beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Rubrik handeln

Wohin geht’s mit der Frauenbewegung?

Von Antje Schrupp

Beiträge (nicht nur) zur aktuellen Feminismus-Debatte

FrauenbewegungWoher kommen die weit verbreiteten Vorurteile gegen den Feminismus? Brauchen wir eine neue „dritte Welle“ wie in den USA – oder reicht die „zweite“ noch völlig aus? Wie hängt das schlechte „Image“ der Frauenbewegung damit zusammen, dass Männer teilweise sehr aggressiv ausgeschlossen wurden? Und wie könnte die Kommunikation zwischen Frauen und Männern, aber auch zwischen Feministinnen und Frauen, die sich vom Feminismus abgrenzen, verbessert werden? Was hat all das mit unterschiedlichen Generationen und biografischen Hintergründen zu tun?

Die historische Dimension des Geschlechterkonflikts

Solche Fragen haben wir in diesem Forum im Frühsommer 2007 kontrovers diskutiert.

Ausgelöst hatte das Ganze ein Artikel von Dorothee Markert über „Traumatisierungen zwischen Männern und Frauen„. Darauf gab es eine ganze Reihe von Reaktionen, die als Zuschriften am Ende des Artikels stehen bzw. dort verlinkt wurden.

So plädiert etwa die Historikerin Kerstin Wolff vom „Archiv der deutschen Frauenbewegung“ dafür, bei der Analyse die historische Dimension der Frauenbewegung zu berücksichtigen.

Ingrid Maria Bertram findet, dass es kein Fehler und auch kein Unrecht war, Männer auszuschließen, und dass sich die damaligen Aktionsformen durch biografische Hintergründe, etwa das Erbe des Nationalsozialismus, erklären lassen.

Braucht der Feminismus eine „dritte Welle“?

Und wie müsste es heute weitergehen mit dem Feminismus? Kerstin Wolff schlägt vor, eine „dritte Welle“ der Frauenbewegung zu initiieren.

Silke Teuerle hingegen glaubt, dass die zweite es durchaus noch tut. In ihrem Artikel versucht sie, Antworten zu geben, warum so viele junge Frauen aus ihrer eigenen Generation sich mit der Frauenbewegung schwer tun – und welche Antworten hier gefragt wären.

Einen künstlerischen Blick auf junge Frauen wirft schließlich die Malerin Kerstin Lichtblau, die in diesem Forum ihr aktuelles Projekt „Augenmädchen“ vorstellt.

Und dann plötzlich: der „neue“ Feminismus

Im Jahr 2008 wurde dann die Diskussion plötzlich wieder so richtig aktuell. Bettina Bremer besuchte eine Veranstaltung mit Jana Hensel, und Elisabeth Raether, den Autorinnen von „Neue deutsche Mädchen“ – und war nicht überzeugt. Sie fragt sich: Was folgt eigentlich daraus? Und soll daraus überhaupt etwas folgen?

Schon eher angetan war Maria Börgermann-Kreckl von der Lektüre des von Mirja Stöcker herausgegebenen Buches „Das F-Wort. Feminismus ist sexy“.

Und Cornelia Roth findet zwar auch, dass die „Alphamädchen“ keine wirklich großen Ambitionen haben, ihr gefällt aber durchaus der Versuch des gleichnamigen Buches von Meredith Haaf, Susanne Klinger und Barbara Streidl, den Feminismus „schöner“ zu machen.

Was von dem Femi-Bestseller des Jahres zu halten ist, dem Roman „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche, darüber hat sich Dorothee Markert Gedanken gemacht.

Für ganz und gar nicht ausreichend hält Antje Schrupp jedenfalls die Vorschläge, die Silvana Koch-Mehrin in ihrem aktuellen Buch „Schwestern – Streitschrift für einen neuen Feminismus“ macht.

Die Differenz unter Frauen

Der Dreh- und Angelpunkt bei all dem ist sicherlich die Differenz unter Frauen. Dass das Gespräch über unterschiedliche Lebensentwürfe, Ansichten und Urteile oft nicht leicht ist, weil Konflikte zwischen Frauen noch meist großes Schweigen auslösen statt Auseinandersetzungen in Gang zu setzen, davon erzählt Silke Teuerle in ihrer amüsant-traurig-hoffnungsvollen Glosse „Kinderstreit„.

Autorin: Antje Schrupp
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 06.06.2007

Weiterdenken