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Rubrik denken

Reden über „die (???) Mutter“

Von Antje Schrupp

Zuschrift von Margot Abstiens zum Artikel „Über die Mutter sprechen lernen“:

Für mich als alleinerziehende Unternehmerin ist es völlig klar, dass es im Leben meiner Kinder für deren Mutter anderes gibt als sie selbst – und staune, dass das eine Frage sein kann.

Andersherum kümmere ich mich ganz anders (viel unbedarfter und von ganzem Herzen) um meine Kinder, seit ich mit ihnen allein bin. Weil mir seitdem niemand mehr meine wirtschaftliche Kompetenz der Ernährerin abspricht, und ich mir selber auch nicht mehr. Weil ich seitdem „ganz“ bin, ganz Mensch mit allem Drum und Dran – und nicht Gefahr laufe, vor allem und in erster Linie als Mutter wahrgenommen zu werden (was ich immer zu vermeiden versucht habe, weil ich es als demütigend, als degradierend empfand – obwohl ich immer berufstätig war. Dieses Gefühl – falls es kein Einzelfall ist – sagt ja wohl auch einiges aus über „das“ Mutterbild unserer Gesellschaft). Ich denke seit der Trennung von meinem Mann anders über „die Mutter“ nach – ich sehe sehr viel mehr ihre Stärken, ihre Bedeutung, die in Deutschland so unglaublich verkannt wird und immer nur als Bedeutung zweiter Klasse verstanden wird. Wir alle sind atmosphärisch eingelullt in „kognitive Kognitionen“, sind in die normative Wirkkraft allgemeingültig erscheinender Glaubenssätze hineingeboren, in bestimmte Werthaltungen, die Mütter immer auf die hinteren Plätze verweisen. Wir alle, Männer wie Frauen. Zeit dass sich was dreht!

Auch ich sehe die Mehrfachbelastung „der Mutter“ kritisch – aber anders als Eva Herrmann plädiere ich nicht für den Rückzug der Mutter aus der eigenständigen wirtschaftlichen Existenz, sondern aus der Sorge um die sauberen und gebügelten Hemden ihrer Ehemänner, solange letztere im Haus mehr Arbeit verursachen als sie selber übernehmen und mehr Energie beanspruchen als sie selber einbringen. Ich habe nie verstanden, wieso die Begriffe Hausfrau und Mutter immer im gleichen Atemzug genannt werden. Ich habe mich immer (auch) als Mutter gesehen, aber nie, nie als Hausfrau. In Fensterputzen, Staubwischen und Ordnung halten lagen nie meine besonderen Talente, und ich persönlich kenne darüber hinaus keine einzige Frau, deren ganz besonderen Talente in der Hausarbeit liegen. Ich fand auch nie das Sitzen auf Bänken am Rande des Spielplatzes toll oder das Spielen mit Bauklötzen. Aber ich habe immer in echter Beziehung zu meinen Kindern gelebt.

Ich habe nicht das Muttersein als belastend empfunden, sondern dass mir allseitig die Verantwortung für den Haushalt versucht wurde zuzuschieben. Und mir scheint, die Auffassung, dass die Frau „die“ Hausfrau ist, ist in den letzten 15 – 20 Jahren sogar wieder selbstverständlicher geworden, als es einmal war. Niemand glaubt mehr ernsthaft, Männer würden die Verantwortung für die Hausarbeit zu gleichen Teilen übernehmen (oder etwa in nennenswerten Ausmaß Elternzeit beanspruchen), und es fordert auch keine/r mehr. Was heißt das also für „die Mutter“ heute? Sorgt für Euch selber und für Eure Kinder – und bedenkt, dass „der Mann“ ein erwachsenes Wesen ist und somit dazu in der Lage, für sich selber zu sorgen.

Mit meinen Kindern zusammen zu leben finde ich wunderbar. Ich bewundere all diejenigen alleinerziehenden Frauen (und Männer), die mit sehr kleinen Kindern alles hinkriegen und bin der tiefsten Überzeugung, dass sie die absolut größte Unterstützung von Staat und Gesellschaft verdienen. Ich sehe es als meine Aufgabe, die Selbstwertschätzung dessen, was sie sind und leisten, mit allem was ich kann und bin zu unterstützen. Ich wünsche ihnen allen die Verbindung mit ihrer Größe, ihrer Stärke, ihrer ursprünglichen „Wildheit“ (Angelika Aliti) und dem Majestätischen ihres Lebens.

Sprache ist wichtig. Wäre toll, wir würden eine neue Sprache schaffen zu diesem Thema „Mutterschaft“. Befreiende Begriffe, die eine neue Wirklichkeit entstehen lassen – jenseits jetziger Grenzen, quer zur gängigen Domestizierung, hin zu persönlicher und gesellschaftlicher MutterMacht – wie immer die sich auch zeigt. MÜTTER MACHT WIRTSCHAFT.

Zeit dass sich was dreht! In unseren Köpfen, und in unseren Spielregeln in Wirtschaft, Gesellschaft, (Finanz-)Politik. Da ist noch `ne Menge möglich.

Herzliche Grüße!
Margot Abstiens, mail@businessSchule-fuer-frauen.de

Autorin: Antje Schrupp
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 26.11.2007

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