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Vier sündige Frauen?

Von Juliane Brumberg

Connie Palmen beim Poetenfest in Erlangen 2016. Foto: Juliane Brumberg

Connie Palmen ist seit vielen Jahren eine meiner Lieblingsautorinnen. Mich fasziniert, dass sie spannend schreibt und wie nebenbei alle möglichen Fragen des Lebens verarbeitet, über die auch ich immer wieder nachdenke. Während Ihre Bücher I.M. Ischa Meijer (1999), Ganz der Ihre (2004), Idole und ihre Mörder (2005), Luzifer (2008) oder Logbuch eines unbarmherzigen Jahres (2013), immer auch starke autobiografische Anteile enthielten, hat sie sich in ihren jüngsten Veröffentlichungen den Biografien anderer außergewöhnlicher Frauen zugewendet: Das war schon so bei „Du sagst es“ (2016 – es geht darin um das Schriftstellerpaar Sylvia Plath und Ted Hughes) – und ist es auch in ihrem jüngsten Büchlein „Die Sünde der Frau“.

Der Titel schreckt erst einmal ab. Frau und Sünde, das kennen wir doch irgendwie. Ist es etwa schon Sünde, berühmt werden zu wollen und dann auch zu sein? In diesem Fall widmet Connie Palmen sich den Gemeinsamkeiten von vier komplizierten Persönlichkeiten: Marilyn Monroe, Marguerite Duras, Jane Bowles und Patricia Highsmith. Es waren ungewöhnliche Frauen und alle endeten selbstzerstörerisch und tragisch. Statt nun auf die gesellschaftlichen Strukturen in den jeweiligen Lebensumfeldern zu schauen, findet Connie Palmen andere Gemeinsamkeiten: Den frühen Verlust des Vaters und eine zerrüttete Beziehung zur Mutter. Die Mutter hat an allem Schuld? Das Patriarchat lässt grüßen! Nein, Feministinnen sind weder ihre Protagonistinnen noch Connie Palmen selber. Und trotzdem – es ist interessant, wie sie der Leserin diese vier Frauen in gar nicht sehr langen Skizzierungen näher bringt und einen neuen Blickwinkel auf sie eröffnet.

Warum hat Connie Palmen diese vier Frauen ausgewählt? Geht es um deren Biografie oder doch wieder um sie selbst? Gibt es Parallelen? Zumindest kennt sie sich aus mit Sucht und komplexen, symbiotischen Beziehungen, hat sie doch selber eine mit Ischa Meijer gelebt und beschrieben. So ist ein unterhaltsames und lesenswertes Büchlein entstanden, in dem ich Frauen kennengelernt habe, mit denen ich mich normalerweise nicht beschäftigt hätte. Für mich ist die holländische Autorin auch mit dem jüngsten Buch eine faszinierende Schriftstellerin, nicht obwohl, sondern weil sie aus einer Perspektive und einem Lebenshintergrund heraus schreibt, der mir selber eher fremd ist.

Und die Porträtierten? Sie waren keine Feministinnen, doch es ging ihnen um Selbstbestimmung und Auflehnung gegen ein herkömmliches Frauenleben. Die Sünde der Frau?

Connie Palmen, Die Sünde der Frau, Diogenes Verlag Zürich 2018, 96. S., 16,99 Euro.

 

Autorin: Juliane Brumberg
Redakteurin: Juliane Brumberg
Eingestellt am: 09.11.2018
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Elfriede Harth sagt:

    Klar ist das nach patriarchalischen Vorstellungen die Sünde der Frau. Sünde heißt doch einen Sonderweg gehen. Von rechten Weg abbiegen ujd sich entfernen….. :-) Schon Lilith tat das… und auch Eva. In ihrer Begierde zu wissen… und wie es in Spanien auf den Frauendemos im März 2018 hiess….. Wir sind die Enkelinnen der Hexen, die Ihr nicht verbrannt habt!

  • Ute Plass sagt:

    Danke für den Hinweis zum neuen Buch von Connie Palmen, von der ich bereits einige gelesen habe. Immer noch habe ich das Bild vor Augen, welches ihren Abschied vom toten Geliebten beschreibt.
    „Die Sünde der Frau“, so verstehe ich den Titel, ist es wohl überhaupt Frau zu sein. Bin jedenfalls neugierig geworden.

  • Ute Plass sagt:

    Arte strahlt morgen ein Doku-Drama aus, in dem es auch um
    vier Frauen geht:
    „Vier sehr unterschiedliche Frauen, die jeweils mit ihren Mitteln für Gleichberechtigung gekämpft haben, stehen im Mittelpunkt des Films. Ihr sei klar geworden, dass sie das, was sie selbst heute mache, und das Leben, das sie führe, zum großen Teil diesen Frauen zu verdanken habe, sagte Regisseurin Annette Baumeister im DLF.“

    ARTE – Sendetermine: „Die Hälfte der Welt gehört uns“
    Dienstag, 13. November 2018 um 20.15 Uhr
    Donnerstag, 15. November 2018 um 09.45 Uhr
    Sonntag, 2. Dezember 2018 um 13.45 Uhr

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