beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Neueste Kommentare

  • Ulrich Wilke sagt:

    Was ist weibliche Kultur?

    Artikel: Was könnte das Glück, eine Frau zu sein, bedeuten?

  • Ute Plass sagt:

    "Glück oder Pech qua Geburt, so würden sie sagen, entscheidet sich heute an anderen Dingen: Ob du reich geboren wirst oder arm, mit europäischem Pass oder nicht, in einem bildungsbürgerlichen Haushalt oder nicht und so weiter." @Antje - Meinst Du denn nicht, dass dies alles mit entscheidend ist für das 'Glück eine Frau zu sein'?

    Artikel: Was könnte das Glück, eine Frau zu sein, bedeuten?

  • Antje Schrupp sagt:

    @Carola - Sie schreibt ausdrücklich vom Glück, als Frau geboren zu sein - der italienische Originaltitel lautet: "Non è da tutti. L'indicibile fortuna di nascere donna". Es ist natürlich eine Anspielung und in gewisser Weise eine Gegenrede zu Beauvoir, ich denke, der Grund wird an dem Beispiel des Privilegs deutlich. Frausein ist nichts, was man sich erarbeiten kann (oder muss), sondern es fällt einer sozusagen qua Geburt in den Schoß. Ob man für dieses Privileg, das nicht alle Menschen haben, hingegen Verantwortung übernimmt, das ist tatsächlich eine Entscheidung, die man erst als Erwachsene trifft, aber das Privileg kann man eben nicht verlieren. Interessant finde ich in dem Zusammenhang übrigens, dass sich die Debatte über Trans-Geschlechtlichkeit ebenfalls genau in diese Richtung bewegt hat - weg von Beauvoir, hin zu Muraro wenn man so will. Denn es hat sich eben gezeigt, dass trans Personen nicht das Geschlecht "wechseln", wie früher gesagt wurde, sondern dass sie sich (gegebenenfalls, aber nicht notwendigerweise) dem Geschlecht, das sie bei der Geburt schon hatten, "angleichen", etwa durch eine Operation. Also auch dort das Wissen bzw. die Betonung dessen, dass Geschlecht nichts ist, was man sich aussucht, sondern etwas, das bereits qua Geburt da ist - und dann aber natürlich auf die unterschiedlichsten Weisen "performt" werden kann und muss.

    Artikel: Was könnte das Glück, eine Frau zu sein, bedeuten?

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Liebe Antje Schön, deine bedenkenswerten und klugen Worte im Nachhinein nochmals in Ruhe 'kauen' und somit besser 'verdauen' zu können; -danke! Last but not least finde ich das Photo toll vor dem Plakat des Frauen*streiks 2019 welches Bezug nimmt auf das Hauptwerk der mittelalterlichen Philosophin Christine de Pizan ¨Die Stadt der Frauen": https://de.wikipedia.org/wiki/Christine_de_Pizan Mit frohem Gruss und herzlich Esther.

    Artikel: Was könnte das Glück, eine Frau zu sein, bedeuten?

  • Carola sagt:

    Vielen Dank für diese ausführlichen und sehr offenen Gedanken! Ich habe eine Frage: Schreibt Muraro selbst wirklich von dem Glück als Frau "geboren" zu sein, oder ist das Deine Interpretation? Ich hätte es von den Zitaten her, die Du von Muraro bringst, eher als "Glück, eine Frau [geworden zu] sein" interpretiert. Auch die von Dir beschriebene Verantwortung kann nur ein erwachsener Mensch wahrnehmen. Wir man nicht als Kind geboren? Zumindest ein symbolisches Mutter/Tochter Paar ist gerade in Frankreich sehr weit verbreitet: Anna und Maria werden finden sich in den Kirchen sehr häufig. Vermutlich lässt sich darüber streiten, in wie weit das tatsächlich eine weibliche Symbolik ist. Aber eine Reminiszenz daran ist es in jedem Fall, denke ich. Ansonsten vermisse ich heute schmerzlich eine "Kultur der Frauen*". Ich habe z.B. die in der Zeit der Frauenbewegung entstandenen Frauenbuchläden, sehr geliebt. Nicht, dass es diese Kultur nicht hier und dort noch gibt Aber leider ist sie schwer zu finden. Und ja, wir haben eine Verantwortung. Danke für die Erinnerung daran.

    Artikel: Was könnte das Glück, eine Frau zu sein, bedeuten?

  • Anne Newball sagt:

    Ja, komplex, liebe @Ute Plass, finde ich auch. Und wie gesagt, relativ viel (nicht kapitalistisch verwertete) Zeit bräuchten wir dafür. Aber wahrscheinlich, je weiter wir voranschreiten, desto einfacher und natürlicher (und "natürlich" jetzt mal ganz provokativ ohne Anführungsstriche) wird ein solches Denken wahrscheinlich, so zumindest meine ins Utopische gesponnene Vorstellung ;). Danke, liebe @Antje! Das freut mich. Danke auch für den Lese-Tipp!

    Artikel: Mithilfe feministischer Science Fiction neue Welten denkbar machen

  • Ute Plass sagt:

    Kurzweilig und lebendig geschrieben. Für was so ein 'Auszugsschmerz' alles gut sein kann, zeigt ja die kunstvoll gestaltete Tapete :-)

    Artikel: Ciao Mama

  • Dorothee Markert sagt:

    Danke, liebe Jutta, dass du uns diesen hochinteressanten Vortrag zugänglich gemacht hast!

    Artikel: Minne und künstliche Intelligenz. Heike Schmitz über die "Zwei Augen der Liebeskraft. Minnen und Denken"

  • Antje Schrupp sagt:

    Danke für den Artikel und insbesondere auch für den Hinweis auf Delany, den ich schon länger mal lesen wollte. Die Idee, dass Menschen noch gar nicht denken, ist sehr klasse, weil es natürlich sofort Phantasien darüber auslöst, was alles möglich wäre, wenn wir mal damit anfangen würden! Übrigens hat gerade auch die Zeitschrift Wir Frauen ein Heft zum Thema Utopien gemacht - https://wirfrauen.de/ - ich habe es aber noch nicht gelesen. Der Hauptartikel handelt aber wohl von Dystopien.

    Artikel: Mithilfe feministischer Science Fiction neue Welten denkbar machen

  • Ute Plass sagt:

    "Die auftauchenden Widersprüche und Widerstände wiederum müssten in Worte gefasst und auf ein vorläufiges synthetisches Ganzes hin reflektiert werden. Und zwar nicht, um die Welt finalistisch und positivistisch zu beschreiben, sondern um mögliche nächste Handlungsoptionen diskutierbar und verhandelbar zu machen. Der Erhalt des planetarischen Ökosystems in der Form, in welcher es sich als Mensch gut und im Einklang mit den anderen Lebewesen leben lässt, ist dabei die einzige Vorgabe." Ja, eine wahrhaft komplexe und alles andere als immer leichte Aufgabe. Bleiben wir dran.... ✨

    Artikel: Mithilfe feministischer Science Fiction neue Welten denkbar machen

  • Ute Plass sagt:

    Klaus Theweleit: „Einer der Hauptzwecke der Bibel und des Koran besteht darin, Lebensregeln für Frauen aufzustellen“ https://www.deutschlandfunk.de/klaus-theweleit-einer-der-hauptzwecke-der-bibel-und-des.2849.de.html?drn:news_id=1075612

    Artikel: Was Feministinnen vom Apostel Paulus lernen könnten

  • Dorothee Markert sagt:

    An @Gudrun Nositschka Liebe Gudrun, da stimme ich dir zu. Danke für diese Einschränkung des "in allen Zeiten und an allen Orten", die Hoffnung macht.

    Artikel: Was Feministinnen vom Apostel Paulus lernen könnten

  • Ute Plass sagt:

    Hat nichts an Aktualität verloren. Freue mich auf die Veröffentlichung in loser Reihenfolge. :-)

    Artikel: Zwanzig Jahre Flugschrift!

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Liebe Dorothee, diesen Satz mit Männern, die "in allen Zeiten und an allen Orten. dazu tendierten, den Frauen Vorschriften zu machen usw." und das auch auf Paulus zutrifft, habe ich nicht überlesen. Ich denke, dass dieses Verhalten sich erst mit der Durchsetzung der patriarchalen Religionen fast weltweit etablierte und dadurch geradezu gefördert worden ist. Dass auch eine geschwisterliche Haltung zwischen den Geschelchtern möglich war und noch immer ist, scheinen einige matriarchale Gruppen zu bezeugen.

    Artikel: Was Feministinnen vom Apostel Paulus lernen könnten

  • Ute Plass sagt:

    @Antje - "....Dass dort soziale Hierarchien nicht wirken sollen. Also ich lese die Stelle nicht als Abwehr von Unterschieden, sondern als Kritik an Herrschaftsverhältnissen. Das grundsätzliche Problem mit der EINS bleibt aber natürlich." Daher habe ich mich nicht mit "Eins in Christus" aufgehalten, sondern am jesuanischen Geist von Freiheit u. Liebe orientiert, der ohne "Christus-Erhöhung" auskommt.

    Artikel: Was Feministinnen vom Apostel Paulus lernen könnten

  • Antje Schrupp sagt:

    Liebe Dorothee, liebe Ute, Ich habe die Stelle im Galaterbrief mit dem "Eins in Christus" immer so gelesen, dass das "Christus" eine Einschränkung der "Eins" bedeutet. Also: Wir sind unterschiedlich, aber sofern wir Gemeinde Christi sind, betrachten wir uns gegenseitig als Eins, also in Bezug auf diese Gemeinschaft gelten diese Hierarchien nicht. Denn es sind ja nicht einfach nur Unterschiede, sondern Herrschaftsverhältnisse, die hier thematisiert werden. Das ist etwas, das sich bei Paulus überhaupt durchzieht als Kriterium für das, was eine Gemeinde ausmacht: Dass dort soziale Hierarchien nicht wirken sollen. Also ich lese die Stelle nicht als Abwehr von Unterschieden, sondern als Kritik an Herrschaftsverhältnissen. Das grundsätzliche Problem mit der EINS bleibt aber natürlich.

    Artikel: Was Feministinnen vom Apostel Paulus lernen könnten

  • Ute Plass sagt:

    Liebe Dorothee Markert, "vielleicht war der Text, auf den du dich beziehst, mal so gemeint, dass es um die gleiche Würde aller Menschen ging." Wer das noch so gemeint haben könnte weiß ich nicht. Ich habe diese Stelle für mich so ausgelegt. ;-) Wie schon gesagt: Biblische Texte wurden und werden auf vielfältige Weise gelesen und interpretiert und leider auch benutzt zum Zwecke der Unterdrückung, Ausgrenzung............. Machtmissbrauch (nicht nur mit Bibeltexten) aufzudecken und zu benennen bleibt eine ständige Verpflichtung. Dieses "eins in Christus" sollte nicht fundamentalistischen Gruppierungen überlassen werden, sondern braucht eine eigene Sicht und Deutung auch von feministischer Theologie, Philosophie. Selber bin ich keine bibelkundige, gläubige Christin, allerdings mit geprägt durch eine christliche(Un)Kultur für die mir seinerzeit Frauen wie Elga Sorge, Mary Daly, Dorothee Sölle... die Augen geöffnet haben, sozusagen 'mein Damaskuserlebnis'. :-)

    Artikel: Was Feministinnen vom Apostel Paulus lernen könnten

  • Ute Plass sagt:

    @Gudrun Nositschka -es gibt ja keine Eindeutigkeit, in Bezug auf biblische Text-Auslegung. Daher gut, wenn auch eine befreiungstheologische, feministische Exegese 'mit mischt'.

    Artikel: Was Feministinnen vom Apostel Paulus lernen könnten

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe Gudrun Nositschka, Ich glaube, du hast den Satz überlesen „Doch auch er tendierte wie andere Männer in allen Zeiten und an allen Orten dazu, den Frauen Vorschriften zu machen, um das Problem zu lösen, das Männer mit Frauen haben", weil du daran hängengeblieben bist, dass Luisa Muraro den Begriff "Frauenfeind" in Bezug auf Paulus für übertrieben hält. Für übertrieben, nicht für falsch. Du hast natürlich Recht mit dem, was du von der Wirkungsgeschichte Frauen reglementierender Paulusworte im Rahmen der Kirchen schreibst. Und Luisa Muraro leugnet ja nicht, dass das zu kritisieren ist. Doch ich denke, dass es sich trotzdem lohnt, von Paulus etwas zu lernen, was übrigens in der Interpretation seiner Schriften nicht zufällig unter den Tisch gefallen ist.

    Artikel: Was Feministinnen vom Apostel Paulus lernen könnten

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe Ute Plass, vielleicht war der Text, auf den du dich beziehst, mal so gemeint, dass es um die gleiche Würde aller Menschen ging. Aber was dasteht, ist, dass sie "eins" sind. Und was dieses "eins" in einer Kultur bedeutet, wo Mensch gleich Mann ist, wissen wir sehr gut. Außerdem steht da noch: "eins in Christus". Und da ist der Weg nicht weit zu Zwangsbekehrungen Andersgläubiger. All die Worte, die die "eins" enthalten wie Einheit, Einigkeit usw., Worte, die so friedlich daherkommen, sind für die "Anderen" gefährlich, denn sie neigen dazu, die Differenz zu leugnen oder wo das nicht möglich ist, sie mit Gewalt zu unterdrücken oder auszurotten. Danke für deine Interpretation des Vom-Pferd-Stürzens des Paulus. Für mich ist das Runtersteigen vom hohen Ross (das freiwillige!) der einzige Weg zum Frieden. Es berührt mich immer sehr, wenn ich es irgendwo beobachte oder davon höre.

    Artikel: Was Feministinnen vom Apostel Paulus lernen könnten

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Wie ist dann das Ansehen von Frauen bei Paulus im 1. Korintherbrief; Kapitel 11, mit den Versen 3 - 16 zu interpretieren? Schreibt er damit nicht auch Geschlechtergeschichte, wenn er Frauen anweist, ihre langen Haare (sehr gefährlich) zu bedecken, wenn sie in der Gemeinde "weissagen"? Sonst hätten sie sowieso in der Gemeinde zu schweigen. Durch spätere männliche Interpretationen wurde dies Anweisung auf alle Lebensbereiche von Frauen ausgedehnt, die bis heute in fundamentalistisch - christl. Glaubensrichtungen wirksam sind.

    Artikel: Was Feministinnen vom Apostel Paulus lernen könnten

  • Ute Plass sagt:

    “Die Passage aus dem Galaterbrief (Gal 3, 27-28), die oft herangezogen wird, um Paulus vom Vorwurf der Frauenfeindlichkeit freizusprechen, hält Muraro allerdings nicht für hilfreich: In Christus sei nicht Jude oder Grieche, Sklave oder Freier, nicht Mann oder Frau, sondern alle seien eins.” Diese Passage habe habe ich nie als eine partikulare Aussage über Frauen gelesen, sondern als eine zeitlos aktuelle, welche die Gleichwürdigkeit aller Menschen im Sinn hat, die die Herrschaft des Menschen über Menschen auflöst. Der wunderbare, mystische Text über die Liebe: /1kor13,1-3/ gehört für mich dazu, da dieser eine Ahnung von Haltungen vermittelt, die es notwendig braucht für das gute Leben aller. Interessant finde ich, dass in der Kunst das ‘Damaskus-Erlebnis’ oft mit einem Sturz vom Pferde bebildert wird. Finde das sehr passend, dieses ‘vom hohen Ross runter kommen’ um mit anderen Augen sehen zu können, was ist. In ähnlicher Weise kommt das ja im Lobgesang Mariens zum Ausdruck, wenn es da heißt: “...er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen”.

    Artikel: Was Feministinnen vom Apostel Paulus lernen könnten

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Danke Dorothee für diesen anregenden Text! Für jene, welche sich im Raum Zürich aufhalten gibts einen Anlass zu Paulus kommenden Donnerstag, 28.Nov. mit Gerd Theissen und einer garantiert feministischen Moderation von als KIrchenrätin Irene Gysel: https://www.stiftung-eg.ch/esf_event/hat-paulus-die-botschaft-jesu-verraten/

    Artikel: Was Feministinnen vom Apostel Paulus lernen könnten

  • Ute Plass sagt:

    Gefällt mir sehr, was Dorothee Markert über das "zusammen denken" sagt, was nicht bedeutet immer einer DenkMeinung zu sein, sondern auch den DenkWiderspruch mit einschließt. :-)

    Artikel: Feministisches Urgestein: Die Philosophin Dorothee Markert

  • Regina sagt:

    Liebe Esther, ich konnte leider nicht kommen und deshalb die Frage, wenn du mir antworten magst, was hast Du denn gelernt?

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Nun habe also auch ich es gelesen; dieses tole Portrait über eine tolleund spannende Frau: Danke Juliane!

    Artikel: Feministisches Urgestein: Die Philosophin Dorothee Markert

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Der Gruss geht natürlich auch an Dorothee; hat sie doch die Rezension verfasst. Sorry!

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    Liebe Antje,liege Fidi ich habe ja gestern an der tollen Vernissage des Buches in dt. Übersetzung teilgenommen und dabei wieder viel gelernt! Das Buch war leider schon ausverkauft, ich habe mich jedoch auf eine Liste setzen lassen und werde es sicher bald erhalten, um es dann endlich lesen zu können. Ich wollte keiner etwas unterstellen und zu einem Kaffee bin ich gestern unverhofft gekommen; kredenzt von einer hochdeutsch sprechenden Frau, deren Name ich leider nicht mitbekommen habe. Ich grüsse euch glücklich Esther.

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • Dr. Gisela Forster sagt:

    Schön, dass dieser Artikel erschienen ist. Dorothee Markert war und ist ja immer präsent in diesem Forum, aber jetzt durch das Eingehen auf Details in ihrem Leben - und auch durch die Fotos - wird sie begreifbarer und kommt näher. Es ist gut, so viel über diese hoch engagierte Frau, über ihr Schreiben, über ihre Lebensabschnitte und Wirkungsfelder und ihre Freude am Denken zu erfahren.

    Artikel: Feministisches Urgestein: Die Philosophin Dorothee Markert

  • Regina Hunschock sagt:

    Für mich ist die Frage auch relevant, im Rahmen der Queers, Trans, Inter, Differenz, Integration, Biologie und auch Epigenetik, was denn dann gemeint ist mit " eine Frau zu sein"? Jetzt doch die, die alle als Frau geboren und sich auch so fühlen in ihrem Körper? Also CIS Frauen? Wie eng oder weit, inclusive ist hier Frau gemeint, bzw. die, die sich als solche fühlen, operieren... die, die schwanger werden können? Mutterwerden, Lesbisch, Hetero, Bi? Alle Frauen? Und welche Dinge würden sie tun, im Sinne dieser Ausführungen von LM? Ich habe mit dem Titel, dem Inhalt kein Problem, im Gegenteil. Mein Feminasophie Paradigma zu Thema "angewandte Weiblichkeit" , also damit auch faktisch kluge weise kompetente Frauen hervorzuheben, die diese Exzellenz mit ihrem Lebensweg hervorgebracht haben, also nicht biologisch. Oder ist die Verbindung Leben geben, im Besitze einer Gebärmutter zu sein etc, dann doch die spirituelle Sphäre, aus der heraus das Glück kommt, besonders für die Welt, im Sinne der "Heiligen Weiblichkeit und damit Paradigma Weiblichkeit als etwas zu beanspruchen, was kollektiv für unsere nächstes Zeitalter von der Industriegesellschaft zur Gesundheitsgesellschaft (Kondartieffforschung) von Bedeutung wird. Und welche Frauen braucht es dann in diesen "Positionen", damit sich die patriarchalen Verhältnisse und Ordnungen verändern und auch Politik, Systeme, unsere Beiträge, Lösungen für nur Soziale, Ökologische, Ökonomische Zusammenhänge und positive Auswirkungen, etc.? Mindestens mal die Feministinnen. Und gar keine Frauen dort ist ja auch nicht die Lösung oder Frauen gründen ihr eigenes Dorf und erkunden eine Soziologie der Frauen (wie in Rojava, leider ja unter Beschuss).....

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • Ulrich Wilke sagt:

    Danke für diesen nützlichen Hinweis. Was ist Differenzfeminismus?

    Artikel: Philosophinnen.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Lieber @Martin Mair, oha, da haben Sie recht, Karl Mannheim ist auf der falschen Seite gelandet, danke für den Hinweis, ich habe das im Text geändert. "Doppelter Standard" beim Vornamenweglassen nicht bewusst zumindest. Danke auch für den Hinweis. Liebe @Ute Plass, zu dem Einwand "eine Art von Welt-Erlösungsformel für vorherrschendes Weltelend"... ja im Grunde geht es mir genau darum, dass die literarischen Utopien, die ich bisher gelesen habe, diese Formel eben nicht in sich tragen. Ich sehe eher das Problem in der Form, wie sie dann gedeutet werden, was ihnen zugeschrieben wird und wie sie bewertet werden. Aber ja... ich hoffe, der zweite Teil gibt da dann wirklich mehr Erklärungen.

    Artikel: Utopisch denken! Plädoyer für das Ende eines Tabus.

  • Antje Schrupp sagt:

    Liebe Esther - Die Frage ist doch nicht, OB die Macht- und Herrschaftsverhältnisse bedacht werden (ich finde es immer etwas merkwürdig, das anderen zu unterstellen, denn wir sollten doch zumindest hier davon ausgehen, dass niemand von uns so blöd ist, Macht- und Herrschaftsverhältnisse ausblenden zu wollen, oder?). Sondern die Frage ist was daraus geschlussfolgert wird. Anzunehmen, dass es besser wird, wenn einfach nur mehr Frauen in "Positionen" kommen, ist jedenfalls nicht sinnvoll, dass das nicht funktioniert, hat sich ja inzwischen herausgestellt.

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Schade, liebe Esther, dass ich dich nicht zu einem real existierenden Espresso einladen kann; es gäbe da noch vieles miteinander zu besprechen...

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe Esther, hast du Luisa Muraros Buch denn gelesen? Sie ist jedenfalls kein bisschen "blauäugig und naiv". Vergiss nicht, dass das hier nur eine Rezension ist, also eine sehr subjektive Erzählung über meine Leseerfahrung, nämlich das, was mich an dem Buch interessierte und was mir gut tat. Und es gibt einen Unterschied zwischen "die Macht- und Herrschaftsverhältnisse nicht bedenken" und diese sehr wohl wahrnehmen und berücksichtigen, sich aber selbst nicht vollständig von ihrer Logik bestimmen lassen.

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • EstherGisler Fischer sagt:

    Ich lebe aber in einer real existierender Welt liebe Dorothee und liebe Fidi; kapitalistisch und kyriarchal geprägt (nach der feministichen Theologin Elisabeth Schüssler-Fiorenza: https://de.wikipedia.org/wiki/Kyriarchat) und entscheidend ist, ob ich am Schluss meines Lebens eine Rente habe, von der ich leben kann oder ob ich am Hungertuch nagen werde, weil ich ganz biblisch in der Hoffnung auf eine 'andere Welt' gelebt habe. Die Macht- und Herrschaftsverhältnisse nicht zu bedenken ist blauäugig und irgendwie auch naiv!

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • Dorothee Markert sagt:

    Danke, liebe Fidi, wollte auch schon antworten auf den Kommentar von Esther, aber so schön hätte ich es nicht formulieren können!

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • Christine Varwick zu Stirpe sagt:

    Kann ausgeübte Sexualität wirklich als Ware, als Dienstleistung, als Sache, als Produktionsmittel "verdinglicht" betrachtet werden und damit ein Tauschobjekt sein gegen Geld, eine Mahlzeit, Drogen, Obdach, einen Arbeitsvertrag, Karriere usw? Oder bleiben wir bei unserer menschlichen Wahrnehmung, dass Sex Spaß machen soll und wir es aus freiem Herzen mit anderen Menschen "bedingungslos" teilen möchten? In der Philosophie der Frauen lerne ich, immer präziser die feinen Unterschiede zwischen meinem menschlichen Sein als Frau und entfremdeten, übergestülpten kulturellen Sichtweisen wahrzunehmen. Klar, die Realität ist leider so, dass es Prostitution gibt. Im Artikel von Andrea Trenkwalder-Egger findet sich ein krasses Beispiel aus Wien - es zerreißt mir das Herz. Können wir nicht unsere Gesellschaften so formen, dass Frauen ihren Lebensunterhalt bestreiten können, ohne ihren Körper als Produktionsmittel einsetzen zu müssen, also Sex als Sache verkaufen zu müssen? Für die Sexuelle Selbstbestimmung und die "Freie Sexualität" in unserer Gesellschaft brauchen wir längst keine Prostitution mehr. Sexuelle Betätigung kann in unzähligen Flirtbörsen, Swingerclubs ganz nach Lust und Laune abgestimmt werden, auf Augenhöhe - frei, ohne ökonomische Gründe. Es gibt Polyamourie ... niemand wird heute mehr geächtet wegen häufig wechselnder Sexualpartner*innen. In Liebesbeziehungen/festen Bindungen - die nach wie vor von den meisten angestrebt werden - wird ausgehandelt, wie beide es mit der Treue handhaben möchten. Den gesellschaftlichen Zwang zur Treue gibt es längst nicht mehr - obwohl ich mich mitunter wundere, wie häufig die Institution Ehe als ein angebliches Gefängnis dargestellt wird und dass Sexualität in der Ehe kein Vergnügen wäre, sondern ein Tauschhandel. Wenn ich mir die junge Generation anschaue, die aktuell Ehe/Partnerschaft und Familie gestaltet, erscheinen solche Unterstellungen wie Anekdoten aus dem letzten Jahrtausend. Über Margot Müllers Kommentar habe ich mich sehr gefreut. Ihre Ausführungen haben die Betrachtungen zum "Sex als Geschenk" oder "Sex als Geschäft" für mein Empfinden treffend eingeordnet und geerdet. Ich möchte abschließend auf die aktuelle Aktion von TERRE DES FEMMES zum "Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen" hinweisen. Das gelungene Motto lautet: #S€XISTUNB€ZAHLBAR Auf der Homepage von TdF finden sich die besten Artikel, Filme, Bücher, Studien über Prostitution, die ich kenne.

    Artikel: Sex als Gabe oder Tausch

  • Sabienes sagt:

    Ich bewundere, wie du dich mit dem Thema auseinandersetzt! Mir würde das viel zu schwer fallen. Aber vielleicht interessiert dich das Buch "Schreib mein Happy End - Wandas Geschichte" von Sandra Hausser. LG Sabienes

    Artikel: Leben mit Tod und Sterben

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Wenn ich L.M. richtig lese, dann können wir sehr wohl „nötige Positionen“ einnehmen..., aber wir brauchen diese nicht, um wirklichen Einfluss zu nehmen. Unser Einfluss ist in jeder Frau, in ihrem Sein, vorhanden, -ist also bereits in dieser Welt, ist aber „von einer anderen Welt“! (sorry, das ist meine aus der Bibel geklaute Formulierung).

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • Dorothee Markert sagt:

    Dieser Junge hat darunter gelitten, sonst hätte ich wohl kein Mitgefühl mit ihm gehabt.

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • Esther Gisler Fischer sagt:

    So bestechend das alles tönt und mich nachdenklich zurücklässt, frage ich mich eben auch, ob es nicht nötig ist, dass Frauen einflussreiche Positionen einnehmen können, um ihr Begehren in die Welt zu bringen.

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • Spangler Karin sagt:

    Liebe Dorothee Markert, ich stimme nur in einem Punkt nicht mit Ihnen überein: das "Privileg" des Toilettengangs. Ich vermute, dass kein Mann dabei war und der Junge nicht begleitet werden konnte. Und selbst wenn, ob er das mit 10 Jahren wirklich gewollt hätte? Vielleicht will so mancher Junge ja auch unabhängig von Frauen sein!? Karin Spangler

    Artikel: „Vom Glück, eine Frau zu sein“

  • Ute Plass sagt:

    @Anne Newball Duke - Danke auch für den Link zum Adorno/Bloch-Video. Die Bedenken "zum Auspinseln von Utopien" kann ich nachvollziehen, wenn damit eine Art von Welt-Erlösungsformel für vorherrschendes Weltelend gemeint ist, die immer auch in Gefahr ist in zementierte Ideologie umzuschlagen. Dahingehend verstehe ich die Warnung der beiden Philosophen, denen es ja an utopischem Denken nicht mangelt. Sehr schön die einfach erscheinende Frage nach dem 'was fehlt', da diese die auch immer wieder sich ändernden DenkRäume von Utopien offen halten und trotzdem sehr konkrete NotWendigkeiten im Jetzt aufzeigen können. Interessant auch der Hinweis von Adorno nach dem Verbot, sich kein Bildnis von Gott zu machen welches im Widerspruch und Spannungsverhältnis steht zum menschlichen Bedürfnis nach Bildhaftem.

    Artikel: Utopisch denken! Plädoyer für das Ende eines Tabus.

  • Johanna Helen Schier sagt:

    Sabine Podratz: Ich schließe mich an. Deine Fragestellung ist spannend. Ganz besonders interessiert mich "Demenz in der Kinder-und Jugendbuchliteratur". Weiß jemand darüber etwas? Freue mich über Antworten.

    Artikel: Demenz in der Literatur

  • Ute Plass sagt:

    Anne Newball Duke - So bin ich denn gespannt auf den zweiten Teil:-)

    Artikel: Utopisch denken! Plädoyer für das Ende eines Tabus.

  • Juliane Brumberg sagt:

    @Sabine Podratz: Das ist eine spannende Frage. Mir fällt auf Anhieb kein Beispiel ein, aber ich werde es im Hinterkopf behalten. Ich vermute, dass Demenz früher weniger vorgekommen ist bzw. bekannt war, weil die Menschen,besonders, wenn sie gesundheitlich anfällig waren, früher gestorben sind.

    Artikel: Demenz in der Literatur

  • Anne Newball Duke sagt:

    Vielen Dank für die inspirierenden Kommentare bisher! Liebe @Ute Plass: ich glaube, einige Fragezeichen werden nach dem zweiten Teil verschwinden, weil dort noch deutlicher wird, dass ich aus den Literatur- und Kulturwissenschaften heraus denke. Denn Sie haben recht: es gibt viele bestehende utopische Ideen in Bewegung; auch darauf gehe ich im zweiten Teil ein. Ich denke nur, dass literarische Utopien gerade hier im deutschsprachigen Raum kaum eine Rolle spielen; Die linke Hand der Dunkelheit und Freie Geister (bekannter noch unter Planet der Habenichtse) von Ursula K. LeGuin gehören zu den wenigen bekannten. Und weil ich diese Romane selber so wahnsinnig inspirierend finde für mein Denken, und überhaupt nicht starr und langweilig, habe ich mich gefragt, was der Grund für ihre Nicht-Präsenz im hiesigen öffentlichen Diskurs sein könnte. Wenn ich mir die Fülle an feministischer Science Fiction in den USA anschaue, dann fällt einem die Leerstelle in der Produktion hier besonders auf. Das heißt nicht, dass es sie nicht gibt! Und vielen Dank auch für den Tipp "Mama Moneta", den kenne ich noch nicht. Bei Adorno geht es mir um das von ihm immer wieder an verschiedenen Stellen ausgesprochene Verbot des Auspinselns von positiven Utopien. So beispielsweise in der Negativen Dialektik und in dem sehr hörenswerten Beitrag "Adorno / Bloch: Möglichkeiten der Utopie heute": https://www.youtube.com/watch?v=_w5E2-ABxyQ. Und was das utopische Denken allgemein angeht, so gehe ich von mir und meiner Erfahrungswelt aus. So hat mich das Reden vom "Ende der Geschichte" als Heranwachsende sehr geprägt und mein Denken lange gezügelt. Ich weiß, dass auf dieser Plattform von vorne bis hinten utopisch gedacht wird, so beginne ich den Artikel ja auch. Aber außerhalb? Wie sieht es da aus? Diese (viele größere Welt) interessiert mich halt auch sehr. Sobald ich mich außerhalb bewege, ist es oft so wie auch @Adelheid Ohlig oder auch @iris welker-sturm beobachten, oder?: (Utopische Denk-)Leere und gar Ablehnung. Und beides zusammensetzend – meine Erfahrungswelt mit den darin viel zu lange fehlenden Romanen der feministischen Science Fiction – bin ich im Immer-weiter-darüber-Lesen und -Nachdenken und Nachfragen dann u.a. darauf gestoßen, dass die Autor*innen in allen Werken zur Utopie-Theorie davor warnen, "Utopien in einem Buch darzustellen" (das ist nochmal Bloch in eben jenem Hörbeitrag oben). Aber alles weitere… dann nächste Woche im zweiten Teil. Und ganz ausführlich dann im Buch, das aber noch eine Weile… geschrieben werden muss.

    Artikel: Utopisch denken! Plädoyer für das Ende eines Tabus.

  • Johanna Helen Schier sagt:

    Es scheint ein bisher vernachlässigtes Forschungsgebiet zu sein. Die Familie endet nicht bei den Großeltern und verwandschaftliche Beziehungen über die Kleinfamilie hinaus, zum Beispiel zu den Großtanten, haben in Zukunft vielleicht eine wachsende gesellschaftspolitische Bedeutung?

    Artikel: Älter werden - Familienbilder

  • Antje Schrupp sagt:

    Vielleicht dazu passend: Bin gerade über diesen Artikel gestolpet über neuzeitliche Märchen-Erfinderinnen im 17. Jahrhundert, vor den Grimms. Demnach gibt es eine starke Tradition von „Fairytales“, die nicht aus „Volkserzählungen“ stammen, sondern tatsächlich (utopische) Erfindungen von Schritstellerinnen sind: https://www.theguardian.com/books/2019/nov/11/the-first-fairytales-were-feminist-critiques-of-patriarchy-we-need-to-revive-their-legacy -

    Artikel: Utopisch denken! Plädoyer für das Ende eines Tabus.