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Neueste Kommentare

  • Anne Newball Duke sagt:

    Sorry, schon wieder ich. Ich finde gerade bemerkenswert, dass ich am Ende wieder von WHAM spreche, als wäre nun doch klar, was das nun für ein Typ ist, und dass es da also nur DEN einen Typ gibt. Mir wird gerade klar, dass ich natürlich ein Bild eines WHAM vor meinem inneren Auge habe. Wenn ich einen solchen aus Fleisch und Blut vor mir habe und ich ihn erkenne, weil er sich z.B. in einem Meeting durch einen frauenfeindlichen Witz outet, dann achte ich schon sehr auf die soziokulturellen und finanziellen Hintergründe (sofern sie mir vorliegen) und nehme hier Unterschiede wahr. Auch wenn meine innere Einstellung je nachdem variiert (z.B. verschiedene Toleranzgrade...), würde ich doch aber gern von allen gewisse Bewusstwerdungsprozesse verlangen. Und ins politische Handeln kommen muss m.E. wie gesagt jeder. Über Ostern habe ich "exit RACISM" von Tupoka Ogette gelesen. Und ich frage mich seitdem, ob man ihren Begriff des "Happylands" auch auf andere, also feministische und klimaaktivistische Kontexte gewinnbringend übertragen könnte. Ist er vielleicht als Konzept besser geeignet als z.B. WHAM? Ab S. 21 beginnt sie den Begriff zu bilden und methodisch fruchtbar zu machen: "Den Begriff hat ein Manager eines großen Kommunikationsunternehmens am Ende einer meiner Workshops geprägt. Er sagte: 'Frau Ogette, ich habe das Gefühl, vierzig Jahre meines Lebens in 'Happyland' gelebt zu haben. Und Sie haben mich jetzt da rausgeschubst. Es fühlt sich an, als wäre ein Tornado durch meinen Kopf geweht.'" Ich habe noch nicht tiefer darüber nachgedacht, nur dass ich Parallelen sehe, wenn ich wie letzte Woche mit Politikern von CDU und SPD (ja, es waren Männer) rede, die sagen: "Wir können keine konsequente Klimapolitik umsetzen, wenn die Menschen erstensmal ganz andere Sorgen gerade haben und auch sonst die Klimakrise hier bei uns noch nicht bedrohlich genug angekommen ist, real und in den Köpfen der Menschen (SPD) und auch sowieso nie ankommen wird, da wir eh schon genug tun (CDU)." Wie bekomme ich wen aus ihren jeweiligen Happyländern, damit ein gutes Leben für alle Würderträger*innen dieser Welt möglich wird? Denn wäre es dann nicht so, dass wenn ich aus meinem Happyland heraustrete, ich dann sofort ein anderes "Land" mitgestalten müsste? Und dass ich dann plötzlich - einmal aus Happyland rausgetreten - viele "Länder" erkenne, die "da draußen" schon längst arbeiten und leben und kämpfen etcpp.? Ach, das Thema ist einfach supersuperspannend. Und wichtig. Ich würde da gern weiterstolpern.

    Artikel: Wer hat Angst vorm alten weißen Mann?

  • Anne Newball Duke sagt:

    Gestern habe ich in der ZEIT vom 15.4. S. 45 Adam Soboczynskis Artikel über Sarah Wagenknechts neues Buch "Die Selbstgerechten. Mein Gegenprogramm - für Gemeinsinn und Zusammenhalt" gelesen. Ich musste wieder an den vor etwa einem Jahr gelesenen Sammelband "Feministisch streiten. Texte zu Vernunft und Leidenschaft unter Frauen", herausgegeben von Koschka Linkerhand, denken. Als ich das Buch eben nochmal in die Hand nahm, fiel ein Zettel von der damaligen Lesung mit Koschka Linkerhand heraus, auf dem ich gekritzelt hatte: "feministische Gesellschaftskritik muss immer von politischem Begehren motiviert sein; sonst ist es nur Theoriebildung oder Trost für Leid." Wen ich hier zitiere - Koschka oder eine andere Kommentatorin oder mich selbst, das weiß ich nicht mehr. Unter "Koschkas Meinung" habe ich gerade noch leserlich geschrieben: "Heutige Tendenz: Veränderung im Kleinen und individuell; Kritik genau daran: nach Negation (also im Grunde der Wahrnehmung und Bewusstwerdung um die eigenen Privilegien und "gelebten Realitäten") geht`s nicht weiter; daraus müssten nun aber realpolitische Forderungen entwickelt werden!" Wenn ich dann aber Gabriele Winkers "Solidarische Care-Ökonomie. Revolutionäre Realpolitik für Care und Klima" lese, dann sehe ich doch, dass es gesellschaftlich vorangeht und verspüre, dass es neuen Wind z.B. hinter realpolitischen Forderungen wie BGE und Arbeitszeitverkürzung gibt. Ist der neue Wind nicht vielleicht auch deshalb da, weil einige Menschen durch Bewusstwerdungsprozesse über eigene Privilegien etcpp. die Notwendigkeit zu politischem Handeln sehen? Ich bleibe bei meiner Meinung im obersten Kommentar, dass beides notwendig ist und aber Hand in Hand gehen muss. Jede, die sich ihrer Privilegien bewusst geworden ist, sollte es nicht dabei belassen, sondern Verantwortung daraus entwickeln. Ich neige gerade zu großer Ungeduld angesichts der bedrohlichen Lage, die Erderhitzung nicht mehr unter 1,5 Grad begrenzen zu können; ich möchte allen Menschen, die sich über ihre patriarchalen und kapitalistischen Verstrickungen bewusst geworden sind, gerne zuschreien: "Ja, dann kommt bitte auch langsam in eine politische Mobilität, fordert, haut auf Kochtöpfe ein, whatever, aber macht den Mund auf und kommt ins sinnvolle Tun!" Neben meiner Ungeduld steht aber auch immer das tiefe Verstehen darum, dass zwischen einer wie auch immer gearteten Bewusstwerdung (wir tiefgehend muss sie bei wem sein? auch das so unterschiedlich) und den dann finalmente daraus abgeleiteten Handlungsmotivationen und dem dann aber wirklich finalmente daran anschließenden Nachdenken über Handlungsoptionen oftmals viiiiieeeel viel viel Zeit vergehen kann. Und dann geht auch noch Zeit dafür drauf, die für eine selbst angemessenen Handlungsmöglichkeiten auszuloten und zu finden, also jene, die mit dem eigenen Sein in Verbindung stehen. Also damit meine ich, dass diejenige, die endlich ins Handeln kommen will, also dann auch - im Sinne des "ABC des guten Lebens" - "Strom auf die Sache" kriegt, damit das, was sie dann tut, auch nachhaltig und in irgendeiner Form für sie sinnvoll ist. Da möchte ich wieder seufzen, wegen der Zeit, die anscheinend "nutz- und tatenlos" (dabei passiert ja so viel im Körper! Sich gegen die vorgefertigte Ordnung zu stellen, das braucht ja echt viel Energie!) verstreicht. Und dann denke ich mir aber... ok... aber in Ruhe gelassen darf einfach keine mehr. Die Ordnung darf einfach nicht mehr zur Ruhe kommen!!! Aber wer stört die Ruhe? Die Arbeit bleibt immer noch viel zu wenigen überlassen. Als feministische und/oder Klimaaktivistin kann ich mich ja immer fragen: was und wen spreche ich gerade an? Den einzelnen WHAM oder gehe ich jetzt selbst in die "große Politik", um das BGE durchzuboxen? Diese Entscheidungen fallen mal so, mal so aus. Wie gesagt: ich finde beides wichtig, und ich denke auch, eins geht nicht ohne das andere. Um das BGE durchzubringen, braucht es ja Mehrheiten. Das heißt, u.a. viele WHAMs, die durch Bewusstwerdungsprozesse hindurchgelaufen sind. Oder? Liebe Christine, da ich deinen Kommentar erst jetzt sehe: könntest du nochmal sagen, was genau dein Punkt ist? Was gewinnen wir mit deiner Sicht? Adam Soboczynski schreibt - ich glaube, Sarah Wagenknecht zitierend: "In dieser Logik ist ein weißer heterosexueller Postzusteller mit 1000 Euro netto im Monat, der abends Medikamente nehmen muss, weil sein Rücken nach der Plackerei schmerzt, privilegiert gegenüber der Tochter einer aus Indien zugewanderten wohlhabenden Arztfamilie oder dem homosexuelle Sohn eines höheren Beamten, der gerade ein Auslandssemester in den USA beendet hat." Soboczynski schreibt weiter: "Auch der Bundestag ist bunter und diverser als früher, und ein schwuler Minister ist so selbstverständlich wie eine Kanzlerin. Nur dass, von allen wilden Debatten unbemerkt, die soziale Vielfalt im Parlament so gut wie beseitigt worden ist. (...) Dort, wo es um Macht geht, ist die herausgestellte Diversität mit einem Mal nicht bunt und inklusiv, sondern bunt und exklusiv. Allerdings kann eine soziokulturelle Einigelung, weil sie den eigenen Ansprüchen widerspricht, offenbar nicht selbstkritisch beobachtet werden." Kann oder will? Wer bleibt hier gern auf Sprachoberflächen sitzen, bemitleidet sich kurz selbst und vielleicht auch andere, und macht dann weiter business as usual? Nun muss ich wieder an Julia Fritzsches Buchtitel denken: "Tiefrot und radikal bunt". Es geht eben nur beides zusammen. Wie? Genau darüber müssen wir weiter streiten und uns gar nicht mehr in Ruhe lassen.

    Artikel: Wer hat Angst vorm alten weißen Mann?

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Rosa, ja im Grunde geht es in unserer Diskussion genau darum zu überlegen, ob gerade an dem Film "I care a lot" überhaupt irgendetwas feministisch ist. In meiner Lesart des Films geht es ganz klar darum zu zeigen, dass der feministische Ruf nach Frauen(quoten) in Vorständen eben nicht gleichbedeutend ist mit einem gesellschaftlichen Fortschritt in feministischer Hinsicht. Wie ist diese Frau an diese Position gekommen? Mit welchen Mitteln? Und welchen Verhaltensweisen? Gut, Marla muss sich nicht mehr hochschlafen oder sonstwie männermordend sexy sein ("Basic Instinct"); vor zwanzig Jahren im Film noch eines der wenigen Mittel einer Frau (, die sodann auch immer böse, irre oder depressiv oder so war, klar), um an Macht zu kommen. Ist es nun aber feministisch, sich mit Superwoman-Kräften nach ganz oben durchzuboxen in der patriarchal-kapitalistischen Hierarchie, um dann diese Hierarchie weiter zu zementieren? Kann diese Hierarchie jemals eine andere sein als patriarchal-kapitalistisch? Und kann das Erreichen einer der ganz oberen Hierarchiestufen je anders hergestellt sein als mit "kriminellen" Seil- und Machenschaften? Ich finde den Film gelungen, weil er (filmlike: verdichtet und überspitzt? ;) zeigt, dass Frauen, um hochzuklettern, auch zu (kriminellen, herzlosen) Dienerinnen/Löwinnen genau des Systems werden müssen, das sie eigentlich bekämpfen sollten. Und unter dieser Perspektive finde ich den Film gelungen im Sinne von diskussionsanregend darüber, was Feminismus eigentlich ist und sein sollte. Gerade wo sich der hiesige Feminismus noch immer gerne ausruht auf den Fürsprachen für Frauenquoten für Unternehmensvorstände. Diese Ruhe zumindest rüttelt der Film meines Erachtens ordentlich durcheinander.

    Artikel: Neues von Frauen in Film und Fernsehen: „I care a lot“ und „Das Damen-Gambit“

  • Rosa Liccardo sagt:

    Liebe Antje, ich habe nach einen Tip von meinem Sohn, I Care a Lot gesehen. Ich war entsetzt. Ich bin, glaube ich, etwa eine decade älter als du. Wir, ich haben in den 60/70 Jahren von einem anderen Feminismus geträumt und gekänft. Gleichberechtigung aber auch Differenzen. Ja, ich glaube di Männer fonden den Folm toll. Die Frauen auch? Traurig.... Übrigens wir kennen uns aus früheren Begegnungen

    Artikel: Neues von Frauen in Film und Fernsehen: „I care a lot“ und „Das Damen-Gambit“

  • Anne Newball Duke sagt:

    Das mit der "(politisch korrekten) Sprache" war ein etwas schiefer, nicht ganz passender Einstieg (oben in meinem Kommentar), hier gehts ja um das Konzept WHAM und was das mit den "Betroffenen" macht, sowie mit denen, die damit (noch viel mehr) gemeint sind und sich nicht drum scheren, und ob so ein Konzept bereits positiv wirkt; also bereits hin zu einer Gesellschaft von Gleichen beiträgt. Ich meine, die Frage ist doch, wie kommen wir zu einer Gesellschaft von Gleichen. Meiner Meinung nach ist diese in/mit einer patriarchal-kapitalistischen Gesellschaftsform gar nicht möglich; ich glaube, das wissen wir hier alle. Da beinhaltet die Aufforderung eines Privilegienchecks gerade der WHAMs nun zumindest die Möglichkeit eines Bewusstwerdens über gesellschaftliche Hierarchien und Machtstrukturen und der eigenen Verortung darin. Ich denke, das kann ein Anfang sein. Der Anfang eines noch ganz lange währenden Weges, den wohl noch viele Generationen gehen werden müssen. Denn klar, die Bewusstwerdung über eigene Privilegien etc. ändert noch nicht die Gesellschaft; kann sogar zur Verfestigung der Alten/Bestehenden führen. Aber ich würde schon sagen, dass so ein Konzept eine Störung der Ordnung darstellt. Und auch wenn die Störung vielleicht "behoben" wird, also die WHAMs (erstmal) fest im Sattel sitzen bleiben, so denke ich, dass es nicht egal ist, ob es die Störung bereits gibt/gab oder nicht. Sie kommt ja zudem mit vielen Störungen daher, in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und Ebenen. Und alle zusammen - hintereinander, gleichzeitig, ungleichzeitig.... egal wie - können vielleicht irgendwann zu einem system change führen. Ich habe irgendwie noch mehr dazu zu sagen, aber leider schließt sich gerade wieder ein Zeitfenster; vielleicht nochmal ein andernmal mehr.

    Artikel: Wer hat Angst vorm alten weißen Mann?

  • Christine Beckmann sagt:

    Sehr differenzierte Überlegungen und Schlussfolgerungen lese ich aus dem Artikel und den Kommentaren, die mich inspirieren. Allerdings verhake ich mich in meinem Mitdenken an einem Wort. An dem Begriff "Privileg". Ich möchte die Begrifflichkeit in den genannten Kontexten durchdringen, sehe das Wort jedoch von seiner Beutung her anders verwendet, als ich es bislang kenne. Der Duden übersetzt es mit "besondere Verordnung, Sonderrecht, Vorrecht" und "privilegieren" mit "jmd ein Vorrecht einräumen". Können wir bei den faktischen Ungleichheiten in unserer Gesellschaft, die oft Minderheiten treffen und die es unbedingt zu sehen und auszurotten gilt, davon sprechen, dass die Allgemeinheit - also auch ich - Privilegien genießen würde? Sind die vorhandenen Lebensbedingungen nicht vielmehr allgemeine Rechte, Normen? Was ist mit sozial marginalisierten weißen Männern, Frauen und Kindern in der Gesellschaft? Was haben sie denn für sogenannte "Privilegien"? Ich meine, es könnte präziser von "(unbewusst) erfahrenen Vorteilen" gesprochen werden als von einer Art "Privilegien".

    Artikel: Wer hat Angst vorm alten weißen Mann?

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Mithu, vielen Dank für deine Gedanken zum Konzept WHAM. Ich bin momentan immer etwas irritiert, wenn (politisch korrekte) Sprache und Notwendigkeit von Transformation der Gesellschaft gegeneinander ausgespielt oder zumindest in eine Art Opposition gebracht werden. Das Bewusstwerden über die eigenen Privilegien ist für viele vielleicht der Beginn dafür, für eine andere Gesellschaft, eine "freien Gesellschaft unter Gleichen" eben, einzustehen und sich für eine solche auch politisch zu engagieren. Andererseits kann es eben auch sein, dass eine*r erst politisch engagiert ist, zum Beispiel in der Klimabewegung, und hier erst sensibilisiert wird und merkt, wie Sprache und Kultur/Gesellschaft miteinander verwoben sind, über ganz konkrete Konflikte beispielsweise. Und was ich beobachte, dass es bei vielen ein sehr langsamer Prozess ist. Gut Ding brauch Weile. Wichtig ist die ständige Reibung, das Nicht-mehr-in-Ruhe-Lassen derjenigen, die sich zu WHAMmig ;) fühlen; die Diskurse über diese Arten der gesellschaftlichen Konflikte und Lösungsansätze müssen ständig in unterschiedlichsten Formen und Momenten wieder eingebracht werden. Über die enge Verquickung und das Hin und Her zwischen oder auch das gegenseitige Aufeinandereinwirken von Sprache und Kultur/Realität, aus dem egal wie immer Veränderung resultiert, ist schon viel gesagt worden. Aktuell lese ich von Chiara Zamboni "unverbrauchte worte. frauen und männer in der sprache", wundervoll übersetzt von Dorothee Markert (und im wundervollen Christel Göttert Verlag erschienen :), und da gibt es zum Beispiel diese Sätze: "Uns von wahren Worten 'berühren' zu lassen, bedeutet, dass das, was an Wahrem oder über die Gegenwart gesagt wird, uns dazu bringt, verschiedene Schichten alter Erfahrungen nochmals zu betrachten und über die im Schatten gebliebenen Seiten gelebter Gefühle nachzudenken. Die Wahrheit ist ein Verstehen dessen, was ist, und sie geht direkt ins Herz. Doch gleichzeitig steht sie auch am Beginn eines langen, mühevollen Weges." (S. 75f.) Andreas Hechlers Schmerz (oben zitiert) ist somit verstehbar, aber wichtig ist doch letzten Endes auch, dass er auch über diesen Schmerz in eine sinnvolle und wirksame politische Handlungsfähigkeit gefunden hat und jetzt aktiv die gesellschaftlichen Widersprüche angeht hin zu einer "Gesellschaft von Gleichen".

    Artikel: Wer hat Angst vorm alten weißen Mann?

  • Sophia sagt:

    Im Stöbern der Nachrufe auf Marianne Wex ist oft von der Künstlerin die Rede und von ihrer Forschung. Als ich Marianne begegnete, hatte sie bereits eine große Reise hinter sich - ihre Universitätszeit mit Professur, eine Krankheitsdiagnose, die nur wenig Hoffnung ließ und daraus resultierend ihre Entscheidung, sich auf eine Reise der Selbstheilung zu begeben, die sie in ferne Länder und auf Inseln führte. Marianne hat in den Seminaren , die Sie danach abgehalten hat, über ihren Werdegang der Heilung ausführlich erzählt. Sie hat nicht nur ihre eigene Heilung erfahren, sondern ist danach zu Lili Cornford in die Praxis gegangen, hat viele Jahre an der Klinik in England gearbeitet und die Methode "Mental Colour Therapy" nach Deutschland gebracht. So war mein eindrücklichstes Erlebnis das Kennenlernen (in den Neunziger Jahren) dieser Therapie und der Heilung mit Obertönen - noch nie hatte ich in meinem Leben so reine und schillernde Töne und Obertöne gehört als die, die aus Marianne kamen. Engelssphärengleich öffneten sie den Raum und taten ihr gutes Werk. Marianne hat uns im Rahmen der Seminare Techniken vermittelt, das Erspüren nahe gebracht und das Singen mit Obertönen praktiziert. Ich kann sagen, daß dies meine erste bewußte Begenung mit Heilungsarbeit war und mich ganz entscheidend beeinflußt hat, auch geheilt. Danke schön Marianne !

    Artikel: Sie war eine, die genau hinschaute. Ein Nachruf auf Marianne Wex.

  • Regina sagt:

    Ich habe das Buch in den 1990er dreimal gelesen, mit so zwei Kahren Abstand jeweils. Beim ersten Mal habe ich die Wand wortwörtlich genommen, irgendwie als Schicksal von Außen, eine unerklärliche kosmische Begebenheit. Und dann kommt am Schluss noch so ein Mann, der ihre weibliche lebensfähige Ordnung zerstört. Das hat mich fasziniert, was sie insgesamt daraus macht. Beim zweiten Mal hatte ich aufeimmal die Welt einer Frau vor mir, die im Innern in sich selbst gefangen ist und eine psychische Wand durchmacht. Das hat mich depressiv gemacht. Dann habe ich es noch ein drittes Mal gelesen und empfand diese Wand noch mehr als Gefängnis. Hab es dann nicht fertig gelesen. Eine Sache hat mich so mitgenommen, dass ich heute jedes Mal dran denke, wenn ich es tue: einen Zündholz anzünden und an die lebenswichtige Bedeutung des Feuers von denen ja auch ihr Leben abhängt. Seit dem sammle ich Streichholzschachteln wo immer sie in Kneipen so als Werbung rumliegen. Gut gemacht auch der Film mit Martina Gedeck als diese Frau.

    Artikel: Unsere Gegenwartsinsel finden - Marlen Haushofers "Die Wand" - neu gelesen

  • Sammelmappe sagt:

    Für mich ist "Die Wand" der Roman. Da ist alles drin. Das Leben. Das Überleben. Das Menschsein. Die Natur. Die Krise. Die Angst. Das Weiterleben. Einfach alles. Und dazu noch diese wunderbare Sprache. Die Poesie. Und der Showdown. Danke. Danke. Danke. Für neue Einblicke. Ich werde sie noch sehr oft lesen.

    Artikel: Unsere Gegenwartsinsel finden - Marlen Haushofers "Die Wand" - neu gelesen

  • Juliane Brumberg sagt:

    Danke für diese gute und systematische Interpretation, die neugierig macht, dieses Buch von Marlen Haushofer, vor dem es mich immer etwa segruselt hat, nun doch endlich zu lesen.

    Artikel: Unsere Gegenwartsinsel finden - Marlen Haushofers "Die Wand" - neu gelesen

  • elisabeth jankowski sagt:

    Antje , besser hätte man es nicht sagen können. Michel hat die ganze EU blamiert.

    Artikel: Charles Michel oder: Wie sich die EU von Despoten instrumentalisieren lässt

  • Dor sagt:

    Und das Gefummel von E. an von der Leyens Jacke ?

    Artikel: Charles Michel oder: Wie sich die EU von Despoten instrumentalisieren lässt

  • Dr. Gisela Forster sagt:

    Wie wäre es mit einem weltweiten Experiment: Alle Männer werden ein Monat mit Frauen ausgetauscht, also ein Monat lang tauscht jeder Mann seinen Tagesablauf mit einer Frau: Er richtet ihr morgens die Chefinnenkleidung her, und sie wandelt gepflegt in die Vorstandsetage, er zieht sich am Morgen die Haushaltsschürze an, weckt die Kinder, macht Frühstück und Brotzeit, bringt Kinder in die Kita, gibt den Kleinsten zu Hause das Fläschchen und hetzt 12 Stunden herum. Sie kommt um 18 Uhr entspannt und sauber gekleidet, hoch attraktiv, selbstbewusst und zufrieden mit ihrem Erfolg nach Hause, setzt sich vor den Fernseher und lässt sich von ihm die Schinkenbrötchen servieren, dann begibt sie sich ohne links und rechts zu schauen mit einer wissenschaftlichen Lektüre ins Bett und überlässt ihm die nachts schreienden Kinder. Sie steht morgens entspannt und ausgeschlafen auf, kleidet sich vornehm und trifft sich mit den Botschafterinnen der anderen Ländern zu einem gemütlichen Dinner, alle Botschafterinnen und Regierungsfrauen nehmen auf den Chefsesseln Platz, beenden die männlichen Rivalitätskriege der Welt und singen statt dessen lächelnd und freundlich ein Friedenslied.

    Artikel: Charles Michel oder: Wie sich die EU von Despoten instrumentalisieren lässt

  • Regina sagt:

    @Antje, yo, ich habe sowohl in meiner beraterischen Tätigkeit auf der Managementebene (z.B. Bosch oder Daimler oder IBM) sehr viel über diese Codes der männlichen Kommunikation erfahren und erlebt, als auch zuletzt während meiner Kandidatur zur Bürgermeisterin in Bayern. Ich war Kandidatin einer grünen WählerInnenliste. Vorabsprachen, klare Linie auf grüne Themen usw. stellten sich plötzlich in der Ratssitzung ganz anders dar, Bürgermeister und sein Vertreter fingen plötzlich an zu flüstern und Worte von sich zu geben, die mir eben wie Codes vorkamen, nach denen sie gesprochen, meine Grünen Männer ganz anderes stimmten. Voll der Kampfgeist fehlte, den sie eben noch gegen den CSU Bürgermeister hatten. Einmal kam einer von diesen DAX Unternehmen auf einer After Teamworkshop Party zu mir und grinste mich an und meinte, genau, wir brauchen so Frauen in der 2. und 3. Ebene, die für uns die Arbeit machen, die intelligent sind, weil Ihr Frauen das oft nämlich viel besser könnt als wir. Aber wir müssen ja auch nicht, wir sind ja schon oben.

    Artikel: Charles Michel oder: Wie sich die EU von Despoten instrumentalisieren lässt

  • Brigitte Leyh sagt:

    Wirklich beschämend. Wir müssen Charles Michel massenweise Protestbriefe schicken! Der Vorfall ist ein Grund mehr, unsere Männer nicht länger zu schonen und länger so zu tun, als sei Emanzipation nur Frauensache. Wir müssen ihnen viel offensiver abverlangen, dass sie sich endlich mit uns zusammen für weibliche Gleichheitsrechte einsetzen.

    Artikel: Charles Michel oder: Wie sich die EU von Despoten instrumentalisieren lässt

  • Antje Schrupp sagt:

    @Regina, ha, das ist eine interessante Überlegung. Vielleicht sollte man alle Männer, die sich um eine öffentliches Amt bewerben, so einen Test machen lassen, also sie irgendwann im Lauf ihrer Karriere unvermutet in so eine Situation bringen und dann schauen, ob ihre Reflexe funktionieren - und wenn nicht, waren sie innen offenbar noch nciht so postpatriarchal, wie sie (vermutlich mit ehrlichen Absichten) von sich selber dachten. Aber ja, bei Habeck würde ich da auch nicht die Hand ins Feuer legen.

    Artikel: Charles Michel oder: Wie sich die EU von Despoten instrumentalisieren lässt

  • Sammelmappe sagt:

    Flott auf den Punkt gebracht. Ist so wichtig, deutlich zu machen, wer hier sich für was entscheidet. Geht wirklich gar nicht.

    Artikel: Charles Michel oder: Wie sich die EU von Despoten instrumentalisieren lässt

  • Regina Hunschock sagt:

    Genauso könnte das Robert Habeck passieren oder machen Es gibt so viele Alpha Männchen Codes, die auch die „emanzipierten“ Männer auf der obersten Bühne sprechen werden, müssen, wollen. Denn in erster Linie tun Männer das für Männer, die heilige männliche Ordnung einhalten und mitspielen

    Artikel: Charles Michel oder: Wie sich die EU von Despoten instrumentalisieren lässt

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Hier ist so deutlich zu sehen, wohin Gleichberechtigung führt bzw. letztlich nur führen kann: „Alle sind gleich, aber manche sind gleicher“... Animal Farm lässt grüßen!

    Artikel: Charles Michel oder: Wie sich die EU von Despoten instrumentalisieren lässt

  • Antje Schrupp sagt:

    @Martina - Stimmt, das ist ein ähnliches Setting!

    Artikel: Charles Michel oder: Wie sich die EU von Despoten instrumentalisieren lässt

  • Martina Horak-Werz sagt:

    Unglaublich. Aber genau dieselbe Erfahrung, die ich im Laufe meines Berufslebens als Pfarrerin im Zusammenhang mit der Ökumene gemacht habe. Viele männlichen Kollegen lassen uns da genauso im Regen stehen, wenn deutlich wird, dass die katholische Seite uns als Frauen nicht ernst nimmt.

    Artikel: Charles Michel oder: Wie sich die EU von Despoten instrumentalisieren lässt

  • Brigitte Jurt sagt:

    Sehr gut, auf eine Gruppe einhacken ist nie das Ziel von intelligenten und vor allem empathischen Menschen.

    Artikel: Wer hat Angst vorm alten weißen Mann?

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Herzliche Gratulation liebe Maria Mies: Ihre konsequente globalisierungskritische Analyse und Ihr Engagement auch bei Attac hat mir immer imponiert! Bleiben Sie gesund!

    Artikel: Herzlichen Glückwunsch für eine Pionierin! Zum 90. Geburtstag von Maria Mies

  • Bettina Schmitz sagt:

    Gestern abend habe ich die Besprechung entdeckt und freue mich, dass Du, Juliane, das Buch gerne gelesen hast. Mein Plan war ja gewesen, Rita hauptsächlich von Johanna be-schreiben zu lassen. Aber es ist vielleicht doch eine gute Idee für eine weitere Auflage, einen vielleicht auch nur kleinen Lebenslauf von Rita beizufügen ... selbst wenn es schließlich doch in erster Linie ein Buch über Freundinnenschaft geworden ist, was ja wiederum auch Dein Fachgebiet ist!

    Artikel: Alltagsgeschichte in Freundinnenbriefen aus den 1950er Jahren

  • Thomas G sagt:

    Sehr geehrte Dorothee, ich danke Dir für Deinen Kommentar, empfinde ihn aber doch zum Teil etwas eigenartig. Stichwort: Der Mensch neigt dazu, immer das Negative anzunehmen! Wenn ich über meine Frau schreibe, kann es nicht sein, dass wir (meine Frau und ich) über die Art und Weise, wie wir kommunizieren einig sind und uns über die Jahre, was dieser Punkt anbelangt schon gegenseitig lange kennen und keine Probleme haben? Mit anderen Worten, ich schreibe über sie, wie sie es erlaubt. Und wenn Du schreibst, ich meinte zu wissen, wie der freie Umgang von Frauen mit ihrer Vulva auszusehen hat, muss ich erwähnen, dass ich geschrieben habe, dass ich der Meinung bin und nicht, dass ich es weiss !!! Darin besteht nach meinem Befinden ein Riesen Unterschied. In diesem Zusammenhang noch eine kleine Anmerkung: Eure Webseite nennt Ihr: "Weiterdenken" Ich erlaube mir die Bemerkung, dass ich das in Deinem Kommentar etwas vermisse. Selbstverständlich schätze ich Deine Zeilen trotzdem und Grüsse Dich

    Artikel: Die Vulva und das Heilige

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Auch ich danke für die Erinnerung an ihr Werk und die Gratulation zum 90. Geburtstag von Maria Mies. Besonders beeindruckt bin ich von ihren Substistenzschilderungen, der Kapitalismuskritik und manches Gespräch mit ihr. Herzlichen Glückwunsch nachträglich, liebe Maria von Gudrun

    Artikel: Herzlichen Glückwunsch für eine Pionierin! Zum 90. Geburtstag von Maria Mies

  • heli voss sagt:

    Danke für die Erinnerung und Gratulation für Maria Mies: Inspiratorin für Vieles in meinem Leben, besonders den Studienzeiten der achtziger Jahre: Frauenhaus, der Bielefelder Ansatz, die Erweiterung des Blicks auf globale Bereiche von Frauen-Leben und nicht zuletzt die Bodenhaftung aller gedanklichen Fragen und Antworten. heli voss (82)

    Artikel: Herzlichen Glückwunsch für eine Pionierin! Zum 90. Geburtstag von Maria Mies

  • Dorothee Markert sagt:

    @Thomas G, nun muss ich auf deine beiden Kommentare doch noch antworten, denn ich will das nicht so stehen lassen. Nicht in Ordnung finde ich es, dass du etwas über deine Frau veröffentlichst, was nur ihr selbst zusteht. Und als genauso übergriffig empfinde ich es, wenn du meinst, du wüsstest, wie der freie Umgang von Frauen mit ihrer Vulva auszusehen hat. Und dann noch Begriffe wie „verklemmt“ benutzt. Mir geht es in meinem Text zwar auch um Sichtbarkeit, aber in erster Linie um Würde. Und wenn eine Frau hier die Intimität schützen will, dann ist das wichtiger als eine „Befreiung“ um jeden Preis.

    Artikel: Die Vulva und das Heilige

  • Anne Newball Duke sagt:

    Also mal so gefragt: Wenn ich den Inhalt für irrelevant halte, ist es mir dann überhaupt möglich, die Form in Frage zu stellen? Weil ja beides miteinander zutiefst verwoben ist? Weil auch in meiner Form zeigt sich ja der Inhalt... und ich würde meinen, dann ist es wahrscheinlich wirklich so, dass die Form losgelöst vom Inhalt einfach nicht verständlich ist und auch nicht werden kann.

    Artikel: Tod und Rose

  • Anne Newball Duke sagt:

    Oha, erst jetzt sehe ich deine Kommentare, liebe Sandra, es tut mir sehr leid, dass ich nicht mehr reagiert habe. Es fehlt eine Art Klingel, mit der ich sofort erfahre, dass ein neuer Kommentar da ist. Nun sind viele Monate ins Land gezogen… Ich antworte trotzdem, das Internet hat Zeit , vielleicht findest du ja auch nochmal den Weg hierher. Ich beginne bei deinem letzten Kommentar: ich kann dir da nur recht geben. Sicherlich ist es mir – sichtbar an deinen Kommentaren – nicht gelungen, dir zu vermitteln, was mir wichtig war zu vermitteln. Und du hast auch recht, dass ein gewisser didaktischer Unterton mitschwingt, wenn ich sage: denkt einfach mal ein bisschen mehr mit, und zwar um die Ecke rum! Nun hast du mir ebenfalls sehr schön didaktisch aufbereitet , warum mein Text "kontraproduktiv" war. Naja, nun kann man aber darüber streiten, ob das, was wir beide hier tun, nicht auch schon "in Austausch kommen" bedeutet, und wir zumindest sehr an einer Vermittlung interessiert sind. Das ist ja immerhin auch schon mal was, oder? Es muss ja nicht immer das Ziel sein, sich dann vollumfänglich zu verstehen; ich finde, Vermittlung darf – wenn sie denn intendiert war – auch scheitern, dann müssen wir eben weiter in Austausch bleiben, Vermittlung ist ja nie abgeschlossen, oder? Ich gehe kurz über ein Beispiel: Ich empfehle sehr oft Menschen, das ZDF Magazin Royal zu schauen. Dann schauen es sich die Leute also an, und oft bekomme ich die Rückmeldung: Das ist total zynisch, wie der Böhmermann da spricht von den Menschen", oder "ich verstehe nicht, was er da macht". Das heißt, sie finden gar keinen Zugang zu seiner, dieser Form der Vermittlung. Ich aber fühle mich in dieser Form der Vermittlung sehr zu Hause, ich verstehe alles, ich teile fast alles. Aber gelingt es dem Fernsehformat, alle Menschen abzuholen und ihnen zu vermitteln, was vermittelt werden sollte? Nein. Wenn ich von mir aus spreche, ist doch klar, dass nicht alle verstehen, was ich sage. Ich kann dann selbstkritisch einräumen und sagen: ja schade, Vermittlung gescheitert. Aber stimmt das? Du wurdest nicht abgeholt. Aber wurde niemand abgeholt? Kann ich überhaupt mit einem Text alle abholen? Ich habe das Gefühl, es trifft dich persönlich, dass ich es nicht vermocht habe, dich mit meinem Text abzuholen. Du siehst dich nicht im Kreise der Verbündeten, in dem du gerne wärst. Nun ist aber ein Text erst der Start einer Vermittlung, er ist lediglich ein Angebot, um in Austausch über ein Sujet zu kommen. Du kannst gleich danach sagen: "Yyessss, abgeholt, danke dir!" Oder du sagst: "Sorry, aber mich hast du nicht erreicht." Und dann hängt es von uns ab ob wir weiterhin daran interessiert sind, weiterhin eine Verstehensbasis zu finden. Was macht es uns beiden zu schwer, unsere Basis zu finden? Was du schreibst zu der heruntergefahrenen Wirtschaft, das ist es ja eben NICHT, was da gemeint ist mit den Toten, und genau DAS ist doch der Inhalt meines Begehrens, meines ganzen Textes! Ich zähle dann --- wie viele? – drei plus einige Unterpunkte lang auf, was mit den Toten gemeint sein könnte. Du aber sagst klipp und klar: Gemeint ist hier nur die "heruntergefahrene Wirtschaft", und punkt. Das heißt, das Nachdenken, das ich anregen wollte, ist gar nicht bei dir durchgedrungen, du stehst am Anfang da wie am Ende. Und klar, da ist meine Vermittlung aber richtig fett gescheitert. Eine Lösung habe ich nun dahingehend auch gerade nicht wirklich. Das war halt meine Form der Vermittlung. Das war eine Unruhe, die ich gespürt habe, die du nun aber gar nicht hast, und zu der ich dich auch nicht anstiften konnte. Welche weiteren Gründe gibt es? Meine Verwendung des "Wirs". Nun gut, darüber können wir streiten. Ich selbst bin mit dem "Wir" wie gesagt in einem produktiven Austausch, was mein Denken angeht, und das ist einfach auch in sich widersprüchlich. Ich bin da noch nicht d'accord, ich bekomme ja nicht nur von dir Kritik für das "Wir", lasse es in mir wirken, aber aktuell gehe ich mit dem "Wir" so und nicht anders um, das heißt nicht, dass ich nicht unentwegt darüber nachdenke oder dass ich die Kritik nicht anhöre. Aber ich habe meinen eigenen Kopf, und wenn kein Argument mir bisher schlüssig erscheint, von meiner Verwendungsweise abzusehen, dann ist das halt so. Da kann und will ich doch niemandem etwas vormachen. Das ist nicht gar nicht so didaktisch gemeint, das ist mein Stand der Dinge. Und an dem Stand, an dem ich stehe, da stehen halt auch ein paar Widersprüche rum, die packe ich mit ein – deswegen die Kennzeichnung im Text – und das ist mein Umgang mit ihnen. Ich sehe das sehr relaxt. Es ist eine Baustelle, die ich mir gern immer wieder beschaue. Sie hat für mich ein Recht da zu sein, auch wenn ich grad nicht dran rumbaue. Mein Text enthält keine Wahrheit, sondern eine Unruhe und bearbeitet ein tiefes Unbehagen in mir, der Text ist meine Form, mich diesem Unbehagen zu stellen und Sprache dafür zu finden. Ich kann dabei leider nicht alle Widersprüchlichkeiten aus dem Wege räumen, und anscheinend kann ich es auch nicht vermeiden, neue Widersprüchlichkeiten aufkommen zu lassen. Soll ich deswegen nicht darüber schreiben? Ich kann nur vermitteln, was ich selber als Unruhe in mir verspüre und über Sprache in die Welt bringen will. Meine Art der Auseinandersetzung ist dann die Form. Ich kann nicht schreiben, und an alle Menschen da draußen denken, und wie sie am besten das Problem verstehen können, ich muss es auch erstmal für mich aufdröseln. Insofern ist ja jeder Text ein Angebot, weiter mit mir daran rumzudenken, gemeinsam. Der Text selbst ist erstmal mir allein entsprungen, ja, so ist das. Ich habe weiterhin das Gefühl, dass du dich von meinem Text in irgendeiner Weise attackiert fühlst. Ich fühle mich ein bisschen wie als wenn ich eine Seminararbeit von meiner Professorin wiederbekommen habe mit einem "Ungenügend", und dann erzählt sie mir breit, was mir alles nicht gelungen ist. Dabei hat sie noch nicht mal verstanden, was mein Begehren war. Verstehst du, was ich meine? Das Problem, das ich sehe, siehst du gar nicht. Du meinst von Vornherein zu wissen, was und wer die Toten sind. Also verstellst du dich und dir und mir – indem du dich nicht auf die Reise mit mir in meine Unruhe machst – auch einer Vermittlungsmöglichkeit. Verstehst du, was ich meine? Und ich meine, also mir ist dann relativ klar, warum es so viele Missverständnisse zwischen uns gibt. Weiterhin frage ich mich halt, dass wenn du das Problem, das ich bei der Frage sehe, wer diese Toten eigentlich sind, gar nicht hast oder siehst, was dich dann so an dem Text .. ja… "hält" oder triggert. Wenn mich was nicht interessiert, dann sage ich, "Leider nicht meine Problemstellung, das Problem ist für mich längst gelöst, ich brauche da keine Vermittlung oder Austausch mehr, also nicht für mich von Interesse, ich bin dann mal weg und lese den nächsten Artikel, in dem ich für mich Interessanteres und in mir Andockbareres finde." Aber das hast du nicht getan. Warum nicht?

    Artikel: Tod und Rose

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe @Gesa Ebert, da haben Sie mich aber komplett missverstanden. Es bleibt zwar ein Ärgernis, dass fast nur die aufräumen, die ihren eigenen Müll immer ordentlich entsorgen, aber wenn die auch noch aufhören, sich darum zu kümmern, wie sieht unsere Erde dann aus? Und da wir nicht wissen, ob unser - ordentlich entsorgter und getrennter - Reiche-Länder-Müll nicht irgendwo anders auf der Erde im Meer landet, sind wir insgesamt alle an der Vermüllung beteiligt, weil wir ja gar nicht anders können, als Müll zu produzieren, wenn wir etwas kaufen. Ich sammle beispielsweise täglich die Glasscherben auf meinem Barfußweg am Strand auf, die mit der Flut angespült werden, obwohl ich noch nie im Leben ein zerbrochenes Glas nicht weggeräumt habe. Aber die Möglichkeit, barfuß zu gehen, möchte ich mir und anderen nicht nehmen lassen, solange das noch möglich ist.

    Artikel: Der Polizist und der Tanz der Getränkedose

  • Dr. Gisela Forster sagt:

    Ein sehr ansprechender Artikel: Friedhöfe sind so wichtig im Leben. Gräber sind eine wunderbare Erinnerung. Lasst uns diese Kultur erhalten. Lasst die Menschen, so wie sie gestorben sind, im ihrem Lieblingsbaumwollgewand in ein Grab legen, also nicht verbrennen, nicht anonym irgendwo hinlegen oder -streuen, nicht irgendwo ablegen, wo sich niemand mehr erinnern kann oder darf. Das Verbrennen und Verstreuen ist zwar billiger, aber das Bewahren und Hinlegen ist inniger, zärtlicher und über Jahrhunderte verbindender.

    Artikel: Unterwegs auf Berliner Friedhöfen

  • Gesa Ebert sagt:

    Sehr gut, liebe Dorothee Markert, das Liegenlassen der Dose. Ich mache das seit Jahren auch so. Wenn wir immer aufräumen etc., dann bleibt es so wie es ist. Es geht einem als denkendem Menschen ja nicht in den Kopf, wieso andere Leute ihren Müll einfach fallen lassen - ganz abgesehen davon, dass sie so viel Müll produzieren.

    Artikel: Der Polizist und der Tanz der Getränkedose

  • Kristin Flach-Köhler sagt:

    Vielen Dank an die Rezensentin! Sie hat mich neuegierig gemacht - das Buch ist bestellt. Liebe Grüße!

    Artikel: Bernardine Evaristo: MÄDCHEN, FRAU ETC.

  • Heike Brunner sagt:

    Hallo Antje, das mit dem Wiederverwenden ist so eine Sache, ich hab neulich gelesen oder gehört, in einem Vortrag, dass gerade wiederverwendete Plastikverpackungen dazu neigen, Plastikpartikel abzugeben, da sind wir dann in einer ganz anderen Diskussion, Fruchtbarkeit, bzw. Unfruchtbarkeit ... Naja, da kann eine wirklich Romane zu schreiben, dennoch fand ich es einfach wirklich erfirschend, diese Milchtüten "ohne" wieder zu entdecken. Hallo Fidi, ja, hier gibt es oft Berliner Honig, wir haben hier sehr aktive Mellifera-Gruppen, Wilde Stadtimker*innen und AltImker*innen, LG Heike

    Artikel: Retro auf dem Küchentisch

  • Petra Kirste sagt:

    Wer ist eigentlich die alte Frau? So sehe ich die Erzählerin gar nicht. Eine schöne Geschichte wunderbar bildlich erzählt.

    Artikel: Der Polizist und der Tanz der Getränkedose

  • Barbara Lansen sagt:

    Ich kann mich meiner Vorschreiberin anschließen: ein wunderbarer Text! Seit Jahren schon lese ich Texte von Frauen, die mit den Mailänderinnen in Zusammenhang stehen. Da fiel dann auch irgendwann der Name: Frankfurter Frauenbuchladen. Ganz gespannt bin ich nach Frankfurt und: habe ihn nicht gefunden. Zu gerne würde ich an solchen femwo`s teilnehmen, diskutieren, eine Sprache finden, eine Sprache zulassen können. Ich bin so neugierig darauf. Ich wünsche allen interessierten Frauen viel Kraft! Barbara

    Artikel: Zusammen-denken. Reflektionen über einen feministischen Workshop

  • Fidi Bogdahn sagt:

    ... und dann, bitteschön, stellt doch auf euren Küchentisch nur noch Honig aus der Region, in der ihr lebt! Das ist heute für alle sofort möglich. (Alles andere ist lediglich meist zusätzlich von weit her transportiertes Süßmaterial) ... sagt eine ehemalige Hobbyimkerin.

    Artikel: Retro auf dem Küchentisch

  • Antje Schrupp sagt:

    PS: Unnützes Plastik wie diese Ausschütt-Noppen ist natürlich trotzdem Quark!

    Artikel: Retro auf dem Küchentisch

  • Antje Schrupp sagt:

    Liebe Heike - danke für den Artikel, ja was für krasse Zahlen! Und dabei waren wir in den 1980ern eigentlich schon so weit, in der Debatte und im Bewusstsein, ich frage mich echt, warum das so schief aus dem Ruder gelaufen ist. Was das Plastik angeht - da bin ich immer durchaus zwiegespalten, denn Plastik ist eigentlich ein Super-Material, es ist leicht, lang haltbar, lebensmittelecht, mega-vielseitig verwendbar und ungeheurer oft recykelbar, man kann es immer wieder einschmelzen und neu verwenden. Die meisten Alternativen, die dazu diskutiert werden, verbrauchen mehr Energie, zum Beispiel ist eine Baumwolltasche nur dann besser für die Ökobilanz als eine Plastiktüte, wenn man sie hundert Mal benutzt und die Plastiktüte nach dem ersten Mal wegschmeißt. Mir scheint es manchmal so, als ob das Plastik-Bashing auch so eine Art Ersatzhandlung ist, weil man die ganze schwierige Öko- und Klimasituation auf einen Schuldigen fokussieren kann. Aber wenn man Plastik nicht wegwerfen, sondern wiederverwenden würde, konsequent recyclen und so weiter, wäre das ein sehr wertvolles und nützliches Material!

    Artikel: Retro auf dem Küchentisch

  • Antje Schrupp sagt:

    @Andreas - Also es gibt im Anhang ein ausführliches Glossar, wo die wichtigsten Personen und Ereignisse und auch zeittypische Begriffe und Redewendungen erläutert werden, das ist schon hilfreich. Ansonsten muss sollte man die Ereignisse schon kennen, und nicht nur die Kommune selber, sondern auch die Vorgeschichte, also der deutsch-französische Krieg 1870, die Kapitulation Napoleons III und die Dritte Republik. Aber ich meine, es würde genügen, die Wikipedia-Artikel dazu zu lesen!

    Artikel: „Die Macht ist verflucht“: Überlegungen zum 150. Jubiläum der Pariser Kommune

  • Schirez, Hana sagt:

    Hallo Fidi! Das Bild "Polizist tritt Getränkedose platt" lässt viele Deutungen zu. Hana Schirez, mit herzlichem Gruß.

    Artikel: Der Polizist und der Tanz der Getränkedose

  • Andreas Zeitler sagt:

    Danke für diesen wunderbaren Beitrag. Würden Sie das Buch von Michel (in der deutschen Übersetzung) empfehlen, auch wenn man mit der Kommune nicht vertraut ist?

    Artikel: „Die Macht ist verflucht“: Überlegungen zum 150. Jubiläum der Pariser Kommune

  • Antje Schrupp sagt:

    @Martin Mair - nein, ich verwechsle in dem Artikel nicht Macht mit Gewalt. Auch Louise Michel tut es nicht. Und Hannah Arendt habe ich gelesen. Die Pariser Kommune war ja keine Gewaltveranstaltung, sondern eine Macht-Veranstaltung: Die Mehrheit der Pariser Bevölkerung wollte neue Verhältnisse und hat versucht, diese zu institutionalisieren. Das ist gescheitert, und das ist das Thema.

    Artikel: „Die Macht ist verflucht“: Überlegungen zum 150. Jubiläum der Pariser Kommune

  • Martin Mair sagt:

    Ich habe die heroische, schwadronierende Politisirerei linker Männer auch nie ganz verstanden. So gut der Artikel ist, ein grundlegender Irrtum in der Verwendung von Begriffen: Macht wird offenbar mit Gewalt verwechselt. Hannah Arendt "Macht und Gewalt" sollte vielleicht noch gelesen werden, ebenso "Lüge und Wahrheit in der Politik". Irgendwo habe ich auch einmal kurze Anmerkungen von Hannah Arendt zur Commune gelesen, weiß aber nicht mehr wo ... Hier ein Hinweis dass Arendt das gemacht hat https://www.versobooks.com/blogs/4132-radicalising-democracy-how-hannah-arendt-s-legacy-endures-in-barcelona

    Artikel: „Die Macht ist verflucht“: Überlegungen zum 150. Jubiläum der Pariser Kommune

  • Heinz Mauch sagt:

    Einmal mehr ein hervorragender Beitrag, der mein Weltbild erschüttert und Fragen an die Oberfläche bringt. Die Beschäftigung mit Macht erreicht für mich hier die grundsätzliche Ebene von der Auseinandersetzung mit "«dem Bösen» und «dem Guten»". Gibt es einen Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Machtausübung oder liegt der Unterschied lediglich in der gesellschaftlichen Einflussstärke? Das würde heissen, Frauen werden "gleich" wie Männer, wenn sie an der Macht sind. Gibt es Ansätze, Macht unabhängig von patriarchalen Mustern zu denken? Was wäre dann eigentlich "das Weibliche" an der Macht? Wenn Macht von Politik, also Interessenvertretung und -durchsetzung gelöst wird, was bleibt dann? Ab welchem Stadium in der Entwicklung von Lebensumständen wird Macht eigenständig und negativ (teuflisch, dämonisch; um andere Begriffe aufzuführen, welche darauf hinweisen, dass es scheinbar unkontrollierbare Aspekte gibt, die wirksam werden). Da wir uns in der Schweiz gerade mit 50 Jahren Frauenstimmrecht beschäftigen, bringt dieser Beitrag eine Dimension ins "jubilieren", die aus meiner Sicht bei uns unbedingt breiter angeschaut werden sollte. Es geht ja nicht mehr einfach darum, dass Frauen zunehmend in einflussreichere Positionen gewählt werden (der Trend wird sich wohl eher verstärken), sondern auch darum, wie hier eine neue "Normalität" entstehen kann, die unabhängig von geschlechtlichen Fixierungen Wirklichkeit herstellt und politisch lebt. Ich danke für die geschaffene Verunsicherung.

    Artikel: „Die Macht ist verflucht“: Überlegungen zum 150. Jubiläum der Pariser Kommune

  • Fidi Bogdahn sagt:

    "Leere Dosen platt treten...!"- das ist wichtig bzgl. Abfallmenge. Das lernte ich schon vor vielen Jahrzehnten in einer Jugendherberge.

    Artikel: Der Polizist und der Tanz der Getränkedose

  • Barbara Lansen sagt:

    Liebe Dorothee Markert, >....Eine alte Frau, die sich vor seinen Füßen nach einem Stück Abfall bückt .... Der Gedanke, dass das für ihn völlig normal und in Ordnung sein könnte, war mir unerträglich. < Diesen Gedanken kann ich nachvollziehen. Da stecken sehr viele althergebrachte und immer noch funktionierende Konditionen darin: Machtgefüge, Männer-Frauen, alt-jung - wie Sie schon schrieben: unerträglich!

    Artikel: Der Polizist und der Tanz der Getränkedose

  • Anna Blietschau sagt:

    Ein überaus anspruchsvoller Beitrag zum Themenkreis "Werte". Er enthält vieles, über das ich nun erstmal nach- denken kann. Vielen Dank dafür. Anna

    Artikel: Vorsicht Werte!