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Die Ökonomie des Glücks

Von Maria Heßler

In den vergangenen Wochen ist ein bemerkenswerter Film in den Kinos angelaufen: Die  Ökonomie des Glücks.

Im Angesicht der Umweltkrise, der Wirtschaftskrise und der Krise des menschlichen Geistes brauchen wir positive Visionen für Mensch und Planet. „Mehr Hoffnung als Hoffnungslosigkeit“, so beginnt der Film der Wissenschaftlerin und Autorin Helena Norberg-Hodge. Sie gründete die Internationale Gesellschaft für Ökologie und Kultur ISEC (International Society for Ecology and Culture) sowie vor 35 Jahren das Ladakh-Projekt, dem Vorgänger von ISEC. Am Bespiel des über Jahrhunderte vom Rest der Welt isolierten Ladakh zeigt sie auf, wie seit den 1970er Jahren das reiche und erfüllte Leben der Ladakhis sich wandelt zu Abhängigkeit und Armut.

Mit Beiträgen aus allen Kontinenten beschreibt der Film in beeindruckenden Bildern, unterlegt mit fundierten Fakten die grausame Zerstörung unserer Welt durch die Folgen der Globalisierung. Globalisierung ist die Deregulierung von Handel und Finanzen um ein globales Handeln für einzelne Unternehmen und Banken zu ermöglichen. Es ist das Entstehen von weltweit einheitlichen Märkten, die beherrscht werden von transnationalen Unternehmen. Zu oft wird Globalisierung mit internationaler Zusammenarbeit, gegenseitigen Wechselbeziehungen und einer Welt-Gemeinschaft verwechselt.

Der Film zeigt die unbequemen Wahrheiten über die Globalisierung:

  • sie macht uns unglücklich, durch den dauerhaften Druck zur Expansion.
  • sie erzeugt Unsicherheit. Werbung bestimmt heute was unsere Kinder essen, anziehen, denken. Kinder verlieren schon in der Kindheit ihre regionale Identität.
  • Globalisierung verschwendet natürliche Ressourcen, wir werden verstärkt weltweiten Hunger und Hungersnöte erhalten. Die ökologischen Systeme werden kollabieren.
  • Globalisierung beschleunigt den Klimawandel. Es ist belegt, dass wir identische Produkte in fast gleichem Umfang importieren und exportieren.
  • Globalisierung zerstört die Existenzgrundlagen, die Arbeitslosigkeit wächst, Menschen müssen ihr Land verlassen um zu überleben.
  • Globalisierung verstärkt Konflikte. Die immer stärker anwachsenden Städte fördern den Druck auf die Menschen, sind Nährboden für religiöse Konflikte und fundamentalistisches Gedankengut. Sprachen und Kulturgut werden zerstört, der Mensch wird entwurzelt.
  • Die Globalisierung konnte nur entstehen durch staatliche Subventionen und Steuererleichterung für die marktbeherrschenden Konzerne.
  • Globalisierung basiert auf der irrigen Bilanz: Mehr Energie gleich ökonomisches Wachstum gleich wirtschaftliches Wachstum.

Unser System läuft Amok

Ein Weg aus dieser Falle ist die sog. Grüne Revolution: Weniger Autofahren, regionale Produkte verwenden, individuelles Handeln, sich dem globalen Konsum verweigern. Die ersten Schritte zur Lokalisierung der Politik, der Wirtschaft, der regionalen Gemeinschaft und Kultur sind im Werden. Lokalisierung bedeutet:

  • Abbau steuerlicher und anderer Unterstützungen für transnationalen Konzerne und Banken.
  • Verringerung der Abhängigkeit von Exportmärkten zu Gunsten der Produktion von lokalem Bedarf .

Regionale Unternehmen und Banken, regionale Lebensmittel und Energie, dezentrale Infrastruktur, das alles kann wieder eine lokale Identität erzeugen, ein kulturelles Selbstbewusstsein. Weltweite Vernetzung  auf lokaler Ebene heißt lokale Globalisierung anstelle von globaler Macht einzelner Konzerne. Es bedeutet die Schaffung einer verantwortlichen Ökonomie, einer Produktion die näher an dem Nutzungsort hergestellt wird. Es bedeutet ein verantwortlicher Umgang mit den begrenzten Ressourcen und der vorhandenen Energie.

Wir können die Welt-Ökonomie nicht tatenlos den selbsternannten Experten überlassen, wir brauchen eine weltweite Bewegung im Sinne einer regionalen Ökonomie. Wir sind eine Welt und müssen lernen als eine Welt zu agieren, im Interesse unserer Kinder und des Überlebens. Der Film veranschaulicht diese Problematik in hervorragender Weise. Er hat weltweit Anerkennung und Lob erhalten und ist mehrfach ausgezeichnet.

Eine DVD ist über den Buchhandel oder über www.theeconomicsofhappiness.org zu beziehen .

Bitte auf deutsche Untertitelung achten!

Autorin: Maria Heßler
Redakteurin: Ursula Pöppinghaus
Eingestellt am: 01.03.2012
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • gabi Bock sagt:

    Gibt es da auch Kontakt/Ähnlichkeiten zu Transition Town(s), es sind ganz ähnliche Themen..? Vorstellungen?
    vielen Dank für den Hinweis. Gabi Bock

  • Helga Beck sagt:

    Und wer sitzt zur Zeit an den Schalthebeln des „Systems? Der Mann mit seinem Imponiergehabe, seinem Machtstreben. Der Mann hat das sogenannte System erschaffen. Und hält die Frau fern von den Schalthebeln der Macht. Bzw. läßt nur angepasste Frauen nach oben.

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