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Rubrik heilen

Was, wenn in Wirklichkeit alles ganz anders ist?

Von Sabrina Bowitz

Wie wäre eine Welt ohne Vergewaltigungen oder ohne Abwertungen, die Menschen erfahren durch das Geschlecht, das sie haben oder das von anderen als solches festgelegt wird … ist so eine Welt denkbar?

Ja, sie ist es. Immer wieder finden sich in Romanen, wie zum Beispiel in Christa Wolfs Kassandra oder in Gerd Brantenbergs Töchter Egalias, Gegenentwürfe zu dem herr-schenden Ist-Zustand, in dem niemand wirklich frei sein oder leben kann, so wie sie oder er wirklich sein will.

Wie würden wir Liebe sehen und Begegnungen, wenn wir nicht jeden Tag mit Werbebildern halbnackter Menschen konfrontiert wären oder immer schlimmer werdender Pornografie?
Wären unsere Bilder gleich? Wäre unser Denken gleich dazu? Würden wir eine andere Sprache benutzen, um unsere Gefühle zu beschreiben?

Würden wir anders mit Tätern umgehen und mit Kindern und Frauen/Männern, die durch Pornografie, Vergewaltigungen, sexuelle Gewalt in der Kindheit und darüber hinaus geschädigt werden?

Was wäre, wenn der Aufklärungsunterricht ganz anders wäre, offener und respektvoller? Was wäre, wenn Pornografie nicht als normal, sondern als menschenverachtend eingestuft
werden würde und wir einen besseren Weg finden, um Gefühle ausdrücken zu lernen und
Wünsche oder innere Triebe? Würden wir mehr selbst malen und selbst unsere Bilder bezeichnen?
Würden wir viel öfter sagen: Nein! Mut haben, um eigene Vorstellungen von Respekt und Achtung zu benennen?

Der Anfang wäre es sicher, eine eigene Sprache zu finden. Selbst Bilder zu entwerfen, die uns entsprechen und die uns Freude machen. Bilder davon, wie für uns gute Nähe wäre und wie für uns ein respektvoller Umgang mit anderen möglich ist. Und wie wir das auch anderen vermitteln können.

Es finden sich immer wieder gute Ansätze zur Veränderung; Frauen, die sich in Indien zusammenschließen und gemeinsam gegen ein ungerechtes System vorgehen (Der Film dazu: Shortcut to Justice), oder Menschen, die für Rechte anderer Menschen auf die Straße gehen. Gruppen, in denen alle, Frauen, Männer, alle die sich nicht entscheiden wollen und können gemeinsam wirken – unabhängig davon, wer sie sind oder woher sie kommen. Kann das nicht weiter ausgebaut werden, um auch im privaten Bereich zu wirken?

Was ist, wenn wir hoch springen und sagen: Ja, das ist die Welt, wie ich sie möchte, und schaut euch sie an: Sie ist respektvoll, schön und bunt? Ohne Leid und Gewalt, aber mit dem Mut, die eigenen Aggressionen und Wunden anzuschauen?

Wie wäre das?

Wie aber lässt sich ein eigener Weg finden in so einer Gesellschaft, in der noch immer Frauen und Männer gewisse Rollen haben, wie lässt sich eine Sprache finden, Bewegungen und Welten in denen wir uns begegnen können? In denen nicht Gewalt normal ist oder die ständige Entblößung von Frauen, sondern Respekt? Und Achtung vor der Individualität der anderen?

Wenn wir darüber reden würden, weshalb so viele Frauen sich gern als nackte Sexualobjekte darstellen oder weshalb so viele Männer sich als Macho inszenieren, ohne darüber nachzudenken, was das mit ihnen und mit uns anderen macht. Wenn wir offen diskutieren würden, ob unsere Gesellschaft wirklich so mutig und so modern ist, wie wir sie gerne hätten, oder nicht eher von Leid geprägt, und warum das so ist. Darüber, welche Freiheit wir meinen, wenn wir sagen, in der Prostitution seien die Leute frei zu entscheiden. Was ist freies Handeln? Und welche Wunden verstecken wir eigentlich hinter diesem Freiheitsbegriff oder dem „Das ist halt so“?

Fragen finden, die noch nicht gestellt wurden, und den Mut zu sagen: Anders

Vielleicht ist alles
einfach
anders
und
geht
anders

Autorin: Sabrina Bowitz
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 01.11.2014

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Elfriede Harth sagt:

    Liebe Sabine,
    ich spuere in Deinem Text so viel Sehnsucht und gleichzeitig so tiefe Betroffenheit…. wie waere es, wenn wir Mut haetten, die eigenen Agressionen und Wunden anzuschauen?

    Danke fuer Deine Gedanken.
    Elfriede

  • Hallo Elfriede, dein Kommentar hat mich berührt, du hast es auf den Punkt gebracht. Es stimmt, da ist tiefe Betroffenheit und auch eine Art Verzweiflung darin, wenn ich all das sehe, was verletzt, aber auch eine Hoffnung. Die Fragen sind auch dazu da, mir selbst und anderen deutlich zu machen, dass es anders geht. Nicht so sein muss.
    Das was mich an der Gegenwelt in Kassandra zum Beispiel so berührt hat war auch, dass dort die Menschen versucht haben, respektvoll miteinander zu leben, achtsam, eben anders. Frauen und Männer auf einer Ebene und rücksichtsvoll, was im Grunde die einzige Möglichkeit ist, Freiheit zu erfahren. Hannah Arendt hat mir, zusätzlich zu den Romanen die ich genannt hatte, geholfen zu verstehen, dass die die unterdrücken auch nie frei sind. Sie hatte geschrieben, dass zwar der „Herrscher“ immer noch besser dran ist als die Unterdrückten, aber er ist genauso wenig frei wie die Unterdrückten selbst. Freiheit gibt es für sie nur wenn eine gemeinsame Ebene da ist und es ist ja auch so.
    Es braucht auch großen Mut, sich den eigenen Aggressionen zu stellen, der eigenen Trauer. Es ist viel einfacher zu sagen: „Macht mir nix aus“.
    Im Grunde ist Gewalt dann auch einfach und leicht. So tun als wär mir alles egal und fertig. Es ist aber eben nicht egal. Und es ist auch immer eine Frage, wie wir leben wollen und meine Antwort darauf wäre: anders.

  • Doreen Heide sagt:

    Liebe Sabine,
    vielen Dank für deinen Text. Das Thema beschäftigt mich auch seit vielen Jahren und ich bin froh zu sehen, dass es anderen genauso geht. Täglich wird frau mit Bildern und Nachrichten sexueller Gewalt konfrontiert, das wirkt sich ob gewollt oder nicht auch auf meine eigene Partnerschaft aus. Diese ist an sich sehr frei und respektvoll, jedoch kann ich als Frau in dieser Welt niemals völlig frei von pornografischen und gewaltvollen Bildern fühlen und agieren.
    Was soll ich tun? Einfach wegschauen und denken, das geht mich nichts? Weil es Dinge sind, die Anderen passieren, aber nicht mir? So einfach ist es leider nicht. Frau muss hinschauen, um sich wenigstens politisch dagegen zu positionieren. Denn alles was anderen Frauen und Mädchen Schreckliches angetan wird, richtet sich gegen jede einzelne von uns, auch wenn wir nicht direkt betroffen sind.
    Wenn ich nun davon ausgehe, dass es ein kollektives Mitleiden gibt, so versuche ich auf der anderen Seite in meinem täglichen Leben Gegenbilder kraftvoller und selbstbestimmter Frauen zu schaffen und zu leben – in der Hoffnung, dass dadurch ebenfalls auf kollektiver Ebene die Folgen der Gewalt wieder ein Stück geheilt werden.

  • Anja Kolberg sagt:

    Liebe Sabrina,

    in dieser anderen, gesünderen und l(i)ebenswerteren Welt landet gerade ein leuchtender Regenbogen – abgeschickt von einer wunderbaren, tiefsinnigen und feinfühligen Frau. Von dir.

    Dieser Regenbogen ist eine Brücke, die erst von unseren Hoffnungen, Wünschen und Gefühlen betreten wird und auf der wir eines Tages mit unserem ganzen Ich unterwegs sind.

    Eine neue Wirklichkeit betreten. Auf die andere Seite gehen, bei jedem Gang eine respektvollere, gleichwürdigere und selbstbestimmtere Welt kreieren. Bis es eines Tages normal ist. Unsere neue Realität.

    Und begonnen hat alles mit einem engagierten und hinterfragenden Artikel einer besonderen Seele…

    Danke!

    Von Herzen: Weiter so!
    Anja Kolberg

  • Liebe Doreen, Sabrina nicht Sabine, wollte nur kurz einschreiten bevor ich immer als Sabine angesprochen werde, aber es gab auch schon Sabrina Bonitz, mein Name scheint Schwierigkeiten zu bereiten;).
    Danke für die Rückmeldung. Ich wäre glücklicher, wenn es das Thema überhaupt nicht geben würde, aber ich kann dem auch nicht ausweichen. Ich frag mich immer, wieso sich eigentlich Menschen wundern, dass Mädchen oder Frauen kein gutes Selbstbild haben.
    Es ist ja schon ein Wunder für sich, wenn es eine Frau schafft zu sich selbst zu stehen und im Alltag selbstbewusst zu sein, trotz dieser Bilder.
    Vor allem aber beeinflusst diese sexuelle Gewalt nicht nur die Täter und Opfer, sondern auch die die das mitbekommen, wie du es ja auch gesagt hast. Ich kenne auch einige Frauen, die erst später gemerkt haben, dass das was sie dachten nicht so ist, zum Beispiel das was sie meinten zu wollen. Es stellte sich dann heraus, dass es entweder durch sexuelle Gewalterfahrungen entstanden ist oder durch pornografische Bilder, die aber nicht ihre eigenen waren.
    Im Grunde ist dieser Text auch für diese Frauen geschrieben.
    Ebenso seh ich aber dass Männer kaum wissen, was sie eigentlich wirklich wollen würden, wenn es diese Bilder nicht geben würde.
    Ich hab für mich gemerkt, dass ich überhaupt nicht abschalten kann, dass es diese Bilder gibt. Und es geht ja jeden was an.
    Und das Problem ist eben, dass es allen passiert.
    Im Grunde ist das einfach ein sehr perverses System, weil nämlich die Macht, die Männer dort dann angeblich fühlen, gar keine ist. Pseudo-Macht. Es ist an sich völlig absurd, was in der Werbung gezeigt wird oder in der Pornografie. Um ehrlich zu sein erinnert mich das meiste darin an Fleischwerbung oder alles. Das ist alles so unmenschlich geworden, dass auch einfach Fleischstücke benutzt werden könnten. Das wäre einfacher.
    Jemand hat ja auch mal vorgeschlagen, dass statt der ganzen Bordelle einfach überall Gummipuppen verteilt werden können, denn im Grunde gehen die Menschen dort auch nicht groß anders miteinander um. Außerdem würden dann andere Menschen nicht zu Schaden kommen. In so einer Welt finde ich den Vorschlag gar nicht so blöd. Dann leiden wenigstens Kinder und Frauen und eben auch Männer nicht mehr darunter.
    Für mich ist es auch wichtig Gegenbilder zu schaffen, deshalb mag ich auch Fembooks oder Fembio. Es ist doch auch wichtig für Mädchen und Frauen zu erfahren, wie viele starke Frauen es gibt, die etwas verändern.
    Deshalb mochte ich auch den Ansatz von den Seiten Wolfsmutter, Her-Story, also eine andere Seite der Geschichte zu zeigen, die ja vor allem von Männern beschrieben wurde.
    Im Grunde war der Text jetzt auch als eine Form der Heilung gedacht. Eine Form mir auch selbst und anderen zu sagen: Das geht auch anders.
    Ich kann natürlich nicht rückgängig machen, dass es diese Welt gibt, in der so viele grausame Bilder als normal angesehen werden, aber ich kann wenigstens etwas Anderes dagegen setzen, damit überhaupt eine Wahl da ist.

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Ist so eine Welt denkbar? fragt die Autorin. JA, jenseits des real existierenden Patriarchats und noch spürbar in einigen Gruppen überwiegend in Asien und noch wenige in Afrika und (Süd-) Amerika. Manche nennen dieses respektvolle Miteinander matrilinear, andere matriarchal, die es trotz intensiver Überlagerungen durch patriarchale Religionen es geschafft haben, diesen Respekt nicht ganz zu verlieren. Sehr gut lesbare Schilderung publizierte Irene Fleiss in zwei Bänden „Als alle Menschen Schwestern waren“ 2006 und 2007 im Christel-Göttert-Verlag (wo es dazu auch filme gibt) Der Vortrag von Irene Fleiss, ob matriarchale Werte auch für uns heute noch eine Option sein könnten, bin ich gerne bereit zu verschicken. Steht auch auf der Webseite der Gerda-Weiler-Stiftung für feministische Frauenforschung.
    Lebte sei noch, würde sie bestimmt verstärkt auch auf die sich verschärfende Situation durch das Internet sowie das ungezügelte kapitalistische Warendenken eingehen, wozu auch TTIP und ganz frisch Social freezing gehören.
    Ich bin überzeugt, dass es anders geht!

  • Ute Plass sagt:

    @Gudrun Nositschka – „Lebte sie (Gerda Weiler) noch, würde sie bestimmt verstärkt auch auf die sich verschärfende Situation durch das Internet sowie das ungezügelte kapitalistische Warendenken eingehen, wozu auch TTIP und ganz frisch Social freezing gehören.“

    Das Internet selber ist ja nicht die Ursache für Gewalt, sondern lediglich ein Medium ihrer Sichtbarmachung.
    Denke auch, dass sexuelle Gewalt nicht losgelöst betrachtet werden kann von strukturellen Gewaltverhältnissen, denen wir gesamtgesellschaftlich ausgesetzt sind. Daher ganz notwendig, dass sich auch immer mehr Frauen mit der vorherrschenden Ideologie des profit- u. konkurrenzgetriebenen Wirtschaftens auseinandersetzen.
    Marita Blauth verfasste vor einiger Zeit dazu einen wichtigen Beitrag, und schreibt darin u.a.:

    Im Übrigen ist es verständlich, dass im Zeitalter des liberalisierten Geld-
    und Warenhandels die Prostitution sich ebenso liberalisieren möchte. Nur
    sehe ich diese Liberalisierung nicht als weibliche Freiheit an, sondern als
    Markt, der darauf angewiesen ist, Nachfrage zu steigern.
    http://www.bzw-weiterdenken.de/2014/03/ebenen-der-prostitution/

    Dieser Totalität eines sog. freien Marktes sind wir alle mehr oder weniger ausgeliefert. Es scheint, als hätten wir die Herrschaft des Patriarchats gegen die Herrschaft
    der Märkte eingetauscht. Tagtäglich werden wir mit den frohen und weniger frohen Botschaften über den Markt und die Märkte berieselt:

    Der Markt zeigt sich nervös.

    Die Märkte sind enttäuscht

    Die Märkte zeigen sich optimistisch

    Märkte wieder pessimistisch

    Märkte im Tiefflug

    Arbeitsdaten könnten Märkte beflügeln

    Märkte überschwemmt mit Kapital

    Der Markt braucht Geld

    Der Markt braucht Wachstum

    Rasantes Wachstum Gefahr für stabilen Markt

    Der Markt ist verunsichert

    Märkte brechen ein

    Märkte zeigen sich verhalten

    Die Märkte beginnen sich zu erholen

    Märkte in Sorge um Konjunktur und Rettungsschirm

    Märkte im Aufschwung

    Märkte im Abschwung

    Märkte sorgen für Jobs

    Erwartungen des Marktes verfehlt

    Märkte reagieren überhitzt

    Märkte sind leer gefegt

    Verzweifelte Anstrengungen der Märkte

    “Die Märkte haben geschlafen und sind jetzt aufgewacht”
    (Wirtschaftsweise Bofinger)

    Kanzlerin Merkel spricht von marktkonformer Demokratie

    …………………………….

    Danke, Gudrun für den Verweis auf das sog. Freihandelsabkommen TTIP, welches lediglich ein weiteres Instrument darstellt um uns den Märkten noch mehr dienstbar zu machen. Widerstand gegen die Herrschaft der Märkte, die angeblich mit unsichtbarer Hand regieren, ist angesagt.
    Informationen über TTIP und Unterschriftenaktion:http://www.attac.de/ttip

    Eine gute Doku-Reihe läuft derzeit noch auf ARTE:

    Themenschwerpunkt Wirtschaft: Woher kommt der Kapitalismus
    http://info.arte.tv/de/der-kapitalismus-doku-reihe

  • Hallo Gudrun, danke für die tollen Informationen! „Als alle Menschen Schwestern waren“ wollte ich auch einmal lesen, um mal zu gucken, ob es nicht eine neue Sicht geben könnte.
    Der Hinweis auf die Gerda-Weiler-Stiftung ist auch wichtig, daher danke.
    Ich bin genauso überzeugt, dass es anders geht, dass es auch einen anderen Umgang geben kann mit dem Internet und auch im Warendenken. Ökonomie an sich ist ja nicht das Übel und der Handel sowieso nicht, sondern das Denken, das dahinter steckt. Einfach mal wieder das Einfachste zu fragen würde helfen: Warum muss denn immer alles wachsen? Warum ist das überhaupt so? Ist das gut so und für wen ist das gut?
    Was gibt es für Alternativen?
    Mit den richtigen Fragen bzw neuen Fragen fängt auch ein
    neues Denken und Wahrnehmen an und dann dazu die richtigen Texte und Gedanken finden, die weiterhelfen könnten. Das gilt in vielen Bereichen, auch für die Fragen, die ich hier gestellt hab.

    Das ist im Grunde, auch wenn es jetzt hier in meinem Text um eine unfreie Welt durch diese ganzen Werbebilder und Pornografie, Prostitution etc ging, auch das was sich generell fragen lässt, auch bei der Wirtschaftsausrichtung und der Rechtsprechung. Das wollte ich nur kurz dazu schreiben.

  • Ute Plass sagt:

    Es gibt Hoffnung, die bestehenden schlechten Verhältnisse
    mit verändern zu können:

    http://antjeschrupp.com/2014/10/24/care-revolution-is-coming/

  • Bari sagt:

    Mir ist die Tage eine völlig eklige Werbung im Fernsehen aufgefallen:
    die wirbt „hör nur das, was du willst.“ Es geht wohl um einen Musiksender im Internet Deez? Oder so ähnlich.
    Der ist so furchtbar, weil er Männer manipuliert überhaupt nicht mehr zuzuhören und damit als cool dazustehen.

  • Ute Plass sagt:

    @Bari – meintest du den folgenden Werbespot:

    http://fernsehersatz.blogspot.de/2014/10/witziger-werbespot-fur-deezer-hor-was.html ?

    Ob Männer – ob Frauen – Hauptsache Profit !!

  • Bari sagt:

    Im fernsehen isst es son Typ an der Bar, der Frauen anmacht, aber ist die gleiche Forma ja

  • Doreen Heide sagt:

    Liebe Sabrina, tut mir leid für das Sabine. Ich hätte schwören können, dass ich Sabrina geschrieben habe. Aber manchmal machen die Hände etwas anderes als der Kopf. Ich werde auch oft Heide genannt, was mich aber nicht stört. Was mich schon eher stört, ist wenn mein Nachname zu Heider/Haider verunstaltet wird.

  • Hallo Ute, danke für den tollen Link, den Artikel hatte ich gar nicht gesehen.
    Hallo Bari, du kannst ja den Spot noch beim Zornigen Kaktus einreichen oder mal einen netten Brief an das Werbeteam schreiben. Wenn es eine sehr dämliche Werbung ist, dann helfen auch Terre des Femmes und andere Initiativen und Organisationen. Die Postkarten von der Watchgroup Salzburg eignen sich hervorragend, du wirst sehen.
    Und noch das passende Lied dazu:
    http://www.youtube.com/watch?v=zL7uIj8Vhnw
    Queen Bee lohnen sich sowieso immer, ich mag ihre Klarheit.
    Du kannst aber auch beim Werberat eine Klage einreichen.
    In der Werbung wird eben das verkauft, was angeblich lustig sein soll. Ich erinnere mich auch daran, dass mal einer von so einer Firma mir geantwortet hat: „Was gefällt liegt ja im Auge des Betrachters“ und ich hab dann nur zurückgeschrieben: „Ja, eben. Im Auge des BetrachteRS aber eben nicht der BetrachterIN“.
    Da hat er dann auch nicht mehr geantwortet.

    Hallo Doreen, kein Problem. Ist mir auch schon öfter passiert:). Es ist wirklich spannend, was manche Leute mit dem Namen anstellen. Fembooks ist übrigens furchtbar;), ich finde immer so viel, was lesenswert wäre. Ich wär arm, wenn ich alles bestellen würde:).

  • Achso, für etwas Entspannung und auch eine Hoffnung auf eine bessere Welt ist auch Gabriellas Song wunderschön aus dem Film Wie im Himmel:
    https://www.youtube.com/watch?v=y765gdd3rEc
    Die deutsche Übersetzung findet sich hier:
    http://www.golyr.de/stefan-nilsson/songtext-gabriella-s-song-608760.html
    So stark und kraftvoll, so schön!
    Das Motto:“Jetzt gehört mir mein Leben
    Es ist trotz allem der Weg den ich wählte
    Mein Vertrauen weit hinter den Worten
    Welches mir ein kleines Stück vom Himmel,
    den ich niemals erreichte, zeigte
    Ich will glücklich leben
    Stark um frei zu sein“
    „Und den Himmel an den ich glaubte, gibt es
    Ich werde ihn irgendwo finden“.
    „Ich bin hier und mein Leben gehört nur mir“.

  • Hallo Anja, dein Kommentar ist so schön!
    Muss ich hier auch nochmal schreiben. Der leuchtende Regenbogen, ja, das gefällt mir. Es wär so schön, wenn es mal realisiert wird, dass sich Mädchen und Frauen in dieser Welt vor nix mehr fürchten müssen.
    Allein dass mir das fast illusorisch erscheint sagt schon was. Danke für dein Kompliment!
    Im Grunde ist dieser Artikel ja auch für alle Mädchen, Frauen, Jungs, Männer geschrieben, die sich allein fühlen. Die die Welt nicht verstehen. Und einfach um ein paar Fragen mal wieder in den Raum zu werfen und eine Möglichkeit dem Mist zu entkommen.
    Eigene Bilder zu erreichen.

    Ganzes Ich, ja. Das wäre schön!
    Und es ist auch wichtig zu verstehen, dass die Wirklichkeit nie nur etwas Gegebenes ist, wir gestalten sie auch immer mit. Deshalb ist ein Neuanfang immer möglich, mit jedem Menschen. Selbstbestimmtere Welt…das war auch mein Ziel und ist es immer noch.
    Denn das was uns die Medien vorgaukeln ist ja nicht das was uns unbedingt gut tut oder so sein sollte.
    Mir wär es am liebsten wenn es irgendwann mal eine Welt gibt in der Mädchen und Frauen sagen, aber eben auch Jungs, Männer, alle dazwischen: Hä? Warum war das denn so lang ein Problem? Was habt ihr denn gemacht? Dass eben Respekt und Achtung im Umgang miteinander normal wird.
    Und Gewalt aus der Intimität verschwindet und die passende Sprache und all das auch.
    Das wäre einfach wunderschön.
    Denn wir vergessen so oft, woher unsere Wünsche kommen und wodurch wir geprägt sind, auch dass Medien unser Denken und Fühlen mitprägen und unsere Sprache und dass das was uns als „normal“ erscheint es nicht unbedingt sein muss.
    „Nur weil etwas ist, heißt es nicht dass etwas soll“ ist ja immer der schöne Sein-Sollen-Fehlschluss in der Philosophie;), da geht es zwar um was anderes, aber ich finde hier passt es auch.

  • Anja Kolberg sagt:

    Liebe Sabrina, danke schön!

    Ich bin felsenfest überzeugt: Diese Welt wird in der Zukunft real sein. Nicht morgen, nicht in zehn Jahren. Aber sie wird sein. Und jede unserer Taten, jedes Gefühl und jedes Umdenken ist ein kleines Mosaiksteinchen dieser zukünftigen Welt.

    Wie viele Generationen mag es dauern? Ob wir es erleben werden? Manche Veränderung geht so schnell – wer weiß.

    … und wenn ich als nicht nur Menschen liebendes Wesen, sondern auch Tiere Liebende in diese heilere Welt Wünsche hinein geben darf: Dann dass jedes Wesen frei und selbstbestimmt leben darf.

    Ich mag sehen, dass Kälbchen bei ihren Müttern auf der Wiese aufwachsen, statt von ihnen nach der Geburt gleich getrennt zu werden. Und dass Kühe nicht mehr zwangsweise befruchtet werden, damit sie für uns Milch geben. Ich möchte dass alle Küken überleben und nicht nur die Hennen, die Eier legen können.

    Tiere haben ebenso Gefühle wie wir. Sie lieben ihre Kinder. Sie würden in soziale Gemeinschaften leben. Sie würden einander bis zu ihrem natürlichen Tod beistehen, zusammen spielen und gemütlich im Gras schmusen. Wenn wir sie nur ließen…

    Ich sehe starke Parallelen zwischen Menschen- und Tierrechten. Und für diese heilere Welt hinter dem Regenbogen zu der wir unterwegs sind, wünsche ich mir von ganzem Herzen, dass alle frei sind. Menschen und Tiere. Dass keiner gezwungen, ausgebeutet, gefangen gehalten, missbraucht oder getötet wird. Sondern wir alle einfach da sein und leben dürfen.

    Ein Zitat eines indischen Yoga-Lehrers, das mir sehr gefällt:
    „So lange die Menschheit nicht lernt, die Frauen zu respektieren, wird es keinen Frieden geben.“
    Yogi Bhajan

    Daraus möchte ich dies ableiten:

    Wenn die Menschen Frauen und Tiere respektiert, wird es Frieden geben.

    Von Herzen!
    Anja

  • Liebe Ute Plass, noch als Nachtrag, wollte noch auf deinen Kommentar antworten, „Das Internet selber ist ja nicht die Ursache für Gewalt, sondern lediglich ein Medium ihrer Sichtbarmachung.
    Denke auch, dass sexuelle Gewalt nicht losgelöst betrachtet werden kann von strukturellen Gewaltverhältnissen, denen wir gesamtgesellschaftlich ausgesetzt sind. Daher ganz notwendig, dass sich auch immer mehr Frauen mit der vorherrschenden Ideologie des profit- u. konkurrenzgetriebenen Wirtschaftens auseinandersetzen“
    absolut, da stimm ich zu!
    Aber es würde auch genauso helfen, wenn Männer sich ebenfalls damit auseinandersetzen:). Ich finde, dass es immer viele Perspektiven und Zusammenwirken braucht, um etwas zu ändern.
    Was das mit dem Markt angeht, schön zusammengefasst.
    Da wird immer vergessen, dass der Markt immer nur da ist zwischen Menschen und kein eigenständiges Ding ist.

    Also auch wiederum von Menschen verändert werden kann.

    „Marita Blauth verfasste vor einiger Zeit dazu einen wichtigen Beitrag, und schreibt darin u.a.:

    Im Übrigen ist es verständlich, dass im Zeitalter des liberalisierten Geld-
    und Warenhandels die Prostitution sich ebenso liberalisieren möchte. Nur
    sehe ich diese Liberalisierung nicht als weibliche Freiheit an, sondern als
    Markt, der darauf angewiesen ist, Nachfrage zu steigern.
    http://www.bzw-weiterdenken.de/2014/03/ebenen-der-prostitution/„.
    Den Artikel von Maritha Blauth mochte ich auch sehr. Ich hatte es aus dieser Perspektive noch nicht so gesehen und ich fürchte, dass sie ins Schwarze getroffen hat.
    Ich sehe es aber ehrlich gesagt auch nicht als Freiheit
    der Männer. „Freier“ Frei-er ist für mich ein falscher
    Begriff.
    Die Männer, die zu Prostituierten gehen sind für mich nicht frei. Sie haben einen eingeschränkten Blick und einen eingeschränkten Wahrnehmungskreis, was Intimität angeht, sich selbst wahrscheinlich auch. Oder was es für die Frauen wirklich bedeutet oder für sie.
    Ich seh sie nicht als frei an.
    Deshalb auch meine Frage: Was ist überhaupt frei?
    Vieles was in der sexuellen Revolution damals als frei angesehen wurde, würd ich auch nicht so sehen.
    Es ist wichtig zu fragen, welche Freiheit wir eigentlich meinen und woher unser Begriff dafür kommt, woraus der sich zusammensetzt. Viele werden wahrscheinlich merken, so wie ich früher, dass vieles durch die Medien zusammengesetzt ist und nichts Eigenes ist oder durch das was andere uns angetan haben. Das ist aber keine Freiheit, sondern ein Reflex auf Verletzungen.

    Liebe Anja,
    „Ich bin felsenfest überzeugt: Diese Welt wird in der Zukunft real sein“
    das wäre schön! Du hast auch recht, jeder Schritt dahin lohnt sich und richtig, viele Frauen damals haben ja für uns heute auch schon so viel erreicht.
    Es geht doch schneller als wir denken.
    frei und selbstbestimmt…du triffst es.
    Du hast recht. Letztens dachte ich, dass die Unterdrückung der Tiere etwas damit zu tun hat, dass wir aus unserer menschlichen Sicht sowieso nie verstehen werden, wie klug und sensibel diese Form der Lebewesen ist.
    Genauso seh ich das bei den Männern damals. Sie hatten sich nicht mal die Mühe gemacht zu sehen, was sie überhaupt da schreiben und über wen. Die Arroganz war unglaublich und das Wegschauen auch. Unfrei eben.
    Ich seh es wie Hannah Arendt, die „Herrscher“ sind nicht frei.
    Genauso wenn über die Indios geschrieben wurde oder was auch immer (beliebig einsetzbar), ganz selten war mal Respekt spürbar.
    Und wirkliches Kennenlernen wollen, wirkliches Verstehenwollen. Darauf kommt es an.
    Danke, dass du hier auch über die Tiere geschrieben hast.
    Das ist ein genauso wichtiges Thema.
    Es hat genauso mit Respekt zu tun wie beim Zusammenwirken zwischen Menschen. Stärke ist für mich ein falsch besetztes Wort. Es hat nichts mit Gewalt zu tun oder egoistisch sein sondern damit sich selbst zu kennen und innerlich stark zu sein. Mit sich selbst auszukommen und sich den eigenen Aggressionen oder der eigenen Trauer (noch wichtiger) stellen zu können.
    „Tiere haben ebenso Gefühle wie wir. Sie lieben ihre Kinder. Sie würden in soziale Gemeinschaften leben. Sie würden einander bis zu ihrem natürlichen Tod beistehen, zusammen spielen und gemütlich im Gras schmusen. Wenn wir sie nur ließen… “
    ja, du sagst es.
    Es hat was damit zu tun, wie bei der sexuellen Gewalt, dass viele Menschen nicht sehen wollen, was um sie herum geschieht, weil es weh tun würde. Weil es Zeit braucht sich zu hinterfragen und sich einzugestehen, in welcher Welt wir wirklich leben und worauf sie beruht.
    Oder worauf das eigene Leben beruht. Ich glaube, darum geht es mehr. Es ist immer einfacher Gewalt als normal anzusehen, in jeglicher Form, auch in der Sprache oder im Umgang mit anderen.
    Ich hab den Artikel auch geschrieben um zu zeigen dass das nicht so sein muss.
    Ich glaube, damit niemand gezwungen wird müssten wir den Mut haben uns anschauen zu können, woher unsere Aggressionen kommen und unsere Gewalt, unsere Machtgelüste (Pseudo-Macht meine ich hier) und unsere Ängste auch.
    Ich mag es nicht, dass diese Leute immer als Monster dargestellt werden, es sind Leute, die ihre Entscheidungen zur Gewalt aus einem Grund getroffen haben.
    Und, das ist auch nicht zu vergessen, von vielen und vielen Medien gestützt werden. Wer sich davon überzeugen will, kann ja einmal die Berichte über Vergewaltigungsopfer lesen.
    Wenn wir uns Ausbeutung anschauen, jeglicher Art, müssen wir gucken, woher die kommt.
    Ich vermute so langsam, dass Gewalt einfacher ist als wirklich zu trauern oder zu sich zu stehen und sich die eigene Vergangenheit anzusehen. So wie Alice Miller es auch einmal für Personen wie Hitler beschrieben hat.
    Jemanden die eigenen Schmerzen aufzudrücken, in welcher Form auch immmer.
    So wie Eltern es oft tun bei ihren Kindern statt selbst zu gucken wie es ihnen gut gehen könnte oder wie sie aus dem Mist herauskommen.
    Aber in dem Zitat vom Yogi wird doch dann die Frauen wieder als Anderes gesetzt. Es ist doch gar nicht so unterschiedlich. Darum geht es ja immer.
    Wir sind doch alle Menschen.
    Terre des Femmes hat sich ja auch gegründet, weil Terre des hommes im Grunde nur die männliche Sicht der Welt beschreibt, hommes, Mann.
    Es ist schade.
    Es gibt das Buch von Cordelia Finke, Die Geschlechterlüge, das wirklich mit den ganzen Mythen Schluss macht und wissenschaftlich aufklärt, wie es aussieht.
    Es stimmt aber, was du sagst, dass da noch Einiges im Argen liegt, auch bei den Tieren.
    Es gibt dieses Zitat, dass es keinen Frieden geben wird, solange es Schlachthäuser gibt. Ich glaube das auch. Es gab auch einen Arzt im Nationalsozialismus, der mal gesagt hat, dass man dort bei den medizinischen Versuchen das mit Menschen machen konnte, was man sonst nur mit Kaninchen machen konnte.
    Das ist bezeichnend.
    Sowieso, es gibt so viel Schweigen über solche Zeiten, auch über die Leiden der Frauen in diesen „Bordellen“ der Nazizeit oder generell. Es gibt so so so viel Schweigen.
    Und was daraus entsteht können wir uns heute ansehen im Grunde.
    Reden wäre doch einfacher gewesen.

  • Anja Kolberg sagt:

    Liebe Sabrina,
    danke für deine Antwort, bei der ich lesend zustimme.
    ‚Jemanden die eigenen Schmerzen aufzudrücken, in welcher Form auch immmer.‘
    Da ist wahres dran. Auseinandersetzung mit dem Selbst ist schmerzhafter und anstrengender…

    Ja, das Zitat mit dem Yogi grenzt ab/aus. Auch meine Variante davon ist nicht besser. Denn auch Kinder werden nicht respektiert und es gibt auch Männer, die nicht respektiert werden… Vielleicht so:

    Wenn wir alle Lebewesen – auch uns selbst – respektieren und lieben, ist der Friede da.

  • Liebe Anja, du hast mich ja dazu inspiriert, von daher hast du auch einen großen Anteil an den Gedanken, wie alle Frauen hier.
    Eine im Wildwasserforum hat auch einmal geschrieben: „Wenn mehr Menschen sich so ehrlich mit sich selbst auseinandersetzen würden, dann würde es solche Eltern nicht geben“. Sie hatte damit recht. Auseinandersetzung mit sich selbst, mit den Schmerzen und der Wut vor allem hilft. Ich glaube ehrlich gesagt, dass es dann auch weniger Geschwistergewalt geben würde, die oft nur die Gewalt zwischen den Eltern kopiert, das was wir eben sehen und als normal auffassen oder die Schmerzen die von älteren Geschwistern auf jüngere übertragen werden, weil sie sich selbst nicht ansehen und spüren können, was genauso schlimm ist.
    Es ist so nötig, sich selbst in die Augen sehen zu können.
    Deine neue Variante finde ich wunderbar!
    Das trifft es:
    „Wenn wir alle Lebewesen – auch uns selbst – respektieren und lieben, ist der Friede da“
    So ist es!
    Danke für diesen tollen Satz, den merk ich mir!

  • Bettina Schmitz sagt:

    Liebe Sabrina, oh, da begegnen ich Dir heute bereits zum zweiten Mal! Danke für den berührenden Artikel! [Leider] immer drängend aktuell, beschäftigt mich zur Zeit ganz besonders, daher besonders passend, herzlich, Bettina – immer wieder wichtig, diese Welt zu denken, unsere Welt so zu denken; sie uns vorzustellen, auszumalen und nicht daran zu zweifeln (wenn das so einfach wäre), dass wir sie auch auf diese Weise wirklich werden lassen …

  • Hallo Bettina, du hast mich irgendwie gerade mit deinem Kommentar inspiriert und mit deinem Buch, poetischer zu sein, selbst bei dem Thema (und damit vielleicht sogar wahrer):
    Unter all der Bilderflut
    dem falschen Lachen
    dem falschen Sagen
    falschem Hoffen
    falschem Geben
    falschem „Ist eben so“
    und falschem „Ich hab dich ja lieb“
    ein wahres Stück
    Wort
    Tanz
    Geben
    Nehmen
    ein wahres Stück Zusammenwirken
    zwischen Menschen

    gebe dir die Hand
    die du noch nicht kennst
    nie ganz kennen wirst
    weil Menschen
    nie ganz sind
    was sie sein könnten
    ohne Bilder und Worte
    und Menschen die verletzen
    aber beinah
    ganz
    und beinah frei
    das ist möglich
    und eine Wahl
    die wir haben

    zwischen den Zeilen
    und in uns selbst
    ein Stück wahrer
    ein Stück mehr

    frei

  • Bettina Schmitz sagt:

    wie wunderschön! „die Hand, die du noch nicht kennst“ „zwischen den Zeilen“, wahrer und freier sein – wunderbar diesen Text am Montagmittag zu entdecken, nehme ich die Worte/Gedanken mit in die Woche***

  • Liebe Bettina, das kommt bei mir einfach manchmal
    so aus mir raus, hier noch ein paar Worte:

    Sanft
    Ich gehe durch die Straßen
    sehe all die Schmerzen
    der Frauen
    der Männer
    gequält
    zerdrückt
    erdrückt
    fast gestorben
    spüre ihre Wunden
    tief in ihnen
    und doch
    Hoffnung
    auf Neues
    hinter der
    Ironie
    der Sprache
    die tief verletzt
    hinter der
    feigen Gewalt
    Hoffnung

    Mut
    zum Fühlen
    Reden teilen
    du bist da
    hör mir zu
    schau hinter
    das was da ist
    und es entwickelt
    sich
    Menschen sind frei
    zu entscheiden
    wohin
    gib mir deine Hand
    werden
    Neues
    und Mut
    für eine neue
    Welt zwischen uns
    und anderen
    aus Achtung
    und einem Gefühl
    für die eigene
    Würde und die
    eigene Freude

    behutsam
    zerbrechlich
    und wahr

  • ursula jung sagt:

    So viele engagierte Kommentare! Danke!
    „Wenn wir alle Lebewesen respektieren und lieben,ist der Friede da“? Magst Du aufessen,die Du liebst? Vegetarier werden reicht nicht,vegan leben auch nicht, denn selbst Pflanzen kämpfen um ihr Leben.
    Ich denke,daß ich soviel nehmen darf, wie ich nötig zum Leben brauche.Dafür achte und liebe ich Tiere und Pflanzen, verschwende ihr Leben nicht, wie es unsere heutige Wirtschaft macht.
    Viele Tierarten leben davon, daß sie andere umbringen. Hat sich der Schöpfer dieser Welt vielleicht doch geirrt, als er meinte,sie sei sehr gut?

  • Hallo Ursula Jung, „So viele engagierte Kommentare! Danke!“, das seh ich auch so. Es ist wunderbar hier zu schreiben und die Rückmeldungen zu bekommen, als würde sich alles auf den Kopf stellen und neu bilden. Neue Welten zwischen Menschen.
    „Ich denke,daß ich soviel nehmen darf, wie ich nötig zum Leben brauche“. Ich mag deine Ansicht sehr!
    Ich halte es genauso, es kommt immer auf das Maß an und achtungsvoll mit anderen umzugehen, respektvoll, mit sich selbst und anderen, mit der Umgebung, mit allem darin. Sich bewusst zu sein, was unsere Handlungen für Konsequenzen haben.
    Ich glaube persönlich nicht an eine Schöpferin, einen Schöpfer, für mich ist es beruhigend genug zu wissen, dass alle und alles Natur ist und dass es auch dahin wieder zurückgeht. Für mich ist es auch so dass die Natur an sich und alles darin nicht grausam ist, sondern dass, wenn überhaupt, nur zur Selbsterhaltung getötet wird. Was Menschen aber oft erreicht haben, durch ihre Unehrlichkeit und auch durch Verdrehungen der seltsamsten Art, war eine Grausamkeit, die so nicht hätte vorkommen dürfen.
    Und es ist teilweise heute immer noch so.
    Denn viele können wahrscheinlich gar nicht mehr definieren, was sie eigentlich brauchen oder woher ihr Brauchen kommt.
    Was macht das Brauchen aus? Und wie viel ist nötig um am Leben zu bleiben und sich wohlzufühlen? Wo ist die Grenze?
    Bei ganz vielen bemerke ich immer, dass sie Wünsche haben, die irgendwie nicht ganz von ihnen kommen können, das ist immer spürbar. Und da wär es dann spannend zu gucken, woher das kommt. Woher Gewalt kommt, Grausamkeit. Woher aber eben auch das Gute kommt, die Menschen, die sanft sind, die Menschen, die sich gegen Gewalt und für Achtung und Respekt entscheiden. Die gibt es auch immer.
    Und ich vermute einfach, dass es daran liegt, dass die Menschen, die sich entschieden haben, bei sich selbst achtsam und respektvoll zu sein und ehrlich mit ihren eigenen Schmerzen und Freuden umzugehen, genauso mit anderen umgehen können. Und das Umgekehrte auch.
    Und es klingt so einfach, aber genau diese Ehrlichkeit und Offenheit, auch zu den eigenen eher Schattenseiten zu stehen, erfordert einiges an Mut. Viele Menschen schaffen das nicht und landen dann eben bei der Gewalt, die ja eigentlich Ohnmacht ist. Und Stärke wird daher auch falsch definiert. Stärke entsteht eigentlich im Inneren, wenn ein Mensch sich selbst gut kennt.
    Und das wiederum hilft dann auch, sich bewusster mit sich selbst und anderen auseinanderzusetzen. Es ist meine These, dass dann Gewalt in der Form, wie wir sie heute sehen, nicht mehr möglich wäre, wenn Menschen wirklich den Mut hätten, sich mit sich selbst und ihren Schmerzen und ihren Erlebnissen klar auseinanderzusetzen.

Weiterdenken