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Neueste Kommentare

  • Dorothee Markert sagt:

    An den Waschtagen in meiner frühen Kindheit ging ich den Erwachsenen lieber aus dem Weg, denn alle waren gestresst und schlecht gelaunt. Das Gute war nur, dass es da immer Grießbrei gab mit Wurstbroten vorher, da keine Zeit zum Kochen war. Die gemeinsame Waschküche für das ganze Haus war im Keller, zwei Stockwerke unterhalb unserer Wohnung. Ich hatte dort nichts zu suchen, denn der Kessel mit der Kochwäsche war für ein kleines Kind gefährlich. Aufgrund ihrer Herzkrankheit war die schwere Arbeit des Wäschewaschens für meine Mutter nicht möglich, deshalb kam immer eine junge Frau aus dem Dorf, in dem wir vorher gewohnt hatten. Sehr früh, noch in den 50er-Jahren, bekamen wir eine vollautomatische Waschmaschine, unsere "Constructa". Wollsachen und Socken wurden aber weiterhin von Hand gewaschen, und da wurde ich schon bald einbezogen. Irgendwann fand ich heraus, dass das Waschen mit mehr Seife leichter ging, war aber nicht sicher, ob ich diese nehmen durfte, so fragte ich vorsichtshalber nicht nach. Die Bettwäsche brachte mein Vater in die Wäscherei. Die Constructa lief jahrelang problemlos und überstand sogar zwei Umzüge. Als die eingebaute Schleuder schließlich kaputt war - ich studierte schon längst - , bekam meine Wohngemeinschaft die Maschine geschenkt, zusammen mit einer Schleuder. Wir waren sehr froh darüber und luden gern die nasse Wäsche von der Waschmaschine in die Schleuder um. Vorher hatten wir von Hand gewaschen, oder eine Mitbewohnerin, die als Krankenschwester arbeitete, wusch während ihrer Nachtwachen all unsere Wäsche heimlich in der Klinik. Als ich 1973 in den USA war, begeisterte es mich, dass es in den Kellern von Mehrfamilienhäusern selbstverständlich einen Raum mit Waschmaschinen gab, so dass nicht jede Familie ihre eigene haben musste.

    Artikel: Die Waschmaschine. Private Nachforschungen in drei Frauen-Generationen und Be- und Erkenntnisse einer hoffnungslos Abhängigen.

  • Fidi Bogdahn sagt:

    (Anne, ich wollte doch vor dir da sein... :-) ) * …und wenn ich meinen Maulwurf jetzt nochmals, diagnostisch einsaetze, um den einen letzten Satz zu fressen: „Je mehr die Autorin ihre Gedanken ausschmückt, umso weniger hat sie zu sagen“ dann… „schmeckt gut!“ mault er vielleicht und wirft mir doch mit blinden Augen seinen Hunger auf weiteres, sättigendes Fressen in meine Gedankenwelt. - Was also tun? Ich will ihn ja nicht verhungern lassen. Aber ich werde mich hüten, ihm Regenwürmer zu kommentieren! Ich weise es doch, dass für ihn gilt: „Sich regen bringt Würmer“. Und für uns alle in unserer Verschiedenheit gilt hier beziehungsweise weiterhin: "Sich regen bringt Segen!“ Na dann mal zu!

    Artikel: Irritationen und Gedanken zu Chiara Zambonis erstem Kapitel von "Sentire e Scrivere la Natura"

  • Anne Newball Duke sagt:

    Na ich glaube, eine unverständliche Sprache zu nutzen und darüber größtmögliche Distinktion zu erreichen/ sich nur unter "seines/ihresgleichen" bewegen zu wollen bzw. kein Interesse daran zu haben, dass andere die Gedanken nachvollziehen können, ist etwas ganz anderes, als Gedanken auszuschmücken, um den Kerngedanken anderen vielleicht durch die Ausschmückung verständlicher zu machen. Klar kann das egozentrisch motiviert sein, aber ich erkenne meist schon, ob hier eine Autor*in versucht, mir ihre Gedanken zu verdeutlichen, oder ob sie nur um sich selbst und wenige andere kreist. Falls an meinem Text etwas unverständlich ist, bin ich hier, um etwas zu erklären, um noch einmal andere Worte zu finden als die, die mir nahelagen. Manche Texte sind einfacher zu verstehen, das ist ja auch individuell verschieden und natürlich total abhängig vom Thema. Und manche Texte kosten eben etwas mehr Zeit und Energie. Kann jede ja zum Glück frei und selbst entscheiden, ob sie sich dem aussetzen mag, weil sie ein "Mehr" für sich erhofft, oder nicht.

    Artikel: Irritationen und Gedanken zu Chiara Zambonis erstem Kapitel von "Sentire e Scrivere la Natura"

  • Johanna Helen Schier sagt:

    Hallo liebe Fidi. "... sich wie ein Maulwurf durch wortmächtige Texte buddeln..." Ich erinnere mich an die Seminare und Texte meiner Studienzeit in den achtziger Jahren. Je unverständlicher der Text, desto größer der Respekt der Studentinnen. Heute weiß ich: Je mehr die Autorin ihre Gedanken ausschmückt, umso weniger hat sie zu sagen.

    Artikel: Irritationen und Gedanken zu Chiara Zambonis erstem Kapitel von "Sentire e Scrivere la Natura"

  • Adelheid Ohlig sagt:

    Merci für die ausführliche Beschreibung des Alltags mit und ohne Waschmaschine in der DDR. Ich, Jahrgang 1945, erinnere mich noch an den Übergang und die Befreiung von der Last der Wäsche. Auf dem Land gross geworden, hatten wir eine Waschküche mit großem Bottich, der beheizt wurde, 1x die Woche höchstens, eher weniger. Wenn die Sau geschlachtet wurde, diente dieser Waschkessel zum Kochen der Würste etc. Im Winter - wir hingen die Wäsche im Schuppen auf - waren die Betttücher steif gefroren. Während des Studiums wusch ich alles per Hand. Und auch als Journalistin in verschiedenen Ländern tat ich dies. Erst in den späten 70ern hatten wir eine Waschmaschine in der WG in München. Was ich in CH gut finde (meine Nichten weniger): im Keller ist eine Waschmaschine für alle, und die Leute sprechen sich ab oder tragen sich ein, ausserdem kann da die Wäsche aufgehängt werden. In meiner jetzigen WG, Hausgemeinschaft, guckt man einfach, ob die Maschine gerade frei ist - klappt bestens. Innert 30 Jahren haben wir nun die dritte Maschine. Das Laken, das vor einem Jahr bei der Hausgeburt voller Blut etc. war, wusch ich in der Badewanne per Hand - es tat gut, auf diese Weise dem gerade mit erlebten, natürlichen Vorgang nachzuspüren. Dabei fällt mir ein, dass ich das Totenhemd meiner Mutter (sie starb 1965) zuerst durchs Wasser zog, damit ich es besser bügeln konnte. Das hatte sie mir noch aufgetragen. Und ich brachte es ihr ans Bett, kurz bevor sie dann zum letzten Mal ausatmete. Merci, dass ich Erinnerungen teilen durfte.

    Artikel: Die Waschmaschine. Private Nachforschungen in drei Frauen-Generationen und Be- und Erkenntnisse einer hoffnungslos Abhängigen.

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Mit größtem Interesse lese ich eure Beiträge bzw. diese Kommentare. Und nicht zum ersten Mal, auch dieses Mal komme ich mir vor wie ein Maulwurf, der sich durch die wortmächtigen Texte buddelt; meine Erdhaufen sind einzelne Sätze, die ich mir rauskopiere, um diese anschließend maulwurfuntypisch im Sonnenlicht zu zersätzen, in der Hoffnung, dann alles in weniger Worten einfacher zu verstehen. Ich möchte nichts weniger als "am Mehr anderer Frauen zu wachsen“!

    Artikel: Irritationen und Gedanken zu Chiara Zambonis erstem Kapitel von "Sentire e Scrivere la Natura"

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Anne, vielen Dank für Deinen Beitrag, den ich sehr spannend finde, weil er so viele Geschichten vereint, weil er auf die Unterschiede zwischen DDR-Haushalten und BRD-Haushalten eingeht (über die ich so wenig weiß) und weil Du Dein eigenes ambivalentes "Abhängigkeitsverhältnis" zur Waschmaschine so anschaulich beschreibst. Ein bisschen schockiert mich, wie oft Du offenbar wäschst (und wieviel Zeit das kostet). Ich bin da sehr viel nachlässiger (kleine Flecken mach ich notdürftig mit Handwäsche weg). Früher, als unsere Kinder noch bei uns wohnten, hatte ich 2-3 Waschmaschinen in der Woche, heute ist es meist nur eine, selten 2. Ich kann mich nicht dran erinnern, dass es jemals 2 an einem Tag waren, but wait...doch, wenn ich die Trikots des ganzen Fußballvereins waschen musste. Was Du darüber erzählst, dass niemand sich direkt an den Einzug der Waschmaschine in den Haushalt erinnern konnte, den/die du befragt hast, ging mir beim Kühlschrank genauso. Erst in längeren Gesprächen kamen dann Sachen heraus wie das Herumräumen der Lebensmittel auf den Fenstersimsen im Laufe eines Tages, damit sie immer im Schatten lagen. Beim elektrischen Herd war das ganz anders, mit dem verband z.B. meine Mutter "Modernität" und Abkehr von der ganzen Gebundenheit in ihrer Jugend. Das ist auch eine interessante Frage, die sich aus dieser Reihe ergibt: Welche Geräte es warum zu einer "Beziehung" mit uns schaffen und welche eher so nebenher halt da sind, beinahe unbemerkt. In der Gegend, aus der ich komme, wohnten früher viele in der "Waschküche", weil sie der immer warme Ort im Haus war. "Wohnzimmer" wurden nur für ganz seltene festliche Anlässe geöffnet. Lustigerweise waren deshalb auch die Waschküchen in den Neubauten der 60er und 70er Jahre sehr groß, obwohl ja nur die eine Maschine drin stand. In meiner Kindheit habe ich es so wahrgenommen, dass alle Frauen im Familien-Clan (die Großmutter, Großtanten und Tanten) dauernd gearbeitet haben und Waschen war ein wichtiger und sehr zeitfressender Teil davon. Der "moderne" Haushalt meiner Mutter schuf dagegen Zeit-Freiräume, die sie als "BRD-Frau" eben nicht nutzte, um erwerbstätig zu sein (jedenfalls nicht in meiner Kindheit), sondern um Zeit für uns zu haben (Vorlesen z.B.), Muße für sich, um ihren Horizont zu erweitern (VHS-Kurse) und Sprachen zu lernen. Aus meiner heutigen Perspektive war das keineswegs vergeudete Zeit, sondern die wertvollste überhaupt. Von allen Geräten, über die bisher in dieser Reihe geschrieben wurde, wäre die Waschmaschine dasjenige, bei dem ich mir noch am ehesten vorstellen könnte, es mit einer Hausgemeinschaft zu teilen. Bei uns im Haus stehen im Keller 4 Waschmaschinen (4 verschiedene Haushalte) und meistens stehen 3 still. Ich käme mit einem Waschtag pro Woche aus. Als ich studiert habe, bin ich mit der schmutzigen Wäsche nach Hause zu meinen Eltern gefahren (gab noch kaum Waschsalons). Da hat einmal alle 14 Tage Waschen gereicht. Was das Auswechseln von Waschmaschinen angeht: Ich habe in meinem Erwachsenenleben bisher 2 gehabt (die 2. haben wir noch). Ich finde also, dass sie doch ziemlich langlebig sind (bei der ersten waren es fast 20 Jahre). Wir hatten aber beide Male sehr teure Waschmaschinen von einer bekannten Marke (der wir "treu" sind) gekauft. Keine Ahnung, ob das Aberglaube ist oder sie wirklich technisch besser sind. Jedenfalls ist auch der Kundenservice super, denn wenn mal was kaputt war, kam immer schnell jemand (war glaube ich insgesamt 3x nötig) und hat sie kostengünstig repariert.

    Artikel: Die Waschmaschine. Private Nachforschungen in drei Frauen-Generationen und Be- und Erkenntnisse einer hoffnungslos Abhängigen.

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Sandra, danke für deinen ausführlichen Kommentar! Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass wir in vielem einer Meinung sind, wo du einen Unterschied ausmachen willst, z.B. wenn du schreibst, dass "jeder und jedem diese Aufmerksamkeit unter bestimmten Umständen auch abhanden kommen kann". Davon und von vielen mehr schreibe ich ja den ganzen Artikel lang, mit dem Ausflug ins Vergessen usw. usf. Den Imperativ meine ich natürlich überspitzt. Natürlich haue ich den Satz niemandem in der Art um die Ohren, und wenn, dann nur nach ausführlichen, auf Vertrauen basierenden Gesprächen. Ich meine, es müsste möglich sein, auch einmal etwas "heftiger" darzustellen, um eine Brisanz zu verdeutlichen. Ich glaube nämlich, dass die meisten Menschen noch nicht im Klaren darüber sind, wo wir momentan in der Weltgeschichte stehen. Ich habe diese Artikel schon so oft hier verlinkt... ich tue es auch jetzt wieder: https://utopia.de/zusammenbruch-zivilisation-klimakrise-prognose-klimawandel-193842/ Face the Facts: Es ist doch so, dass wenn wir uns - in der genügenden Anzahl für gesellschaftliche Kipppunkte - nicht umorientieren und unser Begehren MÖGLICHST BALD neu ausrichten, wir sehr bald keine Chance mehr haben werden, noch irgendetwas auszurichten. Das hat nichts mit Moral zu tun, oder dass ich so gemein und egozentrisch bin, weil ich andere Leute unbedingt auf meine Seite ziehen möchte. Es geht um alles mittlerweile. Und die Zeit läuft uns zudem davon. Sonst würde ich ganz anders reden, glaub mir. Dann würde ich mich in meinen Schaukelstuhl setzen, mir eine Pfeife anzünden und sagen, "Well well, in ein paar Jahrhunderten und nach ein paar heftigen Backlashs werden wir das mit der Klimakrise und dem Artensterben schon auf die Reihe kriegen; wenn nicht meine Generation, dann die meiner Kinder und Kindes- oder Kindeskindeskindeskinder. No pressure at all." Ich glaube, dass jetzt so viele feministische und indigene Philosoph*innen gerade aus der Biologie und Geologie usw. kommen und das Verhältnis der Menschen zur Welt in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen rücken, ist, weil sie die Zusammenhänge begreifen und begreiflich machen wollen, WEIL die Uhr tickt, und WEIL es in weniger als 10 Jahren UNWIEDERBRINGLICH zu spät sein wird dafür, dass möglichst viele Menschen ein gutes Leben haben können. Hinter ihrem Schreiben steht ein fetter Imperativ! Alle Philosoph*innen, die ich bisher dazu gelesen habe, haben ihren je eigenen Stil und Methode. Und egal, ob sie darin tatsächlich einen Imperativ verwenden oder nicht: Ich lese und fühle den Imperativ in jedem einzelnen ihrer Worte. Meine Art der Übersetzung dieser Texte ist es, den Imperativ zu verdeutlichen, indem ich ihn nutze. Ich denke, viele verschiedene Arten des Ausdrucks erreicht insgesamt vielleicht mehr Menschen. Ich würde mir wünschen, ich müsste nicht derartig ungeduldig sein und könnte mir den Imperativ sparen. Ich wünschte, Freiheit könnte immer noch die Freiheit bedeuten, unendlich viel Zeit für Entwicklung zu haben. Ich bin aber der Meinung, dass die Menschen, die die Zeit und Energie aufbringen können, diese Bücher lesen, auch den Imperativ in den Texten erkennen und auf die Straßen springen sollten (wegen der Kippunkte ;) . Ich meine, ist das verständlich, was die Klimaforscher*innen da sagen? Kommt das an? Dass in etwa 80 Jahren die Anzahl der Menschen auf eine Milliarde reduziert sein wird, wenn wir so weitermachen wie bisher? Und dass meine Kinder zu den wenigen lucky ones zählen würden, wenn sie keinen gewaltsamen Tod erleben? Und dass sie dann aber dennoch auf schlimmste Art und Weise ganze Gesellschaften zusammenbrechen sehen werden, Teil des Zusammenbruchs sein werden? Und dass ich darauf lieber nicht wetten möchte und lieber alles jetzt in die Waagschale schmeiße, um am Ende zumindest sagen zu können: Ich habs zumindest versucht, wenn auch mit ein paar Imperativen zuviel? Und dann werde ich auf meinem Sterbebett sagen: "Aber wisst ihr Kinder, die Leute damals vertrugen keine Imperative... das verstand man damals unter Freiheit..." Ich finde, es ist schon an der Zeit, sich nicht mehr so über Imperative zu ärgern, sondern zu überlegen, warum wer Imperative nutzt. In der Sache könnte mir ja auch vertraut werden, oder nicht? Vielleicht haben die Leute, die gerade Imperative benutzen (Klimaforscher*innen vor allem), ja recht? Vielleicht macht ihr Imperativ Sinn? Und vielleicht übersetzen Philosoph*innen wie Donna Haraway, Robin Wall Kimmerer, Chiara Zamboni, Tyson Yunkaporta, Teresa Brennan, Richard Powers, Isabelle Stengers, Bayo Akomolafe, Emanuele Coccia, Lynn Margulis und so viele mehr ja nur die Imperative, die sie in ihrer Forschung und Wahrnehmung als Erkenntnis herausgearbeitet haben, und zwar möglichst verdaulich, damit die Leute, die keine Imperative mögen, doch noch dazu kommen, eventuell auch mal einen Imperativ in Erwägung zu ziehen? Vielleicht ist es an der Zeit, die Imperative mehr zu erkennen und sich nicht mehr so darüber aufzuregen, dass es Imperative gibt? Es gibt sie, sofern das (gute) Weiterleben der Menschheit ein Interesse ist. Das Überlegen, ob es Imperative geben darf oder nicht, ob man Leute damit konfrontieren darf oder nicht, ist für mich irgendwie mittlerweile echt verlorene Zeit. Du kannst sagen: okay, Imperative sprechen mich nicht an, rede mit mir. Dann sage ich dir: ich habe 6 Seiten lang meine Sichtweise dargelegt, mich mit einem Text auseinandergesetzt und am Ende dieser 6 Seiten einen Imperativ formuliert: ausführlich zuvor hergeleitet und besprochen. Ist er dennoch so unverdaulich? Hat der Text kein Vertrauen gelegt, habe ich nicht genug von mir preisgegeben, dass ich das am Ende tun kann, ohne dass du dich angegriffen fühlst? Und noch eine Frage: Fühlst DU dich von meinen Worten angegriffen, oder wen oder was fühlst du angegriffen? Ansonsten habe ich das Gefühl, dass Chiara Zamboni unter "horizontale Wahrnehmungsperspektive" hier etwas anderes versteht als was du meinst. Ich habe teils das Gefühl - nicht böse sein - dass du meinen Text nicht wirklich durchdrungen hast. Die spannende Frage ist doch, für mich zumindest: Warum schreibt Chiara Zamboni genau jetzt ein Buch über "Natur"? Welchem Begehren folgt sie? Welche Dringlichkeit (welchem Imperativ ;) dafür sieht sie, folgt sie in sich?

    Artikel: Irritationen und Gedanken zu Chiara Zambonis erstem Kapitel von "Sentire e Scrivere la Natura"

  • Johanna Helen Schier sagt:

    Hallo Fidi. "Erstrebenswerte Norm...?" Ich lebe (fast) vegan und empfinde seit meiner Ernährungsumstellung in keiner Weise einen Mangel. Im Gegenteil! Und: Einen Kühlschrank oder gar eine Tiefkühltruhe brauche ich nicht. Ich wüsste nicht, welche Lebensmittel ich hier lagern sollte. Mein Erdkeller ist ideal für meine Lebensform.

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Fidi, vielleicht wäre es tatsächlich besser gewesen, wenn ich in meiner Antwort weniger den "Verzicht" akzentuiert hätte, als auf den "Überfluss" einzugehen, von dem Du geschrieben hattest. Schon lange wollte ich einmal eine "Apologien des Überflusses" schreiben - denn in meinem Denken hängt vieles genau davon ab, dass es "Überschuss", "Überfluss" gibt, damit ein "gutes Leben" überhaupt möglich ist. Und wahrscheinlich ist es diese Differenz im Grundsätzlichen, die Du meinst.

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • Jutta Pivecka sagt:

    Das ist wirklich spannend, auch, weil es statistisch auf den ersten Blick so unwahrscheinlich erscheint, dass ein Beitrag auf einer Seite, die kein Millionenpublikum hat, ausgerechnet gleich von 3 Personen gelesen wird, die zu den 0,1% in Deutschland gehören, die keinen Kühlschrank (mehr) haben. Es spricht wohl dafür, dass diese Seite von einem sehr speziellen Publikum aufgerufen wird, für das ein Leben ohne elektrische Haushaltsgeräte offenbar wesentlich vorstellbarer ist, als für die überwältigende Mehrheit, zu der ich gehöre. Es ist schön, dass ihr entscheiden könnt, so zu leben, wie ihr es möchtet.

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • Johanna Helen Schier sagt:

    Hallo liebe Jutta. Wir, drei Vegetarierinnen ü 60, ehemalige Großstädterinnen, nun (wieder) auf dem Land lebend, jede für sich auf ihrem "Gehöft" arbeitend, haben unsere Tiefkühltruhen und Kühlschränke schon vor Jahren abgestellt. Unsere Erdkeller sind gefüllt (nicht überfüllt) mit Gemüse, Obst, Säften etc. und so weiter... Vergnügte Grüße vom Lande, Johanna Helen

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • Sandra Divina Laupper sagt:

    Hallo Anne, Chiara Zamboni lehnt sich in diesem Text, denke ich, an den Text von Ingeborg Bachmann an, um aufzuzeigen, wie mächtig es sich auf unsere Fähigkeit zur Veränderung auswirken kann, wenn wir bereit sind, uns auf ein Wissen mit der ganzen Seele einzulassen. Was mir auffällt, wenn ich diesen deinen Kommentar lese, ist, dass du dich immer wieder so ausdrückst, als spreche Chiara davon, dass es auf der einen Seite Menschen gebe, die zu einer derartigen "horizontalen" Form von Aufmerksamkeit und somit Wahrnehmung und somit Sprache fähig sind, und auf der anderen Seite hingegen Menschen, die dazu nicht fähig oder nicht bereit sind. Aber ich verstehe Chiara nicht so. Ich denke, jede und jeder ist zu einer solchen Aufmerksamkeit fähig - grundsätzlich. Aber jeder und jedem kann diese Aufmerksamkeit unter bestimmten Umständen auch abhanden kommen. Auf keinen Fall handelt es sich um eine Fähigkeit oder auch um eine Bereitschaft, die sich von allein einstellt oder die ich forcieren kann, wenn mir dafür die Voraussetzungen fehlen. Das Verdienst einer Ingeborg Bachmann oder auch einer Chiara Zamboni besteht darin, uns dank diesen ihren Texten in dieser Fähigkeit zu bestärken. Ich glaube, du solltest auch nicht unterschätzen, dass Chiara (Ingeborg?) von der Wichtigkeit des Vertrauens spricht - sprich von der Wichtigkeit starker und verbindlicher menschlicher Beziehungen. Ohne die geht keine Veränderung voran! Ehrlich gesagt: Ich würde mich nie getrauen, an irgendjemanden irgendwelche Aufforderungen zu richten, zu dem ich nicht eine Vertrauensbeziehung pflege! Du tust das aber, wenn du solche Sätze sagst wie "Leute, eignet euch doch bitte mal eine solche Wahrnehmung an". Damit fällst du selbst aber aus einer solchen "horizontalen" Wahrnehmungsperspektive heraus, stellst dich auf einen Sockel - und wirkst unvermeidlich ganz unglaubwürdig, weil du dich selbst in Gegensatz stellst zu dem, was du sagst. Du selbst personifizierte in solchen Sätzen eben jene Normalität, der du zu entkommen versuchst! Eben die Normalität der Macht, die versucht, möglichst viele Leute auf ihre Seite zu bringen, um einen möglichst großen Einfluss zu gewinnen. Du predigst auch in den letzten Zeilen deines Kommentars von der Wichtigkeit einer Wahrnehmungsfähigkeit, die es schafft, Realität und Reales in einem fließenden Übergang zueinander zu sehen. Wir brauchen alle keine Künstlerinnen oder Philosophinnen zu sein, um sie zu erwerben, schreibst du. Freilich nicht. Aber es reicht auch nicht allein ein Willensakt dazu. Das, was es dazu braucht, um zu einer effektiven symbolischen Revolution zu finden, sind konkrete politische Praktiken, die von Kontext zu Kontext neu zu erfinden sind. Auch hier verweise ich auf den Text zum philosophischen und politischen Streit um die Bedeutung von Praxis, den Chiara Zamboni verfasst und Dorothee Markert für bzw. weiterdenken übersetzt hat! Alles Liebe - und viel Erfolg beim Lesen!

    Artikel: Irritationen und Gedanken zu Chiara Zambonis erstem Kapitel von "Sentire e Scrivere la Natura"

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Tja, liebe Jutta, was soll ich dazu sagen… Du hast recht, wir sind da -das zeigt sich deutlich in deinem Kommentar- sehr unterschiedlicher Meinung; und aus meiner Sicht ist es noch mehr: wir denken Im Grundsätzlichen unterschiedlich. (z.B. existiert für mein Denken und Handeln dieses, dein Wort, „Verzicht“ nicht)

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Fidi, da sind wir allerdings verschiedener Meinung zu diesem Thema. Denn für mich ist genau das Wohlstand, vor allem auch die Ersparnis an Zeit und Energie, die für andere Formen der Haltbarmachung von Lebensmitteln aufgewendet werden müssen. Auch bin ich sehr froh, in einer arbeitsteilig organisierten Wirtschaft zu leben, in der ich nicht, wie in einer Subsidiarwirtschaft, fast alles Notwendige selbst produzieren muss. Überfluss finde ich persönlich nicht per se schlecht. Aus meiner Sicht wird "Überfluss" vor allem in protestantischen Kreisen gerne als illegitim gebrandmarkt und moralisch ihm der Verzicht als überlegen gegenübergestellt. Letztlich geht es dann meist darum, festzulegen, was "notwendig" und was "überflüssig" ist. Für mich z.B. ist Kaffee absolut überflüssig. Also, weg damit! Ob sich da alle einverstanden erklären würden, die anderen gern Verzicht "predigen"? Ich möchte lieber gänzlich darauf verzichten, "erstrebenswerte Normen" für das aufzustellen, worauf andere Menschen verzichten sollen. Ich selbst will und werde auf einen Kühlschrank der gegenwärtigen Normgröße nicht ohne Zwang verzichten. Ich sehe in meinem Umfeld auch kaum jemanden, der dazu bereit wäre. (Und dabei ist nicht einmal eingerechnet, dass ich selbst erst in meinem 57. Lebensjahr einen Kühlschrank dieser Normgröße erworben habe - vorher war meiner ja kleiner als die hierzulande übliche "Norm".)

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Jutta, Du schriebst hier als ziemlich letzten Satz dieses: "Ich jedenfalls finde, dass die Verfügbarkeit eines Kühlschranks ein wichtiger Wohlstandsindikator ist.“ Ein Kühlschrank -von derzeitiger NormGröße, in dem alles nur Wünschenswerte gekühlt aufbewahrt werden kann, so dass alles stets vorhanden ist, wenn das Verlangen danach kommt... …beinhalten diese unsere Kühlschränke nicht eher den Überfluss? Ich jedenfalls möchte diese gekühlte Fülle nicht als Wohlstand bezeichnen, schon gar nicht als erstrebenswerte Norm für die Menschheit!

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Dorothee, das ist ja spannend, von "Wasserglas" habe ich noch nie gehört. Das werde ich mal recherchieren. Milch habe ich auch noch beim Bauern (d.h. bei meiner Tante) geholt in blechernen Kannen.

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • Dorothee Markert sagt:

    In der Küche meiner Kindheit gab es sogar drei Herde. Gekocht wurde fast nur auf dem zweiflammigen Gasherd, da Gas billiger war als Strom. Nur als dritte Kochstelle benutzten wir manchmal eine Platte des Elektroherds und natürlich den Backofen. Da der alte Kohleherd nicht benutzt wurde, war es immer sehr kalt in der Küche, denn eine andere Heizung gab es natürlich nicht.

    Artikel: DER HERD

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe Jutta, durch deinen Artikel hab ich mich an die Zeit erinnert, bevor wir einen Kühlschrank hatten. Am grauslichsten war es für mich, wenn ich Lebensmittel in den Erdkeller bringen oder dort holen musste, der noch tiefer lag als die normalen Keller, in denen Kohlen, Kartoffeln und Äpfel gelagert wurden. Er war voller Spinnweben, in die man manchmal hineinfasste, wenn man den Lichtschalter suchte. Dort musste ich auch Eier holen, die in einer glibbrigen, weißen Masse gekühlt wurden, die „Wasserglas“ hieß. Milch beim Bauern holen mussten wir Kinder abwechselnd morgens vor der Schule, also oft im Dunkeln. Was übrig blieb, ließ man in einer Keramikschüssel sauer werden. Die gab es dann mit Brotbrocken und Zucker und Zimt zum Abendessen. Das mochte ich gern. Das Einmachen und das tägliche Milchholen behielten wir trotz Kühlschrank bei, nur dass wir dann Joghurt machten statt Sauermilch.

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Christine, das weiß ich alles. Ich bin auf dem Land groß geworden (keine "Städterin" von Haus aus, aber nun seit vielen Jahren gerne eine). Ich wollte immer weg vom Land und vor allem von den vielen, vielen Hausarbeiten. Daran hat sich nichts geändert. Das Eingemachte schmeckt mir einfach nicht. Ich weiß aber genau, wie vielen das Einkochen Freude macht. Mir halt nicht. Und ich bin sehr froh, dass ich es nicht muss. Wie bei so vielen anderen zeitfressende Hausarbeiten, für die ich angelernt wurde, die mir aber nie Freude gemacht haben. Ich wünsche mir halt, dass auch meine Unlust auf diese Arbeiten anerkannt wird - und meine Dankbarkeit für die Techniker_innen und Ingenieur_innen, die es ermöglicht haben, dass ich sie nicht mehr machen muss. Gerade darum schreibe ich diese Serie - weil ich überzeugt bin, dass die Bedeutung der Technik und der Massenproduktion im Haushalt vielfach übersehen wird. Für mich ist die Herstellung solcher Geräte auch Care-Arbeit.

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • christine obermayr sagt:

    Interessante Kulturgeschichte. Und daneben soviel unerklärliches Beiwerk. Ansichten einer Städterin? Ich verstehe beispielsweise nicht, weshalb bei einem Artikel über die Bedeutung des Kühlschrankes das Einkochen so schlecht gemacht werden muss. Die Aufbewahrung durch Einkochen und durch Kühlen lässt sich in keiner Weise vergleichen. Einkochen ist auch immer eine Form der Verarbeitung für die Direktverwendung. Einkochen ist auch Wissen über die Qualität dessen, was ich esse. Kühlschrank und Gefrierschrank sind für mich zwei wesentliche Geräte. Aber ja, ich koche ein: Marmeladen und auch - wenn der Ertrag des Gemüsegartens entsprechend ist - auch Eingelegtes in Essig. Das ist aber nicht sauer, weil ich hochwertigen Essig verwende. Die Marinade verwende ich dann für Salate. Gibt guten Geschmack zusätzlich. Außerdem ist es auch ziemlich umweltfreundlich, weil: keine Transportwege, wiederverwendete Gefäße, kein Einsatz von Pestiziden. Gekauftes Gemüse ist bei mir saisonal regional. Alle Erträge an Sommergemüse sind eingefroren oder eingemacht. Was interessieren mich Paprika, Tomaten, Zucchini, Auberginen, Gurken, ... im Gemüseregal im Herbst, Winter und Frühling? Überlege mal: Wo das herkommt? Wer das erntet? ... Und nein. Gemüsebeet und Einkochen sind nicht einfach ein Hobby. Das ist Grundversorgung. Das ist Wissen um Heranziehen, Wachsen, Ernten und Haltbarmachung. Und es kostet Zeit. Und gerade die Arbeit im Gemüsegarten ist nicht immer nett. Da gehört auch Schneckenvernichtung, Kartoffelkäferabklauben, Drahtwurm, Engerling ... dazu. Ich töte im Sommer vielfach. Das gehört dazu, wenn ich was zum Essen bekommen möchte. Gemüse wird nicht so klinisch rein erzeugt, wie es im Gemüseregal erscheint.

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • Adelheid Ohlig sagt:

    Merci von Herzen für diesen fundierten, informativen, mit persönlichen Erinnerungen angereicherten Bericht: ich las ihn gerne und wurde selbst an meine Kindheit erinnert. Danke für die vielen Querverweise in all die Richtungen, in denen so ein Gerät wirksam wurde, wird, die Möglichkeiten, die mit dem Gebrauch einher gingen, gehen...merci und herzliche Grüsse Adelheid

    Artikel: DER KÜHLSCHRANK

  • Juliane Brumberg sagt:

    Liebe Elke, danke für Deine wertschätzenden Worte. Dein Kommentar hat dazu geführt, dass ich mein Glaubensbekenntnis von vor 10 jahren seit langem wieder gelesen habe. Und ja, das glaube ich immer noch. Und es geht mir gut damit.

    Artikel: Geheimnisse

  • Sandra Divina Laupper sagt:

    Liebe Antje! Eine Ausstellung zum Thema "Mutterschaft": wie spannend! Auch in unserer Frauengruppe Baubò war Mutterschaft ein wichtiges Thema, als wir die Gruppe 2005 gründeten. Nicht zufällig gaben wir der Gruppe den Namen "Baubò", der der Namen einer mythologischen Gestalt ist, die als Schutzpatronin der Geburt gilt. Wir waren alle erst kürzlich zum ersten, zweiten oder dritten Mal Mütter geworden oder hatten immer noch ein lebhaftes Interesse am Thema "Mutterschaft und Geburtlichkeit", auch wenn die Kinder schon größer waren. Für uns war es allerdings wichtig, zu einer stimmigen Definition von "Mutterschaft" zu finden, eben um uns von den konventionellen, sehr patriarchal geprägten Vorstellungen von Mutterschaft zu distanzieren! Da war die Lektüre von Texten wie "Die symbolische Ordnung der Mutter" von Luisa Muraro oder auch "Der Frauenleib als öffentlicher Ort" von Barbara Duden sehr hilfreich. Schließlich einigten wir uns auf die Definition der Mutterschaft als einer Ausdrucksform der weiblichen Fruchtbarkeit. Dabei war es uns wichtig, diese Ausdrucksform der weiblichen Fruchtbarkeit als gleichwertig anzusehen mit allen anderen Ausdrucksformen der weiblichen Fruchtbarkeit, wie z.B. der Menarche, der Menstruation oder der Menopause - aber auch der Fehlgeburt oder der Abtreibung. Freilich hat gesellschaftlich gesehen die Mutterschaft eine größere Bedeutung als die Menstruation - tatsächlich wird ja diese Ausdrucksform der weiblichen Fruchtbarkeit normalerweise nur in Funktion des "Schwangerwerdenkönnens" und somit der Schwangerschaft und Geburt angesehen. Aber subjektiv gesehen sind alle Ausdrucksformen der weiblichen Fruchtbarkeit Erfahrungen, die eine Frau vor die Herausforderung stellen, den körperlichen Begebenheiten - unabhängig von Krankheit oder Gesundheit - eine subjektiv verankerte Bedeutung zu geben. Und in dieser Subjektivität liegt unsere Freiheit. Tatsächlich würde jede Form von Hierarchisierung der verschiedenen Ausdrucksformen der weiblichen Fruchtbarkeit uns Frauen unserer Subjektivität und somit unserer Freiheit berauben. Die Mutterschaft begründet die Gesellschaft und nicht umgekehrt. Zugleich war es uns wichtig, die Bedeutung der Begleitung einer Frau durch alle Phasen der Fruchtbarkeit, insbesondere aber durch Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit, durch eine andere, "weise" Frau - und damit die Rolle der Hebammen - zu unterstreichen. Keine bringt ein Kind allen zur Welt. Die Mutterschaft begründet die Gesellschaft, aber die weibliche Gesellschaft begründet die Mutterschaft. Meinst du nicht, dass eine Darstellung von Baubò oder auch eine andere aus der Antike bekannte Darstellung von Geburt gut zu dieser Ausstellung in Mannheim gepasst hätte? Das sind etwas weniger konventionelle Darstellungen von Geburt und Mutterschaft...

    Artikel: Mutter! Eine sehenswerte Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim

  • Elke Eichler sagt:

    Liebe Juliane Brumberg, 10 Jahre nach der Veröffentlichung auf dieser Seite finde ich Dein Glaubenskenntnis. Wie Dorothee Markert immer auf der Suche nach einer inklusiven Sprache in der christlichen Liturgie, spricht es mir so auch dem Herzen, dass ich es abgeschrieben habe. Nur für mich! Vielleicht lerne ich es noch auswendig... das andere musste ich ja als Konfirmandin auch auswendig können. HERZLICHEN DANK dafür! Elke

    Artikel: Geheimnisse

  • Elke Eichler sagt:

    Liebe Maria Coors, ein sehr schöner Wunsch, an dem Du uns teilhaben lässt. Das wünsche ich mir auch und es ergänzt mein selbst gewähltes Mantra für 2022: Nichts ist entspannender als das anzunehmen, was kommt. Ich bin dankbar für dieses Forum ... auch wenn ich jahrlang nur stille Mitleserin war. Herzliche Grüße an alle! Elke

    Artikel: Beziehungsweise 2022

  • Bettina Schmitz sagt:

    Vielen Dank für diesen wunderbar spannenden Lektürehinweis bzw. zuerst einmal Lektürebericht, auf dessen weitere Folgen ich mich schon freue! Das berührt mich und manches ist mir als Sprachliebende und auch Sprachphilosophin sehr nah. - "Ein Wissen mit der ganzen Seele", das ist so schön! Was für eine schöne Entdeckung zum Jahresbeginn, kurz vor dem Königinnentag.

    Artikel: Schreiben von Geschehen zu Geschehen, „zwischen Sein und Sein“

  • Sandra Divina Laupper sagt:

    Hallo Fidi! Den Unterschied zwischen "traditionellen Religionen" und "Kirchen" sehe ich darin, dass es viele traditionelle Religionen gibt, während man nur beim Christentum von "Kirchen" spricht. Lg

    Artikel: Wenn traditionelle Religionen gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung verlieren

  • Okeygorandom https://www.apple.com/ sagt:

    Sun Cellular

    Artikel: Mehr Körperkontakt!

  • Antje Schrupp sagt:

    Interessant, auch das was Jutta schreibt - Ich war Mitte der 1980er als das aufkam, 20 und fand das „müslihafte“ alles schon ziemlich cool, allerdings hat es wirklich nicht gut geschmeckt. Vermutlich, weil es nicht Hausfrauen waren, deren Vollkornsachen ich gegessen habe, sondern junge Erwachsene, zum Beispiel mein damaliger Freund, der fünf Jahre älter war als ich und auch jeden Abend sein Müsli eingeweicht hat. Ich meine mich daran zu erinnern, dass er eine (allerdings glaube ich handbetriebene - gibt es das?) Getreidemühle sogar mal mit in den Campingurlaub genommen hat. Und er hat natürlich auch keine Schlagsahne ins Müsli getan. Jedenfalls habe ich nach meiner Trennung von ihm und diesem „Milieu“ dann lange gar nichts mit selbstgemahlenem Vollkorn zu tun gehabt, bis ich kürzlich festgestellt habe, dass mein Thermomix auch Getreide mahlen kann (allerdings, da er nicht aus Stein ist, befürchte ich, dass er es „hackt“ - ist das denn schlimm???) - und damit mach ich mir manchmal wieder über Nacht eingeweichtes geschrotetes Vollkornmüsli, denn mit viel Obst und gerne auch mit Schlagsahne schmeckt das nämlich wirklich sehr gut und gar nciht „Müsli“ :))

    Artikel: DIE ELEKTRISCHE GETREIDEMÜHLE

  • Anne Newball Duke sagt:

    kleine Ergänzung: mein Druck ist nicht moralisch. Ich appelliere auch an keine Moral. Das ist dann vielleicht das, was auf der anderen Seite ankommt, wenn es für die Person, also z.B. dich, eine Möglichkeit der Entscheidung gibt. Moralisch handeln oder eben nicht handeln oder so in der Art. Dass ich mich also für das moralisch Korrekte entscheiden kann oder eben nicht. Bei der Lösung der Klimakrise geht es aber nicht um Moral. Da geht es ums pure Überleben. Es geht um die Frage, wollen wir ein gutes Leben, und wenn ja, dann sind ganz bestimmte (und keine anderen) Entscheidungen notwendig. Es wäre schön, wenn ich mir Moral leisten könnte, aber die interessiert mich überhaupt gar nicht, denn die löst die Klimakrise nicht, auch nicht der Appell an sie in den Menschen. Ich will an ihr vorbei, woanders hin, ganz woanders hin treffen. Gut zu wissen, dass mir das noch nicht gelingt. Leider fehlt mir gerade die Zeit, das weiter auszudenken, aber das mache ich noch, das gärt eh schon lange in mir.

    Artikel: Wenn traditionelle Religionen gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung verlieren

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Dorothee, ja, das habe ich auch schon angefangen; ich hatte vor einem Monat Gabriele Winker zu den Parents eingeladen zu einem Online-Vortrag und einer anschließenden Diskussion. Ich komme hoffentlich im Januar dazu, darüber einen kleinen Artikel zu schreiben. Und jein, weil ich meine es auch in die andere Richtung, und das ist der Druck, den du, den die anderen hier vielleicht auch spüren: ich habe oft eben auch nicht das Gefühl, dass die Klimakrise HIER, also unter Feminist*innen, richtig angekommen ist und also integriert wird ins (feministische) Denken und Handeln. Das ist wie gesagt mein Gefühl und meine Wahrnehmung. Also beide Seiten weigern sich, irgendwie, das jeweils Andere ins Denken zu integrieren. Meine Artikel sind da eine Annäherung und lauter Versuche, und irgendwann werde ich vielleicht den richtigen Ton treffen, dass ich mehr Menschen anspreche, ohne Druck auszuüben... we will see, ich taste mich da weiter voran.

    Artikel: Wenn traditionelle Religionen gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung verlieren

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Unsere radikal alternative Lebensweise ermöglichte es uns damals nicht, eine teure Getreidemühle zu kaufen. Wir hatten aber ein kleines Zusatzgerät passend zur Mini Küchenmaschine; das funktionierte einwandfrei, auch wenn es, was sehr verpönt war, das Mehl beim mahlen etwas warm wurde… es war dafür nicht ganz so laut wie Julianes Mühle. Noch beeindruckender in der Erinnerung sind für mich die zwei großen Getreidesäcke in der Speisekammer: einer mit Roggen der andere mit Dinkel oder zeitweise Einkorn. Denn natürlich backten wir unser Brot selbst!! (Den Sauerteig hütete ich wie meinen Augapfel.) Unser damaliges Leben war voll und von der Arbeit geprägt; das ergab sich so; darin lebten wir sehr bewußt. Den Sauerteig etc. gibt es heute nicht mehr. Geblieben ist die Erinnerung an diese so eigen politische Zeit voller Dankbarkeit.

    Artikel: DIE ELEKTRISCHE GETREIDEMÜHLE

  • Maria Drexler sagt:

    ich kann deinem Beitrag nur voll und ganz zustimmen, war ich doch auch eine solche Mutter aus den 80-er Jahren. Mein Mühle steht auch noch heute in der Küche und mahlt mir feinstes Mehr für z.B. Dinkelpfannkuchen, die ich super-lecker finde. Lediglich der Gummi, der den Mehlstaub eindämmen sollte, ist hinüber und nicht mehr nachbestellbar. Wenn dieses Gerät auch nach 40 Jahren noch vollumfänglich arbeitet, bezeichne ich dies als Nachhaltigkeit. Die war früher eigentlich normal, heute SPRICHT man nur von Nachhaltigkeit und produziert trotzdem hauptsächlich für den Müll. Moderne Mühlen sind teilweise immer noch aus Holz, haben aber viele Plastikteile. liebe Grüße

    Artikel: DIE ELEKTRISCHE GETREIDEMÜHLE

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Juliane, an Deinem Beitrag ist für mich besonders interessant, dass ich nie zuvor bewusst eine elektrische Getreidemühle in einem Haushalt gesehen habe. Dieser "Trend" der 80er Jahre ist offenbar an mir und meinem Umfeld völlig vorüber gegangen. Woran das wohl liegt? Einerseits ist es vielleicht eine Frage der Generationen: meine Großmütter und meine Mutter waren zu alt für diesen Trend und ich selbst in den 80ern zu jung? Vielleicht kommt auch das Milieu, in dem man sich bewegt, hinzu? Es wäre interessant, denke ich, zu überlegen, wo und wann welche Vorstellungen zu Hausarbeit und Ernährung sich entwickeln und auch hegemonial werden - und wie sehr auch solche Vorstellungen Gesellschaft "spalten", weil die unterschiedlichen Gruppen einander gar nicht mehr wahrnehmen oder auch abwerten. Denn immer wieder werden mit solchen Lifestyle-Entscheidungen auch Distinktionsgewinne verbunden. (Ich denke da z.B. auch die Vegetarisch/Vegan-Bewegung u.ä.) Witzig für mich selbst ist auch die Erkenntnis, wenn ich über den "Grünkernauflauf" lese, wie sehr bei mir das Attribut "gesund" mit "nicht lecker" verbunden ist. Solche Voreinstellungen sind ja oft entscheidend dafür, wie man etwas wahrnimmt. Wenn man mir also sagt, ein Gericht sei besonders gesund, dann gehe ich davon aus, dass es nicht besonders gut schmeckt (und vice versa). (Mein Sohn arbeitet gerade an einer Studie zu dem Thema.) Es wäre also wichtig, Menschen wie mich mit anderen Zuschreibungen davon zu überzeugen, "Gesundes" zu probieren. ;-) Im Laufe dieser Serie werde ich mir Notizen machen zu vielen verschiedenen Aspekten des Themas für ein mögliches Fazit -> die Frage nach den Milieus und ihrer Nutzung und Wertung von Geräten ist eine davon.

    Artikel: DIE ELEKTRISCHE GETREIDEMÜHLE

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe Anne, vielleicht hilft dir fürs Erste weiter, dass sich das „sie“ in dem von dir zitierten Satz auf die Sprache bezieht und nicht auf Ingeborg Bachmann. Und ja, es geht um ein Schreiben, das dem Unbewussten, so wie Chiara Zamboni es versteht, ermöglicht, beim Lesen über das Spüren aufzutauchen. Dieses Unbewusste hat nichts mit Verdrängung zu tun wie bei Freud, es ist irgendwie näher, gehört zum Realen, wenn ich das richtig verstanden habe, und es hat viel zu tun mit unserer Bindung an Dinge und an die Natur. Ich würde gern was erfahren darüber, wie es dir ging beim Lesen des Bachmann-Textes!

    Artikel: Schreiben von Geschehen zu Geschehen, „zwischen Sein und Sein“

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Dorothee, vielen vielen Dank für dieses erste Kapitel!! Ich muss das noch in mir wirken lassen, aber gestolpert bin ich über diesen Satz: "Sie lässt dabei miteinander verbundene leere Räume offen, ohne sie mit konventionellen Worten zu füllen." Der ganze Absatz befremdet mich etwas... Wenn also miteinander verbundene leere Räume nicht in Worte gefasst werden, was ist dann .. sagen wir... was ist dann das "Mehr", das sie anbietet? Allein ihr Blick auf diese Raumverbindungen, die sie selbst wortlos lässt? Oder ist hier erstmal nur im Mittelpunkt, die Auswirkungen (hier u.a. des Mauerbaus) ohne Worte zu spüren?: "Wir spüren die Auswirkungen von historischen Ereignissen mit dem ganzen Körper." Dann schreibt sie von "konventionellen Worten"... aber geht es ihr nun nicht eigentlich genau immer darum, diese Worte wiederzubeleben, in gewissem Sinne "unverbrauchte Worte" aus ihnen zu machen? Und wenn diese Verbindungen also weiterhin nur im Körper wirken und "lediglich" aufgezeigt werden sollen, ohne Worte für diese Verbindungen anzubieten... also, ja, ich bin noch nicht ganz angekommen im Text, aber jetzt bin ich sehr gespannt, wie es weitergeht. Bis dahin lese ich den Text von Bachmann, vielleicht wird mir da einiges klarer. Momentan habe ich das Gefühl, sie will aus der Sprache heraus zurück... oder noch einmal einen Schritt zurück machen hinter die Sprache in das noch Unbewusste, noch Wortlose... also zum reinen Fühlen, zum Geschmack, zu Klang, Geruch... Ich nehme an, von dort soll dann wieder zurück in die Sprache gefunden werden? Also das ist ja wirklich spannend!!! Bitte lass mich nicht so lange warten, liebe Dorothee! Spannender als jede Netflix-Serie! ;)

    Artikel: Schreiben von Geschehen zu Geschehen, „zwischen Sein und Sein“

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Maria, vielen Dank für das Gespräch, superspannend. Ich finde das Thema auch total interessant. Ich habe nur - wie immer bei solchen Projekten - Angst vor einem riesigen Zeitaufwand, und natürlich, die Fragen, die du stellst bzgl. der möglichen Nazigeschichten usw., die bohren auch in mir. Es gibt eine Legende, von der ich nichts weiß, außer diesen Satz: die Vorfahren meiner Oma mütterlicherseits seien Hugenotten gewesen, die aus Frankreich flüchten mussten, und zwar taten sie dies mit einer Schatzkiste, die sie dann aber irgendwo verbuddeln/zurücklassen mussten. In der DDR war Ahnenforschung verpöhnt; es ging um die Zukunft und den "neuen Menschen", weg von Aristokratie und Bourgeoisie, das war hinderlich für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft, und das haben meine Großeltern sehr verinnerlicht. Dennoch juckt mich diese Geschichte schon seit einigen Jahren... mal schaun, ob ich dem doch mal irgendwann nachgehe. Du hast meine Lust jedenfalls nochmal angestachelt! Das wäre dann ja sowas wie ein geschichtliches Von-sich-selbst-Ausgehen... ;)

    Artikel: Vom Hunsrück über Schottland und die Fidschi-Inseln bis nach Wien und wieder zurück

  • Elisabeth Steffens sagt:

    Vielen Dank für dieses Interview mit Mariam Wahed. Ihre Erfahrungen, Reflexionen und Forderungen vertiefen unsere Pressemitteilung: Frauenmissionswerk · Ravensteynstr. 26 · D - 56076 Koblenz Koblenz an Rhein und Mosel, im Dezember 2021 Pressemitteilung zur aktuellen Situation in Afghanistan und sich daraus ergebenden Verpflichtungen für die neugewählte deutsche Bundesregierung und alle politisch Verantwortlichen, insbesondere jenen, die mit den Taliban und anderen Akteur*innen in Afghanistan zusammenarbeiten Als „Frauenmissionswerk – Frauen für Frauen weltweit“ bringen wir unsere äußerste Sorge über die aktuelle Situation von Frauen und Mädchen in Afghanistan zum Ausdruck. Eine ehemalige Staatsanwältin für Korruptionsbekämpfung der Generalstaatsanwaltschaft von Afghanistan, die 32 Jahre alt ist, äußert sich anonym nach dem Abzug der westlichen Truppen im September 2021: „Für die Taliban sind Frauen keine Menschen. Sie erkennen nur Männer als Menschen an und behandeln Frauen als Besitz der Männer. Wie können wir also von den Taliban erwarten, dass sie die Rechte der Frauen anerkennen? Sie sprechen vage über die Rechte der Frauen auf der Grundlage der Scharia, aber wir sind uns nicht sicher, wie sie die Scharia definieren.“ Die Lebenssituation von Frauen in Afghanistan ist von Provinz zu Provinz gerade sehr unterschiedlich. Viele Frauen und Mädchen in Afghanistan leben seit der Machtergreifung der Taliban in großer Angst und Unsicherheit. Sie trauen sich vielerorts nicht mehr aus den Häusern heraus, da sie Angst haben, zwangsverheiratet zu werden. Ein Kommandant der Taliban versicherte im August 2021, dass Frauen und Mädchen weiterhin zur Schule gehen und ihre Ausbildung abschließen können, aber in islamischer Burka. Am 21.11.2021 hat das Ministerium für die Förderung der Tugend und Verhinderung des Lasters aufgefordert keine Filme mehr mit Frauen zu zeigen.   Da es eines effektiven staatlichen Schutzes vor geschlechtsspezifischer Gewalt bedarf, hat der Europarat 2011 mit dem Übereinkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt ein umfassendes und verbindliches völkerrechtliches Regelwerk mit nationalen Handlungspflichten vorgelegt: Die Istanbul-Konvention. Diese trat am 1. August 2014 völkerrechtlich und für Deutschland am 1. Februar 2018 in Kraft. Seit diesem Tag sind alle politischen und staatlichen Organe in Deutschland verpflichtet, das Übereinkommen umzusetzen. Die Verbindung von internationalen Menschenrechtsstandards und konkreten Handlungspflichten bedingt den besonderen Charakter der Istanbul-Konvention. Sie setzt auf Prävention von Gewalt, Schutz vor Gewalt/Opferschutz, Strafverfolgung und eine koordinierte Politik zur Umsetzung der vorgenannten Handlungsfelder. Das Abkommen sollte unseres Erachtens auch die Zusammenarbeit mit dem außereuropäischen Ausland wie beispielsweise Afghanistan maßgeblich beeinflussen, nimmt man den Schutz von Frauen und Mädchen wirklich ernst.   Viele Afghan*innen leiden zur Zeit an Hunger und Vertreibung. Das macht uns betroffen! Als Mitglieder des Frauenmissionswerkes fordern wir die am 26. September 2021 neu gewählte Bundesregierung auf:  Dafür zu sorgen, dass angesichts des Hungers und der daraus verstärkt resultierenden Zwangsverheiratung von jungen Frauen sichergestellt wird, dass diese geschützt werden. Zwangsverheiratungen mit den Folgen Ausbeutung, sexueller Gewalt und zu früher Mutterschaft sollten verhindert werden.  Den Ausbau von Netzwerken zum Schutz von gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen adäquat mitzuunterstützen und auch Strategien zur Verhinderung zukünftiger Gewalt mitzuentwickeln: Es bedarf neuer Schutzräume für intern vertriebene oder hilfebedürftige Frauen und Mädchen; diese sollten von zuständigen (Regierungs)Stellen und örtlichen Nichtregierungsorganisationen ermöglicht werden können. Jedwede Gewalt gegen Frauen und Mädchen muss unter Strafe stehen und angemessen strafverfolgt werden.  Mädchen und Frauen haben das Recht auf Bildung und auf politische Partizipation. Der Zugang zu Bildung und zu politischen Ämtern sollte auch in Zukunft gesichert sein. Auf allen Ebenen müssen mit den Frauen Voraussetzungen geschaffen werden, damit diese selbstbestimmt leben können. Angesichts der aktuellen Lage ist es notwendig, entsprechende Forderungen zu stellen. Dies sollte insbesondere durch Politiker*Innen unserer deutschen Bundesregierung geschehen, die mit den Taliban und anderen politischen Akteur*innen in Afghanistan zusammenarbeiten. Zur Ihrer Information: Das Frauenmissionswerk hat seinen Sitz in Koblenz-Pfaffendorf. Schon fast seit 130 Jahren verteidigen wir, die meisten von uns ehrenamtlich, Frauen und Mädchen in der Welt, deren Rechte missachtet werden: Wir helfen mit, dass Teenagermütter in Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo ihr Leben selbstständig und finanziell abgesichert gestalten können. Frauen in Ecuador ermöglichen wir es, an ganzheitlichen Bildungsmaßnahmen zu Themen wie Gesundheit und Erziehung teilzunehmen. Aussichtsreiche Zukunftspläne von Frauen unterstützen und dadurch auch Fluchtursachen bekämpfen – das sind zwei unserer Grundanliegen. Wir arbeiten nicht nur direkt mit Frauen vor Ort zusammen, sondern unterstützen sie auch durch unser Gebet. Darin liegt unser Auftrag als verantwortungsbewusste Christ*innen. Margret Dieckmann-Nardmann Dr.in. phil. Elisabeth Steffens

    Artikel: Kinder und Frauen sind am meisten betroffen

  • Iris sagt:

    Wir sind stark. Aber nur zusammen. Das bedeutet das für mich, wenn Frauen so demonstrieren mit diesem Dreieck-Zeichen. Das ist gelebte Weiblichkeit. Das Problem ist nur, dass Frauen in der Realität meist nicht zusammen halten. Außer sie werden wie Männer. Und dazu pass das andere Zeichen, das mit der Faust und dem zerbrochenen Ring. Meine Interpretation.

    Artikel: Ein vergessenes Frauenzeichen taucht wieder auf

  • Dorothee Markert sagt:

    Liebe Jutta, mag sein, dass Religionen sich insgesamt gesellschaftlich mehr negativ als positiv auswirken, ich weiß es nicht. Ich sehe da immer noch einiges Positive, zumindest im Nahbereich, der ja auch Gesellschaft ist. Auf jeden Fall gefällt mir, was du über den Wunsch schreibst, die Welt ein bisschen besser zu machen, und über den Abschied vom Größenwahn. Und, liebe Anne, mir gefällt die Idee, dass das Nachdenken über ein gutes Leben unter Einbeziehen der Klimakrise, ja "auch so eine Art Religion" sein könnte, also genau so ein "tragfähiger Ersatz", von dem in Inas Zitat die Rede ist und auf den kein einziger Kommentar bisher eingegangen ist. Da haben wir wieder das Phänomen, dass es viel leichter ist, am Gegenwärtigen rumzukritisieren als was Neues zu entwerfen, wie wir es schon bei der Denkumenta erlebt haben in den beiden Workshops über Zukunftsentwürfe. Danke für deinen Kommentar, durch den nun zum ersten Mal bei mir angekommen bist, woher deine periodische Verzweiflung kommt, wenn es um deine Klimaarbeit geht. (Bisher hab ich Vieles, was du in dieser Richtung geschrieben hast, als moralischen Druck empfunden, und auf den reagiere ich halt mit Abwehr seit meiner Zeit in der Linken). Ich habe verstanden, dass dir dort Mitstreiterinnen fehlen, mit denen du genau solche Zukunftsentwürfe zum Guten Leben ausarbeiten könntest. Nur so 'ne Idee: Vielleicht ist dort (noch) nicht der Ort dafür? Vielleicht müsstest du dort hingehen, wo schon feministisch über das Gute Leben nachgedacht wird und dann mit dem dort Erarbeiteten in einem zweiten Schritt zu einer Vortragsreise in verschiedene Klimagruppen aufbrechen, um dieses Denken dort einzubringen? So ähnlich, wie wir mal (und Antje immer noch) das Italienerinnendenken in unterschiedliche Frauenzusammenhänge hineingetragen haben?

    Artikel: Wenn traditionelle Religionen gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung verlieren

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Dorothee, aber es gibt ja nicht nur die Bewegungen, denen man mit gutem Grund aus dem Weg gehen muss? Das meine ich. Ich zum Beispiel versuche mich seit zwei Jahren in der Klimabewegung wiederzufinden. Das ist unglaublich schwer: viele Ansätze finde ich zumeist in der Umsetzung gut und richtig (auf die Straße gehen, mit Menschen ins Gespräch kommen, Streik, Mahnwachen, laut sein, also den Alltag von Menschen stören, indem sie ungewollt auf das Thema gestoßen werden), und auch der Inhalt ist ja ok und richtig, aber es sind oft nicht meine Themen; es geht mir viel zu wenig um die wahren Ursachen der Klimakrise, also besser gesagt, jene, die ich als fundamental wichtig erachte; sprich der Wirtschaft und der europatriarchalen Philosophie, und es ist außerordentlich schwer bis unmöglich, diese Themen in die Klimabewegung reinzubekommen, weil die bisher Klimabewegten einfach größtenteils andere Interessen haben als ich. Dennoch sagt mir niemand, wofür ich mich engagieren soll. Ich sehe das einfach als unabdingbare Notwendigkeit an, und deswegen gibt es für mich nur ein Weiterringen und ein Immer-wieder-Versuchen, "meine" Themen reinzubringen und so mein Begehren hier auszurichten. Übrigens auch andersrum: dass ich nicht durchkomme mit den Themen hat ja auch damit zu tun, dass sich viele Menschen aus anderen Kontexten als jetzt den Naheliegenden wie Naturwissenschaften oder Ingenieurswesen (welche die Bewegung, also die Lösungsansätze halt stark technokratisieren und Vermittlungsarbeit noch immer größtenteils in der Übermittlung von wissenschafltichen Ergebnissen u.ä. sehen) nicht zur Klimapolitik "berufen" fühlen. Daher bleibe ich da in der Minderheit, und da fühle ich mich oft ziemlich einsam. Auch der Feminismus wird in der Klimabewegung zwar skandiert, aber inhaltlich - außer so Gendersternchen- und Inklusionsthemen, alles wichtig aber... - ist er noch gar nicht angekommen, genausowenig wie die soziale Gerechtigkeit. Aber vielleicht gibt es einfach zu wenige Feminist*innen in der Klimabewegung? Wo sind sie? Ich frage mich dann: bin ich hier falsch? Sollte ich lieber woanders "kämpfen"? Aber dann: wo? Was ist dringender, als hier endlich neue Vermittlungsformen zu finden? Jedenfalls: eine gedankliche "Leere" wird es hier wohl nie mehr geben; hier gibt es noch so viel zu denken. Ich habe Lust auf eine wenig durchdachte, ein bisschen provokative Frage: Warum kann das Nachdenken über ein gutes Leben mit Klimakrise bei gleichzeitigem radikalem Versuch des Abminderns der Klimakrise nicht eine neue "Religion" sein? Wäre es nicht für jeden Menschen sinnvoll und unverzichtbar, sollte es das nicht sein, und warum sucht mensch sich nicht hier sein Begehren? Oder so rum gefragt: Warum gibt es hier so wenig Begehren bei den (deutschen) Feminist*innen? Oder gibt es das und es ist schon im Prozess, und ich sehe es gerade nicht? Ja ok, ich sehe es schon ansatzweise, aber es ist so ein kleines Flämmchen erst. Wenn wir ein gutes Leben für alle wollen, dann gehört da eben Klimaarbeit dazu. Warum ist "der Kommunismus" gescheitert? Genau, weil die "Sekundärthemen" wie Care usw. unter den Teppich gekehrt wurden. Können wir uns das jetzt nochmal leisten? Uns nur um Solaranlagen und Windparkausbau kümmern (provokativ gesprochen), ohne unser feministisches Begehren sofort mit ins Spiel zu bringen, und zwar nicht abseits der Klimabewegung á la "jede Gruppe kocht ihr Süppchen", sondern mitten da rein? Entschuldigung, jetzt habe ich das Thema ganz schön zu mir umgebogen. Aber vielleicht ist es eben das, was mich triggert: es gibt so viel zu tun, zu denken. Warum dann an alten europatriarchalen Gerüsten (da bin ich ganz bei Jutta) festhalten, wenn uns genau diese in die Misere geführt haben? Oder was ist/war denn gut daran? Was ist erhaltens- und ausbauenswert? Wir können uns doch auch das Gute nehmen und damit weiterbauen, und zwar an einem guten Leben für alle mit einbedachter (katastrophaler und/oder irgendwie abgemilderter) Klimakrise.

    Artikel: Wenn traditionelle Religionen gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung verlieren

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Maria, das ist wirklich spannend, finde ich. Nur zu Ergänzung: Du kennst (auch wenn Du es nicht wusstest) jemanden, die eine myheritage-Analyse hat machen lassen -> nämlich mich. Ich weiß relativ viel über meine Vorfahren mütterlicherseits, weil sie schon lange dort ansäßig waren, wo ich auch aufgewachsen bin und es einige Ahnenforscher (alle männlich, übrigens) in der Familie gegeben hat. Väterlicherseits gibt es auch einen Onkel, der sich schon länger damit beschäftigt und zumindest einen Zweig der Familie bis ins 15.Jahrhundert zurück verfolgen kann. Mich hat die genetische Analyse interessiert, weil es in unserer Familie eigentlich keine Erzählungen über Vorfahren gegeben hat, die von weiter her gekommen wären. Tatsächlich hat meine Analyse das auch teilweise bestätigt: Ich habe fast gar keine Übereinstimmungen mit Menschen südlich der Alpen, aber sehr viele mit Nordeuropäern, Schotten und einige mit Slawen. Es liefert mir zumindest eine Erklärung dafür (wenn natürlich auch eine ziemlich herbeigeholte), dass ich so wenig Sehnsucht nach Süden und Sonne verspüre, dass "meine inneren Landschaften" immer grün sind und kühl und durch Nadelwälder geprägt. Interessant fand ich, wie sesshaft meine Vorfahren waren, wie eng der regionale Rahmen, in dem sie sich bewegt haben. Vom Rhein an den Main, von der Wetterau in den Westerwald, viel weiter hin und zurück ging das selten, zumindest was die "direkten Linien" angeht. Aber es muss viele Auswanderer gegeben haben im 19. Jahrhundert, denn ab dann finden sich unzählige Cousinen und Cousins 3. Grades in den USA und Kanada. Das passt ja auch zu dem, was man weiß: Wie unglaublich arm die Leute in Mittelhessen, im Hunsrück und Westerwald waren.

    Artikel: Vom Hunsrück über Schottland und die Fidschi-Inseln bis nach Wien und wieder zurück

  • Antje Schrupp sagt:

    Danke für dieses super spannende Gespräch. Ich habe lustigerweise den ersten coronawinter auch ein bisschen zur Ahnenforschung genutzt, bin aber nur bis zu meinen Ururgroßeltern gekommen. Aber da ich weiß, dass es auch in den USA Schrupps gibt, werde ich jetzt vielleicht myheritage mal ausprobieren. Tatsächlich fand ich es sehr irre, wie schnell Familiengeschichte auch verloren geht. Von meinen Ururgroßeltern mütterlicherseits habe ich ein Foto, aber schon der Vorname meiner Ururoma ist heute niemandem mehr bekannt. Und es ist eine junge Frau mit auf dem Foto, die sehr vertraut wirkt und vielleicht eine Schwester meines Uropas ist, aber auch das weiß schon niemand mehr. Ich fand es auch spannend, etwas über die politischen Positionen herauszufinden. Einer meiner Uropas war als „Minderbelaster“ Nazi eingestuft, aber ich kann jetzt nicht sagen, dass mich das wundert oder auch belastet, es ist doch auch ohne Ahnenforschung klar, dass sowas sein kann. Es ist ja nicht meine Schuld, nur meine Verantwortung. Von einer meiner Omas fand ich ein Jugendfoto, auf dem sie vor einer Flagge der „Eisernen Front“ posiert, die kannte ich gar nicht (es war eine Anfang der 30er Jahre entstandene sozialdemokratisch-gewerkschaftliche Bewegung gegen die „drei autoritäre Ideologien“: monarchismus, nationalismus, Kommunismus.) - naja, lange Rede kurzer Sinn: Ich finde es richtig cool, wie weit zurück du gekommen bist!

    Artikel: Vom Hunsrück über Schottland und die Fidschi-Inseln bis nach Wien und wieder zurück

  • Johanna Helen Schier sagt:

    "Persönlich bin ich mit der Leere versöhnt". DANKE Jutta Pivecka für Deinen Beitrag. Ich fühle mich im Innersten verstanden.

    Artikel: Wenn traditionelle Religionen gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung verlieren

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Dorothee, ich kann diese Position auf einer persönlichen Ebene, nämlich der von dir angesprochenen eigenen Bindung an die Kirche und die Religion, nachvollziehen. Gesellschaftlich, so finde ich, spricht gar nichts, wirklich gar nichts, dafür, dass traditionelle Religionen und Kirchen einen positiven Einfluss auf Verhaltensweisen und Einstellungen haben. Seit Jahren kann nachgewiesen werden, dass weltweit und auch in Europa die Gewaltbereitschaft unter Religiösen deutlich höher ist als unter Nichtgläubigen. In der Corona-Pandemie haben die Religionen und religiösen Institutionen bestenfalls keinen Schaden angerichtet, in vielen Gemeinden, in den USA und in Südeuropa stehen sie jedoch an der Spitze der Corona-Leugner und Querdenker. Ich verstehe durchaus, dass ein kulturell gebildeter Mensch mit einer bestimmten Sozialisation diese nicht aufgeben will. Aber ich kann nicht nachvollziehen, wie aus dieser persönlichen Bindung ein gesellschaftliches Bedürfnis abgeleitet werden soll, für das ausgerechnet die traditionellen Religionen mit der in ihren "heiligen Schriften" verbürgten Gewaltaffinität und Frauenfeindlichkeit und der in ihrer Geschichte immer wieder vollzogenen Gewalt gegen Andersdenkende in Zukunft noch ein (überindividuell Geltung beanspruchendes) Angebot machen könnten. Vielleicht wäre es viel sinnvoller, mehr Menschen zu lehren, die "Leere", von der Du schreibst, auszuhalten, darauf zu verzichten, immer diesen umfassenden "Sinn" stiften zu wollen. Vielleicht könnte sogar aus einer solchen "spirituellen Resignation" viel mehr Demut, Friede - und zuletzt sogar - ein wenig Hoffnung entstehen, darauf, dass wir uns bescheiden als das, was wir sind: Menschen, intelligente Tiere (statt "Gottesebenbilder", mit dieser Hybris fängt es ja an), statt wieder und wieder faustisch nach dem Himmel zu greifen, - um nicht selten einen schrecklichen Preis. Persönlich bin ich mit der "Leere" versöhnt. Ich hoffe nicht mehr, dass alles "gut" wird, aber ich kann daran arbeiten, dass es ein wenig besser wird. Ja, der Abschied hat weh getan, aber es geht mir jetzt besser als zu jener Zeit, als ich mich immer wieder so verzweifelt bemüht habe, die christliche Religion gegen mein Wissen und meine Erfahrungen zu verteidigen. (Ein schöner Nebeneffekt ist, dass ich die "herr"liche Architektur von Kirchenbauten oder die Choräle mit den fürchterlichen Texten jetzt einfach genießen kann, als Erinnerungen an eine Heimat, die ich verloren habe und mir nun doch als puren Klang, als pures Bild, als Kunst bewahre. Das wurde mir erst möglich, als ich nicht mehr "geglaubt" habe. )

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  • Dorothee Markert sagt:

    Doch, liebe Anne, mir ist Religion wichtig. Und Musik und Literatur und Kunst und Sprache und die Natur. Zu der Kirche, die in meiner Sozialisation mehr positiv als negativ gewirkt hat, habe ich trotz Enttäuschung und Kritik immer noch eine Bindung. Mit Anfang 20 gehörte ich für knapp 2 Jahre der extremen Linken an. Ich bemühte mich wirklich, mich von meinen „kleinbürgerlichen Interessen“ zu lösen, um mein Leben in den Dienst des Klassenkampfs und der Revolution zu stellen. Als einigen von uns ihr Frausein zu einem politischen Thema wurde, wurde uns ein Engagement in dieser Richtung untersagt, und weil wir daran festhielten, wurden wir ausgeschlossen. Seither gehe ich Menschen und Bewegungen, die mir sagen, wofür ich mich engagieren soll und was sekundär, verzichtbar oder schädlich ist, weiträumig aus dem Weg.

    Artikel: Wenn traditionelle Religionen gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung verlieren

  • Anne Newball Duke sagt:

    Liebe Dorothee, danke für den Denkansatz. Ich habe den Satz auch bei Ina Praetorius auf Twitter gelesen, und konnte tatsächlich gar nichts mit ihm anfangen. Ich fand ihn irgendwie kontraintuitiv zu dem, was sie ja eigentlich mit "Wirtschaft ist Care" zB macht: nämlich eine komplett "neue" (indigene Forscher*innen usw. seufzen hier wohl nur mal wieder, denn "neu" ist es wahrlich nicht, die menschlichen Bedürfnisse und das Wirtschaften ab Geburt in den Mittelpunkt zu stellen; und sie würden sicher ergänzen, dass wir uns noch viel mehr in (der real vorhandenen, aber nicht gespürten) Verbundenheit mit anderen Lebewesen dieser Welt sehen sollten, um das Überleben für unsere Spezies zu sichern) Matrix des Wirtschaftens und somit auch der gesellschaftlichen Beziehungsweisen voranzutreiben, und zwar mit einer Vehemenz und Sturheit, die mir so imponiert. Es wird nichts anderes am Horizont erscheinen, wenn wir uns nicht gleichzeitig dahin aufmachen und im Laufen und Bewegen schauen, was sich da im Laufen und Tun und Bewegen tut und es zu formen und zu reflektieren und es besser zu machen, und zwar in der Bewegung, usw usf. Ich finde die Aufspaltung in "hier Religion" oder auch "hier Kapitalismus" und dort "Kommunismus, der nicht funkioniert hat" (sei es der "Gute" oder der "Böse"), einfach so wahnsinnig statisch und unproduktiv und lähmend. Wir bauen doch gerade schon so viel! Warum setzen wir uns immer wieder in die Ecke und verharren im Glauben an eine Dichotomie zwischen Kapitalismus und Kommunismus/Sozialismus, oder zwischen angeblich haltgebender Religion und einer wie auch immer gearteten (spirituellen?) "Leere"? Wir hier zB bei bzw-weiterdenken versuchen doch schon, die Sprache mehr ans Leben zurück/heranzuführen, unsere Bedürfnisse nach Luft, Wasser, Nahrung, DachüberdemKopf usw. in Worte und Denken und auch Tat zu überführen; und noch einmal: es gibt doch schon so viele tolle Ansätze! Ich jedenfalls hocke mich in keine Ecke, in der ich eh noch nie saß (kulturell und historisch vielleicht bin ich darin unweigerlich verwoben, aber anfangen kann ich mit den ganzen Angeboten der Religionen nix), und starre in die Ferne. Und das tut hier auch keine, oder? Wieso denn an einer patriarchalen Institution rumdoktorn und versuchen, da ein bisschen feministische Luft reinzubekommen, eventuell gar Risse ins patriachale Gemäuer zu klopfen? Ich meine, klar kann das was bringen, bloß der Prozess ist eine Schnecke, und woanders kommen wir vielleicht schneller voran. Ich belasse es jetzt mal so abstrakt... ;) ... Mich würde noch interessieren, liebe Dorothee: Welche Ratlosigkeit genau meinst du? Ich meine, du und dein Denken, deine Übersetzungen usw. holen mich so oft aus der Ratlosigkeit heraus und geben mir so so viele Ideen zum Weiterdenken. Und ich muss unweigerlich an den Roman-Dilogie von Suzette Haden Elgin denken: "Amerika der Männer" und "Judasrose". Hier sind die Frauen derartig unterdrückt, dass sie nur über viele Generationen hinweg unter Frauen eine Sprache entwickeln können, die ihre Lebenswelten widerspiegeln, und die aber bis zum Ende vor den Männern geheim gehalten werden muss. Sie stürzen also nicht das patriarchale System, sondern sie setzen ihm eine eigene Sprache entgegen. Klar, alles dauert usw. aber... ich weiß es ja auch nicht, aber ratlos bin ich deswegen nicht, deswegen interessiert mich dein Gefühl der Ratlosigkeit sehr.

    Artikel: Wenn traditionelle Religionen gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung verlieren

  • Dorothee Markert sagt:

    Vielen Dank für die Kommentare und die Bereitschaft, sich auf dieses ganz andere Denken einzulassen. Auch Chiara Zamboni schrieb mir, sie habe die Kommentare mit großem Interesse gelesen. Inhaltlich möchte ich jetzt noch nicht auf sie eingehen, freue mich aber schon auf das gemeinsame Weiterdenken, nachdem ich noch etwas mehr aus dem Buch vermittelt habe.

    Artikel: „Die Natur spüren und schreiben“

  • Brigitte Leyh sagt:

    Das sind gute Nachrichten, liebe Juliane Brumberg! Überhaupt tut sich zur Zeit viel Positives in Sachen Gleichberechtigung. Ich denke da z. B. auch an die Weigerung der norwegischen Beachvolleyballerinnen in den "sexy" Minihöschen anzutreten

    Artikel: Frauen in der Sportberichterstattung