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Rubrik erzählen

Schweiß, Schreie, Blut und Kacke: Das ist eine Hausgeburt.

Von Sabina Urraca

Diesen Text hat Elfriede Harth mit freundlicher Genehmigung der Autorin aus dem Spanischen übersetzt. Auch die Illustration durften wir netterweise verwenden. Hier ist der Link zum Original. 

Illustration: Denis Lajuper (mit freundlicher Genehmigung)

Illustration: Denis Lajuper (mit freundlicher Genehmigung)

Als ich vier Jahre alt war, lachten mich meine Eltern aus, als ich behauptete, dass die Kinder durch einen Reißverschluss herauskämen, den die Mutter am Bauch bekäme. Sie erklärten mir die Wahrheit. Doch selbst dann erscheint mir die Vorstellung von einem Baby, das durch die Möse herauskommt, total außerirdisch und physisch unmöglich, und ich denke, so geht es auch den meisten Menschen, die es nicht persönlich erlebt haben. Vielleicht ist das so, weil Geburten hinter den unüberwindbaren Mauern weißer Krankenhausanstalten stattfinden, getarnt durch Fachjargon und Pharmakologie.

Fast jeder weiß, was „PDA“ bedeutet, aber, es sei denn, du wirst bald entbinden, gehst du nie der Bedeutung von „Dammschnitt“ auf den Grund, von „Platzen der Fruchtwasserblase“ oder „Kristeller-Handgriff“. Das heißt, wir wissen voll Bescheid in Sachen Pharmaka und Vorwände, um einer Entbindung die Stirn zu bieten, wir sind teilweise im Bilde über ihre medizinisch-medikamentösen Aspekte, aber wir haben keine Ahnung vom eigentlichen Geburtsvorgang. In letzter Zeit erzählten mir Bekannte, wie überrascht sie waren, beim Pressen zu kacken, sie wussten nicht, dass das völlig normal ist. Der Freundin einer Freundin gaben sie Ocytoxin, während sie schrie: „Aber was ist das? Wozu soll das gut sein?“ Niemand erklärte es ihr. Sie begriff es ganz von selbst, als kurz darauf Wehen eintraten, die sie wie mitten durch zu zerreißen drohten.

Rosa, die Hebamme der Entbindung, an der ich teilnahm, stimmte mit mir überein: „Eine Geburt ist immer schmerzhaft gewesen, eine starke Erfahrung, aber in unserer Zeit sind die Frauen schlechte Gebärerinnen geworden, erschreckte Tierlein, die sich dem Arzt ausliefern, als ob sie sich einer Operation unterziehen müssten. Der Unterschied zu unseren Vorfahrinnen ist, dass diese vor der eigenen Entbindung schon Entbindungen gesehen hatten. Wie ist es möglich, dass wir wissen, wie ein Internet-Video heruntergeladen wird, aber keine Ahnung haben von dem Prozess, der uns hierher gebracht hat? Alle Frauen sollten Entbindungen vorher gesehen haben.“

Das sind genau die Worte, die ich vor zwei Wochen zu Sanne sagte. Ich lernte sie durch gemeinsame Freunde kennen, und sie erzählte mir, sie wollte zu Hause entbinden. Sie unterstrich ständig die Bedeutung der Intimität, weshalb ich, so gut es ging, überspielte, dass ich mir nichts sehnlicher wünschte, als solch ein Wunder mit eigenen Augen sehen und darüber berichten zu können. Ich habe wohl mein Verlangen nicht ganz so gut verbergen können, denn nach wenigen Tagen erhielt ich eine Nachricht, in der stand: „Wir haben darüber gesprochen und möchten, dass Du bei der Entbindung dabei bist. Es ist wichtig, die Wahrheit über diese Erfahrungen weiterzugeben. Kuss, Sanne und Carlos“. Noch am selben Abend legten wir die Bedingungen für meine Teilnahme fest: Ich würde mich stets fernhalten und nur beobachten, ohne je in irgendeiner Weise in die Situation einzugreifen. Ich könnte mich in der Küche aufhalten, die sich neben dem Wohnzimmer befindet, und von dort aus beobachten. Nach eineinhalb Wochen rief mich Carlos an, Sanne wäre so weit.

Sannes und Carlos  Haus liegt in den Bergen, in einem Tal in der Nähe meiner eigenen Wohnung. Man gelangt zu dem Haus auf einem Weg, der mit Pappeln gesäumt ist, und von der Straße abzweigt. Schon von dort sind die Bewegungen im Haus zu hören. Es ist ein restauriertes Bauernhaus, wunderschön mit Hühnern, die im Hof herumpicken, und einem Hund, der mich anbellt. Carlos kommt mich an der Tür begrüßen, lächelnd, ein wenig nervös. Die Hebamme ist schon da. Obwohl die Wehen erst vor kurzem eingesetzt haben, sieht das Wohnzimmer bereits aus wie ein Schlachtfeld: überall Kissen, Handtücher und Decken. Sanne läuft auf und ab in einem langen Nachthemd. Sie grüßt mich zerstreut, etwas abwesend. Auf einem Sofa, wie blind für die ganze Aufregung, sitzt Alba und spielt mit Holzautos. Ich grüße alle zaghaft und setze mich in die Küche, die vom Wohnzimmer durch einen durchsichtigen Vorhang abgetrennt ist, sodass man alles sehen kann, was sich auf der anderen Seite abspielt.

Es ist noch Zeit, und Carlos setzt sich zu mir, während er eine Mahlzeit für alle vorbereitet. Er erzählt, dass Sanne ihre erste Entbindung als schlechte Erfahrung erlebt hat. Da sie Holländerin ist und in ihrer Heimat die Entbindungen natürlicher und respektvoll verlaufen, fiel sie hier in Spanien voll auf die Nase, als sie unvorbereitet mit dem rohen spanischen Geburtshilfesystem konfrontiert wurde: total medikalisiert, die Gebärende völlig ausschaltend, anfällig für den Griff zum Kaiserschnitt, kurz: jeden natürlichen Prozess zu einem künstlichen machend. Sanne hatte das Gefühl, dass sie um ihre Entbindung betrogen worden war, weil sie, sediert, kaum den Moment erinnert, als Alba geboren wurde. Deshalb würde sie dieses Mal zu Hause entbinden, bewusst, mit intensiver Vorbereitung. Wir hören ein Stöhnen im Raum, und Carlos steht auf. Rosa, die Hebamme, massiert Sannes Nieren.

Carlos misst die Zeit zwischen den Wehen. Rosa wischt sich die Hände und greift unter Sannes Nachthemd, um die Öffnung des Muttermundes zu messen. Vier Zentimeter. Es gibt noch immer genügend Abstand zwischen den Wehen, und so setzt sich die ganze Familie mit der Hebamme zum Essen zu mir in die Küche. Sanne bemerkt, dass der Schmerz intensiver sei als in ihrer vorherigen Entbindung (Rosa erklärt, dass manchmal die zweite Geburt kürzer ist, aber dass sich der Schmerz dann auf kürzere Zeitspannen konzentriert). Da sie aber zu Hause sei und weil sie sich bewege, ertrage sie alles viel besser. Als wir fertig sind, steht sie plötzlich auf und stützt sich an einem Küchenmöbel. Sie schließt die Augen, atmet sehr heftig und stöhnt. Rosa hilft ihr ins Wohnzimmer. Carlos beruhigt seine Tochter Alba, die verängstigt ihre Mutter anschaut. „Schon acht Zentimenter weit!“ ruft Rosa aus dem Wohnzimmer. Carlos gesellt sich zu ihnen, mit Alba in seinen Armen.

In den nächsten drei Stunden verläuft alles sehr chaotisch: Wenn die Wehen kommen, ist alles Geschrei, Weinen und Schwitzen. Sanne sagt unzusammenhängende Dinge, „Fuck“, „Scheiße“, ruft unverständliche Dinge, ich nehme an, sie flucht auf Holländisch, sie stöhnt, sie könne nicht mehr. Rosa und Carlos sprechen ihr Mut zu. Alba, dem ganzen Lärm zum Trotz, ist auf der Couch eingeschlafen. Sanne kriecht auf allen Vieren, geht in die Hocke, steht auf, aber ihre Knie versagen vor Schmerzen und sie kauert sich wieder auf den Boden. In der letzten Stunde wird alles viel schneller und intensiver. Schon das bloße Zuschauen ist anstrengend. Ich stelle fest, dass meine Hände schwitzen. Ich lehne mich an den Türrahmen der Küche, um besser zu sehen. Carlos zündet Kerzen an, und sie schalten das Licht aus.

In den Filmen schreit die Mutter und weint, immer im Liegen, mit einem Bettlaken über ihrem Schambereich. Es wird ihr höchstens ein kleiner künstlicher Schweiß auf die Stirne gesetzt, um einige Haarsträhnen zu befeuchten. In Wirklichkeit ist die Geburt tausendmal klebriger und obszöner. Es gibt literweise Schweiß, es gibt gutturale Schreie, die wie Kultgesänge eines unbekannten Stammes anmuten, es gibt Blut, Scheiße und Flüche.

Rosa sagt: „Jetzt musst du stärker pressen, okay, Sanne, du bist vollständig offen!“  Sanne antwortet, der Hintern täte ihr weh, und lacht, obwohl eine weitere Wehe ihr Lachen unterbricht. Sie ist auf allen Vieren, ihr Damm beult sich prall hervor, als ob etwas von innen darauf drücken würde.

Ich vermute, dass es der Kopf des Babys ist, aber ich empfinde es als völlig außerirdisch. Sanne beginnt zu brüllen und von einer Seite zur anderen zu schwingen. Dazwischen schreit sie, dass sie es nicht schafft, nicht schafft, nicht schafft. Carlos und Rosa sprechen ihr gut zu, aber sie scheint in ihrem Schmerz verloren. Sie liegt auf der Seite und scheint einzuschlafen. Carlos sieht Rosa besorgt an, aber diese gibt ihm mit einer Geste zu verstehen, dass alles normal ist. Rosa bittet um ein Glas Wasser, und zum ersten Mal nähere ich mich vorsichtig der Entbindungszene, um es ihr zu reichen. Sanne kommt wieder in Angriff. Wegen der Spannung und der Schreie befürchtet man, dass etwas Schreckliches passiert, aber die ganze Zeit meint Rosa, dass alles großartig läuft und sehr schnell vonstatten geht.

Plötzlich verlangt Sanne laut nach einem Stuhl. Carlos bringt ihn. Sie, in der Hocke, legt die Arme auf den Stuhl und presst mit aller Kraft. Ihr Gesicht läuft violett an. Der Stuhl droht zu kippen. Rosa weist mich mit einer Geste an, ihn zu halten. Entsetzt nähere ich mich und gehorche. Sanne stößt einen gellenden Schrei aus und das Geräusch von Wasser ist zu hören. „Die Fruchtblase ist geplatzt“, sagt Rosa, während sie die ausgeflossene Flüssigkeit berührt. „Das Fruchtwasser ist klar, alles ist perfekt, hörst du mich, Sanne?“ Sanne gibt Tierlaute von sich mit geschlossenen Augen. Sie wirkt abwesend, wie auf einem anderen Planeten. Sie sagt Dinge auf Holländisch und brüllt. Von oben, den Stuhl haltend, sehe ich den Kopf des Babys erscheinen. Der kleine Körper rutscht heraus und fällt in die Hände von Rosa. Es ist mit einer Art weißer Butter bedeckt. Sanne lässt sich zur Seite fallen und Rosa reicht ihr das Kind. Ein Mädchen. Eigentlich sieht es aus wie ein winziger violetter Greis, doch innerhalb von Minuten verändert es sich und wird zu einem rosa Äffchen mit ganz schwarzen Augen, die es weit öffnet. Sanne weint und lacht. Carlos, weckt, ebenfalls weinend, Alba, die noch ganz verschlafen näher tritt, um ihre Schwester kennen zu lernen. Die bläuliche Nabelschnur pulsiert, pulsiert ganz stark, bis sie plötzlich leblos zusammenschrumpelt und durchgeschnitten wird. Nach einer Weile sagt Rosa, dass jetzt die Plazenta kommen muss. Sie kommt sauber heraus. Die Plazenta, die ich mir als etwas Halbdurchsichtiges vorgestellt hatte, ist ein monströses Gewirr von roten, blauen und violetten Adern, die kreuz und quer verlaufen.

Dieser ganze letzte Teil geschieht in einer Atmosphäre von Verzauberung; ich könnte nicht sagen, ob er 15 Minuten oder eine Stunde gedauert hat. Als es vorüber ist, liegt Sanne im Bett, zugedeckt, das Kind an der Brust. Alba hat sich an ihre Mutter und ihre neue Schwester gekuschelt und ist erneut eingeschlafen. Carlos liegt auf Kissen neben dem Bett. Es ist zwei Uhr nachts. Acht Stunden hat die Entbindung gedauert. Als bloße Beobachterin fühle ich die angesammelte Spannung im Körper. Rosa und ich verbleiben allein im Wohnzimmer. Sie schaut mich an und lächelt, erschöpft. Ohne mich zurückhalten zu können, furchtbar verschämt, ohne wirklich zu wissen, warum, kann ich die angestaute Ergriffenheit nicht länger unterdrücken. Sie explodiert und ich breche in Tränen aus. Rosa umarmt mich lächelnd und sagt: „Oh, du wusstest nicht, wie das ist, nicht?“  Die Wahrheit ist, dass ich dachte, ja, aber nein. Ich hatte keine Ahnung, was es war. Das tiefste Gefühl lässt sich in etwa beschreiben wie zehnmal den Film Alien zu sehen, während das Herz mit einer entfesselten hormonellen Zärtlichkeit anschwillt.

Auf dem Weg nach Hause denke ich, dass so, wie dafür plädiert wird, dass Barbiepuppen mehr dem tatsächlichen Aussehen von Frauen entsprechen sollten, die Werbung für Monatsbinden und Tampons Blut und Blutgerinnsel zeigen sollte, die für Kondome das Hineinfließen von Sperma, und die Filmszenen von Geburten auch die Schmerzschreie, das Blut, die Scheiße, die violetten von weißem Fett verschmierten Neugeborenen und die monströsen Plazenten. So würde die Angst vor dem Unbekannten verschwinden, und wir würden lernen, dass alles, was uns verborgen wird, und das so viel Ablehnung hervorruft, in Wirklichkeit die wahre Schönheit ist.

Autorin: Sabina Urraca
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 05.07.2016

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Katja D sagt:

    Ich bin total dankbar für den Artikel. Die Tränen aus dem anschwellenden Herzen kamen mir schon während des Lesens. Am liebsten einfach viele herzliche Grüße an alle, die mich so mit reingenommen haben, Sanne und Carlos, Sabina, Elfriede und Antje!

  • Ju Baxter sagt:

    sehr schön erzählt! danke!

  • K. Kachunga sagt:

    Noch schöner wäre, wenn Frauen auch in Kliniken die Gelegenheit gegeben würde, die Schönheit einer ganz normalen Geburt zu erleben mit allem was dazu gehört und dass nicht gleich beim ersten Stöhnen einer Frau oder dem Ausruf „Ich schaff es nicht“ zum Messer gegriffen würde. Aber es ist das Geld, das gegen die Natur gewinnt. Leider.

  • Biggie sagt:

    Großartig, vielen Dank!

  • Anja sagt:

    Liebe Sabina,

    von Herzen: Danke für diesen offenen, ehrlichen Beitrag. Ich bin berührt. Danke an die Eltern des Neugeborenen, uns an diesem Wunder teilhaben zu lassen.

    Anja

  • „und die Filmszenen von Geburten auch die Schmerzschreie, das Blut, die Scheiße, die violetten von weißem Fett verschmierten Neugeborenen und die monströsen Plazenten. “

    Das kann man heute alles haben! Als ich den Satz las „Alle Frauen sollten Entbindungen vorher gesehen haben“ hab ich auf Youtube gesucht – und gefunden! „Geburt“, „natürliche Geburt“, „childbirth“, „Natural vaginal childbirth“ – ca. 8 Geburten hab ich mir angesehen. In aller Drastik, nix mit Tuch… nur die Plazenta-Geburt hat gefehlt (aber halt, der Suchbegriff „natürliche geburt Plazenta“ bringt auch dazu Videos, ganz ebenso wie zum Vergleich „Kaiserschnitt“).

    Insgesamt: ein Horror-Erlebnis! Blut, Schweiß, Schreie, manchmal Spuren von Fäkalien an den Schenkeln – ich wundere mich, dass die Menschheit noch nicht ausgestorben ist, weil moderne Frauen sich das nicht mehr antun mögen (wie ich).

    In der Landwirtschaft, in den Fabriken, überall haben wir mittels Technik die richtig üblen körperlichen Arbeiten abgeschafft. Das Gebären aber ist noch immer unglaublich archaisch, wenn frau sich drauf einlässt und nicht den Kaiserschnitt wählt (die Zahlen steigen, sehr verständlich!).

    „in unserer Zeit sind die Frauen schlechte Gebärerinnen geworden, erschreckte Tierlein, die sich dem Arzt ausliefern, als ob sie sich einer Operation unterziehen müssten“

    Das ist überhaupt kein Wunder in der technischen Zivilisation, die uns von allen drastischen Körpererfahrunge in aller Regel erfolgreich abschirmt. Eigentlich wäre zu erwarten, dass auch die Menschwerdung technisch entschärft würde, aber das ist wohl nicht so einfach, sonst hätten wir es längst!

  • Vielen Dank für diese Geburtsgeschichte. Die Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist, die Entfremdung von der Natur und vom Körper zu beheben, oder wollt Ihr, dass Huxleys „schöne neu Welt“ Wirklichkeit wird? Geburt muss auch nicht immer so „eklig“ sein, schaut mal dieses Bild an: https://www.facebook.com/211513725544648/photos/a.227308497298504.71046.211513725544648/1334278136601529/?type=3

    Mehr zu diesem feministischen Thema findet Ihr zum Beispiel bei Frau Prof. DDr. med. Barbara Maier: http://ddr-barbara-maier.at/ oder Kristina Rumpel: http://www.kristinarumpel.de/
    und hier noch ein Veranstaltungstipp: 28. Jahrestagung der ISPPM
    21. – 23. Oktober 2016
    Stolpen bei Dresden

    Bindung und Geburt im transgenerationalen Kontext

    Geburt als Resilienzfaktor seelischer Gesundheit
    Seelische Gesundheit als Resilienzfaktor der Geburt

    Programm:
    http://www.isppm.de/wp-content/uploads/2016/07/Programm.pdf

  • Myrna sagt:

    Hallo Claudia – Du schreibst:
    >Eigentlich wäre zu erwarten, dass auch die Menschwerdung technisch entschärft würde, aber das ist wohl nicht so einfach, sonst hätten wir es längst!<

    …und ich füge hinzu: wenn Männer gebären müssten, hätten wir es schon seit vorgestern ;-))

  • M.C. Strobl sagt:

    Wunderbar beschrieben! Frau muss es erlebt haben! So wie unbändigen exzessiven Sex, das Tanzen im Regen, das völlige Eintauchen in die tiefsten Tiefen unserer Seele… Erst dann leben wir wirklich und wahrhaftig!
    Danke für den Bericht!

  • Andrea sagt:

    Und genau das würde ich mir nie mehr antun. Einmal war genug. Und ich hatte für übliche Verhältnisse eine gute Geburt sogar ohne grosse Verletzungen, allerdings 24 h lang. 2 Nächte ohne Schlaf und dieses entwürdigende Schmerz-ausgeliefert-sein. Wahnsinn was der Körper schafft. Und die Schmerzen sind nicht vergessen wenn das Baby da ist…trotz allem Glück.

  • Gebären müssen? Sehr, sehr traurig, dass Feministinnen das patriarchale „Gebären sollst Du unter Schmerzen“ so verinnerlicht haben. Schwangerschaft und Geburt ist unser Privileg, unsere urweibliche MACHT und WÜRDE. Hier braucht es einen Bewusstseinswandel, und zwar GAAANZ dringend.

  • @ Myrna und Claudia: Technische „Entschärfung“ der Menschwerdung? Das wäre eine ziemliche Verschärfung des Patriarchats und das Ende der Menschheit. Das ultimative Projekt des Patriarchats war und ist schon immer die Abschaffung der Mutter. Ektogenese ist allerdings so komplex, dass es bisher nicht richtig funktioniert. https://www.facebook.com/joh.schacht/posts/937130966397736?comment_id=937409299703236
    Dieses Video habe ich auf Facebook gepostet, ich zitiere hier den Kommentar von Theresia De Jong, den ich nur unterschreiben kann: „Da wachsen dann Menschen in einer rein technisch-kalten Umgebung auf. Ohne mütterliche Gefühle, ohne Liebe zu spüren. Es ist nicht allein mit synthetischen Nahrungsmitteln getan. Die wichtigste Nahrungsquelle ist die mütterliche Liebe. Wenn die fehlt, was soll aus diesen armen Wesen werden??? Auch Gefühle müssen erlernt werden. Gerade in den ersten Monaten des Lebens wird so der Grundstock gelegt. Gefühlskalte Menschen…mir graust es.“

  • Daniela Ghielmetti sagt:

    Die „Art weisse Butter“ ist die „Käseschmiere“,je nach Ort wird sie anders genannt,und diese sollte dem Neugeborenen nicht abgewaschen werden,weil sie vor Bakterien u.a. schützt. Sie wird vom Säugling durch die Haut aufgenommen und ist zugleich erste Nahrung. Das wusste ich auch erst bei der Geburt meines vierten Kindes. Die „Kacke“ kann verhindert werden, weil die Hebamme vorher einen Einlauf machen sollte damit der Darm entleert ist. Schade, dass Schwangerschaft und Geburt für welche die Frau von der Natur ausgerüstet wurde, vom Mann/Gynäkologen manipuliert wird, um auch hier die Kontrolle zu erreichen, d.h. den Gebärneid zu überwinden. Die jungen Frauen sind sehr verunsichert/verängstigt und überlassen es lieber dem Arzt,der weiss es ja besser.
    Frauenblut ist seid alters her unrein und muss unsichtbar gemacht werden weil es ecklig ist. Blut durch Armeewaffen (Kriege, Krimis etc.)wird tagtäglich im TV oder Zeitungen gezeigt und gilt als normal. Soweit hat sich unsere Gesellschaft/Zivilisation entwickelt.

  • Hannita sagt:

    Ganz toll! Musste an meine eigene und kommende Hausgeburt denken. Sehr berührend!

  • „@ Myrna und Claudia: Technische „Entschärfung“ der Menschwerdung? Das wäre eine ziemliche Verschärfung des Patriarchats und das Ende der Menschheit. “

    Warum gehst du davon aus, dass es immer Männer sind/sein werden, die uns diese technische „Entschärfung“, die eine wirkliche ENTLASTUNG wäre, verordnen, zuweisen oder auch nur gönnen würden oder könnten?

    Warum setzt du voraus, dass Frauen das nicht wünschen? Die rasant steigenden Kaiserschnitt-Geburten sprechen eine deutliche Sprache. Das Mem des „möglichst naturnahen Gebährens“ ist kein per se feministischer Inhalt – finde ich, davon ausgehend, dass Feminismus eine BASIS bei real gebährfähigen Frauen haben sollte.

    Überall sonst sind die Härten der Körperlichkeit deutlich abgeschwächt worden – nur nicht beim Gebähren. Der erste Ansatz dazu (einfach betäuben) hat aus Gründen nicht gepasst – aber verdammt, das ist doch nicht schon das Ende der Möglichkeiten?

    Vielleicht wäre ich NICHT kinderlos geblieben, wenn dieses ganze Bluten, Schwitzen, Schreien (und 9 Monate einen „Alien“ in sich wachsen lassen, alles Eigenleben dem unterordnen) nicht zu befürchten gewesen wäre!

  • Nadine sagt:

    @Claudia: Die Kaiserschnittraten sind in den letzten Jahren so rasant gestiegen, weil immer mehr in den natürlichen Gebär-Prozess eingegriffen wird, was immer öfter dann einen Kaiserschnitt zur Folge hat. Die Rate des sogenannten „Wunschkaiserschnittes“ dagegen ist ziemlich gering und konstant.
    Und man sich das ganze Bluten, Schwitzen, Schreien auch heute schon sparen, siehe Wunschkaiserschnitt. Man kann sich durch eine Adoption sogar die Schwangerschaft „sparen“. Heutzutage ist schon vieles möglich, ohne dass man alles technisch Entschärfen/Entlasten muss.

    Allerdings sehe ich das eher so wie Johanna Schacht:
    „Schwangerschaft und Geburt ist unser Privileg, unsere urweibliche MACHT und WÜRDE.“

  • Dotschkis-Hillejan, Inge sagt:

    Der Bericht war überfällig….sehr nahegehend.

    Seit Jahrzehnten begleite ich Frauen, die nach der Geburt in Krisen geraten.
    Eine Möglichkeit realistisch auf das Erleben der Geburt vorzubereiten, wären solche Erzählberichte, auch um Solidarität unter Gebärenden herzustellen.

    Nur eins:

    „Kacke“ gehört in den Inhalt, nicht in die Überschrift…

    Frauen, die Schwierigkeiten haben,mit dem Thema Geburt, gebären, werden mit solch einer „Facebook-Überschrift“eher verletzt oder verprellt.Die Reaktionen waren jedenfalls eindeutig in diese Richtung.Das Umgekehrte wäre ja eher wünschenswert.
    Bei allem Respekt vor diesem wunderbaren Artikel:
    Das mit „Kacke“ wäre gar nicht nötig gewesen und ist so nicht o.k.
    Grüße aus Bremen
    Inge Dotschkis-Hillejan

  • Antje Schrupp sagt:

    @Inge – Wir haben den Text ja aus dem Spanischen übersetzt – und dabei auch die Überschrift genommen. Ich finde auch nicht, dass da Wort etwas abwertet, denn „Kacke“ (oder, wie wir im ABC des guten Lebens gesagt haben: Scheiße) ist nur in der falschen symbolischen Ordnung, die wir ja hinter uns lassen (wollen), etwas Abwertendes,

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