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Rubrik lesen

Meine neue Lieblingsautorin: Monika Held

Von Juliane Brumberg

Wieso sagen Klappentexte eigentlich so wenig darüber, wie ein Buch wirklich ist und warum es sich lohnt, es zu lesen? Das habe ich mich schon öfter gefragt. Und so ging es mir auch mit den Büchern von Monika Held. Ihr Buch „Der Schrecken verliert sich vor Ort“, in dem es um die Liebe zwischen einem Auschwitz-Überlebenden und einer jungen deutschen Übersetzerin ging, hatte mich schwer beeindruckt, aber die Titel und Klappentexte der darauf folgenden Romane reizten mich irgendwie nicht. „Trümmergöre“, eine Nachkriegsgeschichte, stand gerade nicht an oberster Stelle meines Interesses. Ähnliches galt für „Sommerkind“. Warum sollte ich mich mit einem Roman um ein Mädchen im Wachkoma beschäftigen? Das klang bedrückend und das Thema betrifft mich nicht.

Das änderte sich, als ich Monika Held bei einer Lesung kennengelernt hatte. Ich war erstaunt darüber, wie locker und leicht sie auftrat und fasziniert von dem, was sie erzählte. Und nun war ich doch neugierig und wollte lesen, was sie außer „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ geschrieben hat. Einmal mehr zeigt sich also die Bedeutung von Beziehung.

Ich möchte gar nicht so viel über den Inhalt der Bücher erzählen, nur dass sie mich jeweils ab der zweiten Seite in ihren Bann gezogen haben, dass ich sie kaum weglegen konnte, dass ich mich beim Lesen wohl gefühlt habe und sehr, sehr beeindruckt war. Gemeinsam ist den Büchern, dass es immer um Protagonist_innen geht, die ein sehr schweres, eher ungewöhnliches Schicksal haben. Dadurch werden sie (auch) zu politischen Büchern. Eine Gemeinsamkeit ist es, dass zwischen den handelnden Personen viel Liebe entsteht, nicht nur die zwischen Mann und Frau. Monika Held beschreibt viele unterschiedliche gelingende Beziehungen und auch ab und an welche, die nicht gelingen. Ein Stück heile Welt also, das dazu beiträgt, dass das problematische Hauptthema, über das wir wie nebenbei ganz viel erfahren, uns nicht runterzieht.

Was die beiden jüngeren Bücher auch noch gemeinsam haben, ist, dass es nicht nur, aber auch um das Gefühlsleben von Kindern geht. Wie oft habe ich, als ich selber kleine Kinder hatte, es bedauert, dass es so wenig Literatur gibt (oder ich so wenig entdeckte), in der Kinder nicht nur nebenbei vorhanden waren sondern eine wichtige Rolle für die Handlung spielten. Bei Monika Held ist das der Fall.

Gefragt habe ich mich, wie es der Autorin es gelingt, das Lebensgefühl der Kinder, aber auch der Protagonist_innen mit ihrem schwierigenen Schicksal, so zu Herzen gehend zu beschreiben. Hat sie so viel Phantasie? Oder Empathie? Hat sie eigene Erfahrungen verarbeitet? Das glaube ich nur zum Teil, dazu sind die jeweiligen Themen zu unterschiedlich. Vielmehr ist es wohl ihre gründliche Recherche, die dafür sorgt, dass vergangene Zeiten und fremde Schicksale so lebendig werden, das wir einen ganz neuen Blick auf sie bekommen und uns auf sie einlassen können.

Foto: Stefan Morgenstern

Und um noch einmal auf die Klappentexte bzw. Bilder zurückzukommen. Einziger Kritikpunkt ist das Autorinnenfoto im Schutzumschlag (nicht das in diesem Artikel). Eine junge, faltenlose, weichgezeichnete Frau lächelt mich da an, vielleicht etwas über 30 Jahre alt. Schon bei „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ hatte ich mich gefragt, wie eine so junge Frau es schafft, so tief gehende Bücher zu schreiben. Inzwischen habe ich ja Monika Held kennengelernt, habe erlebt, dass sie sehr sympathisch ist und ganz normal und nicht wie ein Model aussieht, allerdings immer noch jünger, als sie ist. Laut Wikipedia ist sie 1943 geboren, hat ihr Berufsleben als Journalistin verbracht und im Ruhestand offensichtlich die Zeit; das zu tun, was sie besonders gut kann: Bücher schreiben.

Bedauerlich finde ich, dass ihre Bücher in den großen Feuilletons und bei Buchpreisverleihungen kaum vorkommen. Sie hätten es verdient

Monika Held, Trümmergöre, Eichborn Verlag Köln 2014, 237 S., 19,99 Euro.

Monika Held, Sommerkind, Eichborn Verlag Köln 2017, 23 S., 20 Euro.

Autorin: Juliane Brumberg
Redakteurin: Juliane Brumberg
Eingestellt am: 06.03.2018

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