beziehungsweise – weiterdenken

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Neueste Kommentare

  • Claudia von der Tauber sagt:

    Ja ein sehr informatives Buch mit vielen beeindruckenden Fotos. Die Göttin ist mit diesen Bildern noch da. Das Buch liegt ganz Nahe an meinen Forschungen dazu. Hessen grenzt an Baden-Württemberg, wo ich im Taubergebiet forsche und ähnliche Bilder finde. Auch die Frau Holle Verehrung ist noch in vielen Sagen und Gewannnamen vorhanden. Der Kosename der Tauber ist Melusine und kommt in Geschichten und Bildern vor. Die Erde/ Frau Holle umarmt uns poetisch

    Artikel: Viele Spuren der alten Göttin

  • Ulrich Wilke sagt:

    Ein wertvoller Hinweis. Ich werde schauen, ob in Preußen auch etwas zu entdecken ist. Ebenfalls beachtenswert ist die antike Hekate; im Pergamonmuseum ist ein Steinbild von ihr.

    Artikel: Viele Spuren der alten Göttin

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Danke liebe Juliane für deinen Kurzrezension dieses Buches kurz vor 'Maria Himmelfahrt'; irgendwie die Inthronisation einer christlichen Göttin. ;-) Kürzlich ist eine wichtige Vertreterin solcher Forschungen in der Schweiz verstorben: Carola Meier-Seethaler. Hier noch ein spannender Beitrag von ihr zum Thema 'Matriarchatstheorie und feministische Geschlechterforschung: Eine Positionsbestimmung': http://www.theoriekritik.ch/?author_name=carola-meier-seethaler Und hier der Link auf ein sehr schönes Zeitdokument von 1998 mit ihr; der Sternstunde Philosophie: https://www.srf.ch/play/tv/redirect/detail/f81df00f-cf3d-451f-b6a8-5b92ecde841d

    Artikel: Viele Spuren der alten Göttin

  • Sigrid Werner sagt:

    Vielen Dank für diesen sehr guten Artikel, dem ich auch vollkommen zustimme.

    Artikel: Putin, der Böse

  • Monika Krampl sagt:

    Danke für dieses Malerinnenporträt. Sie erinnerte mich an Paula Modersohn-Becker, 1876 - 1907, deren Biographie, geschrieben von Kerstin Decker, ich vor zwei Jahren las. Was sie verbindet ist nicht ihr Malstil, sondern die Schwierigkeit als Malerin in dieser Zeit zu leben und wahrgenommen zu werden. Decker schreibt: "Jetzt am 25. Mai 1936 in der Avenue du Maine in Paris, malt - wohl zum allerersten Mal - eine Frau sich selbst: hüllenlos. Der erste weibliche Selbstakt entsteht." Ob sich die beiden Malerinnen wohl gekannt haben?

    Artikel: Bildnisse wie aus der Zeit gefallen.

  • Eveline Ratzel sagt:

    Wenn ich die Feindschaft gegen den Kriegstreiber Putin verstehen will, etwa im Vergleich mit Nixon, den Bushs etc, die ungleich mehr Verderben den Menschen in Vietnam, Irak, Lybien und vielen anderen mehr zugefügt haben, möchte ich gerade aus deutscher Sicht das Erdgeschoss verlassen und in einen tief gelegenen dunklen Keller steigen. Lediglich eine Funzel wirft ein erahnbares Licht auf tiefgelegene Ängste, Vorurteile, Rassedenken. Da ist DER RUSSE (die Russin gibt es nicht), der russische BÄR; tapsig, grob, kulturlos, gefährlich. In seiner Gefolgschaft die minderwertigen Slawen, Tschechen, Polen, DIE Jugoslawen und unter ihnen die Schlimmsten, die Fahrenden, die Zigeuner. Sehe ich hier die Millionen russischer Menschen, Opfer des 2. WK? Nein, aber DIE russischen Soldaten als Vergewaltiger deutscher Frauen. Ich sehe nicht die US-Soldaten, als Vergewaltiger, die haben UNS Nylonstrümpfe, Schokolade und Zigaretten geschenkt. Und uns vor der russischen Revolution gerettet. Wir vergessen nicht, wer die Guten und wer die Bösen sind - welche Rolle spielen da die Fakten? Irgendwie gehören die Slawen der minderwertigen Rasse an, das haben wir gründlich verinnerlicht. Und irgendwie sind sie auch dunkelhäutiger als WIR (egal ob sie das sind). Gerade haben die Sinti und Roma in Auschwitz ihrer gequälten und ermordeten Menschen gedacht. Das bleibt UNS merkwürdig fremd. Merkwürdig? (Ich erinnere an das Buch: "Europa erfindet seine Zigeuner"). Infolge des 2.WK's war fast ein Drittel der deutschen Bevölkerung auf der Flucht. Vergessen, verdrängt, tabuisiert. Nein, sie waren in UNSEREM Bewusstsein keine Flüchtlinge. Die hatten WIR allerdings auch. Das waren diejenigen Geflüchteten, die an der Aussprache zu erkennen waren: "Stanislav, wo kummsch du dann her?" Als Kind stand ich neben meiner Großmutter im Laden, wir waren an der Reihe. Die nette Bäckerfrau verkaufte uns ein Brot, es war das letzte im Regal. Hinter mir eine Stimme: "Immer die Flüchtlinge..." Wenn ich die Kellertreppe hochsteige und im Sonnenlicht die oberste Etage sehe, UNSERE Regierung, die aufrüstet, Waffen liefert, UNSERE Rüstungsindustrie, seit vielen Jahren milliardenschwer, packt mich die Wut. Das ist keine Zeitenwende, das ist Rückfall in Zeiten, als die deutsche Sozialdemokratie Kriegskrediten zugestimmt hat. Und heute hat die SPD an ihrer Seite die Grünen, während ihrer Gründungszeit Friedenspartei. Heute schreien sie so laut sie können nach Waffenlieferungen in die Ukraine. 1937 hatte Bertrand Russell mit vielen Prominenten, u.a. Einstein, einen Offenen Brief verfasst, in dem er warnte: Im Zeitalter von Atomwaffen muss unter allen Umständen ein Krieg vermieden werden, es kann nur Verhandlungslösungen geben. Ich wünsche, dass Viele mutig in den Keller gehen .

    Artikel: Putin, der Böse

  • Anna Blietschau sagt:

    Liebe Juliane, ich sehe das genau so. Nur eine Person! Und die wird ständig dämonisiert. Er ist ein Autokrat, keine Frage. Aber das sind andere auch mit denen weiter Geschäfte gemacht werden. Und der Angriffskrieg gegen die Ukraine, war nicht der erste, den wir erleben. Aber keiner wurde medial dermaßen skandalisiert und kommuniziert. Ja, bitter, aber Mariopol sieht genau so zerstört aus wie Rakka oder Aleppo. Ich denke, wir leben auf einem Kontinent mit Rußland und müssen miteinander zurecht kommen. Ach ja, Saudi-Arabien führt seit etlichen Jahren einen Stellvertreterkrieg im Jemen. Da wurden nie Sanktionen verhängt. Ich denke dann: Es gibt recht unterschiedlich kommunizierte Angriffskriege. Das ist bedenklich.

    Artikel: Putin, der Böse

  • Hannelore Hutzler sagt:

    Ich finde die Diskussion sehr interessant und weiterführend, vermisse aber einen Aspekt, den ich nicht biologistisch nennen möchte, sondern auf die Sozialisation von Menschen bezogen, die sich in ihre Körper einschreibt. Wir haben ja keine Spaltung zwischen unseren einzelnen Aspekten, sondern haben Sozialisationserfahrungen, die mit unserer jeweiligen Gesellschaft zu tun haben, in unsere Körper aufgenommen. Der Körper ist eben nicht einfach etwas Biologisches, sondern bereits selbst politisch-gesellschaftlich-biografisch geformt. M.E. gibt es eine zunehmende Verachtung dieser Erfahrungen, die sich auch in der Formung des Körpers (besonders wohl immer noch bei alternden Frauen) zeigt. Dabei wird der Körper wie eine Art Rohmaterial betrachtet und nicht wirklich mit all seinen Erfahrungen geliebt.

    Artikel: Anderes Frau-Sein verstehe ich nicht – da haben wir doch etwas gemeinsam

  • Brigitte Leyh sagt:

    Was für ein schönes Buch und was für eine schöne und produktive Beziehung von Mann und Frau uns da vorgelebt wird. Das lässt hoffen! Vielen Dank, Adelheid Ohlig.

    Artikel: Das Ende eines langen, gemeinsamen Lebens

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe Birgit, weiterdenken setzt voraus, der anderen Person zuzuhören und erstmal bei sich ankommen zu lassen, was diese gesagt oder geschrieben hat. Es ist nicht möglich, wenn eine Aussage oder ein Text nur als Stichwortgeber genutzt wird, um ihm die eigenen fertigen Theorien (oder Vorurteile) entgegenzuhalten. Wenn ich deine beiden Kommentare lese, frage ich mich, ob du Antjes Buch wirklich gelesen hast, sogar in Bezug auf meine Rezension habe ich da Zweifel. Würdest du dich auf das beziehen, was Antje und ich geschrieben haben, hättest du beispielsweise gemerkt, dass es hier um eine andere Freiheit geht, die die Ungleichheit in Bezug auf das Schwangetwerdenkönnen miteinbezieht. Und du hättest den letzten Abschnitt deines Kommentars (über deine Utopie über ein gutes Aufwachsen von Kindern) nicht so geschrieben, als ob Antje etwas ganz anderes wolle. Was du über die Aufsplitterung in die vielen Elternschaften schreibst, einschließlich der Angestellten der Reproduktionstechnik, klingt in meinen Ohren sehr giftig, nach absichtlichem Missverstehenwollen, wie es bei einem Streit typisch ist.

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Antje Schrupp sagt:

    Hallo Birgit, da ich gerade im Urlaub bin, kann ich dir leider nicht so ausführlich antworten, wie ich möchte. Ich habe allerdings den Eindruck, dass du bei der Argumentation sehr bei deinen Wünschen und Eindrücken und Wissensständen bist. Das gibt dann halt ein Ping Pong - du bist der Meinung, trans Männer, die gebären, sollten sich nicht so nennen, naja, die sind aber der Meinung, dass sie sich so nennen wollen. Da ist man dann in einem Patt, und es braucht Argumente. Ich finde die Idee ganz charmant, den Begriff „Mutter“ mit „Gebären“ zu verbinden, dann muss man ihn aber von Weiblichkeit trennen, und ich bin mir nicht sicher, ob das gelingt. Die trans Männer und nicht binären Menschen, mit denen ich das diskutiert habe, haben mir jedenfalls gesagt, dass sei den Begriff ablehnen, weil sie meine Vorstellung, Mutterschaft über Weiblichkeit hinaus zu denken, für unrealistisch halten, und ich könnte mit dem Vorschlag ja wiederkommen, wenn sich die symbolische Ordnung soweit geändert hat, für den Moment wollen sie halt nicht so genannt werden. Und ich finde, es ist schwierig, Menschen mit Begriffen zu bezeichnen, die sie explizit ablehnen, bloß weil ich selbst diesen Begriff passend finde. Das ist übergriffig. So wie ich ehrlich gesagt auch deine Belehrung darüber, dass ich das Thema nicht hätte auf die ersten neun Monate bis zur Geburt beschränken dürfen, übergriffig, wenn nicht gar unverschämt finde. Dass ich einen Aspekt in diesem Buch nicht behandle, bedeutet ja nicht, dass ich der Meinung bin, dass dieser Aspekt bedeutungslos ist. Auch hier setzt du wieder deine Wünsche absolut und akzeptierst einfach nicht, dass andere Leute, in dem Fall ich, vielleicht andere Wünsche haben und andere Schwerpunkte setzen. Echt, du musst mal ein bisschen über deinen Tellerrand rauskommen, finde ich.

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Birgit Kübler sagt:

    Liebe Antje, ich möchte nicht missverstanden werden. Das Aufbrechen von Genderfixierungen finde ich großartig und ich könnte, was mich betrifft, nicht EINE Kategorie auswählen, so oft hat sich mein Selbstverständnis und mein Begehren gewandelt. Heute kannst du mich als Cis, 60, benennen. Außerdem gehöre ich zu den Frauen, die bereits in den 90-ern Gen-und Reprotechnik beobachtet haben und dabei festgestellt haben, dass männliche Gebärfantasien ein starkes Motiv darstellten. Ich möchte auf keinen Fall transfeindlich rüberkommen, weil ich es nicht bin. Und ich möchte auch nicht homophob rüberkommen, weil ich Reproduktionstechnik generell in Frage stelle. Wenn es so wäre, dass diese speziell für homosexuelle Männer entwickelt worden wäre, wunderbar! Aber so ist es nicht. Meine Kritik an dem Begriff trans Mann, der Kinder bekommen kann/will, bezieht sich darauf, dass in diesem Begriff die biologisch (heute oft) gegebene reproduktive Differenz nicht fassbar ist. In meinen Augen ist ein Mensch, der einen anderen Menschen auf die Welt bringt, eine Mutter, eine männliche trans Mutter, eine intersexuelle Mutter... jedenfalls kein Mann und kein Vater. "Normalität" war nicht MEINE Frage, sondern du begründest deine Differenzierung der Elternfunktionen damit (S.76?) Mir geht es, im Gegenteil, nicht um solch übergeordnete Ideen, sondern um Lebenspraxis. Ich wollte eigentlich deutlich machen, dass "Normalität" immer hinterfragbar ist, wenn man sich, wie ich das tue, für LebensPRAXIS interessiert. Und da auch kann Umdenken entstehen. Dass wir über Kinder nichts wissen, stimmt nicht. Es gibt weite wissenschaftliche Bereiche, die sich mit dem Kindeswohl befassen, allen voran Pädagogik und Psychologie. Das derzeitige System ist in vielerlei Hinsicht nicht gut für Kinder. Ich schrieb ja, das ich die Kleinfamilie keinesfalls idealisieren möchte. Allerdings gibt es auch schreckliche Geschichten von Kommunen und anderen Kollektiven/Institutionen. Gemeinschaften sind sicherlich nicht per se besser. Über Matriarchate wissen wir nur sehr wenig, aber ich finde die Zeugnisse, die sie hinterlassen haben, auch toll. Genauso die wenigen bekannten, heutigen Gemeinschaften. Hier stehen "Mütter" im Zentrum, wie der Begriff uns sagt. Wie du über menschliche Reproduktion nachdenken kannst und dabei "herkömmliche Mutter" ausschließlich auf die ca. neun Monate reduzierst, in der eine Frau ein Kind, um dessen Entstehung es dir geht, in sich trägt und das dann auch noch feministisch nennst, ist mir wirklich schleierhaft. Für mich ist diese reduzierte Sichtweise auf eine Frau, die Gefäß für ein Kind ist, und mehr ist sie in deiner Abhandlung leider nicht, eine zutiefst patriarchale Sichtweise: Wem "gehört" das Kind alles und wann und worin? Wenn man der Meinung ist, die Tatsache, dass Menschenaffen in ihrer Entwicklung zu Menschen ihr Fell verloren haben, woraufhin es Frauen nicht möglich gewesen wäre, gleichwertiger Teil ihrer Gemeinschaften zu sein, sei an all der patriarchalen Misere schuld, ein biologistischer Gedanke, übersieht kulturelle Errungenschaften und Bedeutung von Frauen. (Hab das in letzter Zeit irgendwo gelesen, leider weiß ich nicht mehr wo. Es gibt so viele Theorien...) Es verkennt und übersieht, was Frauen in der Welt können, kennen und geleistet haben, auch im Hinblick auf menschliches Wohlbefinden und Freiheit. Es ist unhistorisch und verkennt kulturelle Komplexität und die Vielfalt an Kulturen. So geht es mir auch mit Frau Stoverock - es ist einfach ein Tor zur absoluten Beliebigkeit, wenn ich irgendwo aus der Geschichte ein Verhalten herauspicke und sage: Schaut, so isses eigentlich gedacht. In genannten Falle: Weibliches Begehren an und für sich als kulturelle Dominanz. Und das nimmt sie nicht einmal aus menschlichen Kulturen, sondern aus dem Tierreich! Ich kann das nur als Provokation und als Sehnsucht verstehen, Punk auf eine Art, da finde ich das gut. Aber nicht als Weltenerklärung. Und auch nicht als Utopie. Mein Wunsch: Dass Frauen und alle Menschen, die gebären können, frei entscheiden können, ob sie einem Kind das Leben schenken oder nicht. Dass sie frei ihre Beziehungen zu ihrem Wohl und dem ihres Kindes gestalten können. Und wenn sie sich von der Verbundenheit mit ihrem und der Verantwortung für ihr Kind überfordert fühlen, Menschen und Orte für ihre Kinder finden, die den Kindern wohltun. Das wäre mir schon Utopie genug.

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Antje Schrupp sagt:

    Danke Birgit für deinen langen Kommentar, ich möchte auf einige Punkte eingehen: Ich denke nicht, dass bei dem Thema neue Begrifflichkeiten nötig sind, weil sich trans Menschen sonst gekränkt fühlen - in Wirklichkeit sind sie nötig, weil wir eine gesellschaftliche Wandlung hinter uns haben, auch Dank der Frauenbewegung, die eine Realität hervorgebracht hat, in der die alte patriarchale Ordnung (Frau = Schwangerwerdenkönnen = Mutter, Familie = heterosexuelles Paar = biologisch eigene Kinder = Vater Oberhaupt der Familie) nicht mehr stimmt. Das fing schon bei der Einführung der Scheidung an, und wird jetzt mit den Reproduktionstechnologien und der Hinterfragung von Geschlechterkonzepten nochmal dynamischer. Aber ich bin der Meinung, dass genauere Begrifflichkeiten notwendig sind, um die Dinge überhaupt besprechen zu können. Warum du mit der Begrifflichkeit trans Mann ein Problem hast, habe ich nicht verstanden. Ich finde trans Männlichkeit derzeit ein recht spannendes politisches Phänomen, ebenfalls nicht binäre Geschlechtlichkeit. Für mich als cis Frau ist es intereressant, in der Beziehung zu diesen Menschen eine andere Form von Männlichkeit als die bisherige cis Männlichkeit zu erleben, und ich bin gespannt, wie sich das kulturell weiter entwickelt. Aber das alles betrifft auch deine Frage von „Normalität“. Natürlich geht es darum, die „bisherige“ (patriarchale) Normalität zu hinterfragen, aber eine Gesellschaft, in der es gar keine Normalität gibt, existiert nicht. Normen gibt es immer, von daher ist es auch politisch sinnvoll, eine „neue Normalität“ zu postulieren. Und das ist nicht nur eine Frage von Mehrheiten. Auch Minderheiten können „normal“ sein. Mit diesen Vokabeln diskutieren Gesellschaften das, was für sie akzeptabel ist, was sie nicht stigmatisieren wollen. Auf der anderen Seite ist es wichtig, um zu zeigen, dass die bisherige heterosexuell-binäre „Normalität“ auch nciht einfach naturgegeben, sondern gesellschaftlich hervorgebracht ist, sie existiert in vielen Gesellschaften (z.B.Matriarchaten) nicht. Es ist das christliche Ehemodell, das sich für gottgewollt ausgegeben hat und dann global hegemonial wurde. Zu deiner Frage nach der Perspektive des Kindes: Die ist wichtig, und ich bestreite das nicht, ich bestreite aber, dass wir die kennen können. Zum Beispiel dein Einwand, dass im derzeitigen System Kinder „wissen, an wen sie sich wenden können“, das bedeutete auch, dass Kinder mit missbrauchenden Eltern sich an NIEMANDEN wenden konnten. Das derzeitige System war NICHT gut für Kinder, jedenfalls nicht pauschal. Und schon jetzt ist die Mehr-Eltern-Familie ja Realität, wie gesagt, nicht erst seit kurzem, sondern schon seit der Einführung der Ehescheidung. Die ganzen Fragen, die du für eine neue symbolische Ordnung stellst, müssen natürlich beantwortet werden, das ist ja genau mein Punkt, und zwar im Sinne des Kindeswohls. Meine These ist, dass wir genau das versäumen und nicht ernst nehmen, solange wir behaupten, wir hätten schon die ideale Lösung und alles andere wäre „unnormal). Zur Frage der Wertschätzung der Mütter - ja, die fehlt in meinem Büchlein (und auch schon in dem davor), weil ich es vom Thema her auf die Fortpflanzung selbst beschränkt habe. Es endet deshalb bei der Geburt und deutet die Fragen für die Zeit danach nur an. Vielleicht schreib ich ja doch irgendwann mal eine „Feministische Ethik der Generationenbeziehungen“ - da würde es dann um sowas gehen. Auch dein letzter Punkt, eine Ethik des Schwangerseits, ist noch ein Desiderat. Aber den Begriff der „Freiheit“ würde ich da verteidigen wollen. Deinem Satz „Eine schwangere Person ist nicht frei“ stimme ich ganz und gar nicht zu, genau das ist patriarchale Kernlogik, die Freiheit als etwas bestimmt hat, das nur Männer = unabhänigige Indiduen haben können, was ja dann dazu führte, dass schwangerwerdenkönnende Menschen zu prinzipiell Unfreien erklärt und dann auch gemacht wurden. Mir geht es gerade darum, dass Freiheit als Konzept nur etwas taugt, wenn sie auch für Schwangere und potenziell Schwangere gilt!

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Birgit Kübler sagt:

    P.S.: Wir haben die Angestellten der Reproduktionslabore vergessen. Sie sind auch "Eltern".

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Birgit Kübler sagt:

    Liebe Antje, danke für das klare und informative Büchlein "Reproduktive Freiheit - Eine feministische Ethik der Fortpflanzung". Ich verstehe es als einen Anfang, der zusammenträgt, was alles bedacht werden kann, wenn biologisch weibliche Menschen (und - kleine Zukunfts"musik" - maschinelle Uterusse) schwanger werden können und Kinder gebären. Du hast auf den Begriff "Menschen mit Uterus" verzichtet und das habe ich als sehr angenehm empfunden. Dieses Buch war für mich wesentlich angenehmer zu lesen als sein Vorgänger. Ich habe gar nicht gewusst, WIE sehr mich diese Begrifflichkeit gestört hat. Und nun mache ich selber so ein Wortungetüm! "Biologisch weibliche Menschen". Diese Begriffe sind nötig geworden, weil trans Männer sich übersehen und gekränkt fühlen, wenn von "Frauen, die gebären", die Rede ist. Sie werden übersehen, weil sie eine so kleine Minderheit sind und ich kann die Kränkung darüber verstehen. Und diese Minderheit ist häufig Gewalt ausgesetzt, deshalb ist der Kampf der trans Menschen um Sichtbarkeit und Respekt sehr wichtig und ich möchte ihn unterstützen. Aus meiner Sicht jedoch ist der Begriff "trans Mann" nicht richtig. Hier müsste es trans Mensch heißen - ein "trans Mensch, der sozial als Mann gelesen wird/werden möchte" oder "ein männlicher trans Mensch". Ich kann aus Höflichkeit so tun, als würde ich zustimmen, dass ich ihn für einen Mann halte, zeitweise mag seine Performance auch so überzeugend sein, dass ich ihn für einen Mann halte. Ich würde höflich sein, weil er sich das so sehr wünscht, aber ich sehe diesen Menschen als einen besonderen Menschen an, nicht als Mann. Das Problem, das sich nun bis in diese kleine Ethik verzweigt, ist das Problem, dass der männliche trans Mensch oder der weibliche trans Mensch mit mir und meinesgleichen haben: dass ich sie nicht für "normal" halte und sie es doch so sehr sein wollen. Doch anstatt das Konzept der "Normalität" aufzubrechen und die Wirklichkeiten zu hinterfragen und dafür Bewusstsein zu schaffen, will man den Begriff der "Normalität" behalten und nur neu definieren, wieder einen Kodex erstellen. (Letzthin hatte ich eine heftige Gender-Diskussion mit einem Taoisten, der irgendwann kicherte, weil er im Gespräch mit mir erkannte, dass auch er streng genommen nicht klar in eine Geschlechterkategorie passt - er hatte die Vorstellung, mit einem energetischen "Kind" schwanger zu sein...) "Reproduktive Freiheit" breitest du ausgehend von einer Freiheit der Frauen aus, keine Kinder haben zu müssen, hin zur Freiheit aller, auch queerer Menschen, Kinder haben zu können. Du beschreibst das kritisch, benennst die ausbeuterischen Wesensmerkmale der kapitalistischen Verwertung weiblicher Ressourcen durch die Reproduktionstechnik. Du verweist, wiederum kritisch, auf alle möglichen damit einher gehenden soziokulturellen Erscheinungen: Die Ermöglichung später Schwangerschaften, was es Karrierefrauen schwer macht, frühzeitig Familien zu planen; die Ermöglichung der Schwangerschaft für Unfruchtbare, was den Druck auf alle erhöht, diese körperlich und psychisch schwer belastende Technik zu nutzen; die Ermöglichung von Schwangerschaften für Paare, die keine biologische Differenz aufweisen. Dies sind nun alles tiefgreifende Veränderungen in den Beziehungen zwischen den Generationen und den Geschlechtern, die einen mag frau begrüßen, die anderen gefallen frau nicht. Es ist sehr wertvoll, zu klären, wer nun alles in den Elternstand EINES Menschen kommen kann (S.76): • die genetischen Eltern • die Person, die das Kind in sich getragen hat und es geboren hat • die Menschen, die ein Kind wollen • juristische Eltern mit staatlichem Sorgerecht • soziale Eltern, die sich um das Kind kümmern In unserer Gesellschaft handelt es sich hier überwiegend, wenn auch nicht mehr normalerweise, um Funktionen EINES Elternpaares. Das können diese Eltern gut machen oder schlecht. Ich will das hier in keiner Weise idealisieren. Kinder wissen m.E. von wem sie abstammen, wer sie auf die Welt gebracht hat, wer sich um sie kümmert und wer für sie juristisch verantwortlich ist. Sie wissen, an wen sie sich wenden können und müssen. Nun gibt es den "postpatriarchalen" Wunsch, "Geschlechtlichkeit, Elternschaft, Familienformen generell zu ent-binarisieren". Warum? Um "von der Gegenüberstellung "normal" und "unnormal" wegzukommen" (S.76). (Sic!) "Normal" sein wollen, so sein wollen, wie alle anderen, ist aber nun gerade für Kinder vom späten Kindergartenalter bis zum Beginn der Pubertät ein Riesenthema. Sollen wir Erwachsenen wirklich auch so argumentieren? Und kann dann ausgerechnet die Reproduktionstechnik (Wir sollten aufhören von "Medizin" zu reden.) hierfür nützlich sein? Eine Technik, die, wie du, Antje, auch ausführt, soziale Ungleichheit unter weiblichen Menschen ausbeutet, die in der Lage ist, extrem kontrollierend (Genetik) zu wirken, was Rassismus befördert und die als ein Auswuchs der neoliberalen, spätkapitalistischen, patriarchalen Wissenschaft gelten kann, der es grundlegend an demokratischen, ethischen Kontrollmechanismen und Mitwirkungsrechten fehlt! Mit fehlt in dieser Ethik der Reproduktiven Freiheit die Position des Kindes. Und ich fühle mich äußerst unwohl, wenn ich mich damit zwangsläufig in einer Ecke mit konservativen Kreisen wiederfinde, die als einzige als Verfechterinnen des sog. Kindeswohls benannt werden. Ein Kindeswohl, das vorgeschoben ist, um die Freiheit der körperlichen Selbstbestimmung der Frauen anzugreifen. Ich stelle aber hier nichtsdestotrotz Fragen: Wohin soll das Kind sich wenden, wenn es eine solche Vielzahl Eltern hat, wenn jede dieser o.g. Funktionen personalisiert ist? Vielleicht gelingt es einer Ethik der Reproduktiven Freiheit mit der Zeit eine Gewichtung vorzunehmen, samt rechtlicher Absicherungen etc., aber macht das für einen jungen Menschen oder ein Kind Sinn? Es steht im Extremfall im Lauf der Jahre vor sechs bis neun Personen, hat Sympathien und Abneigungen und an wen wird es sich wenden? An die No.1 auf der noch zu erstellenden Liste? Die Bindungsforschung hat gezeigt, wie wichtig Bindungserfahrungen für kleine Menschen sind. Und das bereits ab der ersten Minute unterm Erdenlicht! Und welche schlimmen Folgen es für Kinder hat, wenn Bindung nicht gelingt... Hier eine künstliche Trennung zu machen und einen "Übergang" von "körperlichen" in einen "sozialen" Zustand (S.69) zu konstruieren, mag richtig "gedacht" sein, ist aber fern einer wünschenswerten Lebenspraxis von (Gebär-)Mutter und Kind. Die Geburt selbst wird vergessen. (Ja, glaubt man denn, eine Geburt wäre etwa vergleichbar dem Kuchen, den man aus dem Backofen holt? Offenbar. Vielleicht spiegelt sich hier die mit fast 30% unnötig oft in Deutschland praktizierte Kaiserschnittgeburt. Dies ist tatsächlich eine Sectio.) Ich bin davon überzeugt, dass es vielfältige Möglichkeiten des Zusammenlebens von Menschen gibt, die für Kinder ganz wunderbar sind. Aber ich frage mich gerade, ob es nicht für Kinder besser wäre, nicht nur der Reproduktionstechnik Widerstand entgegen zu setzen, sondern auch auf solch eine Ethik zu verzichten, die Elternschaft filetiert und das Leben für Kinder äußerst kompliziert machen wird. Es gibt noch etwas, das mir in dieser Ethik fehlt. Es ist eine Würdigung und Wertschätzung der Mütter, die Kinder auf die Welt bringen. Sie wird zwar dem Ganzen vorangestellt, aber es scheint mir doch eher ein Lippenbekenntnis zu sein, da ich im weiteren Verlauf den Eindruck hatte, dass im Schwangersein mehr ein Opferstatus erkannt wird, was es ja in manchen historischen Zeiten und in anderen Weltregionen durchaus war und ist. Möglicherweise spiegelt auch dies den Zeitgeist wieder, in dem junge Frauen sich schlecht fühlen und kritisiert werden, wenn sie die ersten Jahre ihre Kinder begleiten wollen und sie nicht bald in die Krippe geben. Was ist nötig, damit Frauen und männliche trans Menschen selbstbestimmt schwanger oder nicht schwanger sein können? Was ist nötig, damit Menschen, die sich ihren Kindern umfassend widmen und sie solange als "Eltern" begleiten, wie dies (immer mal wieder) von den Kindern gewünscht wird, ein gutes Leben haben können? Was ist das für ein besonderer Zustand, den Schwangere und ihre Ungeborenen miteinander teilen? Was ist die tiefe Verbindung zum Leben und seine Bejahung, die sich in dieser Praxis zeigen kann? Und findet sich dies auch in den Kühlschränken der Reproduktionslabore und den Pipetten der Laborant*innen? Und was bedeutet das für eine Freiheitliche und feministische Ethik der Reproduktion? Wie kann unsere Gesellschaft lebensbejahend und lebensbewahrend werden? Müssen hierzu alle Eltern werden können? Oder ist das nicht eher zu materiell gedacht? Sitzt diese Ethik nicht einem konsumorientierten Machbarkeitswahn auf? Und wäre es, global gedacht, nicht an der Zeit, das Anything Goes zu wenden? Was ist das für ein besonderer Zustand, den Schwangere und ihre Ungeborenen miteinander teilen? Die Symbolische Ordnung der Mutter leitet sich aus dieser primären Erfahrung ab. Die erste Gabe, die wir erhalten, ist unser Leben. Es ist eine Erfahrung, die alle Menschen teilen, aber nur eine Hälfte der Menschheit kann diese Gabe weitertragen. Wie wäre eine Gesellschaft, die dieses kreative und lebenserhaltende Geben im Kern ihrer Matrix hätte? Nicht nur praktisch, denn es ist bereits so, sondern auch symbolisch! Wenn sie das verstünde? Ob das wohl in einer "Ethik der Reproduktiven Freiheit" Platz hat? Mir erscheint der Begriff "Freiheit" an dieser Stelle nicht passend. Eine schwangere Person ist nicht frei, keine Minute. Sie ist neun Monate engst mit einem anderen Menschen verbunden, zumindest körperlich. Hier fände ich es spannend, weiterzudenken.

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Eine von Milliarden sagt:

    Wenn ich noch einmal irgendwo "Menstruierende" lese als Sammelbegriff für Betroffene in Zusammenhang mit Endometriose-Fachartikeln, ... Ich, Frau, 24 Jahre, leide an Endometriose und menstruiere nicht mehr. Wenn man nur endlich mal zu den wissenschaftlichen Tatsachen zurückkehren könnte. Man schadet damit dem Selbstwertgefühl junger Mädchen und Frauen. Frauen werden wieder verdrängt aus der Gesellschaft, diesmal unter dem Slogan der "Diversität". Es ist unglaublich, wie viele "wisssenschaftliche" Artikel den "Begriff Frau" in letzter Zeit zu ersetzen versuchen. Potenziell schädlich, denn man spielt auch mit der Gesundheit der Mädchen und Frauen.

    Artikel: Ich bin keine menstruierende Person.

  • juliane Brumberg sagt:

    Ich habe das Büchlein auch gerade gelesen, und zwar ruckizucki in einem Zug einfach so weggelesen. Das Thema hat mich eigentlich gar nicht so interessiert, aber so kompakt und gut erklärt, wie Antje es dort vermittelt hat, fand ich es doch plötzlich ziemlich interessant und wichtig.

    Artikel: Ein Konzept von Freiheit, das auch für Menschen mit Gebärmutter gilt

  • Siegrun Laurent sagt:

    Endlich, Argumente ohne Ende. Kann doch kein Mann und keine Frau mehr sagen, dass wir als erste Handlung das Patriarchat überwinden müssen. Und zwar das innere und das äußere Patriarchat. Für das nächste Jahr muss ich nicht mehr darüber nachdenken was ich verschenke.

    Artikel: Teures Patriarchat

  • Brigitte Leyh sagt:

    P.S. Die WELT vom 22. 10.14 führte den dänischen Politikwissenschaftlicher Lomborg an: Er schätzte, dass die Gewalt gegen Frauen und Kinder weltweit jedes Jahr 8 Billionen Dollar koste, in Deutschland allein 3,8 Milliarden.

    Artikel: Teures Patriarchat

  • Ulrich Wilke sagt:

    Claire Waldoff hat das Problem schon besungen: "Ach, was sind die Männer dumm!" (Selbstverständlich auf Berlinisch)

    Artikel: Teures Patriarchat

  • Bettina Melzer sagt:

    Im Osten hieß das Ding RG 28 - war ebenfalls orange und unverwüstlich. 2016 gab es dazu den charmanten (Dokumentar) Film: "Kommen Rührgeräte in den Himmel?" https://barnsteiner-film.de/kommen-ruehrgeraete-in-den-himmel/

    Artikel: Das Handrührgerät - leuchtend orange und unverwüstlich

  • lydia elmer sagt:

    @anne newball duke: Konsequent am Kriegsdenken vorbei denken. Sich von diesen (Kriegs)logiken fernhalten. Eine andere Ebene finden als jene des Mainstream. Das ist doch weibliche Autorität, die du da ausübst. "Disertare la scena" nennen das die Italienerinnen. Ida Dominijanni: Es braucht neue soziale Allianzen. Denn Opfer gibt es viele. Solidarisch sein mit den UkrainerInnen, und mit den russischen Soldaten, mit den ukrainischen Frauen, die im europäischen Care-Sektor tätig waren, mit den Hungernden in Afrika und in Europa u.a.m.

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Vera Bianchi sagt:

    Liebe Juliane, vielen Dank für den Artikel samt Fotos! Ich als Kind der 70er bin mit diesen gelben und orangenen Küchenhelfern aufgewachsen - wir hatten sogar ein Gerät in genau diesem Sonnengelb, mit dem meine Mutter 6 Gläser Joghurt gemacht hat! Mir ist es als Teenager einmal passiert, dass die Sahne beim Schlagen zu Butter wurde: als ich bei Gewitter Sahne geschlagen habe für die Torte zum Geburtstag meines Großvaters. Die Warnung hat also Berechtigung! Als ich von zuhause ausgezogen bin, hat mir meine Großmutter ihr allererstes Handrührgerät geschenkt - mit dem dazugehörigen Rezeptheft. Damals, Ende der 1950er, musste der Bevölkerung noch erklärt werden, wozu ein Handrührgerät gut sein soll - deshalb befand sich neben der üblichen Bedienungsanleitung ein kleines Rezeptheft für einen Kuchen und drei weitere Gerichte. Das fand ich ein echtes Alltagszeitzeugnis.

    Artikel: Das Handrührgerät - leuchtend orange und unverwüstlich

  • Sandra Divina Laupper sagt:

    Liebe Anne! Zuerst einmal vielen Dank für Deinen so langen und ausführlichen Kommentar! Ich habe ihn ein paar Mal durchlesen müssen, um das Gefühl zu bekommen, das passt, jetzt glaube ich schon, eine Vorstellung davon bekommen zu haben, was Du mir sagen möchtest. Aber ich schließe nicht aus, dass ich mich irre! Ein Punkt, in dem ich glaube, dass ein Missverständnis vorliegt, besteht darin, dass Du der Tatsache, dass ich das Bedürfnis habe, den Altersunterschied zwischen Maria und mir zu unterstreichen (wie übrigens Antje Schrupp auch!), eine andere Bedeutung beimisst als ich. Maria meint, sie kann nicht verstehen, warum es Menschen gibt, die gegenüber Leuten, die sich mit einem anderen Geschlecht identifizieren als jenem, das ihnen bei ihrer Geburt aufgrund ihrer körperlichen Merkmale zugeschrieben worden ist, diskriminatorische Positionen vertreten: Laut Maria drängen diese Menschen jene Leute gewaltsam in eine Geschlechtlichkeit, die diesen nicht entspricht. Ich kann mir Marias Nicht- Verstehen (wie, glaube ich, auch Antje Schrupp) nur damit erklären, dass sie so viel jünger ist als ich. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, Transsexualität zu akzeptieren, genauso, wie es für sie sicher auch selbstverständlich ist, Homosexualität zu akzeptieren. Für Menschen in meiner Generation - und da können sie in vielen Bereichen schon von Jugend auf noch so tolerant aufgetreten sein, wie sie wollen - ist es das nicht. Es hat für mich z.B. einen langen Weg gebraucht um zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die sich von Menschen ihres eigenen Geschlechts erotisch angezogen fühlen und sich dessen nicht schämen, sonderen offen dazu stehen wollen. Ich finde es eine gute, aber auch sehr überraschende Entwicklung, dass es im Alltag immer öfter vorkommt, dass homosexuelle Paare als solche akzeptiert werden - sogar in vielen Familien. Homosexualität galt Leuten meiner Generation - wenn sie sie nicht rundweg verurteilten und dabei auch normalerweise mit Pädophile gleichstellten - im besten Fall als mehr oder weniger harmlose Marotte von irgendwelchen exzentrischen Künstlern oder dekadenten Adeligen. Es war für mich spannend, im Laufe der Jahre (bzw. Jahrzehnte) zu entdecken, dass Homosexualität auch etwas ganz Alltägliches sein kann. Ich habe in der Zwischenzeit auch entdeckt, dass es unter meinen vielen Freundinnen nicht viele gibt, die nicht in der einen oder anderen Form Erfahrungen mit Homosexualität gemacht haben. Ich glaube, aus dem Text von Maria Coors herauslesen zu können, dass es für sie anders war und ist. Und, wie gesagt, ich glaube, dass das an unserem Altersunterschied liegt. Deshalb habe ich gemeint, es könnte für sie vielleicht hilfreich sein, eine Erklärung dieser Art für das Fehlverhalten gewisser Leute - zumindest wenn sie der gleichen Generation angehören wie ich - zu bekommen. Persönlich erkläre ich mir diese "stille" Revolution, die in der Öffentlichkeit zu einer immer größeren Akzeptanz von Homosexualität und Transsexualität geführt hat, u.a. auch damit, dass durch den Aufbruch des traditionellen Rollenverständnisses von Mann und Frau, der dank der Kämpfe der Frauen um ein freies, selbstbestimmtes Dasein stattgefunden hat, auch Homosexualität (und Transsexualität) einen anderen Stellenwert bekommen hat in der Gesellschaft. Ich habe aber den Eindruck, dass wir "alte" Feministinnen - im Unterschied zu den jungen - selber ein bisschen überrascht sind von dieser Entwicklung - und manchmal wohl auch etwas überfordert. So, jetzt muss ich schlafen gehen, aber ich hoffe, mich wenigstens in einem Punkt etwas deutlicher ausgedrückt zu haben! Liebe Grüße, Sandra

    Artikel: Ruthie

  • Gesa Ebert sagt:

    Danke für diese Besprechung. Wenn ich die Zahl richtig im Kopf habe, wird in Deutschland etwa jeden dritten Tag eine Frau ermordet, etwa 130 Frauen jedes Jahr. - Jedesmal, wenn an islamistische oder rechts-terroristische Anschläge oder an Amoktaten öffentlich erinnert wird (mit weniger Toten im Jahr), wie neulich wieder, muß ich daran denken: Diese Morde an Frauen gehen einfach so unter in der Politik, in den Medien, in der Öffentlichkeit, in unserem Bewußtsein. Wohl, weil es immer "nur" eine Frau, nur ein einziger Mensch ist, plus manchmal auch deren Kinder. Aber auch der Mord an diesen Kindern regt nicht groß auf, m. W. auch nicht die sogenannten Lebensschützer. Mit den einzelnen Unfalltoten des Straßenverkehrs ist es ja genauso. Ein Flugzeugabsturz oder ein Eisenbahnunglück dagegen schlägt ein wie eine Bombe. Wie ist das zu ändern, wie schaffen wir mehr Bewußtsein dafür? Braucht es dafür die Kommunikations-Wissenschaft?

    Artikel: 139 Frauen.

  • Brigitte Leyh sagt:

    Endlich, endlich, endlich wird der Femizid als gesellschaftliches Problem erkannt und der Massenmord auf Ratenjetzt (s.o.) sogar in Buchform dargestellt. Danke, danke, danke. Als ich 2015 "Sonst bring ich dich um!" schrieb, fühlte ich mich mit dem Thema noch allein auf weiter Flur.

    Artikel: 139 Frauen.

  • Sandra Divina Laupper sagt:

    Hallo Brigitte! A propos "Toleranz"... In meinem Text habe ich versucht zu vermitteln, dass meines Erachtens "Toleranz" gegenüber Frauen, die ein anderes Frau-Sein verkörpern als das mir von Geburt an vertraute, zu wenig ist. "Toleranz" ist ein Begriff, der sich meinem Empfinden nach zu wenig stark von "Gleichgültigkeit" unterscheidet. Dass ich dulde, dass es Menschen gibt, die sich im Laufe ihres Lebens einer Geschlechtsumwandlung unterziehen, ist, finde ich, schon das Mindeste. Aber es reicht für mich, die ich mein Frau-Sein als ein politisches verstehe, nicht. Ich denke, da ist es notwendig, wirklich den Schritt zu vollziehen, den mich Antonia De Vita bei der ersten Versammlung der femministisch interessierten Studentinnen an der Uni Verona im Februar 1990 gelehrt hat, nämlich das Frau-Sein als ein radikal freies zu verstehen, weshalb es eben Frauen gibt, die Frauen sind, weil sie mit den für Frauen typischen körperlichen Merkmalen auf die Welt gekommen sind - und weshalb es gleichzeitig aber auch auch Frauen gibt, die Frauen sind, obwohl sie nicht mit den für Frauen typischen körperlichen Merkmalen auf die Welt gekommen sind. Wenn ich mein Frau-Sein als ein radikal freies verstehen will, ist es, finde ich, auch mehr als sinnvoll, grundsätzlich auch bereit zu sein, mich auf verbindliche Beziehungen sowohl mit Frauen, die das von Geburt an sind, als auch mit Frauen, die auf anderen Wegen zu ihrem Frau-Sein gefunden haben, einzulassen. Da ich mich in jeder neuen Beziehung zu einer anderen Frau auch selber neu entdecke, besteht meine Freiheit genau darin, solche Beziehungen zu anderen Frauen zu pflegen. Eine Einschränkung meines Beziehungshorizontes ausschließlich auf Frauen, die sich von Geburt an als Frauen wiedererkennen haben können - oder aber umgekehrt: ausschließlich auf Frauen, die erst mit der Zeit zu ihrem Geschlecht gefunden haben, würde auch eine Einschränkung meiner Freiheit mit sich ziehen! Mit Trans-Frauen in eine verbindliche Beziehung zu treten - oder zumindest bereit dazu zu sein - ist mehr als Toleranz. Es ist Freiheit.

    Artikel: Ruthie

  • Sandra Divina Laupper sagt:

    Wie schön, 30 Jahre, nachdem ich in Mailand im Rahmen eines Festivals für afrikanisches Kino (das in jenem Jahr dem Kino der Frauen Afrikas gewidmet war) den Film "Sambizanga" gesehen habe, hier auf den Seiten von bzw. - weiterdenken einen so ausführlichen Bericht zu Leben und Werk dieser Autorin zu finden! Sarah Maldoror war damals zwar persönlich bei der Pressekonferenz anwesend, aber so genaue Informationen wie hier waren mir damals nicht zugänglich - es war ja auch alles auf Französisch, das ich zwar ein bisschen verstehe, aber trotzdem... Auch die Simultanübersetzung erlaubte nicht, alle Fragen zu stellen, die damals interessant gewesen wären zu vertiefen! Nochmals vielen Dank für diesen Bericht!

    Artikel: Die Gesänge der Sarah Maldoror

  • Anne Newball Duke sagt:

    Ich denke seit einer Weile über Jeannette Pickerin Rankins Satz nach: "Man kann einen Krieg genauso wenig gewinnen wie ein Erdbeben.", den ich in der ZEIT vor ein paar Wochen fand; unkommentiert, nur so als "Denkmoment" hingeworfen. Befrage ich meine Körperin, so ist alles klar: bei der Vorstellung an das Grauen des Krieges für jede* Involvierte - und ich fasse "involviert" hier weit - beginne ich zu weinen, und wenn ich mich länger hineinbegebe, verliere ich jede Hoffnung, ich sehe meine Töchter an und denke mittlerweile oft nur noch: wie lange kann ich das alles, die Gewalt, das ganze Grauen noch von ihnen derartig fernhalten, dass sie gut, also einigermaßen sicher und in Freiheit, aufwachsen? Als Klima-Aktivistin gelingt mir das schon seit drei Jahren nicht mehr wirklich, ihnen das Grauen vorzuenthalten. Aber noch ist es immer wieder in die Ferne drückbar, die Sonne scheint, das Eis schmeckt gut, das Leben ist schön. Andere Kinder, andere Menschen sind schon lange im Krieg, waren es teils immer, kennen keinen anderen Zustand. Der Kriegszustand ist für mich der für mich am weitesten Entfernteste von einem guten Leben für alle Würderträger*innen dieser Welt. All mein Denken befasst sich damit, nicht da hineinzugeraten. Mein Denken funktioniert gar nicht in andere Richtungen. Es wird dann waberig, unsauber, ungenau, von oben herab, unglaubwürdig, behauptend; nichts von dem will ich meinem Denken zumuten. Dann schaue ich auf die globalen Machtverhältnisse, darauf, wie ein souveränes Land angegriffen wurde, und mein Körperdenken soll sich nun anders einrichten. Es soll nun machtstrategisch denken; es soll denken: "Wie muss der Krieg ausgehen, damit wieder Frieden in Europa herrscht und nicht noch weitere Länder von Putin überfallen werden". Ich fokussiere. Ich versuche wirklich zu fokussieren. Ich lese Berichte von Generälen. Aha, so ist das, und so kann es ausgehen, wenn dies und das und jenes eintritt. Ich bilde mir ein, mir eine Meinung zu bilden. Ich lege die Zeitung weg, ich leg das Handy beiseite, und es weint aus mir raus. Es weint und weint und weint. Tagelang, immer wieder, hier plötzlich, da wieder, in sehr unpassenden Momenten, wie peinlich. Okay, stähle dich, stähle dein Fühlen und Denken, du bist nutzlos in all deinem Weinen, damit hilfst du niemandem, sage ich mir. Aber wenn ich das ganze "alte Denken" nicht mehr ertrage, wenn es aus mir rauskotzt, wenn ich es lächerlich finde - ja sogar darüber lachen muss, so durchschaubar und gleichzeitig widerlich, wie es ist in all seiner Brutalität und Menschenverachtung. Ich kann es nicht ernst nehmen. Wie kann ich dann mein Denken ernst nehmen, das genau hier andocken soll? Wie kann ich ein Fühlen ernst nehmen, das diese gewollte Brutalität ernst nimmt? Ich weigere mich. Meine Körperin weigert sich. Ich versuche erneut, mich neu auszurichten, mein Denken auf eine andere Ebene zu bringen: Aber, sage ich mir, ich bin doch 100%ig gegen diesen von Russland ausgehenden Krieg, ich stehe auf der Seite der Ukainer*innen... also: warum stelle ich mich dann so gegen Waffenlieferungen, was will ich dann mit meinem Pazifismus, der einfach nicht aus meiner Körperin weichen will? Ich lese wieder den Satz von Rankin. Beide Diskurse passen nicht zusammen. Ich, so wie ich mich definiere, als Feministin, die ein Mehr sucht, die das gute Leben für alle sucht und die längst auf dem Weg ist, werde ich den Krieg immer auf der Erdbeben-Ebene wahrnehmen. Was will ich also? Die Ukraine muss den Krieg gewinnen, dann können wir wieder am guten Leben weiterdenken. Oder: Der Krieg muss egal wie beendet werden, das Morden und Sterben und Angsthaben und Fliehen und Leiden und Foltern und Vergewaltigen muss ein Ende haben, sofort, egal wie. Und dann denken wir das gute Leben an dieser Stelle weiter. Meine Körperin sagt wieder mal ganz klar: Der Krieg muss aufhören, sofort. Aber das ist wieder die Rankin-Ebene. Verlieren und gewinnen sind hier ganz anders beschrieben, meinen etwas ganz anderes. Eine Mutter verliert ihr Kind, das ist Verlieren. Hier geht es um das Existentielle, um das menschliche Erleben von verlieren und gewinnen. Bei dem Rankin-Satz gibt es keine europatriarchale Macht, die mitgedacht werden muss. Jede Person verliert im Krieg. Auf welcher Seite auch immer. Niemand - keine einzige Person - gewinnt irgendwas. Außer die Waffenindustrie, aber halt stopp, das ist schon wieder die andere Ebene. Ist es nun so schlimm, wenn ich nur diese Ebene denken kann? Ist mein Beitrag dann weniger wert? Ist mein Pro-Ukraine-Sein dann weniger wert? Weil ich zwar A sagen, aber dann nicht B sagen kann? Muss mein Denkvollzug, meine Schlussfolgerung - ich kann es nicht einmal "Denken" nennen - hier kohärent sein? Ich werde Waffenproduktion und -lieferungen usw. usf. nie, wirklich niemals zustimmen können. Und wenn ich es irgendwann täte, dann nur, weil ich gewaltvoll (gegenüber meinem Körpergefühl) überzeugt wurde. Das kann passieren. Aber es ist nichts, was aus mir oder meinem Denken herauskäme. Krieg ist nichts, was ich denken kann. Zerstörung von Leben ist nichts, wo mein Denken ansetzen kann. Und mein körperinneninterner Apparat, der auf Objektivität und Generälestrategie schalten soll, kann nicht fokussieren und verliert sich irgendwo, bevor er kohärente Aussagen in europatriarchaler Denkart machen kann. Das wäre dann sowas: Es geht um Nation und Staat und Selbstverteidigung eines Volkes, um die Gefahr der Ausweitung des Krieges bis zu uns, falls die Ukraine den Krieg verliert. Das ist ein anderes "Verlieren". Es hat große Bedeutung in machtpolitischer Hinsicht. Es hat Folgen und zieht Konsequenzen nach sich. Verlieren und gewinnen sind hier nicht mit dem Rankin-Satz zu fassen. Was kann ich mit meinem Denken sehen? Ich sehe, das es jetzt in die letzten Kämpfe des Anthropozäns geht. Es wird höchstwahrscheinlich ziemlich schlecht für uns ausgehen; einige werden es schaffen; je reicher eine* ist, desto besser die Aussichten, desto länger kann sie* sich noch freikaufen aus der Scheiße. Mit diesem und auch sicher kommenden Kriegen und unserem Weitergang in der Fossilität ist das zivilisatorische Ende in etwa 80 Jahren besiegelt. Das ist keine Panikmacherei. Man muss nur Klimawissenschaftler*innen ernst nehmen und zuhören und wirklich einverleiben, was sie sagen. Krieg ist da natürlich eingedacht. Was schließe ich persönlich für mein Denken daraus? Ich gehe in kein Kriegsdenken hinein. Ich denke konsequent daran vorbei. Ich lasse mein Weinen zu, denn das ist ehrlich und echt, es fühlt die Menschen im Krieg, es bringt mir sie nahe, und es fühlt den Krieg wie ein Erdbeben. Ich rechne damit, dass der Krieg auch zu uns kommt. Aber ich tue jetzt dennoch alles dafür, dass es nicht passiert, indem ich woanders weiterdenke, nicht im und am Krieg. Das ist mein Beitrag. Er ist nicht unpolitisch. Ich höre nicht auf, aus meiner Körperin heraus zu denken, so lange es mit möglich ist. Dafür nutze ich mein Privileg, so lange es mir gegeben ist. Und wenn ich inkohärent bin, dann bin ich es. Vielleicht entsteht daraus ein neuer Weg, der aus dem Erdbeben herausführt.

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Sandra, zunächst einmal finde ich es anregend und auch auf eine Art interessant, wie du versuchst, dich dem Thema zu nähern. Schwierig ist es teils, weil du dich öfter widersprichst (vor allem darin, dass du immer wieder betonst, dass alle Frauen" so sein können, wie sie sein wollen, Differenz und so, aber dann bestimmten Auslegungen mit Angst und Abwehr gegenüber standest/stehst), aber ich habe versucht, die Essenz herauszulesen. Meines Erachtens hättest du dich dabei nicht so auf Maria beziehen müssen, denn vielleicht beginnt hier schon der Grund für mein Unbehagen beim Lesen: Ich glaube, du musst nicht Maria erstmal irgendwo von dir aus "verorten", als "junge" oder "hilfsbedürftige" (klingt so im letzten Satz durch) Frau. Das Nichtverstehen, das sie hat - und das auch ich habe - hat meines Erachten nichts mit dem Alter zu tun. Und die Hilfe, die ich bräuchte, um das besser zu verstehen, wäre, dass Frauen, die die Räume für trans Personen so eng machen, genau schauen, was diese Räume IN IHNEN SELBST einstmals so eng gemacht hat, und wie sie sie weiten könnten und neue Beziehungsweisen und Seinsweisen in ihrem So-Sein und In-der-Welt-Sein aufzunehmen in den eigenen denkerischen Körperkosmos. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das gar nicht mehr so weh tut und - richtig angegangen - keine irgendwann durch wasauchimmer einmal entstandenen Verletzungen aufreißen muss, sondern dass es vielmehr noch besser heilen kann. Was wären sonst "ältere" Frauen für mich? Sie wären dann nur aufgrund ihrer zu anderen Zeiten stattgefundenen feministischen Prägung und damals anderen Dringlichkeiten zu jener oder dieser Zeit Frauen, die das "Neue", das schon immer da war, aber nie im Diskurs ankommen durfte, nicht weiterdenken wollen, sondern sie beharren auf einer einmal eingerichteten und für sich als gut befundenen Position. Ich finde das keine gute Definition von "älteren" Frauen, aber zu so einer Deutung werde ich hier ungewollt tatsächlich verleitet. Aus dieser ("älteren", wie ich sie gerade hergeleitet habe) Position heraus zu denken und schreiben ist durchaus okay. Aber es ist nicht die Position, um von dort aus andere verstehen. Dafür muss sich bewegt werden. Mein Nichtverstehen beginnt nämlich genau hier: Warum ist es nicht möglich, sich zu bewegen? Warum muss immer noch mit Begriffen hantiert werden, die für andere verletzend sind, und die das auch so klar und deutlich gesagt haben? "Transvestit", "Karnevals-Figuren", "gekünstelt" usw., ja, du hast sie in Anführungsstriche gesetzt, aber das N-Wort benutzen wir auch nicht mehr, weißt, was ich meine? Und woher kommt eigentlich überhaupt dieser merkwürdige Glaube/Vorstellung whatever, dass trans Frauen "Vorkämpferinnen einer vorgefertigten, klischeebeladenen Vorstellung von weiblicher Identität" sind? Wann bitte? Wo? Ich habe das noch nie erlebt, weder persönlich noch aus Medien noch sonst irgendwo. Bitte, falls das nochmal eine* anbringt: ich bitte dann um ein sehr präzises Beispiel. Ich empfinde das so, als wenn einfach die körperlich natürlich anstrengende - zumal wenn harte Kämpfe und Verletzungen im Spiel sind - Denkleistung nicht vollbracht wurde, sich in andere Lebenswelten hineinzuversetzen. Ich schätze deinen Versuch sehr, Sandra, aber ich verstehe ihn weiterhin nicht, weil du in deinem Denken weiterhin nur mit Klischee/vorurteilsvollen (imaginären wie echten) Trans Menschen umgeben bist. Ruthie ist so eine. Und für mich wirkt es so, als würdest du die Diotima-Philosophie als eine Art Glaubenssatz verwenden, mit dem du andere Frauen* bemisst und bewertest. Passen sie rein, dann "aufgenommen", passen sie nicht, dann raus. Von einer Philosophie auszugehen, ist für mich kein Von-Sich-Ausgehen. Deswegen frage ich wieder die Frage, die ich schon unter Marias Text gestellt habe: warum müssen Menschen ein bestimmtes Sein erfüllen, um hier oder da akzeptiert zu werden? Warum müssen sie das für dich? Was nehmen sie dir - ganz spezifisch dir - damit weg? Nehmen sie etwas weg von deinem Sein? Brechen sie ein in deine Lebenswelt, diskriminieren sie dich, verletzen sie dich persönlich? Nehmen sie dir die Luft zum Atmen? Ich sehe in deinem Text keine persönliche Begegnung, in der du nicht vorurteilsfrei - wie die Besitzerin des Bio-Ladens - agieren kannst, sondern die Bewertung hat schon stattgefunden, eine Einordnung ist schon da, und da fallen dann all die unpassenden Begrifflichkeiten - ob in Anführungszeichen oder ohne. Ein Weiterdenken beginnt für mich an der Wurzel. Wir denken weiter, wir denken tief, wir graben noch einmal schon Begrabenes auf, weil etwas nicht mehr stimmig ist und wir doch nochmal schauen müssen, worin unsere Haltungen und unser Denken wurzeln. Wir können natürlich auch weiter oben über der Erdoberfläche an unseren Vorurteilen ansetzen - wo denn sonst, tabula rasa geht nicht ohne Trauma - aber tiefes Denken befähigt uns dazu, das dann doch in Frage zu stellen. Denn nur das tiefe Denken rüttelt an den Blütenblättern der Vorurteile (ich bleibe jetzt mal in dem Bild). Ich finde das Ruthie-Beispiel wenig sinnvoll. Weil es wieder dazu einlädt zu glauben, dass es Gründe haben muss, um eine Frau zu werden (das brutale, unmenschliche Mannsein, das Indenkriegziehenmüssen etc. pp.). Das sind - sorry to say so - aber das sind keine relevanten - da ideologisch sehr vorannahmevolle (diplomatisch ausgedrückt) - Ansatzpunkte für ein Verstehen von trans Geschlechtlichkeit. (Ich kenne das Buch nicht; ich gehe davon aus, wie du es beschreibst.) Deine Figurenanalyse ist eine einzige Bewertung; als "wahre Frau" muss Ruthie in eine von dir so und nicht anders ausgelegte Form und Farbe passen, die du mit von dir und deinem körperlichen Durcharbeiten so und nicht anders verstandenen Diotima-Kriterien hergeleitet hast. Ist es das, was die Philosophinnen im Sinn hatten? Dass wir schauen, ob Frauen* so sind und das und dies und jenes erfüllen? Du antwortest hier zweischneidig: Jeder das ihre, aber bitte nicht als "Vorkämpferin für ...", da könntest du streitlustig werden. Und ich stelle nochmal die Frage: Wer ist je als eine solche "Vorkämpfer*in" aufgetreten? Wenn es kein Beispiel dafür gibt, dann fällt die Zweischneidigkeit weg, und dann bleibt nur ein was stehen. Noch einmal, das ist mir echt wichtig: Weiter- oder Tieferdenken hat nichts mit Alter zu tun. Die Diskussion immer wieder darauf zu bringen, finde ich wenig sinnvoll. Das Ziel ist ein gutes Leben für alle Würdeträger*innen dieser Welt. So. Wie geht es Menschen gut? In welchen Beziehungsweisen? In welchen Netzen? Wir sind da noch ganz am Anfang. Jede hat für sich kleine Inseln und Netze erarbeitet, gefunden und gesponnen, einige diesbezüglich am Rande der Gesellschaft (gezwungenermaßen, so wie auch schon die Schneekönigin in Andersens Märchen ins "ewige Eis" abgedrängt wurde, obwohl sie der Gesellschaft Gutes bringt und ja eigentlich Teil von ihr ist), andere mittendrin, eins dort, eins hier, aber eine umfängliche Gesellschaftsform dafür gibt es noch nicht. Es gibt Menschen, die ständig aufgrund von irgendwas, was sie nicht erfüllen, oder was sie nicht sind, oder wo sie anders sind, nur sehr wenig Gesellschaftsnetz abbekommen und dazu noch in ihren mühevoll kleinen aufgebauten Netzen attackiert werden. Sie werden rausgeschmissen aus dem Gesellschaftsdenken, sind aber doch da. Und wenn sie aber rein in mein Denkschema von Gesellschaft wollen, dann aber nur so oder so oder so. Nicht zu "karnevalig", nicht zu doll dies, nicht zu sehr das, nicht zu laut, nicht zu groß, pssst, ganz leise, nur als eine Frau, wie ich sie als "richtig" begreife, dann lasse ich euch in euren kleinen Netzen da hinten zumindest in Ruhe, und ich lächle euch am Bio-Stand auch mal zu. Was soll das? Warum? Wer oder was ist hier brutal und ausschließend mit wem? Wenn wir uns auf den Weg machen wollen, dann hilft es nicht, Menschen in irgendwelche alten Backformen-Begrifflichkeiten zu pressen, ja es helfen nicht mal mehr die alten Gefühle, es hilft nicht, auf wie auch immer geartete "Ausnahmen" zu schauen, um sich immer und immer wieder im eigenen So-Sein und So-Denken wiederzufinden und sich da auszuruhen. Weiterdenken ist anstrengend und es schneidet immer ins eigene Fleisch, es dreht Organe um und untersucht da alles, was blubbert und schleimt und irgendwelche Dinge von sich gibt. Ich unterstelle dir nicht, dass du nicht weiterdenkst. Aber ich denke doch, dass du immer noch nicht genug - nur in Bezug jetzt auf dieses Thema natürlich!! - von dir ausgehst, deine Ängste unter die Lupe nimmst, woher sie kommen, die Vorurteile an ihren Wurzeln zu untersuchen, andere Texte zu lesen, die dir helfen, die Vorurteile und das Unwohlsein aufzudröseln. Zum Beispiel: Wie kam es überhaupt dazu, dass du Menschen als "Karnevals-Figuren" wahrgenommen hast? Ich nehme wahr, dass du versuchst, dich da rauszuschälen, aber wenn du dir, wie du schreibst - heute wie gestern noch dieselben Fragen stellst, dann war deine Auseinandersetzung eindeutig noch nicht tief genug, dann konntest du dich noch nicht zu neuen Fragen vorarbeiten. Oder? Wie gesagt, es ist immer eine Frage dessen, was wir wollen. Wollen wir das gute Leben für alle? Okay, dann müssen manche Knoten erst gelöst werden, damit neue Verbindungen entstehen können. Es ist Zeit, hier und jetzt. PS: Und ich antworte hier nicht nur Sandra, sondern das ist auch ein Kommentar zu einigen anderen Kommentaren hier und unter Marias Text.

    Artikel: Ruthie

  • Brigitte Leyh sagt:

    Ich habe es lange für eine Frage von Toleranz gehalten, Transfrauen zu akzeptieren, will das eigentlich immer noch. Dann aber stieß ich auf die Aussage, dass neun (!) von zehn jungen Menschen, die ein anderen Geschlecht annehmen wollen, Mädchen sind - und das alarmiert mich.

    Artikel: Ruthie

  • Ulrich Wilke sagt:

    Selbst, wenn ich eine Frau wäre, würde ich fragen: Wieso ist es ein Privileg, Frau zu sein. Selbst wenn ich unterprivilegiert wäre, halte ich mich für einen Feministen.

    Artikel: Ruthie

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Die Verzagtheit von Frauen angesichts von Krieg und Gewalt erschreckt mich. Dabei könnten wir aus pazifistischen Quellen schöpfen: https://jacobin.de/artikel/die-linke-war-schon-immer-gegen-den-krieg-ukraine-luxemburg-lenin-marx-engels-spd/

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Elfriede Harth sagt:

    Toller Tipp! Eine Frau, mit der man sich immer wieder beschaeftigen sollte!

    Artikel: Auf den Spuren von Rosa L. - ein Berlinstadtführer

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Danke liebe Heike Brunner für den Hinweis auf den biografischen Stadtführer "Rosa Luxemburg in Berlin". Werde ich Morgen schon bestellen. Gudrun Nositschka

    Artikel: Auf den Spuren von Rosa L. - ein Berlinstadtführer

  • Dorothee Markert sagt:

    Für die vielen Kommentare bin ich sehr dankbar. Besonders auch für die, die nochmals eindrücklich deutlich gemacht haben, was Waffen anrichten, und ihr Entsetzen und ihre Trauer zum Ausdruck brachten über die sinnlosen Zerstörungen und das große Leid, das hier nun schon so lange Tag für Tag weiter vermehrt wird. Dankbar bin ich auch für die, die verstanden und bestätigt haben, dass ein Sich-für-Waffenlieferungen-Aussprechen "nur mit großen Bauchschmerzen" möglich ist. Dass in meinem Blitzlicht eine "conclusio" fehlt, ja, die war mir nicht möglich, als ich es schrieb. Jetzt würde ich sagen, dass der Ukraine angesichts der ihr angetanen Gewalt geholfen werden muss, damit sie sich verteidigen kann.

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Jenny Warnecke sagt:

    Liebe Dorothee, dein Text spricht mir aus der Seele. Es kommt einer zwar wie ein Widerspruch vor, aber es ist scheinbar ein Fakt. Meine Ukraine-Kontakte sagen, dass die Rechnung derzeit folgendermaßen ist: Je mehr Waffen aus dem Westen, desto weniger Tote. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir durch das Blut sehr vieler alliierter Soldaten befreit wurden (gegen den Willen viel zu vieler). Die von dir aufgezählten Kriege sowieso - ja. Das derzeitige Ankommen (der Geflüchteten) ist übrigens sehr weiblich. Das liegt nicht nur an den geflüchteten Frauen und Kindern, sondern an den aktiven Helferinnen vor Ort, die fast alle Frauen sind - strukturiert, selbstlos, superschnell im Aufbau vom Nötigsten: Übersetzungspools über Telegram-Kanäle, Abholgruppen vom Bahnhof und Begleitung der Familien in die LEA (vor allem direkt nach Kriegsausbruch). - Vorbei an den Bahnhofsbeauftragten, die das gar nicht o.k. fanden und sofort Ukraine-Flaggen zur Erkennung, Warnwesten als Zeichen von Ansprechbarkeit und Flyer in ukrainischer Sprache verboten haben. Mit einem Willkommen und dem Weg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur LEA (statt der städtischen Variante, die einen google-Map-Ausdruck hatte mit der Überschrift "Wenn eine Person Ihnen diesen Zettel zeigt, helfen Sie ihr bitte, den Weg zu finden [sic!]. Diese Gruppe - bestehend aus jungen Frauen, teilweise Mütter, hat sich wochenlang als Reisende getarnt an Gleis drei aufgehalten, bis der letzte Zug aus Berlin kam um 23 Uhr, weil auch die Anwesenheit auf dem Gleis verboten wurde - unglaublich. Dass die Stadt fortlaufend behauptet, es gebe kein Problem am Bahnhof, liegt an der "zu guten Arbeit" dieser Gruppe (der auch ein Mann angehört, ein Student aus Russland). Blöd war das vor allem für people of colour, die von den Aktiven nicht so leicht als "Ukrainer*innen" erkannt werden konnten. In Freiburg sind einige - u.a. eine junge alleinerziehende Frau aus Mariupol mit ihrer 1,5 Jahre alten Tochter - mit vietnamesischen Wurzeln (die glücklicherweise in einer Support-WG untergekommen ist.) Vor zwei Wochen habe ich über FAIRburg eine Konferenz gemacht mit den Aktiven, die seit dem 24. Februar ehrenamtlich durcharbeiten auf höchst nachhaltigem Niveau. Es gibt zahlreiche Strukturen, die im Ehrenamt aufgebaut wurden, die effektiv und nachhaltig sind, wie 3x pro Woche Kinderbetreuung im Haus der Jugend, damit die Mütter deutsch lernen können, musikalische Früherziehung für Kinder von ukrainischen Musikerinnen, Konzerte, Wandertage, Suppenkochtage (1x pro Woche für 50 Leute aus der LEA!), Deutschlernkurse in einem Vorort, weil alle Deutschkurse voll sind. Und das alles in einer Geschwindigkeit, die keine Institution hier hinbekommt. Ein spezielles Thema von Ksenia Myacheva (Engagiertes Freiburg) war die Folgeunterbringung von Haustieren - wohl sehr schwierig. Auch die Kommunikation der Behörden untereinander quasi nicht existent (Land = Regierungspräsidium, das in der LEA erstmals Tiere erlaubt und auch registriert und Kommune = Tiere in allen Unterkünften verboten - was die Folgeunterbringung sehr kompliziert macht.

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Antje Schrupp sagt:

    @Lydia - Ich finde deine Einordnung, dass ich mit meiner Position nicht "Kritik am Krieg" üben würde, fehlgeleitet. Natürlich übe ich Kritik am Krieg, aber eben gegenüber denjenigen, die den Krieg angefangen haben, nicht gegenüber denjenigen, die hier die Opfer sind und sich gegen einen Aggressor wehren. Ich bin keine "Waffenbefürworterin", ich bin nur dagegen, dass man Leuten, die sich mit Waffengewalt nehmen, was sie haben wollen, einfach kampflos das Feld überlässt. Und nichts anderes bedeutet es, wenn die Ukraine jetzt nicht militärisch unterstützt wird.

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Lydia Elmer sagt:

    @Antje. "Es wird vielschichtig und differenziert debattiert." Wirklich? Unter den Linke ist der Debattenraum seit Corona bedenklich geschrumpft. Auch unter Feministinnen. In der Schweiz gab es während der Pandemie etwa drei Tagesmedien, welche die Massnahmen kritisch kommentiert haben. Mit dem Krieg in der Ukraine ist es ähnlich. Da kommen spezifisch schweizerische Zusammenhänge, wie die Neutralität, etwas differenzierter zum Zuge. Und, Entschuldigung, ich finde deine Kommentare hier eher salopp-abwertend und nicht sonderlich "open minded". Darüber wie Waffenstillstände ausgehandelt werden und wurden und welche Hindernisse und Widerstände es eventuell gibt, liesse sich sehr wohl diskutieren. Und die Ukraine ist ja nicht ganz widerstandslos, aber unterlegen, ja. Deshalb die Waffenlieferungsdebatte ja oder nein in Deutschland. Ich nehme jetzt hier nicht Stellung dazu, weil zu komplex für einen Kommentar. Abschliessend möchte ich nur sagen, dass man Kritik am Krieg üben muss, ob man jetzt eine Pazifistin ist oder nicht. Die Feministinnen, besonders sie, welche sich von früheren pazifistischen Überzeugungen distanzieren und sich als Waffenbefürworterinnen outen (im Fall der Ukraine), hinterlassen bei mir ein mulmiges Gefühl. Ich kann zum Beispiel nicht ganz nachvollziehen, warum ein solches Geständnis nötig ist.

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  • Fidi Bogdahn sagt:

    Rosemarie, das würde mich schon interessieren, wie denn dein AlltagFriedensweg konkret aussieht… - Jetzt noch eine fragende Bemerkung: "In Verbundenheit mit allen, die an der Revolution für das Leben mit ihren Mitteln mitweben,“ lautete dein letzter Satz. Ich hoffe, du lässt diesen auch für das ukrainischer Volk gelten?! Sie kämpfen doch nicht gegen Putin, sondern sie verteidigen ihr Land und weben sozusagen miteinander für ihr ÜberLeben.

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Rosemarie Kirschmann sagt:

    Liebe Frau Markert,, mit einer gewissen Fassungslosigkeit lese ich Ihren Beitrag zum Ukrainekrieg - und es ist nicht der einzige feministische Text, der mich fassungslos macht. Meine Perspektive ist ganz anders als die Ihre, und ich bin gespannt, ob Sie und das Redaktionsteam diesen Beitrag in den Kommentaren von "beziehungsweise weiterdenken" veröffentlichen .... Immer wenn ich an die gefallenen Väter, an die getöteten Partner, an die erschossenen Söhne auf beiden Seiten denke, wenn ich an die durch Panzer zerstörten fruchtbaren Landschaften, an die durch Raketen verbrannten Wälder, die verseuchten Seen und Flüsse, an die vielen sinnlos getöteten Tiere denke, an die vielen, vielen Opfer des Krieges denke, werde ich ohne Ende traurig. Das schmerzt mich mehr, als dass ich es noch in Worte fassen kann. Es ist grauenhaft, sinnlos, absurd falsch. Und es müsste nicht sein. Jede Zeit, auch die unsere, hat wirkungmächtige Strategien der Konfliktbearbeitung und des Interessenausgleichs entwickelt, die vielfach hilfreich eingesetzt wurden und werden. Die Konfliktparteien müssen nur wollen. Aber sie wollen nicht. Sie wollen nicht den Interessenausgleich, die Konfliktbearbeitung, sie wollen nicht die Bewältigungung der Gegensätze, sie wollen keine Abkommen schließen, sie wollen keine Lösung. Sie wollen siegen und triumphieren, sie wollen ihre Macht und Herrschaft durchsetzen, sie wollen den Gegner ruinieren und vernichten. Warum? Gewalt ist eine soziale Erscheinung, sie ist nicht die Natur des Menschen. In unseren zeitgenössischen Gesellschaften in Ost und West sind die meisten Bereiche als Kampf organisiert. Gewalt ist bei uns fast universell, sie ist Bestandteil unserer Wirtschaft, unseres Konsums. Natürlich nicht offensichtlich, sondern als ein verborgener Bestandteil all der Produkte, an denen das Blut der Minenarbeiter und der vernichteten Arten klebt. Gewalt und der Wille zur Herrschaft, zur Zerstörung und zum Besitzen sind die DNA der patriarchalen kapitalistischen Gesellschaften des Westens wie des Ostens. Und viele Menschen kennen einfach nichts anderes als Konflikte mit Gewalt zu lösen. Es ist der kollektive Anpassungsdruck eines materialistischen Glaubenssystems, der sie in ihrem Menschsein so beschädigt. Sie funktionieren so, und Gewalt gehört schlicht zu ihrem Sozialcharakter. Es fehlt nicht an den Mitteln zu einem gewaltfreien Interessensausgleich, sondern das Hindernis ist im Moment eine Art kollektiver egomanischer Erregungszustand bei den Konfliktparteien und ihren Anhängerschaften in Politik, Medien und Bevölkerung. Wir sind damit in einer historischen Sackgasse gelandet, die kurz vor einer Explosion steht, weil sie aus sich selbst heraus keinen Ausweg mehr findet. Es geht so nicht mehr weiter. Ich kenne eine andere Welt und sie ist möglich.Sie war in den Alten Gesellschaften das "Normal", und sie lebt auch heute, aber halt in den Nischen. Den Nischen, die diejenigen erschaffen, die eine Sehnsucht, eine Hoffnung und auch einen Plan haben für diese andere Welt. Es ist die Welt der Werte des Lebendigen, der Zusammengehörigkeit, Anteilnahme, des Vertrauens, und des Wissens um die Verbundenheit mit allem was lebt, auch dann, wenn es anders ist, als ich es mir wünsche - das ist die DNA der anderen Welt. Die schlechte Nachricht ist, dass Machtgebaren, Dominanzstreben und Gewalt den Weg zu dieser anderen Welt absolut sicher blockieren, und den Weg zum Frieden. Und das weiß jede: Unsere Ziele erfordern, dass wir solche Mittel einsetzen, die dieselbe energetische Qualität haben wie unser Ziel, sonst wird es nix. Weil wir dann unser Ziel mit energetischem Gift kontaminieren, das zwangsläufig verhindert, dass ein lebensdienliches Ergebnis eintritt. Eine Endlosschleife der Destruktivität ist immer die Folge. Oder mit Gandhi: es gibt keinen Weg zum Frieden, Frieden ist der Weg. Eine schlechte Nachricht ist aber auch, dass die mögliche andere Welt gerade einen schlimmen Rückschlag erleidet. Aber es gibt auch gute Nachrichten. So viele Menschen stärken in sich selbst und in der Welt die Kräfte des Lebens, der Zusammengehörigkeit und des Mitgefühls, nähren die Fähigkeit, Widersprüche und Paradoxien zu ertragen, ohne in Gewalt und Hass zu fallen - gute Voraussetzungen für Frieden. Es gibt nicht nur diesen furchtbaren Krieg, es gibt gleichzeitig eine Revolution für das Leben. Wir alle kennen viele Menschen (und Bewegungen) , die vielleicht unsichtbar, aber alltäglich an der Revolution für das Leben mitwirken. Da geschieht eine Transformation, die weit über die Einzelne und die Kleingruppe hinausreicht, da entsteht ein FELD der Kräfte. die sich für das lebendige Leben verbündet haben. Feldkräfte übersteigen die Einzelkraft bei weitem. Dieses neue Feld hat die bedingungslose Unterstützung der Kosmischen Ordnung, weil es in Resonnanz mit ihr ist, und von ihr gewollt. Und vielleicht schaffen es alle, die auf ihre Weise an der Revolution für das Leben mitwirken, gemeinsam diesen Abgrund zu umschiffen, auf den die aktuelle Katastrophe zusteuert ... In Verbundenheit mit allen, die an der Revolution für das Leben mit ihren Mitteln mitweben.

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Dorothee, Danke für dieses Blitzlicht. Für mich selbst ist es weniger schwierig, Waffenlieferungen an Ukraine zu befürworten, da ich nie Pazifistin war. Für mich galt, solange ich denken kann, dass "Deutschland den Pazifismus diskreditiert und ad absurdum geführt (hat), indem es praktisch vorgeführt und damit empirisch bewiesen hat, dass es Schlimmeres geben kann als den Krieg; dass Schrecken möglich sind, von denen nur eine starke Armee befreit." (Wolfgang Pohrt). Den amerikanischen Soldaten, die Europa befreiten, bin ich immer sehr dankbar gewesen. Viele von ihnen ließen an der französischen Atlantik-Küste ihr Leben dafür, dass wir in einer - wie immer auch kritikwürdigen - Demokratie aufwachsen konnten. Als eine, die in eine tschechische Familie eingeheiratet hat, war für mich nach 1989 klar, dass die osteuropäischen Staaten einen militärischen Schutz vor dem imperialistischen Anspruch Russlands brauchten. Mit wem immer aus den baltischen Staaten, aus der Tschechoslowakei oder Polen ich in diesen Jahren sprach: Sie sagten mir das und ich hatte keinen Grund, ihnen nicht zu glauben. Ich gehe oft auf dem Friedhof in Frankfurt-Oberrad spazieren. Dort gibt es ein großes Gräberfeld für die niederländischen Zwangsarbeiter, die nach der Kapitulation deportiert und zu Tode geschunden wurden. Es treibt mir die Tränen in die Augen, wenn ich die Daten auf diesen Grabstätten sehe: Die meisten dort Begrabenen waren in ihren frühen Zwanzigern, auch einige in Frankfurt geborene Kinder sind darunter, die wenige Monate nach der Geburt, wohl an Unterernährung starben. Wer sich gegen den Verteidigungskampf mit Waffen gegen Putins Russland ausspricht, wer Waffenlieferungen an die Überfallenen verweigert, der muss sich eben auch klar dazu bekennen, dass nicht Frieden die Folge sein wird, die sein Handeln hervorbringt, sondern Folter und Ermordung jener, die die "Filtrationslager" nicht "überstehen", Deportation, Zwangsarbeit und Zwangsadoption für viele und für die anderen dauerhaftes Leben unter einem Terrorregime mit fortgesetztem Morden. Das, so muss jemand dann sagen, halte er für weniger schlimm, als den fortgesetzten Krieg. Dies gehört zur Wahrhaftigkeit ebenso dazu, wie wir, die wir für Waffenlieferungen eintreten, auch sagen müssen, dass das den Tod vieler, vieler russischer Soldaten (und leider auch vieler ukrainischer Soldaten) bedeuten wird. Und ich sage: Ja, das ist mir bewusst, aber ich halte es für weniger schlimm, als den Sieg des Diktators und die Unterwerfung unter sein Regime und all die Toten und Gefolterten, die das mit sich bringen wird. In diesem Artikel wird die Welt beschrieben, in der man unter Vladimir Putins Herrschaft leben muss:https://www.dekoder.org/de/article/krieg-ukraine-gewalt-folter-armee Ich verstehe nicht, wie es damit einen "Interessenausgleich" geben kann. Es gibt in einem Konflikt gegen einen Diktator wie Putin mit imperialen und kolonialistischen Intentionen meiner Ansicht nach keine Möglichkeit mit "sauberen" Händen aus dem Konflikt herauszukommen.Gesprächsbereitschaft und "ziviler Widerstand" sind gegen diese Gewalt keine Option, sondern ermöglichen nur die dauernde Ausweitung dieser Gewaltstrukturen.

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Juliane Brumberg sagt:

    Liebe Dorothee, jetzt habe ich mir die Zeit genommen, in Ruhe, den neuen von Dir zusammengefassten Abschnitt aus Chiara Zambonis Buch zu lesen. Ich bin keine Philosophin und im philosophischen Denken nicht geübt. So ist es wohl kein Wunder, dass es mir schwer fällt Deinen Text bis in die letzte Tiefe zu durchdringen und zu verstehen. Aber auch, wenn ich nicht alles verstehe, habe ich doch viel mitgenommen von den Gedanken und Überlegungen, die in diesem Kapitel weitergeleitet werden. Und ich kann mir vorstellen, wie mühselig es ist, diese Texte nicht nur auf italienisch zu lesen, im Geist zu bewegen und dann auch noch weiter zu vermitteln. Vielen Dank dafür! Du öffnest mir damit Fensterchen zu einer Gedankenwelt, von der auch ich spüre, dass es sie gibt, in der ich mich aber nicht bewegen kann. Zur Zeit lese ich in dem Buch Blutsbande, Verwandtschaft als Kulturgeschichte von Christina von Braun. Da gibt es ein Oberkapitel "Verwandtschaft als Text" mit Unterkapiteln : Kurze Geschichte der Schrift, Alphabet und Monotheismus, Alphabet und Sprache. Darin sind Gedanken enthalten die eine gute Ergänzung zu dem von Dir übersetzten Text sind.

    Artikel: Merleau-Ponty 2: Farben. Die Unbewusstheit der Wahrnehmung. Natur und Sprache. Mensch und Tier.

  • Antje Schrupp sagt:

    @Helga - Ja, deine Worte in Putins Ohr. Soweit ich es mitbekomme, telefoniert ja andauernd irgendjemand mit ihm, von Macron über Scholz bis Erdogan usw., scheint aber nichts zu helfen.

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Antje Schrupp sagt:

    @Martin: Wer behauptet denn, dass in diesem Krieg eine Seite "absolut gut" ist? Niemand. Was behauptet wird ist, dass es hier einen klaren Aggressor gibt und nicht irgendwie "beide Seiten gleichermaßen schuldig". Zwischen diesen beiden Varianten gibt es ja noch mehr Zwischentöne. Auch die in dem verlinkten so genannten "Friedensbrief" (Ich finde, es ist ein "vor-der-blanken-gewalt-Kapitulieren-Brief") behauptete "Gleichschaltung in Kriegsbegeisterung als einzig erlaubtes Argument" kann ich nicht erkennen. Es wird sehr differenziert und vielschichtig debattiert, gerade von denjenigen, die - mit großen Bauchschmerzen - sich für Waffenlieferungen aussprechen. Ich finde dazu diesen Text von Arnd Henze ganz großartig: https://www.zeitzeichen.net/node/9852?fbclid=IwAR3L5tBATxyMG3EuO_UWnJ4W8J7rUCXmBx2Mryadnqbvj6UylqPv_t12yc4

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Antje Schrupp sagt:

    @Gisela - Das ist nun eine etwas schlichte Argumentation, oder? Das würde ja in der Konsequenz bedeuten, dass die Gewalttäter die ganze Welt widerstandslos übernehmen können und alle anderen vergewaltigen, versklaven oder abmetzeln können. Willst du das wirklich? Kann ich nicht verstehen. Ich finde das eine verantwortungslose und leichtfertige Haltung.

    Artikel: Ich bin gegen Gewalt, Waffen und Krieg, aber ...

  • Helga Laurinat sagt:

    22.06.2022 Je mehr Waffen geliefert werden, desto länger wird die kriegerische Auseinandersetzung dauern und viele Menschen werden auf beiden Seiten ihr Leben verlieren. Ich halte es für dringend angezeigt, dass parallel notwendige Dialoge zwischen den Mächten intensiviert werden müssen, um dem Blutvergießen ein Ende zu setzen ( siehe z.B. Vietnamkrieg, Irakkrieg). Ein Waffenstillstand ist geboten, um zu gegebener Zeit Friedensverhandlungen starten zu können. Helga Laurinat

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  • Martin Mair sagt:

    "Proletarier aller Länder vereinigt euch im Frieden und schneidet euch die Gurgel ab im Kriege!"“ — Rosa Luxemburg an Krautsky „Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen.“ — Erich Maria Remarque Wieviele 10.000e Tote und verwüstete Städte darfs denn mehr sein, für die Machtkämpfe der Reichen und Superreichen um den Zugriff zu den Ressourcen der Ukraine? Warum wohl haben USA und EU 2014 den von Neonazis mitgetragenen Maidan-Putsch gegen einen demokratisch gewählten Präsidenten unterstützt und dann entgegen sonstigen Gepflogenheiten sofort die Putschregierung anerkannt und diese dann militärisch und ideologisch aufgerüstet? "Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst" gilt mehr denn je! Wenn zwei nationalistische Psychopathenregime sich bekriegen, das schwächere sich für einen Proxykrieg mißbrauchen läßt, welchen Grund gibt es, sich auf die Seite einer Kriegspartei zu stellen, viele Waffen zu liefern, damit der Krieg noch länger und blutiger wird? Auf den nachdenkseiten, bei telepolis und anderen unaghängigen Medien gibt es viele kritische Hinweise. Auch in Mainstreammedien aus der Zeit vor der Invasion. Wer die vielen Puzzlesteine zusammensetzt wird feststellen, "wir" gehören auch hier nicht zu den Guten. Selten dass es einen Krieg gibt, wo eine Seite absolut gut und die andere abgrundtief böse ist. Das ist meistens nur Propaganda! Wer noch bei Verstand ist, stellt sich daher auf die Seite jener, die GEWALTFREI den Frieden der Menschen suchen, statt den Krieg für Staat und Kapital zu schüren! https://www.friedensbrief.at

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  • Voigt-Kehlenbeck sagt:

    Liebe Dorothee, mir fehlt das conclusio...und nun? Die Welt brennt, die Ressourcen werden mit Waffengewalt (= Menschenopfern) neu verteilt. Der Kapi- oder Imperialismus (damals und wie heute der "Feind") aber sichert uns ein mehr oder weniger privilegiertes Leben ... Und dennoch, prägen suns die Wertediskussionen der vergangenen Dekaden. Immer wieder neu justieren wir unser Frauen-/Männer-/Menschenbild angesichts menschenverachtender Politiken und bewusst herbeigeführter Destabilisierungen durch Kriege, gerechtfertigt von Machismen und Psychopathen (Trump in den USA, Putin in Russland, von vielen anderen von Männern regierten Regionen ebenso). Der Kitt ist immer der Begriff der Nation, die zu verteidigen sei. Nicht die Menschen, deren unversehrten Leben zu verteidigen ist- überall! Von China ist nicht weniger Kriegerisches zu erwarten, auch von der Türkei wird vielfach Absurdes erwartet. Für mich ist es nicht die Frage der Ächtung des Waffeneinsatzes, sondern die Kritik an der Propaganda zu Nation und dem vermeintlich bedrohten Volk, das machtvolle Männer genau dann im Munde führen, wenn es "ich"heissen müsste ( = ich, Machtmann mit gefährlicher Handlungsmacht in nicht demokratischen Regierungen). Conclusio, wir Frauen sollten uns einmischen den Begriff der Nation zu dekonstruieren, und uns nicht in die Diskussionen der männlichen Machthaber:innern verwickeln lassen, auch wenn es unsere Eindeutigkeit tangiert. Bleiben wir bei unserem Mitgefühl, und unserem Entsetzen, so ist dies das Privileg der Frauen. Sie wurden bislang nicht in die Logik männliche kriegsorientierte Identität eingebunden. Wir hatten, im Schatten des Patriarchats zum Glück Freiräume, Menschlichkeit zu entwickeln und zu verfechten . Lassen wir uns diese nicht nehmen.

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  • Dr. Gisela Forster sagt:

    Waffen sind dafür gemacht, Menschen zu töten. Wollen wir Menschen andere Menschen töten? Nein. Also dürfen wir auch keine Waffen einsetzen.

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