühl, dass die ganze queer Diskussion zu einer Zunahme an Frauenfeindlichkeit und Frauenneutralisierung geführt hat, was ich sehr bedauere, weil mich das Leben in Frauenzusammenhängen sehr genährt hat und mich stolz gemacht hat auf mein Frausein.

    Artikel: Kapitel 6: Freundinnenschaften und Konflikte unterschiedlicher weiblicher Lebensmodelle

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Wenn eine Frau sich als Mutter bezeichnet, mache ich einen großen Bogen um sie. Wenn sie sich später als Oma bezeichnet, wird es in keiner Weise für mich besser; Es sei denn, ich möchte mit ihr, die Mutter, beziehungsweise mit ihr, die Oma, den Kontakt aufnehmen. Ansonsten(!) ist es eben nicht nur eine Frage der Worte, sondern dessen, was diese Worte transportieren; und sie transportieren ganz eindeutig eine begrenzte Wahrnehmung der Frau - Einschränkung, Mangel. Oh, wie ich das kenne!! Aber, ich bin doch viel mehr als eine Alte, bin mehr als eine Behinderte oder Rollstuhlfahrerin, und ich bin auch keine Kranke… ICH BIN FIDI BOGDAHN ! Ja, ich bin in der Zwischenzeit alt geworden und lebe mit den Einschränkungen und Schwierigkeiten, die durch eine Krankheit in mein Leben gekommen sind. Das und vieles andere macht mich heute aus. Und es verändert mich ständig, über all diese Begrifflichkeiten hinaus. (Bloß Mutter werde ich ganz bestimmt nicht mehr! -jedenfalls nicht in diesem engen Verständnis von "eigene" Kinder haben. Schließlich werde ich selbst zunehmend wie Kinder, wahrscheinlich um das Reich Gottes zu erlangen. :-) )

    Artikel: Kapitel 6: Freundinnenschaften und Konflikte unterschiedlicher weiblicher Lebensmodelle

  • Brigitte Leyh sagt:

    Liebe Antje, danke für diese aufschlussreiche Analyse. Als kinderlose (lose?)Hetera finde ich das bei vielen Freundinnen beobachtete "Verschwinden in der Mutterrolle" besonders traurig. Später kommt ja noch das Verschwinden in der Oma-Rolle dazu. Müttern müsste für einen freien Diskurs endlich erlaubt sein zu sagen "Dass ich Kinder bekommen habe, war der falsche Weg". Aber welche Mutter mag das ihren Kindern antun?? Für mich kann die Lösung nur in der Entmystifizierung des Kinderwunsches liegen.

    Artikel: Kapitel 6: Freundinnenschaften und Konflikte unterschiedlicher weiblicher Lebensmodelle

  • Jutta Pivecka sagt:

    @Dorothee Du hast Recht - mich triggert die Freude an der Selbstbeschränkung - sofort! Sicher habe ich da, bezogen auf deinen Text, überzogen und dich wohl auch missverstanden. Aber auch beim nochmaligen Lesen glaube ich ableiten zu können, dass du eine gesellschaftliche Konsequenz aus den Erfahrungen des "Lockdowns" (den es in Deutschland ja nur bedingt gab, anders als z.B. in Spanien) wünschst, keine nur individuelle. Darauf bezog sich der 2. Teil meines Kommentars. Ich glaube tatsächlich nicht - vor allem auch nicht in Bezug auf den Klimawandel - , dass von der beobachteten "Konsumzurückhaltung" Hoffnung ausgeht. Das löst keinerlei Probleme, sondern verschafft nur einigen ein besseres Lebensgefühl. Das ist ok und schön für die Betroffenen, aber nach meiner Überzeugung steckt darin keinerlei Lösungsansatz z.B. für den Klimawandel. Es wird z.B. nicht mehr Elektrizität, die viele längst nicht haben, aber sich ersehnen, dadurch erzeugt, dass hier weniger T-Shirts gekauft oder Schokoriegel verzehrt werden. Der Rückgang des Co2-Ausstoßes ist temporär und der wirtschaftliche Rückgang kann dazu führen, dass technologische Innovationen und der Umbau der Carbonwirtschaft weltweit noch langsamer vorankommen. Genau das befürchte ich.

    Artikel: Von der Begrenzung zur Selbst-Beschränkung des „Genug“

  • Bea Dörr sagt:

    Liebe Juliane, jedes Deiner Porträts ist wie eine kleine Schatzkiste - so viel Wissen und Wertschätzung steckt darin. Und wie wichtig Deine journalistisch-feministische Spurensuche ist, zeigt sich gerade jetzt beim viel zu frühen Tod von Lissy von Dücker: Ohne Deinen Text wäre vieles von ihr nicht "in der Welt". Hab herzlichen Dank dafür!

    Artikel: Liebe zur Arbeit der Frauen: Die Museumskuratorin Elisabeth von Dücker

  • Judith sagt:

    schöner text, so ungeschminkt. ja, wie habe ich zum teil leute beneidet mit gärtchen oder welche die nicht so belagert wohnen wie ich. als ich neulich mal meinen frust wo hinschreiben wollte, zu so ner sorgenseite, bekam ich zur antwort: sie scheinen sehr frustriert zu sein! ( als würde man zu sowas hinschreiben, weil man mal sagen möchte, hui, das leben ist ja so prickelnd zu mir, und das glück mir so hold, das wollte ich mal sagen, weil ich es sonst garnicht mehr aushalte...) und alles wird besser bin ich nur freundlich, so ungefähr, war die dämliche antwort, da schwillte od. schwoll mir der kamm noch mehr, oder der hals... ich habe neulich auch die zigarettchen so genoßen bei meiner feundin, und ja, vielleicht mal wieder nen tabak, dachte ich mir vorhin auch...

    Artikel: Auf der Kippe

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Antje, den Dissens können wir nicht aufheben. Es stimmt zwar, dass die Zuweisung "Frau" keine "neutrale Beschreibung einer körperlichen Variante" (einer nicht allzu seltenen "Variante" würde ich allerdings unbedingt hinzufügen) ist (in unserer Gesellschaft), aber ich kann begehren, dass es so werden möge. Und das tue ich. Ich war eine Frau, bevor ich je etwas vom Differenzfeminismus gehört habe und ich habe "Frausein" auch nicht als "Zuschreibung" erfahren, sondern entdeckt - als "körperliche Variante". Erst später habe ich auch erfahren, dass es mit sozialen Zuschreibungen verbunden ist, die falsch oder einengend sein können. Frausein ist für mich jedoch keine politische Entscheidung und ich möchte auch keine draus machen. Das stimmt einfach - für mich!

    Artikel: Ein gutes Leben für alle erfordert ein neues Zukunftsdenken und Zukunftssprechen.

  • Regina Hunschock sagt:

    Liebe Anne, soviele Gedankenstränge. Mit allem, was in unseren/-m Körper-innen lebt oder nicht mehr lebt, weil es entfernt wurde, durch Operation, wegen Erkrankung, umgebaut, weil anderes Begehren, es nie da war, gibt es je nach dem immer aktuelle oder akute leibliche Gegebenheiten mit innewohnenden Verlusten oder Kräften. Ich mag Sätze wie Innere Wirkstoffe der Frauen und meine damit genau solche, die aufgrund der Eierstöcke, Gebärmutter, Vulva, Klitoris wie Ihres Zusammenspiels mit Hormonen und Gehirn eine Frau zu etwas in die Lage versetzen. Ich kenne eine Ärztin, die hat schöne Worte wie "Eischatzkammer, Eianlage, Lustkraft der Lebenshöhle (Gebärmutter) und forscht an solchen Fragen, welche Rolle das Mark in den Eierstöcken in den Wechseljahren spielt. Es soll ein Wirkstoff sein, der so gut wie nicht erforscht wird, da die "Männliche" Wissenschaft kein Interesse daran hat oder gar nicht so weit auf die Idee kommt, was wirklich wirklich im weiblichen Körper (Ausgestattet eben mit Eierstock, Gebärmutter, Vulva, Scheide, Klitoris) geschieht. Also genomische Information in den Eizellen (die hat eine Transfrau nicht) Eine andere Frau sagte mal, sie glaube das die Wechseljahre der Frau der Missing Link in der Evolution sind. Dass die Hitze, die der originäre weibliche Körper erzeugt, eine bestimmte Kraft beinhaltet, die anzuwenden wir noch gar nicht kennen. Und welche Frau, die das alles im Inneren hat (ohne Operation, Transition, Hinzufügen aus Armfleisch oder Armhaut usw) erforscht das wirklich? Weil solches Vermögen meist im biologischen Fruchtbarkeitsritus von Kinderkriegen und Familie steckt und noch nicht in den nächsten Oktaven, wie sich denn Eizelle und Samenzelle als Schwingung noch auf anderen Wegen begegnen können, die nicht durch den üblichen Geschlechtsverkehr zustande kommt. Allein das Zusammenspiel aus Nerven, Nervenbahnen, Hormonen, Kontraktionen, Flüssigkeiten, Herzkraft, bewirkt etwas. Und ganz sicher verliert ein(e) Transmann solche Möglichkeiten durch das Entfernen von Gebärmutter, Eierstöcken, Vulva und Brüsten) (gewinnt andere, wie vielleicht sein Begehren und Identität über den hinzugefügten Penis zu realisieren, als soziale Rolle usw.) Geschlecht ist wie ein Kontinuum und eingebunden, und je nach dem gefangen und frei in den jeweiligen Kontexten. Innen wie Außen. In einer Gesellschaft, die stolz darauf sein könnte, dass aus dem (bisher) Mutterleib (noch nicht KI Gebärmuttermaschine) ein Wesen, Mensch hervorkommt, das unzählige Geschlechtsvarianten haben kann und damit total ok und willkommen ist, ohne groß Aufhebens darum zu machen. Würde, so denke ich, viel weniger "Geschlechtsangleichung auf der physischen nach sich ziehen, weil meine Forschungen zeigen, dass ein männliches Verlangen auf bestimmte Art sexuell lieben zu können in den weiblichen Anlagen erinnert sein kann und eben genau das nicht in dem künstlich hinzugefügten Penis zur Empfindung kommt. Empfindungen machen etwas mit uns und unseren Beziehungen. Sie lassen uns Erfahrungen, Berührungen suchen, die das Selbst formen, sprechen lassen, lieben lassen, wollen. Das ist sinnlich, poetisch und politisch, weil aus Verlangen der heterosexuellen Ordnung ganze Gesellschaften und Abläufe kreiert werden. Sowas wie Urstoffe des Leibes lassen sich nicht leugnen, können aber in Vergessenheit geraten oder verkümmern, wie einen Muskel , den man, Frau nicht benutzt. Was ist und gegeben wurde Qua Geburt? Was sind die weiblichen und männlichen und dazwischen oder daneben Möglichkeiten etwas zu fühlen und zu können, genau in diesem Leib, der da ist? Und wie tauschen wir uns und ihn (den Leib) die Körperin mit anderen aus, ein, um? Soweit mal mein Gedanken. Eine nie enden werdende Forschungsreise. Ein Fluss, mich und Dich zu finden im Flüssigsein. Ein Ort der inneren Alchemie, inneren Geschlechtsum-ver-wandlung und Anverwandtschaft als Mensch.

    Artikel: Ein gutes Leben für alle erfordert ein neues Zukunftsdenken und Zukunftssprechen.

  • Juliane Brumberg sagt:

    Hier muss ich die traurige Nachricht hinzufügen, dass Elisabeth von Dücker am 9. Juli 2020 verstorben ist. Ich bin sehr dankbar, dass ich im Dezember noch so ein lebendiges Interview mit ihr führen und das Porträt über sie schreiben konnte.

    Artikel: Liebe zur Arbeit der Frauen: Die Museumskuratorin Elisabeth von Dücker

  • Ute Plass sagt:

    Weiterer Beitrag über "was alles auf der Kippe steht": https://awblog.at/eltern-am-arbeitsplatz/?jetztlesen

    Artikel: Auf der Kippe

  • Nicole Schmidt sagt:

    Vielen Dank für diesen schönen ehrlichen Text. Da ist viel Wahres zum Schmunzeln mit Tränen in den Augen dabei.

    Artikel: Auf der Kippe

  • Ute Plass sagt:

    Sehr treffend, diese unpathetisch erscheinende Alltagsprosa. So ist's halt, mit dem so häufig zitierten Corona-Brennglas. Vor Corona war's für viele Menschen schon beschissen. Mit und nach Corona, noch um einiges mehr.

    Artikel: Auf der Kippe

  • Christine Jung sagt:

    Liebe Frau Voigt Kehlenbeck, vielen Dank für Ihren unterstützenden Kommentar. Volle Zustimmung meinerseits, was Sie über das Affidamento schreiben. Es fehlen Räume, wo junge und ältere Frauen sich begegnen können, dass es zu so einem Autausch kommen kann. Die Hochschule ist so ein Ort. Ich suche gerade "Räume", bzw. bin im Gespräch, wo sich mein Angebot platzieren und weiterentfalten kann.

    Artikel: „Das Patriarchat ist zu Ende“ – Perspektiven und Strategien jenseits des Gender Mainstreaming

  • Christine Jung sagt:

    Liebe Juliane, vielen Dank für Deine wertschätzende Rückmeldung! Ich bin auch sehr gespannt, ob und was sich wie weiter entwickeln wird.

    Artikel: „Das Patriarchat ist zu Ende“ – Perspektiven und Strategien jenseits des Gender Mainstreaming

  • Dorothee Markert sagt:

    Danke für eure Kommentare und Ergänzungen und die lebhafte Diskussion am Ende. @Jutta: Offensichtlich ruft das Wort "genug" schon von sich aus die Assoziationen "moralisch" und "zum Verzicht genötigt werden" hervor, so dass gar nicht mehr so genau gelesen wird, was ich wirklich meine. Ich spreche immer von einem persönlichen "Genug", d.h., jede Person kann das nur für sich herausfinden, was bedeutet, dass es sehr unterschiedlich empfunden wird und daher viel Differenz hervorbringt. Wahrscheinlich sollte ich nicht vom "Genug" sprechen, ohne die anderen Begriffe aus dem ABCdesgutenlebens dazuzunehmen, ohne die vielleicht wirklich nicht verstanden werden kann, was ich meine. Außer der Dankbarkeit sind das vor allem die Fülle, die Schönheit und das Innehalten. Also: Kein "Genug" ohne Fülle und Schönheit und kein von außen gesetztes Genug. In meinem Text hier habe ich ja von einer Erfahrung des Genug geschrieben, die Menschen durch die Corona-Begrenzungen machen konnten und auch wirklich gemacht haben. Auch über ein jeweils konkretes Zuviel, das jenen Menschen durch diese Erfahrungen bewusst wurde. Und ich habe behauptet, dass die derzeitige Konsumzurückhaltung durchaus etwas mit diesen Erfahrungen zu tun haben könnte. @Antje: Du hast wahrscheinlich Recht, dass für viele Menschen eine Begrenzung oder ein gewisser Druck nötig sind, damit sie neue Erfahrungen machen, so wie du gemerkt hast, dass du gut ohne das Rauchen leben kannst. (Solche Begrenzungen müssen gar nicht von außen gesetzt werden, meistens bringt das Leben sie von selbst mit). Aber ich höre nicht auf zu hoffen, dass Menschen aus diesen neuen Erfahrungen dann etwas in ihre eigene "freiwillige" Lebensgestaltung integrieren, so dass es langfristig auch zu deutlichen Veränderungen kommt. Wenn du da so pessimistisch bist, dann frage ich mich, wie du dich gleichzeitig als Anarchistin bezeichnen kannst. Denn der Anarchismus setzt doch ganz massiv auf verantwortungsvolle Lebensgestaltung und politische Aktivitäten, die ohne Begrenzungen und Druck von außen, zumindest ohne Herrschaft und Hierarchien auskommen, oder habe ich da was falsch verstanden?

    Artikel: Von der Begrenzung zur Selbst-Beschränkung des „Genug“

  • Juliane Brumberg sagt:

    Liebe Christine, Du stellst wichtige Fragen (für die ich keine Antworten habe), aber allein schon, dass sie gestellt sind, ist gut. Was mich an Deinem Artikel richtig freut ist, zu lesen, dass die Denkanstöße der Italienerinnen und deren Vermittlerinnen im deutschen Sprachraum auf fruchtbaren Boden fallen, weiterentwickelt werden und versucht wird, sie in die Praxis umzusetzen. Das ist Erntezeit für all die Denkerinnen, die soviel Kraft und Herzblut in die Entwicklung und Vermittlung dieses philosophischen Konzepts gesteckt haben. Wunderbar! In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du vielleicht auch schon Antworten auf Deine Fragen bekommst! Wer weiß schon, was vor Ort alles so geschieht?

    Artikel: „Das Patriarchat ist zu Ende“ – Perspektiven und Strategien jenseits des Gender Mainstreaming

  • Voigt Kehlenbeck sagt:

    Liebe Christine Jung, es ist ein lustiger Zufall, dass ich soeben ihre Erzählung lese, von dem Seminar, dass Ihnen eine Freundin an getragen hat, und ich just in dieser Woche mit einer Freundin im Garten saß, Kita-Leiterin, und sie fragte, ob sie den Ansatz der italienischen Feministinnen kennen würde. Ich bin Dozentin an der Fachhochschule in Wolfenbüttel und unterstütze meine Studierenden, männlich und weiblich, mit großem Bewusstsein, dass ich ähnlich unterstützt worden bin. Ich finde Ihre Idee, des gemeinsamen Suchens, ein wunderbares Bild, zugleich aber geht es im affidamento ja um das Anerkennen von Erfahrungen von Frauen. Dies geht meines Erachtens zur Zeit wieder sehr verloren, insofern lohnt es, dieses Thema noch mal neu aufzulegen. Danke für die Anregung. In dem Versuch, einer jungen Freundin zu erzählen, was der Gehalt des affidamento ist, wurde mir deutlich, das die sehr selbstbewusste junge Generation erst einmal nicht so viel anfangen kann mit der Idee, s ich einer älteren, erfahreneren Frau anzuvertrauen . Dabei wurde mir deutlich, dass die Italienerinnen nicht das Anvertrauen meinten, sondern das Rückenstärken der älteren Frau. Die jungen Frauen haben ein Recht auf ihre eigene Perspektive, auch auf ihre Vorstellung, dass sie eine solche Unterstützung nicht bräuchten und wir älteren Frauen haben hingegen das Wissen, dass eine solche Unterstützung ungeheuer wichtig ist. Und dieses Wissen, sollten wir praktizieren und weitergeben. Meine Rolle ist oft das Ermutigen, das Unterstützen von rebellischen Haltungen, das offene Ohr für Empörung und Zorn über patriarchales Selbstverständnis. Weiter denken würde auch lohnen zum Thema Ende des Patriarchats. Luisa Muraro hat nicht umsonst postuliert, dass das Patriarchat zu Ende sein und dieses Ende programmiert werden müsste. Dieses Buch hat mit seinem Titel sehr viel Empörung und Zweifel geweckt, mich aber hat es überzeugt. Auch wenn das Patriarchat zu Ende ist, so ist es ihnen seine Übergangsphase durchaus noch wirksam. Diese Wirksamkeit aufzudecken, wäre ein schöner Seminarinhalt, den gemeinsames Denken prägen könnte. viel Spaß beim Weiterzumachen

    Artikel: „Das Patriarchat ist zu Ende“ – Perspektiven und Strategien jenseits des Gender Mainstreaming

  • Antje Schrupp sagt:

    @Jutta - Ich glaube, der zentrale Punkt beim Selbtverständnis von trans Personen ist nicht dass sie nicht einverstanden mit ihrem Körper sind, sondern die Ablehnung des Körpers ist nur eine Reaktion auf das damit begründete "missgendering" von Dritten. Der Körper wird abgelehnt, weil er als Ursache des Leidens gesehen wird, aber das Leiden kommt nicht wegen dem Körper, sondern wegen der Tatsache, dass man deshalb ein Geschlecht zugewiesen bekommt, das man nicht als das eigene sieht. Daher sind ja auch die neueren Diskussionen an dieser Stelle bereits anders, wenn etwa gesagt, wird dass auch ein Penis ein weibliches Geschlechtsteil sein kann oder der Uterus ein männliches. Zum Ende und zum Thema des "Verschwindens" der Geschlechterdifferenz: Das ist soweit ich es sehe kein inhärenter Bestandteil von Queertheorie, da ist der common ground lediglich die Ablehnung der binären Vorstellung von Geschlecht, wonach es nur und genau zwei Geschlechter gibt, die sich durch körperliche Kategorien voneinander unterscheiden. Und die Vorstellung der "Aufhebung" von Geschlecht ist eine alte Idee, die auch schon im Gleichstellungsfeminismus da war, ebenso wie übrigens die Fixierung auf die Diskriminierungserfahrung - letzteres finde ich im Queerfeminismus eigentlich überhaupt nicht, da die Diskriminierungserfahrung nicht ans Geschlecht geknüpft wird, sondern an die Zuweisung. Also Frausein ist für sich genommen etwas Schönes und völlik okay, für alle, die Frauen sind. Während eher der Gleichheitsfeminismus gesagt hat: Frausein ist so blöd, wir müssen uns unbedingt den Männern angleichen (überspitzt gesagt). Es gibt einige, die vorschlagen, Geschlecht als Kategorie ganz aufzulösen (hornscheidt/Oppenländer in "Exit Gender" zum Beispiel), aber das ist nicht generelle Ansicht. Schließlich, was mich an deiner Position nicht überzeugt: Die BEdeutung von "Frau" ist nicht feststehend. Aus der Existenz von zwei reproduktiven Varianten Mensch lässt sich keine soziale Norm ableiten. Und es ist nicht zu leugnen, dass die Bedeutung von "Frau" ganz faktisch heute ganz etwas anderes ist als "Mensch mit reproduktiven Merkmalen soundso". Die Entscheidung von Differenzfeministinnen wie dir und mir und Anne (und wahrscheinlich den meisten Leserinnen in diesem Forum), aus dieser Zuweisung ("Du hast höchtswahrscheinlich einen Uterus, daher bist zu Frau und also Ansprüchen, Anforderungen und einer Geschichte von 4000 Jahren Patriarchat ausgesetzt") etwas Freiheitliches, Selbstbestimmtes zu machen, ist eine POLITISCHE Entscheidung, keine notwendige. Es ist keine naturwissenschaftliche Wahrheit darin. Es ist selbstverständlich möglich und legitim, es anders zu entscheiden und zum Beispiel zu sagen "Ich weigere mich, diese soziale Position einzunehmen und nur weil mein Körper soundso aussieht, hat niemand ein Recht, mich in irgendeine Kategorie zustecken" und da entlang geht die Auseinandersetzung. Man kann diesem ARgument zum Beispiel nicht damit begegnen, zu behaupten, die Zuweisung "Frau" wäre doch nur eine neutrale Bescheibung einer körperlichen Variante, denn das stimmt halt einfach nicht.

    Artikel: Ein gutes Leben für alle erfordert ein neues Zukunftsdenken und Zukunftssprechen.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Jutta, vielen vielen Dank für deine ausführliche Antwort aus dem Urlaub! Ich weiß das sehr zu schätzen. Es ist so vieles so interessant! Ich zum Beispiel, ich bin auch - und wenn ich mich so umhöre, merke ich immer, wie selten das noch immer ist - wahnsinnig glücklich und zufrieden mit meinem Körper, in meiner Körperin. Ich habe beispielsweise nur glaube zweimal in meinem Leben eine (freiwillige) Diät gemacht, mit 17 oder so, ich fand das eine ganz schlimme Erfahrung (ich war so fixiert aufs Körpermaß und so, ich hatte nichts anderes mehr zu denken, es war furchtbar), und habe es nie wieder gemacht. Dieses Gefühl der Zufriedenheit mit mir selbst teile ich also total mit dir. Warum andere Menschen ihrem Körper schlecht behandeln, also z.B. sich ritzen... ich glaube, niemand möchte es, sondern es ist eine Art Projektion von (seelischer, physischer, emotionaler etcpp.) Verletzungen auf den eigenen Körper, um also anderen Schmerz durch "neuen" Schmerz zu lindern z.B. Aber ja... da kennen sich andere viel besser aus. Was ich sagen will ist, dass diese Menschen Gründe haben und Erfahrungen gemacht haben, die unverdaut und also unverarbeitet sind und sich so irgendwie den Weg nach außen suchen. Ich würde mir wünschen, dass niemand je solche traumatisierenden Erfahrungen machen muss (da wären wir schon wieder beim guten Leben für alle ;). Was das Gefühl von trans Menschen angeht, im falschen Körper zu stecken... der Film "Girl" von Lucas Dhont gibt eine gute Möglichkeit, sich da einzufühlen... ich bin eine Netflix-Spätzünderin und schaue mich gerade durch "Orange is the new Black" und finde hier die Rolle der Sophia Burset auch wahnsinnig interessant. Das ist wohl einer der Gründe, warum ich Kino (neben Literatur) so liebe: weil Filme mir die Möglichkeit geben, mich in (fremde) Menschen (und ihre Kontexte, Konflikte, Leben) einzufühlen. Was ich auch mit dir teile: ich empfinde Frausein natürlich auch als schön. Aber ja... ich verstehe oder fühle hier unseren Dissenz... oder wie soll ich das nennen, hehe... ich kann meine patriarchats-kapitalistische Kritik-Brille wohl nie mehr ablegen. Aber das liegt halt auch daran, dass wir mit unserer Gesellschaftsordnung gerade in einen selbstproduzierten Kollaps reinrutschen. Donna Haraway drückt es so aus: "Ein eingeschränkter (oder neoliberaler) Individualismus, aufgebessert durch Autopoiesis, ist weder metaphorisch noch wissenschaftlich betrachtet gut genug; er führt uns auf tödliche Pfade." (Unruhig bleiben, S. 51) Ich liebe auch die Verschwendung und das Übermaß und den überflüssigen Luxus und all das, was du geschrieben hast unter Dorothees Text des "Genug", und nichts wäre schöner, als all dem weiter fröhnen zu können, aussuchen zu dürfen etcpp. Aber diese unsere Erde ist endlich und verletzlich und bereits jetzt schon vielfach verletzt. Ein "Genug" kommt bei mir nicht von innen, sondern zunächst als Zwang von außen, wenn ich will, dass auch meine Töchter noch ein gutes Leben auf dieser Erde haben können. Und weil ich es als "Zwang von außen" so unerträglich finde, muss ich es das alles irgendwie inkorporieren, also einen Weg finden, wie das alles zu vereinbaren geht, ohne dass mich das alles überfordert. Momentan habe ich das richtige Maß und die richtige Art noch nicht gefunden, ich fühle mich ständig überfordert. Weil ich Dinge tun muss, bei denen - wie du so schön sagst - ich die Verhältnisse nicht überblicke und auch nicht komplett Verantwortung übernehmen kann (und es am liebsten eben auch nicht täte). Warum tue ich es dennoch, warum gehe ich raus aus meiner Komfortzone? Weil ich genau weiß, was ich meinen Töchtern in 20 Jahren NICHT sagen möchte. Ich möchte ihnen nicht sagen, "ich habe nichts getan, weil ich mich überfordert gefühlt habe". Also... komme ich ins Tun, ... und es wirft mich eben in Bahnen, auf denen ich mich nicht gut auskenne, aber hey, Grenzen und Zäune und eigene Wohlfühlzonen sind auch zum Dranrütteln und Hinterfragen da. Aber gut, all das ist ja wieder eine andere Geschichte. Was eure Aversion - also Antjes und deine, und sicher noch so einiger anderer Leser*innen - gegen diese fiktive Zukunftsvision angeht, so kann ich das total verstehen, immerhin sind wir Differenzfeministinnen. Ich habe sie übrigens nicht entworfen, sondern Marge Piercy hat sie entworfen; und was sie da gemacht hat, ist Kunst. Um über diese ein Nachdenken oder auch eine mögliche Debatte im Diskursraum anzuregen. Sie hatte dafür Gründe, irgendwas hat sie inspiriert, und dem wollte sie nachgehen, bis "ganz ans Ende" und komplett ausgepinselt. Ich finde das einfach wunderbar und ich bin so dankbar dafür. In jeder feministischen Science Fiction wird dieses Thema mehr oder weniger durchgespielt. Ob Frauen nun "noch mehr" Frauen werden, weil sie ohne Männer leben, oder "noch mehr" durch patriarchale Strukturen unterdrückt werden und sich dennoch in Nischen und Rändern und Sprache frei fühlen. All das ist nicht die Realität, all das sind Angebote für das Körpergehirn, um in Unruhe zu geraten und um über das Hinaustauchen aus dem Jetzt-So-Menschsein in ein alternatives Menschsein eintauchen zu können. "Man kann Science Fiction als Kunst- und Denkmaschine" also "erstens als Kunst genießen, und man kann mit ihr zweitens Dinge und Verhältnisse denken, die ohne sie ungedacht bleiben müssten" (Dietmar Dath in Niegeschichte, S. 21); "hier tut sich etwas auf, was die konkrete Erfahrung überschreiten will" (ebd., S. 47). Es ist also keine Zukunftsvision (ich habe in meinem Artikel nur so getan als ob, aber ich werde zukünftig überlegen, ob ich das in der Form wieder tue... ich werde da noch ein bisschen rumexperimentieren). Mich hat dieser Roman sehr zum Denken angeregt, ich habe in ihm keine Antworten im Sinne von "So muss es/wird es sein" gefunden (wie du vielleicht glaubst, Jutta), sondern noch mehr Fragen, die mein Körpergehirn unruhig halten, und allein das genügt mir. Vorerst. Ich möchte die Geschlechterdifferenz nicht abschaffen. Ich möchte ein gutes Leben für alle Bewohner*innen in diesem zerbrechlichen Lebensraum Erde. Ich danke dir nochmal für deine Antwort, das ist alles sehr spannend. :)

    Artikel: Ein gutes Leben für alle erfordert ein neues Zukunftsdenken und Zukunftssprechen.

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Anne, aus dem Urlaub heraus fällt es mir schwer, zu diesem langen Text Stellung zu nehmen, an manchen Stellen fühle ich mich missverstanden, an anderen nicht. Du hast Recht, dass Empathie wichtig ist. Wir empfinden sie aus unserem Körper heraus (woraus sonst?), aber wir empfinden sie alle nicht immer und wir können sie auch nicht immer „gerecht“ verteilen. Wem wir wann unsere Empathie zuteil werden lassen, sagt oft mehr über uns, unsere Zeit und unser Milieu aus, als über diejenigen und ihre Situation, denen wir Empathie zeigen. Für mich kann ich, wenn ich dies nachvollziehe, erkennen, warum es sicher wahr ist, dass die Situation und das Leid (wobei ich finde, dass Empathie immer mehr und anderes sein sollte als bloßes Mit-Leid) von Trans-Menschen für mich schwerer vorstellbar ist als andere: Es liegt daran, dass ich mir fast gar nicht vorstellen kann, nicht einverstanden mit meinem Körper zu sein, ihn als etwas Fremdes oder Falsches wahrzunehmen. Das ist mir tatsächlich sehr fremd, auch unheimlich, so sehr, dass meine Vorstellungskraft im Grunde daran scheitert. Diese Fremdheit gilt dabei gar nicht allein Transmenschen, sondern auch jenen, die ihre Körper aushungern oder verletzen oder umoperieren, um ihn einem Idealbild anzugleichen. Die feindliche Beziehung zum eigenen Körper kenne ich nicht einmal im Ansatz; meine Vorstellungskraft sträubt sich auch gegen sie. Ich weiß (vermittelt über Worte), wie viel Leid Menschen erfahren, die sich so unwohl in ihrem Körper fühlen, dass sie sich ritzen, dass sie sich langwierigen und schmerzhaften OPs unterziehen, dass sie Nahrung verweigern. Aber ich verstehe es nicht. Es bleibt mir fremd. Und hier spielt vielleicht wieder eine Rolle, wie wir mit Sprache umgehen. Für mich ist sie eine Vermittlung dessen, was ich denke und fühle. Aber ich denke unmittelbar in Bildern. Was ich mir nicht als Bild vorstellen kann, das bleibt mir in Wahrheit fremd. Diese Erfahrung der Fremdheit rechtfertigt natürlich nicht den Ausschluss anderer. Ich habe sie nur angeführt, um mir selbst und anderen zu erklären, was noch mitschwingen mag – auch zunächst unbewusst – in meiner Haltung. Warum es mir und anderen wichtig ist, das Wort und die Bedeutung von „Frau“ nicht gegen zergliederte einzelne Körperfunktion oder -organe auszutauschen, wurde ja vielleicht in den Kommentaren und auch in Dorothees Text ein wenig deutlich. Und ich hoffe, dass auch klar geworden ist, dass es mir nicht darum geht, Trans-Frauen auszuschließen. Ich möchte nur weiterhin dann von mir als „Frau“ sprechen, wenn es um meinen Körper (seinen Alterungsprozess z.B.) geht. Ein weiterer, mir wichtiger Aspekt ist mir in der Diskussion mit Antje noch klarer geworden und er vertieft sich, wenn ich deinen Text lese: Es beunruhigt und erstaunt mich immer mehr und führt auch zu einer inneren Distanzierung, wenn Frausein gleichgesetzt wird mit der Selbstwahrnehmung als unterdrückt und entrechtet. Für mich ist mein Frausein zu keiner Zeit geprägt gewesen von Unterdrückung. Damit meine ich nicht, dass es keine gegeben hat oder gibt. Aber das ist eben nicht nur nicht „alles“, sondern mir nie auch nur ansatzweise das Wichtigste gewesen. Ich habe Frausein immer als schön, als mächtig und als richtig empfunden. Die – für mich gefühlte – ständige, auch ständig eingeforderte Identifikation mit Unterdrückungserfahrung, mit Dissidenz und Widerstand, mit einer bestimmten politischen Haltung (z.B. mit unbedingter Gegnerschaft zum „Kapitalismus“) usw. usf. ist für mich eben nicht der Kern meines Frauseins und deckt sich auch nicht mit meinem Begehren als Frau in der Welt. Ich weiß nicht, wie alle Menschen „frei“ sein können oder werden können. Ich kann mich nur darum bemühen, in meinen Beziehungen Freiheit zu gestalten. Dabei verstehe ich Freiheit eben nicht als „tun, was ich will“ (das hatte ich in einem anderen Kontext missverständlich ausgedrückt), sondern als die Übernahme von Verantwortung in diesen Beziehungen. --- Ich hatte es in einem Kommentar an Antje schon versucht zu formulieren: Je älter ich werde, desto wichtiger wird mir auch, diese Verantwortung nicht ungebührlich auszudehnen, dorthin, wo ich Verhältnisse nicht überblicke und Zusammenhänge auch nicht genügend verstehe. Die Utopie, die du am Ende deines Textes referierst, kann ich von meinem Begehren her nur als erschreckend wahrnehmen, denn sie scheint ja zu bestätigen, was ich und andere (sicherlich eher überzogen) befürchten: dass dieser Diskurs um „Frausein“ am Ende auf das Verschwinden von Frauen (und Männern) zielt, auf die Aufhebung der Kategorie Geschlecht. Das ist keine Zukunftsaussicht, für die ich etwas zu geben bereit bin. Denn ich leide nicht an der Geschlechterdifferenz. Vielmehr erfreue ich mich an ihr. Was Geschlecht bedeutet, darüber mag ich verhandeln, darüber, ob es das gibt, eben nicht. Dabei bin ich mir keineswegs sicher, ob die „schöne neue Welt“, die du entwirfst, nicht tatsächlich wird. Doch wenn es so ist, habe ich meinen Nachkommen nichts anderes mitzugeben in diese Welt als die Sehnsucht nach der Geschlechterdifferenz und eine Neigung zum Widerstand, die aus dieser Sehnsucht erwachsen könnte.

    Artikel: Ein gutes Leben für alle erfordert ein neues Zukunftsdenken und Zukunftssprechen.