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Fünf schöne Königinnen: Ein neues Bild für souveräne Auftritte in der Öffentlichkeit

Von Dorothee Markert

Rosen sind Königinnen. Foto Norbert Höller / pixelio.de

Chiara Zamboni von der Philosophinnengemeinschaft „Diotima“ hat es in ihrem schönen Buch „Unverbrauchte Worte“ beschrieben: Manchmal geht es in einem Bereich unseres Lebens, der uns wichtig ist, einfach nicht voran. Wir ackern lustlos mit den immer gleichen Praktiken, Ideen, Worten und Bildern an einem Thema herum, und längst „langweilt sich unsere Seele und geht weg“. Weil wir das Thema wichtig finden, lassen wir es nicht ganz fallen, aber auf unserem Tun ist kein Strom mehr drauf, aus Pflichtbewusstsein und mithilfe der Erinnerung an die Zeiten, als unsere Aktivitäten noch von unserem Begehren Kraft bekamen, machen wir sporadisch damit weiter, halbherzig, ohne jede Begeisterung. Und dann taucht plötzlich ein neues Wort, ein neues Bild auf. Noch bevor wir so recht mit dem Verstand erfasst haben, was dieses Bild bedeutet, noch bevor es „scharf gestellt“ und klar erkennbar ist, wissen wir genau: „Das geht mich an“, „Das kann ich brauchen“, „Dieses Bild wird mein Leben und wird etwas in der Welt verändern“.

So ging es mir mit der Frage nach öffentlicher Wirksamkeit von Frauen, nach weiblicher Autorität in der Welt. Unter dem Titel „Sichtbar und einflussreich, ohne sich anzupassen“ hat die Redaktion von bzw-weiterdenken zu diesem Thema auch schon einmal eine Tagung veranstaltet. Und es ist ja auch in der Mainstream-Diskussion immer wieder Thema, vor allem im Kontext der Quotenfrage. Ich war ziemlich resigniert, denn, wie ich fand, hat auch eine Frau an der Spitze unserer Regierung nicht wirklich etwas daran geändert, dass die guten Ideen von Frauen in der Welt immer noch viel zu wenig sichtbar und wirksam werden.

„Wirksamkeit unseres feministischen Engagements in der ‚wirklichen’ Welt, also über unsere Frauen-Nischen hinaus“, war auch beim diesjährigen Denkwochenende von „Kultur-schaffen“ eines unserer Themen. Wir begannen zwar mit dem Thema „Status und Habitus“, wechselten dann aber in der Diskussion unmerklich zwischen beiden Themen hin und her. Und da erfand Hildegard Wustmans plötzlich das Bild von den Fünf schönen Königinnen, das gleich begeistert aufgegriffen wurde. Den größten Teil des restlichen Wochenendes spielten wir mit diesem Bild, umkreisten es mit Assoziationen und beschlossen schließlich, ein Blog dazu einzurichten, um weitere Bilder und Texte dazu zu sammeln.

Zuerst fielen einigen von uns Situationen ein, in denen sie etwas Positives erlebt hatten, zu dem das Bild der fünf schönen Königinnen passte, ohne dass sie damals Worte dafür zur Verfügung gehabt hätten. Antje Schrupp erzählte, wie sehr sie es bei einer noch nicht lange zurückliegenden gemeinsamen Veranstaltung mit Ina Praetorius genossen hatte, zwischen ihnen einen öffentlichen Diskursraum aufzuspannen und sich gegenseitig die Bälle zuzuwerfen. Ich erinnerte mich an mehrere Tagungen Ende der 90-er Jahre, als es noch mehr öffentliche Gelder für Frauen-Bildungsarbeit gab: Bei einer waren gleich drei Referentinnen der Affidamento-Richtung zusammen mit einer Referentin eingeladen worden, die eine andere Denkrichtung vertrat, die wir dann aber ein Stück weit in unser Königinnengespräch mit einbeziehen konnten.

Mir fielen aber auch Situationen ein, bei denen ich das Bild von den fünf schönen Königinnen dringend gebraucht hätte: Bei einer Tagung, die wir zu siebt vorbereitet und für die wir die Leitungsaufgaben unter uns aufgeteilt hatten, bezog sich das Publikum fast ausschließlich auf eine von uns, die öffentlich am bekanntesten war, machte sie gleichsam zur einzigen Königin. Ich war sauer, dass sie dieses falsche Bild nicht zurechtrückte, wobei sie es wahrscheinlich gar nicht gemerkt hatte, weil sie so mit den Inhalten der Diskussion beschäftigt war, und zog mich gekränkt zurück. Mir ging also mein Königinnentum und unser gemeinsames Königinnentum verloren. Und die Tagung musste von da an ohne mein Engagement und meine Ideen auskommen. Bei einer Podiumsdiskussion bei einem Kirchentag hatte ich ein mir sehr wichtiges Statement über die Bedeutung der Wertschätzung von Hausarbeit für eine nachhaltige Entwicklung vorbereitet. In der ersten Runde, als wir unsere Statements abgeben sollten, nutzte die Rednerin nach mir, eine Uni-Professorin, deren Bücher ich schätzte und die ich von ihrer Denkrichtung her eher als Verbündete sah, ihren Rederaum noch vor ihrem Statement dafür, mit äußerst unfairen Argumenten und Unterstellungen mein Statement vernichtend zu kritisieren. Ich war so entsetzt über ihr Verhalten, dass ich noch nicht einmal in der Lage war, später, als ich endlich wieder zu Wort kam, ihre Aussagen zurückzuweisen, und in der restlichen Diskussion ein sehr schwaches Bild abgab. Als Königin einer anderen Königin gegenüber hätte ich souveräner mit der Situation umgehen können, so gab es für mich nur die Wahl zwischen Rückzug und Resignation gegenüber einem Kampf um die Vorherrschaft, wie sie ihn vorgab.

Als das Bild der fünf schönen Königinnen auftauchte, „wusste“ ich sofort, dass es Frauen das Auftreten und das wirksame Vertreten ihrer Meinung in der Öffentlichkeit erleichtern könnte. Und dass das für Frauen wie mich, die sich mit öffentlichen Auftritten eher schwer tun, ebenso gilt wie für Frauen, denen solche Auftritte leicht fallen. Denn die meisten Bilder für öffentliche Auftritte, die unsere bisherige Kultur zur Verfügung stellt, sind männliche Bilder: Bilder von einem einzigen, herausragenden, bedeutenden Mann, Bilder vom Politiker als Platzhirsch, vom guten oder strengen König, vom charismatischen Prediger, vom großen Philosophen, vom genialen Wissenschaftler und Erfinder. Um ebenfalls öffentlich auftreten zu können, glaubten Frauen, in solche und ähnliche Figuren schlüpfen zu müssen, und einigen ist das auch recht gut gelungen. Doch es sind immer noch zu wenige, diese öffentlich wahrgenommenen und wertgeschätzten Ausnahmefrauen, und bei ihrer Anpassung an die Figuren, in die sie sich einpassen zu müssen glauben, geht oft Wichtiges, Eigenes, verloren. Und deshalb ist der Einfluss der guten Ideen von Frauen auf den öffentlichen Diskurs, die die Welt dringend bräuchte, weiterhin viel zu gering, und das öffentliche Bild von Frauen und ihrer Bedeutung für die gemeinsame Welt bleibt weiterhin auf peinliche, ärgerliche und schädliche Weise verzerrt.

Es gibt negative Bilder über das Großwerden von Frauen in der Öffentlichkeit: Das Bild von der Stutenbissigkeit, vom Sich-Hochschlafen in eine bestimmte Position, und das niederschmetternde Bild vom Krabbenkorb, in dem jede Frau, die versucht, sich über die anderen zu erheben, sofort von diesen wieder heruntergezogen wird. Zu Beginn der Frauenbewegung der 70-er Jahre hatten wir das Bild der Schwesterlichkeit und des gemeinsamen Starkseins von Frauen, sowie die aus der Arbeiterbewegung übernommene Vorstellung von der Frauensolidarität. Völlig ungelöst blieb in den Anfängen der Frauenbewegung die Frage, wie eine einzelne Frau öffentlich auftreten und öffentlich sprechen könnte, souverän und mit eigenem Profil, und doch auf andere Frauen und ihr eigenes Frausein bezogen. Konnte und durfte sie auf diese Weise herausragen, begab sie sich dann nicht den Schwestern gegenüber in eine männliche Position? Und doch musste es öffentliche Auftritte geben. Dabei überließen wir dann oft Frauen das Feld, mit deren Positionen wir nicht wirklich einverstanden waren, beispielsweise Alice Schwarzer. Einerseits lehnten wir das Bild ab, das sie über die Frauenbewegung vermittelten – und gegen dieses falsche Bild kämpfen wir bis heute – , andererseits waren wir froh, dass die Frauenbewegung durch sie immerhin „irgendwie“ öffentlich in Erscheinung trat. Die ersten Frauen, die aus unseren Reihen heraus öffentlich gesprochen haben – manchmal mussten sie sogar dazu gedrängt werden – haben wir dafür eher bestraft als belohnt und gelobt. Auch die mühsam zusammengesammelten Bilder von „starken Frauen aus der Bibel“, die die feministische Theologie in die Diskussion einbrachte, halfen nicht wirklich weiter, am ehesten inspirierten noch einige der Bilder, die die Matriarchatsforschung ausgrub bzw. neu gestaltete.

Insignien der Macht  - oder der Autorität

Foto: Rolf Handke / pixelio.de

Mich begeistert das Bild von den fünf schönen Königinnen. Denn diese sind nicht nur gemeinsam stark, sondern jede von ihnen ist eine Königin und kann auch allein öffentlich auftreten. Jede steht fest und hoch aufgerichtet auf ihren eigenen Beinen, keine geht in der anderen auf oder braucht die andere, um Stabilität zu gewinnen. Doch in ihrem Auftreten bleibt jede von ihnen in dem Bewusstsein, dass sie nicht allein Königin sein will, sondern dabei bezogen bleibt auf die anderen, besonders natürlich auf ihre Denkfreundinnen und politischen Freundinnen, die ihr Rückhalt geben, dann aber auch auf andere, fremdere Königinnen. Vielleicht sogar auf solche, die sich feindlich verhalten. Als Königin kann ich mich außer auf heute lebende auch auf frühere „Königinnen“ wie Hannah Arendt, Rosa Luxemburg, Margarete Porete, Theresa von Avila oder Hildegard von Bingen beziehen. Es ist sicher kein Zufall, dass wir das Bild von den fünf schönen Königinnen fanden, als wir im Kloster der Hildegard von Bingen tagten.

Da Frauen nicht in dem Maße wie Männer untereinander in Hierarchien denken, unterstützt sie wahrscheinlich der Gedanke, es nach ganz oben geschafft zu haben, die einzige und beste zu sein, nicht dabei, sich als souverän zu erleben. Frauen wollen in der Regel keine Platzhirsche sein. Allenfalls noch eine Königin neben einem König.

 

Fünf …

Natürlich ist die Zahl fünf hier nicht quantitativ, sondern qualitativ zu verstehen. Denn wir werden weiterhin eher allein unsere öffentlichen Auftritte bestreiten müssen, werden weiterhin oft die einzige Frau in Kollegien, Gremien oder Teams von Männern sein, vor allem in den höheren Positionen. Und doch hat die Zahl fünf eine Bedeutung, sie ist nicht beliebig.

„Fünf“ bedeutet zunächst, nicht eine einzige Königin allein sein zu wollen und zu müssen. Es ist eine Alternative zu dem Bild vom einen König als dem Größten, Höchsten, Einzigen, dem genialen charismatischen Führer. Es ist der endgültige Abschied vom umgekehrten Krabbenkorb-Bild, und von dem können sich auch Männer verabschieden: Um oben zu bleiben, musste der König die anderen, die hochkommen wollten, hinunterschubsen, treten und zertreten, kleinmachen, ducken, lächerlich machen, verspotten, sie denunzieren, ihnen die Glaubwürdigkeit absprechen, ihre Fehler groß herausstreichen und ihre Verdienste sich selbst anrechnen. Er musste mögliche Rivalen einschüchtern, ihnen Angst machen, sich aufblasen, brüllen wie ein Löwe, bis er schließlich dann doch von einem von ihnen gestürzt oder gleich ermordet wurde, und das Spiel von vorn losging. Er durfte keine Schwäche zeigen, musste eigene Fehler überspielen, zudecken, sie anderen zuschreiben. Er musste seine Untergebenen zur Arbeit antreiben, ihnen befehlen, um dann mit den Ergebnissen selbst noch größer herauszukommen.

Fünf Königinnen heißt, dass eine Königin in diesem Sinne andere Königinnen um sich haben möchte, nicht Dienerinnen und Zuarbeiterinnen. Und dass sie sich freut, wenn andere neben ihr stark sind, sie muss ihnen diese Stärke nicht nehmen, um sich selbst zu „behaupten“.

„Fünf“ heißt aber auch „mehr als zwei“. Es ist etwas anderes als das öffentliche Paar, das frühere Paar aus König und Königin oder die Doppelspitze aus einem männlichen Politiker und einer weiblichen Politikerin. Für öffentliche Auftritte reichen auch die Affidamento-Bilder von zwei aufeinander bezogenen Frauen nicht aus. Diese Bilder und Erfahrungen vom Wachsen am „Mehr“ einer anderen Frau, vom Voneinander-Lernen und gegenseitigen Sich-Bestärken bleiben zwar weiterhin wichtig, sie bleiben eine wichtige Grundlage unseres Königinnen-Seins. Denn um Königin unter Königinnen sein zu können, müssen wir uns gegenseitig Autorität zusprechen können. Doch durch die Affidamento-Bilder bleiben wir auch gefährdet, uns zu sehr auf unsere Beziehungen und zu wenig auf die Welt auszurichten, uns mit unseren stärkenden Beziehungen doch wieder in eigenen Nischen einzurichten. Königinnen sind öffentliche Personen.

„Fünf“ gefällt mir auch besser als „drei“. Denn hier können wir an den Bildern von der Dreieinigkeit hängenbleiben, von der heiligen Familie Vater-Mutter-Kind oder von Großmutter-Mutter-Tochter, Bilder, denen der Schritt in die Weite, ins ganz Andere, Unbekannte, Fremde fehlt.

Fünf heißt, dass ich nicht nur Königin bin zusammen mit anderen Königinnen, mit denen ich in allem einig bin, sondern auch mit solchen, deren Begehren in eine andere Richtung geht als meines. Ich kann auch einer feindlichen Königin als Königin begegnen, wenn ich mich mit ihr streite, und muss sie nicht von ihrem Thron stoßen und klein und hässlich erscheinen lassen.

 

… schöne …

Nofretete

Foto: Mika Abey / pixelio.de

Bei unserem Denkwochenende ertappten wir uns dabei, dass wir schließlich nur noch von „Königinnen“ sprachen und das Wort „schöne“ unterschlugen. Bis eine betonte, es sei wichtig, dass wir schöne Königinnen sind. „Schön“ steht für das Körperliche dieses Bildes, für das körperliche Frau- und Königinsein. Wir sammelten dann Assoziationen zu dem, was „schön“ hier bedeuten könnte. Unter anderem fiel uns Folgendes dazu ein:

– Spielerisch, erotisch, mit Leichtigkeit, attraktiv. Schönheit kommt von selbst durch die Königinnenhaltung.

– Schönheit im Kontext von Königinnen bedeutet, dass wir gern hinhören, gern hinschauen, uns gern in Beziehung setzen. Schön ist, was Begehren weckt. Das kann auch Angst auslösen, wenn das Gegenüber dieses Begehren bei sich nicht haben will.

– Schönheit hat auch mit Haltung und Lebendigkeit zu tun.  Doch auch das, was gesprochen wird, ist wichtig, die Schönheit der Worte, der Stimme. Ebenso die Ausstrahlung, die zur Lebensphase passt.

– Schönheit hat auch mit Spiritualität zu tun.

 

…Königinnen

Mit dem Königinnenbild waren einige von uns schon vor unserem Denkwochenende beschäftigt. Andere Bilder waren wichtig, um es zu finden. Ina Praetorius spricht schon länger von den sechseinhalb Milliarden Würdeträgerinnen und Würdeträgern, die die Erde bewohnen. Besondere Bedeutung hatte ein Text von Annarosa Buttarelli aus dem Buch „Macht und Politik sind nicht dasselbe“, das Antje Schrupp und ich gerade übersetzt haben. In dem Text mit dem Titel „Souveräninnen“ zeigt Buttarelli, auf welche Weise Frauen im Lauf der Geschichte auf ihre je eigene Weise souverän waren und was Souveränität für heutige Frauen bedeuten könnte. In einem Blogpost zum Tod von Cesaria Evora setzte sich Antje Schrupp mit Buttarellis Gedanken auseinander. Sie beschrieb das Königin-Sein folgendermaßen:

„Eine Königin ist nämlich nicht dasselbe wie ein König. Ihre Souveränität hängt zum Beispiel nicht davon ab, dass sie die Einzige ist, sie ist keine Alleinherrscherin, keine Monarchin. Sondern ihre Souveränität zeigt sich in der Entschiedenheit und Eigenwilligkeit ihres Handelns. Eine Königin folgt nicht den Strömungen der Zeit, sondern ihrem eigenen Begehren, und das bringt ihr Respekt und Bewunderung ein, natürlich auch Feinde und Neid. Eine Königin ‚repräsentiert’ auch nicht ihr Volk, sie repräsentiert nur sich selbst. Aber dadurch, wie sie sie selbst ist, bietet sie Anknüpfungspunkte für andere, gibt ihnen Orientierung, Zuversicht, Inspiration.“

Und: „Jede Frau kann eine Königin sein, denn keine einzige von uns ist völlig ohne Einfluss. Weibliche Souveränität bedeutet, das, was eine an Einfluss und Macht hat (sei es viel oder wenig), im oben beschriebenen Sinn zu nutzen.“

Diese Aussage von Antje Schrupp, jede von uns könne eine Königin sein, wirkte weiter, bis hin zur Erfindung der fünf schönen Königinnen bei unserem Denkwochenende. Ich freue mich auf das, was dieses Bild bewirken wird, wenn Frauen (und Männer) es sich aneignen, es ausarbeiten und variieren, wenn sie selbst in das Bild hineinwachsen und sich mit ihm zusammen verändern.

Autorin: Dorothee Markert
Redakteurin: Dorothee Markert
Eingestellt am: 11.05.2012
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • corneliaroth sagt:

    Liebe Dorothee,

    danke für diesen guten Artikel. Ich erinnere mich dabei an ein Jahreszeitenfest, das ich mit Freundinnen vor Jahren gefeiert habe. Es ist nicht genau das, was Du beschreibst und geht doch in diese Richtung: jede von uns setzte sich in die Mitte auf einen Thron-Hocker, wurde von den anderen geschmückt und war Königin. Dann haben wir übrigen beschrieben, wen wir sahen: die eine war wie eine Elfe, eine andere war die Königin der Bodenständigkeit. Und der Blick vom Thronhocker war: ich bin’s, ich bins, weil ich in Beziehung bin und die anderen mich so erkennen, ich bins aber auch, weil ich mich auf dem Thron wahrnehme und den Blick wage. Wir haben uns aber dieses Gleichzeitigsein und Miteinandersein der mehreren Königinnen nicht so bewußt gemacht, obwohl es ja immerzu da ist. Das ist für mich jetzt eine weitere Erkenntnis. Es gibt dazu in der christlichen Tradition schöne Bilder von heiligen Königinnen, hat Erni Kutter gesammelt, z.B. Ursula und ihre 111 Gefährtinnen oder die Versammlung aller Heiligen Königinnen in Heilsbronn.
    Einen herzlichen Gruß an Dich!

  • Bruni Krüger sagt:

    Vor einigen Tagen hatte ich zuerst etwas über „Superheldinnen“ gelesen, ehe ich auf Euren Beitrag über die fünf schönen Königinnen stieß.

    Sehr gefallen hat mir z. B. diese Bemerkung in dem Text:

    „Völlig ungelöst blieb in den Anfängen der Frauenbewegung die Frage, wie eine einzelne Frau öffentlich auftreten und öffentlich sprechen könnte, souverän und mit eigenem Profil, und doch auf andere Frauen und ihr eigenes Frausein bezogen. Konnte und durfte sie auf diese Weise herausragen, begab sie sich dann nicht den Schwestern gegenüber in eine männliche Position? Und doch musste es öffentliche Auftritte geben. Dabei überließen wir dann oft Frauen das Feld, mit deren Positionen wir nicht wirklich einverstanden waren, beispielsweise Alice Schwarzer.“

    Dem kann ich nur voll zustimmen! Dieser seltsame Feminismus, der über uns hier im Osten vor 20 Jahren hereinbrach, war für „gelernte DDR-Frauen“ oft unerträglich.
    Doch wie sollen Frauen heute in der Öffentlichkeit auftreten? Da ist die Idee von der Königin (bzw. vom „königlichen Auftreten“ – souverän, aber nicht diktatorisch, selbstbewusst, aber nicht protzig usw.) ein wirklich sehr schönes, brauchbares Bild.

    Der Grundgedanke von den fünf schönen Königinnen gefällt mir auch deshalb, weil er für mich auch eine gute Antwort auf den Text über die „Superheldin“ war, der mich wirklich sehr erschreckte und deprimierte.

    Im jüngsten Amtsblatt unseres Kreises stellte die Gleichstellungsbeauftragte das Projekt von „TERRE DES FEMMES“ vor:
    gegen Zwangsheiraten eine Kreativwettbewerb unter Jugendlichen zu starten mit dem Motto: „Zeig uns deine SUPERHELDIN“.

    Der Held ist ein typisches Männerbild – und das sollen sich Frauen jetzt auch überstülpen?
    Von http://frauenrechte.de führt ein Link auf
    http://www.zwangsheirat.de/superheldin/

    Dort finden sich die ausführlichen Informationen zu dieser Aktion, z. B. diesen Satz:
    „Sich dagegen [gemeint ist die Zwangsheirat] zu wehren, erfordert viel Mut, Stärke und Selbstvertrauen.
    Was wäre, wenn Du über Dich selbst hinauswächst? Du entdeckst die Superheldin in Dir, die Dir bei drohender Zwangsheirat zur Seite steht und Dein Recht verteidigt, frei über Dein Leben zu bestimmen.“

    Kann man nicht ein andere Bild wählen für junge Mädchen, z. B. eben das einer Königin? Nein, es muss ein ausgelutschtes Männerklischee sein.

    Es gibt noch viele Gedanken zum Bild der Königinnen in dem Text von Dorothee Markert, die sehr nachdenkenswert sind, doch nun ist genug geschrieben.
    Nur noch eines:
    Der Gedanken im Kommentar von corneliaroth, dass die Königinnen ja verschiedene Aspekte der Souveränität bzw. in der Gruppe vor allem die Beziehungen (Verknüpfungen) dieser verschiedenen Aspekte herstellen, ist eine interessante Ergänzung zu den Gedanken von Dorothee Markert.

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Bravo!….endlich kommt etwas gescheites,nicht verbildetes zum Ausdruck.

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    ….denn diese Einbahnrichtung war mit dem „einzige Königin“ werden und sein nicht mehr auszuhalten.Deshalb,ich habe beizeiten meine Konsequenzen gezogen.

  • Monika v. d. Meden sagt:

    Vielen Dank für den schönen Artikel, die erfrÄulichen Gedanken, die mich she erfräut haben.
    {Fräude von Frau (siehe MatriaVal)}
    Herzlichst, Monika

  • Bea Schulte sagt:

    Ein sehr anregender Artikel. Mir gefällt die ehrliche Art, auf sich selbst zu reflektieren und von dort aus strukturelle Gedanken zu wagen.
    König, ist ethymologisch der „aus edler Herkunft“, Königin also auch. Mehr bedeutet es erst mal nicht, wenn frau rein den Begriff betrachtet. So gesehen ein passendes Wort, die „Königin“, wenn wir es umdeuten, alle sind gleich und wertvoll qua Menschsein.
    Im Artikel wird dann dem König all der Schrecken beigegeben, der das Königsein wohl durch alle Zeiten ausgemacht hat. Was ist mit einer Katharina der Großen etc., die Königinnen und damit der Begriff haben auch eine Geschichte. Dort wählt die Autorin lieber eine Rosa Luxemburg etc. Von daher stellt sich mir die Frage, wie sorgsam mit Begriffen umgegangen werden muss. Im Begriff schwingt immer Vergangenes mit, wir können nicht einfach herausgreifen und ab jetzt umdeuten und neue Zuschreibungen beschließen. Unterschwellig wird „das Alte“ doch da sein.

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Das Neue mit den Königinnen:Es sollten auf Worte auch Taten folgen.Zu verstrickt sind die Folgen mit dem Streben nach noch mehr Einfluss und Eigenständigkeit von Einzelnen,mit anderen Frauen verbunden, die in ihrem Bereich genau so gut Kompetenz erlangt haben.Und zu diesen Zudienerinnen gehören auch noch Nicht-Zudienerinnen.Letztere sind jene,die sich nicht angepasst haben und also „Freibeuterinnen“ sind…

  • ursula knecht sagt:

    auch von mir, liebe Dorothee, herzlichen Dank! Das Bild der 5 schönen Königinnen nehme ich morgen mit zu einer Diskussion zum Grundeinkommen im Frauenraum der Reitschule Bern (ein alternatives Kulturzentrum): „BGE – Was bringt es den Frauen?“
    Ich bin eigeladen mit 2 weiteren Referentinnen, der Moderatorin und der Initiantin des Abends – 5 Königinnen! Und dann sitzen hoffentlich noch viele schöne Königinnen im Publikum, die sich in die Diskussion einbringen.
    Königinnen, so wie du/wir sie verstehen und repräsentieren (möchten), setzen nicht auf Macht-, sondern auf Sinnpolitik. (vgl. Sinn – Grundlage von Politik, Christel Göttertverlag 2005)
    Hrezlich und in der Vorfreude auf weitere inspirierende Artikel von dir, Ursula

  • angelika weller-eylert sagt:

    Grade habe ich „lebenslänglich besser“ fertig gelesen (und werde wohl damit und meinem eigenen piet.erbe nie fertig werden) und mich dann, weiteres erfahren wollend, über deine website, verehrte dorothee, bis hier geklickt. Danke auch für diesen wunderbaren beitrag, für’s buch ohnehin (ich verbreite es demnächst intensiv).bei den schönen königinnen kamen mir die krönungsaktionen in den sinn, von denen in dem großartigen buch „gott, weiblich“ vom frauenmuseum in meran berichtet wird. In den Jahren 2005-2007 haben 7 frauen, angeführt und angeregt von Erni Kutter, 70 frauen gekrönt. E.K. schreibt dazu: „Der Impuls zur Idee der Kronenlegungen geht zurück auf Erfahrungen, die jede Frau machen kann, wenn sie sich selbst eine imaginäre Krone aufsetzt. Wer eine Krone trägt, richtet sich auf, zeigt sich, bekommt einen freien Blick. Die Krone symbolisiert eine innere Haltung der Selbstachtung und Selbstgewusstheit. In diesem Sinne wollen wir mit unseren Kronenlegungen Frauen ehren, die uns in unserer weiblichen Würde und Eigenmacht gestärkt, unsere Spiritualität bereichert und uns zu unseren eigenen Wurzeln geführt haben..“
    Danke für die Weiterführung dieses Gedankens durch Deine! herzliche Grüße von Angelika

  • Dorothee Markert sagt:

    Wie schön, dass Ernie Kutter schon lange vor uns mit dem Bild schöner Königinnen gearbeitet hat! Vielen Dank für deinen Beitrag!

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