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Angst oder Ambivalenz, Mitgefühl und Achtung. Eine Intervention zur moralischen Dimension von Flüchtlingspolitiken

Von Andrea Günter

Angst oder Ambivalenz

Es gilt, genau hinzuschauen. Foto: pixplosion / pixelio.de

Es gilt, genau hinzuschauen und Ambivalenzen nicht mit Angst zu verwechseln. Foto: pixplosion / pixelio.de

Viele Deutsche sind zunehmend ambivalent, was die Aufnahme von Flüchtlingen in Europa, in ihren Städten, Landkreisen, Nachbarschaften betrifft. Im Widerspruch stehen die Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen in Not auf der einen Seite und auf der anderen die Erfahrungen mit fremden Verhaltensweisen und Kulturen, die manche Flüchtlingsgruppen mit sich bringen und die die deutsche Kultur verändern können. Politiker und Wissenschaftler thematisieren in ihren Reden diese Veränderungen als Ausdruck von Angst. Die sich wandelnden Meinungen der Deutschen müssen aber nicht als Ausdruck von Angst, sie können vielmehr als Ausdruck von Ambivalenz wahrgenommen werden. Die Erosion der Aufnahmebereitschaft von Flüchtlingen und Migranten wiederum kann als Zeichen der mangelhaften Verarbeitung solcher Ambivalenzen betrachtet werden.

Ambivalenzen mit Angst zu verwechseln oder gar mit dieser zu identifizieren, führt nicht nur zu einer unzureichenden Einschätzung der politischen Stimmung und zu falschen politischen Weichenstellungen, beispielsweise in der Sicherheitspolitik oder in der vermeintlich notwendigen Ausrichtung aufs sogenannte rechte Lager. Ambivalenzen nicht als solche wahrzunehmen führt hingegen dazu, deren Verarbeitungsmöglichkeiten erst gar nicht in den Blick zu bekommen.

Angst kann zwar überwunden, beschwichtigt oder aber die Angst erzeugenden Faktoren können (vordergründig) minimiert werden (das Asylrecht wird verschärft). Die Ambivalenzen aber bleiben vermutlich dennoch, und zwar unabhängig davon wie viele Flüchtlinge in Deutschland oder Europa auf Dauer eine Heimat finden. Denn die Erfahrung, was ein clash of cultures in einer Zeit, in der es massive globalisierte Migrationsbewegungen gibt und Mobilität außerdem hochgehalten wird, ist gemacht, die damit verbundenen Probleme sind offenkundig geworden. Es gibt keine Wetterlage, die dies vernebeln, keinen Grenzzaun, der das Bewusstsein davor schützen könnte.

Während Angst es nahelegt, Verursacher zu identifizieren – gewaltbereite Nordafrikaner und in komplementärer Funktion einen Staat, der seine Bürger nicht zu schützen vermag – können in Ambivalenzen die moralischen Ungereimtheiten und Widersprüche gerade auch der eigenen Position wahrgenommen werden. Es ist die deutsche Gesellschaft, die sich zunehmend uneindeutig entwickelt. Ob sie damit zugleich polarisiert ist, ist eine Bewertung, die sich nicht unbedingt automatisch daraus ergibt. Um nicht dem Kurzschluss zu erliegen, eine zunehmende Uneindeutigkeit besage Polarisierung, kann das Uneindeutige als Ambivalenz des Einschätzens und Bewertens verstanden werden. Es kann hierbei als Widerspruch zwischen Werten – Hilfsbereitschaft gegenüber Hilfsbedürftigen im Widerspruch zur Schutzpflicht des Staats – verstanden werden. Jedoch, wenn man eine solche Wertekonstellation analysiert und tatsächlich benennt, muss man nicht unbedingt auf die Idee kommen, dass die hier aufeinandertreffenden Werte kollidieren müssen. Im Gegenteil, Hilfsbereitschaft und Schutzpflicht hängen eng zusammen. Darüber hinaus wird augenscheinlich, und darum wird es im Folgenden gehen, dass Widersprüche offensichtlich werden, die sich als Folge eines unzureichenden Verständnisses des Moralischen selbst erweist.

So zählt der Hinweis auf die Angst einiger Mitbürger vor Verlust oder Veränderung zu der moralischen Dimension des Mitfühlens, das Wahrnehmen von Ambivalenzen bezüglich der moralischen Beurteilung von gesellschaftlichen Veränderungsprozessen hingegen zu der moralischen Dimension der Achtung. Diesen Unterschied zu übergehen kann Ausdruck einer moralischen Sprachlosigkeit sein, einer Sprachlosigkeit über die Dilemmata inmitten des Moralischen selbst. Vermutlich rührt diese Sprachlosigkeit daher, dass das Moralische als etwas verstanden wird, das eindeutig sei und Eindeutigkeit erzeugen könnte. Dagegen aber spricht gerade das Phänomen der Achtung als Inbegriff der Fähigkeit zur Perspektivenübernahme, denn Achtung gilt gerade gegenüber den Werten und Haltungen, die anders sind als die eigenen.

Moral, Mitgefühl und Achtung

Mitgefühl ist ein wichtiges moralisches Gefühl. Es kann Solidarität und tätige Hilfsbereitschaft hervorbringen. Allerdings, reicht Mitfühlen aus, um eine gemeinsame Lage ethisch angemessen zu bewerten?

Mitgefühl entsteht in einer Situation, in der einer aus welchen Gründen auch immer geschwächt ist, ein anderer dies erkennt und ihm deshalb helfen will. Diese Beziehungskonstellation ist asymmetrisch aufgestellt. Die Asymmetrie verändert sich, wenn dem Bedürftigen geholfen ist. In der Geschichte des barmherzigen Samariters zieht der Helfer weiter und geht seinen Geschäften nach, nachdem er den Menschen, der unter die Mörder gefallen und halbtot geschlagen war, fürs Erste körperlich und materiell versorgt und unter den Schutz eines Wirtes gegeben hatte.

Ist einem nun geholfen, was die Grundversorgung betrifft, was passiert danach? Der Samariter erklärt sich sogar bereit, bei seiner Wiederkehr dem Wirt mehr zu zahlen, wenn dieser mehr zur Versorgung des Hilfsbedürftigen brauche. Eine Antwort darauf, was mit dem Bedürftigen geschieht, nachdem seine Verletzungen ausgeheilt sind, gibt die Geschichte nicht. Sie hört auf, bevor sich eine solche Entwicklung angebahnt hat.

Es bleibt an uns, diese Geschichte weiterzuerzählen. Auch den moralischen Rahmen für die Weiterentwicklung müssen wir abstecken. Zunächst wird es zu einer Geschichte zwischen dem Bedürftigen und dem Wirt. Inwieweit der zurückgekehrte Samariter jenseits dessen darin involviert sein wird, dass er bereit ist, finanziell noch etwas nachzulegen, wissen wir nicht.

Was geschehen wird, ist, dass der Bedürftige nicht ewig so bedürftig, hilflos und passiv bleibt wie er es als Ausgeraubter anfangs war. Die Beziehung zwischen ihm und den Etablierten wird weniger asymmetrisch, sie wird deutlich symmetrischer.

Nun gibt es eine Beziehung, die asymmetrisch anfängt, immer weniger asymmetrisch, hingegen deutlich symmetrischer wird, und die eine Grundkonstante im Zusammenleben der Menschen bildet. Es handelt sich um die Kind-Erwachsenen-Beziehung. Interessanterweise ist es auch die Forschung über die moralische Entwicklung von Kindern, die in den letzten Jahren diskutiert hat, warum das Mitfühlen-Können und -Lernen nicht ausreicht, um moralisches Verhalten zu entwickeln. So erzeugt Mitfühlen mit anderen zwar das Wissen darum, wie es einem anderen gefühlsmäßig ergeht. Aber wie man mit seiner Gefühlslage angemessen umgeht, das ist eine ganz andere Frage. So kann ich mir als Dozentin überlegen, wenn ich in einer Prüfung einen weinenden Studenten vor mir habe, ob er Prüfungsangst hat, grundsätzlich ein verunsicherter Mensch ist oder gerade sein Vater gestorben ist und ihn in dieser Stresssituation seine Trauer überwältigt. Um wirklich zu wissen, was seine Tränen bedeuten, muss ich ihn fragen. Um zu wissen, wie ich nun am besten mit ihm in dieser Situation umgehen kann, auch dazu kann ich ihn befragen. Zugleich muss ich als Dozentin die Verantwortung dafür übernehmen, dass es eine Lösung gibt, die der Situation „Prüfung“ gerecht wird.

Nun kann es sein, dass er aus vielen legitimen Gründen seine Gefühlslage in dieser Situation gar nicht weiter beachtet wissen will. Auf jeden Fall kann ich ihm einen Moment dafür anbieten, sich in Ruhe zu fassen. Ferner kann ich ihn darum bitten, mir zu signalisieren, wann er wieder bereit dazu ist, die Prüfung fortzusetzen.

In einer solchen Entwicklung treffen nicht einfach eine Gefühlslage und Mitgefühl aufeinander. In einer solchen Situation treffen Haltungen und Werte aufeinander: die gemeinsamen oder auch unterschiedlichen Haltungen und Werte zweier Menschen in einer Situation, die sie miteinander teilen. So zählen zur moralischen Orientierung beider, sowohl der Dozentin als auch des Prüflings, die Gefühlslage des Prüflings nicht zu übergehen und zugleich die Verantwortung für die Prüfung zu halten. Bei sich, bei anderen, wechselseitig solche Haltungen und Wertorientierungen zu erkennen, das basiert nicht einfach Mitgefühl, es basiert auf Achtung. Die Fähigkeit der Perspektivenübernahme besteht damit nicht nur darin, Gefühlslagen bei anderen zu erkennen. Sie besteht auch darin, die Haltungen und Werte, die jemand durch sein Sprechen und Tun kundtut und die die geteilte Situation leiten sollen, zu erfassen.

Indem sie die Haltungen und Werte in den Situationen erleben, in denen sie beteiligt sind oder die sie beobachten, lernen Kinder die eigenen Haltungen und Werte ebenso wie die von anderen kennen. Wie verhält sich Mama oder Papa? Warum will sie/er das so? Warum will sie/er, dass ich meine Schuhe selbst binde? Warum entscheidet sie/er sich genau dafür, hält sie/er das für gut? Will sie/er schnell mit mir in den Kindergarten? Will sie/er, dass ich groß und selbständig werde?

Stoßen Kinder auf entsprechende Vorbilder, so werden sie durch diese nicht nur dazu angeregt, weitere Haltungen und Werte zu integrieren als die, die sie aus sich heraus in den Blick bekommen. Sie werden im besten Fall dazu angeleitet, über die Haltungen und Werte, die sie selbst und die andere haben, sprechen und sie kommunizieren zu lernen.

Achtung und moralische Dilemmata

Immanuel Kant, der den Effekt der Achtung in moralischen Selbstverständnisse identifiziert hat, hebt in seinen Ausführungen hervor, dass das Gefühl der Achtung in einer unwillkürlichen Reaktion auf andere besteht, und zwar genaugenommen auf deren Sprechen und Handeln, nicht auf das, was sie moralisch proklamieren. Man erkennt die eigene Reaktion der Achtung gegenüber einem anderen, wenn man in dessen Sprechen und Handeln andere Haltungen und Wertmaßstäbe erkennt als die, die man selber praktiziert, und mit dem Gefühl von Achtung darauf reagiert.

Bei der Achtung handelt sich also um eine Erfahrung der Differenz von Haltungen und Wertmaßstäben von verschiedenen Menschen, wobei die Achtung geradewegs verdeutlicht, dass die Unterschiede in den vertretenen Haltungen und Wertmaßstäben diese weder hierarchisiert noch in eine Rangstufe bringt. Im Gegenteil, die Achtung zeigt an, dass die Haltungen und Wertmaßstäbe eines anderen den eigenen als gleichwertig gewertet werden.

Nimmt man nun den umgekehrten Fall an, nämlich den, dass Haltungen und Wertmaßstäbe von verschiedenen Personen nicht als gleichwertig gewertet werden, kann man davon ausgehen, dass dann Achtung fehlt. Die Achtung kann auch fehlen, wenn die Haltungen und Wertmaßstäbe bei einem selbst unklar sind, bei anderen nicht wahrgenommen werden, eine Diskrepanz in ihrer Wertigkeit angenommen wird oder es eine solche tatsächlich gibt. Häufig handelt es sich um eine Kombination aus diesen Varianten.

Treffen einander Fremde aufeinander, kommen also Fremde in ein Land und treten damit in eine moralische Kultur ein, dann entscheidet sich das Miteinander nach dem ersten Willkommen daran, ob sie einander zu achten vermögen. Erkennen sie, dass die jeweils anderen in ihrem Tun Werte und Haltungen praktizieren? Achten sie dieses grundsätzlich? Können sie unterscheiden, welche Diskrepanzen es in den jeweiligen Werteordnungen gibt? Können sie diese benennen und kommunizieren? All dies ist die Voraussetzung dafür, dass moralische Differenzen verarbeitet werden können.

Moralische Differenzen können nicht ausgeschlossen werden. Der Pädagoge Jean Piaget findet Kants Erkenntnisse über die Achtung in der psychologischen Entwicklung von Kindern wieder. Er hält fest, dass es die Diskrepanz über die eigenen Werte und die der jeweils anderen ist, über die Kinder kommunizieren lernen und für die sie Lösungen finden müssen. Dass es sich im Kinder-Erwachsenen-Gefüge um eine Diskrepanz handelt, lässt sich dabei daran festmachen, dass Erwachsene größere und vielfältigere Weltbezüge haben. Dies bringt ein komplexeres und differenzierteres Gefüge aus Haltungen und Werten auf Seiten der Erwachsenen mit sich. Sofern Kinder ihre Weltbezüge ausweiten lernen, lernen sie auch moralisch komplexer zu denken, insbesondere wenn sie entsprechend angeleitet werden, darüber zu kommunizieren.

Nicht einfach darin also, dass sie selbst Haltungen und Werte haben und sie Erwachsene erleben, die dies achten, vielmehr darin, dass sie diese Diskrepanz zwischen kindlichen und erwachsenen Wertebezügen verarbeiten lernen müssen, besteht die besondere Entwicklungsaufgabe bei Kindern. Es handelt sich um ein durch und durch moralische Aufgabe.

Das, was für die Position der Kinder gilt, kann für alle Neuankömmlinge angenommen werden. Wenn Fremde irgendwohin kommen, sind es diejenigen, die dort schon zuhause sind, die die größeren und vielfältigeren Weltbezüge habe. Sie wissen, wie ihre Gesellschaft funktioniert. Sie kennen die dafür notwendigen Haltungen und Werte und haben einigermaßen angemessene Praktiken für diese entwickelt. Das kann jeder erleben, wenn er in einer fremden Küche beim Kochen helfen will. Er weiß vieles nicht, muss nachfragen, wo was ist, wird auch beginnen sich nach den Zubereitungsgewohnheiten der Köchin zu erkundigen, sie fragen, wie sie es haben will, vielleicht einen Verbesserungsvorschlag platzieren und sich danach richten. Kaum wird er beginnen, der Köchin vorzuschreiben, wie sie zu kochen hat, den Menüplan zu ändern oder die Küche umzuräumen.

Um an den umfangreichen und vielfältigen Weltbezügen einer neuen Heimat teilnehmen zu können, muss man diese kennen und ihren Sinn verstehen können und wollen. Dies gilt gerade auch, wenn man seine Heimat verlässt um dorthin zu gehen, wo man ein besseres Leben erhofft.

Damit dies gelingen kann, dafür ist, wie gesagt, gegenseitig Achtung vonnöten: die Bereitschaft und Fähigkeit, im eigenen Tun und im Tun von anderen die Haltungen und Werte zu erkennen und zu schätzen, die diese leiten. Kommt es dennoch zu Differenzen, dann müssen diese nicht als Diskrepanz der Werthaltigkeit unterschiedlicher Wertekulturen aufgefasst werden. Vielmehr können diese im Sinne der Kind-Erwachsenen-Differenz bewertet werden: Es handelt sich um eine genealogische Differenz in einem Gefüge der wechselseitigen Achtung, die durch die divergierenden Beziehungen und das unterschiedliche Verbundensein mit den vorhandenen Weltbezügen, ihrem Wirkungskreis und ihrer Vielfältigkeit zustande kommt.

Diese Differenz muss wiederum so verarbeitet werden, dass die Haltungen, Werte- und Weltbezüge der Welt, in die jemand Neues eintritt, in ihrer Reichweite und Komplexität geschützt werden; sonst schwindet die Orientierung, ihre Haltungen, Werte- und Weltbezüge erodieren. Dies bildet die Voraussetzung dafür, dass die Achtung voreinander aufrecht erhalten werden kann.

Die moralische Bedeutung der Achtung beim Aufeinandertreffen unterschiedlicher Werte und Haltungen zeigt an, dass das Verhalten von Verschiedenen moralisch betrachtet sich nicht angleichen muss, was die Inhalte von Haltungen und Werten betrifft. Im Gegenteil, es ist gerade die Verschiedenheit und der Umgang mit ihr, der die moralische und auch politische Qualität einer Kultur zu stiften vermag. Demokratien, in die derzeit offenbar an allen Ecken und Kanten Hass einzieht, weil Menschen verschiedene Haltungen, Werte und folglich auch politische Ziele verfolgen, haben den Sinn für die Bedeutung der Achtung verloren. Die Verschiedenheit der Ansichten von Menschen wird dann als Gefühlslage ausagiert. Gefühlen aber wohnt die Tendenz des Extremen inne. Wird die Gefühlslage einer Person ins Zentrum gestellt, muss ein anderer nicht unbedingt berücksichtigt werden, darf auf Kosten von den Anliegen anderer individualisiert werden.

Achtung hingegen resultiert aus einer Erfahrung der Differenz, die aus der Bezogenheit von Verschiedenen erwächst und die darin als gleichwertig betrachtet werden, dass sie jeweils Haltungen und Werte verkörpern, ohne dass diese inhaltlich die gleichen sein müssen. Damit ist die Achtung von anderen und ihren unterschiedlichen Sichtweisen ein wichtiges, dabei moralisches Scharnier für die Demokratie und ihre moralische Kultur. Achtung schützt im Konflikt um divergierende Haltungen und Werte.

Literatur zum Thema „Achtung“ und moralische Entwicklung:
Günter, Andrea: Konzepte der Ethik – Konzepte der Geschlechterverhältnisse, Wien 2014, 189; Kant, Immanuel: Kritik der praktischen Vernunft, versch. Ausgaben; Kenngott, Eva-Maria: Perspektivenübernahme. Zwischen Moralphilosophie und Moralpädagogik, Heidelberg 2012; Piaget, Jean: Das moralische Urteil beim Kinde, Stuttgart 1983.

Autorin: Andrea Günter
Redakteurin: Juliane Brumberg
Eingestellt am: 28.06.2016
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Yvonne Renne sagt:

    Hallo Andrea,
    gute Anregungen, in vielem hast Du mir aus dem Bauch gesprochen. Es wäre schön, wenn Du in deinen Texten künftig alle Geschlechter (Bürger_innen*) mit nennen würdest, denn darin habe ich mich nicht angesprochen gefühlt.
    Danke.
    LG
    Yvonne Renne

  • Elfriede Harth sagt:

    Interessant der Hinweis auf die Assymetrie der Beziehung zwischen dem “Fremden”, der aus einem Kontext ausgewandert ist, weil das Negative in seinem Leben das Positive überwog, und der jetzt in einem anderen Kontext ankommt, dem des “Autochtonen”, von dem er sich erhofft, dass es mehr Positives geben wird als in dem Kontext, der er verlassen hat. Diese Assymetrie sollte nicht sehr lange dauern müssen. Der “Fremde” – oder die “Fremde” sollte möglichst bald das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie durchaus das Zeug mitbringt, ein vollwertiges Mitglied im neuen Kontext zu werden, und sich hier einzubringen, sodass die aufnehmende Gesellschaft dadurch bereichert wird. Dazu braucht es ein positives Menschenbild bei den “Autochtonen”. Sie müssen bereit sein, sich nicht als das Maß aller Dinge zu betrachten, sondern zu akzeptieren, dass es andere Maßstäbe gibt. So wie der weiße, gesunde, gebildete, vermögende “Mann im besten Alter” durchaus nicht das Maß darstellen darf, an dem alle anderen Menschen in einer Gesellschaft gemessen werden und , als eine Devianz im Vergleich zu diesem Maßstab angesehen werden. Sie müssen bereit sein zu hören, zu lernen, ja, richtig, zu achten. Dann werden beide gewinnen und zusammen etwas Neues, Befreienderes schaffen können.

  • Liebe Elisabeth Harth,

    danke für Ihren Beitrag. Eigentlich wollte ich noch einen Abschnitt über „genealogische Achtung und Demokratie schreiben, um die Frage des Maßstabs zu klären. Denn genealogisch gedacht kann es nicht „der Mann“ (welcher auch immer) sein. Es wären vielmehr die Fähigkeiten, die vorhandenen Weltbezüge zu praktizieren, die den Maßstab bilden.
    Schon Platon hatte pointiert festgehalten, wie sich entlang solcher Maßstäbe Zugehörigkeiten unterscheiden lassen. Deutsche Demokratiefeinde etwa gehören weniger zu einer Demokratie und einem demokratischen Staat wie Deutschland als solche MigrantInnen, die in dieses Land kommen, weil sie in einer demokratischen Kultur leben möchten und bereit sind, demokratische Lebensweisen zu praktizieren, wenn der Weltbezug „Demokratie praktizieren“ den Maßstab bildet.
    Eine solche Konstellation kann dann durchaus dazu führen, dass das Demokratische weiterentwickelt wird. Denn auch eine Köchin ist in ihrer Küche dazu bereit, sich den einen oder anderen Tipp von einem Fremden anzuhören und zu überlegen, ob sie ihn in ihr Repertoire aufnimmt.

  • Ute Plass sagt:

    „Gefühlen aber wohnt die Tendenz des Extremen inne. Wird die Gefühlslage einer Person ins Zentrum gestellt, muss ein anderer nicht unbedingt berücksichtigt werden, darf auf Kosten von den Anliegen anderer individualisiert werden.“

    Das trifft womöglich dann zu, wenn Gefühle als Mitteilungen
    über andere interpretiert werden und nicht reflektiert wird,
    dass sie immer und zuerst Botschaften und Erkenntnisse an das eigene Selbst sind.
    Ich plädiere für eine Art Bildungsfach, in dem gelehrt und gelernt werden kann Innen- und Außenwelt zu unterscheiden, sprich, Gefühle wahrzunehmen und die damit verbundenen Denkweisen zu reflektieren.
    Betrachte dies als Stärkung der Selbst-Achtung, die mit dazu verhelfen dürfte das vielfältige Fremde auch als (abgelehnten?)Teil des Eigenen zu erkennen und diesem Be-achtung zu schenken.

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