beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Neueste Kommentare

  • Judith sagt:

    Liebe Rava! Oft musste ich in meinem Leben die Erfahrung machen, nicht richtig verstanden oder erfasst zu werden. Es ist jetzt eine gewisse Zeit vergangen, aber ich denke immer mal wieder an Deine Worte, die mir das Gefühl gaben, verstanden worden zu sein. Das tut mir gut, und macht mir Mut, weiter nach Menschen Ausschau zu halten, die so einen Dialog möglich machen. Das gibt mir auch ein Gefühl der Ganzwerdung. Fragmente meiner Persönlichkeit dürfen sein, die mich ja auch ausmachen und sind nicht "doof", da nicht gesellschaftsfähig oder kompatibel. Es ist eine schwierige Zeit diese Corona-Zeit, aber das Gute daran also für mich persönlich ist, daß ich auch meinem Alter gemäß Rückschau halten kann auf mein Leben, in seiner Gesamtheit, in die von mir gemachten Erfahrungen. Auch ist der Wunsch in mir vorhanden es möge für Menschen wie mich, Menschen wie uns auch mehr Orte geben, wie den Ort dieser Höhle, den Du beschreibst, um Dinge zuzulassen die sich zeigen mögen. Weil es ja auch so ist wie bei einem körperlichen Leiden, einer physischen Verletzung, daß auch Luft dran will um gut zu verheilen, und die Seele braucht da ja auch so ihre Unterstützungen, heilsamen Gegebenheiten! Und so wie diese Seiten des Schreckens ihren Raum brauchen, und es gut ist diesen zu bekommen, ist dadurch auch mehr Möglichkeit in mir entstanden auch die nicht defizitären unverletzten und schönen Anteile meiner Selbst zu sehen, da sein zu lassen. Das Gesamtbild meines Lebens sozusagen. All dies ist meine Leben! Alles! und es ist gut so! Ich danke dir für dein Verständnis! Liebe Grüße von Judith

    Artikel: Sexuelle Gewalt: Wi(e)der das Schweigen. Wider die Diktatur der Heilung

  • Bolliger-Eggli, Elisa sagt:

    Beim ewigen, empörenden Thema hilft mir nur Humor. Zum Beispiel dieses Wortspiel: Anlässlich einer Vernissage in Frankreich wird einer Frau ein Mann vorgestellt. Ergänzend erkundigt er sich bei ihr: "Madame ou Mademoiselle?" Sie betrachtet ihn nachdenklich und fragt zurück: "Homme ou Omlette?" Seid alle - immer wieder herzlich lachend - gegrüsst: Elisa

    Artikel: Ob der männliche Leserin jetzt wohl befriedigt ist?

  • Sandra Divina Laupper sagt:

    @Max. Allerdings,da stimme ich dir bei, dass wir Frauen nicht quasi von Natur aus Inhaberinnen der genannten Werte, also der Werte der Verletzlichkeit, der Beziehung, der gegenseitigen Abhängigkeit, der Fürsorge, sind. Nichts liegt mir ferner als ein derartig essentialistischer Gedanke, wie du ihn zu Recht kritisiert! Allerdings glaube ich auch nicht, dass dieser Text in diesem Sinne verstanden werden will. Der Differenzfemminismus verwehrt sich ja seit jeher gegen jegliche Form von Essentialismus. Tatsächlich ist das Differenzdenken auch unmöglich mit einer essentialistischer Position vereinbar, weil die philosophische Kategorie der Differenz im Gegensatz zur philosophischen Kategorie der Identität steht. Es geht darum, mich als sexuell definiertes Lebewesen zu sehen, das in der eigenen Sexualisiertheit nicht eine vorgefertigte Identität, sondern eine Öffnung zum Anderen sieht. Trägerinnen dieser Werte und des anstehenden Zivilisationssprungs sind wir, insofern wir Frauen schon von den Frauen, die vor uns gelebt haben, gelernt haben, diese Werte zu verkörpern. Die Erwerbsarbeit ist hingegen, vor allem insofern es sich um sozial angesehene Berufe handelt, traditionell gesehen immer schon eher eine Männerdomäne gewesen. Im Feminismus, wie auch in diesem Text, wird immer wieder die Notwendigkeit betont, diese beiden Bereiche des menschlichen Lebens und Wirkens zu vereinbaren - anstatt den Bereich der Fürsorge zur Unsichtbarkeit und Bedeutungslosigkeit zu verdammen und auf die Frauen als untergeordnetes Geschlecht abzuwälzen, wie es das Patriarchat für Jahrhunderte getan hat. MfG, Sandra

    Artikel: Der Sprung / Salto della specie

  • Sandra Divina Laupper sagt:

    @Max. Allerdings,da stimme ich dir bei, dass wir Frauen nicht quasi von Natur aus Inhaberinnen der genannten Werte, also der Werte der Verletzlichkeit, der Beziehung, der gegenseitigen Abhängigkeit, der Fürsorge, sind. Nichts liegt mir ferner als ein derartig essentialistischer Gedanke, wie du zu Recht kritisiert! Allerdings glaube ich auch nicht, dass dieser Text in diesem Sinne verstanden werden will. Der Differenzfemminismus verwehrt sich ja seit jeher gegen jegliche Form von Essentialismus. Tatsächlich ist das Differenzdenken auch unmöglich mit einer essentialistischer Position vereinbar, weil die philosophische Kategorie der Differenz im Gegensatz zur philosophischen Kategorie der Identität steht. Es geht darum, mich als sexuell definiertes Lebewesen zu sehen, das in der eigenen Sexualisiertheit nicht eine vorgefertigte Identität, sondern ein Öffnung zum Anderen sieht. Trägerinnen dieser Werte und des anstehenden Zivilisationssprungs sind wir, insofern wir Frauen schon von den Frauen, die vor uns gelebt haben, gelernt haben, diese Werte zu verkörpern. Die Erwerbsarbeit ist hingegen, vor allem insofern es sich um sozial angesehene Berufe handelt, traditionell gesehen immer schon eher eine Männerdomäne gewesen. Im Feminismus, wie auch in diesem Text, wird immer wieder die Notwendigkeit betont, diese beiden Bereiche des menschlichen Lebens und Wirkens zu vereinbaren - anstatt den Bereich der Fürsorge zur Unsichtbarkeit und Bedeutungslosigkeit zu verdammen und auf die Frauen als untergeordnetes Geschlecht abzuwälzen, wie es das Patriarchat für Jahrhunderte getan hat. MfG, Sandra

    Artikel: Der Sprung / Salto della specie

  • Max Preglau sagt:

    Ich habe so meine Probleme mit dem Differenzfeminismus: einerseits haben sie natürlich Recht mit der Rehabilitierung der Werte "Verletzlichkeit - Beziehung - gegenseitige Abhängigkeit - Fürsorge" bzw. des Sorgens (Care) in der Corona-Krise, und auch damit, dass es ein Zivilisationssprung wäre, wenn diese Werte prioritäre gesellschaftliche Anerkennung und Implementierung fänden. Dafür plädiert ja letztlich auch das Care-Manifest "Care.Macht.Mehr" von M. Brückner et al (https://care-macht-mehr.com/). Andererseits kann ich der matriarchal-essentialistische Vorstellung, dass Frauen quasi von Natur aus die "Inhaberinnen" dieser Werte und die Trägerinnen des Zivilisationssprungs sind, überhaupt nicht zustimmen. Nichts - keine Natur, keine genetische Determination - spricht dagegen, dass sich auch Männer die Welt des Sorgens (und Frauen die Sphäre der Erwerbsarbeit und der gesellschaftlich verbindlichen Entscheidungen) erschließen können. Da scheinen mir die Forderungen der Protagonist*innen von "Care.Macht.Mehr", "Care jenseits von Geschlechterklischees (zu) denken und (zu) adressieren, ohne Geschlechterhierarchien zu verfestigen", also Frauen und Männer im gleichen Ausmass und gleichberechtigt an Sorgearbeit und Erwerbsarbeit und an politische Entscheidungstätigkeiten zu beteiligen, realistischer und attraktiver.

    Artikel: Der Sprung / Salto della specie

  • Sandra Divina Laupper sagt:

    Danke, Bettina, für deine anerkennenden Worte! Den Teil über Baubò habe ich wieder herausgenommen, weil er zu lang war und riskierte, vom eigentlichen Text abzulenken. Aber ich gebe dir Recht, dass Geschichten darüber, wie diese Vermittlungen zustandekommen, immer sehr interessant sind. Zumindest für mich sind solche Geschichten oft aufschlussreicher gewesen als theoretische Texte. Zwischendurch ist es mir auch gelungen, mir von der einen oder anderen Frau der vorangegangenen Generation von Feministinnen (ich bin 1967 geboren) den persönlichen Lebensweg - oder zumindest einen Teil davon - erzählen zu lassen. Solche Erzählungen waren für mich sehr hilfreich, weshalb ich auch jüngeren Frauen gegenüber immer gern bereit bin, meinen persönlichen Weg der Vermittlung ("Was macht eine verbindliche Beziehung zu einer anderen Frau aus?" ; "Wie funktioniert wünschen?") zu schildern. Aber dazu, glaube ich, bräuchte es einen anderen Rahmen als den Einleitungstext zu einer Übersetzung. Wie einen solchen Rahmen finden? Freilich, ich könnte jederzeit einen Artikel diesen Inhalts für beziehungsweise weiterdenken schreiben. Aber der Niederschrift eines solchen Textes müsste nicht nur die Bekundung eines derartigen Interesses von Seiten einer Leserin - wie das jetzt z. B. Du getan hast -, sondern auch eine gründliche Diskussion des Themas in meiner Frauengruppe Baubò, z. B., (oder auch mit den Redakteurinnen von beziehungsweise weiterdenken, wenn wir nicht so weit voneinander entfernt leben würden...) vorausgehen: lauter Notwendigkeiten der Vermittlung! Hier hast du aber auch schon ein Beispiel von verbindlichen Beziehungen unter Frauen, die für deren Wünsche vermittelnd wirken: im Austausch untereinander könnte z. B. der Wunsch wahr werden, einen Text zu produzieren, der die Schwierigkeit des Wünschens zum Thema hat. Liebe Grüße und alles Gute auf deinen Vermittlungs-Wegen! Sandra

    Artikel: Der Sprung / Salto della specie

  • Schirez, Hana sagt:

    Die prunkvollen großartigen "Kleider" ablegen, das Loslassen, ist nicht unbedingt ein Zeichen von Stärke. Mir imponieren manchmal gerade die "Zeitgenossinnen", die sich für das Gegenteil entscheiden. Vllt tun sie das Falsche aus "Nonnen/Mönchssicht", aber immerhin, sie s p r i n g e n. Es gehört in gewissen philosophischen Kreisen ja sehr viel Mut dazu, eben nicht alles Weltliche abzulegen, vielmehr sich wie z.B. Elke Heidenreich ein prächtiges Samtkleid aus Venedig ins Blickfeld zu rücken, ins Schlafzimmer. Cool!

    Artikel: Was hat meine Kleidung mit mir zu tun?

  • Bettina Stehli sagt:

    1000 Dank an Sandra Divina Laupper für die Übersetzung und Vermittlung. Ich sehe, dass der Teil über die Frauengruppe "Baubò" nun nicht mehr steht, dabei fand ich diesen besonders interessant und habe gemerkt: Ich wünsche mir Geschichten darüber, wie diese Vermittlungen passieren. Ich brauche eine Geschichte darüber, wie die verbindliche Beziehung zu einer anderen Frau zum Mass der Wünsche einer anderen Frau wird. Was heisst das? Wie passiert das? Abhängigkeit ist Rettung und Gefahr - ich brauche Frauenalltagsmärchen. Überhaupt: Wie schwierig ist es doch zu wünschen. Zentral war für mich der Satz über die Präsenz von Frauen, die anderen Frauen als Orientierung dienen könnten. Das ist auch eine Forderung an die Generationen vor mir. Der Ruf nach Dringlichkeit bleibt abstrakt. Alles ist dringlich, gerade die Gefahr in dieser Gratwanderung als arbeitende, denkende, liebende Frau jederzeit abzustürzen. Genau da brauche ich solche Texte - als Orientierung.

    Artikel: Der Sprung / Salto della specie

  • Elfriede Harth sagt:

    Einfach schoen!

    Artikel: Geburtshilfe - eine Weihnachtsgeschichte

  • Dr. Gisela Forster sagt:

    Es gibt Menschen, die sehen immer gut aus, egal was sie anhaben. und andere sehen um so besser aus, je fescher sie sich kleiden. Daneben gibt es aber auch Menschen, die in sehr vielen Kleidungsstücken leiden, die die Stoffe nicht vertragen, die Farben nicht aushalten, die in besonders edlen Roben Schweißausbrüche bekommen und Lähmungserscheinungen, wenn die Strumpfhosen aus Wolle sind. Hoffentlich steht über diese Menschen auch was in dem Buch.

    Artikel: Was hat meine Kleidung mit mir zu tun?

  • Antje Schrupp sagt:

    @Ina - Ja, das ist ein wichtiger Punkt, der Umgang mit der Dringlichkeit. Das ist in den letzten Monaten auch bei uns in der bzw-Redaktion häufiger Thema gewesen, eingebracht vor allem von Anne und mit Blick auf den Klima-Notstand. Ein bisschen hatten wir es ja schon damals mi unserer Veranstaltung zum Thema "Sichtbar und einflussreich ohne sich anzupassen" aufgegriffen (meine Güte, das ist schon wieder fast 12 Jahre her!), vielleicht wäre das ein gutes Thema für eine nächste Veranstaltung /Denkumenta usw. : Was machen wir mit der Ungeduld und der Dringlichkeit.

    Artikel: Der Sprung / Salto della specie

  • Monika Krampl sagt:

    Wenn ich mir alte Fotos von mir ansehe muss ich oft schmunzeln, - manchmal entspricht die Kleidung dem Zeitgeist und manchmal nicht. Ich kann daraus ersehen wie ich zu dieser Zeit mit meinem Sein in der Welt war – dafür oder dagegen / unsicher oder provokativ, etc. Nun habe ich vor einigen Wochen das autofiktionale Märchen „Die Alte Kaiserin und das Kleine Ich“ geschrieben. In diesem Märchen geht es u.a. auch um Kleidung: „ Sie hat ihre Kleider abgelegt. Eins nach dem anderen. Viele Schichten der Pracht, des Prunk und der Großartigkeit. Mühsam war das ablegen. Lange hat es gedauert. Erst schien es ihr, als ob sie selbst die Kleidung wäre. Als ob sie in ihre Haut eingewachsen wäre. Die Ablösung tat weh. Sie schmerzte. Und Angst ergriff sie. Ein kleines Mädchen schrie „Schaut, die Kaiserin ist nackt“. Und dann schämte sie sich. Stand da. Ohne Kleider. Nackt und bloß.“ Die Buchbeschreibung hat mich neugierig gemacht, liebe Adelheid Ohlig, danke!

    Artikel: Was hat meine Kleidung mit mir zu tun?

  • Ina Praetorius sagt:

    @Antje: Das "Wir" in meinem Gesprächsbeitrag ist dasselbe, von dem auch die Autorinnen des "Sprung" extensiv Gebrauch machen: Wir, die wir uns nicht als "die Diskriminierten" verstehen, sondern als Protagonistinnen (das Wort "Inhaberinnen" leuchtet mir weniger ein) der notwendigen zivilisatorischen Transformation. Obwohl ich das Bild des "Sprungs" zutreffend finde, sage ich jetzt trotzdem bewusst "Transformation". Denn mir kommt in diesem Text eben doch entgegen, was ich zwar manchmal auch mit Lust empfinde, was ich aber mit der ökologisch bedingten Dringlichkeit des aktiven Weiter-Handelns auf Dauer doch nicht für vereinbar halte: ein selbstzufriedenes Sich-ausruhen auf der Gewissheit, dass "wir" durchschaut haben, wie es wirklich ist. Trotzdem stimmt, was du sagst: Es geht nicht um ein "Erst - und dann", sondern um ein Re-Framing dessen, was schon lange geschieht. Aber es gibt da dennoch eine Ungeduld in mir, die sich nicht vertreiben lässt: Ja, ich finde, dass zwar nicht alle, aber einige von uns darüber nachdenken sollten, was Christine Lagarde jetzt tun soll. Dazu braucht es mehr als die Genugtuung darüber, dass sie selbstverständlich nicht "die erste Frau", auch nicht die zweite oder dritte im globalen Finanzgebäude ist. Es braucht mehr, nämlich spezifisches Wissen, also Antworten auf Sachfragen: Was ist überhaupt Geld? Wie funktioniert es? Wie lässt es sich lebensfreundlich handhaben? Brauchen wir neue Währungen, eine veränderte Kooperation zwischen Geldschöpfung und Fiskalpolitik? Neue Kompetenzen oder auch die Wiederbelebung alter Kompetenzen für den Staat? Solche Denkprojekte gehen über die Reflexion des Geschlechterverhältnisses hinaus. Ich will mich ihnen jetzt zuwenden.

    Artikel: Der Sprung / Salto della specie

  • Luisamaria grax sagt:

    Frauen sind schwanger. Frauen gebären. Frauen pfllegen kranke. Frauen hüten die kleinen kinder. Frauen arbeiten zu minderlöhnen. Frauen helfen betagten. Frauen putzen und kochen. Frauen sind schön. Frauen haben supergute ideen. Frauen sind kraftvoll und kreativ. Frauen sind würdig. Frauen wagen wut und kampf für ihre rechte. Frauen erobern sich ihren platz. Frauen lassen ab von angst und manipulation . Frauen zeigen sich in ihrer kraft. Frauen sind schwestern, jede eizigartig mit ihren begabungen und ihrem weg. Frauen dienen dem leben. Frauen unterstützen sich in diesem bewusstsein. Diese gedanken kommen mir beeim lesen der geschichte.

    Artikel: Geburtshilfe - eine Weihnachtsgeschichte

  • Rita B sagt:

    ich erinnere mich an ein Buch aus den 70er Jahren aus der Feministinnen Szene, da waren mehrere Seiten mit Fotos von Vulva. Obwohl mein Büchergestell vollgepackt war, fanden meine Söhne dieses Buch ...... ich weiss nicht ob ich ein bisschen prüde bin, aber unsere Vulva beherbergt doch auch viel Intimität und es macht Sinn dass sie nicht sichtbar ist am nackten Körper. ich zeig sie gerne aber nicht einfach in der Oeffentlichkeit.

    Artikel: Die Vulva und das Heilige

  • Antje Schrupp sagt:

    (Oder, anders gesagt: Die eigentliche Herausforderung ist nicht, Kamala Harris zu sagen, was sie jetzt tun soll, sondern sie und die Welt dazu zu bringen, sie als Protagonistin, nicht als Gleichgestellte anzusehen, wobei sich natürlich noch herausstellen muss, ob sie wirklich eine Protagonistin des Wandels ist, in dem Sinne, wie es in dem Text steht).

    Artikel: Der Sprung / Salto della specie

  • Antje Schrupp sagt:

    @Ina - Ja, genau das machen wir schon alles, wir sind dabei. Ich denke, es sind zwei Ebenen. Das Manifest der Italienerinnen betrifft die symbolische Ebene. Es ist nämlich beides wichtig, dass wir diese konkreten Dinge tun UND dass wir sie entsprechend "Framen", wie man es heute sagen würde, also dass die symbolische Ordnung dabei thematisiert und ebenfalls verändert wird. Da du Kamala Harris erwähnst, - auch sie wird leider fast durchgängig unter gleichstellungs-emanzipatorischen Vorzeichen "geframed", also "als erste Frau". Von daher wäre meine erste Antwort: Passen wir auf, dass wir uns und andere Frauen tatsächlich konsequent als Protagonistinnen benennen und entsprechend darstellen. Die Emanzipationslogik ist ansonsten ja auch deshalb so verführerisch und haltbar, weil sie ein feministisches "Wir" ermöglicht - unter Diskriminierungsaspekten können "wir" eine Gruppe sein und solidarisch miteinander. Jenseits der Diskriminierung sind wir keine Gruppe mehr. Das "Wir", das du ansprichst - ist sicher nicht das "Wir Frauen". Was ist es "Wir bzw-Leserinnen"? "Wir", die wir Care im Blick haben? Ist es feministische Politik sich zu überlegen, was Christine Lagarde tun soll? Ich denke, es ist keine Reihenfolge in dem Sinne - ERST verstehen wir, dass es nicht um Gleichstellung geht, und DANN überlegen wir, was wir dann tun. Sondern wenn wir den Rahmen der symbolischen Ordnung ändern, dann verstehen wir erst, was wir die ganze Zeit schon tun (oder womit wir manchmal auch Zeit verschwendet haben).

    Artikel: Der Sprung / Salto della specie

  • Ina Praetorius sagt:

    Dann haben wir jetzt also geklärt, dass der Protest gegen Diskriminierung und die Forderung nach Einbezug in die herrschende Ordnung demütigend sind. Denn in Wahrheit sind Frauen Inhaberinnen der rettenden Care-zentrierten Zivilisation und damit Protagonistinnen des notwendigen Zivilisationssprungs. Das zu erkennen, ist ein wichtiger Schritt. Egalitaristinnen, die sich immer noch reflexartig als "Verliererinnen" der zahlreichen Krisen sehen, lesen und verstehen hoffentlich diesen Text. - Und was kommt dann? Dann setzen wir unsere politische Gestaltungskraft in Bewegung: Was wollen wir in Zukunft "produktiv" nennen? Wie bringen wir unseren Care-zentrierten (Re?)Produktivitätsbegriff in eine breite öffentliche Diskussion? Wie kann eine geldgetriebene Wachstumslogik sich in Klimafreundlichkeit transformieren? Wie sieht eine fürsorgliche Geldschöpfung aus? Was soll Christine Lagarde jetzt tun? Wie lassen sich die berechtigten monetären Ansprüche von Care-Tätigen weltweit mit den Zielen des Green Deal verbinden? Welche intelligenten Schritte schlagen wir Kamala Harris vor, und wie kommen wir mit ihr ins Gespräch? Welche Care-zentrierten Entwürfe unserer globalen Zukunft gibt es in Indien und China, in Taiwan, im Kongo und in Chile? - - - Ich bin dabei, wenn wir Schritt für Schritt vorangehen, genüsslich tätig im Sinne unseres zivilisatorischen Erbes, gerade auch heute, am 25. Dezember 2020, am Fest der Geburtlichkeit im Jahr der COVID-19 Pandemie.

    Artikel: Der Sprung / Salto della specie

  • Simone Curau-Aepli sagt:

    So wird es gewesen sein. Eben eine Menschwerdung mit allem was dazugehört. Da gibt es nichts zu beschönigen und doch ist es das grösste Wunder, das ich selber erleben durfte. Danke für diese geerdet Weihnachtsgeschichte.

    Artikel: Geburtshilfe - eine Weihnachtsgeschichte

  • Anja sagt:

    Danke! Ich hab das Projekt auch gesehen und mich darüber gefreut! Es ist wirklich wichtig, dass Frauen das Gute und Wünschenswerte (wieder) selbst in die Hand nehmen und es zeigen, sagen und ehren. Das ist mindestens genau so wertvoll wie das Benennen und Ablehnen/Ausgrenzen des Unzumutbaren!

    Artikel: Die Vulva und das Heilige

  • Bari sagt:

    JA, es wird Zeit, das die Profitorientierung im Gesundheitswesen in die Tonne getreten wird. Denn das geht auf Kosten des Pflegepersonals, das ohne Rücksicht immer mehr aufgebrummt wird und verdienen tun die Chefs und Anleger. Stattdessen eine gute Bezahlung für die, die Arbeit machen und keine Hierarchien die Arbeit verteilen , statt sie zu tun.

    Artikel: Corona & Carearbeit - Leider nichts dazugelernt…

  • Bari sagt:

    DANKE! genauso irdisch war die Geburt so wenig heile Welt wie dieses Weihnachten.

    Artikel: Geburtshilfe - eine Weihnachtsgeschichte

  • claudia von der tauber sagt:

    Kommentarlos gut!

    Artikel: Die Vulva und das Heilige

  • Antje Schrupp sagt:

    Ja das kann man vielleicht machen, ich bin aber kein großer Fan von geschlechterneutralen Begriffen, weil bei uns Neutralität und das Männliche traditionell dasselbe sind. Also ich glaube nicht, dass geschlechtsneutrale Begriffe uns aus dem Dilemma der falschen symbolischen Ordnung des Patriarchats befreien können.

    Artikel: Schwangerwerdenkönnen und Geschlechtlichkeit

  • Rike Riccarda Reutlinger sagt:

    fran kann schon mal anfangen, genderneutrale Begriffe zu erfinden oder zu verwenden, wie zB "fran" oder "sier" oder "Matter" oder zB Fahrin statt Fahrer und zur Doppelverwendung Fahr/in/er statt sich Berufsbezeichnungen wie Pfleger statt Krankenschwestern und Krankenbrueder aufdruecken zu lassen. herzl. Gruesse und Wuensche von UlRike R. Reutlinger

    Artikel: Schwangerwerdenkönnen und Geschlechtlichkeit

  • Kristin Flach-Köhler sagt:

    Liebe Kathrin, genau so könnte es sich zugetragen haben, die Geschichte der Geburt Jesu. Vielen Dank für die Beschreibung von Details und vor allem die der subversiven Kraft der Frauen, die doch immer wieder, wenn etwas Neues in die Welt kommen will, so nötig ist. Ich werde sie Heiligabend vorlesen, Danke!

    Artikel: Geburtshilfe - eine Weihnachtsgeschichte

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Liebe Kathrin Danke für diese schöne Geschichte, in der du Blut, Rotz und Schleim nicht verschweigst und der Hebamme, welche sicher auch Maria gehabt hat als als Unterstützung, zu ihrem gebührenden Recht verhilfst! Hättest du die 'Ruach Gottes' auch noch richtig als 'Hlg. Geistkraft' übersetzt, wäre deine Geschichte perfekt! Sei herzlich gegrüsst von Esther.

    Artikel: Geburtshilfe - eine Weihnachtsgeschichte

  • G.Wiegand sagt:

    Inhaltlich und stilistisch atemberaubend (man vergisst tatsächlich Luft zu holen beim Lesen) gut geschrieben!

    Artikel: Der Sprung / Salto della specie

  • Juliane Brumberg sagt:

    Ich stimme Euch zu, gegenseitiger Respekt ist selbstverständlich die Voraussetzung für eine Freundinnenschaft und für eine Affidamento-Beziehung. Und der Begriff Augenhöhe ist in der Tat schwammig. Für mich ist der Unterschied zwischen einer Freundinnenschaft und einer Affidamento-Beziehung der, dass es in der Affidamento-Beziehung gezielt um das 'Mehr' einer anderen Frau geht, an dem ich wachsen möchte. Sie muss also in bestimmten Bereichen ein 'Mehr' haben, mir etwas voraus haben, weshalb ich mich mit ihr (noch) nicht auf 'Augenhöhe' fühle. In einer Freundinnenschaft kann die Freundin auch ein 'Mehr' haben, an dem ich wachsen kann, aber das ist nicht der ausschließliche Grund, weshalb ich mit ihr befreundet bin. Da gibt es noch viele andere Dinge, die ich mit ihr teile und mit ihr unternehmen möchte usw. Diese andere Dinge spielen aber in einer oder für die Affidamento-Beziehung nicht so eine Rolle.

    Artikel: Aus der Zeit gefallen (4) - Wir sprechen über "Schlafen werden wir später" von Zsuzsa Bánk

  • Antje Schrupp sagt:

    Zum Affidamento - Liebe Dorothee, ich stimme dir einerseits zu, ich denke auch, dass "Affidamento" und gegenseitiger Respekt oder "Augenhöhe" in einer Freudschaft sich nicht gegenseitig ausschließen, ich stelle mir eine Freundschaft ohne das gegenseitige Anvertrauen von Begehren auch recht langweilig vor. Das ist es ja gerade, was eine Freundschaft spannend macht: Unterschiede in "Affidamento" umzuwndeln anstatt sie in Streit und Trennungen zu verwandeln (wenn man das gemeinsame Begehren in einem Konflikt findet, kann es gelingen, und gerade in einer Freundschaft, wo man sich mag und sympathisch ist, stehen die Chancen dafür doch eigentlich gut). Allerdings würde ich sagen, gibt es Affidamento auch ohne diese Gegenseitigkeit und damit auch ohne Freundschaft, zum Beispiel durch die Autorität einer Autorin, die ich gar nicht kenne, oder zu einer Person, die die Beziehung zu mir verweigert, vielleicht auch wegen Arroganz oder weil sie "von oben herab" auf mich blickt, von der ich aber dennoch etwas für den Weg meines Begehrens lernen kann. Ich würde sagen: Freundinnenschaft und Affidamento passen prima zusammen, ob es auch (gute) Freundinnenschaft ohne Affidamento gibt, bin ich mir grade nicht so sicher, aber es gibt jedenfalls auch Affidamento ohne Freundinnenschaft... Aber generell: Ich fand euer Gespräch sehr interessant, ob wohl ich das Buch nicht kenne!

    Artikel: Aus der Zeit gefallen (4) - Wir sprechen über "Schlafen werden wir später" von Zsuzsa Bánk

  • Dorothee Markert sagt:

    Euren Podcast über Freundinnenschaften habe ich mir sehr gern angeschaut. Diesmal kannte ich endlich auch einmal das Buch, um das es ging. Sehr beeindruckt hat mich, dass ihr das Unbehagen darüber zugelassen habt, dass sexuellen Beziehungen auf jeden Fall Priorität eingeräumt wird, auch dort, wo sie längst nicht so tragend und unterstützend sind wie die Freundinnenschaft. Und dass die Freundinnenschaften dadurch sehr oft auseinandergebracht werden, auf jeden Fall räumlich, aber manchmal auch komplett, falls die jeweilige Liebesbeziehung es nicht aushält, dass eine noch andere zentral wichtige Beziehungen im Leben hat. Ich glaube übrigens nicht, dass das bei gleichgeschlechtlichen Liebespaaren grundlegend anders ist. Auch da ist es ein besonderes Glück, wenn eine Liebesbeziehung es ermöglicht, dass beide sich entwickeln und miteinander, voneinander und auch von anderen lernen. Woher die große Konfliktscheu in Freundinnenschaften kommt und warum man die andere eher in ihr Unglück rennen lässt, als ihre Entscheidungen zu kritisieren, habt ihr eigentlich indirekt auch beantwortet. Denn meiner Erfahrung nach ist es eher selten, dass eine Freundinnenschaft sich durch einen durchgestandenen Konflikt vertieft, häufiger zerbricht sie daran. Womit ich in eurem Podcast aber gar nicht einverstanden bin, ist die Behauptung, Beziehungen mit der Affidamento-Qualität bzw. Beziehungen, in denen weibliche Autorität eine Rolle spielt, seien nicht "auf Augenhöhe", (wobei diese Metapher ja sowieso ein sehr ungenaues Schlagwort ist). Wachsen am "Mehr" einer anderen Frau ist überhaupt nicht möglich ohne gegenseitigen Respekt und beidseitigen Gewinn, da ja beider Begehren in die gleiche Richtung geht. Ich denke, die Scheu, weibliche Autorität wirksam werden zu lassen, ist das patriarchale Element in Freundinnenschaften, der Grund dafür, dass, wie Anne es ausdrückte, dort nichts vorangeht, dass sie beide in ihren Glaskugeln bleiben. Ich habe auch solche Freundinnenschaften, vor allem mit Frauen, die ich von ganz früher her kenne. Und die will ich auch nicht verlieren. Doch ich bin heilfroh um die anderen Frauenbeziehungen, in denen ich etwas lernen und andere dabei unterstützen kann, ihr Begehren in die Welt zu bringen.

    Artikel: Aus der Zeit gefallen (4) - Wir sprechen über "Schlafen werden wir später" von Zsuzsa Bánk

  • Daniela Ghielmetti sagt:

    Der Sport ist wichtig und die Fluggesellschaften und und und... Ich denke, dass ein BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN NUR FÜR FRAUEN (ab 18 Jahren) eingeführt werden muss. Wer sonst macht all die Care-Arbeiten?

    Artikel: Corona & Carearbeit - Leider nichts dazugelernt…

  • Katja Dobrocsi sagt:

    Hallo Kathleen und Ihr anderen, ich habe euch noch nicht angeguckt/zugehört, aber ich muss gleich mal loswerden, dass sich gerade sowas wie ein Kreis schließt: Ich habe heute Nachmittag ein anderes Buch von Zsuzsa Bánk angefangen, Sterben im Sommer. Es gibt viele Parallelen zum ungarischen Teil meiner Familie, und ich kann nur ganz langsam lesen. Und jetzt finde ich euren Beitrag. Das finde ich schön - und bin gespannt. Herzliche Grüße Katja

    Artikel: Aus der Zeit gefallen (4) - Wir sprechen über "Schlafen werden wir später" von Zsuzsa Bánk

  • Cornelia Roth sagt:

    Vielen Dank, Anne! Du hast recht, in der Klimabewegung sind viele junge Feministinnen und Feministen unterwegs. Ich höre die geschlechtergerechte Sprache auf den Demonstrationen, ich sehe die vielen Sprecherinnen und die weiblichen Gesichter der Bewegung. Und das schlägt sich auch in den Diskussionen nieder. Zum Beispiel habe ich an einer "Planungszelle" teilgenommen, in der - von Fridays for Future organisiert - ausprobiert wurde, wie zufällig zusammengewürfelte Teilnehmer*innen lösungsorientiert über eine CO2-Steuer diskutieren. Wir waren zwei Frauen und zwei Männer. Bei uns zwei Frauen war eine Priorität eine Vorab-Folgenabschätzung - also ein vorausschauendes Denken, das Frauen im Umgang mit Kindern und einem Haushalt seit Jahrhunderten gewöhnt sind. Die beiden Männer hatten andere Prioritäten. Unsere Priorität könnte man ein Ergebnis weiblicher Denkkultur nennen, sie ist unverzichtbar. Was ich in meinem Artikel meine, ist der feministische Diskurs. Da kommen Klimawandel und die Natur, finde ich, eher am Rande vor - fast ein bisschen wie "mitgemeint". Ich glaube das hat mit einer Spannung im feministischen Diskurs zu tun, wenn es um "Natur" geht, nämlich was ist dann bitte "natürlich"? Das plagt uns ja dauernd. Auch wenn auf einer ganz allgemeinen Ebene schon lange geklärt ist, dass die Gegenüberstellung von Natur und Kultur Quatsch ist (siehe Ina Praetorius Arbeiten). Was ich überlege, ist, ob man die Mitlebewesen unter dem Motto "Müssen wir anders behandeln und für sie Sorge tragen" sehen kann. Kolonialisierte Völker haben sich meines Wissens dagegen verwahrt. Sie verlangen Respekt und Wiedergutmachung vor der Fürsorge. Manche Menschen haben automatisch solch eine respektvolle Haltung gegenüber den Mitlebewesen, verbunden mit Liebe. Aber die passenden Worte dafür finde ich sind noch nicht klar. Auch, welchen Platz das Wort "Verbundenheit" dabei hat. Liebe Barbara, liebe Sammelmappe, danke für Eure Kommentare!

    Artikel: Klimagerechtigkeit ist feministisch!

  • Ute Plass sagt:

    Ja: "Leider nichts dazu gelernt" oder: Es war Einstein, der gesagt hat: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

    Artikel: Corona & Carearbeit - Leider nichts dazugelernt…

  • Sammelmappe sagt:

    Mir wird nach dem Lesen deines Artikels sehr bewusst, dass es in dieser Hinsicht Kreise gibt, die sich schließen und Wege, die sich trennen bzw. schon vor langer Zeit getrennt haben. Und irgendwie merke ich jetzt, dass das auch ein nachvollziehbarer Zusammenhang ist. Manchmal gehen Dinge verloren und manchmal bekommen sie eine neue Funktion. Will mir gerade selbst damit sagen, dass es zwar traurig ist, immer wieder von Neuem beginnen zu müssen, aber dass das auch Begleiterscheinung eines lebendigen Prozesses ist.

    Artikel: Klimagerechtigkeit ist feministisch!

  • Birgit Ertl sagt:

    Traurig und wahnsinnig ärgerlich, wie miserabel das für die Betroffenen nach wie vor läuft. Ohne sie würde doch gar nichts mehr gehen!!!

    Artikel: Corona & Carearbeit - Leider nichts dazugelernt…

  • Adelheid Ohlig sagt:

    Leider so wahr, und zum schämen: das reiche Deutschland geizt. Schrecklich. Wo bleiben die Gewerkschaften?

    Artikel: Corona & Carearbeit - Leider nichts dazugelernt…

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Cornelia, vielen Dank für deinen Artikel. Er behandelt ja auch das Thema, das ich in einem Artikel - nur 3 Tage vor dir veröffentlicht - behandle. Du beleuchtest es ein bisschen von einer anderen Seite. Mir ist durch den Kommentar von Antje unter meinem Text bewusst geworden, dass ich mein feministisches Denken und Fühlen in die Klimabewegung trage, dass ich das aber in meinem Text - trotz der Länge - kaum thematisiert habe. Ich merke immer mehr, wie wichtig genau diese Reflexion wäre. Meine Erfahrung bisher in der Klimabewegung ist, dass es aktuell sehr viele Feminist*innen in der Klimabewegung gibt. Ich erlebe es aktuell sogar so, dass die Menge so groß ist, dass alte Machtstrukturen, die immer wieder wie automatisch ;) (ich weiß, dass das natürlich nicht automatisch verläuft) etabliert werden wollen, tatsächlich aufgebrochen werden und so viel neuer Wind reinkommt, also feministisches Denken gerade hier in der Praxis ankommt. Das bringt natürlich viele Konflikte mit sich. Wenn zB Redequotierungen in Sitzungen eingeführt werden, dann empfinden das bisher unmarkierte (alte weiße... ja sry aber isso) Männer als "diskriminierend" und "demütigend". Lauter Baustellen tun sich auf, die diese Männer zudem dann als unnötig und "nicht der Sache dienend" beiseite geschoben haben wollen. Auch in der Arbeitsweise, die hierarchielos und vertrauensvoll verlaufen soll, kochen Konflikte hoch. Oft höre ich von diesen Männern, die ihre alten Denk- und Arbeitsstrukturen mit hineintragen, dass sie bisher immer so gearbeitet hätten und dass das immer zum Erfolg geführt hätte und sie derlei Konflikte überhaupt nicht kennen und daher für nicht zielführend halten. Hmmm. Klar, wir wissen alle, wie diese Arbeitsweise aussieht/aussah, ich muss das jetzt nicht benennen. Und sobald das Wort "Feminismus" fällt, geht ein laut vernehmbares Schaudern und Zucken durch diese Männerkörper. Sie verstehen den Zusammenhang nicht, dass also Klimagerechtigkeit genau hier beginnt. "Die Sache" ist nicht von einem neuen Miteinander im politischen Agieren zu trennen. Und der Care-Ansatz (du sprichst in deinem Artikel ja auch oft von "Sorge", oder verstehe ich deinen Kommentar unter Julianes gerade falsch? Care-Krise... Care-Ansatz... hmmm... das kann sein...) ist von Klimagerechtigkeit genauso wenig zu trennen. Nur wenn wir Care also Sorge und Fürsorge für die Welt in den Mittelpunkt des Nachdenkens rücken, ist Klimagerechtigkeit überhaupt erreichbar. Ich versuche seit einem Jahr, dieses Denken in die Klimabewegung zu tragen, und aktuell schaffe ich das nur hin und wieder, wenn andere Feminist*innen in der Bewegung mir beipflichten. Gefühlt ist es noch ein langer steiniger Weg, ich lasse hier viele Energien und habe mich innerlich so eingestellt, dass ich mich an sehr kleinen Fortschritten überproportional erfreue und mir so die verlorenen Energien zurückhole. Zudem überwiegen gefühlt immer noch Technozentrist*innen in der Klimabewegung. Also in meiner Alterskohorte. Bei den Jungen - auch bei den jungen Männern - ist da schon Vieles sehr anders, und das ist wahnsinnig schön und inspirierend, und gibt mir ehrlich gesagt sehr viel Hoffnung. Ich frage mich gerade, ob es nicht eher eine Frage der Thematisierung und der Bewusstwerdung ist, wie ich anfangs schon andeutete. Oder auch ein Überlesen. Ina spricht immer von dem beschädigten Planeten, sie denkt ihn schon immer mit. Ich glaube, oder ich empfinde es so - dass ihr Denken da eine tiefe Wurzel hat. Sofern feministische Politik sich nicht nur um sowas wie Quotierung in Daxvorständen dreht, sondern Soziales mitdenkt, die Differenz mitdenkt, materialistisch angelegt ist, arbeitet es meines Erachtens der Klimabewegung immer zu. Das Mitwelt-Denken ist übrigens in der Klimabewegung schon vollstens angekommen. Das haben die Aktivit*innen im Danni die letzen Wochen eindrucksvoll bewiesen, wie sehr sie ihre Mitwelt nicht mehr nur als "benützbares Drumerhum" sehen. Dieses Denken ist noch nicht so alt, aber es kam eigentlich schon mit Greta mit rein. Ich glaube, das Thema "Natur" ist eher in linken, kapitalismuskritischen Kreisen blockiert. Wo ich eigentlich eher herkomme, und wo ich mit dem Begriff "Weltverbundenheit" bis heute nur spöttische Kommentare ernte. Um mal zum Abschluss für mich in dieser interessanten Diskussion zu kommen... ich finde, wichtig ist, Klima und Feminismus bewusst zusammenzudenken, also im Grunde zusammenzudenken, was eh zusammengehört, hehe, und dann kommen wir ein gutes Stück vorwärts - oder, wie Luisa Muraro in dem kleinen Video sagt, das Antje dankenswerterweise vor ein paar Tage übersetzt und reingestellt hat - in die Tiefe. :)

    Artikel: Klimagerechtigkeit ist feministisch!

  • Gesa Ebert sagt:

    Vielen Dank, liebe Antje Schrupp für diese Übersetzung! Gesa Ebert, Schorndorf

    Artikel: Luisa Muraro: Die Gegenwart denken

  • Ina Praetorius sagt:

    Ihr könnt ja wieder mal das lesen und es gleich noch an Carola Rackete schicken :-) https://www.boell.de/de/2015/02/19/wirtschaft-ist-care-oder-die-wiederentdeckung-des-selbstverstaendlichen?dimension1=ds_feminismus

    Artikel: Klimagerechtigkeit ist feministisch!

  • Barbara Streidl sagt:

    Liebe Cornelia, vielen Dank für den Text - ich freue mich über die neuen Betrachtungen der Wörter (deine Gedanken zu "Rücksicht" sind sehr spannend und regen zum weiteren Nachdenken an). Dass der Graben zwischen heutiger Feminist*innen-Generation und den Klima-Aktivist*innen groß ist, will ich verneinen (wegen mir selbst) und muss ich bestätigen, leider, zum Beispiel über das Buch "Handeln statt hoffen" von Carola Rackete, das mich umtreibt. Ich stutzte bei der Berufsbezeichnung, Rackete ist - so mein Sprachgebrauch - Kapitänin. Sie selbst bezeichnet sich aber als Kapitän: "Ja, Kapitän. Nicht Kapitänin, ich mag das Wort nicht. Kapitän ist die korrekte Bezeichnung für diesen Beruf. Und ich weiß ja, dass ich eine Frau bin." Da ist er, der Graben.

    Artikel: Klimagerechtigkeit ist feministisch!

  • Ursula sagt:

    Liebe Rava, Einen Kongress fände ich sehr schön! Weil ich brauche gerade Sprache und Austausch, um meiner erlebten Ohnmacht Raum zu geben. (Ich kämpfe auch hier mit den Worten und bin etwas unsicher, ob ich ihr Raum geben will oder ob ich sie nur einfach nicht ganz alleine wahrnehmen will). Und ich teile Deine Auffassung, dass die Abwehr von Ohnmachtsgefühlen einer Verbundenheit mit „anderen“ im Weg steht und damit auch der Solidarität, die nötig ist, um gesellschaftliche Strukturen zu schaffen, die gegenwärtigen Opfern Schutz bieten. Dieses Jahr - vor Corona - wollte ich eigentlich im Rahmen von Seminaren und Treffen zur „Gewaltfreien Kommunikation“ loslegen und mich mit all meinen Widersprüchen und Unfertigkeiten mit meiner Sexuellen Gewalterfahrung zumuten (mehr zu diesem Wort später), weil, naja, weil ich mich verbunden fühlen will, nicht besonders, und weil, naja, weil dieses – das ist so schlimm, das überfordert alle – dazu führt, dass ich total wütend bin, weil meine Realität in unserer Gesellschaft so einfach ignoriert werden kann. Und das, wo ich weiß, dass diese Realität von vielen geteilt wird, und die, die sie heute erfahren, immer noch vollkommen ohnmächtig sind. Die Regeln und Strukturen zu Aufenthaltsbestimmungsrecht und Umgangsrecht bei Verdacht auf sexuelle Gewalt in der Familie würden mir heute wie damals keinen Ausweg lassen. Ich sage bewußt „zumuten“ und ich trenne den Text zu meinem Hintergrund bewußt mit Triggerwarnung. Ich habe jahrzehntelang Dissoziation gebraucht, um mich vor meinem Schmerz und der Erfahrung absoluter Ohnmacht zu schützen. Ich will anderen ermöglichen, sich bewußt dazu entscheiden hinzusehen und zuzuhören, obwohl ich gleichzeitig mit den Zähnen knirsche und wütend bin, wenn irgendwer sich auch politisch für eine friedlichere Welt einsetzen will und sexuelle Gewalt in private Therapieräume verbannt.... Ich würde auf jeden Fall versuchen, bei einem Kongress dabei zu sein! Ursula ***triggerwarnung - hintergrund*** Ich bin inzwischen 53 Jahre alt, bin von meinem Vater von Anbeginn meines sprachlichen Denkens vergewaltigt und mißbraucht worden (dieses Wort finde ich zutreffend, anders als viele), und habe in meinen 20ger und 30ger Jahren alles soweit verarbeitet, dass ich über lange Zeiträume ein ziemlich glückliches Leben führen kann, ohne dass ich an meine Ursprungsfamilie denken muss. Da gehörte dazu, dass ich mich sehr bewußt entschieden habe, dass es auch gut ist, sich nicht an alles zu erinnern und im Alltagsleben immer ein wenig zu zweifeln, ob es denn wirklich passiert ist, weil der psychische Zustand, den ich über ein paar Wochen erlebt habe, als es mir und meinem Körper jederzeit voll bewußt war, einfach unerträglich war. Ein Hoch auf die Dissoziation! Doch nun ist es anders. Ich bin gerade wegen einer Rücken-OP krankgeschrieben und habe Zeit. Die akuten Rückenprobleme waren verwoben mit Körpererinnerungen und mit der Ohnmacht wegen Corona, und alles zusammen hat dazu geführt, dass konkrete Erinnerungen zusammen mit dem fundamentalen Erlebnis absoluter Ohnmacht nach oben kamen, und - heute kann ich sie aushalten, sie überschwemmen mich nicht mehr! ***

    Artikel: Sexuelle Gewalt: Wi(e)der das Schweigen. Wider die Diktatur der Heilung

  • Cornelia Roth sagt:

    Ja, Juliane, das glaube ich auch. Nur scheint mir in der feministischen Diskussion der Klimawandel keine so grosse Rolle zu spielen wie zum Beispiel die Care-Krise. Und das glaube ich hängt zusammen mit feministischen Blockaden beim Thema "Natur".

    Artikel: Klimagerechtigkeit ist feministisch!

  • Juliane Brumberg sagt:

    Dein Artikel, Cornelia, animiert mich, den Satz, "Feminismus ist gut für Frauen, Kinder und Männer" den ich mantramässig wiederhole, zu erweitern: "Feminismus ist gut für Frauen, Kinder, Männer und die Welt". Denn ohne Sorge für die Welt/Natur ist weder für Frauen, noch für Kinder und Männer irgendwas gut. Meine Erfahrung ist die, dass die meisten Feministinnen das große Ganze im Blick haben und versuchen, die Welt auf vielen Ebenen zu gestalten.

    Artikel: Klimagerechtigkeit ist feministisch!

  • Juliane Brumberg sagt:

    Dein Artikel bewegt mich sehr, Anne, insbesondere, dass es Dir so wichtig ist. nicht nur politisch zu denken sondern auch zu fühlen. Ich vermute, dass politische Fühlen kann ganz andere Energien mobilisieren und dann ist es wichtig, nicht im Fühlen stecken zu bleiben, sondern über das politische Denken Lösungen zu finden. - Was mir sehr gefällt, ist Dein Gedanke, Kindern schon früh ihre Weltverbundenheit zu vermitteln.

    Artikel: Wie ich politisch geworden bin. Eine Nachverfolgung in drei Schritten

  • Anne Newball Duke sagt:

    Ja, sehr inspirierend... unsichtbares politisches Handeln... das klingt jetzt nach in mir... :) Danke, voll gut!

    Artikel: Wie ich politisch geworden bin. Eine Nachverfolgung in drei Schritten

  • Antje Schrupp sagt:

    Danke, Anne, für die Erklärung, ich wäre sehr gespannt auf den zweiten Teil. Es berührt ja auch ein wenig die Frage, welche Art von Politik beschreibbar und erzählbar ist, weil sie von Leuten, die in unserer Kultur geprägt sind, "wiedererkannt" wird, und welche Art des politischen Handelns und Sprechens "unsichtbar" bleibt, weil sie zwar wirkt, aber schwer in Narrativ passt. Es ist ja auch spannend, wie wenig wir alle hinterher über die zweite Denkumenta geschrieben haben, fast so, als würde etwas verlorengehen, indem man es in Worte fasst. Also ich meine, es würde sich lohnen, dem auf der Spur zu bleiben. Vielleicht hängt das auch mit den unterschiedlichen Bedeutungen von "radikal" zusammen, die Fidi anspricht....

    Artikel: Wie ich politisch geworden bin. Eine Nachverfolgung in drei Schritten

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe @Antje, gute Frage. Ich glaube, du hast mir klargemacht, dass ich da mit der Analyse noch nicht wirklich fertig bin. Zunächst ist es eine eher weniger bewusste Entscheidung gewesen, die Denkumenta außen vor zu lassen. Nachgedacht darüber habe ich anfangs schon, aber es ist nochmal ein großes Fass und hätte den Text noch länger gemacht, deswegen habe ich das beiseite geschoben und wollte den drei Fäden folgen, die gerade sehr intensiv zum Greifen und Aufschreiben da waren. Die Denkumenta ist in allem, was ich schreibe, enthalten. Auch in dem Text. Zum Beispiel ist dieser Gedanke des "Abholens" mittlerweile so tief in mir verankert, seit ich von diesem in einem Diotima-Buch (ich weiß gerade nicht welches, eines der ersten) gelesen habe. Da ging es darum, dass in die Frauengruppen in Italien sehr unterschiedliche Frauen kamen, mit sehr sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Loslaufpunkten in Bezug auf feministisches Denken und Leben. Und es gab dann anfangs und sicher auch zwischendurch immer Konflikte: Frauen kamen nicht wieder, weil sie sich und ihre Erfahrungen nicht "enthalten" und mitgedacht oder übergangen fühlten. Darüber haben die Frauen dann ausführlich debattiert und nachgedacht, weil es ja nicht der Sinn war, nur für wenige, möglichst homogene Frauenerfahrungen Anlaufpunkt zu sein. Ich fand das einen so wichtigen und spannenden Punkt damals. Ich höre nicht auf, darüber nachzudenken und ihn im Selberanwenden zu erproben. Kurz nach der Denkumenta hatten wir ja gesagt, es wäre schön, über die Erfahrungen und das Erleben und die Wirkung auf der Denkumenta zu reflektieren. Bisher habe ich da tatsächlich noch keinen adäquaten "Schreib-Umgang" mit gefunden. Ich glaube - jetzt hast du mich angefixt Antje, hehe, - ich würde jetzt in einem nächsten Schritt darüber nachdenken, wie ich dies in die oben gemachten Reflexionen einflechten kann. Also es ist ja schon eingeflochten, also für mich innerlich, es gehört ja zusammen, ich konnte ja nur im Zusammenspiel von "Denkumenta" (auch als Symbol für alles drumherum, deswegen Anführungsstriche) und Klimabewegung überhaupt politisch aktiv werden, ich habe es nur hier aus irgendeinem Grund hier im Schreiben noch nicht eingeflochten. Und nein, um schon mal einen Teil deiner Frage zu beantworten: das ist für mich natürlich nicht nur "Kultur", sondern Politik, und zwar mit Haut und Haaren. Aber... es ist eine andere Form von Politik, die irgendwie anders... wirkt oder.. sagen wir mal so... mein Sein anders einnimmt. Ich muss darüber wirklich besser und gründlicher über einen längeren Zeitraum nachdenken. Danke für den Anstoß. Liebe @Fidi Bogdahn, Sinn und Bedeutung von "radikal" für dich würde mich sehr interessieren!

    Artikel: Wie ich politisch geworden bin. Eine Nachverfolgung in drei Schritten