beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Neueste Kommentare

  • Adelheid Ohlig sagt:

    Genau so darf es werden, darf es sein: bunt! Nicht alternativlos, nicht entweder oder; sondern sowohl als auch: vielfältig, fruchtbar, förderlich. Eine solche Welt erblüht allenthalben, gucken wir hin, reden darüber, so dass unsere Gedanken und Gefühle diese Wirklichkeit vorbereiten, schaffen, die uns allen weltweit gut tut. Merci für die Anregung! Glückauf !

    Artikel: Unterwegs mit Xanthippe. Ein kleines Büchlein über das postpatriarchale Durcheinander

  • Monika Krampl sagt:

    Wie mich doch dieser Satz berührt – und obwohl 10 Jahre jünger als Helga Schubert, hat es doch bereits mit meinem eigenen Älterwerden und der Auseinandersetzung damit zu tun: «Ich komme beim Älterwerden auch langsam aus der Zukunft an, ich nehme Abschied von den Aussichtstürmen, die ich nie besteigen, den warmen Meeren, in denen ich nie baden werden, den Opernhäusern, den Museen in fernen Hauptstädten, der Transsibirischen Eisenbahn, in der ich nicht schlafen werde.» Das nachstehende habe ich vor ein paar Tagen im Hinblick auf Corona geschrieben. Ich denke, Corona hat bei denjenigen die sich mit den Veränderungen (was macht das mit dem eigenen Leben?) beschäftigt haben, alles fokussiert und komprimiert: Die letzten Jahre / meine Vorbereitung (auf das Altwerden und Corona): • ich hab mein Hab und Gut reduziert – habe vieles weggegeben, von dem ich dachte, ich kann ohne dem nicht leben – ich kann – das gibt Sicherheit • ich habe mich hier an diesem, meinem neuen/alten Wohnort eingewurzelt und mich mit meinen Sehnsüchten nach der Ferne auseinandergesetzt – bis ich wusste, woher sie kommen und jetzt bin ich froh und dankbar hier zu sein und nicht immer weg zu wollen – auch - weil es sowieso nicht geht – Dankbarkeit für das was ist • mein Sohn wohnt neben mir – Zufall? Nein. War mir diese unmittelbare Nähe bis dahin nicht wichtig, bin ich heute sehr froh und dankbar dafür, weil es das Einzige ist was zählt – liebevolle Beziehungen und Gemeinschaft – das stärkt • ich habe mich gefragt – wer bin ich, wenn ich das alles, was ich bis jetzt war, nicht mehr bin – und weiter, wer bin ich, wenn ich das alles, wie ich bis jetzt gelebt, habe nicht mehr leben kann – nun, auch hier hat mir eine Reduktion – ein Ankommen in der Genügsamkeit – sehr gut getan • ich habe mich zurückgezogen, lebe in wohltuender Stille gut mir mit allein, mit wenigen HerzensfreundInnen, mit denen ich eine so große Herzensverbindung habe, dass wir uns nicht dauernd sehen müssen, um mich in dieser Verbindung aufgehoben zu fühlen – Ruhe in sich selbst • bin ich bis jetzt schon wenig bis gar nicht mehr geflogen – werde ich jetzt aus Umweltschutzgründen und weil ich der Meinung bin, dass uns Corona und Klimakatastrophen in Zukunft nicht mehr – oder nur sehr wenig – fliegen lassen werden – nicht mehr in ein Flugzeug steigen – Entscheidungen bringen Erleichterungen - Loslassen Den Spagat schaffen – das Leben gut zu leben und das Undenkbare denken … Die Verbundenheit von beidem – weil alles zusammengehört … Danke für die Buch-Info!

    Artikel: Ein Jahrhundertleben in Geschichten

  • Cornelia Roth sagt:

    Und wem verdanken wir das? Der Frauenbewegung ihrem Mit ihrem Geist, ihrer Tatkraft!

    Artikel: Erspartes Leiden

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Dorothee, was die Politiker*innen im Wahlkampf in den Katastrophengebieten angeht: mir kam da ein ganz anderer Impuls: wäre es nicht toll gewesen, wenn da mal eine/r richtig angepackt hätte und dabei ins Gespräch mit den Menschen auf Augenhöhe gekommen wäre? Ich erwische mich dabei, dass ich das toll gefunden hätte. Warum hat z.B. Annalena Baerbock diese Chance nicht genutzt? Es rumort, sie hätte es abseits der Presse son bisschen getan, aber ich finde, genau das hätte doch in die Presse gehört! Im gemeinsamen Tun (und danach) hätten ehrliche und wichtige Gespräche stattfinden können. Aber das ist nur so ein intuitiver Wunsch von mir gewesen... keine Ahnung.

    Artikel: Mit dem Wasser kommt die Hilfsbereitschaft

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Kathleen, ich habe mir mein unpassendes Unbehagen bei den Bildern der glücklich-fassungslosen Menschen ob der Hilfsbereitschaft folgendermaßen erklärt: wenn mensch insgesamt noch nicht viel nachgedacht hat über das gute Leben für alle, dann merkt mensch eben erst in der Katastrophe, wie gut sich Hilfsbereitschaft "von Fremden" anfühlt. Ich meine, gerade da, wo du sagst, du schweifst ab, finde ich, gibt es einen spannenden Punkt. Es klingt mittlerweile so banal und ich denke immer, sags doch nicht wieder, Anne, du nervst die Leute, und außerdem wissens doch hier auch schon alle, aber ein Gesellschaftssystem, das sich derartig beim Misswirtschaftssystem untergehakt hat - und schon lange, vielleicht schon immer, gar nicht mehr alleine laufen kann - ein System also, das Individualisierung und Freiheit in angeblicher Unabhängigkeit immer noch als positiven und maximal zu erreichenden Wert feiert (weil ganz oben angekommen ist mensch dann in in der Maslow'schen Bedürfnispyramide) , da ist doch klar, dass sich die Menschen da verwundert die Augen reiben, wenn ihnen plötzlich "aus dem Off" AKTIV geholfen wird, wenn AKTIV zusammengehalten wird. Ich stelle mir eine von der Flut betroffene Pflegerin vor, die bereits jahrelang beklagt, dass die Hilfe und Pflege im Krankenhaus nicht genug ist, dass ihre harte körperliche und emotionale Arbeit so wenig (monetär) anerkannt wird usw. usf., wie alleingelassen sie sich täglich auf ihrer Arbeit fühlt (neben vielen positiven Erlebnissen natürlich auch). Und nun steht sie da im Schlamm und plötzlich helfen alle mit. Das ist dann schon... bestimmt sehr berührend für sie zu erleben, und da gelingt es ihr wahrlich noch schwer, vom Passiv der bisherigen jahrelangen Erfahrungen ins Aktiv der letzten Stunden und Tage zu wechseln. Weil DAS war ihre bisherige Erfahrung: dass das Passiv in einer solchen Gesellschaft das Aktiv aktiv verdrängt. Und wenns dann doch ins Aktiv kippt, dann muss mensch - und zwar nicht unbegründet, sichtbar an der Querdenkernaziunterwanderung - aufpassen, nicht ins Völkische - Antje sagts - abzurutschen und aus Versehen mit einem Nazi abends gefühlsduselig mit Bier anzustoßen. (Auch eine interessante Frage by the way: wenn der Nazi so toll mithilft, dürfte mensch dann sagen, "Nein, dem reiche ich den Schlammeimer nicht weiter?" So viele anstrengende tricky Fragen in so einer Notsituation, und da haben wir die Klimakrise, die gleich und sofort angesprochen gehört, und zwar laut und deutlich und unmissverständlich, noch gar nicht angesprochen.) Ich sehe die Bilder einerseits mit Unbehagen, aber ich sehe andererseits auch den Moment des Erkennens, und der stimmt mich ein bisschen hoffnungsfroh. Wie Menschen, die vor der Kamera Worte für diese Hilfsbereitschaft und den Zusammenhalt finden sollen, nach passenden Worten SUCHEN. Kaum ein Satz ist vollständig, wird von Weinen vor Freude und Dankbarkeit unterbrochen. Diese Gefühle sind notwendig, um Dinge überhaupt neu denken zu können und in Sprache zu bringen. Nur dürfen sie später nicht in unproduktive Nostalgie kippen, sondern müssen ab sofort fürs Aktivsein genutzt werden im Sinne des guten Lebens für alle.

    Artikel: Mit dem Wasser kommt die Hilfsbereitschaft

  • Juliane Brumberg sagt:

    Auch mich hat ‘Vom Aufstehen’ so angesprochen, dass ich das Buch gleich zweimal gelesen habe. Und dann hatte ich das Glück, dass Helga Schubert zu einer ihrer ersten Live-Lesungen, die nach dem Corona-Lockdown möglich waren, in meine Heimatstadt kam. Es war ein Genuss, diese warmherzige und trotz ihrer 81 Jahre so unverbrauchte Autorin persönlich zu erleben. Was für ein Gewinn für die Literaturszene und uns Leserinnen, dass sie im letzten Jahr den Ingeborg-Bachmann-Preis bekommen hat und dadurch als Autorin wieder entdeckt wurde. - Besonders berührend ist es, wie sie von der höchst problematischen Beziehung zu ihrer Mutter erzählt. Schließlich holte sie sich Rat, weil sie ihre Mutter nicht lieben könne, wie es doch das 4. Gebot vorschreibe. «Irrtum sagte die Pastorin. Von Liebe ist im Gebot nicht die Rede. Gott verlangt von uns nicht, dass wir unsere Eltern lieben. Wir brauchen sie nur zu ehren.» Da habe ich mich natürlich sofort gefragt, ob Gott oder die Pastorin wohl ‘Die symbolische Ordnung der Mutter’ von Luisa Muraro gelesen haben? Ein Buch, das in diesem Forum (https://www.bzw-weiterdenken.de/2013/05/der-steinige-weg-zu-dankbarkeit-respekt-und-freiheit-zwischen-tochtern-und-muttern/) immer wieder zitiert wird und dafür plädiert, die Unterschiede, Abhängigkeiten und Hierarchien in den Beziehungen unter Frauen neu zu thematisieren und der Mutter als erster Frau und Lehrerin im Leben zu danken. Ich denke, genau das ist Helga Schubert mit der Erzählung 'Vom Aufstehen', in der sie ungeschönt die verschiedenen Facetten ihrer Mutter schildert, gelungen.

    Artikel: Ein Jahrhundertleben in Geschichten

  • Madelaine sagt:

    Danke Kathleen für das formulieren Deiner Gefühle. Mir geht es ähnlich. Ich sehe heute (auf einem Dorf im Südschwarzwald) vor allem Zusammenhalt im familiären Kreis - wir sind eins. In Notsituationen breitet sich dieses wir-sind-eins-Gefühl auf grössere Gebiete aus. Ist zwar schön, doch eben mir fehlt auch das lebendige wir-sind-eins im Alltag. Corona hat uns noch mehr voneinander getrennt, finde ich. Vor paar Jahren ist die alleinstehende Mieterin meines Lebenspartners (eine Ausländerin) in eine desaströse Situation geraten, schwer krank, kein Einkommen. Teils selbstverschuldet durch Unwissen aber trotzdem, eine Katastrophe für sie. Für uns war klar, dass wir alles tun damit sie irgendwie heil durch diese Situation kommt und ich habe ohne zu überlegen ihre antehenden Rechnungen bezahlt. Ich wusste das Geld wird eines Tages zurückkommen wenn sie wieder gesund ist und sonst - ja nun, auch wenn ich nicht viel habe- einfach selbstverständlich. Erschreckt hat mich die Frage einer langjährigen Feundin "warum tust du das?" öööh? umso fragwürdiger wenn ich daran denke, dass diese Freundin selber dieser Krankheit unterworfen war mit massiven Einschränkungen im Leben. Sie war recht gut situiert und abgesichert, geborgen, hat Familien und Mann vor Ort...... Das hat in mir auch ein sehr starkes Unwohlsein ausgelöst. Ich vermute unsere Gesellschaft hat zuwenig gemeinsame Werte, zuwenig gelebte Kultur. Vielleicht weil wir zu global geworden sind und schlimme Dinge passieren weit weg.

    Artikel: Mit dem Wasser kommt die Hilfsbereitschaft

  • Antje Schrupp sagt:

    Vielen Dank, Kathleen! Mir kam beim Lesen noch ein anderer, vielleicht verwandter Gedanke, nämlich das leicht „Völkische“ dabei. Es leiden ja überall auf der Welt Menschen ständig auf diese Weise, das ist ja nicht „neu“, neu ist, dass es „uns“ betrifft, und das gehört sich irgendwo nicht. In Brasilien gibt es jedes Jahr genau solche Bilder, aber dass dort die Menschen ihr Hab und Gut in den Fluten verlieren ist irgendwie normal und kein großer Skandal. Klar verstehe ich, dass die Emotionen höher schlagen, wenn das vor der eigenen Haustür passiert, aber trotzdem ist es irgendwie schräg und ich kann gar nicht genau ausdrücken, wie.

    Artikel: Mit dem Wasser kommt die Hilfsbereitschaft

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe Kathleen, dank deinem Artikel kann ich mir jetzt mein Unbehagen ein- und zugestehen, wenn gebetsmühlenartig bei Katastrophen die Hilfsbereitschaft und Solidarität gelobt und beschworen wird. Und dann noch die Politiker:innen, von denen es sich ja angesichts des Wahlkampfs keine(r) leisten kann, dort nicht aufzumarschieren!

    Artikel: Mit dem Wasser kommt die Hilfsbereitschaft

  • Barbara Ritter sagt:

    Liebe Kathrin Danke für deine Gedanken deinen Beitrag. Ich frage mich ähnlich was hält unsere Gesellschaft zusammen bzw. was formt uns zu einer Gemeinschaft. Ich habe den Eindruck , dass uns irgendwas gemeinsames verloren gegangen ist oder dass ich es früher nicht vermisst habe. Corona hat als letzte Einheit, die zusammen hält , die Familie benannt. Aber was ist mit denen für die Familie kein positiver Begriff ist, sondern Angst und Gewalt bedeutet. Die kapitalistische Ideologie hat uns eingeredet, dass wir uns allein durchkämpfen müssen. Aber in Katastrophen wird überdeutlich ,dass das Blödsinn ist. Wir sind als soziale Wesen aufeinander angewiesen, nicht nur dann, sondern lebenslang. Liebe Grüße Bari

    Artikel: Mit dem Wasser kommt die Hilfsbereitschaft

  • Gesa Ebert sagt:

    Liebe Kathleen Oelke, ich sehe das ganz genauso. Danke fürs Aussprechen!

    Artikel: Mit dem Wasser kommt die Hilfsbereitschaft

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Christel, vielen vielen Dank für deine Antworten. Es ist komisch zu sagen, aber es tut gut, aus so persönlicher Sicht - nicht etwa aus psychologischen Studien usw. - heraus zu LESEN (mündlich höre ich es oft, aber nicht so ausführlich dargelegt), warum du meinst, dass Menschen das verdrängen. Zum Zitat Von Audre Lorde: Es ist natürlich aus einem umfänglichen Kontext gezogen, in welchem sie beschreibt, wie sie zu dem Schluss gekommen ist. Und in dem Artikel schaue ich diesmal nicht auf die, die zu wenig "Belege"-Wissen haben - davon gibt es natürlich wahrscheinlich noch weit mehr - sondern auf jene, die dieses Wissen bereits haben. Wir hatten letztens am Stand eine Person, die meinte, aber CO2 Bräuchte es doch in der Luft, warum wir denn hier stünden und so einen Heckmeck deswegen veranstalten würden. Um diese Menschen ging es mir hier nicht. Denn klar, um Wissen anzulegen, ja, auch um aufzuklären und das Problem zu vermitteln, und in die Köpfe sowie in die Körper zu bringen, dafür stehen wir ja hauptsächlich da. Das Problem ist natürlich da, dass viele "Starkregen" nicht mit "Klimakatastrophe" zusammensetzen KÖNNEN, weil sie das "Belege"-Wissen nicht haben, aber es gibt ja die, die das Wissen haben, und es aber aus verschiedenen Gründen nicht in die Köpfe und Körper bringen wollen und selber auch nicht in ihrem haben wollen. Nur... bleibt halt die Frage... wenn wir Letzteres weiter betreiben, dann werden wir immer weiter in die Katastrophe rutschen. Und vielleicht ist das meine Frage: wie auch ein Armin Laschet z.B. dazu bewegt werden kann, Klimaforschungsergebnisse anzuerkennen, Starkregen direkt mit Klimakatastrophe in Verbindung zu bringen und dann aus diesem Anerkennen uns Aussprechen heraus die Konsequenzen im politischen Handeln zu tragen. Denn in welcher Welt würde er denn gern 2050 oder 2100 leben wollen, in welcher würde er gern Politik machen, Kanzler werden? Wie sickert so ein Denken durch? Wie erreichen wir sie? Denn dieses Durchsickern brauchen wir jetzt so so dringend...

    Artikel: Der Kopf muss an den Körper ran (und in ein unbequemes Bett?)

  • Christel Pellmann sagt:

    Mit deinem Beitrag sprichst du das brennende und ewig aktuelle Problem an: Warum führt Wissen nicht zu echt wirkungsvollem Handeln. Weil das Handeln „mein“ Leben verändern würde, sehr deutlich. Aktivität erzeugt ein gutes Gefühl, doch oft gefolgt von Verzweiflung, Ohnmacht, Enttäuschung bis hin zur persönlichen Befeindung durch Andersdenkende. Das ist gut zu antizipieren und deshalb die ohnmächtige Frage: will ich das fast täglich, ein Verdrängen ist dann kaum noch möglich, man wird zum(r) Aktivist(-in) auf welcher politischen Ebene auch immer, gegen Hunger, Krieg, Klimawandel. Könnte das jeder Mensch, der das Wissen dazu hat? Und außerdem: wenn die Wissensaneignung für die Allgemeinheit so einfach wäre bei so vielen Quellen, die verlockende Verharmlosungen/Verfälschungen beinhalten (scheinbar gut bewiesen…) und geschickt verpackt werden, um Aktivitäten zu behindern, dagegenzuwirken. Die Glücksgefühle bei größeren und auch bei bescheideneren Erfolgen in einer politisch organisierten Gruppe sind nicht zu unterschätzen, wie du auch schreibst und diese Organisation ist ein wichtiger Punkt, sie gibt Halt und Kraft. Die Aktiven brauchen die aktuelle Unterstützung der Gleichgesinnten, die, warum auch immer, gleich denken aufgrund ihrer Wissensaneignung, jedoch keine Initiatoren sind, d.h. Gleichgesinnte, die an Demonstrationen teilnehmen, sich für die Ziele in Diskussionen einsetzen und die durch eigenes Handeln ausstrahlen. In sehr kurzer Zeit hat sich hier schon ein Wandel im Denken der Allgemeinheit ergeben. Doch die Zeit drängt, es braucht mehr Aktive, deshalb deine Fragen gegen Ende deines Beitrages, die den Kern treffen. Ich versuche, sie zu beantworten: Das Verstehen der Klimakrise mündet bei mir körperlich in tiefsitzender Angst, Schlaflosigkeit, Hoffnung auf den Verstand der Menschen, auf das Gute in ihnen, das sie teilnehmen lassen soll an Veranstaltungen zum Thema. Außerdem, dass sie die „richtige“ Partei wählen und nach außen ihre Meinung vertreten und die wissenschaftlichen Erkenntnisse weitergeben. Für mich besteht eigenes Aktivsein darin, mit meiner Auffassung auszustrahlen, mit meinem Wissen aus Kopf und Bauch. Aktivisten wünsche ich mir und unterstütze sie. Es mag banal klingen, aber Aktivsein kann jeder dort am besten, wo er arbeitet, diskutiert, sich vergnügt. Wort und Tun in Einheit, einfach und deutlich, so, wie ich es schon mehrfach erlebt habe. Ich denke, dass körperliches Erleben nicht unbedingt für das Aktivsein erforderlich ist, ich bräuchte dieses Erleben nicht, allerdings würde es eine Verstärkung erfahren. Aktive Kriegsgegner vor den Weltkriegen benötigten nicht das Kriegserlebnis, um zu handeln. Deren Handeln führte oft in die Verfolgung durch die Kriegsbefürworter und den eigenen Tod. Hier ergibt sich für mich die Frage: warum gab es so wenige Unterstützer? Gibt es gegen den Klimawandel schon genug Unterstützer? Haben die vorhandenen Belege die Menschen erreicht? Wie kann das verbessert werden. Der Erkenntnis von Aurde Lorde „Belege helfen nicht wahrnehmen“ kann ich so isoliert gesehen nicht zustimmen, vielleicht liegt es an dem Wort „helfen“, da Belege die absolute Voraussetzung sind, wenn man in einem Land relativ ohne Not lebt. Woher will ich sonst mein Wissen beziehen? Wichtig ist, dass die Gegner des Wissens zum Klimawandel nicht stärker werden und ausstrahlen. Deren Motivationen müssen deutlicher bewiesen und dargestellt werden, die in Kapitalsucht, persönlicher Vorteilsnahme irgendeiner Art oder auch Verblendung (manipuliertes, scheinbares Wissen) bestehen. Hier werden noch weit mehr Belege benötigt. Besonders gegen Letzteres kann „jeder“ aktiv etwas unternehmen, überzeugen mit guten Argumenten im eigenen Umfeld.

    Artikel: Der Kopf muss an den Körper ran (und in ein unbequemes Bett?)

  • Anne Newball Duke sagt:

    Wow, liebe Regina, was für eine Energie und Kraft und Tiefe in deiner Antwort, das haut mich gerade voll um. Ich danke dir sehr... sehr sehr sehr. Ich werde sie noch oft lesen.

    Artikel: Der Kopf muss an den Körper ran (und in ein unbequemes Bett?)

  • Regina Hunschock sagt:

    Als ich den Titel las, wusste ich, das kann nur von Dir sein. Du spannst einen weiten tiefen Bogen, lässt Spielraum und fixierst uns in eine Klemme ( die wahrscheinlich noch nicht weh genug macht). Holst Audre und andere in das „intervitale Gespräch „ (ich zitiere Dich damit) und legst einzelne Worte auf den Tisch, wie Karten, von denen Du jeweils die eine und andere Seite mit in den Tag und/oder ins Bett nehmen kannst. Um etwas mit mir werden zu können und zu wollen. Radikal könnten Eltern hineinfühlen, gefragt werden, ob sie das bequeme Bett mehr lieben als ihre Kinder und deren körperliche Zukunft. Wer traut sich in diese Sprachlosigkeit, wie Audre ( ich kenne sie) , wenn Du Deine wirkliche Macht (Power), dessen wer Du bist, wie Du fühlst und liebst, so empfindest, als seist Du die Schöpfung selbst und voller vitaler Ideen. Und alles abprallt und die schönsten Worte und Wahr- Gebungen ins Leere laufen, in diese graue Masse von „Belegten“. Es gab einen Tag wo ich nicht mehr ins Auto steigen wollte und weinte, weil mir körperlich bewusst wurde, was der Abrieb der Autoreifen, als Feinstaub mit unseren Grundwasser macht und unserer Luft. Ich musste wieder den Schleier davorziehen, um zu starten. Täte ich all das, was ich wahrnehme und empfinde und weiß, könnte ich nicht mehr arbeiten gehen und den ganzen Tag so leben (das braucht viel Zeit) der Erde nichts mehr wegzunehmen, sondern konsequent zur Gebenden Regeneration werden. Wie geht das? Dann würde ich keine Rentenpunkte mehr sammeln und suchte nach dem Weg, diese auch nicht mehr zu brauchen, weil Leben mit der Erde und Tieren, Natur, Menschengemeinschaften funktioniert und für alle gesorgt ist. Jeder Mensch bringt so eine unverwechselbare Seele mit, deren Ausdruck zu sein, für mich der Sinn ist , auf diesem Planeten zu sein und daraus sprechen zu können. Und unser Club hier, der des Weiterdenkens und von sich selbst ausgehen , von anderen und der weiblichen Freiheit und Souveränität muss, darf, kann gefährliche Fragen stellen, irritierende Antworten anbieten und den ewig gleichen Download derselben Gedanken horizontal der Verstörung auszusetzen, bis Schweigen und Stille einsetzen. Ich hatte mit 16 in einem unbequemen Bett klare Ansagen ( von Oben) , mehrmals ( meine Schwester war ausgezogen und ich hatte endlich Raum) wie alles zusammenhängt, was das Patriarchat bedeutet, Muttersein darin und welcher Weg mir bevorstünde, wenn ich Kinder bekäme, vorallem Jungs. Dass ich einen anderen Weg vor mir habe und mich nicht rumschlagen will auf der Ebene, so hab ich entschieden nicht schwanger zu werden, so früh. Ich habe das für als 100 % wahr genommen. Und so schwieg ich viele Jahre, bis ich mit 20 zur Uni ging und Bücher von Audre und vielen anderen fand. Was würden wir Kollektiv tun , wenn wir für wahr halten was wir schon wissen? Hören, innen? Fang an bei Dir , was weißt Du und wie radikal verstörend ist es? Du sagst es. Danke, dass Du schreibst wie Du schreibst. Und wir entscheiden können, wie wir es hinbekommen in Strukturen zu leben, die unsere Tugenden fördern und abrufen.

    Artikel: Der Kopf muss an den Körper ran (und in ein unbequemes Bett?)

  • Anne sagt:

    Liebe Maria, das sind spannende Gedanken - danke dafür! Dass die Frauen-EM abgesagt wurde, wusste ich nicht. Das ist ein starkes Stück! Mit Fußball hab ich gar nichts am Hut, aber meine Kinder gucken und sind Belgien-Fans, um des belgischen Vaters willen. Was du über das Verharren in einer Institution schreibst, bei der vieles im Argen liegt, erinnert mich daran, dass ich schon sehr lange trotz aller Distanz und Kritik der katholischen Kirche treu bleibe. Und auch lange gebraucht habe, um mich von meinem Beruf zu verabschieden, als es nicht mehr passte.

    Artikel: Das Spiel ist aus

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Christiana, vielen Dank für diesen Text, er macht mich sehr glücklich. In meiner Diss habe ich mich ein Kapitel lang mit der Quasi-Absenz von schreibenden chilenischen Frauen im deutschen Exil auseinandergesetzt. Und ich bin hier ständig mit der Frage konfrontiert worden, ab wann denn etwas wirklich "Literatur" ist, z.B. heißt es in einer Auseinandersetzung mit den schreibenden Frauen: "Schreiben als eine Art Selbstrettung, Schreiben als Existenzsicherung. 'Natürlich' ist eine solche Literatur mehr als nur Literatur und insofern auch nicht immer nach nur rein literarischen Maßstäben zu bemessen." Wo ist denn da nun also die Grenze, habe ich mich immer wieder gefragt, wenn z.B. selbst Christa Wolfs Literatur bis vor Kurzem (Oder ist es immer noch so? Ich weiß es gerade nicht.) noch unter der Voreinstellung der "subjektiven Authentizität" oder irgendwie noch abwertender des "weiblichen Schreibens" analysiert wurde. Es geht hier ja nicht um weibliches Schreiben, wie wir es hier verstehen, sondern um "weibliches Schreiben", das so anders ist als das männliche, und das ja vor allem qualitativ einfach gar nicht mit Letzterem vergleichbar ist. Dein Text hat mich an meine damaligen Denkstrudel erinnert. Und es macht mich einfach grundsätzlich glücklich und sehr froh, wenn Frauen für sich diesen Weg des Schreibens und zudem noch des Miteinander-Teilens entdecken.

    Artikel: Gedankensplitter über die Heilkraft des Schreibens

  • Sammelmappe sagt:

    Großes Thema. Freut mich, wenn es gut umgesetzt ist. Sehr passend zu diesem Zeitpunkt, wenn uns die "anderen Menschen" wieder näher auf die Pelle rücken. Mit all den nervigen Nebeneffekten.

    Artikel: Ich bin dein Mensch, und ich bin ziemlich gut programmiert

  • Michael Rostalski sagt:

    "Wenn jeder so wäre, wie ich sein sollte" wie langweilig wäre das? Künstliche Intelligenz bestimmt schon heute unser Leben, ohne dass uns dies bewusst wird. Deshalb ist diese scheinbar logische Konsequenz als Film interessant anzusehen. Ich freue mich auf diesen Film

    Artikel: Ich bin dein Mensch, und ich bin ziemlich gut programmiert

  • Elfriede Harth sagt:

    Das muss ich mir anschauen! Danke für den Hinweis! Spannendes Thema, das gerade auch im Zusammenhang mit dem Menschenbild in unserem Gesellschaftssystem für mich von großer Aktualität ist.

    Artikel: Ich bin dein Mensch, und ich bin ziemlich gut programmiert

  • Anne sagt:

    Das klingt so negativ. Natürlich habe ich, durch meine Herkunft sowie durch alles, was sich seitdem ergeben hat, eine Fülle an Möglichkeiten und bin dafür dankbar. Auch für die Kinder. :-)

    Artikel: Aus der Zeit gefallen (7) - Von Klassen, Generationen und anderen Frauen

  • Anne sagt:

    Vorgestern habe ich euren Podcast gesehen und seitdem beschäftigt er mich. Ihr habt mir einen neuen Blick auf die Nöte der Protagonistinnen und meine eigenen eröffnet. Das Wundern über sich bietende Chancen, die Neugier und Dankbarkeit dafür sind etwas, das ich in dieser Form tatsächlich nicht kenne. Dafür das beschriebene Gefühl des Versagens und Zukurzkommens, und auch die Larmoyanz und Depression, die daraus folgt. Auf die Gefahr hin, als nervige, unsympathische, langweilige, arrogante höhere Tochter zu erscheinen, möchte ich etwas anfügen, was ich in Hinblick auf die Ausrichtung "nach oben", zu den Bessergestellten wichtig finde: Das sind keine fremden, anonymen Menschen, sondern es ist eben das persönliche Beziehungsgewebe. Mit meinen Eltern ringe ich seit Langem darum, dass sie anerkennen, dass ihr Lebensstandard nicht einfach "normal" oder "durch harte Arbeit errungen" und also "verdient" ist, sondern dass es viele gibt, die das eben nicht haben (auch trotz ebenfalls harter Arbeit). Es gibt dabei regelmäßig Streit, mit dem Vorwurf der Undankbarkeit und der Drohung, mich zu enterben. Meine Berufswahl, Buchhändlerin, war für eine Apotheker*innentochter natürlich ein Abstieg. Neue Brisanz gewann das dadurch, dass mein Bruder, kinderlos und mit einem renommiertern und lukrativeren Beruf gesegnet, den Erwartungen der Eltern mehr entspricht und mich damit konfrontiert, was ich sozusagen ausgeschlagen habe. Was es heißt, Kinder zu haben und dadurch viel mehr Geld zu brauchen als ohne, habt ihr ja gesagt. Es war blauäugig von mir, vier davon zu bekommen und dann zu merken, was alles schwierig (oder zumindest schwieriger) ist - trotz vermögender Eltern und besser verdienendem Ehemann. In der Abiturzeit hatte ich einen Freund, der vom Bauernhof kam und besser kapierte, wie die Welt ist. Er diagnostizierte mir damals, dass ich immer denke, wenn ich alles richtig mache, bekäme ich irgendwann eine Belohnung - dass die Welt so aber nicht funktioniere. Er wohnt heute übrigens längst nicht mehr in seinem kleinen Dorf an der Grenze zu Frankreich, sondern, ihr ahnt es: in Prenzlauer Berg, allerdings bislang ohne bodentiefe Fenster.

    Artikel: Aus der Zeit gefallen (7) - Von Klassen, Generationen und anderen Frauen

  • Uli sagt:

    @ Anne Lehnert: Die Erwartungen und Abhängigkeiten kenne ich . Vielleicht sind das Gründe für meine Versuche, über "Ehrenamt" der Gesellschaft etwas zurückzugeben?! Sich nützlich machen in den Bereichen, in denen ICH es für sinnvoll halte. Meistens was mit "Care".

    Artikel: Sorgearbeit fair teilen – oder Sorgekrise überwinden?

  • Anne Lehnert sagt:

    Ja, ich glaube, ich kenne das und kann es in etwa nachvollziehen. Prinzipiell finde ich, dass es viel zu viele Tabus gibt: Ich wünsche mir, dass wir nicht nur über psychische Belastungen und Therapien ohne Scham und blöde Witze sprechen können, sondern auch über Geld, über Religion, über... ich weiß es gar nicht mehr, was mir in der Zwischenzeit noch alles eingefallen war und wieder entfallen ist - vielleicht ist das auch eine Denkblockade.

    Artikel: Sich verletzbar schreiben

  • Anne Lehnert sagt:

    @ Uli: Falls sich dein Kommentar auf meine Formulierung beizieht: die habe ich bewusst so überspitzt - weil ich es kritisch sehe. Lange wollte ich das aber gern selbst so, erwerbstätig sein, auch mit vier kleinen Kindern daheim. Ich empfinde diesen Anspruch anderer an mich auch weiterhin, gerade jetzt, wo ich ihm nicht mehr gerecht werde. Die Alternative, die ich gerade erprobe (zeitweise Erwerbsarbeitslosigkeit und damit Abhängigkeit von Agentur und Ehemann) hat auch ihre Tücken, bietet mir aber dennoch mehr Freiheit.

    Artikel: Sorgearbeit fair teilen – oder Sorgekrise überwinden?

  • Uli sagt:

    "... Frauen erwerbstätig sein müssen, koste es, was es wolle. ..." Wer außer dem Staat (Steuern) will eigentlich diese Überforderung? Alle sollen Vollzeit arbeiten, damit es für zeitaufwändige Aufgaben vor Ort nicht mehr reicht. Für Reinigungskräfte, Babysitter, auswärtiges Essen und in schlimmen Fällen auch Therapeuten ist das das schöne Geld schnell wieder ausgegeben. Etwas langsamer, bewusster und nicht immer so "busy" wäre schön.

    Artikel: Sorgearbeit fair teilen – oder Sorgekrise überwinden?

  • Anne Lehnert sagt:

    Vielen Dank, Antje für deine Links und Auskünfte. Das hätte ich tatsächlich selbst längst mal herausfinden können, wie bzw-weiterdenken sich finanziert - und selbst dazu beitragen. Es tut mir leid, dass ich hier bislang so gedankenlos konsumiert habe. Der Vortrag von Birge Krondorfer ist sehr spannend und ihre Analyse deckt sich teilweise mit dem, was Eva von Redecker kritisiert. In ihrem Buch "Revolution für das Leben", das ich für Palais F*luxx rezensiert habe (https://palais-fluxx.de/lesen-oder-lassen-2-eva-von-redecker/) - und hier bei bzw auch noch anders und ausführlicher vorstellen will.

    Artikel: Who writes HERstory?

  • Anne Lehnert sagt:

    Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele und formuliert Vieles, was ich auch an Unbehagen spüre, wenn es um die Forderung geht, dass Frauen erwerbstätig sein müssen, koste es, was es wolle. Die Forderungen von Care Revolution sowie das Care-Economy-Statement der kanadischen Wirtschaftswissenschaftler:innen sind klasse. Ich werde sie weiterverbreiten, vielen Dank! Spannend finde ich zum Thema Care gerade auch das Projekt "Wirtschaft ist Care - (K)ein Spaziergang" der Schweizer Frauensynode, ein Stadtrundgang in Sursee. Hier der Link zu Website - mit der Anregung, das auch anderswo umzusetzen. Falls ich es hier bei mir hinbekomme, berichte ich gern... https://www.frauensynode2021.ch/

    Artikel: Sorgearbeit fair teilen – oder Sorgekrise überwinden?

  • Inge sagt:

    Ihr lieben Frauen, euer podcast hat mir viel Freude gemacht. Danke euch! Obwohl ich beide Bücher nicht gelesen habe, habe ich viel von dem was ihr gesagt habt, besonders von dem was Antje gesagt hat, mit mir und meinem eigenen Leben in Verbindung bringen können. Ich bin jetzt fast 70 Jahre alt, verheiratet, meine Eltern kommen aus dem Arbeitermillieu, ich habe zwei Töchter groß gezogen, war 34 Jahre lang berufstätig als Sozialpädagogin, und ich lebe mit bodentiefen Fenstern in einem der besseren Vororte von Frankfurt. Alles aus eigener Arbeit finanziert, bzw. durch Verzicht zusammengespart. Kinder und Berufstätigkeit verlangen einem sehr viel Zeit und Energie ab. Mit mehr Geld im Hintergrund ist das Leben leichter (Putzfrau, Babysitter, Urlaub mit Vollpension, öfter mal Essengehen, Nachhilfe für die Kinder, kein Streit ums Geld usw). Da kann man schon neidisch werden, wenn man sich mit der Nachbarin, die das alles hat, vergleicht. Von Müttern wird rund um die Uhr in hohem Maß Verantwortung und Funktionieren verlangt. Eine Zwangslage aus dem es kaum ein Entweichen und in der es auch nur wenige Spielräume gibt. Die Protagonistinnen der Bücher befanden sich offenbar in dieser nicht beneidenswerten Lage. Es ging ihnen schlecht. Sicherlich hatten sie in ihrer Lebensplanung nicht alles "richtig gemacht ", nicht alles "richtig entschieden" und im Vergleich zu ihren Möglichkeiten zu hohe Ansprüche. Weder im richtigen Leben noch als Leserin macht es Vergnügen mit Frauen die nur jammern, depressiv und ausgebrannt sind in Kontakt zu sein. Da sind die Männer oft angenehmer. Sie haben sich ihre Selbstbestimmtheit nicht nehmen lassen und können deshalb entspannter sein. In diesem Szenario treffen die Frauen auf gesellschaftliche Unterschiede in denen sie jeweils den Kürzeren ziehen: die der Klassen, des Geldes und der Geschlechtergerechtigkeit. Diese Zusammenhänge habt ihr in euerem Gespräch treffend benannt. Aber noch bleibt jeder einzelnen Frau nichts anderes übrig, als ihren persönlichen Weg da durch zu finden. Ohne zu verzweifeln.

    Artikel: Aus der Zeit gefallen (7) - Von Klassen, Generationen und anderen Frauen

  • Antje Schrupp sagt:

    Vielen Dank! Auch international kommt das immer mehr zu Bewusstsein. Hinweisen möchte ich daher auch auf das Care-Economy-Statement, das eine Gruppe von kanadischen Wirtschaftswissenschaftler:innen kürzliche veröffentlicht hat (leider bisher nicht auf Deutsch), das in einer komprimierten Form die zentralen Punkte aufführt, um die es beim Umbau zu einer Care-zentrierten Ökonomie gehen sollte. Die Covid-Pandemie habe gezeigt, dass die Vernachlässigung des Care-Sektors gravierende Folgen hat. Daher werden hier Vorschläge für einen Neuansatz gemacht. So sollten sich künftige politische und Budget-Entscheidungen an sechs Prinzipien orientieren: 1. Bezahlte wie unbezahlte Care Arbeit als grundlegende Komponente der Infrastruktur verstehen 2. Sowohl die, die Care benötigen, als auch die, die sie geben in den Blick nehmen und unterstützen 3. Care als qualifizierte Arbeit verstehen und Ausbildung und Arbeitsplätze entsprechend gestalten 4. Die ganze Bandbreite (Gesundheit, Kinderbetreuung, Pflege, Arbeitsbedingungen, usw.) der Politikfelder sehen 5. Öffentliche Investitionen in soziale Infrastruktur6. Feministische, intersektionale, antikoloniale und antirassistische Ansätze Außerdem werden traditionelle Mythen rund um Care-Arbeit widerlegt. Hier der Link: https://thecareeconomy.ca/statement/ Beeindruckend ist die Liste der Erstunterzeichner:innen, die zeigt, wie weit ein solches Verständnis von Wirtschaft als Care in Kanada bereits gesellschaftlich verankert ist. In Deutschland hingegen gilt konsequente Care-Economy immer noch ein Ansatz links-feministischer Außenseiter:innen.

    Artikel: Sorgearbeit fair teilen – oder Sorgekrise überwinden?

  • Adelheid Ohlig sagt:

    Grossartig, ich werde es mit Verve weiterleiten. Die Gesellschaft muss ändern, das Wirtschaftssystem gerecht werden! Immer wieder präzisieren, formulieren, in Gedanken und Worten bereiten wir die Realität vor. Merci und Glückauf von Herzen Adelheid

    Artikel: Sorgearbeit fair teilen – oder Sorgekrise überwinden?

  • Antje Schrupp sagt:

    @Anne Lehnert - zu deiner Frage nach der Finanzierung von bzw-weiterdenken: Das Projekt ist komplett ehrenamtlich, wir verstehen unsere Arbeit hier als politischen Aktivismus und nicht als Möglichkeit oder Versuch, Geld zu verdienen. Wir haben anfangs mal überlegt, ob wir uns als Verein konstituieren sollten, damit wir Fördergelder beantragen oder wenigsten Spendenquittungen ausstellen können, aber keine von uns hatte Lust auf die damit verbundene Arbeit. Bei einem Internetprojekt geht es ja, weil die Kosten überschaubar sind. Es fallen natürlich welche an, für das Hosting der Webseite, manchmal einen Relaunch, Programmierarbeiten usw., wir geben auch Geld aus für die Anreisen zu Redaktionssitzungen. Das finanzieren wir aus Spenden, die Dank den Leser:innen bisher immer in ausreichendem Maß eingetrudelt sind: https://www.bzw-weiterdenken.de/unterstutzung/ Bei der ersten Denkumenta hat Birge Krondorfer zu diesem Thema einen Workshop gegeben, das Manuskript findet ihr hier, ist in dem Zusammenhang von Interesse! https://denkumenta.wordpress.com/vortragsmanuskripte/geld-essen-kritik-auf/

    Artikel: Who writes HERstory?

  • Kathleen Oehlke sagt:

    Liebe Anne, danke für deinen Kommentar und die Nachfrage. Ich finde es auch völlig legitim, sich/mich zu schützen und entsprechende Grenzen zu ziehen. Häufig kann das ja auch notwendig sein, wenn vielleicht berufliche Nachteile zu erwarten sind, man aber auf das Einkommen zwingend angewiesen ist. Die Sache mit der Denkblockade meinte ich eher als Konsequenz aus der teilweise ja sehr gründlichen Abwägung, an einer bestimmten Stelle weiterzuschreiben oder auch nicht. Also die Blockade nicht als bewusste Entscheidung, sondern dass es irgendwo diese Schwelle gibt, an der es interessant und wichtig wäre, weiterzudenken und mit anderen in den Austausch zu kommen. An dieser Stelle ist mein Kopf dann aber so damit beschäftigt, abzuwägen ob ich dieses oder jenes nun preisgeben möchte oder nicht, dass gar keine neuen Gedanken entstehen können und ich diese dementsprechend auch in kein Gespräch einbringen kann. Ist das irgendwie nachvollziehbar?

    Artikel: Sich verletzbar schreiben

  • Anne Lehnert sagt:

    Mich freut, dass Marlies Krämer hier so viel Zuspruch bekommt!!! Für mich hat der Film dazu geführt, dass ich sie und ihr Engagement mehr schätzen kann. Sie kann sehr beharrlich sein, und das ist sicher gut so.

    Artikel: Die Kundin: Dokumentarfilm über das Leben und Wirken von Marlies Krämer

  • Anne Lehnert sagt:

    Übrigens ist mein Artikel zu Dorothee Markert nun gesichtet und noch da, ich bin da also ganz zuversichtlich, dass er Bestand hat.

    Artikel: Who writes HERstory?

  • Anne Lehnert sagt:

    Liebe Petra, danke für deine Grüße und den Tipp, sich Rückhalt beim Projekt "Who writes history" zu holen!

    Artikel: Who writes HERstory?

  • Anne Lehnert sagt:

    Liebe Anna, vielen Dank für deine kritischen Fragen und deine Hintergrundinformationen. Du bist anscheinend schon weiter in die Funktionsweise von Wikipedia vorgedrungen als ich. Bei meinem kleinen Projekt, einen Artikel über eine fehlende Frau zu erstellen, ist es so gewesen, dass ich als Autorin zunächst einmal selbst die Kategorien eingebe. Um ehrlich zu sein, hab ich sie, weil mich das überforderte, kopiert und dann angepasst. Aber natürlich können dann andere daran weitermachen und die Kategorien ändern oder ergänzen oder löschen... Und das ist dann eine ähnliche Frage wie beim Löschen von Artikeln, wer das Sagen hat und sich letztlich durchsetzt. Vielleicht bin ich naiv, wenn ich denke, dass nur genug Feminist*innen mitmachen müssen, damit es fair zugeht. Sicher würde es nicht schaden, da tiefer einzusteigen, um zu sehen, wie die Regeln sind, ob sich der Einsatz lohnt, ob sich die Regeln ändern lassen... Ich muss gestehen, das ist mir zu viel, und ich bin zufrieden mit den kleinen Änderungen auf der untersten Ebene. Bisher habe ich da in der Summe gute Erfahrungen gemacht. Und ich habe vor, mir Unterstützung zu holen, wenn sich das ändert. Zum Beispiel auch über http://whowriteshistory.me/ (die Referentinnen der FrauenGenderBibliothek Saar), wo es neben Workshops auch eine Sprechstunde gibt. Zum Thema Geld bin auch nicht so skeptisch wie du. Ja, das ist viel Geld - aber es sind ja auch sehr viele Server, die betrieben werden müssen. Ich kann mir vorstellen, dass sich niemand bereichert daran. Vielleicht bin ich auch zu unkritisch. Es ist eine spannende Frage, das mal zu recherchieren. Wenn ich Kontakt zu Expertinnen aufnehme, frage ich sie, was sie dazu wissen. Du weißt ja auch mehr als ich: Konntest du herausfinden, wie man Administrator*in wird? Oder ins Schiedsgericht kommt? Und über wie viel Geld wir sprechen? Das Geld ist auch in anderer Hinsicht ein interessanter Aspekt. Um mal in eine andere Richtung weiterzudenken: ich habe gemerkt, dass ich gar nicht weiß, wer die Kosten bezahlt, die für bzw-weiterdenken anfallen. Und, da ich gerade die Entstehung einer anderen feministischen Plattform verfolge, Palais F*luxx, für Frauen ab 47: Da geht es viel darum, dass alle dort das jetzt umsonst machen, dass irgendwann aber mal Geld dabei rumkommen soll. Das ist eine Frage, die ich mir auch stelle: Möchte ich mit meinem Engagement Geld verdienen oder ist es für mich gerade schön, dass das gar keine Rolle spielt? (Im Moment Letzteres.)

    Artikel: Who writes HERstory?

  • Anne Lehnert sagt:

    Liebe Kathleen, das sind spannende Fragen, und ich finde es sehr angenehm, dass es hier leichter ist, über Persönliches und auch Schwieriges zu schreiben und dass hier ein respektvoller Umgang die Regel ist. Und ich empfinde das auch als bereichernd, das zu tun bzw. zu lesen, wie andere Frauen das tun, dieses Aufdröseln, von dem du schreibst.Ich finde auch, dass es möglich und sogar selbstverständlich sein sollte, über ehrlich und offen über psychische Probleme zu sprechen. Überhaupt, in ganz verschiedenen Kontexten, und auch hier. Trotzdem finde ich es auch gut, sich/mich zu schützen, und dabei Grenzen zu ziehen, indem ich mir die Fragen stelle, die du nennst: „Kann ich das jetzt schreiben [oder sagen]? Und falls ja, mit welchen Reaktionen muss ich rechnen? Halte ich diese Reaktionen aus? Wenn nein, lieber nicht schreiben [sagen].“ Das ist weniger Denkblockade als Selbstschutz, finde ich. Oder verstehe ich dich falsch?

    Artikel: Sich verletzbar schreiben

  • Petra Stein (FrauenGenderBibliothek Saar) sagt:

    Hallo Anne und alle Kommentator:innen! Danke für die Initiative, mehr weibliche Inhalte in Wikipedia einzustellen und den Hinweis auf unseren Editier-Workshop! Wir finden die Thematik auch sehr wichtig und werden sicher weitere Angebote dazu machen. Wer interessiert ist, kann uns gerne bei Facebook oder Instagram abonnieren oder unseren Newsletter bestellen (www.frauengenderbibliothek-saar.de). Die Welt und das Internet braucht euch! Das hier ist ein super Motivationsschub :-) Feministische Grüße, Petra aus der FrauenGenderBibliothek Saar

    Artikel: Who writes HERstory?

  • Cornelia Roth sagt:

    Sehr interessant finde ich auch, wie Lia Cigarini die Entwicklung der Politik der Frauen über die letzten 50 Jahre betrachtet. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Arbeit an den Beziehungen unter Frauen und zur eigenen Mutter Früchte getragen hat. Das erlebe ich auch so unter jüngeren Frauen. Zu den Erkenntnissen dieser Arbeit schreibt sie im Artikel: "Das erste betrifft die Beziehung zwischen Subjekt und Objekt. Wir haben verstanden, dass ihre Trennung künstlich ist und dass es trügerisch ist, sich Ziele zu setzen, bevor man sie selbst erprobt hat". "Die Differenz hingegen ... gibt ... Hebel an die Hand, mit deren Hilfe sich die symbolische Ordnung verstehen und brechen lässt: das Von-sich-selbst-Ausgehen und die Politik der Beziehungen anstelle von Organisation und Repräsentation." Genau diese Art der Arbeit finde ich in den Bewegungen zur Transformation unserer Gesellschaft wieder - und sie sind oft initiiert oder getragen von Frauen: in den Bewegungen für eine andere Landwirtschaft, Stadt, Mobilität, Umgang mit Ressourcen, zum Erhalt von Wäldern usw.: nämlich ausgehend von sich selbst, den eigenen Erfahrungen und angetrieben vom eigenen Begehren mit Anderen etwas zu beginnen, etwas zu erproben, und gleichzeitig das Begonnene zu reflektieren wie das Spinnen von Fäden, die sich verdichten.

    Artikel: Die Politik der Frauen ist Politik

  • Cornelia Roth sagt:

    Dieser Artikel bringt wieder einen Schritt weiter! Seine Hauptgedanken verstehe ich so: Die Politik der Frauen bezieht sich nicht auf Frauen, sondern auf alle Menschen. Es kommt also darauf an, dies Männern, die das in großer Mehrheit nicht erkennen, zu vermitteln. Das ist für mich nicht neu. Aber der Ansatzpunkt, der jetzt genannt wird: es geht darum, das Werk der Mutter zu vermitteln - darum, dass Männer das Werk ihrer Mutter anerkennen. Das war für mich selbst eine tiefgreifende Erfahrung: nicht nur allgemein das Werk der Mütter anzuerkennen, sondern wirklich meiner Mutter. Ich verstand mich damals, noch vor 30 Jahren als Generation der '68iger nicht gut mit ihr, ich konnte nichts von ihr anerkennen. Dass ich in Zusammenhang mit der Philosophie der "Italienerinnen" meiner Mutter zeigte UND auch sagte, dass ich ihr dankbar bin, dass sie mich geboren hat, änderte viel. Ich erkannte nicht nur sie an, sondern auch mein eigenes Leben als Gabe. Und dass ich ihr Autorität zusprach UND sie um Rat fragte, bedeutete, dass ich all das, was ich an ihr abwehrte und abwertete nun überdenken musste, um mich bewusst dafür oder dagegen zu entscheiden. Ich hatte einen innerlichen weiblichen Bezugspunkt und damit einen Maßstab. Ich erlebe, dass auch viele Männer konkret ein widersprüchliches Verhältnis zu ihrer Mutter haben, ebenso wie zu Frauen. Auch wenn dies meist nicht direkt Thema ist, aber das lässt sich ja ändern! Und es geht natürlich um die Übersetzung auf das Werk der Frauen als geistige, praktische oder sonstwie geartete Mütter. Da taucht mir erneut die Frage auf: wer ist eine Mutter? Eine Frau, ein Mann, ein non-binärer Mensch? Ich denke, auf jeden Fall ist Mutter sein eine Kulturleistung, ein notwendiges kulturelles Werk der Frauen. Und irgendwo im Untergrund schlummert noch die Frage, was Vatersein bedeuten könnte.

    Artikel: Die Politik der Frauen ist Politik

  • Anna Blietschau sagt:

    Liebe Anne und andere, in welche Kategorie du hineinkommst, bestimmt z.B. bei größeren Projekten/Vereine u.ä., nicht du selber, sondern Wikimedia. Die suchen nach der größtmöglichen Schnittmenge. So kann es passieren, dass du als reine Lesben- organisation in der Kategorie "LGBT" landest, weil damit eine weit- räumige Verlinkung gewährleistet ist. Wenn du das nicht willst. dann wird eben gelöscht. Das ist, u.a. , das Geschäftskonzept Wikimedias. ( Dachorganisation ) Das mit dem Verlinken finde ich sowieso etwas eigentümlich. Dachte, Wikipedia hat sich das "freie Wissen" auf die Fahnen geschrieben. Wie passt Freiheit unter der Voraussetzung einer möglichst großen Verlinkung zusammen? Für mich ist das wider- sprüchlich. Die Frage nach den Geldströmen finde ich auch interessant: Im Dezember 2020 blinkte es bei Wikipedia ständig auf. Sie wollten Spenden, um 2021 weiter machen zu können. 8,7 Millionen Euro brauchten sie dafür. Diese enorm hohe Summe kam auch bis zum 31.12.2020 zusammen. Ich frage: Woher kommt das Geld und wo geht es hin?? Herausbekommen habe ich bislang, dass erst auf der Ebene der "Administratoren" das Geld verdient wird und dort sitzen - genau - fast ausschließlich Männer. Aber es gibt noch weiterte Gremien, in denen Geld verdient wird. Z.B. im "Schiedsgericht", wenn z.B. ein sog. "Edit-War" zwischen "Wikipedianern" ausbricht. Alles, was ich bislang zu Wikipedia/Wikimedia recherchiert habe, ist merkwürdig, eher erklärungsbedürftig.

    Artikel: Who writes HERstory?

  • Anne Lehnert sagt:

    Liebe Carmen-Francesca, vielen Dank für deine Anregungen und vor allem deinen Bericht über deinen eigenen Umgang mit dem Thema. Mich würde das sehr interessieren, wenn du, wie angekündigt, mehr zum Thema schreiben würdest. Wir sind noch einen Schritt davor bei den mitgenommenen Sachen - bisher scheuten meine Kinder und auch ich die Konfrontation. Was die Erziehung angeht, gehe ich einen ähnlichen Weg wie du. Es gibt nicht immer alles, was "alle" anderen haben, aber es gibt immer wieder mal schöne Dinge. Eine meiner Töchter macht auch Vieles selbst, das fördert natürlich auch die Bindung an Dinge. Oder wir erben, und das kann auch eine schöne Verknüpfung der Kleider oder Spielsachen mit den anderen Personen sein.

    Artikel: Kapitel 10: Reichtum und Armut als Beziehungsfragen

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Ich freue mich mit und für Marlies Krämer und wünsche, dass der Film die Wichtigkeit des Themas in viele Gehirne und Herzen pflanzt. Lieben Gruß an Marlies von Gudrun

    Artikel: Die Kundin: Dokumentarfilm über das Leben und Wirken von Marlies Krämer

  • Brigitte Leyh sagt:

    Toll, dass Marlies Krämer jetzt durch einen Film geehrt wird! Sie beweist, dass alte Frauen ohne Furcht vor beruflichen Sanktionen eine Menge bewirken können. Krämer sorgte dafür, dass Tiefdruckgebiete jetzt auch Männernamen kriegen und kämpft anscheinend mit der ihr eigenen Sturheit weiter für das generische Femininum: Wenn die Männer die weiblichen Endungen zuhalten, sie sagt sie, sind sie doch auch damit gemeint.

    Artikel: Die Kundin: Dokumentarfilm über das Leben und Wirken von Marlies Krämer

  • Sascha sagt:

    Hallo @Josef Blum, wirklich ein schöner Beitrag. Ich denke hier in der Diskussion in den Kommentaren geht es um zwei Dinge, die nur bedingt zusammen hängen. Das eine ist Glück und Zufriedenheit und das andere ist eine materielle Mindest-Absicherung. Und ich denke, diese verschiedenen Dinge kann man auch auf verschiedene Art und Weise angehen. Glück und Zufriedenheit kann man nur in und mit sich selbst finden, unabhängig von jeder materiellen Sicherheit - denn sonst gäbe es keine glücklichen Menschen, die keine materielle Absicherung haben. Doch gerade in armen Ländern findet man oft solche Menschen. Das andere ist die materielle und soziale Mindest-Absicherung. Dafür sollte im positivsten Fall die Politik sorgen. Grundeinkommen wäre da wahrscheinlich eine gute Maßnahme. Aber auch das wird es nur in den privilegierten Ländern geben. Ich glaube hier bei diesem Buch, das diese Diskussion ausgelöst hat, geht es aber um den ersten Weg. Wie kann man selbst glücklich oder zumindest glücklicher werden? Und eine Art glücklicher zu werden ist die Art, in der man die Welt und die Umstände sieht. Siehe die Geschichte von @Josef Blum.

    Artikel: Du bist nie zu alt, um glücklich zu sein

  • Stefanie Beithan sagt:

    Danke Danke Danke! Ich bin gerade auf deinen Beitrag gestoßen, nachdem ich mal wieder über sog. Menstruierende gelesen habe. Ich finde, dass diese Neutralität, mit der wir berechtigter Weise alle Menschen gleich behandeln wollen und müssen gleichzeitig zu einer völligen Auflösungen und stärkeren Verbannung des Weiblichen führt, als es mit diversen angleichenden Bewegungen erstrebenswert ist. Ich will keine Person sein die menstruiert oder gebiert, sondern eine Frau! Und ganz ehrlich, unabhängig aller mentalen Ausrichtungen.. wenn eine Person menstruation, dann ist sie biologisch nun mal eine Frau. Vielleicht bin ich da uneinsichtig, vielleicht möchte ich aber auch dazu anregen, wenn wir schon viele neue Begriffe entwickeln, eben nicht zu neutralisieren, sondern zu differenzieren und positiv zu spezialisieren. Also genauer hinzugehen statt zu vereinheitlichen , was eben wieder zu einem Ausschluss führt. Dem der Frau! Um alle jene dies ich nicht als Frau fühlen mit zu denken, aber nicht gleichzeitig die Mehrheit auszuschließen! Denn aktuell passt sich die Mehrheit einem geringeren Anteil an "Personen" an.

    Artikel: Ich bin keine menstruierende Person.

  • carmen-francesca banciu sagt:

    P.P.S. Aus Verantwortung nicht nur zu unserem eigenen Geldbeutel, aber auch zum Planeten, habe ich meinen Kindern auch Respekt für Qualität und Nachhaltigkeit beigebracht. Wir haben gespart und wenn notwendig, das Beste gekauft. Denn es musste mindestens 10 Jahre halten. Kinder sind offen dafür, wenn man ihnen das so erklärt.

    Artikel: Kapitel 10: Reichtum und Armut als Beziehungsfragen

  • carmen-francesca sagt:

    Ich habe mich sehr auf den Artikel gefreut, und dass das Thema überhaupt angesprochen wurde. Auch, dass man sich nicht immer als Frau die Opferrolle akzeptiert, auch wenn die Umstände nicht besonders ermutigend sind. Das bedeutet sicher nicht, dass man nicht für Gerechtigkeit und Veränderungen aktiv sorgt. Seine Rechte selbstbewusst einfordert. Die gesunde Bindung an Dingen, aber anderseits auch "die Hierarchisierung der Wertigkeit der verschiedenen Dinge — entlang von Markennamen, gehorchen also der patriarchal-kapitalistischen Logik des Hierarchisierens und Trennens" sind extrem wichtige Themen, die für die Bildung der Persönlichkeit von Individuen und von einer gerechten Gesellschaft unentbehrlich sind. Ich wollte mich schon längst zum Thema äußern. Vielleicht werde ich dies zum Anlass nehmen und es wirklich tun. Danke für die Anregung. Ich finde, das selbstverständliche Mitnehmen von Dingen nicht in Ordnung. Die Kinder können sich etwas ausleihen. Vielleicht könnt ihr eine Regel etablieren. Wenn jemand etwas mag, darf er fragen, ob er es mitnehmen oder ausleihen kann. Muss aber auch akzeptieren können, wenn das nicht geht. Auch Kinder müssen Respekt für die anderen haben. Ich habe bei meinen Kindern immer wieder das Empathie-Prinzip vorgeschlagen. Möchtest du, dass Jemand dir das antut? Möchtest du so behandelt werden? Was das Konsummieren und Marken Fetischismus betrifft, habe ich versucht meine Kinder in ihrer Einzigkeit zu stärken und auf ihre Talente hingewiesen. Im Großen und Ganzen ist es mir gelungen. Ich stärkte sie darin, selbst Trendsetter zu sein und nicht Trends nachzueilen. Z. B.: Mein Sohn hat heute u.a. einen Brand für Sonnenbrillen aus nachhaltigen Materialien Made in Berlin. PS: Wir haben als Migranten uns vieles nicht leisten können. Ich habe aber nie mit Geldmangel argumentiert und den Kindern das Gefühl gegeben, wir können das nicht. Und habe immer gesorgt, dass für wirklich wichtige Dinge, die aus Erziehungsgründen oder Gesundheitsgründen wichtig waren, auf einer Weise das Geld zustande kam. Wir haben früh definiert, was essenziell ist. Das mussten wir auch haben. Z. B.: Ferien im Sommer. Denn wie wir Ferien gemacht haben im Sommer für 6 Wochen war günstiger für mich als alleinerziehende, freie Autorin mit drei Kindern, als 6 Wochen mit den Kindern in Berlin rumzuhängen in völlig überfüllten Schwimmbädern oder anderen Einrichtungen.

    Artikel: Kapitel 10: Reichtum und Armut als Beziehungsfragen

  • Elfriede Harth sagt:

    Wie schön, diese Gedanken nach so langer Zeit wieder zu lesen! Wie schön, dass das jetzt digital veröffentlicht wird und daher vielen Menschen leichter zugänglich ist. Gerade jetzt, finde ich, tut es gut, so etwas zu lesen!

    Artikel: Kapitel 10: Reichtum und Armut als Beziehungsfragen