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Die (Be-) Deutung der Beschneidung von Jungen

Von Gudrun Nositschka

Gudrun Nositschka fügt der aktuellen Debatte um die Beschneidung von Jungen eine wesentliche, bisher nicht berücksichtige Sichtweise hinzu.

Foto: Brigitte Kraemer

Das Urteil des Landgerichts Köln zur Beschneidung als Körperverletzung unmündiger Jungen ist voll vom Grundgesetz und des darauf fußenden Rechts gedeckt. Da wurde nichts beschnitten. Dass sich dennoch bei Rabbinern, Imamen und Bischöfen und dadurch bei Bundestagsabgeordneten so starker Widerstand regt, legt die Vermutung nah, dass an ein Tabu gerührt worden ist.

In meinen Augen geht es bei den drei abrahamitischen Religionen tatsächlich um das Fundament ihres Glaubens: Um das Primat des Männlichen und implizit um die Herabsetzung der Bedeutung des Weiblichen für das Leben. Das führte soweit, dass Frauen wegen ihrer Fähigkeit zu menstruieren und im Blut Leben zu gebären für ontologisch (vom Sein her) unrein erklärt worden waren und sich deshalb immer wieder rituellen Reinigungsriten unterziehen mussten und müssen. Während dieses weibliche Blut gemieden werden muss, wurde und wird dagegen das männliche Blut (Mann oder Tier) ihrem Gott zum Opfer gebracht.

Ein jüdischer Junge wird deshalb erst am 8. Tag beschnitten, weil er vorher – wie seine Mutter – sieben Tage als unrein gilt, da sie ihn aus ihrem Blut geboren hat. Dieser Makel für einen angehenden Mann kann laut Altem Testament (AT) erst am 8. Tag durch die Beschneidung behoben werden. Dann fließt sein Blut als Opfer für Gott und den Bund, den Gott mit Abraham laut AT geschlossen haben soll, während seine Mutter später ein Sühneopfer bringen muss. Sühne wofür? Einem Knaben das Leben geschenkt zu haben?

Im Christentum wurde nach Paulus eine Beschneidung als Bundeszeichen nicht mehr für notwenig erachtet, da ja Jesus sein männliches Blut zur Vergebung der Sünden aller vergossen hatte. Je nach Auslegung wiederholen christliche Männer und Frauen diesen Akt immer wieder beim Abendmahl und in der Kommunion. Wie im AT gelten Frauen zumindest in der katholischen Kirche immer noch als ontologisch unrein – der verschwiegene Grund, weshalb sie nicht am Altar dienen dürfen –  und mussten sich bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil nach Beendigung ihres Wochenflusses bei Geburt eines Kindes einer „Aussegnung“ unterziehen, wie in einem Exorzismus.

Analog zur Beschneidung der Jungen im Judentum wurden Kinder christlicher Eltern früher bereits ebenfalls am 8. Tag getauft, womit die anfängliche Erwachsenentaufe abgelöst wurde. Die Kirchenlehrer sahen die frühe Taufe als sehr wichtig an, um diese Kinder vom sogenannten unreinen mütterlichen Blut zu befreien und sie in die Sphäre Gottes zu führen, falls sie frühzeitig stürben. Ohne Taufe wäre ihnen das Himmelreich verschlossen.

Im Islam, der im Koran keine Beschneidung vorschreibt, müssen laut Tradition Mütter ihre Söhne im Alter von 7 – 9  Jahren zum Eintritt in die männliche Welt übergeben und werden so zu Komplizinnen des schmerzvollen Eingriffs, auch wenn dieser durch ein großes Fest übertüncht wird. Das Primat des Männlichen (symbolisiert durch den Penis) wird oftmals dadurch betont, dass dem Knaben vom Vater oder einem anderen Mann Geld in die Hand gedrückt wird, das er einer Bauchtänzerin zwischen den Busen stecken soll.

Warum will nun unsere Bundesregierung, unterstützt von SPD und Grünen, das Primat des Männlichen in diesen drei Religionen durch ein bereits in Auftrag gegebenes Sondergesetz, das im Gegensatz zum Grundgesetz steht, bestätigen?

Autorin: Gudrun Nositschka
Redakteurin: Christel Göttert
Eingestellt am: 30.07.2012
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Birgit Kübler sagt:

    Liebe Gudrun Nositschka,
    vielen Dank für Ihren erhellenden Beitrag zu dieser Diskussion. Um Ihre Frage aufzugreifen:
    Ist es Angst vor Konflikten, ist es Angst vor Gewalt?
    Wäre diese Angst berechtigt? – Ja.
    Wäre diese Angst vernünftig?
    Diese drei Religionen haben aufgrund ihrer ausgrenzenden Struktur grundlegend Gewaltsamkeit in sich, auch wenn sie sich im Inneren um Liebe bemühen.
    Wie damit umgehen ohne derselben Struktur zu folgen?
    Birgit Kübler

  • heli voss sagt:

    danke!
    endlich gehts den/dem männlichen an den kragen/pimmel!
    endlich sind die jungs dran. Aber wie?
    hab ichs mir doch gedacht: die schneiden sich nochmal ins eigene fleisch mit ihrem gockelgehabe gesetzeseinschnitten.
    danke
    helivoss

  • E. Haugg sagt:

    Danke für diesen Artikel, den ich gern in allen Zeitungen lesen würde. Ich verstehe heute nicht mehr, warum diese Angst bei den aufgeklärten Menschen herrscht und es immer wieder fadenscheinige Erklärungen gibt z.B. weil es ja immer schon so war. Selbst Diskussionen mit „sehr gebildeten“ Menschen (gläubigen Katholiken) enden mit einem „aber“… Für Ihre Erklärung bin ich sehr dankbar.

  • Schon verrückt, so ein Gott, der „reines“ männliches Blut sehen will. Danke für die erhellende Analyse. Zwei Fragen bleiben mir unverändert offen:
    1. Warum muss ein Teil des Penis geopfert werden, und nicht irgendein anderes Körperteil? Weil der Penis das Allerheiligste ist??
    2. Von jüdischer Seite wird wieder und wieder mit größtem Ernst betont, dass es ohne diesen Ritus nicht möglich sei, die jüdische Religion auszuüben. Gibt es dafür eine theologische Begründung? Es können ja sämtliche Feste, Riten usw. völlig ungestört gefeiert werden. Falls die theol. Begründung so wäre, dass diese Gottesdienste nichts gälten, wenn sie von Unbeschnittenen vollzogen werden, dann dürfte es ja auch keine Rabbinerinnen geben. Was also steckt THEOLOGISCH hinter dem hochemotionalen Kampf um das Stück Penis?
    Noch eine Nachbemerkung: Was so verharmlosend „Beschneidung“ genannt wird, ist medizinisch und juristisch eine Amputation. Ich möchte nicht wissen, was für ein Aufschrei durch die Lande gehen würde, wenn den Jungen z.B. das Endglied des kleinen Fingers abgeschnitten würde. Das wäre im Alltag auch keine große Behinderung, wäre aber schlicht unvorstellbar.

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Guten Tag, Donate Pahnke. Offenbarungsreligionen, die allesamt patriarchal und phallokratisch sind, sind in sich immunisiert. Warum-Fragen von Gläubigen und Außenstehenden werden oft mit dem Hinweis beantwortet: So steht es in der Bibel oder im Koran. Punkt. Das ist Gottes Wort. Gehe ich nach der hebräischen Bibel, so ist ein jüdisches Leben ohne Beschneidung der Penisvorhaut von Jungen am 8. Tag nicht denkbar, weil der Gott der Bibel es so in mehreren Zusammenhängen gefordert hat (1. Mose 17, Verse 9 – 14 u. 1.Mose 21, 2 – 4 sowie 3. Mose 12, 2 u. 3) Diese Worte sind mit der Drohung der Ausrottung aus Gottes Volk bei Nichtbefolgung. Obwohl Abraham sich und alles Männliche jeden Alters in seinem Haushalt sofort beschnitt, wurde der eigentliche Bund Gottes erst mit Abrahmas und Saras Sohn, Issak geschlossen, da dieser wirklich am 8. Tag lt. Gottes Gesetz beschnitten wurde. Dass es die Vorhaut des Penis sein muss, interpretiere ich so, dass diese das Einzigaertige am Männlichen ist. Dieses Opfer macht das Männliche zum Bündnispartner. Eigentlich sind lt. Gottes Gesetz nur beschnittene Männer ritualfähig, doch die Praxis hat auch die Möglichkeit der späteren Beschneidung eröffnet. Und natürlich ist eine Frau nicht ritualfähig, weil sie eben als ontologisch unrein gilt. Keine Ahnung von welchen theolog. Überlegungen Rabbinerinnen getragen sind. Vielleicht ähnliche wie bei Pfarrerinnen?

  • Elfriede Harth sagt:

    Liebe Gudrun,
    Du reißt hier diverse Fragen auf, die ich gerne vertiefen würde. Da ist zum ersten die ganze Bedeutung des Blutes. Im Judentum und im Islam gilt das Blut als der Sitz der Seele, weshalb ja ein Tier beim Schlachten erst verbluten muss, bevor es endgültig getötet wird, dadurch soll die Seele Gelegenheit haben, aus dem Körper zu entweichen.
    Ich hatte kürzlich Gelegenheit, in Marokko einer rituellen Schlachtung beizuwohnen. Ein kleines Mädchen war geboren worden und sollte „getauft“ werden (sie nennen es tatsächlich „Taufe“, also „baptême“ und feiern es sieben Tage nach der Geburt). Als alle Geladenen angekommen waren, versammelten sie sich im Hinterhof des Hauses, wo sich schon seit dem Vortag ein junger Hammel befand. Während sich alle in gebührendem Abstand um den Hammel aufstellten, kraulte der Schlachter dem Tier immer wieder die Stirn, wie um es zu beruhigen. Dann legte er mit seinem Gehilfen das Tier auf den Boden und hielt ihm mit gekonntem Griff die Beine über Kreuz fest, um ein Ausschlagen zu verhindern. Der Vater der Neugeborenen trat heran, fasste das Tier an einem Horn, nahm das Schlachtermesser in die Hand, bückte sich über die Kehle des Tieres und schnitt ihm die Halsschlagader auf. Er sprach dabei leise den Namen des Kindes aus. Sofort floss ein Strom Blut heraus, das Tier zuckte ein wenig, blieb aber – zu meiner Überraschung – stumm und ruhig liegen bis der Blutfluss immer langsamer wurde und schließlich versiegte. Während dessen begannen die Musiker (alles Männer in traditioneller Kleidung) auf ihren Trommeln, Pauken und Handschellen zu spielen und laut dazu zu singen. Ab und zu blies einer in ein zwei Meter langes metallenes Horn (wie ein Alpenhorn), das einen monotonen durchdringenden Ton von sich gab. (Wahrscheinlich wurden mit solchen Instrumenten die Mauern von Jericho zum Einsturz gebracht!). Die Frauen hoben an mit einem hohen langgezogenen leicht modulierten Ton dazu zu schreien. Es wurde im Rhythmus zu den Trommeln geklatscht.
    Als der Blutfluss aus der Kehle des Tieres versiegt war, gingen die Geladenen in das Haus, wo weiter gefeiert wurde, während der Schlachter nun dem Tier den Kopf abhieb, ihm das Fell abzog und es in einzelne Stücke zerlegte. Eine Magd schrubbte inzwischen das Blut in einen am Boden befindlichen Abfluss hinein und wusch den steinernen Hofboden wieder sauber.
    Ein junges gesundes männliches Tier musste sterben, weil ein kleines Mädchen das Leben geschenkt bekommen hatte, weil der Familie ein Kind geschenkt worden war. Ich war zutiefst berührt und fühlte eine tiefe Ehrfurcht vor diesem Tier. Und es kamen mir sehr viele Fragen in den Sinn, für die ich jetzt noch keine (endgültigen) Antworten habe. Fragen über diese für mich völlig neue Art, die Geburt eines Kindes zu feiern. Über mich – als Zuschauerin? – Nein: als Teilnehmende an diesem Ritual. Ich beschloss, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass ich Teil der feiernden Gruppe war, mich zu öffnen für das Fremde, es nicht mit meinen Maßstäben zu beurteilen, sondern zu versuchen, mich in die Symbolik des Fremden hineinzutasten. Was bedeutete es aber dann auch für mich, an diesem Ritual teilgenommen zu haben, mit meiner ganzen eigenen Identität in Verbundenheit mit diesem kleinen Mädchen und dessen Familie zu treten? Wie würde es mich verändern? Wie würde sich meine Teilnahme (als „feministische Christin“ um der Einfachheit halber mal diese Etikette zu verwenden) auf das Mädchen und/oder die Familie auswirken?
    Im Innern des Hauses wurde inzwischen weiter fröhlich musiziert, und einige Frauen und zwei oder drei Männer tanzten dazu, bis dann zu Tisch gebeten wurde, wo alle fürstlich bewirtet wurden. Als alle beim Essen saßen, brachte die junge Mutter das Neugeborene in ein weißes Taufkleid gehüllt und stellte es den Geladenen vor. Die Musik spielte einen ohrenbetäubenden „Tusch“.
    Nach dem Essen wurde weiter getanzt und gegen Ende steckten mehrere Frauen, aber auch Männer den Musikern Geldscheine in den Kragen.
    Diese ergänzenden Ausführungen zu den Initiationsriten im Islam.
    Zu der Symbolik unserer christlichen Taufe. Darüber habe ich auch schon viel nachgedacht, besonders auch nach der Lektüre eines Buches von Gertrud von Le Fort, „Die ewige Frau“ (von 1934!), in dem sie sich wundert, warum es in der katholischen Kirche kein Sakrament der Mutterschaft gäbe und dann aber zu dem Schluss kommt, es gäbe eines, nämlich die Taufe.
    Von Lefort sieht die Taufe als das Sakrament der Entäußerung der Frau: sie hat ihr Kind geboren, aber sie gibt es ab – an die (Mutter) Kirche. Und sie tritt derart in den Hintergrund, dass sie nicht nur nicht an dem Zeremoniell teilnimmt (damals – 1934! – galt sie ja noch als unrein!), sondern dass dieses Ritual sie regelrecht verneint und unsichtbar macht, und darin genau bestehe Mutterschaft: im völligen Weg-Geben, sich Zuruecknehmen.
    Es hat mich – selbst Mutter – zutiefst getroffen und revoltiert. Plötzlich sah ich diese „Mutter Kirche“ als eine grausame „Stiefmutter“, die ihre Töchter ausnutzt (ja missbraucht und zum Gebären zwingt – durch das absolute Verbot des Abbruchs ) und vernichtet. Nur Männer sind zugelassen als Vollzieher der „heiligen Rituale“. Aber nicht irgendwelche Männer, sondern nur solche, die darauf verzichten, „ein Fleisch zu werden mit einer Frau“.
    Zum Taufritual wird das Kind in eine Kirche gebracht (für mich ein Symbol des Mutterschosses), weg von der Mutter: ist die fleischliche Geburt, aus dem Leib einer Frau, nicht ausreichend, um Kind Gottes zu sein? Ein Mann muss quasi rituell eine zweite Geburt feiern, damit das Kind „das wahre Leben“ empfängt und in die Gemeinschaft des „königlichen Priestertums“ der „Gotteskinder“ aufgenommen wird.
    Es muss so viel an unseren Traditionen umgedeutet werden!!
    Nun – Sakramente haben eine Geschichte. Das Bewusstsein darüber verbreitet sich immer mehr.

  • Ursula Jung sagt:

    Guten Tag, Donate!
    Schön auf diesem Weg etwas von Dir zu lesen. Ich habe seit Ostern Internet und übe fleißig.
    Dein Vergleich Penisvorhaut – kleiner Finger ist sehr anschaulich.
    Der Psychoanalytiker und Autor W. Schmidtbauer schreibt: „Die Vorhaut erleichtert die Penetration und erhält die sexuelle Erregsamkeit.“
    Beschneidung also auch zum Nachteil der Heterofrauen.
    Im 19. Jahrhundert soll sie auch bei nichtjüdischen Eltern
    beliebt gewesen sein, weil sie die verpönte Masturbation erschwere.
    Die Göttin segne die Muslime, Juden und Christen, die göttlichen Willen nicht nur in alten Schriften, sondern in ihren Herzen und Gewissen finden.

  • Andrea Hähnle sagt:

    Liebe Gudrun Nositschka, danke für diesen spannenden Beitrag. Dank auch den Frauen, die den Faden zum Gespräch weitergesponnen haben. Derzeit habe ich nur eine Frage: Wie sind – angesichts des folgenden Punkts:

    „dass Frauen wegen ihrer Fähigkeit zu menstruieren und im Blut Leben zu gebären für ontologisch (vom Sein her) unrein erklärt worden waren und sich deshalb immer wieder rituellen Reinigungsriten unterziehen mussten und müssen.“

    – die jüdischen Reinigungsriten für Männer zu interpretieren?

    Schon jetzt vielen Dank für Ihre Überlegungen hierzu.

    Andrea Hähnle

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Guten Tag, Andrea Hähnle.
    Soweit ich es verstehe, geht es bei jüd. Männern in Fragen der Reinheit immer um ihr Verhältnis zu Gott. So können sie nur im Tempel oder der Synagoge dienen, wenn sie rein sind; dabei müssen sie sich vor allen Dingen vor menstruellem Blut, Berührung von Toten und dem Schweinefleisch hüten. Siehe auch „Das Schwarzmondtabu“ von Jutta Voss. Das sich Hütenmüssen erklärt auch die abweisende Haltung eines jüd. Priesters und eines Leviten im Gleichnis vom barmherzigen Samariter gegenüber dem Mann, der unter die Räuber gefallen war. Sie befürchteten, dass sie einen Toten berühren würden und sie so für den Dienst im Tempel unrein geworden wären, nicht aus Hartherzigkeit. Tote galten als unrein, weshalb ihre Waschung auch den Frauen vorbehalten war. Bei einem unfreiwilligen „Samen“abgang gilt ein Mann bis zum Abend als unrein. Er muss seinen Penis(sein Fleisch) lediglich gründlich waschen, auch die Kleidung und Bettfell. Nicht klar ist mir, ob er dann Kleidung und Bettfell selber waschen muss. Eine große rituelle Reinigung muss er vor der Hochzeitsnacht durchführen wie auch die noch von keinem Mann berührte Frau. Die Frau muss beim Geschlechtsakt rein für den Mann sein, ob er aber rein für die Frau sein muss oder doch eher für den Akt an sich oder vor Gott?

  • Cees van der Duin sagt:

    Petition gegen Beschneidung
    20. Juli 2012

    Text der Petition

    Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Personensorgeberechtigten jede rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung eines Jungen (Zirkumzision) oder eines Mädchens (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) im Hinblick auf die Verwirklichung der körperlichen Unversehrtheit des Kindes oder Jugendlichen bis zu dessen Volljährigkeit zu untersagen. Um dem Individuum die Option auf ein Leben mit unversehrten Genitalien und mit der Option auf eine selbstgeschriebene Biographie zu ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung, ob eine lebenslange Sexualität mit oder ohne Präputium (Junge) oder Klitorisvorhaut (Mädchen) verwirklicht wird, möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen:

    § 1631d
    Verbot der rituellen Genitalmutilation

    Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

    Begründung

    Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR, Paris 10.12.1948) und das auf ihr beruhende Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (23.05.1949) richten sich zuallererst an den Menschen als Individuum und nicht, wie in der von Stammesreligion, Rechtspluralismus und Initiationsriten geprägten kulturellen Vormoderne (…)

    http://eifelginster.wordpress.com/2012/07/21/297/

  • Gudrun Nositschka sagt:

    An Eifelginster: So wichtig ich Petitionen finde, die in Deutschland alle genitalen Eingriffe an Kindern unter Verbot stellen, frage ich mich, ob der Text von allen Bundestagsabgeordneten verstanden wird und nicht um einen Erläuterungsanhang ergänzt werden sollte. Was bedeutet „Beschneidung“ an Mädchen und Frauen, FGM genannt, die mit den Typen I, II, III und IV kategorisiert sind? Auch greift der Petitiontext zu kurz, wenn er die Entfernung der Vorhaut bei Jungen und Mädchen in einem Atemzug nennt, heißt es doch in der Definition der WHO bei Typ I für Mädchen und Frauen „Entfernung der Vorhaut mit oder ohne der teilweisen oder vollständigen Entfernung der Klitoris“. (Damit ist der sichtbare Teil der Klitoris gemeint). Der Petitionstext lässt nicht erahnen, welche teilweise überbordende Qualen mit Typ II, III und IV verbunden sind, auch wenn sich alle einig zu sein scheinen, dass Typ III, die sog. pharaonische Beschneidung, auch Infibulation genannt, die grausamste ist. Mir wurde schon beim Lesen schlecht. Nachzulesen bei Wikipedia, die die WHO zitiert. Des Weiteren empfehle ich, den zu schützenden Kreis allgemein auf nicht geschäftsfähige Menschen auszuweiten.

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