beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

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Ein Stadtspaziergang zum Thema „Wirtschaft ist Care“

Was “Wirtschaft ist Care” bedeutet, können wir bei einem Stadtspaziergang erfahren, zu dem die hier beschriebene Broschüre einlädt

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Unterwegs mit Xanthippe. Ein kleines Büchlein über das postpatriarchale Durcheinander

Was wäre, wenn wir mehr auf Xanthippe hören würden als auf Sokrates? Anne Lehnert stellt das Büchlein “Im postpatriarchalen Durcheinander” von Ina Praetorius vor.

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Ein Jahrhundertleben in Geschichten

Im Alter von 81 Jahren präsentiert Helga Schubert nach langer Pause einen Erzählband, der es in sich hat. Adelheid Ohlig hat ihn gelesen.

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Mit dem Wasser kommt die Hilfsbereitschaft

Die Solidarität und Hilfsbereitschaft gegenüber den Hochwasseropfern ist groß. Kathleen Oehlke kommt ihrem Unbehagen auf die Spur, das sie befällt, wenn Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt zwar in und nach solchen Katastrophen gepriesen werden, im Alltag aber auf der Strecke bleiben.

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Der Kopf muss an den Körper ran (und in ein unbequemes Bett?)

Was ist der Unterschied zwischen “Belege”-wissen und “echtem” Wissen (Audre Lorde), wo haben sie jeweils ihren Sitz im Körper, und welches von beiden ist das Klimakrisenwissen? Was kann daraus für die politische Aktivierung von Menschen und die Klimabewegung geschlussfolgert werden?

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Dass die Welt wohnlich für alle wird

Zum 65. Geburtstag von Ina Praetorius ist eine Festschrift erschienen, in der unterschiedliche Autor:innen Wege dafür ausloten, “dass die Welt wohnlich wird”. Anne Lehnert stellt sie vor.

Erspartes Leiden

Von Dorothee Markert

Wieder einmal dachte ich an Luisa Muraros Text „Freudensprünge“, als ich fast einen Monat lang in einer Kleinstadt in einer nicht von mir gewählten und eingerichteten Wohnung lebte, weil wir die Wohnung meiner Schwiegereltern auflösen mussten. Wegen der Pandemie konnten wir nicht im Hotel wohnen und noch nicht einmal abends Essen gehen. Es war kalt und regnerisch und die Heizung funktionierte nicht, weil die Reparatur sich für den Vermieter vor dem Umbau nicht mehr lohnte.

Während ich mich nach anfänglichem Horror irgendwie doch immer mehr arrangierte, dachte ich voller Mitgefühl an die vielen Ehefrauen im Patriarchat, die selbstverständlich dort hinzogen, wo ihr Mann eine Stelle fand oder wo seine Verwandtschaft dem Paar eine Wohnung zur Verfügung stellte. Es ist noch gar nicht so lange her, dass, auch wenn die Frau ebenfalls berufstätig war, noch nicht einmal die Frage gestellt wurde, ob sie am Wirkungsort ihres Mannes auch eine Stelle finden würde bzw. ob sie dort überhaupt leben wollte. 

Ein kleines Dorf, früher keine Idylle

Ich dachte an meine Mutter, die immer in der Stadt gelebt und sich sehr modebewusst gekleidet hatte, sogar im Krieg. Als mein Vater nach der Gefangenschaft eine Dorfschullehrerstelle bekam, in einem kleinen Dorf ohne befestigte Straßen und ohne Kanalisation, musste sie dort und später in einer Kleinstadt mit einer pietistisch geprägten Bevölkerung leben, in einer Wohnung mit Plumpsklo und Kohleöfen. Ihre Heimatstadt mit ihren kulturellen Angeboten und ihren Freundinnen war zwar nur 50 km entfernt, doch das war unerreichbar weit, denn der Zug war teuer und an ein Auto oder Telefon war noch lange nicht zu denken.

Dass Frauen heute nicht mehr selbstverständlich an einem Ort ihr Leben verbringen müssen, den sie niemals selbst gewählt hätten, ist auch „erspartes Leiden“, ein Grund für Freudensprünge! 

Autorin: Dorothee Markert
Eingestellt am: 26.07.2021

beziehungsweise…

… ist ein Internetforum, das, von Beziehungen unter Frauen ausgehend – daher der Titel – , ein philosophisches und politisches Gespräch ermöglicht. Es ist aus dem Wunsch der Initiatorinnen heraus entstanden, eine Plattform für Ideen zu schaffen, die ausgehend von der weiblichen Liebe zur Freiheit die Welt verstehen und Gesellschaft gestalten. Es bietet eine Möglichkeit, Gedanken zu entwickeln und zu diskutieren, unterschiedliche Projekte und Netzwerke miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu bringen, Informationen auszutauschen, sich inspirieren zu lassen, neue Ideen zur Welt zu bringen. An diesem Projekt kann sich grundsätzlich jede Frau aktiv beteiligen, die in irgendeiner Weise mit einer der Redakteurinnen oder Autorinnen in Beziehung tritt.

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Illustration: Annekatrin Zint